Blume & Ince 48: Weihnachtsfolge mit dem Petrodollar-Rentier & dem Weihnachtsmann

Ob wir vor Weihnachten noch eine Weihnachtsfolge 2025 von “Blume & Ince” (Pod- & Vodcast) schaffen würden, war uns nicht klar. Doch dann entdeckte BWL-Prof. Dr. Inan Ince im Video zur “Solarpunk-Frieden-These” das knuffige Petrodollar-Rentierstaatstheorie-Rentier – und das Thema war gesetzt!

Links sehen wir ein Comic-artig gezeichnetes, an einem Dollarsack stehendes Rentier mit Krone, daneben rechts die “Ressourcenfluch”-Theorie anhand eines auslaufenden Fasses und eines verdorrten Baumes. Grafik: Michael Blume mit NotebookLM

Schon im September 2023 hatten wir gefragt, warum die Rentierstaatstheorie der Politikwissenschaft und der Ressourcenfluch der Volkswirtschaftslehre im deutschsprachigen Raum so wenig bekannt geworden sind. Inzwischen setzt sich der Solarboom aber aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit vor allem außerhalb von Europa wie etwa in China, Pakistan und Sierra Leone rasant durch!

Nun also konnten wir gemeinsam nicht nur darüber aufklären, sondern auch darlegen, wer der Weihnachtsmann war und wie er zu seinen Rentieren kam. Der Prof. las sogar das dazu grundlegende Gedicht “A Visit from St. Nicholas” (1822) von Clement Clarke Moore (1779 – 1863) live!

Das ganze Video basiert auf meinem Redeskript zum 11. September 2025 bei Balkonsolar in Freiburg und thematisiert also auch erneuerbare Friedensenergien und die Überwindung der fossilen Gewaltenergien.

In der Einstiegskachel von "Blume & Ince" 48 mit dem Titel "Weihnachten zwischen Rentieren und Rentierstaats-Frieden" trägt Dr. Michael Blume links einen doppelten Weihnachtsmann auf dem Kopf, Prof. Dr. Inan Ince rechts das Geweih eines Rentieres.

Die Solarpunk-These: Fossile Gewaltenergien versus erneuerbare Friedensenergien. Grafik: Prof. Dr. Inan Ince

Mir war dabei wichtig, dass ich mir bei der Anwendung von KIen ausdrücklich auch hier auf dem Wissenschaftsblog drei eigene Regeln gesetzt habe:

  1. Jeder Einsatz von KI-Anwendungen ist transparent zu machen. Wo hier auf “Natur des Glaubens” keine KI angegeben ist, ist auch keine drinnen.
  2. Zur Erstellung von Erklärvideos, Folien usw. verwende ich nur eigene Quellen, wie hier das FreiburgBalkonsolar-Redeskript zum 11. September 2025.
  3. Die Originalquelle ist für all jene zu verlinken, die anstelle der KI oder zusätzlich zu ihr Lesen und kritisch Prüfen wollen.

Nun also wünschen wir allen frohe Weihnachten bzw. schöne Feiertage und einen guten Rosch / Rutsch ins neue Jahr 2026! Wir hoffen, die neue Folge von “Blume & Ince” (als Podcast bei podigee) bringt Euch auf den Schwingen der Neugier ins neue Jahr! 🙂 

Avatar-Foto

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

37 Kommentare

  1. Es war definitiv ein neuer Rekord, was die Länge der Folge angeht, aber wer reinhört wird feststellen, dass wir hier und da recht leidenschaftlich geworden sind 😉 Ich hoffe, dass es dennoch allen gefällt und eine schöne Diskussionsgrundlage liefert!
    In jedem Falle wünsche ich allen einen schönen Jahreswechsel und auch etwas Zeit zur Erholung

    • Vielen herzlichen Dank, lieber @Inan – mir hat es wieder große Freude gemacht! Besonders beeindruckt hat mich Dein spontaner Vortrag des Gedichts “A Visit from St. Nicholas” (1822) von Clement Clarke Moore (1779 – 1863). Denn v.a. über dieses Gedicht aus New York wurde ja die Verschmelzung von Nikolaus, Sinterklaas und Rentieren populär. Nach unzähligen Nachdrucken wurde es bereits 1946 von Castle Films verfilmt und war lange ähnlich populär wie “Dinner for One” in Deutschland:

      https://www.youtube.com/watch?v=tte4ghajZsg

      Ich denke, das ist ein hervorragendes Beispiel für die von uns diskutierte “apokryphe Mimesis” – für die Herausbildung immer wieder neuer, vor allem Familien-orientierter Märchen und Bilder an die großen Mythen.

      In Sachen “leidenschaftlich” hast Du völlig Recht: Wie erwähnt stand ich noch unter dem Eindruck des jüdisch-christlich-ezidischen Lichterfestes in Pforzheim. Dort war mir wieder sehr deutlich geworden, dass die Rechtsmimesis demokratischer Parteien immer ein Irrweg ist und sich niemand deswegen sicherer fühlen wird, dass wir rechtstreue, jesidische Familien in den Irak abschieben oder gegenüber Verbündeten in Afghanistan unsere Aufnahmezusagen brechen. Das kurze Interview durch die Sängerin Sharon Suliman hatte ein Freund gefilmt, hier:

      https://www.youtube.com/watch?v=e4NKOyhdlYM

      Schließlich hast Du vielleicht mein kurzes Zögern bemerkt, als es um den badischen, christdemokratischen Reichskanzler Joseph Wirth (1879 – 1956) ging, der sich als Mitglied des katholischen Zentrum gegen den Rechtsdualismus in der Weimarer Republik stellte. Ich ehre ihn sehr und wollte seinen Namen aber nicht als Sidekick in der Folge haben. Vielleicht ist er ja sogar mal für eine eigene Folge geeignet? Hier hatte ich ihn schon einmal auf dem Solarpunk-Kanal gewürdigt:

      https://www.youtube.com/shorts/jyg2rf2a-1Q

      Aus meiner Sicht hat jede lebendige Demokratie eine eindeutige, auch aus den Religionen gespeiste Mitte: Die Würde jedes Menschen. (Art. 1 GG) Und ich glaube, dass erst der rechte, dann auch der linke Rand erstarkt, wenn die demokratischen Parteien diese Mitte aufgeben.

      Beim CDU-Landesparteitag in Heidelberg traf ich u.a. unseren EAK-Landesvorsitzenden David Müller, der sich sehr für die verfolgten Minderheiten in Irak und in Syrien engagiert. Er schrieb dieses Jahr zu Weihnachten einige Sätze, die auch mein, ja, leidenschaftliches Empfinden als Christ und Demokrat ausdrücken:

      “Weihnachten erzählt keine fromme Gegenwelt. Es erzählt davon, dass Gott Mensch wird – mitten in eine unruhige, politisch aufgeladene, widersprüchliche Wirklichkeit. Nicht fern von Macht, Verantwortung und Entscheidungen, sondern genau dort hinein.

      Gerade das macht den christlichen Glauben bis heute relevant. Er zieht sich nicht aus der Welt zurück, sondern nimmt sie ernst. Er traut dem Menschen Würde zu – auch dann, wenn Debatten hart werden und Orientierung schwerfällt. Diese Perspektive ist kein Zusatz zur Politik. Sie ist ein innerer Kompass.

      Viele von Ihnen erleben im Alltag – in Gesprächen, im Ehrenamt oder im beruflichen Umfeld –, wie sehr Sprache und Haltung in politischen Debatten an Bedeutung gewonnen haben. Umso wichtiger ist es, dass christliche Überzeugungen in der CDU hörbar bleiben. Wenn vom Menschen nicht nur funktional, sondern in seiner unveräußerlichen Würde gesprochen wird. Wenn Verantwortung nicht über Macht definiert wird, sondern aus Haltung wächst.”

      Herzlichen Dank für die intensive, lange und aus meiner Sicht sehr gelungene Weihnachtsfolge 2025, lieber Inan!

      Dir und Deiner Familie von Herzen gesegnete Feiertage und einen guten Rosch in 2026! 🌞🙏🎶

  2. Sie sind schon so weit gekommen, hören Sie nicht auf – denken Sie konsequent weiter.

    Baby frisst nicht Mamis Milch, Baby frisst Mami. Mami gut, weil Essen gut. Gibt Mami kein Essen, ist Mami böse, Baby muss mehr beißen. Wenn Baby nicht mehr beißen kann, ist Baby böse, denn das Baby ist auch Mami, im Innern gibt es Babys, die es genauso fressen. Dieses Baby bleiben wir ein Leben lang – Bäcker und Brötchen sind eins, und wenn der Bäcker keine Brötchen mehr rausrückt, fressen wir ihn trotzdem weiter. Wenn wir kein Essen von Außen bekommen, fressen wir uns vom Innern, bis wir verhungert sind.

    Aus diesem Grundbaustein bauen Sie bitte Ihre Theorien.

    Der Mensch ist des Menschen Ressource. Sie sind Saudiarabien, das von der Ausbeutung des Ölfeldes Nachbarn lebt. Eine Demokratie ist eine Rentier-AG, in der die Aktionäre das Sagen haben. Eine Diktatur ist eine Rentier-AG, in der der Vorstand das Sagen hat. Aber in beiden steht die Sekundär-Ressource im Vordergrund – der Mensch. Das Baby Aktionäre nuckelt am Baby Vorstand, das Baby Vorstand nuckelt am Baby Aktionäre, alle Futterflüsse fließen zu einem zusammen, dem Blutfluss, den wir mittels Geld ausschöpfen, sodass das Baby das Geld mit dem Blut verwechselt und irgendwann nur leeres Geld nuckelt, weil Luft einfacher zu beißen ist, und nicht versteht, warum es nicht satt wird.

    Finanzkollaps ist, wenn das Baby Bäuerchen macht. Weltuntergang ist, wenn es sich aufgebläht hat und platzt wie ein Ballon.

    Demokratien entstehen, wo es viele Futterquellen gibt, de facto sind es Adelsdemokratien mit vielen Fürsten, denn das Baby nuckelt so, wie es funktioniert, ob es an Mami Mami nuckelt, an Mami Ackerboden, an Mami Fürst, an Mami Ölquelle, an Mami Sklave: Der Wähler wählt die Stimme des Fürsten, der ihn füttert, er ist genauso Kapital seines Fürsten, ein Macht-Quantum, wie ein Dollar bei Musk oder ein Kilogramm beim Walross. Doch durch die vielen Machtkämpfe, stets wechselnde Koalitionen, all die großen und kleinen Imperialisten, sind sie tausend Weltgeschichten in einer – sie können nicht für lange eine feste Form annehmen, und das ist recht praktisch für eine Amöbe, eine Rentier-AG, die stets neue Futterquellen jagen muss, die sich eine Titten-Sammlung zulegen muss, aus denen sie alle Sorten Milch und Blut und Honig saugen kann, die sie braucht, um zu einem komplexeren Organismus heranzuwachsen.

    Dadurch sind sie aber auch Milupa für jedes Mücken-Baby, das es schafft, seinen Rüssel da hinein zu stecken.

    Eine Demokratie ist der T-1000, eine amorphe Masse, eine Ursuppe, aus der Sie sich jede Form kneten können, die in der DNA eines Chips codiert ist, den Sie hineinwerfen. Eine Diktatur ist der T-500, der eine feste Form hat, feste Strukturen, die schnell und hart zuschlagen können, doch er kann sich nicht ändern – ist die Batterie erschöpft, rostet er einfach nur vor sich hin. Kommt Sand ins Getriebe, geht er kaputt.

    Und da fällt schon auf, dass sich die Demokratie Deutschland an vielen Stellen eher wie eine Diktatur verhält, oder? Die absolute Dominanz einer einzigen Ressourcenquelle, des Geldes, die Alleinherrschaft ihrer Ayatollahs, Mullahs, Scheichs und Taliban, killt uns genauso, wie der Fossilismus Russland killt.

    Im Bezug auf diese Ölquelle sind wir wie Norwegen, deswegen jaulen ja alle über den aufgeblähten Staatsapparat, der der Umverteilung unter die Aktionäre gilt, und Leute mit messbarem IQ dazu noch über die Börsen, die dem gleichen Zweck dienen. Doch Sie können Geld nicht essen. Sie können nur die Sachen essen, die Sie mit Geld kaufen – und wir haben alle Angeln für Geld verkauft, um uns Fische zu kaufen, weil wir dachten, wenn wir Geld drucken, mit der Börse in fremden Gewässern angeln, würden wir an der ganzen Welt nuckeln können – und dann aneinander, wie die Baby-Vampire, aus denen auch Ihr Körper besteht.

    Es nützt mir nichts, Demokratie oder Diktatur zu sein, wenn meine primären Futterquellen versiegen. Dann bin ich nämlich nur Rentier der Kannibalen-AG, in der sich alle gegenseitig auffressen.

    Und das kriegt das dumme Baby Deutschland einfach nicht in seinen dummen Schädel – dass es nichts nützt, Mami Vorstand auszutauschen, wenn die Firma pleite ist. Es nützt nix, abwechselnd an der rechten Titte und der linken Titte zu nuckeln, wenn Mami tot ist und die Milch nach Knochenmark und Leichengift schmeckt, weil auch Mami einen Mund hat, und da zu lange nicht mehr genug hineingekommen ist, weil sie ihren Job verloren hat, weil die Marsianer gelandet sind, ihre Pflanzen die irdischen verdrängt haben und um sie ein neuer Dschungel wuchert, in dem das Leben blüht, aber nix mehr wächst, was ihr Magen verdauen könnte.

    Das Baby muss genauso mutieren, wie die Raupe zum Schmetterling. Lernen, neue Futterquellen zu nützen. Rentier bleibt es so oder so. Aber der Weihnachtsmann in der Krippe muss immer und immer wieder neu gefunden und erschlossen werden.

    • Lieben Dank, @Paul S. – aber dazu Nein.

      Aus diesem Grundbaustein bauen Sie bitte Ihre Theorien.

      Ich hatte mich bereits in meiner frühen Biografie „Evolution und Gottesfrage. Charles Darwin als Theologe“ mit den schon damaligen Lesarten der Evolution als Fressen-und-Gefressen-Werden versus Kooperation-führt-zu-Liebe auseinander gesetzt. Ihre Worte mögen zu Weihnachten bewusst zynisch, verbittert und pseudo-realistisch inszeniert sein – neu sind sie für mich nicht.

      Denn aus meiner Sicht zeigt die Evolutionsgeschichte klar das zunehmende Potential (!) für Kooperation, über menschliche Nächsten- und gar Feindesliebe hinaus bis zur Religiosität und Spiritualität.

      Wenn das Universum so kalt und sozialdarwinistisch wäre, wie auch Sie es beschreiben, dann hätte es weder die Ideen des Heiligen einschließlich der Menschenwürde noch Freundschaften hervorgebracht.

      Ich sage nicht, dass Leben in Liebe gelingen muss, sondern nur, dass es gelingen kann. Und das reicht mir als Hoffnung zum Dennoch.

      Ihnen von Herzen schöne und auch sozial warme Feiertage und einen guten Rosch in 2026!

  3. Zitat:

    Schon im September 2023 hatten wir gefragt, warum die Rentierstaatstheorie der Politikwissenschaft und der Ressourcenfluch der Volkswirtschaftslehre im deutschsprachigen Raum so wenig bekannt geworden sind. Inzwischen setzt sich der Solarboom aber aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit vor allem außerhalb von Europa wie etwa in China, Pakistan und Sierra Leone rasant durch!

    These 1: Die Rentierstaaten, die klassischen auf Kohle, Öl und Erdgas basierenden Industriestaaten und die neu entstehenden Elektrostaaten, die ihre Energie CO2-arm als Strom erzeugen und mit diesen Strom Fahrzeuge, Wärmepumpen und Elektromotoren betreiben und den Strom in Batterien speichern, all diese Staaten sind durch folgende Dinge definiert: was sind die primären Energiequellen, wo überall kommen diese Energiequellen zum Einsatz und wer besitzt, exportiert und importiert diese Energiequellen.
    These 2: Sowohl fossile Staaten wie auch Elektrostaaten haben dann das Potenzial Wohlstand zu schaffen, wenn sowohl die Energieerzeuger, die Energiespeicher und die Geräte, die die Energie verbrauchen 1) kostengünstig sind und 2) überall verfügbar sind.
    These 3: Eine Transformation vom fossilen Staat zum Elektrostaat wird sich allein schon über Marktmechanismen durchsetzen, wenn die Gesamtheit der Investitions- und Betriebskosten im Elektrostaat über einen Zeitraum von 20 Jahren kleiner sind als im fossilen Staat.

    Schlussfolgerung aus den 3 Thesen: Das Klimaproblem wurde fälschlicherweise vor allem hier im Westen als primär politisches Problem betrachtet und die Politik, dachte man, könnte einfach die fossilen Energien verteuern um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Die Entwicklungs- und Schwellenländer opponierten sehr früh gegen diese Vorgehensweise, denn teurere Energien würden ihre Entwicklung verlangsamen. Und jetzt zeigt sich, dass erst die billigen Solarpanel, die billigen Windturbinen, die billigen Batterien und billigen chinesischen Elektromobile den Umstieg zur reinen Elektrowirtschaft weltweit begünstigen. Die chinesische Förderung der Elektrowirtschaft hat mehr bewirkt als alle politischen Programme vorher.

    Kurzum: Der gesättigte Westen hat vergessen, dass nicht vor allem Politik und Administration, sondern Technologie seinen Aufstieg ermöglicht hat. Ich habe übrigens schon vor 30 Jahren einen internationales Forschungs- und Entwicklungsprogramm für CO2-arme Technologien gefordert. Das hat es nicht gegeben. Anstatt ein internationales Technologieprogramm war es am Schluss ein chinesisches Technologieprogramm, das die Transformation von fossilen zu Elektrostaaten jetzt beschleunigt. Ironischerweise baute China vor diesem chinesischen Technologieprogramm für nicht-fossile Energien 1000 Kohlekraftwerke. China war also sowohl ein sehr aktiver fossiler Staat wie es nun ein sehr aktiver Elektrostaat ist.

  4. @Podcast nr 48

    Ich denke auch, dass die Menschenwürde die Mitte sein sollte, und eigentlich immer auch ist. Auch in Fragen rund um Migration. Wirklich Verfolgte einzuladen wie auch Einwanderer, die wir gut brauchen können, macht Sinn. Aber mit funktionierenden Außengrenzen.

    Die Einwanderer, die wir dann haben wollen, die kann man aber m.E. besser auf die Kommunen verteilen. In NRW fällt mir dazu Düsseldorf und Münster ein, die haben so eine Wohnungsnot, die haben jetzt echt keine Wohnungen für neue Einwanderer frei.

    Vielleicht sollten die Kommunen deutschlandweit grundsätzlich selber entscheiden, wie viele neue Einwanderer sie haben wollen.

    Ansonsten könnte auch die Integration vermutlich deutlich besser laufen, wenn insbesondere die 2. Generation nicht in den Schulen von Brennpunktstadtteilen ziemlich unter sich wären. Mit dann möglicherweise besseren Bildungsabschlüssen würde sich sogar der Bedarf von weiteren neuen Zuwanderern reduzieren.

    Und den Betroffenen kann das auch nur recht sein.

    Martin Holzherr 24.12. 13:13

    „Europas Technologie und Wirtschaft ist äusserst stark vom Ausland abhängig. Ursprünglich vor allem von den USA, neuerdings zusätzlich auch von China.“

    Offene Software wäre da erst mal schon richtig wichtig. Und das geht auch sehr gerne zusammen mit dem Rest der Welt, der mit Sicherheit auch keine Lust auf undefinierbare Ware aus China oder den US-IT-Firmen hat.

    Langfristig empfiehlt es sich zusätzlich, die ganze Grüne Technik auch in Europa herzustellen.

    Noch exportieren wir aber ganz fleißig, und wenn wir fossile Importe zusehens reduzieren, dann ist es zumindest rein wirtschaftlich ziemlich sinnvoll, jetzt reichlich Grüne Technik in China einzukaufen, solange das so schön billig ist.

    Und die so florierende auch europäische Energiewende bewegt nicht nur das Klima, sondern beeinflusst auch die Geldströme recht positiv. Nicht nur wird den fossilen Autokraten die Finanzierung entzogen, auch werden wir mit jeder längerfristigen grünen Investition immer unabhängiger.

    Erst mal bleibt schon mal die Installation der importierten Anlagen im Land, und die halten dann auch mindestens 20 Jahre. Soweit wir rund um Wasserstoff und andere alternative Speicher noch selber Neuentwicklungen hinbekommen, dann bleibt das dann sogar komplett in der EU.

    Wenn der Zubau von PV, Windrädern und vor allem Kurzfristspeichern samt E-Fahrzeugen weiter zunimmt, werden wir spätestens in 10 Jahren eine flächendeckende funktionierende Wasserstoffwirtschaft gut brauchen können. An manchen Orten wohl schon früher.

    Praktischerweise sollte man irgendwo damit anfangen, z.B. an der Nordseeküste, wo immer mehr Offshore-Windstrom aufläuft. Und dann Wasserstoffpipelines und umfunktionierte ehemalige Erdgasspeicher mit Industrieverbrauchern und Backupkraftwerken vernetzten, zunächst noch lokal. Davon ausgehend kann man das dann nach und nach immer mehr erweitern, bis wir ein Wasserstoffnetz quer durch ganz Europa haben.

    Eventuell auch mit durchgehenden Wasserstoffpipelines von Südeuropa bis nach Skandinavien und vom Balkan bis nach Großbritannien.

    Der Sinn und Zweck von neuen Erdgaskraftwerken erschließt sich mir dabei nicht. Umso sinnvoller könnte es sein, einfach keine weiteren alten Kohlekraftwerke stillzulegen, solange bis wir wirklich gar keine fossiles Backup mehr brauchen. Wenn diese Altkraftwerke dann bald nur noch für ein paar Wochen im Jahr laufen, sind die damit verbundenen Emissionen entsprechend zu vernachlässigen.

    Und Kohle ist auch von dem Füllstand der Erdgasspeicher komplett unabhängig. Wenn wir immer mehr ehemalige Erdgasspeicher auf Wasserstoff umrüsten, kann das schnell knapp werden, weil dieselbe Energiemenge Wasserstoff 4 mal mehr Speicherplatz braucht als Methan. Je weniger Erdgas wir noch brauchen, desto mehr Wasserstoff und auch Biogas kann dann in den unterirdischen Speichern saisonal gelagert werden.

  5. Herzlichen Dank für eine außergewöhnliche Folge. Danke für das Gedicht, das wirklich nicht hätte fehlen dürfen!

    Einen Punkt kann ich aus persönlicher Betroffenheit beantworten. Man fühlt sich nicht gut dabei, wenn Migranten, Bürgergeldempfänger, Kranke, Behinderte etc gegeneinander ausgespielt werden. Meiner Ansicht nach ist mit am schlimmsten bei der Rechnung: Was darf ein Mensch die Gemeinschaft kosten, der geringe Widerspruch. Danke, dass Sie so offen und kritisch solchen Meinungsäußerungen widersprochen haben.

    Im Prinzip wäre doch vieles ganz einfach. Friedensenergien, Freiheitsenergien – es geht, wenn man will. Wir wären weitgehend autark in unserer Energieversorgung. Stattdessen machen wir uns erpressbar, angreifbar und verheizen die jüngere Generation bei der Rente und beim Wehrdienst.

    Die Erpressbarkeit bei Social Media oder in der Wirtschaft durch die US-Regierung wird unsere Innenpolitik in der nächsten Zeit prägen. Um so weniger Verständnis kann ich dafür aufbringen, wenn eine Weihnachtsbotschaft des Bundeskanzlers bei X veröffentlicht wird! Außerdem wäre es auch nicht notwendig gewesen, denn traditionell spricht der Bundespräsident an Weihnachten und der Bundeskanzler an Silvester. Daher sehe ich mich nicht unter den Adressaten der Ausführungen des Bundeskanzlers. Ich weigere mich, X zu nutzen und möchte dazu auch nicht in dieser Form “gezwungen” werden.

    Die Diskussion um die Botschaft von Jesus und ob sie noch in unsere Zeit passt, wurde schon in USA diskutiert. Dort ist offenbar vor allem bei den Evangelikalen die Meinung weitverbreitet, dass Jesus “woke” war. Nun haben wir ähnliche Diskussionen auch bei uns. Wenn Politiker fordern, dass die Kirchen sich “nur” auf die Verkündung des Evangeliums beschränken sollen, dann ist das mE von großer Ignoranz und Arroganz geprägt. Die Glaubensinhalte sind ja keine bloße Aneinanderreihung von Buchstaben! Als Gläubige sind wir durch die christliche Botschaft aufgefordert, diese täglich mit Leben zu erfüllen. In allen demokratischen Parteien gibt es Menschen, die das auch tun. So wie Sie über das Zusammenkommen von Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit zum gemeinsamen Feiern berichtet haben, würde ich mir etwas Ähnliches zB von Politikern wünschen, die ihren Glauben ernst nehmen. Über Parteigrenzen hinweg als Beitrag zur Zukunft der Demokratie in unserem Land.

    Wir haben nur gemeinsam eine Zukunft. Wie es mit Europa als Global Player weitergeht, ist unsicher. Ein Wunsch für 2026: Suchen wir in Deutschland gemeinsam einen Weg wie wir auf die reagieren, die es von außen nicht gut mit uns meinen und hören wir damit auf, Feindbilder im Inneren zu schaffen.

    • Haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre überaus starke Rückmeldung zu unserer Weihnachtsfolge am ersten Weihnachtsfeiertag, @Marie H.! 🙏

      Sehr gerne gehe ich ausführlicher auf Ihre bewegenden Aussagen ein.

      “Einen Punkt kann ich aus persönlicher Betroffenheit beantworten. Man fühlt sich nicht gut dabei, wenn Migranten, Bürgergeldempfänger, Kranke, Behinderte etc gegeneinander ausgespielt werden. Meiner Ansicht nach ist mit am schlimmsten bei der Rechnung: Was darf ein Mensch die Gemeinschaft kosten, der geringe Widerspruch. Danke, dass Sie so offen und kritisch solchen Meinungsäußerungen widersprochen haben.”

      Vielen Dank & was wir hier beide als falsch erfühlen nenne ich Rechtsmimesis oder auch fossile Entsolidarisierung: Seit Jahren behaupten Rechtslibertäre, die demokratische Mitte ließe sich stabilisieren, wenn sie verschiedene Menschengruppen gegeneinander aufhetze und Abstriche bei der Menschenwürde vornehme.

      Aber warum sollte sich eine Rentnerin sicherer fühlen, wenn der Staat Schulkinder aus ihren Betten reißt und in ferne Länder abschiebt? Warum sollte sich ein Erkrankter besser fühlen, wenn die Leistungen für Familien mit Kindern auch in Bayern wieder zusammengestrichen werden? Warum sollte ein Landwirt jubeln, wenn darüber gestritten wird, ob ältere Menschen noch ihre Medikamente oder Behinderte noch eine Pflegeassistenz bekommen? Warum sollte sich ein Student freiwillig zur Bundeswehr melden, während einzelne Parlamentsfraktionen Stimmung gegen queere Menschen machen? Wie sollte es eine Lehrerin motivieren, wenn hochbezahlte Politiker Rassismus und Antisemitismus verharmlosen – oder gar aktiv verbreiten?

      Aus meiner Sicht scheitert die Rechtsmimesis-Strategie weltweit immer und immer wieder, in dem sie erst rechte und dann linke Ränder stärkt, die demokratische Mitte aber zerbläst. Wenn demokratische Parteien die Menschenwürde und Menschenrechte als ihre gemeinsame Mitte verlieren, dann verlieren sie sich auch selbst.

      Die katastrophale “Weihnachtsbotschaft” des fossilen US-Republikaners Donald Trump zeigt die Abgründe des Freund-Feind-Dualismus bis zu bizarrem Geschwurbel über einen “bösen Santa”.

      https://www.queer.de/detail.php?article_id=56306

      Ich bin sehr dankbar und froh, dass sich einige Christdemokraten wie MP Hendrik Wüst aus NRW und MP Daniel Günther aus Schleswig-Holstein der Rechtsmimesis widersetzen – und damit auch politisch erfolgreich an das hohe Vertrauen von Angela Merkel anschließen können.

      Entsprechend habe ich mich gefreut, dass “mein” CDU-Landesverband unter Manuel Hagel am 9. November (!) 2025 die “Agenda der Freiheit” mit klarer Abgrenzung zur AfD beschlossen hat:

      https://www.cdu-bw.de/ueber-uns/beschluesse/91-PFEsaHTXLR/

      Alleine mit Papieren wird das verlorene Vertrauen in der demokratischen Mitte jedoch nicht wieder zurückgewonnen werden. Hier sind m.E. alle demokratischen Parteien in der Pflicht – zumal solche, die sich auf den sog. Rechtsruck viel zu weit eingelassen haben.

      “Im Prinzip wäre doch vieles ganz einfach. Friedensenergien, Freiheitsenergien – es geht, wenn man will. Wir wären weitgehend autark in unserer Energieversorgung. Stattdessen machen wir uns erpressbar, angreifbar und verheizen die jüngere Generation bei der Rente und beim Wehrdienst.”

      Ganz genau so. Meine Frau und ich ziehen drei Kinder groß, wir arbeiten beide in Vollzeit, ich habe meinen Wehrdienst damals freiwillig verlängert und einer unserer Söhne hat gerade ein freiwilliges Dienstjahr bei unserer Parlamentsarmee geleistet. Wir lieben und verteidigen unsere Demokratie und Heimat gegenüber allen fossilen Faschisten, Extremisten, Putin- und Trumpknechten.

      Doch ich finde es Wahnsinn, dass wir weiterhin unsere Feinde durch fossile Importe und Software-Lizenzen finanzieren, dann aber die jungen Männer dazu aufrufen, doch bitte gegen sie zu kämpfen. Aus meiner Sicht wären die Ausgaben für die Energiewende und für das FOSS – Fediversum als Verteidigungsausgaben anzuerkennen, weil sie die Finanzierung unserer Feinde stoppen, unsere Wirtschaft und Wertschöpfung in Europa stärken.

      Habe dazu gestern auf Mastodon gepostet:

      Möchte niemanden über #Weihnachten verunsichern, aber sehe durchaus ernste Gefahren: Falls #China die Republik #Taiwan angreift, könnte #Trump „Schutztruppen“ gegen #Grönland entsenden & der #EU mit dem Software – #KillSwitch drohen. Die #Ukraine ginge an #Putin.

      Wir sind noch immer vom #Fossilismus abhängig in Bereichen der #Energie & #Medien! Und der #Antisemitismus eskaliert auch längst wieder in den #USA…

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115773972402808327

      “Die Erpressbarkeit bei Social Media oder in der Wirtschaft durch die US-Regierung wird unsere Innenpolitik in der nächsten Zeit prägen. Um so weniger Verständnis kann ich dafür aufbringen, wenn eine Weihnachtsbotschaft des Bundeskanzlers bei X veröffentlicht wird! Außerdem wäre es auch nicht notwendig gewesen, denn traditionell spricht der Bundespräsident an Weihnachten und der Bundeskanzler an Silvester. Daher sehe ich mich nicht unter den Adressaten der Ausführungen des Bundeskanzlers. Ich weigere mich, X zu nutzen und möchte dazu auch nicht in dieser Form “gezwungen” werden.”

      Auch ich finde es problematisch, wenn auch noch auf Kosten des Steuerzahlers exklusiver Content für X und andere US-Konzernmedien produziert wird. Ohne das antisoziale Portal von Elon Musk ist meine Lebensqualität deutlich gestiegen! 🙂

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/raus-aus-der-thymotischen-empoerungssucht-erfahrungsberichte-nach-dem-x-odus-asm-abschieden/

      Den X-odus empfehle ich daher auch immer wieder der Politik.

      “Die Diskussion um die Botschaft von Jesus und ob sie noch in unsere Zeit passt, wurde schon in USA diskutiert. Dort ist offenbar vor allem bei den Evangelikalen die Meinung weitverbreitet, dass Jesus “woke” war. Nun haben wir ähnliche Diskussionen auch bei uns. Wenn Politiker fordern, dass die Kirchen sich “nur” auf die Verkündung des Evangeliums beschränken sollen, dann ist das mE von großer Ignoranz und Arroganz geprägt. Die Glaubensinhalte sind ja keine bloße Aneinanderreihung von Buchstaben! Als Gläubige sind wir durch die christliche Botschaft aufgefordert, diese täglich mit Leben zu erfüllen. In allen demokratischen Parteien gibt es Menschen, die das auch tun.”

      Gleich mehrere Menschen haben mir die ZDF-Sendung “Die Anstalt. Weihnachten, aber normal” empfohlen, die das Thema mit satirischen Personifikationen von Markus Söder, Jesus Christus und Angela Merkel gekonnt “durchspielt”:

      https://www.zdf.de/video/shows/die-anstalt-104/die-anstalt-vom-16-dezember-2025-100

      “So wie Sie über das Zusammenkommen von Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit zum gemeinsamen Feiern berichtet haben, würde ich mir etwas Ähnliches zB von Politikern wünschen, die ihren Glauben ernst nehmen. Über Parteigrenzen hinweg als Beitrag zur Zukunft der Demokratie in unserem Land.”

      Ja, die jüdisch-christlich-ezidische Feier des Lichts in Pforzheim zu Chanukka, Weihnachten & Ida Ezi hat auch mich sehr berührt und ermutigt. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich möchte diesen interreligiösen und zivilreligiösen Weg des Miteinanders auch in 2026 engagiert fortsetzen.

      “Wir haben nur gemeinsam eine Zukunft. Wie es mit Europa als Global Player weitergeht, ist unsicher. Ein Wunsch für 2026: Suchen wir in Deutschland gemeinsam einen Weg wie wir auf die reagieren, die es von außen nicht gut mit uns meinen und hören wir damit auf, Feindbilder im Inneren zu schaffen.”

      Amen, @Marie H.

      Diesem Wunsch möchte ich mich einfach von Herzen anschließen.

      Ihnen Dank und gesegnete Weihnachtsfeiertage!

    • Guten Morgen und einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag, @Marie H!

      “Suchen wir in Deutschland gemeinsam einen Weg wie wir auf die reagieren, die es von außen nicht gut mit uns meinen und hören wir damit auf, Feindbilder im Inneren zu schaffen.”

      Ich denke, besser kann man die gewaltige gesellschaftliche Aufgabe nicht auf den Punkt bringen, die vor uns liegt. Momentan arbeiten viele Akteure aus Medien, Politik und Gesellschaft am Schaffen von Feindbildern im Innern, was unsere ganze Gesellschaft und das, was sie zusammenhält – nämlich Vertrauen und Solidarität – unter Stress und an den Rand des Belastbaren bringt.

      Den Aspekt der Entsolidarisierung haben @Michael und @Inan überdeutlich gemacht.

  6. @Michael 25.12. 09:39

    „Wer immer noch pauschal gegen Zuwanderung hetzt, schadet angesichts der globalen Bevölkerungsimplosion auch dem eigenen Land, auch der eigenen Wirtschaft.“

    Im Prinzip schon. Aber wie geht es erst mal in den Ländern zu, aus denen neben der Bevölkerungsimplosion auch noch gerade junge Menschen abwandern? Das kann uns zumindest innerhalb der EU doch gar nicht egal sein. Während hier in den Städten Wohnungsnot herrscht, verfallen woanders ganze Landstriche.

    Ok, wenn nicht so viele Verfolgte kommen, und auch wenige gut brauchbare Arbeitskräfte, ist das Problem entsprechend kleiner. Insbesondere wenn diese Menschen in ihren Heimatländern wirklich keine Arbeit finden können, weil da einfach nichts vernünftig läuft.

    Was bleibt wären Zuwanderer aus den afrikanischen Ländern, die immer noch reichlich Bevölkerungszuwachs haben.

    @Martin Holzherr 25.12. 11:37

    „Nein, grüner Wasserstoff ist heute zu teuer, nämlich 6 Euro pro Kilogramm, anstatt die nötigen 2 Euro pro Kilogramm.“

    Felo.ai meint: „Obere Heizwert (HHV): etwa 39,4 kWh/kg. Dies ist die maximale Energie, die bei der vollständigen Verbrennung von Wasserstoff freigesetzt wird.“

    Die kWh Wasserstoff 600 ct/kg / 40 kWh/kg kostet damit 15 ct/kWh. Wo ist denn das Problem? Ich zahle derzeit 25 ct/kWh für Erdgas.

    Bei 2 Euro pro Kilogramm wären das dann nur noch 5ct / kWh. So billig muss das doch überhaupt nicht sein. Das ist ja vor allem für Dunkelflauten. Das kann ich nicht nachvollziehen. 10 ct / kWh bzw. 4 Euro pro Kilogramm wäre doch schon richtig gut.

    „Es gibt Berechnungen, dass 5 Tage Batteriespeicherzeit in Australien bereits genügt um 95% aller Speicherbedürfnisse abzudecken…“

    Ja Australien hat doch gar kein saisonales Problem. Praktisch keine winterliche Heizung abzudecken, im Gegenteil, wenn im Sommer die Klimaanlagen maximal laufen, fällt auch die Maximalleistung von PV an. Und auch im Winter ist der PV-Ertrag viel weniger gemindert wie in Deutschland, aufgrund der niedrigeren Breitengrade Australiens.

    „Die heutigen Verfahren grünen Wasserstoff herzustellen sind ineffizient und benötigen sehr viel Strom,..“

    Wenn es überwiegend Überschüsse sind, dann passt das doch dennoch. Wo sonst hin mit den Überschüssen? Ich denke auch, das es hier noch bessere Möglichkeiten gibt. Einmal für die konkrete Wasserstofftechnik, aber auch für alternative mittelfristige Speicher wie etwa Redox-Flow-Batterien. Bei der wirklich saisonalen Speicherung mit genau einem Ladezyklus im Jahr könnte aber am Ende tatsächlich Wasserstoff das Optimum sein.

    Das muss auch nicht allein stehen. Auch Biogas kann man saisonal sehr gut Speichern und nur für Dunkelflauten nutzen. Auch Müll kann man zwischenlagern und dann in Mangellagen gezielt verbrennen. Und auch Holz kann man noch viel besser lagern, und für Einzelheizungen und Fernheizungsnetze nutzen, wenn die Wärmepumpe wegen Strommangel im Netz besser ausgeschaltet bleibt. Auch Holzbackupkraftwerke wären denkbar.

    Wasserstoff muss das alles keinesfalls alleine leisten. Aber wo man sonst nur noch abregeln könnte, kann man dann eben auch Wasserstoff herstellen. Und die vorhandenen Kurzfristspeicher können dafür sorgen, dass die Elektrolyseure dennoch gute Laufzeiten haben.

    • Lieben Dank, @Tobias – wie Du weißt, finde ich die Debatten über Demografie(n) ebenso wichtig wie jene über Technologie(n).

      “Im Prinzip schon. Aber wie geht es erst mal in den Ländern zu, aus denen neben der Bevölkerungsimplosion auch noch gerade junge Menschen abwandern? Das kann uns zumindest innerhalb der EU doch gar nicht egal sein. Während hier in den Städten Wohnungsnot herrscht, verfallen woanders ganze Landstriche.”

      Genau das ist schon jetzt die Situation. Deutschland zieht junge Leute beispielsweise aus ländlichen Regionen von Griechenland oder Rumänien ab. Hier ein Video über die Geografie und den rapiden Bevölkerungsrückgang beim EU-Mitglied Rumänien:

      https://www.youtube.com/watch?v=6hBeqB6whgQ

      Und Putin schickt mit seinem fossil finanzierten Krieg Hunderttausende junger Russen in den Tod und brachte weitere Hunderttausende zur Flucht ins Ausland. Meine Prognose zu all dem dürftest Du ja bereits kennen: Neben immer mehr demografisch unterjüngende Altherren-Regime treten immer weniger durch Kinder und Migration noch wachsende Solarpunk-Arche-Regionen. Und nur in diesen Arche-Regionen wird auch noch ausreichend Neubau stattfinden, denn in Gebieten mit erheblichem Leerstand werden sich Neubauten längerfristig immer weniger lohnen.

      All dies ist längst keine graue Theorie mehr, sondern Alltag von China bis Spanien und von Brasilien bis Kanada.

      “Ok, wenn nicht so viele Verfolgte kommen, und auch wenige gut brauchbare Arbeitskräfte, ist das Problem entsprechend kleiner. Insbesondere wenn diese Menschen in ihren Heimatländern wirklich keine Arbeit finden können, weil da einfach nichts vernünftig läuft.”

      Aus meiner Sicht geht es nicht mehr nur um Arbeitskräfte, sondern immer mehr um Nachfrage: Wo es an Kindern fehlt, werden erst Kindergärten und Schulen, dann auch z.B. Bäckereien, Läden und schließlich Fabriken und Behörden schließen. Wer investiert denn bitte in demografisch absterbende Regionen? Auch China verfehlt seine wirtschaftlichen Ziele immer öfter und kann dies auch immer schlechter durch Statistik-Tricks verbergen.

      Die Süddeutsche Zeitung berichtete vor zwei Tagen:

      “Chinas Wirtschaft ist einer Studie zufolge im Jahr 2025 um 2,5 bis drei Prozent gewachsen und damit nur etwa halb so stark wie von der Regierung in Peking angegeben. Grund sei ein Einbruch der Anlageinvestitionen ‍in der zweiten Jahreshälfte, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Denkfabrik Rhodium Group. Chinas Regierung dürfte ‌auf ihrer Sitzung im März dagegen verkünden, das offizielle Wachstumsziel von „rund fünf Prozent“ erreicht zu haben. Dem Bericht zufolge beläuft sich die nicht erfasste Nachfragelücke auf ⁠rund eine halbe Billion Dollar.”

      https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/chinas-wirtschaftswachstum-studie-li.3358943

      “Was bleibt wären Zuwanderer aus den afrikanischen Ländern, die immer noch reichlich Bevölkerungszuwachs haben.”

      Ja – und deren finanzielle Heimüberweisungen tragen schon jetzt erheblich zur Entwicklung von Afrika übrigens auch im Solar-Energiesektor bei. Hier eine Übersicht dazu durch Felo.ai:

      ## Entwicklung der Heimüberweisungen von Migrantinnen und Migranten aus Afrika seit der Jahrtausendwende

      Die Heimüberweisungen (Remittances) von Migrantinnen und Migranten aus Afrika haben sich seit der Jahrtausendwende erheblich entwickelt und sind zu einer der stabilsten und bedeutendsten Finanzquellen für den Kontinent geworden. Im Folgenden wird die Entwicklung zusammengefasst:

      ### **1. Wachstum der Überweisungsvolumina**
      – **2000er Jahre**:
      In den frühen 2000er Jahren waren die Überweisungen bereits eine wichtige Finanzquelle, jedoch deutlich geringer als heute.
      – **2010 bis 2024**: Die Überweisungen stiegen von etwa 53 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf 95 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Dies entspricht einem Anstieg von fast 80 % innerhalb von 14 Jahren. Im Jahr 2025 könnten die Überweisungen erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar überschreiten.
      – **Anteil am BIP**: Der Anteil der Überweisungen am afrikanischen BIP stieg von 3,6 % im Jahr 2010 auf 5,1 % im Jahr 2024, was ihre wachsende Bedeutung für die Wirtschaft des Kontinents unterstreicht.

      ### **2. Bedeutung der Überweisungen**
      – **Vergleich mit anderen Finanzquellen**:
      Heimüberweisungen haben in den letzten Jahren den Wert der offiziellen Entwicklungshilfe (ODA) und ausländischen Direktinvestitionen (FDI) erreicht oder übertroffen. Sie gelten als stabiler und krisenresistenter, insbesondere während globaler Krisen wie der COVID-19-Pandemie.
      – **Regionale Unterschiede**: Nord- und Westafrika ziehen die höchsten Überweisungsvolumina an. Länder wie Ägypten, Nigeria und Marokko gehören zu den größten Empfängern, während kleinere Länder wie Angola oder die Seychellen weniger als 1 % der Gesamtsumme erhalten.

      ### **3. Intra-afrikanische Überweisungen**
      – Ein wachsender Anteil der Überweisungen stammt aus Transfers innerhalb Afrikas. Im Jahr 2023 machten diese etwa 20 % der Gesamtsumme aus (ca. 20 Milliarden US-Dollar). Ein Beispiel ist Simbabwe, wo 37 % der Überweisungen im Jahr 2021 aus Südafrika stammten.

      ### **4. Herausforderungen und Potenziale**
      – **Kosten der Überweisungen**:
      Die durchschnittlichen Kosten für Geldtransfers nach Afrika lagen 2023 bei etwa 5 %, was über dem UN-Ziel von 3 % bis 2030 liegt. Hohe Kosten und informelle Kanäle schränken das Potenzial der Überweisungen ein.
      – **Integration in Finanzsysteme**: Es gibt Bestrebungen, Überweisungen stärker in nationale Finanzsysteme zu integrieren und Anreize für Investitionen der Diaspora zu schaffen.

      ### **5. Auswirkungen der COVID-19-Pandemie**
      – Während der Pandemie sanken die Überweisungen nach Afrika zunächst (z. B. von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 41 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021), erholten sich jedoch schnell und erreichten 2024 neue Höchststände. Dies zeigt ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen wirtschaftlichen Schocks.

      ### **6. Soziale und wirtschaftliche Bedeutung**
      – Überweisungen sind für viele afrikanische Haushalte eine Lebensgrundlage. In Ländern wie Kenia (65 % der Haushalte) und Gambia (50 %) spielen sie eine zentrale Rolle für das Einkommen. Besonders in wirtschaftlich schwachen oder fragilen Staaten wie Südsudan, Lesotho und Gambia machen Überweisungen einen erheblichen Anteil des BIP aus (bis zu 35 %).

      ### **Fazit**
      Die Heimüberweisungen von Migrantinnen und Migranten aus Afrika haben seit der Jahrtausendwende eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Sie sind nicht nur eine wichtige Finanzquelle für den Kontinent, sondern auch ein stabiler Faktor in Krisenzeiten. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die Kosten und die Nutzung ihres vollen Potenzials für die wirtschaftliche Entwicklung.

      [1] https://www.welthungerhilfe.de/welternaehrung/rubriken/klima-ressourcen/migration-aus-afrika-bleibt-meist-in-afrika
      [2] https://issafrica.org/iss-today/remittances-as-development-finance-africa-s-overlooked-billions
      [3] https://africa-news-agency.com/african-diaspora-towards-a-historic-record-of-remittances-in-2025-a-development-driver/
      [4] https://www.realinstitutoelcano.org/en/analyses/african-remittances-and-progress-opportunities-and-challenges-ari/
      [5] https://migrantmoney.uncdf.org/resources/insights/remittance-statistics-and-why-they-matter-for-africa/
      [6] https://www.brookings.edu/articles/keep-remittances-flowing-to-africa/
      [7] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1042444X23000178
      [8] https://african.business/2024/01/finance-services/remittances-soar-as-african-migrants-ignore-new-controls-and-head-to-the-west

  7. @Michael 25.12. 16:55

    „„Aus meiner Sicht geht es nicht mehr nur um Arbeitskräfte, sondern immer mehr um Nachfrage:…“

    Dann würde doch auch ein stabiler Zustand bei moderater Schrumpfung möglich sein?

    Wenn sich einerseits eine Überhitzung aufgrund von Neubautätigkeit einstellt, die immer mehr weitere Arbeitskräfte nachfragt, hätten wir einen unstillbaren Arbeitskräftemangel.

    Und wo es zu sehr schrumpft, und die Neubautätigkeit völlig verebbt, da fallen immer mehr Arbeitsplätze weg, und immer mehr Leute ziehen auch noch weg.

    Stabil wäre ein ausgeglichenes Niveau von genau soviel Neubautätigkeit, wie es auch Arbeitskräfte hat. Und das wären recht lokale Effekte.

    Oder?

    Hier in Dortmund sind die Immobilienpreise tatsächlich sehr viel höher als im benachbarten Werl, obwohl das gerade mal 20 Km auseinander liegt. Auch schnellere und günstigere Mobilität vor allem auf dem Land dürfte da hilfreich sein. Etwa durch ein Sammeltaxisystem auf Basis von Selbstfahrenden Batteriefahrzeugen.

    Und einen Arbeitskräfteüberschuss kann man nun auch mit weniger Arbeitszeiten ausgleichen. Was nun näher liegen würde, wenn nicht mehr jeder sein Privatfahrzeug bräuchte.

    Irgendwo müssten sich doch Angebot und Nachfrage treffen? Wenn man sich wirklich drum kümmert, vorausgesetzt.

    • Ganz genau so, @Tobias 👍🙌

      Nach meiner Auffassung ist die auch in Deutschland noch vorherrschende Wirtschaftslehre noch viel zu stark durch Angebotsorientierung geprägt. Deswegen glauben immer noch manche, wir könnten unser Wirtschaftswachstum durch “mehr Arbeiten” wiederherstellen.

      Aber bei demografischer Schrumpfung sinkt vor allem die Nachfrage sowie die Investitionsneigung. Wir sehen doch längst an den Beispielen Japan und Südkorea dass bei zurückgehenden Kinderzahlen weder Mehrarbeit noch Schuldenaufnahmen dauerhaft nachhaltiges Wachstum mehr erzeugen können!

      In schönstem Managerdeutsch hat dies auch mein (nicht verwandter) Namensvetter Oliver Blume als scheidender Porsche-Chef am 12.12.2025 in der Stuttgarter Zeitung formuliert:

      “Der europäische Automobilmarkt ist heute um über zwei Millionen Einheiten kleiner als vor fünf Jahren. Hinzu kommt: wir haben viel mehr Wettbewerber im Markt und in einzelnen Segmenten dreimal so viele Produkte.

      Diesen geballten Druck spüren wir. Und dafür müssen wir uns in Deutschland intelligent aufstellen.”

      In einfachem Deutsch gesagt: Autos kaufen keine Autos. Wenn auch in Europa immer weniger Fahrzeuge (“Einheiten”) nachgefragt werden, dann kann dies nicht alleine durch immer höhere Produktion von immer mehr Konzernen aufgefangen werden. Dann braucht es intelligentere Lösungen wie z.B. Zuschüsse für Elektroautos und Ladesäulen, damit nicht chinesische Konzerne die deutschen Automobilkonzerne plus Zulieferer final überrollen.

      Für die Wohnungsnot – die ich auch in meinem Artikel “Medien & Mimesis” in der Herder Korrespondenz bewusst angesprochen hatte – gilt genau das Gleiche: Wer weiß, dass im betreffenden Ort schon jetzt jedes Jahr mehr Menschen sterben als noch nachwachsen wird sich Investitionen in den Wohnungsbau und vor allem den Mietwohnungsbau drei mal überlegen. Schon jetzt weiten sich die Leerstände immer weiter aus und in riesigen Volkswirtschaften wie China stehen bereits ganze Immobilienkonzerne vor der Pleite.

      Es ist also m.E. nicht nur moralisch falsch, bei Migration nur an die Angebotsseite (“Fachkräftemangel”) zu denken. Es ist auch wirtschaftlich dumm, nicht die Bedeutung von Nachfrage zu verstehen.

      Als ich das Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak leitete, sagte mir ein pfiffiger Bürgermeister zu, bei der Aufnahme zu helfen, wenn wir ihm “viele Kinder” brächten. Denn er hatte über die humanitäre Hilfsbereitschaft hinaus begriffen, dass der Kindergarten, die Schule und die lokale Wirtschaft in seinem Stadtteil von jedem Kind profitieren würden, das wir aufnehmen würden.

      Und diese kommunalpolitische Klugheit wünsche ich mir auch in der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie in den Wissenschaften und Medienredaktionen.

  8. @Michael 25.12. 18:41

    „Es ist auch wirtschaftlich dumm, nicht die Bedeutung von Nachfrage zu verstehen.“

    So wie das aussieht, haben wir überall recht lokal ziemlich empfindliche Systeme, die schnell in die eine oder andere Richtung kippen können?

    Zuwachs führt zu Neubautätigkeit, schafft damit Arbeitsplätze, die weitere Zuwanderung anzieht – nicht nur aus dem Ausland, auch aus dem Inland.

    Verfall führt zum Einstellen der Neubautätigkeit, man verliert Arbeitsplätze und Leute ziehen auch noch weg.

    Man müsste also gucken, dass wir dazwischen so navigieren, dass eben moderate Neubautätigkeit und so grade eben Vollbeschäftigung zusammenfallen. Das wäre dann perfekt.

    Ein gewisser Konflikt zwischen Mietern und Immobilieneigentümern bleibt aber dennoch. Mir als Mieter wäre etwas weniger recht, dann wird es billiger und auch ein Umzug einfacher. Wer sein Geld gut anlegen will, freut sich dagegen über steigende Immobilienpreise.

    Man bedenke hier auch, dass man billige Altbauten nicht neu bauen kann. Zubau gibt es immer nur am teuren Ende des Immobilienmarktes, das setzt ärmere Mieter in überhitzten Kommunen zusätzlich unter Druck.

    Wenn die einzelnen Kommunen selber entscheiden dürfen, wie viele neue Zuwanderer sie gerade haben wollen, käme man lokal ausgeglichenen Wohnungsmärkten vielleicht eher näher?

    • Vielen Dank, @Tobias – und ganz genau so sehe ich das auch!

      “So wie das aussieht, haben wir überall recht lokal ziemlich empfindliche Systeme, die schnell in die eine oder andere Richtung kippen können?”

      So haben wir hier in der Region Stuttgart derzeit eine crossmediale “Detroit” (USA) – Debatte, die Felo.ai bereits zusammen zu fassen vermag:

      Die Sorge, dass Stuttgart ein “zweites Detroit” werden könnte, basiert auf mehreren Faktoren, die mit der wirtschaftlichen Entwicklung und Struktur der Region zusammenhängen:

      – **Abhängigkeit von der Automobilindustrie**: Stuttgart ist stark von der Automobilindustrie geprägt, ähnlich wie Detroit in den USA. In Detroit führte der Niedergang der Autoindustrie, bedingt durch Automatisierung, Abwanderung von Unternehmen und fehlende Diversifikation, zu einem massiven wirtschaftlichen Einbruch und sozialen Problemen[2].

      – **Technologische und wirtschaftliche Veränderungen**: Die Automatisierung und der Übergang zu neuen Technologien, wie Elektromobilität, könnten Arbeitsplätze in traditionellen Bereichen der Automobilproduktion gefährden. Dies weckt Ängste vor Arbeitsplatzverlusten und wirtschaftlichem Niedergang[2].

      – **Subventionen und Standortverlagerungen**: In Detroit zogen viele Unternehmen in Regionen mit besseren Subventionen um. Eine ähnliche Entwicklung könnte auch in Stuttgart befürchtet werden, falls Unternehmen aufgrund wirtschaftlicher Anreize oder anderer Standortvorteile abwandern[2].

      – **Umfrageergebnisse**: Eine Umfrage zeigt, dass fast die Hälfte der Menschen in Baden-Württemberg diese Entwicklung für möglich hält, was die Verbreitung dieser Befürchtungen in der Region verdeutlicht[1].

      Zusammengefasst resultieren die Ängste aus der Unsicherheit über die Zukunft der Automobilindustrie, die zentrale Rolle dieser Branche in der Region und den potenziellen Folgen von wirtschaftlichen und technologischen Umbrüchen.

      [1] https://www.facebook.com/stuttgarterzeitung/posts/fast-die-h%C3%A4lfte-der-menschen-im-land-f%C3%BCrchten-dass-stuttgart-ein-zweites-detroit/1310991917732060/
      [2] https://www.reddit.com/r/Finanzen/comments/1ornv7n/autoindustrie_in_der_krise_kann_stuttgart_ein/
      [3] https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/93523/external_content.pdf?sequence=1&isAllowed=y
      [4] https://www.reddit.com/r/AskEngineers/comments/1hvn8ja/why_did_germany_have_such_good_engineers_in_early/
      [5] https://openscholarship.wustl.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=2152&context=etd
      [6] https://etd.ohiolink.edu/acprod/odb_etd/ws/send_file/send?accession=osu1045174197&disposition=inline
      [7] https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/51309/PUB_712_Korbel_Auf_die_Tour.pdf?sequence=1&isAllowed=y

      • Die Region Stuttgart hatte über Jahrzehnte auch in der IT-Branche viele Arbeitsplätze, etwa durch Global Player wie IBM oder HP.

        So befand sich die Hauptverwaltung der IBM Deutschland GmbH mit der Geschäftsführung viele Jahre in Stuttgart-Vaihingen.

        Produktion war in Sindelfingen und Böblingen.

        Ebenfalls seit Jahrzehnten in Böblingen ansässig ist die Forschung und Entwicklung.

        Anfang der 80er Jahre wurde ein Schulungszentrum in Herrenberg gebaut, 1989 ein großes Rechenzentrum in Ehningen eröffnet.

        Und dass sich Sindelfingen einen Fußgängerüberweg aus Marmor leisten konnte, lag auch nicht nur am Daimler…

        Allgemein sind es ja nicht allein Arbeitsplätze, sondern auch das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen z.B. in Form von Sponsoring, die die Attraktivität einer Region ausmachen.

        • Herzlichen Dank, @Marie H. – und, ja, ich erwarte auch schon aufgrund der weltweiten Demografie nach dem “Peak Child”-Übergang von 2017 weltweit sinkenden Nachfrage nach materiellen Gütern, aber weiter steigende Nachfrage nach Dienstleistungen inklusive Bildung und Wissen.

          Entsprechend glaube ich auch nicht, dass staatliche Dauer-Subventionen absterbende Industrien in Baden-Württemberg vor der Transformation bewahren könnten – das ist ja auch im Ruhrgebiet nicht gelungen. Stattdessen wird es Zeit für Neues und auch Besseres.

          Auch mein erstes Elektroauto habe ich übrigens im Herzen von Stuttgart erworben:

          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/dekarbonisierungskugel-fuer-den-weltfrieden-meine-erste-erfahrungen-mit-dem-elektro-renault-zoe/

          Ich hätte mir sehr gewünscht, süddeutsche Autokonzerne hätten ihre technologischen Vorsprünge für gute, solare Autos und moderne Batterietechnologie nicht vergeudet und verschenkt…

          Es ist der 14. April 1900. Auf der Pariser Weltausstellung feiert im „Elektrizitätspalast“ ein völlig neuartiges Automobil Premiere: ein Elektrofahrzeug, basierend auf dem System Lohner-Porsche. Und es wird den Namen Porsche bekannt machen. Der Grund ist das innovative Antriebskonzept. Die Berliner Zeitung berichtet: „Die epochemachende Neuheit des Wagens besteht in der gänzlichen Beseitigung aller Zwischengetriebe (…) durch den Einbau der Elektromotoren, System Porsche, in die Naben der Vorderräder.“

          Konstruktive Kreativität und der Drang zur Optimierung

          Ferdinand Porsche, damals 24 Jahre alt, tritt damit erstmals als mitwirkender Automobilkonstrukteur ins Rampenlicht. Für die Firma Jacob Lohner & Co. aus Wien entwickelt er binnen zehn Wochen ein Elektromobil mit in die Vorderräder integrierten Radnabenmotoren.

          https://newsroom.porsche.com/de/2024/historie/porsche-radnabenmotor-entwicklung-elektrofahrzeug-38096.html

          Und weiterhin will ich hoffen, dass Menschen aus ihren Fehlern des ShareholderValue-Kurzfrist-Denkens lernen…

  9. @Martin Holzherr 26.12. 11:55

    „Deutschlands ökonomisches Problem ist nicht auf der Angebots- oder Nachfrageseite zu suchen, sondern auf der technologischen Seite:…“

    Tja nun, China hat bald 20 mal so viele Einwohner wie Deutschland. Die sind inzwischen alle gut ausgebildet. Dass dann die Entwicklungsabteilungen auf allen Feldern mehr raushauen als wir, ist offenbar absolut unvermeidlich. Und mir fällt auch nichts ein, was man da wirklich gegen machen könnte.

    Wir können mittelfristig die Zölle erhöhen. Und dann gucken, dass wir Vieles, vor allem die Grüne Technik, selber für uns herstellen. Und Nischen finden, wie etwa die Technik rund um Wasserstoff. Der Globale Süden braucht nicht viel Wasserstofftechnik, weil dort meistens kein saisonales Problem existiert. Entsprechend weniger ist dieser Markt für China interessant.

    Und die freie Software zusammen mit dem Rest der Welt anzufassen können wir auch, wir müssen es einfach nur tun. Das ist ja nun kein rein kommerzielles Projekt, und steht gar nicht in Konkurrenz zu China oder den US-IT-Konzernen. Wir wollen damit nicht Geld verdienen, sondern die Kontrolle über die eigene Technik zurückgewinnen.

  10. @Michael 26.12. 13:41 / Felo.ai

    „Zusammengefasst resultieren die Ängste aus der Unsicherheit über die Zukunft der Automobilindustrie…“

    Ich persönlich hoffe ja auf ein Sammeltaxisystem auf Basis von Selbstfahrenden Batteriefahrzeugen. Mehr Umsatz mit IT würde das bringen, aber natürlich wirklich nachhaltige Einbrüche in der Autoindustrie.

    Ich wohne aber nicht in Stuttgart, Dortmund hat keine Autofabrik.

    Vermutlich werden wir auch damit klarkommen können. Dann konsumieren wir eben woanders mehr, es spart ja jeder jede Menge Kosten ein, der kein eigenes Auto mehr braucht. Und wer dann mehr Geld hat, als er sinnvoll ausgeben kann, der kann auch deutlich weniger arbeiten.

    Und dann mehr Luft haben für mehr Kinder.

    • Ja, @Tobias – jede wirtschaftliche Transformation ist mit Gewinnen und Verlusten verbunden, löst damit immer auch Reaktanz aus. Dies gilt ja auch besonders eindrucksvoll für die Kohle- und Stahlindustrie im deutschen Ruhrgebiet, das auch lange auf Subventionen setzte, sich aber inzwischen neu erfindet.

      Und diesen Trend sehe ich inzwischen aufgrund demografisch sinkender Nachfrage in Deutschland und weltweit, hier ein Deutschland-Rückblick auf das Jahr 2024:

      “Die Beschäftigung ist ausschließlich in Dienstleistungsbereichen gestiegen. Dort wuchs die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 153.000 auf 34,8 Millionen Menschen – unter anderem im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit sowie in Banken und Versicherungen. In der Industrie und dem Baugewerbe sank die Beschäftigung dagegen.”

      https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/anstieg-nur-in-den-dienstleistungsbereichen-zahl-der-erwerbstatigen-steigt-2024-auf-rekord-12950863.html

      Über die Entfaltung der Demografie und konkret Religionsdemografie habe ich hier auch mal ein kurzes Erklärvideo hochgeladen:

      https://www.youtube.com/watch?v=bY-slZJ1Oyk

      Lieben Dank für Dein konstruktives Interesse, habe noch einen schönen Feiertag!

  11. @Michael 26.12. 15:37

    „Dies gilt ja auch besonders eindrucksvoll für die Kohle- und Stahlindustrie im deutschen Ruhrgebiet, das auch lange auf Subventionen setzte, sich aber inzwischen neu erfindet.“

    Genau, Dortmund lebt auch ohne Kohle und Stahl weiter.

    Das Sammeltaxisystem macht dann auch vor allem Parkplätze frei. Platz für Radwege, Platz für ganz viel Grün mitten in der Stadt und Platz für Schwammstadtmaßnahmen.

    Und derweil können ehemalige Autoindustriemitarbeiter an der Energiewende mitarbeiten, insbesondere auch langfristige Investitionen in Fernheizungsnetze mit Grubenwasser-Großwärmepumpe und Universalgasmotor in Kraftwärmekopplung.

    • Lieben Dank, @Tobias

      Angesichts Deiner Interessen möchte ich Dir gerne das historisch genau recherchierte Buch “Skandal in Königsberg” von Christopher Clark empfehlen.

      Das neue Buch des Bestsellerautors von „Preußen“ und „Die Schlafwandler“ – Königsberg 1835: Eine Phase des Friedens. Doch hinter der ruhigen Fassade brodelt die Angst

      Bestsellerautor und Preußen-Experte Christopher Clark entführt uns ins frühe 19. Jahrhundert, in eine Welt voller Intrigen und Verrat. Königsberg, die verschlafene Kleinstadt und einstige Residenz von Immanuel Kant, wird in den späten 1830er-Jahren zum Schauplatz eines spektakulären Skandals, der zwei lutherischen Predigern zum Verhängnis werden soll. Sensationelle Anschuldigungen und dunkle erotische Geheimnisse erschüttern das Vertrauen der Gemeinschaft und versetzen die preußischen Behörden in Aufruhr. Meisterhaft erzählt Clark, wie religiöser Eifer, sexuelle Ausschweifungen und menschliche Unberechenbarkeit die Stadt ins Chaos stürzen, zu einer Zeit, in der moralische Fehltritte als Vorboten neuer Unruhen gefürchtet wurden. Eine kaum bekannte Episode ausdem alten Preußen – und ein Skandal, der überraschende Parallelen zur Gegenwart aufweist. (DVA 2025)

      Die historischen Wanderungen und Sprünge zwischen Medien und Orten, Fakten und Spekulationen, Vernunft und Emotionen, Orthodoxie und Esoterik, dialogischem Monismus und feindseligem Dualismus haben mir beim Lesen viel Freude gemacht und Wissen gebracht. Sie könnten Dich ggf. ebenfalls faszinieren.

      Ganz herzlichen Dank für unsere klasse Dialoge hier, lieber @Tobias ! 🙌👍

  12. Hallo @Inan Ince und @Michael Blume,

    endlich finde ich die Zeit, um Eure wunderbare Weihnachtsfolge zu würdigen. Sehr begeistert bin ich auch von der poetischen Einlage, die ihr eingebaut habt.

    Die Rentierstaats- und Ressourcenfluchtheorie bieten überzeugende Erklärungsansätze dafür, warum Staaten mit reichhaltigen Ressourcen tendenziell autoritäre Strukturen entwickeln.

    In der heutigen digitalen Welt haben Informationen und Aufmerksamkeit eine entscheidende Rolle als Ressourcen eingenommen. Unternehmen wie Meta und X besitzen durch ihre Plattformen und Algorithmen die Fähigkeit, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und Informationen zu steuern. Sie verfügen über die Ressource Aufmerksamkeit, weil sie sie kontrollieren können (Algorithmen, Datenverarbeitung).

    Was ich mich frage: Kann die gegenwärtige Tendenz zum Autoritarismus in den USA durch die Ressourcenfluchtheorie plausibel erklärt werden, wenn man Informationen und Aufmerksamkeit als spezifische Ressourcen betrachtet, über die die USA in besonderem Maße verfügen?

    Die USA nehmen eine dominante Stellung im Bereich der digitalen Technologien und der Datenverarbeitung (Cloud-Hyperscaler) ein. Daher könnte man argumentieren, dass die USA zunehmend “unter dem Fluch” der Aufmerksamkeitsressourcen “leiden”. Die Ausgangslage unterscheidet sich jedoch erheblich von Ländern wie Saudi-Arabien. Bislang galten die USA als Musterbeispiel einer demokratischen und offenen Gesellschaft, was die aktuelle, rapide Transformation hin zum Autoritarismus allerdings umso frappierender erscheinen lässt.

    Könnte die gegenwärtige Tendenz zum Autoritarismus durch das Modell des Ressourcenfluchs erklärt werden, indem man die Rolle von Big Tech und deren Ressourcen – Daten und Aufmerksamkeit – in den Fokus rückt?

    In Bezug auf die Rentierstaatstheorie könnte man argumentieren, dass Tech-Konzerne sich zu einem erheblichen Teil über Datenmonopole und die Kontrolle von Aufmerksamkeit finanzieren, während die Wertschöpfung mehr und mehr in den Hintergrund rückt. Diese Tendenz wird durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz weiter verstärkt.

    Im Unterschied zu klassischen Ressourcenfluch-Fällen wirkt der digitale “Fluch” in diesem Beispiel indirekt: Nicht der Staat, sondern private Tech-Konzerne kontrollieren die Ressourcen. Aber es ist zu befürchten, dass der Staat zunehmend eingreift, indem er bei der Durchsetzung der Interessen dieser Konzerne hilft (und beispielsweise die Anwendung europäischer regulatorischer Maßnahmen gegenüber Akteuren wie X durch Handelsbeschränkungen oder gar militärische Massnahmen zu verhindern sucht).

    Noch etwas ganz anderes, eine Anmerkung zur Mystik und Symbolik. Soweit ich es verstanden habe, stehen die Goldenen Äpfel bei Sankt Nikolaus für Nächstenliebe und ein besseres Leben (den Töchtern zu einer Mitgift zu verhelfen und sie somit vor der Sklaverei zu bewahren)

    Bei mir klangen gleich die folgenden Zeilen aus William Butler Yeats’ Gedicht “The Song of Wandering Aengus” an. Darin wird die Sehnsucht nach Liebe und eine (ewige, nie endende?) Suche zum Ausdruck gebracht:

    “The silver apples of the moon,
    The golden apples of the sun”

    Vielleicht könnte man sagen, dass die goldenen Äpfel bei Sankt Nikolaus Hoffnung auf ein gutes Leben und Erfüllung im Diesseits symbolisieren, während die silbernen und die goldenen Äpfel bei Yeats eher die Sehnsucht nach etwas (künstlerische Erfüllung? Liebe?) jenseits des menschlichen Lebens und das lebenslange Suchen danach symbolisieren.

    Vielleicht ein off-Topic, wäre aber sicher interessant, dem nachzugehen. Auf jeden Fall ein wunderbares Gedicht.

  13. Lieber Peter,
    danke für den umfassenden Kommentar!
    Feedback zu Apfelsymbolik überlasse ich besser dem Experten 🙂

    Aber das ist doch mal eine sehr interessante These: Ob und inwieweit eine immaterielle Ressource ebenso einem Ressourcenfluch unterliegen kann. Ich habe da kürzlich mal in Zeiten von KI nach Papers gesucht, die in die Richtung gehen. Ein WP der Uni Stanford stellt sich dem etwas entgegen und warnt vor Überdehnung des Konzepts: Der „Fluch“ ist nicht gesetzmäßig und Effekte sind konditional und mediatisiert (kommt also auf Institutionenqualität und allgemein Pfadabhängigkeiten an), wie man so an den Beispielen Venezuela vs. Norwegen z.B. sieht. Das gilt erst recht bei immateriellen Ressourcen wie Aufmerksamkeit.
    Dennoch ist das für die Forschung sicher super interessant (unter klaren Modifikationen der klassischen Rentierstaats‑/Ressourcenfluchlogik). Aufmerksamkeit oder allgemein „Daten“ lassen sich als ‘rentenartige’, hochkonzentrierbare Informationsressourcen denken, deren Kontrolle (via Plattformmacht, Cloud‑Infrastruktur, KI‑Stacks, …) Anreize zu Steuer- und Rechenschaftsumgehung, Klientelpolitik und Informationsmanipulation schafft. Nur verlaufen die Mechanismen im Digitalen indirekt, über private Gatekeeper und Formen von regulatorischer/corporate capture, nicht primär über direkte Staatsrenten. Möglicherweise kann man das dann auch vor dem Hintergrund prüfen, ob sowas prinzipiell dann ‘staatsfondbar’ wäre 😉

    Klasse Impuls! Da bin ich verleitet, für die ersten weiteren Recherchen mal eine Abschlussarbeit auszuschreiben 🙂
    Lieben Gruß aus meiner sehr verschneiten Berliner Heimat und frohe Feiertage! (Ich hoffe, alle kommen auch etwas dazu, sich zu erholen)

      • Vielen Dank, @Inan Ince!

        Danke auch für den Hinweis auf den Artikel, der die Ressourcenfluchthese sehr kritisch beleuchtet.

        Besonders instruktiv finde ich den Vergleich mit dem medizinischen Experiment: Dort sorgt das randomisierte Versuchsdesign dafür, dass der Einfluss einer Variablen (z. B. die Einnahme eines Wirkstoffs) auf eine andere (z. B. den gesundheitlichen Zustand) isoliert und unabhängig von Störfaktoren untersucht werden kann. Übertragen auf die Ressourcenfluchthese würde das bedeuten, dass man den Einfluss der Rohölförderung (als unabhängige Variable) auf den „level of democracy“ analysiert. Allerdings ist ein solches experimentelles Vorgehen hier nicht möglich, da es sich um historisch gewachsene Staats- und Gesellschaftssysteme handelt – Randomisierung und die Bildung einer Kontrollgruppe sind schlicht nicht umsetzbar. Zudem weist der Autor zu Recht darauf hin, dass sich ein möglicher Ressourcenfluch, wenn überhaupt, erst über einen längeren Zeitraum entwickelt.

        Vor diesem Hintergrund wird meine ursprüngliche These noch problematischer: Während sich die klassische Ressourcenfluchthese zumindest auf quantifizierbare Daten (z. B. die Rohölproduktion) stützen kann, wird die Operationalisierung von „Aufmerksamkeit“ als Ressource deutlich schwieriger. Darüber hinaus fehlt es an vergleichbaren Ländern, da im Wesentlichen nur die USA als Kandidat infrage kommen – zumindest, was die technische Vorherrschaft und den Zugriff auf Aufmerksamkeit als Ressource betrifft.

        Ich wünsche Dir ebenso erholsame Tage in Berlin und grüße ganz herzlich aus dem Norden Frankreichs!

Schreibe einen Kommentar