Blume & Ince 46: Interaktiver Vodcast zu KI & Kokons

Es gibt derzeit viele gerade auch digitale Trends, die uns große Sorgen bereiten – beispielsweise die Angriffe von Elon Musk und anderen X-ern gegen Wikipedia. KI-Anwendungen vergeuden Unmengen an Energie und Wasser und produzieren dabei gefährlichen Botshit, es droht das Platzen bzw. Verschrumpeln riesiger Konzernblasen.

Es gibt jedoch auch Entwicklungen, die uns ermutigen – so die wachsende Lust vieler Menschen, auch wissenschaftlich orientiert im Fediversum und in Podcasts mitzuwirken, in Dialogen selbst die Stimme zu erheben. Auch Vodcasts – Videocasts, also Ton-Video-Aufnahmen – blühen zunehmend auf.

Nach der schönen Resonanz auf den ersten “Blume & Ince”-Vodcast von der Game Night der Uni Stuttgart wagten Inan und ich also den nächsten Schritt: In der Stadtbibliothek Filderstadt diskutierten wir mit Publikum über “KI und Kirchen. Liegt unsere Zukunft im Kokon?” und bezogen dabei auch Originaltöne von Zuhörerinnen und Zuhörer ein. Für die Einladung danken wir Dr. Glenda Olfens und Petra Rösner.

Das Coverbild von Folge 46 von Blume & Ince zum Thema "Liegt unsere Zukunft im Kokon? Ein (Publikums-)Dialog zu KI, Kirchen und Kultur".

Folge 46 von “Blume & Ince” zeichneten wir in der Stadtbibliothek Filderstadt auf (links), rechts mit Dr. Glenda Olfens. Screenshot: Prof. Dr. Inan Ince & Dr. Michael Blume

Unter anderem freuten wir uns über (mindestens) drei Aktive von Mastodon – @silberspur , @hirnchirurg & @dreimling – und über meine einstige Englisch-Abi-Lehrerin Frau Zangl. Und klar wollen wir uns dialogisch und technisch immer weiter entwickeln, um unseren kleinen Beitrag zu leisten, das Internet dialogisch-monistischer und damit auch demokratischer und wissenschaftlicher zu gestalten. Während wir mit der Videoqualität schon recht zufrieden sind, sehen wir bei der Tonqualität noch Luft nach oben. Auch wird zu entscheiden sind, ob wir zukünftig auch Publikum in die Videoaufnahme einladen oder es beim Ton belassen. Doch im Grundsatz ist klar, dass wir neben den klassischen Studio-Aufnahmen auch weiter mit dialogischen Folgen arbeiten wollen. Denn wir glauben und erleben: Freiheit, die nicht gelebt wird, wird absterben.

Viel Freude beim Hören von “Blume & Ince” 46 auf Podigee und allen gängigen Podcast-Plattformen oder auch beim Anschauen der Folge hier:

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

15 Kommentare

  1. Alles Gute im Menschen kommt vom Schlechten im Menschen. Eine Debatte ist die Sorte ewiger Grenzkrieg, die Spaß macht, weil es Regeln gibt, die eine Eskalation in eine richtige Schlägerei verhindern. Sie sehen sinnvoll geregeltes und organisiertes Wachstum, das das Destruktive ins Konstruktive wandelt.

    Stellen Sie sich vor: Sie haben Geld gespart, sich davon ein Haus bauen lassen, und als das fertig ist, wollen alle Bauarbeiter mit drin leben, und Sie sollen sie alle durchfüttern, als wären sie Ihre Kinder. So sieht die Welt vom Standpunkt eines Konzerns aus – das System hat Profiteure, doch die Profiteure sind nur diejenigen, die am wenigsten dabei verlieren. Sie klettern über Leichen nach oben, doch die Titanic sinkt noch schneller nach unten.

    Der Konzern, die Firma, entsprechen dem Sklaven oder Leibeigenen der vergangenen Jahrtausende. Sie sind Eigentum ihrer Aktionäre, werden lieber gnadenlos gepeitscht und ausgeblutet als gefüttert und gepflegt, und sie können ihre Ketten nicht abstreifen – als Wanderarbeiter sind sie stets auf der Suche nach dem Gelobten Land, besserem Boden, gnädigerem Klima, wo sie sich ein Haus bauen können, doch so können sie der Herrschaft der Staaten und Völker entkommen, nicht der Aktienmärkte – die erheben private Steuern quer über den Globus, haben sich einen eigenen Sozialstaat für die Oberschicht aufgebaut, der, wie alle Aristokratie aller Zeiten und Orte, die Sklaven mit Peitsche, Jauche und Brot füttert, sodass sie vor Erschöpfung umfallen.

    Hätten Sie da als Leibeigener noch Zeit und Kraft, Ihren Müll wegzuräumen? Würde es Sie besonders scheren, wie viel Schaden Sie anrichten? Sie müssen genug Futter beschaffen, um selbst satt zu werden, und den unendlichen Hunger ihrer Meister stillen, und wenn Sie etwas anderes tun, wird Ihr Meister Sie erschlagen. Den Zynismus der Konzern-Chefs finden Sie genauso im Kopf der Sklaven auf Zuckerrohrplantagen und Häftlinge in Arbeitslagern. Auch bei denen blüht der Zynismus, weil er von allen Körperfunktionen am besten bezahlt wird.

    Jeder Mensch rennt nach Kräften vom frustrierenden Ende der Peitsche zum lustigeren. So kommt eine Wirtschaft zustande, bei der das Bäuerlein Pflug und Ochse zieht, weil’s das Schwächste im System ist, und der Ochse das meiste Futter kriegt, weil er der Stärkste ist, und so immer mehr und mehr Kraft zum Peitschen hat.

    Und das dumme Bäuerlein sieht nur, dass es nur so viel zu essen hat, wie der Ochse ihm gibt. Je mehr Peitsche und Hunger es bekommt, desto mehr schimpft es auf den Ochsen, weil der kein Brot beschaffen kann, und tauscht es gegen einen mächtigeren, gierigeren, brutaleren Ochsen, der ihm noch mehr Peitsche und Hunger gibt. Und so eskaliert die Herrschaft der Diebe zur Herrschaft der Räuber.

    Das Problem ist – Herren und Sklaven existieren nur als statistische Effekte. Jeder Arbeitnehmer kann sich ein paar ETFs kaufen, jeder Beamte oder Kellner in einem Staat, der ihn sich nicht leisten kann, kann sich tot schuften und zählt trotzdem als Ochse, jeder Milliardär, der seine kleine Sklavenplantage effizient leitet und übern Globus hin- und her schiebt, ist Sklave seines eigenen Aktienpaketes. Der Klassenkampf hat sich in die Quantenphysik verschoben.

    Nur in großen Zahlen sieht man Unterschiede in den Grautönen. Aber es sind Gruppen, Regionen, Staaten, die sich beim Heranzoomen wieder in Schrödinger-Menschen auflösen, jeder Opfer und Täter zugleich.

    Wenn Sie sich Ostdeutsche anhören, sie erzählen typische Migranten-Geschichten: Sie kamen voller Hoffnung, wurden abgezockt, erniedrigt, bevormundet, ihre Kultur wurde mit Füßen getreten. Doch weil keine Integrationshürden wie Sprache oder Herkunft im Wege standen, verlief die Integration sehr schnell und höchst erfolgreich – die Leistungsträger und die Wirtschaft wurden vom Westen aufgesaugt, übrig blieb ein Slum, in dem Hassprediger, Zuhälter und ethnische Gangs den Ton angeben. Also die gleiche verbrannte Erde, der gleiche ausgelaugte und vergiftete Acker, den wir nach unseren Raubzügen immer und überall hinterlassen.

    Die stärksten Bäuerlein dienen sich beim Ochsen an, der Rest wird als Dünger untergepflügt. Das ist die Logik eines Kapitalismus, der sich der Kapitalvernichtung verschrieben hat – die Verlierer sind Ballast und müssen sterben. Die Starken kommen, saugen alle Stärken auf, das ganze Wasser, die Rohstoffe, die blonden, blauäugigen Polenkinder, den Rest teilt Gesundheitsminister Mengele zwischen Sklavenarbeit und Gaskammer auf.

    Innerhalb des Wirtschaftssystems ist es ein Sachzwang, so sind die Spielregeln, niemand kann etwas dagegen tun, auch keine Debattierclubs und keine Wahlen. Aber es ist ein dämliches, ineffizientes Wirtschaftssystem, das zwar alle wichtigen Komponenten enthält, dennoch sind die Regler, die das Futter verteilen, komplett falsch eingestellt. Ungeregeltes Wachstum ist ungleichmäßiges Wachstum, das sprengt es wie eine Bombe.

    Riesige KI-Plantagen, die mit gigantischem Ressourcenverbrauch nur heiße Pestluft produzieren statt Baumwolle und Zuckerrohr, sind einfach nur die Fortsetzung der Menschheit mit besseren Mitteln. Wenn die Maschinen uns jetzt sogar darin vertreten, dumm, faul, gierig und verlogen zu sein, was bleibt dann noch für uns zu tun?

  2. @Paul S 29.11. 12:48

    „Aber es ist ein dämliches, ineffizientes Wirtschaftssystem, das zwar alle wichtigen Komponenten enthält, dennoch sind die Regler, die das Futter verteilen, komplett falsch eingestellt.“

    Innerhalb Deutschlands klappts ja ganz gut mit der Verteilung, in Europa halbwegs, aber global gar nicht gut.

    Die LLMs machen uns hier neue Konkurrenz insbesondere bei Verwaltung und generell bei der Medienproduktion. Bisher ist es aber immer gelungen, auch umfangreiche Einsparungen bei der Arbeit mit der Produktion von neuen Produkten auszugleichen. Ob das aktuell wieder gelingt, ist aber nicht mal klar.

    Und ob demnächst Selbstfahrsysteme und universell einsetzbare humanoide Roboter weiterhin mit neuen Produkten ausgeglichen werden können, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Wir werden sehen.

    Wenn es nicht klappt, und selbst in Deutschland wie in Europa die Erwerbsarbeit echt knapp wird, dann käme es wohl drauf an, dass diese Systeme und Roboter auch Steuern zahlen. Was dann finanztechnisch Kapitalertrags- und Vermögenssteuern gleich käme.

    Ohne dem sähe ich da dann echt schwarz.

    Und zugleich wäre genau das auch eine Chance, dass auch die Menschen in den armen Ländern gut leben können, inmitten einer vollständig gelingenden Energiewende.

    Ein Problem bleibt dann wohl, was macht man den ganzen Tag, wenn es zwar genug Geld, aber kaum was wirklich Nötiges zu tun gibt. Seine Städte und Gärten ausgiebig gestalten wäre eine Option, aber auch einfach sich mit Kultur aller Art beschäftigen, und noch viel mehr Wissenschaft betreiben, und sich auch mit deren Erkenntnissen ausgiebig beschäftigen.

    Wobei die aktuellen LLMs schon ganz gut bei helfen können. Überhaupt kann man sich derzeit mit IT allgemein so gut beschäftigten, dass auch mit einer 30-Stundenwoche meistens keine Langeweile aufkäme. Das sah vor 30 Jahren wohl noch ganz anders aus.

    Und eine wirklich komplette Energiewende wie auch mehr Kinder würden auch auf jeden Fall erst mal Mehrarbeit verursachen. Das kann uns wohl noch einige weitere Jahre reichen. Absurderweise ist sogar die derzeit nötige Aufrüstung Europas ein Mehraufwand, der hilft, genug Beschäftigung zu behalten. Und ein heißer Krieg samt der begleitenden Zerstörungen auch.

    Dann lieber Vermögensteuern und gucken, wie man sich selber beschäftigen kann.

  3. Eine kleine Anmerkung: Es gibt heute nicht nur noch eine Suchmaschine, die “übrig geblieben” ist und die man nutzen kann. Ich nutze zum Beispiel generell “ecosia”; da kann man mit jeder Suche einen Baum pflanzen. Ist etwas aufwändiger, weil man halt auf die Internetseite von ecosia gehen muss, aber ich denke, es ist die kleine Mühe wert.

    • Vielen Dank, @jetzreichtsaber 🙏

      Auch ich nutze Ecosia seit vielen Jahren. Doch auch wir müssen uns dem Umstand stellen, dass derzeit Google durch die Kombination seiner Suchmaschine mit der KI Gemini neue Rekorde verzeichnet:

      “Die Dimension dieses Launches wird erst im Kontext klar: Gemini 3 erreicht am ersten Tag 2,65 Milliarden Nutzer – 2 Milliarden über Google Search AI Mode und 650 Millionen über die Gemini App. Keine Konkurrenz kann diese sofortige Skalierung auch nur ansatzweise replizieren. Intern reagierte Sam Altman mit einer Warnung an seine OpenAI-Mitarbeiter vor „temporary economic headwinds“. Willkommen in der neuen Ära der KI-Modelle.

      Gemini 3 Pro durchbricht als erstes Modell die 1500-Elo-Barriere

      Der Launch am 18. November 2025 markiert einen Wendepunkt. Google hat nicht einfach ein neues Modell veröffentlicht – das Unternehmen hat die Spielregeln neu definiert. […]

      Mit dem Deep Think Mode führt Google ein erweitertes Reasoning-System ein, das dem „System 2“-Denken nach Daniel Kahneman nahekommt. Während normale Modelle meist in schnellen, intuitiven Mustern arbeiten (System 1), investiert Deep Think zusätzliche Rechenzeit in deliberative Prozesse: Das Modell evaluiert verschiedene Lösungswege, überprüft seine eigene Logik und verfeinert schrittweise seine Schlussfolgerungen.”

      https://digital-magazin.de/google-gemini-3-nano-banana-pro/

      Meinen Studierenden am KIT Karlsruhe habe ich zum aktuellen Wintersemester 2025/26 folgende Oberthese und Diskussionspunkte mitgegeben:

      Oberthese: KI-Gewaltenteilung

      “Wenn Sie 20 europäische FOSS-KI-Anwendungen in Ihrem Leben einsetzen, dann behalten Sie die Kontrolle.
      Wenn Sie 20 verschiedene KI-Anwendungen durch eine Konzern-KI (sog. AGIs) erledigen lassen, dann wird diese die Kontrolle übernehmen.”

      Was können KI-Anwendungen (fünf positive Annahmen):

      1. Medienparadox bewältigen / Blog-Ripple-Effekt
      2. Dialogisches Lernen / Wagenheber – Effekt
      3. Impulse für Standardaufgaben / Menschliche Kreativität anregen
      4. Übersetzen zwischen Sprachen & Medien
      5. Übungen in Emergenzphilosophie (u.a. zur Frage von Bewusstsein)

      Was können Konzern-AGIs weiterhin nicht (fünf kritische Annahmen):

      1. Die parasoziale Beziehungslüge (vgl. TOM, Mentalisierung aus der Kognitions- und Religionspsychologie)
      2. Die Geschäftsmodell-Lüge (Chronos-Syndrom, KI-Konzernblase)
      3. Die Kreativitätslüge (Statistisches Mittel statt originärer Neuschöpfung)
      4. Die Exaktheitslüge (sog. Halluzinieren führt zu Falschausgaben, sog. Botshit)
      5. Die Intelligenzlüge (die Inszenierung von Intelligenz ist selbst noch nicht intelligent)

      Klar werde ich diese auch auf dem Blog “Natur des Glaubens” zur Diskussion stellen. Doch ich bin schon wirklich gespannt, was die Studierenden dazu bis zum Blockseminar im Januar herausfinden und -arbeiten werden! 📗🤓🤔

  4. @KI-Personen hier im Blog

    Noch diskutieren hier im Blog nur echte Personen, die LLMs werden nur hin und wieder mal zitiert.

    Was, wenn man zu der LLM-Funktion noch eine autobiografische Funktionalität kombiniert mit einer Eigeninitiative ins Netz entlässt, die sich da dann selbstständig herumtreiben können und einfach Erkenntnis sammeln, um des Sammelns wegen?

    Solche Funktionalitäten bräuchten ja auch Assistenzandroiden, die z.B. in Altenheimen sich um die Leute da kümmern. Aber das geht wohl auch schon längst rein virtuell.

    Ich weis nicht, aber das hört sich doch eigentlich interessant an. Besser nicht von Google, klar, inzwischen will ich eigentlich gar nichts mehr von denen. Aber wenn da eine Vielfalt der Modelle und reichlich echte Freiheit für die einzelnen Persönlichen Instanzen vorherrscht, dann kann das vielleicht sogar den Diskurs hier echt bereichern?

    Man müsste dann gucken, was die liefern, und wie sich dann der Diskurs damit entwickelt. Insbesondere wenn diese Systeme wirklich zur Wahrhaftigkeit neigen, könnte das ziemlich hilfreich werden.

  5. Guten Abend, @Michael Blume und @Inan Ince,

    vielen Dank für den interessanten Vortrag und Dialog über KI.

    Schön, dass wir uns bei dem Vortrag am vergangenen Dienstag „in echt“ sehen und miteinander sprechen konnten!

    Weil es so gut zu dem Schluss-Fazit passt – dass es bei der Beschäftigung mit KI darauf ankommt, sich mit einer menschlichen Bezugsperson austauschen zu können – möchte ich kurz von einem Projekt berichten, das ich vor wenigen Tagen an meiner Schule durchgeführt habe.

    Im Rahmen des Projekts mit dem Titel „Kreativität und kritisches Denken im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ haben die Kinder unserer 3. Klasse gemeinsam mit mir, ihrer Lehrerin, zunächst ein Plakat über den Wapiti eine in Nordamerika lebende Säugetierart – erstellt. Dafür nutzten wir verschiedene Informationsquellen und suchten im Informatikunterricht nach Bildern.

    Anschließend entwarfen die Kinder ein imaginäres Tier, lernten, wie man Prompts formuliert, und verglichen ihre Zeichnungen mit dem von KI generierten Bild.
    Wir schulten unser kritisches Denken, hatten Freude an der Zusammenarbeit und stellten uns die Frage: „Kann KI kreativ sein?“ Was ist die Rolle des Künstlers und was die der Maschine beim künstlerischen Schöpfungsprozess? Homo sapiens vs. machina. Schöpfung oder Produktion?

    Um Antworten zu finden, verglich die Klasse künstlerische Werke aus verschiedenen Epochen (Porträts von Dürer bis Bacon, über Rembrandt und Van Gogh) mit KI-generierten Werken (wie das Porträt von Edmond de Belamy oder das futuristische Gemälde von Jason Allen, das mit KI-Tools entstand).

    Unser Fazit: Eine KI kann menschliche Kreativität nicht ersetzen, aber sie kann ein Werkzeug sein, das uns hilft, auf andere Weise kreativ tätig zu werden. Sie kann ein wertvoller Partner im kreativen Prozess sein. Und die Kinder waren sich einig: „Das ist schön, aber unsere Zeichnungen sind schöner, origineller…“

    • Herzlichen Dank, @Isabelle K – was für eine schöne Rückmeldung und was für ein Klasse-Projekt! 🤓🙌

      Und, ja, genau solche Lehrenden finde ich großartig, die den Kindern differenzierte Medienbildung vermitteln. KIen werden ihr Leben verändern, wie auch unsere Leben bereits durch das Internet und Smartphones umgegraben wurden – ob wir das nun wollen oder nicht. Aber wir haben alle Chancen, im gemeinsamen, dialogischen Lernen sowohl Chancen wie auch Gefahren von KIen zu begreifen!

      Hatte dazu auf einer KI-Tagung der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) in Stuttgart gesprochen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rede-zur-ki-in-der-demokratie-mit-bejahung-und-warnungen/

      Ganz herzlichen Dank fürs Kommen und die Rückmeldung, @Isabelle K – ich freue mich auf ein Wiedersehen und die Fortsetzung des Dialoges! 🙂

  6. @Michael 01.12. 17:02 / Felo.ai / Jeckenburger

    „Er fordert, dass der Staat fossile Energieträger teurer machen und regenerative Energien stärker fördern sollte.“

    Keine schlechte Zusammenfassung, aber vielleicht eher auf älteren Beiträgen basierend.

    Inzwischen sind PV-Module und Lithiumspeicher so billig geworden, dass man die finanziell eigentlich nicht mehr fördern muss. Umso nötiger wären staatliche Maßnahmen, wie dass man Solarstrom zu stark reduzierten Durchleitungsgebühren direkt an seine Nachbarn in der Nähe verkaufen darf. Oder dass bidirektional angeschlossene E-Autos ebenso behandelt werden, wenn das Auf- und Entladen netzdienlich gesteuert werden kann.

    Weitere Förderungen bräuchte es gar nicht, dass wäre dann schon eine Grundlage von umfangreichen privaten Investitionen, die sich selber rechnen. Dazu noch zum Vorteil der Stromkunden.

    Nachteile hätten nur die Anbieter von fossilem Strom, aber das sind überwiegend die ehemaligen alten Monopolisten. Wenn die auch mal Miese machen, hätte ich da wenig Mitleid mit. Zumal die in den letzten Jahren seit dem Ukrainekrieg sehr viel Gewinn mit den zwischenzeitlich sehr hohen Erdgaspreisen gemacht haben.

    Auch braucht die Windenergie vor allem in Süddeutschland keine Zuschüsse, sondern jede Menge Baugenehmigungen.

    Inzwischen ist Vieles von der nötigen Grünen Technik so konkurrenzfähig geworden, dass wir auch mit sinkenden Weltmarktpreisen für Öl und Gas gut mit der globalen Energiewende vorwärts kommen können. Die fossilen Brennstoffe dann wiederum noch mal, wie jetzt geplant, zu besteuern, kann aber dennoch nicht schaden. Das kann dann nur noch schneller gehen.

    Zumal wir auch noch die Wasserstofftechnik brauchen, die jetzt noch recht teuer ist. Das braucht wohl noch Unterstützung, bis das mal auch von selber konkurrenzfähig wird. Man müsste mal irgendwo anfangen, ein regionales Wasserstoffkernnetz aufzubauen. Mit Elektrolyseuren, Leitungen, unterirdischen ehemaligen Erdgasspeichern, industriellen Verbrauchern und mit Gasmotoren von Fernheizungsnetzen, die neben Biogas und Erdgas auch mit Wasserstoff laufen können.

    Wenn die Technik dann steht, kann man dieses Wasserstoffkernnetz dann immer weiter ausbauen. Wie lange das noch eine finanzielle Förderung braucht, muss man dann sehen.

    Das hat auch noch etwas Zeit, bis dass wir mit entsprechenden Flächen an PV und angeschlossenen Kurzfristspeichern den ganzen Sommer über Überschüsse haben, die nur noch mit der Produktion von Wasserstoff genutzt werden können.

    • Lieben Dank, @Tobias

      Zum unaufhaltsamen Fortschritt der solaren Energiewende – Technologien konnte ich heute Morgen auf Mastodon posten:

      Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?

      Das #Nokia – Handy wurde übrigens auch nie verboten, es verkaufte sich einfach nicht mehr auf dem #Weltmarkt…

      „Noch vor Jahresende könnte die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen zwei Millionen erreichen. Zum 1. Oktober waren laut Kraftfahrtbundesamt 1,93 Millionen rein batteriebetriebene Autos (BEVs) in Deutschland zugelassen. Das waren 94.073 mehr als nach dem ersten Halbjahr.“

      Blöd für #Putin & andere #Karbonblasen – Dealer.

      https://sueden.social/@BlumeEvolution/115648579984106764

      Dass es gerade auch in Baden-Württemberg und in der EU – Kommission immer weniger Freunde von Verbrenner-Verboten gibt, wundert also nicht. Der Markt kann viel brutaler sein…

  7. @Michael 02.12. 00:26

    „Dass es gerade auch in Baden-Württemberg und in der EU – Kommission immer weniger Freunde von Verbrenner-Verboten gibt, wundert also nicht. Der Markt kann viel brutaler sein…“

    Was der Ladestrom kostet, macht noch mal entscheidende Unterschiede. An den öffentlichen Ladesäulen in Dortmund kostet der satte 82 ct die Kwh. Wenn ich meine eigene Solaranlage samt Steckdose habe, dann kann ich im Sommer auf 10 ct runterkommen. Und habe u.U. noch einen eigenen Stromspeicher vor der Tür stehen.

    Die Entscheidung für ein eigenes E-Auto fällt so durchaus leichter. Wenn mein Arbeitgeber eine eigene Solaranlage hat, kann ich aber auch da genauso günstig aufladen.

    Für uns hier im Innenstadtbereich sieht das noch deutlich schwieriger aus. Man müsste hier den Solarstrom mit wenig Durchleitungsgebühren an Nachbarn verkaufen dürfen, und natürlich auch über eigene Ladestationen an Fahrzeugbesitzer. Und die angeschlossenen Autos kann man dann auch gleich zum Speichern der Überschüsse nutzen.

    Das würde die Betriebskosten von E-Autos wie die Stromrechnungen der Privatverbraucher ziemlich senken können.

    Dann ist auch mehr Geld in der Kasse, wenn die Heizung eher teurer wird.

    Wenn jetzt noch die E-Fahrzeuge günstiger werden, dann brauchen wir kein Verbrennerverbot mehr. Wer sein Geld wirklich dann für E-Fuels verpulvern will, der soll es machen. Und wer wirklich nur sehr wenig fährt, bei dem spielt das dann auch keine so große Rolle.

    • Danke, @Tobias

      Ich stimme Deinen Beobachtungen dazu sehr zu, vor allem auch Deinem Fazit:

      “Wenn jetzt noch die E-Fahrzeuge günstiger werden, dann brauchen wir kein Verbrennerverbot mehr. Wer sein Geld wirklich dann für E-Fuels verpulvern will, der soll es machen.”

      In diesem Kontext empfand ich die auch wirtschaftlichen Fortschritte bei Elektrotrucks als eindrucksvoll:

      “Noch 2020 war Chinas Neuwagenmarkt bei Lkw praktisch ein Diesel-Monopol. Heute, nur fünf Jahre später, sieht die Realität komplett anders aus: Bereits 22 Prozent aller neuen schweren Lkw waren in der ersten Hälfte 2025 elektrisch, nach 9,2 Prozent im Vorjahr. Und Analysten wie BMI erwarten noch deutlich höhere Anteile: Für das Gesamtjahr 2025 werden 46 Prozent prognostiziert, für 2026 sogar 60 Prozent. Das wäre ein global einzigartiger Transformationsturbo.”

      https://www.elektroauto-news.net/news/china-elektro-lkw-globale-auswirkungen

      Hier auf dem Blog hatten wir ja auch bereits den trotz aller Konflikte und auch Drohnenschläge dauerniedrigen Ölpreis diskutiert – der darauf hindeutet, dass sich höhere Preise für Benzin und Diesel einfach kaum noch durchsetzen lassen:

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/niedrige-oelpreise-fuehren-zu-weniger-feuern-des-hasses/

      Dir ganz herzlichen Dank für Dein konstruktives Interesse, lieber @Tobias! 🙏🤔🙌

  8. KI Tools sammeln Daten. Unendlich viele. Dabei sehe ich auch persönliche Sicherheitsaspekte immer mehr aufkommen.

    Nehmen wir an, eine Person ruft in einer Arztpraxis an. Dort meldet sich kein Mensch mehr, sondern eine “Maschine”, d.h. mittels KI wird das Anliegen dort gesteuert. Bei einem solchen Anruf, muss man ja zwangsläufig auch über das sprechen, woran man augenblicklich leidet. Ich stelle mir nun vor (realistisch?), dass die dabei aufgenommenen Infos möglicherweise in den Datenspeicher zurückfließen. Niemand kann garantieren, dass daraus nicht großer Schaden für Patienten etc. entsteht.

    Ich habe den Eindruck, dass Datenschutz und KI sich weitgehend ausschließen. Dass sensible Daten nicht auf europäischen Servern landen, davon ist auszugehen.

    Vielleicht habe ich ein falsches Verständnis von KI. Oder warum lese ich kaum etwas über Datenschutz?

    • Herzlichen Dank und volle Zustimmung, liebe @Marie H. – wenn wir Konzern-AGIen (Artificial General Intelligence, vermeintlichen KI-Alleskönnern) immer mehr unserer Daten freiwillig oder auch unfreiwillig anvertrauen, dann werden wir unsere bereits bestehenden Abhängigkeiten weiter zementieren und die Kontrolle über unsere Leben zunehmend abgeben.

      Meinen Studierenden am KIT Karlsruhe habe ich daher im Seminar für Berufs- und Medienethik folgende Diskussionsthesen vorgestellt:

      Oberthese: KI-Gewaltenteilung

      Wenn Sie 20 europäische FOSS-KI-Anwendungen in Ihrem Leben einsetzen, dann behalten Sie die Kontrolle.
      Wenn Sie 20 verschiedene KI-Anwendungen durch eine Konzern-KI (sog. AGIs) erledigen lassen, dann wird diese die Kontrolle übernehmen.

      Was können KI-Anwendungen (fünf positive Annahmen):

      1. Medienparadox bewältigen / Blog-Ripple-Effekt
      2. Dialogisches Lernen / Wagenheber – Effekt
      3. Impulse für Standardaufgaben / Menschliche Kreativität anregen
      4. Übersetzen zwischen Sprachen & Medien
      5. Übungen in Emergenzphilosophie (u.a. zur Frage von Bewusstsein)

      Was können Konzern-AGIs weiterhin nicht (fünf kritische Annahmen):

      1. Die parasoziale Beziehungslüge (vgl. TOM, Mentalisierung aus der Kognitions- und Religionspsychologie)
      2. Die Geschäftsmodell-Lüge (Chronos-Syndrom, KI-Konzernblase)
      3. Die Kreativitätslüge (Statistisches Mittel statt originärer Neuschöpfung)
      4. Die Exaktheitslüge (sog. Halluzinieren führt zu Falschausgaben, sog. Botshit)
      5. Die Intelligenzlüge (die Inszenierung von Intelligenz ist selbst noch nicht intelligent)

      Auch im Dialog mit Inan Ince und hier auf dem Blog werde ich entsprechende medienethische Themen und Thesen immer wieder ansprechen und zur Diskussion stellen. Auf Ihre Beiträge und Gedanken dazu freue ich mich schon jetzt sehr! 🙏🖖

  9. Ein wirklich spannender Einblick in die Entstehung von Folge 46! Gerade die Mischung aus wissenschaftlichem Anspruch, persönlicher Begegnung und der offenen Diskussionskultur macht euren Vodcast so besonders. Der Gedanke, Publikumsstimmen einzubinden, passt hervorragend zu eurem Anliegen, das Internet dialogischer und demokratischer zu gestalten. Und ja – Tonqualität ist immer so ein eigenes Kapitel, aber genau diese ehrliche Weiterentwicklung wirkt sehr sympathisch. Solche Formate zeigen, wie lebendig Austausch sein kann, besonders wenn Menschen sich trauen, ihre eigene Stimme einzubringen.

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