Blume & Ince 44: Friedenshoffnung & Wangari Maathai für Nachhaltigkeit

In den letzten Tagen bin ich intensiv gefragt worden, ob ich einen Frieden in Israel & Gaza für möglich halte. (Meine Antwort ist: Ja, weil Donald Trump v.a. fossile Interessen der Golfstaaten bedient.) Da hatte Mit-Videocaster Prof. Dr. Inan Ince aber schon längst eine faszinierende Person für die aktuelle Folge von Blume & Ince vorgeschlagen: Die erste, afrikanische Friedensnobelpreisträgerin und Pionierin für Nachhaltigkeit, die kenianische Professorin Wangari Maathai (1940 – 2011).

2006 traf der spätere Friedensnobelpreisträger Barack Hussein Obama (links) die 2004 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Wangari Muta Maathai (rechts) in Nairobi, Kenia. Foto: Fredrick Onyango 

2006 traf der spätere Friedensnobelpreisträger Barack Hussein Obama (links) die 2004 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Wangari Muta Maathai (rechts) in Nairobi, Kenia. Foto: Fredrick Onyango  

Aus meiner Sicht überwinden herausragende Menschen – und nicht zufälliger häufiger Frauen – wie Wangari Maathai und Nadia Murad bereits das überholte Paradigma des Fossilismus. Und ich finde es einfach großartig, dass Inan als BWL-Prof seinen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkt auf Nachhaltigkeit gelegt hat!

Hier also die Friedens-Folge 44 von “Blume & Ince” auf podigee, auf allen gängigen Streaming-Portalen und im Folgenden auf Video.

Und die Lacher-Outtakes am Anfang? Ich hatte den Abspann vier Mal in Folge versemmelt und Inan damit jede Menge “freudige” Schneide-Arbeit beschert! 🙂  

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

6 Kommentare

  1. Prinzessin Trump kriegt den Friedensnobelpreis auf die Trumpsche Art: Da er den richtigen Krieg in der Ukraine nicht beenden kann, heizt der den in Gaza erst auf, um ihn dann mit brachialer Gewalt auszutreten. Der Mann wird mutig – ein Terrorist oder Drogenhändler mit Pistole ist für einen Flugzeugträger gefährlicher als ein Harvard-Professor mit Brille, ein Gärtner ohne Rechte oder eine bärtige Lady. Wenn der gute Vladimir es schafft, seinen Job so sehr zu verbocken, dass sogar El Presidente dos Estados Bananos del Norte nicht mehr von ihm kriecht, ist Russland am Ende, und damit zehnmal so gefährlich.

    Naja. Obama hat den Nobelpreis dafür bekommen, nicht Dubbya zu sein. Da ist es nur ein kleiner Schritt zum Friedensnobelpreis für das Auslösen des Dritten Weltkriegs.

    Idole beseelen die Massen. So sind wir halt, Herdentiere, wir übernehmen die Gefühle und Einstellungen unserer Alphas. So entsteht einer mit vielen Leibern, vielen Händen, und kann in der Welt mehr bewirken. Es sind einfach Machtzentren, Kraftquellen, wie der Futtertrog oder die Sonne – um sich herum entsteht ein Magnetfeld, die Hypnose der Macht schafft eine eigene Welt. Wenn Sie ihre Worte in Schrift konservieren und einen Verstärker bauen, der ihnen die nötige Macht auch nach dem Tode verleiht und die Schrift in Dauerschleife vorliegt, einen Vatikan, ein Jerusalem, ein Mekka – können sie ihr Wirken auch lange nach dem Tod fortsetzen. Deswegen muss man auch trennen zwischen Klerus und Botschaft, denn der Papst und die Kirche sind bloß ein Tonbandgerät, das die Dauerschleifen, die er abspielt, nicht verstehen muss. Der Klerus ist Nutzvieh, Ochsen vor dem Pflug, die gefüttert werden, ohne den Sinn ihres Tuns zu begreifen.

    Solche Figuren leben aber von der Street Credibility. Ich habe vor Ihnen mehr Respekt als vor mir selbst wegen Ihrer Arbeit mit den Eziden, Sie haben echt was riskiert und geleistet. Auch wegen der Unterstützung von Integration wider alle Widerstände und Ihrer Arbeit als Antisemitismus-Putze – den Leuten sagen, dass der Holocaust bäh war, ist das ethische Äquivalent von Babys beizubringen, aufs Töpfchen zu gehen, also dürften Ihre Gegner das gleiche emotionelle Niveau haben und vor allem aus Trotz jetzt erst recht Antisemiten sein. So wirkt das Ganze irgendwie wie ein Nerd, der sich unbedingt von den Schulhofschlägern herumschubsen lassen möchte. Aber so ein Moshpit-Lifestyle muss man aushalten können, ganz egal, wie viel Sinn das Ganze macht, und der gute Wille zählt ja auch.

    An Trump und Putin sehen Sie aber auch, wie viel Bedeutung das Team dahinter hat. Die Republikaner behalten ihre Ansichten bei und sichern eine gewisse Kontinuität der Politik, sodass aus Trumps Putin-Schwärmerei nicht mehr wird als ein One-Night-Stand. Und Putin mag ein debiler Schläger sein, aber sein Personal ist kompetenter als er, und deswegen scheitert Russland an dummen Ideen, doch überlebt durch deren kluge Umsetzung. Deswegen reicht es unseren Seelen-Eichgeräten ja auch so oft, Plattitüden von sich zu geben – wenn die Street Credibility stimmt, werden sie von den Jüngern allein umgesetzt, auf tausendfache Weise. Die Macht des Glaubens, das sind viele Hände und viele Köpfe, die viele Wege zum selben Ziel suchen.

    Deswegen hat ja der Westen, in dem nur noch Comedians Street Credibility haben, ja so verschissen – eine gemeinsame Vision ist ohne glaubwürdige Autoritäten kaum umzusetzen. Platte Ersatzreifen wie Trump bekommen erst eine Chance, wenn alle Träume platt sind.

    Trumps Macht kommt zum großen Teil davon, dass er allen alles verspricht, und seine Meinung zu schnell ändert, um die Hoffnungen platzen zu lassen, von seinen Launen zu profitieren. Man nennt so was auch eine Schlampe oder einen Hochstapler. Ihre Karrieren sind steil, doch meist nur recht kurz und enden mit großem Krach. Your personal Jesus, bei dem es vor allem darauf ankommt, ihn in eine Position zu bringen, wo er für einen doch das Höschen fallen lässt, und ihn dann nie wieder anzurufen.

    Merken Sie was? Politiker machen keine Politik. Macht macht Politik. Das Geld, das Öl, das Atom, sie bilden Kerne, Quellen, und die Menschen sind nur das Mittel, mit dem sie sich vernetzen. Und deswegen fahre ich ganz gut damit, die Details der Politik zu ignorieren und in Kraftfeldern, Energieflüssen, physikalischen Eigenschaften der Akteure zu denken. Auch unsere Idole und Machthaber sind nur Engel, Botschafter, die den Willen der wahren Götter in die Welt bringen.

    Doch so wie wir Engel brauchen, brauchen wir auch Teufel. Im Amerikanischen Imperium wurden die Provinzen mit Bestechung ans Mutterland gebunden, nicht mit Gewalt, wie im Ostblock, weil es den Ostblock als Konkurrenten gab. Erst China hat genug Wirtschaftsmacht entwickelt, ein Gegenangebot zu machen, sodass sie von den Vorteilen des freien Marktes profitieren können.

    In Afrika ist Profit aber vermutlich ein Unheilsbote. Die Grenzen der Staaten sind völlig künstlich, verfeindete Völker müssen es miteinander aushalten, es gibt lange Strecken, in denen die Geografie keine natürlichen Befestigungen bietet, und die sind von Natur aus extrem instabil. Oft ist die Person des Clan-Chefs und seine Gangster-Clique der einzige Nagel, an dem die Existenz des Staates hängt, denn sie unterdrücken mit Gewalt alles, was schlecht fürs Geschäft ist. Sobald die Menschen stark genug sind, sich gegen die Tyrannei zu wehren, werden sie auch stark genug sein, über ihre Nachbarn herzufallen. Und deswegen geht mir Europas Rechte doppelt und dreifach auf den Sack: All die Flüchtlinge, und die dürfen nicht rein, um meine Rente zu zahlen!

    Leuten einen Job und ein besseres Leben mit allen Rechten und Freiheiten anzubieten ist was Anderes als Sklaverei, aber das wirtschaftliche Prinzip bleibt gleich. Macht macht Politik, auch die Macht der Naturgesetze hinter der Wirtschaft, mit denen kann ich nur einen Kompromiss aushandeln, aber mich nicht von ihnen befreien.

    Bei solch patriarchalen Gesellschaften, wie Sie sie beschreiben, tut mir nicht der Kolonialismus leid, sondern dass er aufgehört hat. Wenn Sklaven Sklaven haben und auch die Sklaven haben, schulde ich nur der untersten Schicht die Freiheit. Allen darüber zeigt die Peitsche nur den Respekt vor ihrem Wertesystem, und wer Peitsche statt Lohn ethisch rechtfertigt, macht dem humanistischen Kapitalisten ein Angebot, das der nicht ablehnen kann. Freiheit zum Versklaven gibt’s nur, wenn der Sklave sich aus freiem Stücken dafür entscheidet.

    Doch auch die Unterdrückten sind Geiseln ihrer Heimat. Wäre die Welt nicht ein besserer Ort, wenn wir schneller gegen Unrecht aufbegehren würden, wenn wir schneller bereit wären, die Ketten abzuwerfen und auszuwandern, oder die Sklavenplantage niederzubrennen, statt uns mit den Aufsehern und Besitzern zu arrangieren und ihnen in den Hintern zu kriechen, während wir Schritt für Schritt für Verbesserungen von ihrer Gnaden kämpfen? Doch dann werden wir zu Geiseln derer, die viel zu schnell aufbegehren, jener, für die Gerechtigkeit Unrecht ist, denn sie sind erst zufrieden, wenn die ganze Menschheit zu ihren Sklaven wird. Wüsste ich sicher, wo die Grenze ist, könnte ich mir trauen, dass ich rechtzeitig aufhöre, würde ich alles Unrecht und allen Machtmissbrauch der Welt durch Angst und Schrecken vor der Rebellion in Schach halten können.

    Daran scheitern oft rebellische Seelen. Wir fordern Gerechtigkeit, wissen aber nicht, was das ist. Also handeln wir nach Gefühl, und Rebellion ist Feuer, es will immer weiter und immer mehr. Ob Hamas oder Taliban oder Trumpisten – wenn sie Gerechtigkeit fordern wurden und nicht die Macht, die Welt zu versklaven, wären sie Engel. Durch ihre selbstherrliche Maßlosigkeit sind sie Teufel.

    Luzifer und Jesus, die zwei Gesichter des Prometheus, der Weltenbrand und das Lagerfeuer, der Lichtbringer der Brandstifter und der Lichtbringer der Ingenieure. Wie gehabt.

    Fossilismus und grüne Energien wirken wie Fremdenhass in Polen – die Politik überbietet sich umso mehr in rassistischen Ausfällen, je mehr Migranten man ins Land holt, und die Integration läuft effizienter als im ah so toleranten Deutschland. Es hat was von Romeros Land of the Dead, wo man die Zombies mit Feuerwerk ablenkt, damit die Menschen hinter deren Rücken ungestört ihr Ding durchziehen können. Die Politik hat was von Müllverbrennungsanlage, sozialer Meinungskloake, dem Kinderparadies im Einkaufszentrum, wo die Störenfriede im Bällebad toben können, während Mami und Papi die Hosen holen. Man muss schon unglaublich kindisch und naiv sein, um sich mit der Sonne anzulegen.

    Hunde die beißen, bellen nicht. Zumindest nehmen sie das Maul nicht so voll. Und deswegen gebe ich auch Europa nicht auf, trotz all meines Schimpfens. Es brennt, was brennen muss. Es wächst, was wachsen muss. Die Gefahr liegt darin, dass das Feuer die Hoffnung verzehrt, nicht darin, dass es keine Hoffnung gäbe.

    Endliches Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich, deswegen haben wir ja so viele andere. Ressourcenknappheit ist ein irdisches Problem. Geben Sie mir einen AI-gesteuerten Ameisenhaufen, der sich autonom erhält und deswegen nix kostet, und Sie haben hundert Milliarden Roboter, die für Sie den Asteroidengürtel plündern und Städte auf dem Mars anlegen. Sie räumen die Erde auf und machen sie zum Naturschutzgebiet, einem Reservat für Dodos, Dinosaurier und Menschen, die Menschen bleiben wollen. Die Zukunft gehört dem Maschinenleben, in dem Biologie und Technologie vollständig verschmolzen sind der Missing Link zwischen ihm und uns ist der Cyborg. Und der sind wir schon, seitdem wir Werkzeuge benutzen.

    Aber wir haben ja nicht nur die eine Erde. Unsere Erde ist eine dünne Schale, die in den seltensten Fällen drei Kilometer Tiefe erreicht. Darunter ist noch eine Erde mit drei Kilometern tiefe. Und darunter noch eine. Und noch eine. Und überall in der Orange liegen Rohstoffe, die den Schimmel von der Oberfläche noch nie gesehen haben.

    Und das ist es, was die Naturgesetze derart erzwingen: Die vertikale Revolution der Wirtschaft. Statt den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und sich über die Oberfläche zu verbreiten, gehen wir in Höhe und Tiefe. Mit Geiz-ist-Geil und einer Wirtschaft, die auf Briefen an den Weihnachtsmann basiert, ist da nix mehr zu reißen. Das Wirtschaftsmodell der letzten 500 Jahre gehört zu den Fossilien, die gerade im Sterben liegen und in Agonie um sich schlagen. Öl und Gas und Kohle und Geld, für diese Götter ist Ragnarök.

    Wir haben keinen linearen, sondern einen brodelnden Wachstum. Inflationsblasen aller Art bauen sich auf, bis sie Plopp machen, das Meiste geht verloren, doch jede hat ein Bisschen mehr Wissen, Können, Werkzeuge, Mittel beschafft, mit denen die nächste Inflationsblase anfangen kann. Und so werden die Blasen mit immer mehr Ressourcen aufgepumpt, bekommen ausgefeiltere Stützgerüste, bessere CPUs, sie erweitern ihr Spektrum der Möglichkeiten, sich zu erhalten. Irgendwann werden echte, lebendige Zellen draus, aber die Weltwirtschaft hat noch nicht mal die Atmung drauf – auch sie bläst den Frosch auf, bis er platzt.

    Ich habe gerade das Gefühl, etwas sehr Schlaues und Wichtiges gesagt zu haben, das wieder mal keinen interessiert. Aber Gefühle lügen.

    Die Leute, die dem Neuen und Besseren Widerstand leisten, sind wichtig. Sie müssen nicht Recht haben, sie müssen hohe Hürden aufbauen, dem Kind den Start ins Leben schwer machen. Das Neue muss sich am Alten messen, wo es besser ist, wird es siegen, wo es schlechter ist, wird es Elemente des Alten übernehmen müssen, nur so kommt das Beste des Besten heraus. Nur wenn es ihren Widerstand überwinden und von ihnen lernen kann, ist es gut genug, geboren zu werden. Und deswegen jammere ich stets lieber über die Untätigkeit der Guten als über die Emsigkeit der Bösen. Die Bösen machen ihren Job und kassieren ihren Lohn. Und der beinhaltet allen Lohn, auf den die Guten verzichten.

    Ein Paradigmenwechsel vom Schnorren an der Natur zur Eigenleistung, vom Jäger und Sammler zum Gärtner und Ackerbauer, fällt schwer. Nicht mal Kinder gibt’s noch gratis, seitdem es Kondome und Pille gibt. Vorläufig klappt es noch, sich als Parasit an den Armen der Welt zu bedienen, die Kinder von Leuten zu mopsen, die bereits Elternschaft und Schule für uns abgewickelt haben, Schwangerschaft und Leibeigenschaft in Harmonie. Aber früher oder später werden wir diese Leistung bezahlen müssen. Uns um Eltern und Familien kümmern, statt einfach aufzusammeln, was so als Fallobst aus den Weibern fällt und es in die nächste Fabrik zu stecken.

    Die neue Geburtenkontrolle ist das Gegenteil der alten – früher ging es darum, unkontrolliertes Wachstum zu verhindern, heute – unkontrolliertes Schrumpfen. Und einen Keim zu ersticken ist einfacher, als ihn aufblühen zu lassen.

    Auf der Landkarte sehen Sie, wie die Natur vertikale Wirtschaft fördert – im Westen Energiepakete, die Häuser und Kathedralen in die Höhe bauen, eine hohe Bevölkerungsdichte haben, schnelle Kommunikation, schnelle Wechselwirkung, die Evolutionsuhren ticken schnell. Im Osten ein großes Land, das von der Breite lebt, die langen Kommunikationswege, die Notwendigkeit, große Flächen abzugrasen, verlangsamt die Entwicklung, Konflikte werden nicht durch konstruktiv durch Kompromisse gelöst, sondern konservativ, durch Flucht im Inland und Abschiebung nach Sibirien, Wirtschaft und Politik bleiben archaisch, autoritär, militaristisch, wie sie es überall in Europa waren, als wir noch alle Distanzen zu Fuß überwinden mussten. Wir hatten unsere Flüsse als Straßen und Berge, die Armeen aufhielten und nur Händler und Priester durchließen. Russland wurde durch Flüsse reich, doch aus Gardarika, dem Reich der Städte, wurde schnell das Land der sich bekämpfenden Fürsten, die keine horizontalen Grenzen kannten, die ihren Tatendrang nach oben zum Himmel lenken würden. Ähnliche Geografie zerstört auch Amerika, und China hat nie genug Masse aufbauen können, um seiner Weite durch Dichte nach oben zu entkommen.

    Mongolen schufen keine Staaten, sondern Khanate, schnell expandierende und schnell kollabierende Riesenblasen. Sie errichteten keine Reiche, sie plünderten sie, bis die Ressourcen zu erschöpft waren, sie zu verteidigen, dann kehrten sie mit der Beute in ihre Lager zurück. Staaten machen das Gleiche in Slow-Motion, es lohnt sich, die Jurten aus Stein zu bauen. Es lohnt sich, nicht die Jurte mitzuschleppen, sondern Straßen zu bauen, die zu ihr hin führen, und damit auch, das Umland zu bewirtschaften, länger zu halten, zu befestigen und zu besiedeln. Schätze mal, die Mameluken profitierten davon, dass die mongolische Expansion ihre Grenzen überdehnt hatte, zu viele Mongolenherrscher brauchten Soldaten, um in zu viele Richtungen gleichzeitig vorzurücken, und die Beute machte die Verluste nicht wett. Mit Wüste und Ägypten als Hinterland konnte man sich durchaus mit jemandem messen, der dringend schnelle Beute braucht, und vermutlich keine Lust auf lange Spaziergänge am Atlantik-Strand hat. China verlor gegen den jungen Muhammad Ali, Mameluken siegten gegen den alten, an dessen Kauleiste schon viele Boxer und viele Jahrzehnte vorgearbeitet hatten.

    Die Ritter Europas verloren trotz technologischer Überlegenheit gegen die Tataren (also das, wozu die Mongolen wurden, als in ihren Heeren mehr Turkvölker als Mongolen dabei waren), weil sie zu blöd waren, Befehle zu befolgen und in die simpelsten Fallen rannten, die die Tataren schon so oft angewandt hatten, dass wahrscheinlich alle Vögel von den Bäumen davon zwitscherten. Also Europa as usual – warum einmal denken, wenn man tausend Mal sterben kann?

    Die Ritter kamen aus der Steppe, in Rom wurden sie groß und in der Steppe starben sie aus, dann kehrten sie als polnische Reiterei zurück, und wurden zu den Panzerarmeen Hitlers und Stalins. Wolken billiger Drohnen aus Pfeil und Bogen hatten keine Chance gegen Technologie, Strategie und Taktik, erst Heinrich der Seefahrer und Kolumbus entzogen der Ostexpnasion des Römischen Reiches den Saft, es zog sich wieder hinter den Rhein zurück, alles östlich davon überlebte als blasser Abklatsch des Hätte-sein-können.

    Die Polen hatten die Waffen von den Deutschen aber die Toleranz und Offenheit, die der Gegend angemessener war. Sie mordeten und versklavten weniger. Erst als sie das aufgaben und sich so arrogant wie der Orden verhielten, verloren sie die Soft Power, die sie den Russen überlegen machte. Womit wir wieder beim Trump wären, und enden, wie wir angefangen hatten.

    Ich lese von den Videos den Tactiq-Transkript, weil ich mit Texten mehr Zeit habe, zwischendurch nachzudenken und mehr Sätze auf einmal sehe. Deswegen geraten auch meine „Echtzeit“-Kommentare ellenlang. Aber wenn Sie in fast 50 Minuten Podcast nicht reichlich konzentrierten Denkstoff servieren könnten, wär’s ja auch vernünftiger, den in 5 Minuten zu stopfen und 45 Minuten mit Werbung Geld zu verdienen, oder?

    • Danke, @Paul S. – was für eine Flut aus Worten und Assoziationen! 😳

      Ich konnte mir heute die Zeit nehmen, sie zu lesen und zu bedenken.

      Antworten möchte ich auf Ihre direkte Ansprache:

      Ich habe vor Ihnen mehr Respekt als vor mir selbst wegen Ihrer Arbeit mit den Eziden, Sie haben echt was riskiert und geleistet. Auch wegen der Unterstützung von Integration wider alle Widerstände und Ihrer Arbeit als Antisemitismus-Putze – den Leuten sagen, dass der Holocaust bäh war, ist das ethische Äquivalent von Babys beizubringen, aufs Töpfchen zu gehen, also dürften Ihre Gegner das gleiche emotionelle Niveau haben und vor allem aus Trotz jetzt erst recht Antisemiten sein. So wirkt das Ganze irgendwie wie ein Nerd, der sich unbedingt von den Schulhofschlägern herumschubsen lassen möchte. Aber so ein Moshpit-Lifestyle muss man aushalten können, ganz egal, wie viel Sinn das Ganze macht, und der gute Wille zählt ja auch.

      Danke & ich kann Ihnen sagen, wie ich das erlebe: Die Menschen, die einem Beauftragten gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben zuhören, sind gerade keine „Babys“, sondern Jugendliche und Erwachsene mit ernsthaften Fragen: Woher kommt der Hass? Wie konnte der Holocaust geschehen? Wird sich die Geschichte wiederholen? Was ist mit den antisemitischen, rassistischen, sexistischen Ressentiments in uns selbst?

      Ihre Gedanken- und Wortkaskaden, lieber @Paul S., sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Ich habe den Auftrag & die Ehre, in Menschen Reflektionen auslösen zu dürfen. Klar versuche ich auch Wissen zu vermitteln, aber meine Mitmenschen nicht als Trichter oder gar Babys zu sehen, sondern als Dialogpartner. Die meisten – auch Sie! – schenken mir ihre Aufmerksamkeit ja freiwillig. Und damit so umzugehen, dass wir gemeinsam wachsen können – das ist meine Verantwortung.

      Dass dies feindselige Dualisten, Neider und Hater stört, betrachte ich als Auszeichnung. Sie behaupten ja seit Jahren, meine Arbeit wäre unbedeutend und wirkungslos. Und kommen dennoch immer wieder.

  2. Guten Morgen, @Inan Ince und @Michael Blume.
    Vielen Dank für diese wunderbare Folge und die Informationen über Wangari Muta Maathai!

    Ich bin u.a. sehr dankbar für Eure Bemerkungen ganz am Anfang zum Nahostkonflikt und der Frage, ob Donald Trump den Friedensnobelpreis bekommen sollte:

    Müssen wir es in einer Zeit wachsender Werte- und Wahrheitspluralität tatsächlich aushalten, dass jemand den Friedensnobelpreis erhält, der zwar möglicherweise einen diplomatischen Erfolg im Nahen Osten vorweisen kann, zugleich aber in vielen anderen Bereichen aktiv Unfrieden stiftet? Jemand, der etwa Truppen in demokratisch regierte Staaten entsendet, die demokratische Gesellschaftsform angreift und keinerlei Verantwortung für die Lebensgrundlagen kommender Generationen übernimmt?

    Sollte ein Mensch mit einer solchen Bilanz, der intergenerationale Nachhaltigkeit offen missachtet (das, wofür Wangari Muta Maathai einstand), überhaupt mit einem Preis ausgezeichnet werden, der für Frieden, Verantwortung und Zukunft steht? Wie weit darf die moralische Ambivalenz reichen, die wir in solchen Fällen auszuhalten bereit sein müssen?

    Müssen wir uns mit jemandem „gut stellen“, dessen Handeln durch Desinformation, Polarisierung und destruktive Innenpolitik geprägt ist – nur weil er in einem geopolitischen Krisenherd zur Deeskalation beiträgt? Ist es moralisch vertretbar, jemanden zu legitimieren, der in einem Bereich vielleicht Leiden mindert, aber langfristig durch die Förderung fossiler Interessen und die Schwächung demokratischer Institutionen ungleich mehr Schaden verursacht?

    Müssen wir diese „kognitive Dissonanz“ aushalten? Müssen wir eine solche „Ambiguitätstoleranz“ aufbringen?

    @Michael, Du hast selbst darauf hingewiesen, dass das eigentliche Motiv hinter den gegenwärtigen Friedensbemühungen in einer Form fossiler Korruption liegen könnte. Aber wie soll die breite Öffentlichkeit damit umgehen? In einer Welt, in der es zunehmend schwerfällt, eindeutige „gute“ oder „böse“ Lager zu identifizieren, stehen wir immer öfter vor moralischen Konflikten, die sich nicht in einfachen Urteilen auflösen lassen.

    Ein Beispiel: Der Krieg in Gaza begann mit dem schlimmsten Verbrechen an jüdischen Menschen seit der Shoah und bringt zugleich unermessliches Leid über die palästinensische Bevölkerung. Wer hier nur eine Seite sieht, blendet notwendige Komplexität aus – mit gefährlichen Konsequenzen: moralische Überheblichkeit, pauschale Verurteilungen, Antisemitismus. Beispiel: Viele, die sich heute scheinbar einseitig für die Palästinenser einsetzen, ignorieren dabei die Verantwortung der Hamas und die Entwicklung Gazas zu einem Terrorstaat. Daraus entsteht eine absurde Umkehrung: Israel wird global dämonisiert, seine Künstler und Teams von Veranstaltungen ausgeschlossen – ungeachtet des eigentlichen Kontextes.

    Vielleicht liegt in dieser Überforderung ein zentraler Punkt, der auf diesem Blog schon häufiger angesprochen wurde: das „Kreuz tragen“, wie es Karl Popper nannte – also der Mut, die ganze Komplexität einer Situation anzunehmen, ohne sich in einfache Erzählmuster oder moralisch bequeme Positionen zu flüchten.

    Die zentrale Frage bleibt: Wie gehen wir mit Menschen um, deren Handeln kurzfristig Linderung verspricht, deren Gesamtwirken aber auf Zerstörung und Spaltung hinausläuft? Und was sagt es über unsere Zeit, wenn gerade solche Figuren als Friedensbringer gefeiert werden?

    Noch etwas anderes: Für die nächsten Folgen wünsche ich mir unbedingt eine „outtakes“-Sektion am Schluss 🙂

    Und, @Inan Ince und @Michael Blume, die Ankündigung der nächsten Serien klingt sehr vielverprechend! Ich kann es kaum erwarten, mehr über die mamelukkische Volkswirtschaft zu erfahren (meine ich echt so!). Ihr schafft es immer wieder, einem, der Geschichte und Wirtschaftswissenschaft eher fern stand, für solche Themen zu begeistern.

    • Lieber Peter,

      vielen Dank für Deine Gedanken zur Folge und die freundliche Würdigung der Inhalte. Genau solche wertvollen Beiträge zu einer ethischen Reflexion wollen wir mit unserem Podcast anstoßen.
      Du sprichst dabei eine zentrale Herausforderung unserer Zeit an: die Zumutung moralischer Ambivalenz in einer Welt, in der einfache Narrative von “gut” und “böse” zunehmend versagen. Es ist schwierig Widersprüche auszuhalten, ohne in Zynismus oder moralische ‘Beliebigkeit’ zu verfallen. Die Frage, ob jemand wie Donald Trump für einen Friedensnobelpreis infrage kommt, ist dabei kein nur politisches Urteil. Ich denke, sie ist so etwas wie ein Prüfstein für unsere ethische Urteilskraft. Auch hier gibt es kein ‘richtig’ oder ‘falsch’, wie auch Michaels Aussage in der Folge sinngemäß (nach meiner Interpretation zumindest) zeigt: “Am Ende ist es mir egal, solange Frieden einkehrt”.

      Was bedeutet Frieden in einer Zeit von relativen Wahrheiten?
      Wenn Frieden nicht nur als diplomatischer Erfolg, sondern als Ausdruck von Verantwortung gegenüber Menschheit und Zukunft verstanden wird, dann müssen wir auch die langfristigen Wirkungen politischen Handelns in den Blick nehmen. Menschen wie Wangari Maathai stehen für eine solche ganzheitliche Perspektive: ökologisch, sozial und finanziell eigenständig haltbar (und zwar intra- und intergenerational). Ein Preis, der ihren Namen und ihr Erbe ehrt und durch mindestens durch ihre Tochter Wanjira weitergetragen wird. Auch darum dürfen Auszeichnungen wie der Friedensnobelpreis nicht zum Symbol kurzfristiger Machtpolitik verkommen.

      Daran anknüpfend: Ambiguitätstoleranz darf auch nicht zur Akzeptanz von moralischer Inkohärenz führen, wie es leider in beiden Lagern (Pro-Palästina/Isreal) gelebt wird. Die doppelte Tragik – das unermessliche Leid jüdischer/israelischer Menschen durch den Hamas-Angriff und das fortdauernde Leid der palästinensischen Bevölkerung – verlangt eine Haltung, die weder relativiert noch vereinfacht. Wer hier nur eine Seite sieht, verfehlt die ethische Tiefe der Situation. Du sprichst (zu Recht) von der Gefahr moralischer Überheblichkeit und der ebenso fatalen Umkehrung, in der Israel dämonisiert wird, während die Verantwortung der Hamas ausgeblendet bleibt. Das ist nicht nur analytisch falsch, sondern auch gefährlich. Aufrechte, intellektuelle Auseinandersetzung und moralische Verantwortung sind nunmal oft unbequem. Sie verlangen, dass wir Komplexität nicht nur erkennen, sondern auch aushalten.
      Umso wichtiger ist die Gratwanderung öffentlicher Personen. Einerseits müssen wir anerkennen, dass Menschen und Systeme widersprüchlich sind. Andererseits dürfen wir nicht aufhören, nach Integrität zu fragen – gerade bei jenen, die öffentlich ausgezeichnet werden..!

      Auch ich werde deine zentrale Frage nicht zufriedenstellend beantworten können. Allerdings will ich ganz offen auch sagen, dass es vielleicht Teil der Antwort das anzuerkennen. Es klingt zugegebenermaßen wie eine Floskel, aber ich bin überzeugt, dass wir uns der Antwort (frei nach Popper) nur nähern können, wenn wir bereit sind, solche Fragen öffentlich zu stellen – immer wieder, laut und manchmal unbequem. Denn genau darin liegt die Kraft demokratischer Diskurse: nicht zwangsläufig immer im Konsens, sondern im Kämpfen um Wahrheit und Verantwortung, und zwar durch die richtigen Argumente. Idealerweise frei von reinem Populismus..

      Besten Dank noch mal für die inspirierende Rückmeldung. Ich für meinen Teil fühle mich beflügelt, wenn die Folgen auf offene, reflektierende Zuhörerinnen und Zuhörer treffen 🙂

      PS. Ich bin absolut für weitere Outtakes! Komischerweise haben wir selten solche Ausrutscher, aber ich bin sicher – jetzt, wo wir uns mit dem Format allmählich etwas wohler fühlen – wird es bestimmt bald mehr Material geben 😀

  3. Guten Morgen allerseits,

    ich erlaube mir, auf ein Interview hinzuweisen, in dem es, wie in dieser Podcastfolge, auch um eine große Frau geht: Um Jane Goodall, die vor wenigen Tagen verstorben ist.

    Dieses großartige Interview – eine Woche vor dem Tod der Wissenschaftlerin – zeigt auch das Spektrum des Menschseins: von Menschen (zumeist Frauen) wie der großartigen Wissenschaftlerin, die ein Vorbild für Empathie ist, die Verantwortung für die Mitmenschen, die Tierwelt und für zukünftige Generationen im Blick hat, bis hin zu Menschen wie Elon Musk – am entgegengesetzten Ende des Spektrums –, denen all diese Qualitäten offenbar abhandengekommen sind.

    Ab Min 08:10 sprechen sie auch über Elon Musk: “he is the only person who ever attacked me on social media – twice.” (08:25)

    Habe dazu eben auch auf Mastodon gepostet.

  4. Am 11.12. findet in Stuttgart ein Fußballspiel zwischen dem VfB und Maccabi Tel Aviv statt. Es wird als Hochrisikospiel eingestuft. Wie ich einem Podcast über den VfB entnehmen konnte, wurde der Verein aufgefordert, das Spiel abzusagen.

    Es ist nur schwer zu ertragen, dass Menschen verletzt oder ums Leben kommen könnten. Jedes Leben, das zerstört wird, ist eines zu viel.

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