Blume & Ince 38: Neues Studio & spielerische Realitätsbildung

Dass sich Seda und Inan Ince für eine neue Wohnung in Filderstadt entschieden haben, freute uns Blumes natürlich als befreundete Familie. Wie gut der BWL-Prof aber auch das Handwerk versteht, entdeckte ich staunend, als er mir einen selbst eingerichteten Studio-Raum für die zweite Staffel von Blume & Ince in rot und schwarz mit grünem Tisch zeigte! Und da wir beide begeisterte Fantasy-Rollenspieler sind, bejubelte ich die DnD-Fußmatte (“Definitely Not A Trap Door! Roll For Dexterity Saving Throw!”) und er trug zur 38. Folge ein Shadowrun-T-Shirt!

Prof. Dr. Inan Ince rechts und Dr. Michael Blume links freuen sich im neuen Blume & Ince-Studio mit Fantasy-RPG-Gadgets zu Dungeons & Dragons sowie Shadowrun.Prof. Dr. Inan Ince & Dr. Michael Blume nach der ersten Aufnahme in der von Inan gebauten Cave, dem neuen Blume & Ince-Studio! Foto: Inan Ince

Inhaltlich diskutierten wir die Potentiale von Fantastik und Rollenspielen nach J.R.R. Tolkien (1892 – 1973) über das ARG-Konzept von Jane McGonigal bis zum “Epic Education”-Rollenspiel Epic Quest. Auf Mastodon diskutierte ich mit @KarlE heute Morgen anhand seiner Balkonsolar-PV bereits das Konzept der Solarpunk-Gamification! Bereits 2023 war ich dazu zu Gast bei “Ungeheuer vernünftig” mit Kathrin Fischer und Björn Herzig gewesen.

Inan und ich schlossen uns dabei der Auffassung schon von Prof. Tolkien an, dass das Erschaffen und Durchspielen fantastischer Welten den Realitätssinn trainiert und stärkt, also gerade kein Eskapismus ist. Aus dem Dialog mit Inan nahm ich zudem mit, dass das tolkiensche Konzept der Eukatastrophe – der dramatischen Errettung analog zur Wiederauferstehung nach der Kreuzigung Jesu – auf Fantasy-Spielsessions nicht immer zutrifft: Spannung entsteht, weil Abenteuer und Kampagnen auch scheitern können. Auch Inans Aussage zur Neurodiversität sagte mir zu: “Nichts ist für alle Menschen.”

Darüber möchte ich weiter nachdenken.

Hier findet Ihr die Folge 38 von Blume & Ince “Realismus braucht fantastische Bildung” wie immer auf Podigee (und allen gängigen Streaming-Plattformen) und hier auch wieder in Videoform. Enjoy!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

6 Kommentare

  1. Lieber @Michael Blume!

    Zunächst meinen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ich wünsche einen wunderschönen Tag mit viel Freude und Liebe. 💐☕️🎂

    Der Video-Podcast ist sehr gelungen, auch wenn ich, altersbedingt, solche Fantasy-Rollenspiele nicht gespielt habe. Dennoch haben wir als Kinder sehr viele Fantasie-Spiele mit unterschiedlichen Rollen gespielt, wie es alle Kinder gerne tun.
    Durch den Dialog konnte ich mich in die Sinnhaftigkeit dieser Fantasy-Welten eindenken und ihre Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung durchaus nachvollziehen. Die Welt des Theaters zeigt uns dies ja in allen Facetten.

    Also: auch ich als nicht Fantasy-Spielerin kann immer noch etwas lernen und verstehen, warum Menschen sich dafür begeistern.

  2. Herzliche Grüße aus dem Trollkönigreich Schwarzwald.

    Mir fehlt die Erfahrung mit Pen and Paper, aber meine Kinder haben es als Jugendliche gerne und häufig gespielt.

    Bei Ausgrabungen wurde sehr altes Spielzeug gefunden, was ja bedeutet, dass das Spielen Teil der Menschheitsgeschichte ist.

    Rollenspiele waren lange Zeit dazu da, Mädchen auf die Rolle als Mutter und Hausfrau vorzubereiten. Jungen lernten, dass sie Kämpfer, Ernährer etc sein sollten.

    In den letzten Jahrzehnten wurde versucht, diese Klischees zu überwinden. Mich würde daher interessieren, ob und wie diese altmodischen Rollenbilder sich bei Spielen wie Pen and Paper zeigen. Auch Frauen können Kämpferinnen, Soldatinnen, Anführerinnen sein.

    Interessant finde ich die Feststellung, dass viele Spieler und Spielerinnen offenbar an einem ähnlichen Typus ihrer Spielfigur festhalten. Oder habe ich das falsch verstanden?

    Das neue Studio gefällt mir. Ich mag die Kombination von Rot und Schwarz.

    Auf noch viele spannende und lehrreiche Folgen des Podcasts freue ich mich.

    • Herzlichen Dank und liebe Grüße in den zauberhaften Schwarzwald, @Marie H.! 🙌

      Und, ja, das Spielen gehört von Kind an zu Menschen, zu komplexeren Tieren ja übrigens auch. Und dies, weil es evolutionär hilfreiche Funktionen erfüllt.

      Perplexity.ai:

      ## Evolutionäre Funktionen des Spielens bei Tieren und Menschen

      **Flexibilität und Autonomieentwicklung**

      Spielen ist ein Verhalten, das besonders bei Tieren mit komplexen Nervensystemen und hoher Intelligenz auftritt. Es steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von Autonomie, also der Fähigkeit, flexibel und selbstbestimmt auf Umweltreize zu reagieren. In der Evolution markiert das Spiel einen Schritt hin zu mehr innerer Stabilität, regulierbaren Körperfunktionen und größerer Verhaltensflexibilität. Diese Flexibilität ist eine Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen und somit ein Selektionsvorteil[1].

      **Lernen und Training von Fähigkeiten**

      Spiel ermöglicht es, motorische, kognitive und soziale Fähigkeiten in einem geschützten Rahmen zu üben und zu verfeinern. Jungtiere trainieren durch Spiel Bewegungsabläufe, stärken Muskeln, Sehnen und Gelenke und lernen, mit ihrer Umwelt umzugehen. Auch komplexe Verhaltensweisen wie Balz, Jagd oder soziale Interaktionen werden spielerisch eingeübt, was die spätere Bewältigung realer Herausforderungen erleichtert[2][5][3].

      **Erweiterung des Verhaltensrepertoires**

      Im Spiel experimentieren Tiere mit neuen Verhaltensweisen und erweitern so ihr Repertoire. Sie lernen, auf das Unerwartete zu reagieren, Fehltritte zu bewältigen und in Stresssituationen ruhig zu bleiben. Dies erhöht ihre Überlebensfähigkeit, insbesondere in unvorhersehbaren Umgebungen[4][5].

      **Soziale Funktionen**

      Soziales Spiel fördert das Erlernen und Einüben von sozialen Regeln, Kommunikation und Kooperation. Es hilft, soziale Hierarchien zu erkennen, Empathie zu entwickeln und Konflikte spielerisch auszutragen. Beim Menschen und bei sozial lebenden Tieren legt Spiel die Grundlage für komplexe soziale Strukturen und fördert die soziale Intelligenz[5][3].

      **Kognitive Entwicklung und Gehirnreifung**

      Spiel hat nachweislich Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns, insbesondere auf den präfrontalen Cortex, der für Planung, Impulskontrolle und Sozialverhalten zuständig ist. Häufiges Spielen in der Jugendphase verbessert die neuronale Vernetzung und die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren und Strategien für Problemlösungen zu entwickeln[5].

      **Evolutionärer Vorteil**

      Obwohl Spiel keine unmittelbare Überlebensfunktion hat, verschafft es einen klaren evolutionären Vorteil: Tiere (und Menschen), die spielen, sind besser auf das Leben vorbereitet, können flexibler auf Herausforderungen reagieren und haben dadurch bessere Chancen, sich fortzupflanzen und ihre Gene weiterzugeben[2][5][1].

      ## Zusammenfassung der wichtigsten Funktionen

      – Förderung von motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten
      – Erweiterung des Verhaltensrepertoires und Vorbereitung auf Unvorhergesehenes
      – Stärkung von Körper und Gehirn
      – Training sozialer Kompetenzen und Konfliktlösung
      – Schaffung von Verhaltensvariabilität und Flexibilität
      – Beitrag zur Autonomie und Selbstbestimmung im Verhalten

      Spielen ist somit ein zentrales Element der evolutionären Entwicklung von Tieren und Menschen, das weit über bloßen Zeitvertreib hinausgeht und essenziell für die Anpassungsfähigkeit und das Überleben ist[1][2][5][4].

      [1] https://www.icaat-medsektion.net/fileadmin/user_upload/pdf/Rosslenbroich_Spiel_2014.pdf
      [2] https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/spielende-tiere-sinn-des-verhaltens-von-tieren-erforscht-a-1012054.html
      [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Spielverhalten_der_Tiere
      [4] https://www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2024/01/spielend-gluecklich-die-ueberlebenswichtige-rolle-des-spiels-in-der-evolution
      [5] https://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13400602/Warum-wilde-Tiere-spielen.html
      [6] https://www.profil.at/home/die-evolution-verstandes-ueberraschende-gemeinsamkeit-mensch-tier-216750
      [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution%C3%A4re_Spieltheorie
      [8] https://www.ludologie.de/blog/artikel/news/warum-spielen-menschen
      [9] https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/spielen/62689

  3. Guten Tag @Michael Blume und @Inan Ince,

    zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Studio!

    Das Thema Rollenspiele ist für mich ein komplett weißer Fleck auf der Landkarte – Eurer Podcast schafft es aber, mich zum neugierigen Laien zu machen.

    Ich bin an folgendem Statement von Dir, @Michael, hängen geblieben …

    „Wir sind Kinder eines Schöpfers, und deswegen haben wir Lust an der Schöpfung.“ (17:36)

    … oder auch Deine Ausführungen zum „narrativen Lernen“ (35:00)

    … und musste gleich an den Satz des Physikers Richard Feynman denken, das mutmaßlich auf seiner Tafel geschrieben stand an dem Tag seines Todes:

    „What I cannot create, I do not understand“

    Für mich ist das schon lange ein Leitsatz, denn er drückt einen Kernaspekt des Lernprozesses aus

    Das bloße Konsumieren von Informationen schafft noch kein Verständnis. Nur wer selbst Probleme löst, Konzepte anwendet, etwas damit „erschafft“ oder auch anderen erklärt, vertieft das Verständnis einer Sache.

    Auch das Wort Interesse stammt ja vom Lateinischen und setzt sich zusammen aus „inter“ („zwischen“) und „esse“ („sein“) – was dann soviel bedeutet wie „dazwischen sein“ oder „dabei sein“. Nur wer soweit „dabei“ ist dass er oder sie ein Konzept oder eine Idee auch anwendet oder sich fragend und kreativ damit auseinandersetzt, ist von wirklichem Interesse geleitet.

    Ich weiß ja nicht, ob es so verspätet noch gilt: Aber auch von mir nachträglich ganz herzliche Glückwünsche zum Geburtstag!

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