BlackLivesMatter & George Soros – Wie Verschwörungsverkünder Rassismus und Antisemitismus gegeneinander ausspielen

Eigentlich hätte ich in dieser Woche endlich einmal Urlaubstage nehmen sollen. Doch die Eskalationen in den USA um #BlackLivesMatter, Rassismus und Antisemitismus haben nun doch dazu geführt, dass ich andere Podcast-Planungen verwarf und mit meinem Team eine Folge dazu produziert habe.

Die Podcast-Folge zum Hören finden Sie wie immer auf podigee sowie via Spotify, Deezer, iTunes und YouTube.

Die Folge als Text-pdf finden Sie zum freien Download hier.

Und hier der Fließtext:

In diesen Tagen mache ich die Erfahrung, dass auch schöne Erinnerungen körperlich schmerzen können. Gemeinsam mit je einem Gast aus über 20 Nationen war ich zur Amtseinführung von Präsident Barack Obama nach Washington eingeladen worden. Uns war schon klar, dass die Mühen der Ebenen noch folgen würden, doch an jenen Tagen feierten wir als Christen, Musliminnen, Jüdinnen, Anders- und Nichtglaubende aller Kontinente unseres Planeten zusammen. Zu den schönen, jetzt schmerzhaften Erinnerungen gehört die gemeinsame Renovierung einer Schule am Martin Luther King-Day und das Gespräch mit einem ärmeren afroamerikanischen Bürgerrechtler in Miami, der sein Engagement mit einer unglaublichen Würde erklärte: „Ich bin hier, weil mein Präsident es nicht alleine schafft.“

Nun erlebe ich mit Entsetzen, wie die große Demokratie nach dem grauenhaften Tod von George Floyd gezielt gespalten wird. Und wie leider zu erwarten war, versuchten sofort wieder Verschwörungsverkünder, den Rassismus und Antisemitismus zu verknüpfen und anzuheizen.

So erschien schon am 30. Mai auf Twitter eine englischsprachige Kachel, auf der der jüdische Milliardär und Holocaust-Überlebende George Soros beschuldigt wurde, hinter der Protestbewegung #BlackLivesMatter zu stecken. Auf meinem Wissenschaftsblog „Natur des Glaubens“ können Sie diese anschauen.

Antisemitisch-rassistischer Tweet vom 30.5.2020

Eine Tweet-Kombination von Antisemitismus und Rassismus vom 30.05.2020. Screenshot (anonymisiert): Michael Blume

Mit Berufung auf die Anti-Defamation League (ADL) verzeichnet die Jüdische Allgemeine eine Explosion von Anti-Soros-Tweets von rund 20.000 auf eine halbe Million – pro Tag.

So wurden mit Berufung auf ein völlig erfundenes Interview bei der deutschen BILD-Zeitung Soros für September 2014 die folgenden Worte in den Mund gelegt, ich übersetze – Zitat:

„Ich werde die USA herunterstürzen, indem ich schwarze Hassgruppen finanziere. Wir werden sie in eine mentale Falle locken und sie weiße Leute beschuldigen lassen. Die schwarze Community ist am leichtesten zu manipulieren.“ – Zitat Ende –

Diese Lüge zeigt leider sehr präzise, wie niederträchtig und effektiv antisemitische und rassistische Mythen kombiniert und gegeneinander ausgespielt werden.

So höre und lese ich leider immer noch, Antisemitismus sei doch „auch nur ein Rassismus“. Das ist einerseits richtig – der heutige Antisemitismus „ist“ rassistisch – aber andererseits auch verkürzt. Denn wie Sie gerade gehört haben, werden im Antisemitismus Jüdinnen und Juden verzerrend emporgehoben, als besonders schlau und verschwörerisch dargestellt.

Deswegen werden vermeintliche jüdische Superverschwörer immer an die Spitze der Verschwörungspyramide gestellt. Verschwörungs-erzählungen, in denen bspw. Afrikaner, Muslimbrüder oder Jesuiten Juden lenken würden, treten fast nie auf.

Somit werden andere angegriffene Gruppen wie Schwarze oder Sinti und Roma rassistisch abgewertet und zu vermeintlichen Handlangern der jüdischen Weltverschwörung erklärt. So behauptete schon Adolf Hitler in „Mein Kampf“ 1925, Zitat:

„Juden waren und sind es, die den Neger an den Rhein bringen, immer mit dem gleichen Hintergedanken und klaren Ziele, durch die dadurch zwangsläufig eintretende Bastardisierung die ihnen verhaßte weiße Rasse zu zerstören, von ihrer kulturellen und politischen Höhe herunterzuschmettern und selber zu ihren Herren aufzusteigen.“ – Zitat Ende –

Und nichts daran ist harmlos: Entsprechend dieses kombinierten, antisemitisch-rassistischen Verschwörungsmythos wurden daher vom NS-Regime auch Sinti und Roma als vermeintliche Zigeuner und Mitverschwörer rassistisch entrechtet, in Konzentrationslagern interniert und zu Hunderttausenden ermordet. Wer sich also zu Recht über Rassismus in den USA empört, darf auch über Antiziganismus in Europa nicht schweigen.

Sie sehen also, dass sich der Verschwörungsmythos über ein Jahrhundert lang kaum verändert hat – und jetzt fieserweise sogar Holocaust-Überlebenden wie eben Soros in den Mund gelegt wird.

Auch wird ‚jedes‘ Ergebnis der angeblichen Verschwörung angelastet: Vermischen sich Menschen friedlich, so fördern die vermeinten Weltverschwörer „Bastardisierung“. Kommt es jedoch zu Konflikten, so finanzierten sie eben „Hassgruppen“.

Es ist dies die gleiche Verschwörungsmytho-Logik, die wir auch mit Bezug auf das Coronavirus erleben mussten: Im Januar hieß es noch – auf meinem Blog nachzulesen –, dass George Soros gemeinsam mit Bill Gates und China Covid19 als mörderische „Biowaffe“ entwickelt habe. Damals wurde auch antiasiatischer Rassismus geschürt.

Inzwischen wird dagegen behauptet, George Soros, die Rothschilds und Bill Gates hätten die Gefahren – oder gar den Virus selbst – erfunden, um den Menschen ihre Freiheiten zu nehmen & eine Weltregierung einzurichten.

Dass Antisemitismus und Rassismus nicht überwunden werden können, wenn sie gegeneinander ausgespielt werden, zeigte in den letzten Wochen leider auch Xavier Naidoo. So beschimpfte er den Zentralrat der Juden in Deutschland, dieser bestünde ja gar nicht aus „Semiten“ und proklamierte – Zitat – „Die amerikanischen Negersklaven sind Yahudim. Sonst niemand.“ – Zitat Ende –

Dann wieder zeigte der Baden-Württemberger Reichsbürger-Farben, solidarisierte sich mit einem selbsternannten, deutschen Fantasiekönig, beschimpfte Jacob Rothschild mit dem Hashtag #Khazarianmafia und berief sich – auch in Abgrenzung von QAnon – auf „Yah“.

Dazu erreichten mich einige verstörte Anfragen, so dass ich hier einordnen möchte:

Naidoos Aussagen gehören in den Bereich extremer, afroamerikanisch-messianischer Bewegungen. Am Bekanntesten sind wohl die aus Jamaika stammenden Rastafaris mit dem Sänger Bob Marley, die Gott ebenfalls als „Yah“ bezeichnen und den äthiopischen Kaiser Haile Selassie als Messias deuteten.

Davor und daneben entstanden vor allem in den USA verschiedene Strömungen der Black Hebrew Israelites, die christliche & jüdische Traditionen verbanden & sich als Nachkommen der verschollenen Stämme Israels verstehen, ihre Geistlichen oft als Rabbiner ehren.

Während der Staat Israel tatsächlich Zehntausende afrikanischer Jüdinnen und Juden anerkannte und als Staatsbürger einreisen, sogar evakuieren ließ, blieb diese Anerkennung jedoch den Black Hebrew Israelites bislang verwehrt, solange sie nicht formal zum Judentum konvertieren.

Einige haben sich auch durch den Einfluss des Internets inzwischen in antisemitische Verschwörungsmythen hineingesteigert, wonach weiße Juden keine „echten“ Juden, sondern bösartige Weltverschwörer wären. Eine Reihe antisemitischer Anschläge mit Verletzten und Toten – darunter zuletzt ein Angriff gegen einen koscheren Supermarkt in New Jersey – gehen auf digital Radikalisierte zurück.

Auch Xavier Naidoo bemühte den bereits in Folge 14 geschilderten, zugleich antisemitischen und rassistischen Khasaren-Verschwörungsmythos, um weiße Jüdinnen und Juden als vermeintliche Nicht-Semiten zu beschimpfen. Tief verstrickt in die Verwechslung von Religionszugehörigkeit mit vermeintlichen „Menschenrassen“ kann auch er sich entsprechend Deutschland nicht als demokratischen Rechtsstaat vorstellen, sondern träumt von einer Reichsbürger-Monarchie. Auch solche bizarren Schulterschlüsse zwischen weißen und schwarzen Rassisten hat die US-Geschichte leider immer wieder erlebt.

Wie der von Naidoo verwendete Gottesname gezielt verkürzt ist, so kann er auch nicht alle Menschen als gleichwertig anerkennen. Ich hoffe also, es ist deutlich geworden und in Folge 14 ja auch historisch dargestellt: Antisemitismus und Rassismus waren und sind so eng miteinander verwoben, dass sie sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Wer Rassismus verkündet, landet unweigerlich in der antisemitischen Wahnwelt eines vermeintlich jüdisch gesteuerten Völkerkrieges. Und wer Antisemitismus gegen Juden und Israelis verbreitet, verfängt sich auch selbst in einem rassistischen Weltbild, in dem das Schicksal & selbst die religiöse Qualität jedes Menschen von Geburt an durch Herkunft und Hautfarbe fixiert sind.

In Folge 2 dieses Podcasts konnte ich bereits darstellen, dass das Judentum schlicht die erste Religion des Alphabetes war – und die Thora mit der Ebenbildlichkeit des Menschen den Begriff der „Bildung“ in die Welt brachte. Sem – hebräisch Schem – war nach jüdischer Überlieferung kein Begründer von „Rassen“, sondern des ersten Lehrhauses, der ersten Schule auf Basis von Alphabetschriften. Daher gehören zum heutigen Judentum ebenso wie zum Christentum, zum Islam und zu den Bahai Angehörige aller Hautfarben.

Doch ab der Einführung des Buchdrucks verfestigten sich leider auch, von Europa ausgehend, Lehren über die „razza“ – Herkunft, Blutlinien – zu einer buchstäblich rassistischen und anti-semitischen Mythologie. So gibt es heute auch in allen semitischen Religionen und Weltanschauungen Rassistinnen und Rassisten; gegen die vorherige Offenheit des Semitismus für Mythen und Medien der Vielfalt. Ob wir es also wollen und uns eingestehen oder nicht – wir alle sind nicht nur Erben von guten, sondern auch von üblen, antisemitischen und rassistischen Mythen. Es ist nicht die Frage, „ob“ wir Vorurteile haben – sondern wie wir mit ihnen umgehen.

Wo immer Antisemitismus und Rassismus kombiniert werden, entstehen besonders widerwärtige und auch mörderische Formen der Menschenfeindlichkeit. Wer das eine verharmlost, kann das andere nicht besiegen. Wenn wir das nicht verstehen, werden auch wir durch alten Hass wieder gegeneinander ausgespielt.

So steht der Tod von George Floyd in einer langen Reihe von Polizeiwillkür und Justizversagen. Auch als Vater von Teenagern geht mir dabei die Geschichte von George Stinney Junior nicht aus dem Kopf. Während schwarze und weiße US-Soldaten gemeinsam in Europa das Nazi-Regime bezwangen, wurde der 14jährige in einem Schnellverfahren zu Unrecht verurteilt und auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Erst 2014 wurde das mörderische Unrechtsurteil gegen ihn aufgehoben. 2018 wurde der skandalöse Prozess in „83 days“ verfilmt.

Wir sprechen hier also nicht nur über einen Konflikt, sondern um die Grundfragen von Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit. Wir sprechen hier über Unrecht und Traumata, die sich über Jahrhunderte und Generationen hinweg eingegraben haben und durch jeden neuen Vorfall aufbrechen. Wir sprechen hier davon, dass jeder Mensch eine einzigartige Würde hat und daher Ermordungen nicht gegeneinander aufgerechnet werden können.

Werden Rassismus und Antisemitismus jemals ganz verschwinden? Ich fürchte, diese Mythologien des Hasses werden weltweit und auch in Europa noch lange Unheil verbreiten und noch viele Menschenleben kosten.

Aber wir haben auch gute Bilder und Mythen auf unserer Seite: Der Gottesbund, den Sem gelehrt und auf dessen Basis er auch gerichtet haben soll, war der Noahbund.

Nach dieser Lesart der Thora sind alle Menschen – alle Menschen – Kinder Noahs, können „Anteil an der kommenden Welt“ haben und stehen auch jüdischen Hohepriestern in nichts nach, wenn sie sich im Zeichen des Regenbogens bilden.

Und dieses Ursymbol der auch aktuell wieder missbrauchten Bibel ist gerade nicht farbenblind, sondern farbenbejahend – aus dem gleichen Licht entsteht das ganze Spektrum. Es ist der frühe und viel zu wenig bekannte, monistische Mythos einer Menschheit, die auf der Basis von Frieden, Bildung und vor allem Gleichberechtigung als gleichem Recht vielfältig und frei sein darf.

In diesem Sinne freue ich mich, wenn ich bei Aktionen gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen Sexismus, gegen Homophobie, gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit auch immer wieder Regenbögen leuchten sehe. Die Hass-Waffen der Verschwörungs-schwurbler werden stumpf, wo immer wir gelernt haben, einander nicht „trotz“, sondern „mit“ unserer ganzen Individualität und Geschichte anzunehmen. Auch in der Erinnerung an einige der schönsten Tage meines Lebens halte ich an der Hoffnung fest: Wenn wir es wollen, leuchtet unsere Zukunft als eine Menschheit in allen Farben des Lichtes.

Yes, we can.

Bitte bleiben Sie gesund.   

Quellen:

Obama, Barack (2006): The Audacity of Hope. Crown / Three River Press

Ogette, Tupoka (2019): exit racism. rassismuskritisch denken lernen. Unrast Verlag

Ebner, Julia (2018): Wut. Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen. Theiss

Nantcha, Sylvia (2009): Interdisziplinarität Kulturtransfer Literatur. Königshausen & Neumann

Niggeschmidt, Martin & Haller, Michael (2012): Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz. Von Galton zu Sarrazin: Die Denkmuster und Denkfehler der Eugenik. Springer

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

68 Kommentare

  1. Vielleicht ist es kein Zufall, dass ein Pop/Rocksänger wie Xavier Naidoo auch für Verschwörungsmythen anfällig ist, denn wessen Beruf es ist, bedeutungsgeladene Botschaften zu äussern/zu senden, der muss grossangelegte Welterklärungen und behauptete Sinnzusammenhänge geradezu gierig in sich aufnehmen. Das Leben wird zweifellos spannender, wenn die Apokalypse schon sichtbar vor einem steht und man selbst gut und bös aufgrund eines (noch) nicht allen zugänglichen Wissens auseinanderhalten kann und man zudem weiss wer schuldig ist.
    Wem Netflix zu langweilig wird, weil ja alles nur fiktiv ist, der kann sich ultimative Bedrohungen leicht selbst aus realen Vorfällen konstruieren und Bösewichte, Schurken, ja ganze Volksgruppen finden, die dafür verantwortlich sind. Letztlich ist das auch eine Fiktion. Mithilfe der Glaubensgemeinschaft, die diese Fiktion teilt, macht man sie dann aber zur behaupteten Realität. Netflix verstörende Serie ist am nächsten Morgen wieder vergessen, die „Wahrheit“ der mit andern geteilten Weltsicht aber erwacht immer wieder aufs Neue.

    • Tatsächlich sehe ich einen Zusammenhang mit dem Bezug auf Mythen und die “Beglaubigung” der musikalischen bzw. künstlerischen Identität durch Applaus. Wer über Jahre hinweg von Abertausenden signalisiert bekommt, etwas Besonderes zu sein, läuft wohl auch leichter Gefahr, in der eigenen, digitalen Blase abzutauchen…

      Da Xavier Naidoo inzwischen einen ziemlichen “Bruch” mit den QAnon-Qultisten vollzogen hat, wird er aus deren Reihen inzwischen auch heftig (und, klar, rassistisch) angegriffen. Wie viele seiner “Fans” etwa auf Telegram noch wirklich zu ihm halten und wie viele ihn zynisch & zur Unterhaltung “anfeuern” lässt sich m.E. derzeit nicht seriös sagen. Aber sicher ist: Das Internet tut nicht allen gut…

      • Wenn Menschen positives Feedback für jeden Unsinn kriegen sind sie irgendwann nicht mehr in der Lage Informationen richtig zu bewerten.

        Das kennt man von “verzogenen Kindern” denen nie Grenzen gesetzt wurden genauso, wie von Vermögenden oder Prominenten denen meisst nur das gesagt wird was sie hören wollen.

        • Danke, @roborobo. Aber wie soll ich dazu jetzt positives Feedback geben? 😉

          Ernsthaft: Rassismus und Antisemitismus treten häufiger bei Menschen auf, die autoritär erzogen und unsicher gebunden aufwuchsen. Letzteres kann tatsächlich auch aus Laisser-faire und Relativismus resultieren: Die Sehnsucht nach klaren Regeln, eindeutigen Rollen und „starkem Mann“.

          • Ich habe gelernt ohne positives Feedback zurecht zu kommen…

            Was sie sagen stimmt natürlich, aber es gibt auch viel mehr Menschen die autoritär erzogen werden als solche die immer nur bestätigt werden.
            Ich denke für erstere geht es um Simplifizierung und darum so zu Leben wie es ihnen Zuhause vorgelebt wurde, und für letztere geht es darum ihren Narzissmus und/oder Egoismus auszuleben.

          • Vielen Dank, @roborobo. Wäre dies dann nicht ein starkes Argument für eine ausgewogene Erziehung? Also weder autoritär noch anti-autoritär, sondern liebevoll mit verständlichen Regeln? 🤔🧡

          • Extreme sollten vermieden werden. Das ist eine der wenigen Regeln die universell gültig sind. Selbst der beste Vorsatz kann in den Faschismus führen wenn man dogmatisch irgendwelchen Ideologien hinterherläuft.

          • Sicher, @roborobo – jede noch so gute Idee kann in einen Dualismus, also ein fanatisches Freund-Feind-Denken überführt werden.

            Gleichwohl darf auch nicht jede politische Bewegung auf Extreme reduziert werden. Sozialdemokratinnen sind noch keine Marxisten, Patrotinnen noch keine Nationalisten und Antirassisten keine Radikalen. Dualismus überwindet man nicht durch Dualismus.

      • Qanon war auch nur dazu da um von den wirklichen Weinsteins und Epsteins abzulenken, von denen immer noch zu viele frei herumlaufen.

  2. Gospel war 50er. Der Soul aber schon wurde popkulturell nur noch relevant, indem er sich säkularisierte. Es gibt diesen wunderbaren James-Brown-Auftritt in Blues Brothers, der daran erinnert, wie verquirlt säkularer und sakraler Soul einmal waren, der seine Pointe aber daraus bezieht, daß sie es eben nicht mehr sind.

    Und dann kam Bob Marley. Erster Dritte-Welt-Superstar. Und Reggae waren in den Musikkulturen des Westens so eingängig, wie es die afrikanische Musik eines Fela Kuti bei uns nie zu werden vermochte (vielleicht auch, da Latino-Musik sich immer schon eher der unseren anverwandelt hat wie die unsere geprägt hat – Salsa, Calypso, Samba usw., bis hin zu einem Carlos Santana).

    Bob Marley war unheilbar tiefreligiös. Und zugleich dabei hochpolitisch. Die Metapher vom Babylon System war eben so tiefmythisch wie brandaktuell zugleich – Wie es ursprünglich von den ersten Christen ja auch aufgeladen war. Das ganze war einerseits Befreiungstheologie (damals ja auch hoch erfolgreich, als Wuppertaler darf ich erinnern an Ernesto Cardenal) in Chuck-Berry-Licks gegossen. Andererseits so wunderbar unverbindlich, da exotisch: Niemand von uns, erst Recht nicht als Weißer, wird an einen schwarzen Messias glauben. Drittens aber sind durchaus Songs wie Auftritte Marleys knallhart tagespolitisch, revolutionär gewesen von einer bei uns viel ersehnten, nie erreichten Relevanz (One-Love-Auftritt!).

    Kommt bei POC noch hinzu: Rastafarianismus war ja nur ein lokaler Ableger der früheren und weitaus bedeutenderen Bewegung der Garveyiten; die Schwarzen Nordamerikas haben also ihnen durchaus Bekanntes, nur Verschüttetes wiederentdeckt.

    • Auftritt Naidoo.

      Ein in der Kindheit verletztes, von einem Pädophilen sexuell mißhandeltes Kind. Wächst auf in einer rassistischen Gesellschaft. Mir gellt dauerhaft in den Ohren, wie er einmal beiläufig berichtete, wie oft er im Auto von der Polizei anlaßlos zur Kontrolle angehalten wird, weil man sich nicht vorstellen kann, wie einer wie er, also: mit so einer Hautfarbe, legal dazu kommen könne, solche Schlitten zu fahren.

      Und er findet für sich zwei Wege: Zum Einem … ich weiß nicht genau, was er ist, Pfingstler, Charismatiker, jedenfalls aus einer Ecke jenseits der Evangelikalen. Jedenfalls ist der tief gläubig. Das Andere ist das Singen. Er textet das sehr eindrucksvoll:

      Ungerechte Behandlung der Hautfarbe wegen,
      War durch dumme Menschen
      Und ihr Handeln immer zugegen.
      Es gab böse Blicke und es gab harte Worte.
      Ein Mensch bist du vielleicht,
      Aber eine andere Sorte.
      Ein ‘Neger’, ein ‘Nigger’
      Oder ‘Bimbo’ das bist du.
      Manchmal kommen zu den Worten
      Auch noch Schläge hinzu.
      Aus der Angst wird Wut
      Und Hass ist nicht weit
      Und dann findest du den Weg,
      Der deine Seele befreit.

      Wenn man jetzt nicht in einer evangelikalen Evangeliumsrundfunks-Sakropop-Nische landen will, sondern weiß, daß man durchaus das Talent, den Ehrgeiz und den Fleiß hat, es an die Spitze der deutschen Charts zu bringen, und dann trifft man auch noch Leute wie Moses P., die wissen, wie genau das geht und das einem auch noch beibringen, dann versucht man, ähnliche Idiome zu finden in unserer Gegenwart wie Bob Marley für die seine.

      Man muß immer im Hinterkopf behalten: Naidoo glaubt an die Endzeit. Jesus Christus wird kommen: Nächstes Jahr, nächstes Jahrzehnt, aber sehr, sehr bald. Wir werden es erleben. Und: Naidoo ist voller Zorn.

    • Ganz vorsichtige Frage.

      Ich habe das Kebra Negest nur mal überflogen. Durchgeschmökert.

      Kann das sein, daß das sehr eindeutige antijudaistische Untertöne hat!?

      In die Vergangenheit: Unter Salomon ist dem Volke Israels der Segen, der auf dem Hause Davids liegt, mitsamt der Bundeslade abgezogen worden und ruht nun dauerhaft auf dem Volke der Könige von Saba.

      Für die Zukunft: Gut, das gilt jetzt für alle Menschen. Aber Rom und Äthiopien sind die letzten verbliebenen von Gott gegründeten Reiche, werden alle anderen zermalmen, und wer kein römischer oder äthiopischer Christ wird, der wird, mit besonderer Betonung auf die Juden, vernichtet.

      Bitte um Widerspruch.

    • Links zum ersten Post:

      James Brown Can you see the light?

      Bob Marley One Love Festival 1978

      Ein auch für jamaikanische Verhältnisse äußerst blutiger Wahlkampf geht zu Ende.

      When the cat’s away
      The mice will play.
      Political voilence fill ya city, ye-ah!

      Unter ihrem Turban hat seine Frau Rita (eine der Sängerinnen) eine Kugel in der Schädeldecke, die man erst herausoperieren wird, wenn die Schwellung zurück geht. Marley hatte nicht viele realistische Aussichten, diesen Auftritt zu überleben. Da er zu diesem Zeitpunkt doch noch am Leben ist, hat er einen Einfall …

  3. …war der Noahbund.
    Nach dieser Lesart der Thora sind alle Menschen – alle Menschen – Kinder Noahs…

    Schon richtig, aber die Verfluchung Hams durch Noah liefert da aber noch einiges an Interpretationsspielraum.
    U.a. wurde damit die Versklavung der Afrikaner / Schwarzen auch durch die Kirche biblisch begründet.

    • Ja, @einer – das hatte ich in Folge 14 ja bereits angesprochen und möchte es auch weiter vertiefen (z.B. die schon antiken Klimatheorien). Denn wieder zeigt sich: Jeder Mythos lebt aus den möglichst reflektierten Auslegungen.

      • Ich meinte vor allem kann man, so denke ich, nicht das eine aus einem Text nehmen, aber die Verse die dann folgen und im selben Kontext stehen ignorieren.

        Alle Menschen sind laut der Bibel zwar Abkömmlinge Noahs, aber nicht alle sind gleichwertig – wenn man den Text weiterliest. (Hams Nachfahren sollen nur Sklaven der anderen Völker sein)

        Genauso wie Gott laut der Bibel den Mensch männlich und weiblich gemacht hat, aber trotzdem ist die Frau “nur” Gehilfin des Mannes – wenn man den Text weiterliest.

        Einen Vers aus dem Kontext zu nehmen und für sich alleine auslegen … wirkt auf mich nach Rosinenpickerei und wird dem Ursprungstext nicht gerecht.

        • Ach, @einer – wie oft hatten wir diese Diskussion schon?

          Sie lesen die Bibel bewusst fundamentalistisch und negativ – und werten insbesondere jüdische Auslegungstraditionen gezielt ab. Gibt es eine Chance, dass Sie über die langweilige Kombination von christlichem und antitheistischem Antisemitismus jemals hinauswachsen? Das ist doch nicht nur düster, sondern auch intellektuell langweilig… 😑

          Ein letztes Mal: Lebendige, jüdische Schriftauslegung – wie sie im Übrigen auch von Jesus praktiziert und im Gleichnis vom Hausvater-Schatz gelehrt wird – besteht im immer neuen Suchen nach „Rosinen“ in den Schriften. Wenn Sie das nicht verstehen (wollen), kommen Sie über einen spät-lutherischen Antisemitismus nicht hinaus… 📚

          • Die Schwierigkeit bleibt ja aber oder wird sogar gerade für eine nicht-fundamentalistische Lektüre noch größer, wie Texte ihre Verbindlichkeit behalten. Wie unterscheide ich, was zeitbedingt war, und was verbindlich bleibt? Religiöse Texte mögen für den, der außerhalb dieser Religion steht, gleichbedeutend sein mit Romanen. Inspirierend. Für den, der in dieser Religion steht, sind sie mehr.

          • Ja, @Alubehüteter – ich würde sogar behaupten, dass die „Verbindlichkeit“ von Texten nicht in diesen selber liegt, sondern von den Lesenden zugemessen wird. Wir erfahren heute Homer oder das Tao te-Jing ganz anders als Glaubende vor 2.000 Jahren oder chinesische Taoisten auch heute noch. Ebenso kann sich z.B. auch keine Marxistin ins 19. Jahrhundert zurückversetzen – sie wird die gleichen Texte anders lesen und erfahren.

            Wer die Wirkungen zentraler Texte erkunden möchte, kommt m.E. ohne ein Verständnis von Auslegungstraditionen nicht weiter.

          • Das hat mit Antisemitismus nichts zu tun.

            Ich würde genauso reagieren, wenn man das gleiche mit einzelnen Versen aus dem Neuen Testament oder Herr der Ringe machen würde. Hier in diesem Blog wird halt häufig aus dem Alten Testament zitiert, daher erscheint es möglicherweise so.

            Das willkürliche Uminterpretieren eines einzelnen oder weniger Verse aus ihrem Kontext, so dass u.U. die Bedeutung im Ursprungstext völlig verzerrt wird, empfinde ich halt als falsch unabhängig davon ob es um einen religiösen, wissenschaftlichen Text geht oder “nur” um einen Roman.

            Von der Uni kenne ich da z.B. folgenden Tip beim Umgang mit “fremden” Texten:
            “… darauf achten, dass weder Inhalt noch Zusammenhang der Originalaussage verzerrt bzw. verfälscht werden.”

          • Keine Ahnung, ob Sie nur mich oder auch sich selbst täuschen wollen, @einer. Aber bei Blogposts über die Mythologien des Hinduismus oder von Star Wars wurden Sie nicht getriggert. Sondern stets nur dann, wenn es um das Judentum / die Bibel geht. Und Sie haben ja schon selber eingeräumt, dass Sie in diesem Zusammenhang bisher nur Literatur einer bestimmten Richtung (Finkelstein) gelesen haben. Sie heucheln Interesse an jüdischer Textauslegung, gönnen sich aber nicht einmal einen Sacks o.ä.

            Ob da Ihre ehemalige Universität gepatzt hat oder Sie schon damals von antijüdischer Abneigung blockiert waren, wage ich nicht zu beurteilen. Aber solange Sie nicht einmal zu sich selbst ehrlich sind ist Ihre negative Fixierung auf das Judentum einfach nur destruktiv und peinlich.

            Sie sollten sich endlich entscheiden, ob Sie tatsächlich Dazugewinnen oder weiterhin nur Ihre Ressentiments wiederkäuen wollen…

    • einer
      04.06.2020, 07:58 Uhr
      Zitat:
      . U.a. wurde damit die Versklavung der Afrikaner / Schwarzen auch durch die Kirche biblisch
      = = =
      Ob biblisch begründet kann wohl nicht sein, denn nicht Ham erntete diesen Fluch,
      sondern einer seiner 4? Söhne, nämlich Kanaan.
      Dessen Nachkommen besiedelten das Land Kanaan bzw. Palästina, welches wegen
      deren Götzendienst den Nachkommen Sems, nämlich später dem Abraham wegen
      seiner Gottesfurcht anvertraut wurde.
      Genau darum geht es heute im Kampf in Israel (Palästina – Antisemitismus).
      Die Überheblichkeit der Nachkommen Japheths (Bleichgesichter) ordnet andere
      als Schlitzaugen, Rothäute; Neger und andere minderwertige Rassen ein – abartig.
      Man könnte z. Zt. sagen: Einer schimpft den Anderen Langohr.
      Ändern wird sich das erst, wenn Jesus Christus wiederkommt und die Weltherrschaft
      übernimmt. Nach Lage der Dinge wird das nicht mehr lange dauern.
      M. f. G.

      • Und Sie haben ja schon selber eingeräumt, dass Sie in diesem Zusammenhang bisher nur Literatur einer bestimmten Richtung (Finkelstein) gelesen haben.

        Das ist eine Lüge, jenes habe ich nicht behauptet.
        Ich habe Finkelstein als einen jüdischen Autoren genannt, denh ich gelesen habe, nicht als den einzigen.

        • Selber Lüge. 😉 Denn genau das, lieber @einer, habe ich auch nicht behauptet…

          Sie weigern sich bisher, jüdische Autorinnen und Autoren zu lesen, die Ihre antisemitischen Überzeugungen widerlegen oder wenigstens hinterfragen würden. Ebenso haben Sie sich in Hunderten Blogkommentaren immer wieder nur auf eine negative Lesart des Judentums und dessen Auslegungstraditionen fixiert. Wenn Ihnen das bisher nicht selber aufgefallen ist, dann wurde es ja höchste Zeit, dass Ihnen das einmal jemand sagt.

          Und, nein, niemand hier legt Sie fest oder verbietet Ihnen, Ihren Horizont zu erweitern. Nicht nur ich würde mich darüber sogar freuen! Wie wäre es mit Rabbi Lord Jonathan Sacks? Nur Mut!

  4. Sehr geehrter Herr Blume, ganz herzlichen Dank für die gute und klare Analyse. Es ist wirklich unfassbar was da geschieht. Aber wir müssen positiv und sachlich und versöhnend bleiben und Gutes voranbringen. Das gelingt Ihnen.

    Ich bin in Boston geboren, in Mainz aufgewachsen und habe in Moskau geheiratet. Daher wollte ich ihnen als eines der nächsten Themen nahelegen auch die etwa 33 Millionen Sowjetbürger als Opfer des Nazi-Rassismus nicht aus den Augen zu lassen. #RussianLivesMatter die sich gegen Polizeigewalt in Russland stellen ist eine erfreuliche mutige Bewegung die George Floyds furchtbarer Tod und die mutigen Amerikaner die Trotz Corona – leider nicht immer vorsichtig genug beim Abstandhalten – friedlich auf die Straße gehen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Jochen Wermuth

    • Vielen Dank für die Rückmeldung und den guten Hinweis, @Jochen Wermuth! In Folge 14 zur Sklaverei ist schon mal enthalten, dass das Wort Sklave/Slave tatsächlich von Slawe abgeleitet wurde! 😳 🇷🇺 😢

  5. Mal Klartext:Es geht nicht um Hass, sondern um terrioteriale Befugnisse und grundsätzliche Unterdrückung von Menschen(speziell Frauen).Der Grundsatzanspruch von Männern ist; Frauen sind ihre Sklaven. Erster Satz.
    Bibel: Menschen sind nicht Menschen, sondern ich bestimme wer Menschen sind Aussage Gottes: Zweiter Satz
    Die Gerechtigkeit ist eine Fabel der philosophischen Verlogenheit die Menschheit wäre eine Einheit. Dritter Satz
    Grundlegender Grundsatz: Gott ist der Schöpfer, die Schlange sein Sein, also gleich ist er das Gute und Böse. Vierter Satz

    • Tatsächlich wird in eher wenigen Schöpfungsmythen gelehrt, dass alle Menschen Teil einer gemeinsamen Familie seien, @Reinhard Schulz. Im Buch Bereschit/Genesis (1. Mose) ist jedoch genau dies der Fall. Wie kommen Sie also zu dem Befund, es wäre „eine philosophische Verlogenheit“ die „Menschheit als eine Einheit“ zu sehen? Und was wäre sie stattdessen? 🤔

  6. Although during this pandemic racism is the most heated debate on the earth now . I hope both come to end as soon as possible with a right solution from the government.

  7. @ Michael Blume:

    Mit Ihrer Prognose, dass Rassismus und Antisemitismus uns noch lange begleiten werden, haben Sie sicher recht. Dabei spielt auch eine Rolle, dass für viele Leute, die selbst kein einfaches Leben haben, sichtbare Sündenböcke eine einfachere Zielscheibe ihres Frusts sind als die unsichtbaren “gesellschaftlichen Verhältnisse”. Spaltgeister wie Trump oder Orban nutzen das geschickt aus.

    Die Überschrift Ihres Blogbeitrags ist übrigens unglücklich formuliert, weil Verschwörungsverkünder Rassismus und Antisemitismus ja nicht gegeneinander ausspielen, sondern miteinander kombinieren.

    • @Joseph Kuhn

      Ja, auf der mythologischen Ebene liegen tatsächlich Kombinationen vor. Auf der Wirkungsebene sollen aber Rassismus und Antisemitismus gegeneinander ausgespielt werden, wenn es z.B. heißt, Juden finanzierten “schwarze Hassgruppen” oder der Zentralrat der Juden bestehe doch gar nicht aus “Semiten” (der Beschuldiger sei also kein Antisemit).

      Wenn dieser Trick deutlich und – wie in Ihrem Fall – sogar die unterliegende Strategie verstanden wurde, dann bin ich darüber doch sehr glücklich!

      Vielen Dank für Ihr Interesse und alles Gute!

  8. @Menschheitsfamilie

    Sicher sind wird Menschen irgendwie alle miteinander verwandt. Sogar die Verwandtschaft mit den Neandertalern war offenbar gegeben. Und weiter mit den Schimpansen und Gorillas, obwohl die soweit von uns weg sind, dass da beim Sex keine Nachkommen mehr herauskommen können.

    Die Verwandtschaftgrade innerhalb von Homo Sapiens sind allerdings tatsächlich verschieden eng bzw. voneinander entfernt. Hier müssen wir keine Rassen für definieren. Die Nähe zueinander ist verschieden, und selbst zwischen Deutschen und Franzosen ist die interne Verwandtschaft näher als über die Nationsgrenzen hinweg.

    Die eigentliche Frage ist, wie wir miteinander umgehen wollen. Das muss ja jetzt nicht unbedingt davon abhängen, wie nah wir verwandt sind. Zumal es auch reichlich Familien gibt, die intern wirklich recht unfreundlich miteinander umgehen.

    In jedem Fall sind wir als Menschen dazu fähig, zu kooperieren, auch wenn der eine Australischer Ureinwohner ist, und seit 50.000 Jahren keine frischen Gene mehr von außerhalb erhalten hat, und der andere ein Eskimo, der an Eis und Schnee angepasst ist. Hier muss nur irgendwie eine gemeinsame Sprache gefunden werden, das können z.B. Englischkenntnisse sein, und schon kommen auch derart verschiedenen Menschen miteinander zurecht. Wenn sie es denn wollen.

    Generell können also die verschiedensten Menschen kooperieren, wenn sie einen Grund dafür haben. Wenn wir die klassischen Menschenrechte befürworten, ist das für sich noch mal eine gute Idee, weil wir ja durchaus selber gerne Menschenrechte genießen möchten. Das macht sehr viel Sinn, diese in die Gesetzbücher zu schreiben. Als Grundlage bietet sich die Zugehörigkeit zur Spezies Homo Sapiens an.

    Gäbe es noch Neandertaler, hätten wir wohl ein Problem zu lösen. Aber die gibts ja nicht mehr. Wenn Wissenschaftler welche züchten könnten, könnten sie diese auch wie Vieh als ihr Sacheigentum betrachten, so wie man es früher mit den Afrikanern gemacht hat. Aber ich vermute mal, dass wir das so nicht durchgehen lassen würden.

    Wie dem auch sei, die Nationalstaaten für sich machen schon einigen Sinn, mit einer gemeinsamen Sprache, gemeinsamer Regierung und Verwaltung sowie mit eigener Sozialkasse. Hier hat dann auch jeder Staatsbürger seine Menschenrechte, hoffentlich. Solange hier international nicht viel läuft, müssen wir damit dann aber auskommen. Vielleicht schaffen wir aber auch noch mehr internationale Solidarität, dass wir in Europa und weltweit einen gewissen Sozialausgleich hinbekommen.

    Das hat doch wenig mit verwandtschaftlicher Nähe zu tun, aber dafür umso mehr mit Vernunft. So können wir nicht nur die Überwindung fossiler Brennstoffe in einem allgemeinen Klima der Kooperation besser hinbekommen. Vernünftige und ehrliche Verständigung kann auch Kriege vermeiden und die eingesparten Rüstungsausgaben machen zusätzliche Gelder frei für soziale und ökologische Aufwendungen.

    • Danke, @Tobias Jeckenburger, für Ihre Authentizität und Ihren immer wieder erfrischenden Optimismus. Mir selbst verschlägt es angesichts dieser wissenschaftsfeindlichen, zivilisatorisch rückwärtsgewandten Ereignisse, die ich – hätte man mich bspw. vor der Jahrtausendwende damit konfrontiert – nicht auch nur in den gemeinsten Albträumen in das Jahr 2020 verortet hätte, oftmals nur noch die Sprache und ich verfalle förmlich in ein ideelles Blackout. U.a. Ihre Beiträge regen dann jedoch wieder zum Nachdenken und zu Ideen an, wie man diese Missstände überwinden könnte, und vermitteln damit wertvolle Zuversicht.👍

    • Wollen Sie nun ernsthaft mit Berufung auf eine (vorgeblich) linksextreme Seite behaupten, BLM sei eine “Hassgruppe”, @Leser? Dass auch Stiftungen und Spender demokratisch orientierte NGOs fördern, begrüße ich ausdrücklich. Und dass Leute auf eine widerlegte Lüge eine weitere draufpacken, spricht hier wohl für sich…

    • Und?

      Was dagegen?

      Herr Blume ist z.B. bekennender Förderer der Wikimedia-Stiftung. Und jetzt? Was soll das besagen, Soros untertstützt BLM? Warum sollte er nicht, ist doch eine gute Sache?

  9. Vielen Dank, lieber Michael Blume, dass Sie auch #BlackLivesMatter thematisieren – ein Motto, dass eigentlich eine Selbstverständlichkeit, ein gesellschaftlicher Konsens über alle Grenzen hinweg sein sollte… . Spätestens seit der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts ist belegt, dass der Begriff “Rasse” für den Menschen endgültig obsolet ist. So steht fest, dass es mehr Unterschiede zwischen Menschen dunkler Hautfarbe gibt als zwischen hellhäutigen und dunkelhäutigen Menschen. Der Begriff “Rasse” wird also keinesfalls durch das menschliche Genom bestimmt, sondern ist ein rein rechtsideologisches Konstrukt, um Menschengruppen zu diskriminieren, sich selbst als “weißen Mann” – meist weil es an echten Qualitäten und Potenzen gebricht – über andere zu erheben und damit Ausgrenzung, Hass und schließlich Gewalt rechtfertigen zu können. Systemischer Rassismus spielt in den USA schon lange eine traurige Rolle. Dass sich dies unter einem Präsidenten Trump nicht zum Guten hin ändert, dessen Vater Fred schon beim Ku-Klux-Klan aufmarschiert ist, und der selbst ständig gegen farbige demokratische Abgeordnete – besonders gerne gegen Frauen – ätzt, war abzusehen.
    Doch dürfen wir nicht ausblenden, dass auch hierzulande der Rassismus – leider auch in Form polizeilicher Gewalt – eine Rolle spielt – erinnert sei nur an Ourie Jalloh und Amad Ahmad.
    Und dass sich ausgerechnet ein teilstaatlicher Konzern wie Volkswagen vor dem Hintergrund seiner Gründungsgeschichte mit einem offen rassistischen Werbespot disqualifizieren muss – so wie mit der jüngsten Reklame für den Golf 8 -, finde ich schlimmer als bedenklich. Da wird ein dunkelhäutiger Mann von einer übergroßen weißen Hand wie eine Spielfigur vor einer Geräuschkulisse aus Lachen und Spielautomatenmusik hin- und hergeschubst, bis er taumelt, und schließlich mittels dieser Hand, die das White-Power-Zeichen formt, in ein Haus namens “Petit Colon” gekickt. Zuerst erscheinen die Buchstaben “N” ,”E”, “G”, “E”, “R”, bevor dann sukzessive der volle Produktname eingeblendet wird. Einfach nur widerlich 🤮

    In Zeiten wie diesen entdecke ich mich immer wieder dabei, ein Gedicht aus meiner Schulzeit vor mir selbst zu rezitieren, das ich noch auswendig kann, weil es mich als Kind schon sehr berührt hat.

    Incident (Countee Cullen):

    Once riding in old Baltimore,
    heart-filled, head-filled with glee;
    I saw a Baltimorean
    keep looking straight at me.
    Now I was eight and very small
    and he was no whit bigger;
    and so I smiled, but he poked out his tongue and called me “Nigger”.
    I saw the whole of Baltimore
    from May until December.
    Of all the things that happened there,
    that’s all that I remember.

    Welch traurige Aktualität für ein über hundert Jahre altes Gedicht.😥

    • Spätestens seit der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts ist belegt, dass der Begriff “Rasse” für den Menschen endgültig obsolet ist. … sondern ist ein rein rechtsideologisches Konstrukt,

      Natürlich ist das nur ein Konstrukt, es ist ein Ausdruck von “wir/uns” und “die”, wobei das dann je nach Situation passend zurechtgebogen wird. Das kennt man auch unter “Eigengruppe” und “Fremdgruppe”.

      Allein durch die Identifizierung einer Gruppe statt der einzelnen Menschen findet eine Entmenschlichung der Gruppenmitglieder statt. Dann ist der Nachbar halt nur noch ein Türke o.ä. und kein Mensch mehr. Dann ist es viel einfacher verächtlich über “die Türken” oder “den Türken” zu reden, als wenn man viel persönlicher von “Herrn Ahmad” o.ä. sprechen würde.

      Ähnliches kennt man leider auch aus vielen Religionen, wo dann zwischen Glaubensmitgliedern und Heiden, Ketzern, Gottlosen etc. unterschieden wird, um am Ende dann doch nur Gewalt legitimieren zu wollen.

      • Richtig – und ebenso aus vielen nichtreligiösen Weltanschauungen, die Menschen als “Konterrevolutionäre”, “Trotzkisten” oder “Religioten” entmenschlicht haben bzw. entmenschlichen. Den Hinweis darauf vergisst @einer immer wieder… zufällig… 😉

      • Allein durch die Identifizierung einer Gruppe statt der einzelnen Menschen findet eine Entmenschlichung der Gruppenmitglieder statt.

        Nein, es findet dadurch eine “Entindividualisierung” statt.

        Die ist aber nicht per se unangebracht, sondern hängt
        von der damit verbundenen Aussage über eben jene
        Gruppe ab.

        Problematisch sind erst unzulässige Folgerungen vom
        die Gruppe charakterisierenden Merkmal auf weitere
        Eigenschaften der Gruppenmitglieder.
        Und vor Allem der dann mögliche falsche Rückschluß
        auf ein einzelnes Mitglied der Gruppe.

        Aber falsche Schlußfolgerungen sind immer problematisch.

        Viele Grüße
        Sven

    • Das Phänomen

      Was ist das für ein Phänomen
      Fast kaum zu hören kaum zu sehn
      Ganz früh schon fängt es in uns an
      Das ist das Raffinierte dran

      Als Kind hat man’s noch nicht gefühlt
      Hat noch mit allen schön gespielt
      Das Dreirad hat man sich geteilt
      Und niemand hat deshalb geheult

      Doch dann hieß es von oben her
      Mit dem da spielst du jetzt nicht mehr
      Das möcht ich nicht noch einmal sehn
      Was ist das für ein Phänomen

      Und ist man größer macht man’s auch
      Das scheint ein alter Menschenbrauch
      Nur weil ein andrer anders spricht
      Und hat ein anderes Gesicht

      Und wenn man’s noch so harmlos meint
      Das ist das Anfangsbild vom Feind
      Er passt mir nicht er liegt mir nicht
      Das ist das nicht und find ihn schlicht

      Geschmacklos und hat keinen Grips
      Und außerdem sein bunter Schlips
      Dann setzt sich in Bewegung leis’
      Der Hochmut und der Teufelskreis

      Und sagt man was dagegen mal
      Dann heißt’s: Wer ist denn hier normal
      Ich oder er du oder ich
      Ich find den Typen widerlich

      Und wenn du einen Penner siehst
      Der sich sein Brot vom Dreck aufliest
      Dann sagt ein Mann zu seiner Frau
      Guck dir den Schmierfink an die Sau

      Verwahrlost bis zum dorthinaus
      Ja früher warf man die gleich raus
      Und heute muss ich sie ernähr’n
      Und unsereins darf sich nicht wehr’n

      Und auch die Gastarbeiterpest
      Der letzte Rest vom Menschenrest
      Die sollt man alle das tät gut
      Spießruten laufen lassen bis auf’s Blut

      Das hamwer doch schon mal gehört
      Da hat man die gleich streng verhört
      Verfolgt gehetzt und für und für
      Ins Lager reingepfercht und hier

      Hat man sie dann erschlagen all
      Die Kinder mal auf jeden Fall
      Die hatten keinem was getan
      Was ist das für ein Größenwahn

      das lodert auf im Handumdrehn
      Und ist auf einmal Weltgeschehn
      Denn plötzlich steht an jedem Haus
      Die Juden und Zigeuner raus

      Nur weil kein Mensch derselbe ist
      Und weiß und schwarz und gelbe ist
      Wird er verbrannt ob Frau ob Mann
      Und das fängt schon von klein auf an

      Und wenn ihr heute Dreirad fahrt
      Ihr Sterblichen noch klein und zart
      Es ist doch eure schönste Zeit
      voll Phantasie und Kindlichkeit

      Lasst keinen kommen der da sagt
      Dass ihm dein Spielfreund nicht behagt
      Dann stellt euch vor das Türkenkind
      dass ihm kein Leids und Tränen sind

      Dann nehmt euch alle an die Hand
      Und nehmt auch den der nicht erkannt
      Dass früh schon in uns allen brennt
      Das was man den Faschismus nennt

      Nur wenn wir eins sind überall
      Dann gibt es keinen neuen Fall
      Von Auschwitz bis nach Buchenwald
      Und wer’s nicht spürt der merkt es bald

      Nur wenn wir in uns alle sehn –
      Besiegen wir das Phänomen
      Nur wenn wir alle in uns sind –
      Fliegt keine Asche mehr im Wind

      (Hanns Dieter Hüsch)

      • Herzlichen Dank, @Alubehüteter, für das lyrische Highlight meinesTages. Es zeigt, wie giftig und – noch schlimmer – wie hartnäckig und nachhaltig Rassen-, Klassen- oder religiöse Vorurteile wirken können.😖

        Hierzu noch ein Zitat von Ilja Ehrenburg:
        “… selbst die fortschrittlichste Gesetzgebung kann uralte Vorurteile nicht aus dem Bewusstsein tilgen; mitunter verbergen sie sich, tarnen sich, suchen neue, moderne Argumente und sind plötzlich wieder in ihrer ganzen scheußlichen Nacktheit da.”
        (Ilja Ehrenburg in: Menschen, Jahre, Leben, Memoiren. Band III, Berlin 1978, S. 286)📚

  10. Was VW sich dabei gedacht hat – kein Ahnung.
    Auch die Reaktion hinterher von VW, von wegen man verstünde nicht wie man den Spot so “falsch” verstehen könnte – unglaublich.

    Ein Teil des Rassismus dient, denke ich, auch dazu von eigenen moralischen Problemem abzulenken. Heute weiß ja eigentlich jeder, dass die Industrieländer vieles von dem Leid in der 3. Welt etc. zumindest mitzuverantworten haben. Wenn die Menschen “dort” nur “Primitive” sind, ist es für das eigene Gewissen leichter mit dieser Ausbeutung zu leben – sonst müsste man sich ja überlegen etwas zu ändern.
    Genauso ist es mit Flüchtlingen, statt sie bereitwillig aufzunehmen, weil man ja u.U. mitverantwortlich ist, werden diese angefeindet, weil man Angst ggf. etwas abgeben zu müssen.
    Schön, dass es trotzdem noch viele Menschen gibt, die versuchen es den Flüchtlingen hier etwas erträglicher zu machen.

  11. Antisemitismus und Rassismus und allgemeiner formuliert Hass auf Menschen die zu einer anderen Gruppe gehören, erwecken den Eindruck, der Mensch als Geschöpf und Lebewesen, sei nicht besonders hilfsbereit und kooperativ gegenüber seinen Artgenossen. Das steht (scheinbar) im Widerspruch zur jüngeren Forschung, die gerade in der hohen Kooperationsbereitschaft des Menschen einen der grossen Unterschiede zwischen Menschen und sogar seinen nächsten Verwandten, den Affen, erkennt. Doch wie gesagt: der Gegensatz zwischen gruppenfeindlichem Denken und Kooperationsbereitschaft ist nur scheinbar. Zumal diejenigen, die einem Verschwörungsmythus huldigen, ja untereinander höchst kooperativ sind und sich gegenseitig bei der Erkenntnis der „Wahrheit“ unterstützen wo es nur geht. Man kann ohne weiteres sagen, dass fast alle grossen Leistungen des Menschen auf mehr oder weniger freiwilligen Kooperationen beruhen. Diese Zusammenarbeit gibt es bereits in jagenden Kleingruppen, es gab sie aber auch beim Bau von Stonehenge, den Pyramiden oder den frühen Bewässerungssystemen in Ägypten und Indien. Kooperation bedeutet Zusammenarbeit auf ein gemeinsames Ziel hin, ein Ziel, das die Fähigkeiten des Einzelnen übersteigt. Nur kann eben das gemeinsame Ziel auch der Kampf gegen eine andere (kooperierende) Gruppe sein. Gerade auch für Krieg braucht es Kooperation, sowohl um gegen die anderen zu bestehen als auch um die anderen zu verknechten und zu dehumanisieren denn wenn man dabei nicht allein ist, sondern andere einem dabei helfen, wird es einfacher.
    Das führt dann zur Erkenntnis, dass es weniger Feindlichkeit gegenüber anderen Gruppen gäbe, wenn Menschen positive anstatt negative Ziele hätten, wobei positive Ziele solche sind, die sich nicht gegen andere Menschengruppen richten und negative solche sind, die das tun.

  12. Update:

    Vor rund einen Monat hatte uns hier in den Leserkommentaren ein Brandbrief hoher katholischer Würdenträger beschäftigt, in dem gewarnt wird, finstere Mächte würden die Corona-Krise nutzen wollen, auf dem Weg zu einer Weltdiktatur weiter zu kommen. Unter anderem der frühere Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Müller hatte unterschrieben und dies wiederholt verteidigt.

    Der Verfasser dieses Briefes, Erzbischof Vigano, ist inzwischen offen rübergemacht zu den Qultisten:

    Erzbischof Carlo Maria Viganò hat die gesellschaftliche Situation in den USA als „biblischen Kampf“ der „Kinder der Finsternis“ gegen die „Kinder des Lichts“ charakterisiert. In einem offenen Brief an US-Präsident Donald Trump hat er dessen Einsatz gegen den „tiefen Staat“ (engl. „deep state“) gewürdigt, der nach seiner Ansicht von den „Kindern der Finsternis“ kontrolliert wird.

    Es werde sich bald herausstellen, dass die Corona-Pandemie von diesen Kräften genutzt worden sei, um ein „riesiges sozialtechnisches Projekt“ umzusetzen. Bestimmte nicht näher genannte Personen im Gesundheitswesen, der Wirtschaft, der Politik und den Medien hätten das „Schicksal der Menschheit“ entschieden und sich im Zuge dessen das Recht angemaßt, gegen den Willen der Bürger und deren Vertreter zu handeln, schreibt der Erzbischof.

    Die Unruhen, die in den USA nach dem Tod von George Floyd ausgebrochen sind, sind nach Ansicht Viganòs von denselben Kräften „provoziert“ worden, nachdem die Corona-Pandemie nachgelassen hat.

    Der Mann war immerhin mal Nuntius, also Botschafter des Vatikanstaates, in den USA.

  13. Schauen sie sich bitte mal den Fall Leo Frank aus den USA an.

    Von wegen…wenn es hart auf hart kommt lassen die Juden ihre nützlichen Idioten fallen.

  14. Sehr geehrter Herr Blume,
    es ist auch kein Wunder, dass der Staat Israel keine Menschen anerkennt, die ebenso pder sogar überwiegend christliche Traditionen praktizieren und vor allem die “Black Supremacy” vertreten. Vor allem die Extremisten fallen durch expliziten Antisemitismus auf, wie die 12 Tribes of Israel,die Israelite Church of God in Jesus Christ.
    Black Supremacy ist auch ein Kennzeichen der Black Matters Lives Bewegung und ich bedauere, dass seit 2016 niemand mehr über den expliziten Antisemitismus dieser Bewegung berichtet hat. Oder besser: Israelbezogenen Antisemitismus. Der Einfluss radikal-islamischer Gruppen auf die Bürgerrechtsbewegung ab Mitte der 1960er Jahre, deren Ablehnung Israels heute von der durch die Bundesregierung als antisemitisch eingestuften BDS-Bewegung fortgeführt wird und die die Situation der palästinensischen Bevölkerung mit der der Schwarzen in den USA gleichsetzt, sorgt immer wieder für Konflikte und Anfeindungen. Nicht erst nach der Ermordung George Floyds behaupten antiisraelische Gruppen, die brutalen Polizeitaktiken wurden den US-Beamtinnen und Beamten durch das israelische Militär vermittelt. Damit geben sie dem jüdischen Staat eine Mitschuld an den rassistischen Zuständen in den Vereinigten Staaten oder vergleichen diese mit der Situation im Nahen Osten. Auf der anderen Seite versuchen BDS und Co. immer wieder jüdische Gruppen aus Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus auszuschließen und sprechen ihnen das Recht ab zu demonstrieren, da sie vermeintlich, als per se privilegierte und koloniale Weiße bezeichnet, automatisch auf Seiten einer globalen, imperialen, kolonialrassistischen, weißen Gewalt stünden. Auch innerhalb der „Black Lives Matter“-Bewegung ist es aktuell immer wieder zu solchen Ausfällen und Ausschlüssen gekommen, die sich auch in Gewalt gegen Jüdinnen und Juden ausdrückt.

    • Ja, so ist es leider, @Susanne. Daher versuche ich auch darüber aufzuklären, dass sich verschiedene Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit nicht miteinander verrechnen lassen. Wir kommen einer gerechteren und friedlicheren Welt erst näher, wenn wir Antisemitismus, Rassismus und weitere Formen der GMF gemeinsam überwinden und zurückweisen. Das ist ein weiter Weg – aber niemand verbietet uns, dorthin Tag für Tag Schritte zu versuchen.

  15. Was ein Glück, dass ich diesen Blog und die Diskussion dazu gefunden habe! Nochmals herzlichen Dank an alle!

    Die Diskussion bestärkt mich in meinem Glauben an die Menschheit Lügen zu erkennen. Ich sehe eine Welt voller guter intelligenter großzügiger Menschen die sehr wohl wissen und fühlen, dass wir alle eins sind – Teil einer Schöpfung – sich im Moment aber noch von einigen wenigen korrupten Zynikern – die selber zu bedauern sind, da sie noch nicht verstanden haben, dass einem finanzielle Gewinne und Macht die nicht für Gutes genutzt werden einem selber auch nichts bringen – verführen oder ausnutzen lassen.

    Vor 20 Jahren traf ich den Nobelpreisträger Mikhail Prokhrov der sagte: konzentrieren wir uns darauf, Solarenergie nochmal 10x billiger zu machen, so dass auf jede Hütte der Welt ein Panel kommen kann und Licht zum Lesen und Lernen in der Dunkelheit in die Häuser von 2 Milliarden hungernden Menschen einziehen kann. Auch traf ich Hermann Scheer, Träger des alternativen Nobelpreises, der das Erneuerbare Energien Einspeise Gesetz (EEG) mit ins Leben rief – nicht weil er Windräder mochte, sondern weil er Demokrat war und davon ausging, dass wenn erstmal jede ihre eigene Energiequelle hat, die Basisdemokratie, die Gerechtigkeit und die Menschlichkeit gestärkt werden.

    Man braucht keine Flugzeugträger mehr um Öltanker zu bewachen oder ‚fremde’ Völker auszurauben und man finanziert keine Despoten mehr, die andere unterdrücken. Heute haben wir diesen Traum erreicht – Öl kann nur noch bei einem Preis von unter $4 pro Barrel mit Solarenergie konkurrieren – und dank Fintech kann jeder Mensch mit einem Handy ohne Subventionen ein Solarpanel erwerben und dabei Geld, Zeit und Gesundheit im Vergleich zum Status quo sparen – es braucht keine zentralen fossilen Energiequellen mehr. Die Speicher in emissionsfreien Autos können mit Hilfe von bidirektionalen Ladestationen und intelligenten Netzwerken von allen genutzt werden.

    Deutschland kann bis 2030 mit Gewinn emissionsfrei sein und damit dem grössten Verbrechen gegen die Menschheit und die Schöpfung Gottes – dem Klimawandel – Einhalt gebieten.

    Statt über Rassismus einiger anderer zu schimpfen lohnt es sich immer erstmal vor der eigenen Türe zu kehren: wenn wir eine Chance für das Überleben der Menschheit wollen, muss der Klimawandel bei maximal 1,5 Grad Erderwärmung gestoppt werden. Um das zu erreichen, verbleibt ein weltweiter Budget von CO2 Emissionen der erstmals ehrlich gerechnet und gerecht pro-Kapita verteilt für Deutschland bedeutet, dass wir bis 2023 (ja, zweitausenddreiundzwanzig6 bei netto Null Emissionen sein müssen. http://Www.GermanZero.de hat das vorgerechnet und immerhin schon mal einen Plan erarbeitet wir wir bis 2030 Klimaneutralität erreichen können.

    Das wäre schonmal was, statt weiter eine weltweite Katastrophe anzufeuern, die die Ärmsten, die sie am wenigsten verursacht haben, am härtesten treffen wird. Wir, die wir in Wohlstand leben, wir, die wir uns frei äußern können – anstatt wie Klimaaktivisten in Brasilien erwarten zu müssen, erschossen zu werden – verbrennen weiter Kohle und eröffnen weiter neue Kohlekraftwerke und bauen weiter Gaspipelines und erlauben es uns zu philosophieren und zu Recht über Rassismus und Korruption anderswo zu echauffieren statt ihr bei uns Einhalt zu gewähren, und weltweite Klima-Gerechtigkeit zu fordern. Wir leben weiter auf Kosten anderer Menschen und Tiere in der Welt und in der Zukunft.

    Das muss zum Glück – dank intelligenter Menschen die sich dank Plattformen wie dieser austauschen können – nicht mehr sein. Ich bin guter Dinge, dass wir uns auf den Weg in eine Welt mit Wohlstand für alle aufmachen – auch Dank der Informationen die es noch im Internet gibt und auch noch geben wird, wenn wir nur den Willen haben, die neuen Monopolisten zu zerschlagen wie Standard Oil zerschlagen wurde.

    Wie Margaret Mead sagte: ‚Never underestimate the power of a small group of committed citizens in a room to change the course of the world – in fact, it has never been done any other way!‘ oder frei nach Starwars: ‚the (market) force is with us – we are with the force’: Die Marktkräfte bringen uns heute dank des Geschenks des EEGs an die Welt, das zu wettbewerbsfähigen alternativen Energien führte – in eine dezentralisierte demokratischen Welt ohne Ausbeutung – wir müssen nur den ersten Schritt machen. Das in der Verfassung der EU im Lissabonner Vertrag verankerte Verursacherprinzip muss umgesetzt werden: diejenige die Dreck verursacht muss auch dafür sorgen oder zahlen ihn wieder weg zu machen.

    Dabei müssen wir nur auf unsere eigene Umweltbundesagentur hören: eine Tonne heute emittierten CO2s verursacht €640 an Gesundheits- und Klimakosten über 100 Jahre. Investoren, Unternehmer, jeder Mensch fordert klare Regeln vom Gesetzgeber um Planungssicherheit zu haben. Die ist einfach: wer eine Tonne CO2 ausstößt muss dafür €640 an Kosten zahlen. Mit dieser klaren Richtlinie ändern sich dann Preise für Flüge, für Autoreisen, für Fleisch, für Kohlestrom etc. Die eingenommen Gelder können pro Kopf ausgeschüttet werden, so dass niemand der sich auch nur durchschnittlich verhält draufzahlt, die die weniger emittieren Geld übrig haben werden und die die mehr als durchschnittlich emittieren draufzahlen. Ein CO2 Preis in Deutschland der den weltweit verursachten Kosten entspricht ist nötig um ‘den Klimawandel’ – oder nach Desmond Tutu‚das Verbrechen gegen die Menschheit unserer Zeit’ – zu stoppen. Ein CO2 Preis der die Vollkosten reflektiert ist volkswirtschaflich sinnvoll, effizient und durch pro-Kopf Wieder-Ausschüttung ohne soziale Härte umsetzbar. Es sind nur die alten Industrien, die paar Menschen die ohne Gewissen weiter Geld raffen wollen – die weiter die Rassisten, Antisemitisten und Bestreiter eines vom Menschen verursachten Klimawandels finanzieren, die versuchen durch dumme Gruselmärchen davon abzuhalten den ersten Schritt zu machen der weltweiten Ausbeutung anderer aus Deutschland heraus durch kostenlose CO2-Emissionen zu beenden…

    Wir haben die wettbewerbsfähigen Technologien. Wir können es uns nicht nur erlauben, sondern es macht uns unabhängig und wettbewerbsfähiger und es beendet die Ausnutzung anderer. Wir müssen es nur wollen. Wir sind die Herren unseres Schicksals.

    Wie Ghandi sagte: first they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then we win!

    Wir sehen das letzte brutale Aufbäumen des schon tödlich getroffenen Regimes der Ausbeutung anderer – Rassismus, Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Climatechangedenial sind die letzten primitiven und schon lange machtlosen stumpfen Waffen, die es hervorholt um uns zu erschrecken und abzulenken; uns davon abzuhalten den offensichtlichen nächsten Schritt zu tun – durch einen CO2 Preis der die verursachten Kosten reflektiert klare Leitplanken für unser wirtschaftliches Handeln zu schaffen die auf Gerechtigkeit basiert sind.

    Diesem ersten wichtigen und dringendsten Schritt würden dann andere folgen bei denen andere ‚Externalitäten‘ andere Wirkungen auf die Umwelt oder andere Menschen berechnet werden. Nur in einer solchen Welt kann die Marktwirtschaft die Ziele erreichen die wir uns wünschen und ein ziviler Kapitalismus entstehen, einer dem wir durch Berechnung der weltweiten Vollkosten unsere Werte als Richtlinie geben.

    Noch schauen wir zu, wie Regierungen weltweit ohne einen CO2 Preis der Kosten reflektiert vollkommen sinnlose Konjunkturprogramme schaffen. Das ist wir Körner vor kopflose Hühner werfen oder ein Anpfiff für eine Fußballmannschaft der nicht gesagt wird auf welches Tor sie spielen soll. Noch schauen wir zu, wie Minister ohne relevante Ausbildung Operationen absagen oder unsere Staatsdiener ohne jegliche Erfahrung mit Koffern voller (unserem) Bargeld um die Welt schicken oder andere ihren Freunden erlauben auf unsere Kosten Masken mit gefälschten Zertifikaten zu kaufen. Es wird Zeit, dass wir nicht nur beobachten und dem Trainer Ratschläge geben, sondern dass wir von den Tribünen steigen und selbst Verantwortung übernehmen. Wir leben in historischen Zeiten. Es gilt unsere Werte zu verteidigen und Lösungen vorzuleben, den ersten Schritt zu machen.

    Wir sind der Souverän! Die Kraft ist mit uns!

    …und der Herr sprach ‚es werde Licht’ und es ward Licht!

  16. Jochen Wermuth,
    die Realität , der Stillstand in der Corona- Zeit hat deine Wünsche und Befürchtungen überholt.
    Der Export einiger Automarken ist um 70 % eingebrochen.
    Die sozialen Dienste nehmen keine Altkleider mehr an, die Ausfuhr oder Umwandlung der Stoffe ist unterbrochen.
    Der Welthandel leidet. Die Dienstleistungsindustrie leidet.
    Wer soll das bezahlen ?
    Noch reden die Politiker von großzügigen Hilfen, die haben aber vergessen, wenn man “Geld druckt”, wird das Geld weniger wert.
    Wer kann heute noch eine Eigentumswohnung kaufen, wenn die 400 000 € kostet, und der Erwerber nicht weiß, ob er in einem Jahr noch einen Arbeitsplatz hat.
    Wenn wir vernünftig wären, dann könnten wir einen Kurswechsel , weg vom freien Welthandel, hin zu einer ökologischen Wirtschafsform suchen.
    Wir sind mitten in der Krise. Niemand will das aussprechen, weil man das nicht wahrhaben will.

  17. Welche Literatur(en) würden Sie empfehlen zum aktuellen Thema Vergebung?

    Gibts da schon was?

    merci für Empfehlungen.

    • Die Bibel wäre da auch sehr hilfreich Herr donald mueller.
      Lesenswert ist da das “Vaterunser“ – Mt. 6, 9-13.
      Vers 12:
      > > > Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

      Zu Letzterem sind die wenigsten Menschen bereit oder erwarten es von anderen.
      M. f. G.

    • #Vergebung

      Das Video der letzten Minuten von Georg Floyd lässt mich nicht los. Eines seiner letzten Worte, bevor er der Attacke seines rassistischen Mörders erlag, war “Mama”.😢

      Ich bin nicht religiös, aber von einem jüdischen (Kafka) und einem christlichen Dichter (Dostojewski) entscheidend geprägt.

      Von Letzterem möchte ich zum Thema “Vergeben” wie folgt zitieren:

      “Ich will nicht, dass die Mutter den Peiniger ihres Sohnes umarme! Wie darf sie es wagen, ihm zu vergeben? Wenn Sie will, kann sie für sich vergeben – mag sie ihm ihr unermessliches Mutterleid und ihren Schmerz verzeihen.
      Aber die Leiden ihres von Hunden zerrissenen Kindes darf sie nicht verzeihen, dazu hat sie kein Recht, auch dann nicht, wenn ihr Kind selbst dem Peiniger verziehe!
      Gibt es in der ganzen Welt ein Wesen, das verzeihen könnte, welches das Recht hätte zu verzeihen?
      Wenn das aber so ist, wenn man nicht verzeihen darf, wo ist dann die Harmonie?
      Ich will keine Harmonie, aus Liebe zur Menschheit will ich sie nicht. Lieber bleibe ich bei ungesühnten Leiden. Lieber bleibe ich rachelos bei meinem ungerechten Leid und in meinem unstillbaren Zorn (… ).”
      (Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Die Brüder Karamasow, München, Zürich 1987, S. 399)📚🤔😢

    • #Vergebung

      Das Video der letzten Minuten von Georg Floyd lässt mich nicht los. Eines seiner letzten Worte, bevor er der Attacke seines rassistischen Mörders erlag, war “Mama”.😢

      Ich bin nicht religiös, aber von einem jüdischen (Kafka) und einem christlichen Dichter (Dostojewski) entscheidend geprägt.

      Von Letzterem möchte ich zum Thema “Vergeben” wie folgt zitieren:

      “Ich will nicht, dass die Mutter den Peiniger ihres Sohnes umarme! Wie darf sie es wagen, ihm zu vergeben? Wenn Sie will, kann sie für sich vergeben – mag sie ihm ihr unermessliches Mutterleid und ihren Schmerz verzeihen.
      Aber die Leiden ihres von Hunden zerrissenen Kindes darf sie nicht verzeihen, dazu hat sie kein Recht, auch dann nicht, wenn ihr Kind selbst dem Peiniger verziehe!
      Gibt es in der ganzen Welt ein Wesen, das verzeihen könnte, welches das Recht hätte zu verzeihen?
      Wenn das aber so ist, wenn man nicht verzeihen darf, wo ist dann die Harmonie?
      Ich will keine Harmonie, aus Liebe zur Menschheit will ich sie nicht. Lieber bleibe ich bei ungesühnten Leiden. Lieber bleibe ich rachelos bei meinem ungerächtem Leid und in meinem unstillbaren Zorn (… ).”
      (Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Die Brüder Karamasow, München, Zürich 1987, S. 399)📚🤔😢

    • Lieber Michael Blume, die zweite, spärere Variante meines Beitrages mit dem Dostojewski-Zitat gilt natürlich. Hier war am Ende ein Fehler unterlaufen. Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen “ungerecht” und “ungerächt” …. . Die zuerst versandte Version ist somit falsch.(Spracherkennung Smartphone: 🤪)
      Danke für die Korrektur!

  18. Vielen Dank für Ihre Hinweise.
    Ich sehe da ähnliche Bemühungen auch im Islam – auch bei Nomos übrigens.
    Da ich zurzeit wieder etwas unterwegs sein darf, leider ohne Namen und Titel.

    Auch Ihnen Alles Gute, Gesundheit und ein angenehmes Wochenende mit besten Grüßen und Dank.

      • @Michael Blume

        Nur, wenn Sie es mir auch “freistellen”, Israel zu kritisieren. Sie sind doch sicher nicht zionistischer als die größte zionistische Lobbyorganisation.

        • Sie müssen sich nicht als unterdrücktes Opfer präsentieren, @Peter Müller. Das 3D-Kriterium zur Unterscheidung seriöser Kritik an allen Nationen hatte ich auch hier auf dem Blog bereits ausführlich dargestellt. Kritik ist immer okay, aber Ressentiments und Verschwörungsglauben sind eben keine „Kritik“.

          Warum nur lese ich von Ihnen wieder und wieder nur Israel, aber zum Beispiel keine Zeile zur brutalen Verfolgung von Homosexuellen, Kurden & Bahai ganz aktuell im Iran? Klar, weil es keine Juden sind, Sie also nicht besonders interessieren… 😢🤦‍♂️

  19. @Sandy

    Erstmal vielen Dank für den Zuspruch.

    Dostojewski ist in der Tat eine Fundgrube für die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz. Wenn man hier nach Extremen und Untiefen der Seele sucht, wird man fündig. Dostojewski ist heute immer noch aktueller und auch moderner, als das Meiste, was die Psychologen und Hirnforscher an „neuen Erkenntnissen“ so raushauen. So zumindest mein Eindruck. Der Mann hat sich wirklich mit den real existierenden Menschen beschäftigt, und nicht nur wenigsagende Experimente mit zu kleinen Stichproben gemacht.

    Hier ein Beispiel für so eine Standartstudie:
    https://www.spektrum.de/news/blind-auf-den-ersten-blick/1743172

    Das Fazit dieser Studie: „Trübt die Romantik das Urteil oder der scharfe Blick die Romantik?“
    Man weiß es mal wieder nicht. Interessante Puzzlesteine, ja. Aber wer sich wirklich mit Menschen beschäftigen will, sollte besser Dostojewski lesen. Das ist vermutlich aufschlussreicher als ein Studium der Psychologie.

    • @Vergebung, seelische Untiefen.

      Danke, @Tobias Jeckenburger, für Ihr Interesse an Dostojewski. Ich denke, dass wirklich gute und berührende Literatur allenfalls selten durch vom Leben verwöhnte Schriftsteller sonnigen Gemüts, sondern eher von Menschen erschaffen werden kann, denen seelische, materielle oder körperliche Nöte widerfahren sind. Dostojewski hatte in allen drei Bereichen viel Leid zu ertragen: Schon mit 28 Jahren sollte er wegen seines publizistischen Engagements für eine gerechtere Welt hingerichtet werden, hatte den Sack schon über den Kopf gestülpt und wurde im letzten Moment begnadigt. Vier Jahre verbrachte er dann in sibirischer Verbannung bei unmenschlicher Zwangsarbeit. Er verlor viel zu früh viele geliebte Menschen: seine Eltern, seinen Lieblingsbruder Michail, seine wenige Wochen alte Tochter Sonja und seinen dreijährigen Sohn Aljoscha. Er selbst litt unter Depressionen und einer schweren Epilepsie. Trotz seines literarischen Erfolges schon zu Lebzeiten wurde seine Gutmütigkeit von profitgierigen Verlegern ausgenutzt, so dass ihn die Armut schließlich in die Spielsucht trieb.
      Die von mir oben zitierte Stelle aus den “Brüder(n) Karamasow,” stammt von Iwan, einem der drei Protagonisten und Brüder, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Dmitri, der älteste frönt einem ausschweifenden, hemmungslosen Lebensstil. Iwan, der Mittlere, ist angesichts des Leids der Welt vom Christentum enttäuscht, hält den Menschen für seinen eigenen Gott und ihn also in seinem Denken und Tun ausschließlich für moralisch selbst verantwortlich. Für Aljoscha, den Jüngsten – einen Novizen – sind Werte wie Mitleid für jedermann, Verzeihen und Vergeben jedweder Schuld unantastbar.
      Dostojewski sympathisiert und identifiziert sich wohl zweifellos mit Letzterem.
      Jahrelang war dies auch meine Maxime. Dann wird man älter, gewinnt an nicht immer guten Lebenserfahrungen, erfährt schlimme Dinge wie aktuell z.B. die hier gegenständlichen rassistischen Morde, beschäftigt sich gelegentlich der Suche nach Erklärungen für solche zivilisatorisch rückwärtsgewandten Ereignisse wieder vertiefter mit der Geschichte, erkennt – auch von Berufs wegen- , dass es Menschen gibt, die das Böse in sich tragen, die auch durch noch so gut gemeinte Bemühungen ded Rechtsstaates nicht resozialisierbar sind, die nie (und diese These habe ich lange mit aller Kraft zu widerlegen versucht) sozialisierbar waren.
      Und dann fragt man sich (wie oben zitiert) mit Iwan:
      Kann man wirklich ausnahmslos jedes Unrecht, und sei es noch so laut gen Himmel schreiend, vergeben und verzeihen? Kann man zum Beispiel den Tätern eines an Grauen nicht zu überbietenden industriellen Massenmordes, den Tätern des Holocaust verzeihen? Ich glaube – wie Iwan – , dass eine solche Harmonie ein teuer zu Lasten der Menschlichkeit erkaufter und damit fauler Kompromiss wäre. Man kann derart schlimmes Unrecht ungerächt lassen, die absoluten Straftheorien i.S.d. AT (“Auge um Auge, Zahn um Zahn” etc.) sind mit Recht überwunden. Aber man darf es m.E. nicht verzeihen und vergeben, weil man dann Gefahr läuft, zu vergessen und sich so Geschichte in ähnlicher Form wiederholen kann.

    • Von BLM steht im Handelsblatt-Artikel von 2017 nichts, @Peter Müller – das haben Sie wie üblich antisemitisch und rassistisch “hinzugeraunt”… Denn die Unterstützung liberaler und demokratischer Kräfte – etwa durch seine Stiftung – ist weder illegitim noch verschwörerisch, sondern schlichtweg richtig.

Schreibe einen Kommentar