Bestätigt oder widerlegt Game of Thrones die Mythentheorie von der Heldenreise?

Es sind noch zwei Wochen bis zum Erscheinen meines neuen Buches “Islam in der Krise” bei Patmos und die Vorbestellungen beim Verlag und Buchhandel laufen bereits an. Doch wenn ich es irgendwie einrichten kann, vergesse ich selbst dieses Dienstagabends – denn dann ist wieder Zeit für die je neue Folge der 7. Staffel von “Game of Thrones”!

Dienstagabend Zeit für das Spiel der Throne. Foto: Michael Blume

Bei allem Genuss schaue ich die Serie natürlich auch immer wieder mit den Augen eines Religionswissenschaftlers (die Mythen! die Religionen!). Entsprechend interessiert las ich in der Stuttgarter Zeitung, dass der Kulturwissenschaftler Jan Söffner von der Zeppelin-Universität Friedrichshafen durch “GoT” die Heldenreise-Mythentheorie von Joseph Campbell als widerlegt ansah:

Herkömmliche Hollywood-Fantasy folge meist der Mythentheorie von Joseph Campbell, erklärte Söffner. Heißt: Junger Held lebt in der Realität; er erhört den Ruf aus einer höheren, anderen Realität; er tritt dort ein; er hat einen Mentor, der meist stirbt; und er lebt am Ende in beiden Realitäten. Für „Star Wars“ sei das prägend gewesen, für „Harry Potter“ oder „Matrix“ ebenfalls. Durch „GoT“ könne man diesen Standard-Mythos eigentlich nicht mehr so richtig ernst nehmen. „Eventuell geht da eine Epoche zu Ende.“

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Hier eine Vorstellung des Heldenreise-Monomythos durch den Filmvlogger Robert Hofmann:

Mich verblüffte diese Aussage Söffners, da ich es eigentlich bisher genau andersherum wahrgenommen hatte: In meiner Wahrnehmung hatte GoT-Schöpfer G.R.R. Martin genau umgekehrt extensiv mit dem Monomythos gespielt – er setzt eine Vielzahl von packenden Charakteren auf ihre ganz eigenen, einander kreuzenden Heldenreisen und lässt uns Lesende oder Zuschauende dabei stets im Unklaren, welche Reise durch einen plötzlichen Tod (vorzeitig) enden wird. So stimme ich beispielsweise Richard E. Preston in der Beobachtung zu, dass Jon Schnee bis in Details hinein dem klassischen Heldencharacter entspricht. Aber auch beispielsweise den frühen Ned (RIP) sowie Bran, Arya und Sansa Stark, Tyrion Lannister und Daenerys Tagaryen nehme ich als vielschichtige Heldinnen und Helden je auf ihrer Reise wahr. Mir scheint, dass G.R.R. Martin meisterhaft variabel mit dem Monomythos spielt – und ihm gerade dadurch doch verpflichtet bleibt.

Doch selbstverständlich kann ich mich dabei täuschen; möglicherweise steuern meine Erwartungen wiederum meine Wahrnehmungen. Und es geht dabei nicht nur um eine Geschmacksfrage, schließlich argumentierte Joseph Campbell bereits evolutionspsychologisch: Der Mensch sei von seiner Neurobiologie her auf die Strukturen des Monomythos vorgeprägt. Daher werfe ich die Frage gerne in die Blog- und Vlogsphäre: Was meint Ihr – spielt GoT extensiv mit dem Heldenreise-Monomythos; oder widerlegt die Serie diesen?

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ich würde da die Serie und die Bücher ein wenig abkoppeln.

    Während ich bei den Büchern noch die Chance sehe, dass sie vom klassischen Heldenreise-Schema abweichen, ist die Serie inzwischen komplett von “was ergibt Sinn” zu “was sieht cool aus” gewechselt.

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