Aus dem digital befeuerten Verschwörungsglauben ausgestiegen – Web-Interview mit Stephanie Wittschier

Dass sich durch digitale Medienblasen auch Verschwörungsglauben verbreiten könnte, hatte ich erstmals in einer Publikation von 2011 geschrieben. In den Folgejahren arbeitete ich immer wieder dazu, diskutierte auf Podien, schrieb Texte und auch ein sciebook, wirkte an Radiosendungen mit, hielt Vorträge an Akademien, bei der jüdischen Gemeinde in Stuttgart und bei demokratischen Parteien. Und als Christian Meier von der FAZ letzte Woche mein neuestes Buch “Islam in der Krise” (Patmos) rezensierte, schloss auch er mit einem Fokus auf das Kapitel über den Verschwörungsglauben:

Oft gelingt es ihm [Blume] jedoch, aufschlussreiche Ansätze zu finden, um die geistige Krise der islamischen Welt zu belegen und zu deuten. So sieht er im verbreiteten Glauben an eine antiislamische Weltverschwörung auch eine Krise des Monotheismus – nicht mehr der Glaube an das absolut Gute stehe im Mittelpunkt des Denkens, sondern der Glaube „an ein weltbeherrschendes Böses, gegen das zu kämpfen ist“.

Für Blume belegt das letztlich das Versagen der islamischen Theologie. Dies zeige sich nicht zuletzt darin, dass die maßgeblichen Verschwörungsmythen, die die islamische Welt heute prägen, seit dem neunzehnten Jahrhundert unkritisch aus der westlichen Welt übernommen worden seien. Ironischerweise werden westliche Bildungsangebote auf anderen Feldern zugleich abgelehnt – auch sie seien, so heißt es, Teil der Verschwörung gegen den Islam.

Auch die vorliegenden Daten sahen – und sehen – gar nicht gut aus, so dass ich mir durchaus Sorgen machte, wie tief das Phänomen noch in die Mitte unserer Gesellschaft vordringen würde. Schließlich hatten nach der Einführung des Buchdrucks ab dem 15. Jahrhundert auch Wellen von Hexenwahn und Antisemitismus Europa erschüttert und Zehntausende unschuldiger Leben gefordert.

Credit: Michael Blume, Daten aus: “Die enthemmte Mitte”, Universität Leipzig 2016

Trotz allem sehe ich jedoch auch hoffnungsvolle Anzeichen: So gibt es inzwischen eine sehr breite und interdisziplinäre Forschung und Debatte zum Thema, auch wenden sich immer mehr Menschen ehrenamtlich als “digitale Aufklärer” (Debunker) gegen spezifische Verschwörungsmythen wie z.B. Chemtrails. Und sehr interessant, geradezu fesselnd fand ich den (gemeinsam mit ihrem Ehemann selbstproduzierten) “Aussteigerbericht” der Ex-Verschwörungsgläubigen bzw. Ex-Verschwörungsideologin Stephanie Wittschier.

Selbstgefertigt und lebensecht getextet. Der “Aussteigerbericht” von Stephanie Wittschier. Foto: Michael Blume

Stephanie und Kai Wittschier engagieren sich inzwischen auch mit der Webpage “Die lockere Schraube”auch auf Facebook – gegen Verschwörungsideologien. Gerne habe ich Stephanie für ein Web-Interview auf “Natur des Glaubens” angefragt.

Stephanie Wittschier. Foto: Privat

Liebe Stephanie, gerade lese ich fasziniert in Deinem sehr persönlichen Buch. Magst Du Dich den Leserinnen und Lesern von “Natur des Glaubens” kurz vorstellen?

Sehr gerne. Hallo liebe Leserinnen und Leser mein Name ist Stephanie Wittschier, ich bin 36 Jahre alt, komme aus Werther Westfalen und bin eine Ex-Verschwörungsideologin welche insgesamt leider 3 lange Jahre tief in der Verschwörungsszene gefangen war und den ganzen Blödsinn und leider auch die vielen gefährlichen Ideologien darin geglaubt und mit verbreitet hat.

Spielte oder spielt Religion in Deinem Leben eine Rolle?

Nein, Religion spielte in meinem Leben nie wirklich eine Rolle. Früher in der Schule war es halt ein Pflichtfach zu dem man hin musste aber gerne war ich dort nie. In meiner Zeit als Verschwörungsideologin trat das Thema kurz noch einmal intensiver auf, in Zusammenhang mit dem UFO/Alien-Glauben, die Stelle in der Bibel mit Hesekiel, er soll ja laut UFO/Alien-Gläubigen von Außerirdischen mitgenommen worden sein, etc… und dann noch die Offenbarung, die laut Verschwörungsideologen auch geheime Botschaften enthalten soll, aber das war es dann auch schon, mehr hatte ich mit dem Thema Religion nicht zu tun.

In Deinem Buch beschreibst Du, dass Dich ein einzelnes Ereignis – ein “Truther”-Film über den 11. September – in die Verschwörungsszene gestürzt hat. Wie denkst Du heute daran zurück?

Das war wohl mit einer der schlimmsten Tage in meinem Leben, denn er brachte mich in eine Wahnwelt aus Märchen, Lügen und extremen Gefahren! Einer Wahnwelt die einem das eigene Leben aber auch das Leben von Freunden und Verwandten oder auch von völlig fremden Menschen zur Hölle machen und zerstören kann. Einer Wahnwelt aus der man nur sehr, sehr schwer wieder herausfindet. Manche Verschwörungsideologen schaffen es sogar gar nicht mehr dort heraus und für viele endet es sogar tödlich (Selbstmord oder auch Selbstverstümmelungen bis hin zum Tod sind dort in der Szene leider keine Seltenheit)! Deshalb bin ich auch wirklich sehr glücklich darüber, dass ich es noch lebend aus dieser gefährlichen Szene geschafft habe. Hätte ich meinen Mann damals nämlich nicht an meiner Seite gehabt, dann hätte das bei mir auch im Selbstmord geendet, ich stand nämlich auch schon kurz davor.

Was hat Dir die Zeit – wir sprechen ja von Hunderten Stunden – in der digitalen Verschwörungsszene gegeben?

Es war spannend. Mir wurden dort so viele Geheimnisse präsentiert die angeblich vor der gesamten Welt verborgen gehalten werden, das war einfach unglaublich aufregend und ich habe mich toll dabei gefühlt dadurch dass ich dies nun auch alles wusste jetzt auch eine von den “Wissenden” zu sein und gemeinsam mit allen anderen nun die gesamte Welt aufklären und vor allem Bösen retten zu können. Die Szene gibt einen das Gefühl endlich jemand Besonderes zu sein und lässt einem glauben, dass man Gutes tun würde, doch leider ist das genaue Gegenteil der Fall.

Du schilderst aber auch die Schattenseiten der Zeit in der Verschwörungsszene: Mißtrauen und Ängste verstärken sich, Verschwörungsgläubige werden finanziell ausgenommen und rechtsextrem manipuliert, manche entwickeln oder verstärken Wahnvorstellungen. Hast Du Verschwörungsseiten als psychologische Fallen erlebt?

Auf jeden Fall! Die gesamte Verschwörungsszene ist eine psychologische Falle! Je länger man sich darin aufhält umso schlimmer wird es ja. Es hätte bei mir auch nicht mehr viel gefehlt, bis ich in der Psychiatrie gelandet wäre, da bin ich mir sicher.

Die psychologische Faszination des Verschwörungsglaubens wird inzwischen ja auch von Künstlern wie Xavier Naidoo und Lisa Fitz geteilt und bedient. Hat das nach Deiner Einschätzung Auswirkungen auf die Szene der Verschwörungsgläubigen?

Ja, ich denke schon. Menschen wie Naidoo haben einen großen Bekanntheitsgrad. Dadurch rücken solche Verschwörungsideologien natürlich auch in den Fokus der Öffentlichkeit. Ich denke, dass Verschwörungsideologen dadurch hoffen, dass ihre Ideologien durch solche Leute bekannter werden und deswegen werden diese “Stars” in der Verschwörungsszene auch so gehyped.

Wenn ich es richtig verstanden habe, waren für den Ausstieg aus dem Verschwörungsglauben zwei Faktoren wichtig: Einmal der hartnäckige Widerspruch im Netz, zum anderen der Widerstand Deines Ehemannes und einer Freundin. Was würdest Du im Rückblick als den stärkeren Faktor beim Ausstieg bewerten?

Richtig. Es gab mehrere Faktoren, die mich letzendlich dazu gebracht haben endlich einmal das Denken wieder anzufangen und auch einmal alles zu hinterfragen, was einem da in der Verschwörungsszene aufgetischt wurde. Zwei starke Faktoren waren dabei zum Ersten: der Ausstieg meiner besten Verschwörungsfreundin damals aus der Szene und Zweitens: Als ich zum ersten mal in einer Chemtrailgruppe den Aufruf las, dass man die Flugzeuge doch per Laserpointer vom Himmel holen sollte und sich alle auch noch Tipps gaben, wie man das am besten macht und wo man die stärksten Laserpointer im Netz herbekommen kann. Das ging damals für mich wirklich zu weit, damit wollte ich nichts zu tun haben! Kurz nach diesem Laserpiont-Aufruf postete ein anderer User einen Vorschlag zu einem Wetterballon-Projekt, um Proben aus den Streifen am Himmel zu nehmen um überhaupt mal Klarheit darüber zu haben, ob da wirklich Gift versprüht wird, wie die Chemtrailgläubigen immer behaupten und fragte, wer von den Usern sich mit beteiligen würde. Ich war damals auch für das Projekt und habe mich dafür eingesetzt. Es dauerte gar nicht lange, bis wir User die für das Projekt waren von der restlichen Gruppe hart angegangen wurden, Beleidigungen über Beleidigungen gegen uns fielen, der Post mit dem Projekt gelöscht wurde und wir nacheinander aus der Gruppe geschmissen wurden. Das war dann der dritte große Bruch mit mir und vor allem der Chemtrailszene. Die drei großen Faktoren würde ich jetzt mal als die stärksten benennen für meinen Ausstieg aus der Verschwörungsszene.

In Deinem Buch schilderst Du, einen Hauptschulabschluss erworben zu haben. Gleichzeitig ist aber erkennbar, dass Du Dir durch Dein jahrelanges Internet-Engagement sehr viel Sachwissen aus verschiedensten Bereichen angeeignet hast. Würdest Du das Internet eher als eine lebenslange Bildungschance oder als einen gefährlichen, manipulativen Ort schildern?

Beides. Es kommt in erster Linie ja darauf an auf welchen Seiten man sich bewegt und wie leichtgläubig man ist. Gibt man Wörter in Suchmaschinen ein die hauptsächlich Verschwörungsideologien betreffen, dann landet man auch leider hauptsächlich auf Schwurbelseiten von Verschwörungsideologen und ist dann schnell in einer Filterblase gefangen, dasselbe ist ja auch zum Beispiel auf Facebook der Fall. Also bei diesen ganzen Seiten von Verschwörungsideologen kann ich sagen, dass diese auf jeden Fall gefährliche und manipulative Orte sind, ich spreche da aus jahrelanger Erfahrung.

Viele Menschen fragen sich, wie man den grassierenden Verschwörungsmythen im Netz und im persönlichen Umfeld begegnen kann. Was wären aus Deinen Erfahrungen heraus die Empfehlungen für Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Staat?

Schwierig zu sagen. Hat man es im Verwandtenkreis mit Verschwörungsideologen zu tun hilft nur Ruhe und Geduld. Zu viel “dagegen reden” führt am Ende nur zum Streit oder gar zum Bruch. An Bildungseinrichtungen haben wir ja eigentlich genug, sodass der Glaube zB an Chemtrails oder die flache Erde leicht debunked werden kann. Vom Staat könnte man Organisationen errichten, die sich ausschließlich mit Verschwörungsideologien beschäftigen und so diejenigen, die an sowas glauben, auf den richtigen Weg bringen. Der Staat könnte zudem härter durchgreifen und Leute, die damit drohen, Piloten mit Laserpointern zu blenden, stärker beobachten. Leider werden die Chemtrailgläubigen/alle Verschwörungsideologen noch als ungefährlich abgestempelt und das dürfte aus meiner Sicht so nicht sein, denn die sind nicht ungefährlich! Ich finde, der Staat sollte am besten gleich die gesamte Verschwörungsszene beobachten, denn dort tummeln sich leider in jedem Bereich gefährliche Verschwörungsideologen, vor allem auch in der MMS-Szene, in welcher wir leider tägtäglich lesen müssen wie Tiere und Kinder misshandelt werden. Das darf einfach nicht weiter passieren! Wer weiß wieviele Tiere und auch Kinder schon an den gefährlichen Behandlungsmethoden durch Verschwörungsideologen sterben mussten.

Liebe Stephanie, vielen Dank für Deine Offenheit und auch Dein Engagement gegen Verschwörungsideologien.

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Insgesamt sehr nett, diese Verschwörungstheorien, nicht alle, aber fast alle, sind verwerflich.
    Hier nagt der Schreiber dieser Zeilen noch ein wenig :

    -> ‘Vom Staat könnte man Organisationen errichten, die sich ausschließlich mit Verschwörungsideologien beschäftigen und so diejenigen, die an sowas glauben, auf den richtigen Weg bringen.’

    …denn derartige Aufgabe obliegt Einzelnen, Organisationen oder Medien, die nicht zu unrecht als “Vierte Macht” beschrieben werden, wobei auch der hiesige werter Inhaltegeber aufklärerisch unterwegs zu sein scheint, aus diesseitiger Sicht.

    Der Staat darf bis muss hier gerne sparsam bleiben.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Deswegen unterscheide ich zwischen (überprüfbaren) Verschwörungstheorien und nicht mehr überprüfbaren Verschwörungsmythen. Dass die oben erwähnten Chemtrail-Gläubigen jene attackierten und ausschlossen, die die Existenz von Giftstoffen ergebnisoffen überprüfen wollten, spricht Bände…

      • @Michael Blume: “Deswegen unterscheide ich zwischen (überprüfbaren) Verschwörungstheorien und nicht mehr überprüfbaren Verschwörungsmythen”

        In welche Kategorie fallen eigentlich die Verschwörungstheorien der Qualitätspresse über Putin?

        • @Peter Müller

          Offensichtlich ist meine Unterscheidung zwischen Verschwörungstheorien und Verschwörungsmythen noch nicht bei Ihnen angekommen? Daraus ergäbe sich die Antwort…

          Mit freundlichen Grüßen!

  2. Nun die bekannteste “Verschwörungstheorie” ist ja die 9/11-VT. Sogar ein Bekannter von mir (Akademiker) ist von dieser Theorie überzeugt. Allerdings gibt bei dieser Theorie anders als bei dem Chemtrails eine definierte Verschwörergruppe (US-Regierung/CIA). Auffallend ist bei diesen Leuten (auch im Heise Forum), daß sie aggressiv werden, wenn deren Argumente anzweifelt.

    • Ja, @Rudi Knoth, das kann ich bestätigen. Denn diese Menschen verteidigen ja meist keine überprüfbaren Theorien, sondern identitätsstiftende Mythen. Entsprechend emotional reagieren sie auf Widerspruch… Vgl.
      http://www.spektrum.de/kolumne/meinung-verschwoerungsglaube-ist-ein-religioeses-problem/1418857

      Total spannend finde ich dabei übrigens auch, dass auch Vertreter des Islamisierungsmythos und vermeintlichen „Geburtendschihad“ keineswegs erleichtert auf gegenläufige Befunde (wie den massiven Rückgang der Geburtenraten von Musliminnen) reagieren – sondern eher beleidigt. Sie „wollen“ sich als Verteidiger gegen eine Superverschwörung gerieren…

  3. Bei allem Respekt lieber Herr Blume:

    Für mich und sehr viele andere unterscheiden sich die gängigen Religionen nicht von Verschwörungstheorien. Außer natürlich, dass sie viel länger existieren als der Glaube an Chemtrails und ähnliches.
    Beim “Protokoll der Weisen von Zion” sind wir uns einig, dass es sich um ein unsägliches Machwerk handelt, das sehr großen Schaden angerichtet hat.
    Was würden Sie mir aber antworten, wenn ich Ihnen sagte, dass ich zwar die kulturelle Bedeutung eines Buches wie der Bibel nicht in Frage stelle, aber viele dort aufgestellte Behauptungen sich eben nicht im Geringsten von Verschwörungstheorien unterscheiden?
    Und ich möchte Sie in keinster Weise angreifen, wirklich nicht. Dennoch kann ich, als jemand, der sich z.B. gerne immer wieder massiv in Diskussionen mit sogenannten Impfskeptikern einmischt, nicht umhin, die Parallelen der Argumentationsweise von Gläubigen jeder Art zu registrieren.
    Und dazu gehören eben auch die Christen ganz allgemein.
    Damit Sie mich wirklich nicht falsch verstehen: Glaubensfreiheit sehe auch ich als einen der wichtigsten Grundpfeiler unserer Gesellschaft.
    Dennoch ist es aus meiner Sicht an der Zeit die verschwörungstheoretischen Elemente in den gängigen Religionen klar zu benennen, und vielleicht zu erkennen, dass sie für den Glauben zentral sind. Was meinen Sie?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    • Lieber @Alisier,

      vielen Dank für Ihre Nachfrage. Und auch wenn es Sie ggf. überraschen wird: Ja, ich sehe in beiden Fällen das Wirken von Mythen. Der große Unterschied ist, dass Verschwörungsmythen auf ein absolutes Böses verweisen und entsprechend Ängste anstacheln. Religiöse Mythen weisen (ab dem Heno- und Monotheismus) auf ein absolutes Gutes, können damit lebensförderlich wirken, werfen aber wiederum die Theodizee-Frage(n) auf.

      Ihnen alles Gute!

      • @Michal Blume: “Der große Unterschied ist, dass Verschwörungsmythen auf ein absolutes Böses verweisen und entsprechend Ängste anstacheln”

        Und was ist mit dem “Teufel”, den Christen ihren Mitmenschen jahrhundertelang “ausgetrieben” haben? Was ist mit der Angst vor dem jüngsten Gericht? So absulut gut und lebensfördernd war das ja nicht gerade.

        • Oh ja, @Peter Müller & @Alisier – weil der monotheistische Glauben an ein absolut Gutes schwer das beobachtbare Böse erklären kann, ergab sich immer wieder ein Rückfall in den Dualismus (guter Gott vs. böser Teufel). Und mit Letzterem ist dann oft – vor allem in Umbruch- und Krisenzeiten – auch der Verschwörungsglauben wieder da (z.B. Hexenwahn, Antisemitismus usw.). Ohne den Glauben an eine gute Macht und Welt treten aber wiederum die Anthropodizee-Fragen und Kindermangel auf, vgl.:
          https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/

          • @Michael Blume 5. Februar 2018 @ 22:15

            Im alten Testament war Gott aber nicht ein guter sondern ein strafender Gott, der ganze Völker vernichtete. Ist das alte Testament dann eine Verschwörungstheorie?

          • @Peter Müller

            1. Bis es angekommen ist: Bei Religionen geht es um Mythen, nicht um Theorien. 🙂

            2. Nein, denn dem streng strafenden Gott wird dennoch ein Gutsein – vergleichbar einem strengen Vater – zugeschrieben. Freilich wird sehr gut deutlich, wie sich das Verständnis von „Gutsein“ schon innerhalb der hebräischen Bibel wandelt und entwickelt.

  4. Danke für Ihre Antwort lieber Herr Blume!
    Nein, es überrascht mich nicht, aber dass religiöse Mythen im Monotheismus auf ein absolutes Gutes weisen sehe ich anders. Dies ist aber wahrscheinlich nicht der Ort, das zu diskutieren.
    Die religionsaffinen Menschen, die auf das absolute Gute hinweisen sind mir aber dennoch hundert Mal sympathischer (mindestens!) als die überall Böses Vermutenden.
    Und dass monotheistische Religionen, und zwar alle, massiv mit Ängsten, ob direkt oder indirekt, arbeiten halte ich zudem für ausreichend belegt. Ein wesentlicher Grund für mich, sie abzulehnen.
    Ich teile hier im Wesentlichen die Positionen Kurt Flaschs.

  5. Na ja, lieber Herr Blume, vielleicht könnten Sie Stephanie Wittschier, die ich übrigens für ihren Ausstieg aus der Verschwörungstheorie-Szene ganz herzlich gratuliere, gerne einladen, hier bei SciLogs fachliche und sachliche Argumente über die Kritik der Relativitätstheorie mit mir auszutauschen.

    Sie hat mich nämlich für die „Goldene, lockere Schrauben 2016” nominiert, in der Kategorie Schwurbler der Verschwörungsszene allgemein wegen meinen „Schwurbeleien über die Relativitätstheorie“.

    Ich habe gar kein Problem, fachliche und sachliche Argumente über die Kritik der Relativitätstheorie auszutauschen, darüber kann sich Stephanie Wittschier selbst überzeugen, zum Beispiel im unzensierten und aktuell laufenden Blog von Gunter Dueck Ist Ihre Kritik legitim? Sonst entsteht Gegenzorn! Mal sehen, wem Stephanie Wittschier zum Schluß die „Goldene, lockere Schauben“ verleiht, meinen Kontrahenten oder mir. 😉

    • Liebe Frau Lopez,

      ja, es gibt auf den scilogs tolle und verständige Leute, mit denen man sich fachlich und sachlich über Physik austauschen kann.

      Leider gibt es im Kommentarbereich aber auch Cranks, die zum Thema schwurbeln und raunen und die man am Besten ignoriert: „Don’t feed the Trolls“…

      Ihnen alles Gute, vielleicht gelingt Ihnen ja auch einmal der Ausstieg aus dem Verschwörungsglauben! (Und, nein, ich werde dazu hier mit Ihnen nicht weiter debattieren, weil – s. oben)

      Herzliche Grüße!

  6. Mein Dank gilt Zeus, daß er Ihnen die richtige Antwort an J.L. eingegeben hat !!
    Schade, daß selbiger Zeus versagt hat, als sie Naidoo und Fitz doch tatsächlich als Künstler bezeichnet haben…

    • Lieben Dank, @Andreas! Und bitte keine Sorge: „Künstler“ verwende ich ebenso wertneutral wie „Prediger“ oder „Politiker“. Es kommt immer darauf an, was aus der Tätigkeit gemacht wird…

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