Antimasonismus – Neuer Zustrom zu digitalen Illuminati-Verschwörungsmythen nach den Epstein-Trump-Files

Schon Jahre bevor ich beruflich gegen den Antisemitismus beauftragt wurde, warnte ich auch auf Spektrum.de vor den Gefahren auch antimasonischen Verschwörungsglaubens gegen Freimaurer, Rosenkreuzer, Illuminaten und Bilderberger, die regelmäßig als Handlanger angeblicher, jüdischer Superverschwörer wie George Soros dargestellt wurden und werden.
Eine Illuminaten-Verschwörungspyramide von 2018, inklusive Rothschilds, Freimaurer, Vatikan, “Religious leaders & politicians” sowie “Entertainers & influential people”, aber auch der Polizei & Steuerbehörden. Screenshot: Michael Blume
Der Begriff Antimasonismus leitet sich aus dem Englischen Freemason = Freimaurer & Mason = Maurer ab. Er bezeichnet den Glauben an Weltverschwörungen durch Freimaurer, Illuminaten, Satanisten und weitere vermeintliche Geheimbünde wie Bilderberger und Rosenkreuzer.
Und nachdem die “Prophezeiungen” der QAnon-Verschwörungssekte weithin gescheitert sind und sich der fossile Thymokrat Donald Trump nun selbst immer wütender gegen weitere Veröffentlichungen von Epstein-Akten wehrt, erlebe ich leider wieder eine deutliche Zunahme auch von antimasonischen Verschwörungsmythen.
Selbst zu meinem Blogpost & einem Video zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer gingen heuer wieder wirre Texte bei mir ein, in denen es in der üblich überhasteten Rechtschreibung (Hass und Hetze(!)) zwischen antimasonischen, antisemitischen und antidemokratischen Verschwörungsmythen u.a. heißt:
“Ich glaube Du hast es nicht verstanden. Freimaurer Illuminati und Satanisten gibt es wirklich.. Wann wurden eigentlich die Gaskammern in Auschwitz gebaut? Wie hoch war der Giftgasgehalt in den Wänden? Wurden damals lgtpq artige Bücher verbrannt? Wie sieht es aus? David irving Michael Grandt Silberjunge Thorsten Schulte Patton: we defeated the wrong enemy Btselem Democracy now Owen Jones Candace Owens Nachdenkseiten actuarium Bilderberger Merz klingbeil Hofreiter Freimaurer Scholz Steinmeier WEF Neubauer Baerbock”
Um gerade auch Menschen im Internet zu erreichen, klärte ich nicht nur mit klassischen Büchern (rechts), sondern auch mit eBooks (Mitte) und sogar mit CDs (links) gegen antisemitische & antimasonische Verschwörungsmythen auf, derzeit auch verstärkt auf YouTube. Foto: Michael Blume, 2019
Um wissenschaftlich valide Aufklärung anzubieten, biete ich inzwischen fast alle meine sciebooks als kostenlose pdf-Dokumente, aber auch verstärkt Podcast-Folgen, Schaubilder und Videos gegen Verschwörungsmythen an. Denn wir müssen uns leider klar machen: die Menschen, die heute noch Bücher und wissenschaftlich informierende Texte lesen, sind meist gar nicht mehr das Problem. Der Verschwörungsglauben grassiert vielmehr am heftigsten unter denjenigen, die sich in digitalen Blasen und zunehmend auch KI-Kokons verloren haben.
2022 warnte ich in einem Interview mit der “Jüdischen Allgemeinen”: “Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab.” Für mein entsprechendes Plädoyer für seriösen Journalismus bei der Konrad-Adenauer-Stiftung bekomme ich gerade wieder viel Antimasonismus & Antisemitismus ab. Schaubild zur KAS-Festrede 2021: Michael Blume mit NotebookLM
Auch deswegen plädierte ich auch im Hinblick auf eine kritische Folge von “Sinans Woche” dafür, den Kampf gegen Hass und Hetze auch als Schutz der vielen zu begreifen, die sich auch heute noch digital radikalisieren. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie HateAid leisten einen unverzichtbaren Dienst zur Rechts- und Medienbildung und also auch zum Schutz künftiger Generationen! Wir brauchen einerseits ein starkes, zunehmend europäisches Rechts- und Justizsystem und zum anderen auch weiterhin viel Engagement und, ja, auch Geduld in der Aufklärung von Verschwörungsmythen. Denn noch immer beherrschen algorithmische, teilweise toxische Konzernplattformen die digitale Aufmerksamkeitsökonomie.



@Hauptartikel
„Er bezeichnet den Glauben an Weltverschwörungen durch Freimaurer, Illuminaten, Satanisten und weitere vermeintliche Geheimbünde wie Bilderberger und Rosenkreuzer.“
So richtig ziehen tun solche Mythen vermutlich, wenn man den entsprechenden Akteuren noch magische Kräfte zugesteht. Erst das macht die Verschwörungen wirklich plausibel. Und so haben wir Menschen es dann eben auch mit destruktiven Geisteswelten zu tun.
Eine reine Verschwörung ganz ohne jede Magie dürfte nur sehr schlecht funktionieren. Und sich wohl auch selber zerstreiten, und nur kurz- und mittelfristig hier und da wirklich Einfluss nehmen können.
Wenn es also z.B. nur um Wege geht, den eigenen Reichtum lokal zu vermehren.
Vernünftige Religiosität wäre entsprechend das wirksamste Mittel gegen solche Verschwörungsmythen. Wenn die Geisteswelten was Gutes und nichts Böses sind, dann funktioniert die negative Magie der Verschwörer auch nicht hinreichend?
Die Verschwörungen, die dann übrig bleiben, sind weniger mächtig, nicht einheitlich und öfter sogar real. Und brauchen eigentlich keine Geheimbünde. Nur Ziele und den Einfluss, sie wirklich umzusetzen.
Solarpunk und Cyberpunk in etwa, die einen wollen das eine, die anderen befürchten das andere, bzw. profitieren da kurzfristig von.
Ja, @Tobias – so ist es und sogar noch einen Schritt mehr.
Du schriebst:
“So richtig ziehen tun solche Mythen vermutlich, wenn man den entsprechenden Akteuren noch magische Kräfte zugesteht. Erst das macht die Verschwörungen wirklich plausibel. Und so haben wir Menschen es dann eben auch mit destruktiven Geisteswelten zu tun.”
Genau das ist der Unterschied zwischen realen Verschwörern wie z.B. Drogenkartellen oder Terrorgruppen, die eben auch Fehler begehen und sich zerstreiten und den geglaubten Superverschwörern, die angeblich über Jahrhunderte hinweg alles sehen, kontrollieren und nie zerfallen – was eine menschliche Unmöglichkeit ist.
Darüber hinaus schreiben Verschwörungsgläubige aber nicht nur den angeblichen Superverschwörern magische Fähigkeiten zu, sondern auch sich selbst: Sie nehmen für sich in Anspruch, fantastische Zusammenhänge zu erkennen, die von weniger Begabten nicht gesehen bzw. von den finsteren Mächten unterdrückt würden. So entsteht die Vorstellung eines magischen, ja kosmischen Dualismus aus guten und bösen Mächten, der nur von wenigen Auserwählten durchschaut werde. Daher die ständige Kombination aus jammervoller Opferrolle und grotesker Selbstüberhöhung im auch antimasonischen Verschwörungsglauben.
Von Freimaurern, Rosenkreuzern und Illuminaten habe ich schon gehört und gelesen. Die Bilderberger waren mir bisher unbekannt.
Johann Valentin Andreae, geboren im württembergischen Herrenberg schuf die schriftlichen Grundlagen der Rosenkreuzer. Das liegt allerdings schon einige hundert Jahre zurück.
Die Illuminaten, die sich historisch im 18. Jahrhundert finden lassen, dienten in Romanen und Spielfilmen am ausgehenden 20. Jahrhundert der spannenden Unterhaltung.
Beide Gruppen sind im Südwesten bzw. Süden Deutschlands entstanden.
Auf die Freimaurer stieß ich im Zusammenhang mit der Musik, vor allem am Beispiel von Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Oper “Die Zauberflöte”.
Mittlerweile weiß ich auch, was hinter dem Begriff der Bilderberger steht.
Überschneidungen bei Freimaurern und den Bilderbergern sind recht einfach zu erklären. Bei beiden sind es Männer mit Macht und Geld.
Wie man daraus einen solchen Giftcocktail (Verschwörungsmythos) mixen kann, ist mir unverständlich.
Aufgefallen ist mir aber, dass diese Verschwörungsmythen eine perfekte Ablenkung von den sog. “Denkfabriken” sind, die häufig in Hintergrund tatsächlich einen enormen Einfluss auf die Politik und die Politiker ihrer Länder haben.
Vielen Dank, liebe @Marie H. – sowohl für Ihre zutreffenden Beschreibungen wie auch für Ihre Nachfragen.
“Wie man daraus einen solchen Giftcocktail (Verschwörungsmythos) mixen kann, ist mir unverständlich.”
Erfolgreiche Verschwörungsmythen bieten stets genügend Anknüpfungspunkte, um glaubwürdig zu klingen und “spannende Unterhaltung” im Sinne der Komplexitätsreduktion durch dualistische Spannung: Plötzlich erscheint die überwältigend komplexe Welt wieder als verständlich, weil hinter allen Krisen, Umbrüchen, Verlusten, Pandemien die gleiche, geheimnisvolle Verschwörungsmacht vermutet werden darf. Aus kritisch überprüfbaren Theorien werden sich immer wieder dualistisch selbst bestätigende Mythen. Und wenn wieder eine Verschwörungsprophezeiung nicht eintritt – etwa Geimpfte nicht in Überzahl sterben oder Donald Trump keine Kinder aus Adrenochrom-Verliesen befreit – dann wird einfach mit weiteren Verschwörungsmythen “nachgesteuert”.
“Aufgefallen ist mir aber, dass diese Verschwörungsmythen eine perfekte Ablenkung von den sog. “Denkfabriken” sind, die häufig in Hintergrund tatsächlich einen enormen Einfluss auf die Politik und die Politiker ihrer Länder haben.”
Nun ja, so “im Hintergrund” erfahre ich das gar nicht. Schon nach dem Terroranschlag des 11. September 2001 wurden vor allem ärmere Muslime verantwortlich gemacht, wogegen sich die reichen Saudis schnell aus ihrer Verantwortung kaufen konnten. Und wenn heute Donald Trump den saudischen Kronprinzen im Weißen Haus empfängt und in den höchsten Tönen lobt, dann wundert dies doch niemanden mehr. Ich nenne dies in Texten, Reden und auch Videos die Strategie der “fossilen Entsolidarisierung”, in der ärmere Menschen gegeneinander gehetzt werden, während die fossilen Eliten ihren Reichtum und Zusammenhalt ganz ungeniert zelebrieren. Verschwörungsmythen werden v.a. durch Rechtsmimesis gezielt verbreitet und geschürt, um Dialog und demokratischen Zusammenhalt zu unterbinden. Beobachte ich, seit Jahren.
@ Jeckenburhe
Magie ist Wirkung und setzt Verursachung voraus
Es ist eher die Immagination, die Vorstellungskraft bedingt.
Wenn der Zugang zu Informationen fehlt – hat die Phantasie viel Raum, insbesondere, wenn es um Initiationserfahrungen geht, also grundlegende Persönlichkeitsbildung.
Mich wundert nicht, dass Menschen dann dort Netzwerke vermuten, in die sie alles mögliche projizieren insbesondere, wenn manche der Bräuche / Riten nicht direkt zugänglich ist.
Das hat es ja im Christentum in den ersten Jahrhunderten auch gegeben.
Vermutlich gibt es eine systemische Spannung zwischen einer sinnvollen Transparenz, die solchen Mythen das Wasser abgraben würde, und dem geschützten Raum, den gewisse Schritte der Persönlichkeitsbildung brauchen.
Darf man, wenn Transparenz fehlt, sich über manche Phantasie aufregen?
Gerade Menschen, die sich auf einer Verliererseite wähnen, sind da versuchbar.
Und wie schon im Post vor diesem erwähnt, gibt es ja schon Netzwerke in unserer Welt, die versuchen, füreinander (auch auf Kosten von anderen) etwas zu erreichen.
Vielen Dank, @HG Unckell – diesen starken, dialogischen Druko möchte ich gerne aufgreifen.
“Wenn der Zugang zu Informationen fehlt – hat die Phantasie viel Raum, insbesondere, wenn es um Initiationserfahrungen geht, also grundlegende Persönlichkeitsbildung.”
Ja, wer sich etwa nie vertieft mit Physik oder Soziologie befasst hat, mag dies als kränkend erfahren – und schließlich in den Habitus verfallen, sich lieber auf Komplexität reduzierende Verschwörungsmythen gegen erneuerbare Energien oder über “Die da oben” zu stützen. Die eigenen Grenzen des Wissens einerseits immer wieder zu erweitern und andererseits aber doch stets als begrenzt anzuerkennen – das bleibt, so scheint mir, eine Lebensaufgabe.
“Mich wundert nicht, dass Menschen dann dort Netzwerke vermuten, in die sie alles mögliche projizieren insbesondere, wenn manche der Bräuche / Riten nicht direkt zugänglich ist. Das hat es ja im Christentum in den ersten Jahrhunderten auch gegeben.”
Das stimmt und scheint mir auch ein gutes Bild: Wenn eine Gruppe von Menschen – ob wissenschaftlich, religiös, künstlerisch, politisch, medial – mimetisch verfestigte Gewohnheiten plötzlich herausfordert, dann verunsichert das und muss erklärt werden. Und eine “leichte” Möglichkeit besteht leider darin, sie mit Verschwörungsmythen zu überziehen und dualistisch auszugrenzen, zu vertreiben, ja gar zu verfolgen.
“Vermutlich gibt es eine systemische Spannung zwischen einer sinnvollen Transparenz, die solchen Mythen das Wasser abgraben würde, und dem geschützten Raum, den gewisse Schritte der Persönlichkeitsbildung brauchen.”
Diese Erfahrung mache ich gerade mit der KI-Übersetzung älterer Texte, Reden, Bücher von mir in KI-Videos. Einerseits erreiche ich so über YouTube Menschen, die noch nie auf dem Wissenschaftsblog waren. Andererseits ist der Anteil der autoritären Persönlichkeiten und Verschwörungsgläubigen dort noch einmal deutlich erhöht!
Hier zum Thema dieses Blogposts:
https://youtu.be/qsfHXc-leXk
“Darf man, wenn Transparenz fehlt, sich über manche Phantasie aufregen?”
Ich denke schon, dass mehr Transparenz helfen kann. Gleichwohl sollten wir nicht in ein rationalistisches Menschenbild zurückfallen: Praktisch alle physikalischen Themen lassen sich in einer Vielzahl von Darstellungen transparent nachvollziehen und nachlesen. Dennoch – und wohl auch deswegen! – gibt es eine erhebliche Anzahl von Menschen, die die Physik für verschwörerisch halten und ihre eigenen “Physiken” dagegen werfen wollen. Transparenz erscheint mir daher wichtig zu sein, aber kein Allheilmittel. Wer zur Komplexitätsreduktion durch Verschwörungsmythen greift, erlebt sich doch oft durch “zuviel” Informationen überfordert!
“Gerade Menschen, die sich auf einer Verliererseite wähnen, sind da versuchbar.
Und wie schon im Post vor diesem erwähnt, gibt es ja schon Netzwerke in unserer Welt, die versuchen, füreinander (auch auf Kosten von anderen) etwas zu erreichen.”
Ja, das stimmt ja etwa für Drogenkartelle, Verbrecherbanden und auch korrupte Netzwerke in Politik, Wirtschaft und Medien. Und ich hatte ja im Dialog mit Marie H. auf das Beispiel von Saudi-Arabien und den USA hingewiesen, deren Regierungen einerseits untereinander Einigkeit demonstrieren, aber andererseits auch ärmere Menschen gegeneinander hetzen.
Da ich diese fossile Entsolidarisierung hier gerade schon einmal dargelegt hatte, hier auch einmal durch Felo.ai:
Dr. Michael Blume beschreibt die „fossile Entsolidarisierung“ als eine gezielte Strategie, die von sogenannten Fossilisten verfolgt wird, um Gesellschaften zu spalten und Demokratien zu destabilisieren. Diese Strategie basiert auf der Förderung fossiler Energien und der damit verbundenen Strukturen, die kurzfristige Profite für Eliten sichern, jedoch langfristig soziale und ökologische Schäden verursachen. Fossilisten nutzen dabei dualistisches Denken, Polarisierung und Lobbyismus, um demokratische Prozesse zu untergraben und die Energiewende zu verzögern.
Blume kritisiert, dass diese fossile Entsolidarisierung nicht nur die Mitwelt zerstört, sondern auch gesellschaftliche Solidarität schwächt, indem sie Ungleichheiten verstärkt und soziale Gruppen gegeneinander ausspielt. Er sieht darin eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und plädiert für eine „energiedemokratische“ Zukunft, die auf erneuerbaren Energien basiert und Solidarität fördert. Blume verbindet diese Kritik mit einem Aufruf zu persönlicher Verantwortung und gesellschaftlichem Wandel, um eine post-fossile Welt zu schaffen.
[1] https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2025/10-2025/medien-und-mimesis-journalismus-in-zeiten-digitaler-aufmerksamkeitsoekonomie/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Fossilisation
[3] https://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/michael-blume-antisemitismus-ressourcenfluch-oel-gas-konflikte-interview
[4] https://sueden.social/@BlumeEvolution/115117290765347128
[5] https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solidaritaet-als-lehre-der-geschichte-zur-geschichte-der-bahai-in-deutschland/
[6] https://www.greenpeace.de/engagieren/kids/fossile-energien
[7] https://scienceblogs.de/primaklima/2014/01/23/dies-und-das-jedes-grad-mehr-kostet-8-5-gwp/
[8] https://paz.de/artikel/die-erfindung-des-fossilen-faschismus-a14898.html
Freimaurer, Rosenkreuzer, Illuminaten und Bilderberger fallen für viele, die davon hören, in eine ähnliche Kategorie wie es die Juden früher in weiten Teilen Europas taten: in die Kategorie der potenziell Mächtigen, die Entscheidungen, welche alle betreffen, im stillen Kämmerlein unter sich ausmachen. Ein Klüngel von Mächtigen also, die im Stillen agieren.
Damit sind wir fast sofort bei Unterstellungen und auch bei Verschwörungstheorien: es wird diesen Mitgliedern exklusiver Vereinigungen unterstellt sie würden sich verschwören gegen die Gesellschaft, gegen das einfache Volk.
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass sich sowohl das frühere (?) Misstrauen gegenüber den Juden, als auch das Misstrauen gegenüber Freimaurern, Rosenkreuzern, Illuminaten und Bilderbergern nicht nur auf der rechten politischen Seite findet, sondern auch auf der linken Seite. Der Grund liegt wohl darin, dass sowohl rechts wie links ein starkes Bewusstsein für Machtgefälle besteht und sowohl rechts wie links, die Meinung verbreitet ist, wir lebten nur in einer Scheindemokratie und die Mächtigen, die Eliten, machten alles untereinander aus.
Weil es um Macht und um die vermutete Steuerung unseres Lebens geht, wird es auch sofort emotional und viele, die einmal auf diese Schiene der Vermutungen und Unterstellungen aufgesprungen sind, steigern sich immer weiter hinein. Medien, die Gleichgesinnte bündeln, führen dann zur vielfachen Bestätigung der Unterstellungen und Vermutungen, weil in diesen Medien alles ausgeschmückt wird und unzählige Anekdoten in Umlauf gebracht werden. Viele werden dann allein von der Vielstimmigkeit des Chors der Leute gleichen Glaubens immer mehr davon überzeugt, dass Fleisch und Knochen hinter den Vermutungen steckt.
Dem entgegen zu arbeiten ist sehr schwierig. Vielleicht sollte man das Phänomen aber im Medienunterricht an den Schulen behandeln, damit die jungen Menschen besser damit umgehen können.
Noch eine Anekdote dazu aus der Wikipedia:
Lieben Dank, @Martin Holzherr. Ich stimme Ihnen zu und will vor allem einen Aspekt herausgreifen:
“Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass sich sowohl das frühere (?) Misstrauen gegenüber den Juden, als auch das Misstrauen gegenüber Freimaurern, Rosenkreuzern, Illuminaten und Bilderbergern nicht nur auf der rechten politischen Seite findet, sondern auch auf der linken Seite. Der Grund liegt wohl darin, dass sowohl rechts wie links ein starkes Bewusstsein für Machtgefälle besteht und sowohl rechts wie links, die Meinung verbreitet ist, wir lebten nur in einer Scheindemokratie und die Mächtigen, die Eliten, machten alles untereinander aus.”
Aus meiner Sicht zielt die Rechtsmimesis auf eine Verfestigung von Ungleichheit bis zur Bestreitung der gemeinsamen Menschenwürde, die Linksmimesis auf eine Verfestigung von Gleichheit bis zur Bestreitung von Freiheit. Insofern haben auch nach meiner Wahrnehmung beide Flügel – ebenso wie etwa auch libertäre und religiöse Dualismen – das Bedürfnis, konkrete Gruppen für die momentanen Machtverhältnisse zu beschuldigen. Und sowohl das Judentum als erste Religionsgemeinschaft der allgemeinen Alphabetisierung wie auch “Geheimgesellschaften” können gleichzeitig Neid und Schein-Erklärungen, sprich: Verschwörungsmythen triggern.
Danke auch das starker Zitat zum antimasonischen Verschwörungsglauben von Fidel Castro, der sich ja selbst als Anführer einer erleuchteten Parteielite verstand…
@Michael Blume betreffend dem Hintergrund des Antimasonismus sowohl bei der Rechten wie der Linken :
Spontan sehe ich einen etwas anderen Grund als sie dafür, nämlich folgenden: sowohl deutlich Rechte wie deutlich Linke haben kollektivistische Gesellschaftsvorstellungen: Die Rechte nationalistisch/völkisch kollektive Vorstellungen wobei jeder Bürger egal welcher Klasse/Schicht er angehört, Teil eines Volkskörpers ist – so ähnlich wie alle Bienen, egal ob Arbeitsbienen oder Sammelbienen Teil eines Bienenvolks sind. Die Linke dagegen hat kollektivistische Vorstellungen indem sie von einer Volonté Général, also einem Gemeinwohl, ausgeht wie von Jean-Jaques Rousseau erdacht. Bei den Linken gibt es die Fiktion, alle seien im Grunde gleich und alle strebten das gleiche Ziel, das gleiche Gemeinwohl, an.
Kurzum: Sowohl bei den dezidiert Rechten wie bei den dezidiert Linken, tritt die Bedeutung des Individuums zurück. Das Individuum ist bei dezidiert Linken und dezidiert Rechten vor allem ein Mitglied einer Gemeinschaft, bei den Rechten einer völkischen Gemeinschaft, bei den Linken einer Gemeinschaft von gedacht Gleichen.
Danke, @Martin Holzherr – in verschiedenen Ausprägungen des Kollektivismus stimme ich Ihnen zwar zu, sehe aber enorme Unterschiede: Ein Rechtslibertärer wie Elon Musk ist doch eher Sozialdarwinist als Kollektivist, Donald Trump will doch nicht wirklich Arbeiter sein und die real existierenden, linken Revolutionäre waren in jedem Erfolgsfall schnell im Sichern eigener Privilegien. Ein wirklich geglaubter Kollektivismus würde doch erst einmal den Verschwörungsmythen widersprechen: Warum sollten das eigene Volk, die Gleichheit aller verraten werden?
Die national-soziale Rechte träumt von einem völkisch geschichteten (!) Kollektiv, der Rechtslibertäre verachtet die Armen, linke Kader beschwören eine klassenlose Gesellschaft, in der sie selbst aber doch schon Privilegien genössen, viele Religiöse predigen eine transzendenter Einheit, aber doch mit einem Extra-Himmel für die Auserwählten.
Doch der Verschwörungshass entspringt nicht realer Gemeinsamkeit – sondern dem Umstand, dass sich diese nicht wirklich dauerhaft einstellt. Und dafür werden dann gar gemeinsame (!) Schuldige, Sündenböcke gesucht.
Und dies in Richtungen, die seit Jahrhunderten (Antimasonismus) und Jahrtausenden (Judenfeindlichkeit, Hexenwahn) mimetisch vorstrukturierr sind, über alle kollektivistischen und libertären Ideologien hinweg.
Wir haben doch etwa bei Querdenken gesehen, dass sich der Reichsbürger, die linke Esoterikerin und der libertäre Sozialdarwinist nicht in ihren Gemeinschaftsentwürfen, sondern in ihren dualistischen Feindbildern verbanden.
Ihr zeitweises Auftreten als gemeinsam demonstrierendes Kollektiv war durch negative Mimesis bestimmt, nicht durch gemeinsame Kollektivismen. Deshalb konnten und können Verschwörungsunternehmer auch immer wieder die „eigenen“ Verschwörungsgläubigen abzocken.
@Michael Blume: danke für die Erörterung über das, was Linke und Rechte ausmacht und wie es sich bezüglich Antimasonismus verhält.
Für mich tendieren Libertäre nicht zum Antimasonismus, sondern wenn schon, werden gewisse Libertäre gern bei den Bilderbergern eingeladen. Libertäre sind Indivualisten, was sie aber sonst noch sind ist umstritten. Google-KI sagt dazu:
Interessant übrigens, dass google-KI das Links-Rechts-Schema an der Haltung zu staatlichen Interventionen festmacht. Damit meint google-KI wohl, dass Linke generell die Wirtschaft staatlich lenken will indem sie etwa bestimmt, wer was für wen produziert. Die Rechte dagegen sieht die Wirtschaft eher als einen Arm, einen Teil des Volkskörpers und Wirtschaftsführer sollen einfach das Volk materiell versorgen und voranbringen, sie sollen aber nicht durch Funktionäre ersetzt werden.
Google-KI unterscheidet dann Rechtlibertäre (Freiheit, Markt) und Linkslibertäre(anti-hierarchisch). Im Fazit kommt google-KI zum folgenden Schluss:
Ja, @Martin Holzherr – deswegen schrieb ich ja bewusst nicht einfach Libertäre, sondern Rechtslibertäre. Und dass diese politisch rechte, etwa sozialdarwinistische Positionen vertreten, ohne kollektivistisch zu sein, lässt sich doch nicht leugnen.
Ich verstehe schon, dass es für viele nicht leicht zu akzeptieren ist, aber: Auch Individualisten können rechte wie auch linke Menschenverachtung leben. Der Individualismus ist nicht einfach „gut“ und Gemeinschaft auch nicht per se „böse“. Eine solche intellektuelle Externalisierung hat hier auf “Natur des Glaubens” der @Webbaer viele Jahre lang – erfolglos – versucht.
Aber immerhin sehen wir inzwischen dem rechtslibertären Erben, Hyperindividualisten und Abzocker Elon Musk beim Scheitern zu – und zwar sowohl bei Tesla wie bei X und auch charakterlich:
Guten Morgen – Tässle Kaffee ☕️?
Die Verkaufszahlen sind deutlich: Auch #VW deklassiert #Tesla.
Der Ober – X – er Elon #Musk macht gerade erneut die Erfahrung, dass sich die Förderung von Hass & Hetze mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen beißt. Gut informierte Menschen, gar #Solarpunks stehen nicht auf Hitlergrüsser. Und die #Trump – #MAGA – Menge beharrt meist auf fossil.
Auch #ElonMusk geht nicht als „Retter der Menschheit“ in die Geschichte ein. Tja.
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115863821005189400
Ihnen Dank für die zunehmend guten Dialoge! 🙏🙌
@Mussi 08.01. 19:41
„Magie ist Wirkung und setzt Verursachung voraus. Es ist eher die Immagination, die Vorstellungskraft bedingt.“
Es geht wohl um die Vorstellung, dass die Superverschwörer magische Kräfte haben. Nicht, dass sie wirklich welche hätten.
Sofern man überhaupt mit magischen Kräften rechnen muss, so wird es die wohl nur in universalen Kontexten geben. Eben keine widerstreitenden Geisteswelten, zerstritten sind wir Menschen schon selber genug.
@Michael 08.01. 22:57
„..die angeblich über Jahrhunderte hinweg alles sehen, kontrollieren und nie zerfallen – was eine menschliche Unmöglichkeit ist.“
Entsprechend ist genau damit nicht zu rechnen, eben eine menschliche Unmöglichkeit.
„Sie nehmen für sich in Anspruch, fantastische Zusammenhänge zu erkennen, die von weniger Begabten nicht gesehen bzw. von den finsteren Mächten unterdrückt würden.“
Was letztlich schlicht verrückt ist.
„So entsteht die Vorstellung eines magischen, ja kosmischen Dualismus aus guten und bösen Mächten, der nur von wenigen Auserwählten durchschaut werde.“
Das mag sogar Filmreif sein. Starwars lässt grüßen. Realität ist das vermutlich nicht. Es dürfte nur eine Geisteswelt geben. Wirklich widerstreitende Geisteswelten dürften kein funktionierendes Universum hergeben. Wiederum nur vermutlich. Weil das Universum wirklich sehr gut funktioniert, was ja nun eine handfeste Evidenz ist.
Wenn man sich eben auf die Menschenwürde einigt, hat man eine Basis, auch verschiedene Konfessionen ohne widerstreitende Geisteswelten zu praktizieren. Religiös, spirituell aber auch zivilreligiös und säkular.
Die Evolution ist bis zu uns vorwärts gekommen, da wird es ja wohl noch möglich sein, dass wir Menschen uns wirklich zusammenraufen und jetzt nicht alles wieder kaputt machen. Wir kommen mit praktisch allen Lebensräumen klar, da müsste es doch möglich sein, mit uns selber auch noch klar zu kommen.
Oh ja, @Tobias – ich erlebe die derzeitige Polykrise zwar als turbulent, aber keinesfalls als chancenlos.
So habe ich vorhin auf Mastodon zu einem BBC-Bericht über die sich ausbreitenden Proteste im Iran gepostet:
Ja, viele hier glauben immer noch nicht an den Niedergang des #Fossilismus, aber der dauerhaft niedrige #Ölpreis bringt die Rentierstaaten an ihre Grenzen. Ich halte einen Sturz der fossilen #Diktatur im #Iran durch die sich ausbreitenden #Proteste von immer mehr Menschen für möglich. […]
Sorry, wenn ich vielleicht manche mit der Betonung der Wirkung erneuerbarer #Friedensenergien genervt haben sollte. Aber auch aus #Russland kommen immer mehr Nachrichten zu den Auswirkungen der niedrigen #Ölpreise aufgrund des längst weltweiten #Solarboom. Und auch #Trump wütet doch nicht gegen #Erneuerbare & Batterien, weil er sie für harmlos hielte. Der #Fossilismus samt #Petrodollar wankt. Es gibt gute Gründe für #Solarpunk – Hoffnungen & Taten. (2/2)
https://sueden.social/@BlumeEvolution/115861961198256685
Hierzu konnte ich den aktuellen FR-Artikel verlinken:
“Putins Ölmacht kollabiert: Expertin erklärt Russlands Energie-Niedergang”
https://www.fr.de/wirtschaft/russland-venezuela-oel-exporte-analyse-macht-putin-giganten-status-verloren-zr-94114111.html
Die erneuerbaren Friedensenergien, insbesondere der Solarboom und schnelle Ausbau von Batteriekapazitäten, wird sich nach meiner Einschätzung auch in 2026 fortsetzen. Die Ära des Fossilismus zerbröselt und hinter schweren Turbulenzen sehe ich Anzeichen für eine weit bessere Zukunft in Solarpunk-Arche-Regionen.
Guten Morgen, @Michael,
das Thema Freimaurer und Illuminaten ist mir ziemlich fremd.
“Plötzlich erscheint die überwältigend komplexe Welt wieder als verständlich, weil hinter allen Krisen, Umbrüchen, Verlusten und Pandemien die gleiche, geheimnisvolle Verschwörungsmacht vermutet werden darf.”
In der Coronazeit hatte ich meine “Aha-Erlebnisse” im Hinblick auf Verschwörungsmythen und Querdenker. Umso mehr hat es mich verstört, als mir im persönlichen Umfeld Menschen teilweise “abhanden gekommen” sind. Dabei wunderte ich mich zuweilen über mich selbst: Seit ich denken kann, erlebe ich mich als immun gegenüber extremer Esoterik, Sektentum und Verschwörungsdenken. Mit 17 habe ich ein paar Scientologen zur Weißglut gebracht, die mich mit ihrem “Persönlichkeitstest” einfangen wollten, sich aber an mir die Zähne ausgebissen haben.
Ich frage mich, woran es liegt, und stelle fest, dass bei mir die Alarmglocken läuten, wenn Menschen sich ihrer Sache allzu sicher sind. Das ist meiner Meinung nach oft (aber nicht immer) ein Indikator dafür, dass man es mit einem falschen Experten zu tun hat.
Diese kritische Haltung hat mich zumindest davor bewahrt, den Sektenführer von Scientology ernst zu nehmen (das habe ich mal als Rant aufgeschrieben): Link zu PDF
Damit komme ich auf deine Aussage zurück: “Plötzlich erscheint die überwältigend komplexe Welt wieder als verständlich.”
Wenn ich es nicht ertragen kann, dass sich in der Welt, in meinem Denken und den Bildern, die ich mir fortwährend von der Welt mache, Dissonanzen und Widersprüche auftun, laufe ich ggf Gefahr, von Verschwörungsunternehmern und falschen Experten eingefangen zu werden. Je mehr ich mich mit einem wissenschaftlichen Thema befasse und tiefer damit beschäftige, desto mehr fühle ich mich wie auf stürmischer See. Wie Kafka sagte: “Der Geist hört dort auf, wo er anfängt, Halt zu sein.”
Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass das Aushalten dieser Dissonanzen, ja, das freudige und neugierige Begrüßen derselben, das ist, was Popper in der hier schon mehrfach zitierten Aussage des Kreuztragens gemeint hat.
Und genau das sollte uns immunisieren gegen Verschwörungsglauben.
Interessanterweise fühle ich – als jemand, der selbst keiner religiösen Gemeinschaft angehört – mich mit diesen Gedanken im Christentum verstanden, das eine tiefe Weisheit zu bewahren scheint. Hier sehe ich dann auch den gravierenden Unterschied zwischen Religiosität und Spiritualität einerseits und flacher Esoterik andererseits.
Danke, @Peter – ganz genau so sehe ich es auch! Auch nach meiner Einschätzung hatte Popper mit dem Sprachbild des Kreuztragens nicht ein religiöses Bekenntnis im engeren Sinne abgelegt, sondern den Schmerz – die kognitive Dissonanz – beschrieben, die wir alle erleben, wenn wir uns von der Wahrheit in Frage stellen lassen. Deswegen tut sich ja auch Wissenschaftskommunikation so schwer, wenn sie eben nicht nur neue Versprechungen machen kann, sondern auch auf reale Probleme wie die globale Erhitzung, die Folgen der Klima- als Wasserkrise oder die säkulare Geburtenimplosion hinweist.
Die Haltung zur wissenschaftlichen Falsifikation und zum dialogischen Monismus sind ja direkt aufeinander bezogen und direkt miteinander verbunden: Es gilt, gesichertes Wissen in seiner Vorläufigkeit anzuerkennen und doch jederzeit bereit für neue Befunde und Argumente zu sein. Das können immer mehr, aber vielleicht nie alle schaffen.
Das ist übrigens auch der Grund, warum ich im Laufe der Zeit widerstrebend gelernt habe, hier auch gegenüber wiederkehrenden Schwurbeleien etwa von @Realo, @hto oder @mentalsports eine klare Sprache zu sprechen. Autoritäre Macker – fast immer Männer – halten Offenheit und Dialogbereitschaft oft für eine Schwäche und Chance, noch mehr von ihrer Bitterkeit und Menschenverachtung auszukippen. Sie kommen dann wie Süchtige immer wieder. Durch eine klare Sprache gelingt es manchmal zu vermitteln, dass sie dieser Kurs nur noch mehr isoliert und sie viel weiter kämen, wenn sie sich wirklich für Wissenschaft öffnen würden. Sogar @Mussi ringt damit immer wieder – und wenn wir ehrlich sind, fällt es niemandem leicht und ist oft das Ergebnis jahrelangen “Trainings”.
Dir herzlichen Dank für Deine starken Beiträge, die ich immer wieder sehr gerne lese! 🙏🙌
Was genau lässt Sie glauben, dass nicht alles, was Sie zu wissen meinen, auch ein Verschwörungsmythos ist?
Menschen sind kaputte Schallplatten und machen immer wieder das Gleiche in Dauerschleife, ungeachtet von Realität und Konsequenzen. Wir schlagen mit dem Kopf gegen die Wand, und ob wir damit Erfolg haben oder nicht, entscheidet das zufällige Verhältnis von Härte und Dicke von Schädel und Wand.
Scheitern bewirkt, dass wir a) noch härter schlagen und b) uns noch mehr Märchen aus den Fingern saugen, mit denen wir uns vorlügen, das, was wir täten, hätte einen Sinn.
Trump baut eine Mauer um sich herum und aus dem Schutz dieser Mauer schikaniert er die Nachbarschaft.
Mit einem Krieg vom inneren Versagen abzulenken, gehört zu den Routine-Aufgaben eines US-Präsidenten.
Amerikaner latschen großspurig herein, stiften Chaos, dann laufen sie davon und rammen ihren Verbündeten den Dolch in den Rücken. Seit Vietnam sehen Sie eine Dauerschleife nach der anderen, nur die Frequenz wird höher. Doch alles, was sie in Europa starten, seitdem sie und in 2 Weltkriegen Frieden und Demokratie brachten, ist ein einziges großes Vietnam, das mit Flucht und Verrat endet.
Europäer bauen einen Scheiterhaufen nach dem anderen und brennen sich darauf nieder. Seit vielen tausend Jahren in allen möglichen Variationen.
Europa verliert, weil zerstrittene Egomanen immer verlieren, sobald größere Egomanen auftauchen.
Das sind die ganzen „Verschwörungen“ der Welt: Dauerschleifen. Atome rennen im Kreis, erhalten sich aktiv aufrecht, verbinden sich zu Molekülketten, die sie stabilisieren, sodass diese Ketten zu ihrem Schicksal werden. Aus den Molekülen werden größere Klümpchen Materie, die sich wie Atome verhalten, Ketten, Netzwerke erzeugen, Marionetten-Strippen in einem großen Spinnennetz aus Fliegen, in denen sich die Fliegen ein Tauziehen liefern, ohne dabei einen anderen Marionettenspieler zu haben, als das Netz selbst und die Naturgesetze, die es bestimmen.
Alles, was wir so ernst nehmen, die Debatten, die Rationalisierungen, die Erklärungen für unser Verhalten – ist einfach nur Bullshit, macht nicht mehr viel Sinn, als der Glaube an kleine grüne Dinosaurier in Kapuzenmänteln, die sich in Logen versammeln, um an den Strippen der Welt zu ziehen.
Rationales Denken dient allein der Suche nach Mitteln und Wegen, in jeder beliebigen Situation das Gleiche zu tun – nicht unser Algorithmus ändert sich, sondern die Welt um uns herum, wir müssen immer wieder neu herausfinden, wo Kopf und Wand sind.
Und je mehr wir damit scheitern, desto lauter das Boing! Boing! Boing! billiger Ausreden, Scheinerklärungen, Rationalisierungen, Märchen, Selbstbetrug, der Suche nach Sinn, Zweck, Grund, wo keine sind. Je mehr wir selber schuld sind, desto mehr müssen die Anderen schuld sein, die äußeren Umstände, die Verschwörungen, die geheimen Mächte – damit uns die Schuld nicht daran hindert, weiter mit dem Kopf gegen die Wand zu knallen.
Die Matrix versteckt sich nicht. Die materielle Welt versteckt sich nicht. Wahre Macht hat es nicht nötig, sich zu verstecken. Die Menschheit muss sich viel Mühe geben, die Augen davor zu verschließen.
Wir können unser Schicksal selbst in die Hand nehmen. Das Netzwerk bewusst verändern, den Teppich der Nornen mit weben. Aber erst, wenn wir erkennen und akzeptieren, wie es funktioniert.
@Paul S.
“ Was genau lässt Sie glauben, dass nicht alles, was Sie zu wissen meinen, auch ein Verschwörungsmythos ist?“
Die Freude am falsifikatorischen Zweifel. Es gibt keine Gruppe von Menschen, die ich für Superverschwörer halte, weil gerade auch die echten Verschwörer immer wieder scheitern. Diktatoren, Mafiosi, korrupte Seilschaften – ihrer aller Zeit, Einfluss, Fähigkeiten sind begrenzt.
Und sogar dabei ist mir klar, dass ich in einer Matrix-Simulation, einer platonischen KI-Höhle, leben könnte.
Der Zweifel macht aus religiös Gläubigen aufgeklärt Gläubige. Er macht Mythen durchsichtig und schützt vor Verschwörungsmythen.
Und deswegen halte ich Popper für den größten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er hat den falsifikatorischen Zweifel formuliert, mit dem sich Theorie und Mythos respektvoll unterscheiden lassen.
@Michael Blume
09.01.2026, 00:40 Uhr
OK das ist jetzt OT. Meinst Du nicht der Urgrund ist in beiden Fällen am langen Ende gerne Einsamkeit?
Abhängigkeitserkrankungen sind gerne komplexer als Volkes Stimme sie gerne sieht.
Ich sehe da schon Parallelen. Darum finde ich es auch gut, wenn man solche Menschen nicht einfach stumm stellt. Das machst Du schon richtig so lange halt der Kommentar nicht gegen Gesetze verstößt. Oder gerade die eigene Kraft dafür nicht ausreicht.
Das wäre wie der Versuch einem Alkoholiker zu helfen indem man versucht ihm den Alkohol wegzunehmen. Die Erfolgsquote ist eher gering …
Danke, @Uli Schoppe – und genau so erlebe ich das auch. In all den Jahren habe ich so viele Trolle, Hater, feindselige Dualistinnen, Verschwörungsgläubige, Antisemiten erlebt – aber niemand von diesen war wirklich glücklich. Wer in sich ruht und Teil von glücklichen Beziehungen und Gemeinschaften ist, verbringt doch nicht Stunden und Tage damit, digitale Gewalt zu verüben!
Entsprechend habe ich sehr bewusst den Begriff der Empörungssucht geprägt, die von antisozialen Konzernmedien wie X und Tiktok algorithmisch geschürt wird:
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/raus-aus-der-thymotischen-empoerungssucht-erfahrungsberichte-nach-dem-x-odus-asm-abschieden/
Stell Dir mal vor: Nach meinem X-odus sind mir einige Trolle & Hater sogar von der Plattform nach Mastodon sowie hierher auf dem Blog gefolgt, um auch dort – erfolglos – ihren Hass abzuladen!
Manche, die jährlich mehrere Hundert oder gar Tausend Hassmails übersenden, erinnern mich in ihrem grenzenlos Hass, Dualismus und Sadismus an den sog. “White Tiger”, der endlich in Deutschland vor Gericht steht. Hier bin ich auch mit dem von @schorsch empfohlenen Sinan aus Sinans Woche anderer Meinung: Wir sollten Hass und Hetze nicht nur wegen der Angegriffenen bekämpfen, sondern auch wegen der empörungssüchtigen Hater, die sich sonst immer weiter radikalisieren. Es ist m.E. gefährlich und falsch, diese nur als “Vollhonks” zu verspotten und zu ignorieren – denn die machen sich selbst und anderen die Zukunft kaputt!
https://youtube.com/shorts/XqQvAKXUK0k
Entsprechend versuche ich auch als Blogger sehr klar, einerseits Dialogbereitschaft und Nachfragen zu ermutigen, andererseits aber ebenso klar Trolle, Hater, Dualisten in die Schranken zu weisen. Wenn etwas gegenüber Faschismus, Antisemitismus, Trump- und Putinknechterei (sog. Tyrannophilie) hilft, dann ist es kein anbiederndes Verständnis, sondern klare Ansage. Bei autoritären Persönlichkeiten helfen nur klare Worte – und womöglich können wir so den Einen oder Anderen sogar noch rechtzeitig zur Besinnung bringen. Hoffe und erlebe ich.
@Michael 09.01. 00:26
„Die Ära des Fossilismus zerbröselt und hinter schweren Turbulenzen sehe ich Anzeichen für eine weit bessere Zukunft in Solarpunk-Arche-Regionen.“
Wir haben doch eigentlich zwei ganz verschiedene Baustellen. Einmal eine sich immer mehr beschleunigende Energiewende, andererseits die zunehmende demografische Schrumpfung.
Die Energiewende dürfte sich immer mehr ausbreiten, mancherorts früher, woanders später. Da wird nirgendswo die Welt untergehen. Selbst die Wasserkrise führt freilich zu Hochwasserschäden oder auch zu landwirtschaftlichen Unregelmäßigkeiten. Das braucht aber alles keine Arche-Regionen, diese Problematik lässt sich auch flächendeckend lösen. Selbst wenn man die eine oder andere Siedlung aufgeben muss.
Die Grüne Technik ist ja nicht mal fertig, die wird vermutlich noch weiter immer kostengünstiger werden. Bis fast alle mitmachen.
Die Demografie wiederum wird tatsächlich zu Archen führen, Regionen die Zuwanderung anziehen und Regionen, wo die Leute auch noch wegziehen. Aber ist das denn wirklich ein großes Problem? Schön für die Immobilienpreise einerseits, wo die Leute hinziehen. Aber auch gut für Mieter, wo die Leute eher wegziehen.
Klar macht es auf jeden Fall Sinn, wieder mehr Kinder zu haben. Aber die Welt geht nicht unter, wo sich nur ein gewisser Verfall einstellt. Und das muss ja überhaupt nicht für ewig so bleiben. Gibt es wieder mehr Kinder, und setzt sich die grüne Technik wirklich überall durch, dann können sich die Abwanderungsregionen auch wiederbeleben.
Und selbst wenn hier und da nur noch die Landwirtschaft übrig bleibt, und die Menschen in urbanen Räumen verbleiben, dann ist das eben so. Und in manchen vereinsamten Regionen ergeben sich dann noch Potentiale für eine touristische Nutzung des angefallenen Leerstandes. Insbesondere wenn die Menschen Urlaub an nicht mehr so weit entfernten Orten machen wollen.
Danke, lieber @Tobias
Ich teile Deine Solarpunk-Hoffnung und sehe auch jeden Tag mehr Fortschritte!
So konnte ich heute auf Mastodon und auf YouTube folgende, gute Solarpunk-News für Deutschland teilen:
Deutscher E-Auto-Markt: VW deklassiert Tesla
Der deutsche Elektroauto-Markt war 2025 fest in der Hand der heimischen Konzerne. Bei den Neuzulassungen reiner Stromer gehen die Plätze eins bis sechs an Volkswagen und seine Töchter, BMW und Mercedes, wie aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. Tesla – vor einem Jahr noch Nummer drei hat dagegen fast die Hälfte seines Absatzes verloren und stürzt auf Rang neun ab.
https://www.n-tv.de/wirtschaft/der_boersen_tag/Deutscher-E-Auto-Markt-VW-deklassiert-Tesla-id30219955.html
Der Ober – X – er hat lange genug fortschrittliche Technologien abgezockt und antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet. Jeden Tag begreifen mehr Menschen, dass er weder Tesla noch Twitter / X gegründet, sondern als reicher Erbe nur gekauft und ruiniert hat.
Auch habe ich große Hoffnungen für die mutigen Proteste im Iran, die sich gegen ein weiteres, fossiles Regime richten!
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-fossil-finanzierten-revolutionsgarden-als-die-heimlichen-herrscher-des-iran/
Der Fossilismus bricht vor unseren Augen zusammen, erneuerbare Friedensenergien werden jeden Tag stärker! Und wir haben die Ehre und Freude, zu den Generationen gehören, die für eine bessere Zukunft der Menschheit tätig werden können.
Danke Dir sehr für Deine Solarpunk-Drukos, lieber @Tobias! 🙌🌞👍
@Michael 09.01. 07:00 / 17:30
„Und deswegen halte ich Popper für den größten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er hat den falsifikatorischen Zweifel formuliert, mit dem sich Theorie und Mythos respektvoll unterscheiden lassen.“
Nur so gehts. Letztlich auf allen Ebenen. Ob Privat, ob praktisch oder in Glaubensfragen. Und wenn es um mögliche Technik geht. Und Wissenschaft sowieso.
„Und wir haben die Ehre und Freude, zu den Generationen gehören, die für eine bessere Zukunft der Menschheit tätig werden können.“
Da haben wir was zu tun. Besser als sich an sinnlosem Konsum abzuarbeiten allemal.
Lieben Dank, @Tobias 🙏👍
Ja, (auch) ich halte die Erkenntnistheorie für die Königsdisziplin innerhalb der Philosophie und die Falsifikation für deren Durchbruch im 20. Jahrhundert gegenüber der Induktion.
Daneben sehe ich noch die Erkenntnisprinzipien der interdisziplinären Viabilität und der Paradigmen, deren Anwendung jedoch auch jeweils zu falsifizieren ist.
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-erkenntnismodus-der-viabilitaet-am-beispiel-der-musik/
Und selbstverständlich bleibt der wissenschaftliche wie auch erkenntnistheoretische Prozess auch im 21. Jahrhundert offen.