18 Jahre Wissenschaftsbloggen, 1500 Blogposts auf „Natur des Glaubens“ – Ein Ehrenamt für den dialogischen Monismus

Seit April, huch, nein – sogar schon seit dem 12. März 2008 gibt es meinen Wissenschaftsblog „Natur des Glaubens“ hier auf Spektrum der Wissenschaft. In dieser Zeit habe ich hier 1.500 Blogposts (mit wenigen Gastblogposts und Interviews) eingestellt, über 43.200 Drukos (Drunter-Kommentare) gelesen und freigeschaltet sowie über 16.000 Kommentare, meist Antworten, selbst verfasst.

Rechnen wir für einen Blogpost inklusive Idee, Recherche, Eingabe, Grafiken und Einstellen um die fünf Stunden, für jedes Freischalten zwei und für jedes Antworten fünf Minuten, dann habe ich über ein Jahr dieser letzten 18 Jahre mit Bloggen verbracht! Meistens, wie jetzt auch, in den späten Abend- oder gar Nachtstunden.

Und aus dem Hobby wurde ein Ehrenamt und dann eine neue Art von verschriftetem Werk.

Lars Fischer & Michael Blume am 7. August 2025 gemeinsam in Stuttgart.

Bin Lars Fischer aka „Fischblog“ sehr dankbar, dass er mich 2008 als ehrenamtlichen Blogger für die „Tagebücher der Wissenschaft“ gewann. Aus der Spielerei ist über die Jahre mein Hauptwerk in Dialog und Wissenschaftskommunikation geworden. Hier ein Mastodon-Post von ihm nach einem glücklichen Wiedersehen im August 2025. Selfie: Michael Blume

Heute freue ich mich über tägliche, direkte Zugriffe, aber zunehmend auch über das Einfließen in KI-Antworten. Für mich wäre es schwer, Inhalte nur exklusiv für ein Konzernsilo (etwa von Meta oder gar X) herzustellen – aber in der Blogosphäre, im Fediversum und auf Mastodon sind die Inhalte auch kleinsten, europäischen FOSS-StartUps frei zugänglich. Und bilden damit, so hoffe ich, einen kleinen Beitrag zum öffentlichen Wissensschatz.

Das Schaubild zeigt links die Auswirkungen fossiler Gewaltenergien wie Öl und Gas aus Russland, Iran und Katar. Die begünstigen autoritäre Regime, Kriege und Terror sowie den Ressourcenfluch, also finanzielle Abhängigkeit und Instabilität. Rechts werden die erneuerbaren Friedensenergien Solar, Wind und Wasser dargestellt, die zu dezentralen Energiedemokratien, zu Wohlstand und Klimaschutz sowie zu Solarpunk und Frieden beitragen. Dabei wird auch gezeigt, dass und wie sie den fossilen Gewaltregimen "Einnahmen entziehen".
Die Friedensenergie-These von Dr. Michael Blume, grafische Interpretation durch Claude.ai, 25.05.2026

Deswegen ist es für mich auch klar, dass ich KI nie für Blogposts verwende, die nach meiner Auffassung aus originär menschlicher Kreativität erstehen sollten. Transparent und selten in Grafiken sowie in den Drukos darf und soll dann gerne mit verschiedenen KI-Anwendungen (außer Grok) experimentiert werden. Aber nicht beim Bloggen selbst.

Sinn und Freude durch dialogischen Monismus: Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht

In meiner Grund-Weltanschauung gibt es eine unglaublich komplexe Wahrheit und Wirklichkeit, der wir Menschen uns durch die Vielfalt der wissenschaftlichen und existentiellen Perspektiven gemeinsam annähern können – also durch Dialog. Denn diese Eine Realität übersteigt das Fassungsvermögen jedes Säugetiergehirnes und kann also niemals von einem Menschen oder auch nur einer Gruppe von Menschen ganz erfasst werden. Wenn wir uns ihr nähern wollen, dann stets durch sorgfältiges und also dialogisches Miteinander.

Auch stehen wir alle in einem Zeitstrahl, der Milliarden Jahre vor uns emergiert ist und uns alle überdauern wird. Wir sind also zugleich unendlich klein – was bedeuten wenige Jahre, ein saeculum-Jahrhundert vor Jahrmilliarden? – und unendlich groß: Jede Person ist einzigartig und unwiederholbar und kann auf ganz eigene Weise in das Geschehen und damit auch die Zukunft eingreifen. Wir können ja gar nicht absehen, ob und wie eine kleine Tat – auch ein Blogpost oder ein Druko dazu – auf andere Menschen und die Zeit wirken wird!

Noch in seinem letzten Konzert besang dies Udo Jürgens (1934 – 2014) in „Tausend Jahre sind ein Tag“.

Und das schreibe ich als jemand, der auch schon humanitär in Kriegs- und Krisengebieten des Irak im Einsatz war, ebenso vor Gerichten und in der Politik. Niemand kann alles, aber wir alle können etwas zum Besseren verändern.

Obgleich evangelisch, freue ich mich darüber, dass Papst Leo XIV. in seiner historischen KI-Enzyklika (Abschnitt 213) dazu Gandalf aus dem „Herrn der Ringe“ von J.R.R. Tolkien (1892 – 1973) zitiert hat:

»Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.«

Dazu schrieb er – und ich stimme ihm da auch, aber keineswegs nur zum Bloggen gänzlich zu:

Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen. Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können. Ohne den Anspruch zu erheben, das Thema erschöpfend zu behandeln, schlage ich fünf Ansätze für die Verantwortung im Alltag und im öffentlichen Leben vor: Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen, den Dialog und den Multilateralismus wiederbeleben.

Das Medium des Blogs gestattet mir nicht nur, über Jahre hinweg Themen immer wieder neu zu beleuchten und mit anderen zu diskutieren, sondern auch weitere Medien zu verlinken, einzubinden, zu vernetzen.

So konnte ich…

Dabei ist mir völlig klar, dass ein Wissenschaftsblog vom Interesse und auch der Dialogbereitschaft vieler lebt. Deswegen möchte ich diese Zwischenbilanz mit einem Dank an alle schließen, die „Natur des Glaubens“ ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt haben – und sich weiterhin einbringen. Ihr seid Mitbloggende und motiviert mich, so mir die Zeit gestattet wird, in den kommenden Jahren & Jahrzehnten noch ein paar Hundert Blogposts mehr auf die digitale Reise zu schicken.

So kommentierte just in diesen Minuten, als der Blogpost schon fast fertig war, der dialogische @Ralf H.:

Für das von Dir dargestellte lohnt es sich einzustehen.
„… für eine Gesellschaft und auch biokulturelle Evolution mit Liebe und Freiheit.“

So möge sie sich entwickeln.
Letzte Woche sprach ich mit einem Bekannten.
Im Dialog haben wir unsere Wahrnehmungen diskutiert.
So kamen wir auch auf die Demografie zu sprechen.
Hier leisteten Texte von Dir Unterstützung.
Es ist Unterjüngung auf Grund mehrerer Ursachen, die ländliche Räume in eine Entwicklung drückt, die nichts Gutes erwarten läßt.
Wir brauchen die Erkenntnis, das unser gesellschaftliches Wohlergehen nur mit Kindern gewährt wird. Und Jedes Kind soll seinen Baum haben. Sowohl Kind, als auch Baum sollen miteinander alt werden, der Baum älter, um die Kinder und Kindeskinder zu beschirmen.

Vielen Dank & Möge die Macht mit Euch sein!

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Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Lehrbeauftragter am KIT Karlsruhe, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit 2018 Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus und für jüdisches Leben. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren für das Fediversum, Wissenschaft und Demokratie, gegen antisoziale Medien, Verschwörungsmythen und den Niedergang Europas.

37 Kommentare

  1. Lieber Michael,

    zu dieser Leistung gratuliere ich ganz herzlich.
    Ich lese Deine Texte seit circa drei Jahren, auch einige Bücher von Dir habe ich gelesen und dabei sehr, sehr viel gelernt.
    Die VideoCasts, die hinzugekommen sind, finde ich für mich besonders hilfreich.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude an diesem Ehrenamt und bewundere den Weg, den Du bisher gegangen bist.

    Mit herzlichen Grüßen,
    Elisabeth

    • Liebe @Elisabeth K.,

      für Dein großes, inhaltliches Interesse und Engagement möchte ich Dir von Herzen danken – es bedeutet mir viel.

      Denn Dein Einsatz für deutschsprachige Medien- und Demokratiebildung gerade auch für Seniorinnen und Senioren ist mir nicht nur ermutigend, sondern auch direkt vorbildlich geworden.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gegen-einsamkeit-im-alter-ein-gastblogpost-von-elisabeth-krueger/

      Du lebst, dass sich Menschen jederzeit neu auf den Weg und die Welt ein klein wenig besser machen können. Du erfüllst wesentliche Aspekte der päpstlichen KI-Enzyklika schon lange, bevor sie formuliert und veröffentlicht war! 😊🙏✝️

      Durch die Dialoge mit Dir ist mir klargeworden, dass wir Menschen auch im Alter viel bewegen können – wenn wir je bei uns selbst beginnen.

      Vielen Dank für Dein wissenschaftliches & dialogisches Interesse, Dein ehrenamtliches Wirken, Dein mitmenschliches Vorbild-Leben! 🙏📚🇩🇪🇪🇺🙌

  2. Lieber Michael,

    ich wieder wiederhole hier meinen Post, den ich eben auf Mastodon eingestellt habe:

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem überaus beeindruckenden Jubiläum!

    Dein Blog und die Kommunikation drumherum hatten und haben einen spürbaren Einfluss auf meine jüngere Bildung. Vielen Dank für Deinen wertvollen Input!

    Ergänzen möchte ich, dass mich die Dialoge mit Dir zu einem reiferen und sogar etwas besseren Menschen gemacht haben, denn meine Dialogbereitschaft und -fähigkeit wurden durch sie gestärkt.

    Es gibt viele gute Gründe Dein Blogjubiläum zu feiern!

    • Ganz herzlichen Dank, @Hui Haunebuh – als ich Deinen wunderbaren DruPo (Drunter-Post) auf Mastodon las, hatte ich tatsächlich kurz gespürt: Wie schön wäre es, wenn das unter dem Blog stehen würde!?

      Das musst Du gespürt haben! 😄🙏👍

      Unser Dialog ist für mich auch deswegen etwas Besonderes, weil Du den Solarpunk nicht nur theoretisch begreifst, sondern auch praktisch umsetzt. Und damit hast Du eine starke, psychologische Erfahrung von Selbstwirksamkeit nicht nur für Dich und Dein Mitfeld, sondern auch etwa für mich erschlossen!

      Es ist ja eine Sache, die Psychologie der Zukunftshoffnung zu beschreiben – und nochmal eine andere, sie existentiell miterleben zu dürfen! 🙌

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/solarpunk-ist-mehr-als-utopie-schon-heute-gegen-reaktanz-und-arroganz-leben/

      Wenn wir uns austauschen, kommt mir immer wieder das Solarpunk – Motto positiv in den Sinn: Niemand kann alles, aber alle können etwas verändern.

      Nicht zufällig gibt es eine Variante davon auch in diesem Blogpost.

      Vielen Dank, @Hui Haunebuh, dass Du Dich in crossmediale Solarpunk – Dialoge eingebracht und damit auch mein Bloggerleben gestärkt, ja aufgehellt hast! 🙏🌞🔋

  3. Gratuliere. Und vielen Dank.

    Sie wissen schon, sobald die grünen Energien die Fossilien verdrängt haben, werden nur die beiden oberen Kästchen der Tabelle getauscht? Sie dürfen gern in die Solaranlage investieren, weil’s nur Sie was kostet, doch sobald Sie damit Geld einsparen, kommen König und Fürsten und streiten sich darum, ob Sie das Ersparte mit staatlichen Steuern oder privaten Steuern (also Preisen) abzuliefern haben.

    Demokratie ist im Wesentlichen eine Gewerkschaft. Ihr kann es egal sein, ob der CEO, der Vorstand oder die Abteilungsleiter das Zuckerbrot einstecken und die Peitsche schwingen. Die Firma erpresst die Mitarbeiter damit, dass sie ohne sie keinen Job haben, die Gewerkschaft antwortet mit „Gleichfalls“, worauf sich die Firma billigere, fügsamere Arbeiter im Ausland sucht, und die Arbeiter darum wetteifern müssen, die billigeren, rechtloseren Sklaven zu sein, wodurch sie so schwach werden, dass die Bosse jegliches Wirtschaften verlernen können, weil die Sklaven die ganze Arbeit machen, und sich ausschließlich Machtkämpfen, Verteilungskämpfen, Korruption widmen.

    Das geschieht, wenn alle den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Der führt nämlich auch dann zum Fall in die Höhe, wenn er sich in Myriaden winziger Entscheidungen in einer Welt auflöst, in der sich Oben und Unten aus jeder Situation einzeln ergeben. Da ein paar Sperren nach unten zu installieren, die das Niveau halten, ist schwierig.

    [Wegen Überlänge und unangemessener Sprache gekürzt, M.B.]

  4. Guten Morgen, @Michael,

    was für ein Projekt! Herzlichen Glückwunsch auch von mir zum Erreichen dieses Meilensteins!

    Und ich kann mich @Elisabeth K nur anschließen und sagen, dass ich sehr viel gelernt habe und jedes Mal von Neuem lerne, zumal und gerade weil Du nicht nur „Wohlfühlthemen“ zur Diskussion stellst.

    Oft, wenn ich denke, mich selbst zu einem Thema (noch) nicht qualifiziert äußern zu können, lese ich nur „still“ mit und lerne viel auch von den Kommentaren und den Gedankenbeiträgen der Kommentierenden. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie sehr im Detail Du auf praktisch jeden Beitrag eingehst. Das spricht von einer hohen Wertschätzung anderen und einem großen Respekt der Sache gegenüber. Das habe ich sonst so noch nicht gesehen.

    Danke für Deinen Einsatz und die Ermutigung!

    • HAPPY1500 @Michael,

      ja was für ein Projekt, welches hier schon so lange gute und wichtige Orientierung gab, gibt und wohl weiterhin geben kann. Das hoffe ich für uns alle.

      Vielen Dank und also auch von mir Herzlichen Glückwunsch.

      Ralf H.

    • Guten Morgen, lieber @Peter – über Deinen Kommentar habe ich mich sehr gefreut!

      Denn Du bist im obigen Blogpost mit dem Satz eingeschrieben, den ich ohne Dich nicht hätte formulieren können: Zeit emergiert, aber wiederholt sich nicht.

      Nach dem plötzlichen und also unerwarteten Tod meines langjährigen, theologischen Dialogpartners Wolfgang Achtner (1957 – 2017)

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zeit-zum-dialog-ueber-zeit-in-erinnerung-an-wolfgang-achtner-1957-2017/

      …hatte ich viele Jahre keinen tieferen Dialog und also kaum noch einen Zugang zum Zentralthema Zeit gefunden. Durch Deine starken Kommentare und dann auch Gespräche sowie Gastblogposts wie…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gutsche-3-die-illusion-der-zeit-blick-auf-die-quantenphysik/

      …konnte ich dann wieder daran anknüpfen und für mich erstmals gedanklich von der Quantenphysik über die Emergenztheorie bis zur Philosophie weiterdenken. Sinnigerweise gelang mir dann auf dem Nil in Ägypten die Formulierung zur Emergenz und Richtung des Zeitstrahls, die mir bis heute zentral geblieben ist. Ich nehme und erlebe Zeit seitdem anders und kann auch im interdisziplinären Dialog anders darüber sprechen, beispielsweise im Kontext von Musikalität oder Spiritualität. Das habe ich entscheidend auch Dir zu verdanken!

      Ein hoch relevantes Zeit-Unterthema war und ist ja Wasser bzw. die verzögerten Reaktionen von Menschen auf die globale Erhitzung und die Klima- als Wasserkrise. Sehr gerne erinnere ich mich daran, dass Du sogar weite Wege auf Dich genommen hast, um mich bei diesem Thema zu unterstützen!

      Und so las ich vorhin nachdenklich und bewegt…

      Und heute schreibt Jens Schmitz auf Seite 5 der Stuttgarter Zeitung 📰 (zu Recht):

      „Wann sitzt das Land auf dem Trockenen? Wasser wird das Thema der Zukunft. Neben Trockenperioden ist auch mit extremen Niederschlägen zu rechnen“

      Jene, die „Natur des Glaubens“ ein Stück des Weges begleitet haben, sind nicht überrascht…

      https://digitalcourage.social/@BlumeEvolution/116724651727347819

      Wasser – Thema – Zukunft – Extremwetter – Rechnen, es ist nun alles da. (Und @Ralf H. verweist immer wieder auf die Bedeutung von Bäumen, wie Du sie übrigens auch als Blogbebilderung verwendet hast!)

      Vielen Dank auch für Deine Wahrnehmung meiner dialogischen Haltung. Selbstverständlich bin ich nicht fehlerlos und liege auch manches mal daneben. Doch im Kern nimmst Du etwas wahr, das tatsächlich in meiner Kindheit verwurzelt ist: Meine Eltern waren aus der DDR entkommen, meine Mutter Krankenschwester im Schichtdienst und mein Vater trug jeden Morgen die Zeitung aus. Wenn wir Kinder aufstanden, dufteten Brötchen und Kaffee neben einem kleinen Stapel verschiedener Zeitungen.

      Und es durfte dialogisiert werden. Wir Kinder durften jedes Thema ansprechen, fragen, nachlesen. Und wenn ich mir dann mehr zu einem Thema wünschte, ein Buch, eine Zeitschrift, bekam ich nie ein „Nein“ zu hören. An Bildung wurde nie gespart, wenn wir selbst sie wollten.

      Entsprechend hat es mich verletzt, als ein Professor gut gemeint am Tag meiner Promotion meinte, mit dem Doktortitel beginne „die Menschwerdung“. Klar verstand ich den bildungsbürgerlichen Gag. Doch auf mich wirkte es auch akademisch-arrogant, da ich Wissen und Wissenschaft ganz anders erlebt habe: Als eine Chance für alle, als „öffentlicher Dienst“, von dem niemand ausgesperrt bleiben muss.

      Kein Mensch muss sich die Menschenwürde erst verdienen und wer immer bei Mastodon oder hier auf dem Blog ein „Tässle Kaffee“ schlürfen möchte, bekommt es gerne. Ich habe großartige Einsichten und Anregungen auch von Nichtstudierten erhalten, umgekehrt auch ideologische Verbohrtheit bei Akademikern (meistens männlich & oft älter) erlebt. Aus meiner Sicht ist der dialogische Monismus vor allem ein Charaktertest – ob wir bereit sind, andere Menschen auch wirklich auf Augenhöhe wahrzunehmen und jeden Tag offen zu bleiben für auch neue und manchmal schmerzhafte Erkenntnisse.

      Indem Du diese Eigenschaften in unsere Dialoge eingebracht hast und auch weite Wege auf Dich genommen hast, hast Du mir gezeigt, dass ich mit dieser Haltung und Hoffnung auch unter Promovierten nicht alleine bin. Ich danke Dir wirklich von Herzen, dass Du Dir immer wieder Zeit für den Dialog über die Zeit genommen und auch mich damit weitergebracht hast! 🙏☕🙌

  5. @Hauptartikel

    Man kann Deine Arbeit hier Ehrenamt nennen, aber auch einfach Arbeit an der Kultur. Mit Dialogen auf recht kurzen Wegen. Beim Bloggen ist die Dialogfrequenz ziemlich hoch, aber ohne oberflächlich dabei zu sein.

    Bücherschreiben hat auch seinen Platz im allgemeinen Kulturleben. Das geht mehr in die Tiefe, stellenweise. Und macht auch seinen Sinn.

    Aber Bloggen kann schneller gehen.

    Was jetzt wirklich die KI daraus macht, ist aber wohl nicht so einfach feststellbar. Wir können hoffen, dass die KI konsequent integrativ alles verarbeitet, was im Netz zu finden ist. Und womöglich auch neue Ideen bevorzugt integriert.

    Mich freut es jedenfalls, hier umfangreich mitwirken zu können. So an die 30 Stunden die Woche bin ich durchaus damit beschäftigt. Allerdings nicht nur auf natur-des-glaubens.

    Das ist hier ein Ort, der Themen bearbeitet, die mich schon immer interessiert haben. Und ich finde auch nach inzwischen über 7 Jahren immer noch regelmäßig neue Gedanken, die man hier im Dialog mal ausprobieren kann.

    Die Wahrhaftigkeit, die wir hier offenbar sehr überwiegend praktizieren, führt dann auch gut weiter. Und vieles kann man auch einfach nur lesen, und sich merken.

    • Vielen Dank, lieber @Tobias – und Du hast viel zu diesem Blog beigetragen, insbesondere durch Dein Insistieren auf die Bedeutung von Demografie. Ich hatte das Thema „Religion und Demografie“ ja 2014 mit einem sciebook ein Stück weit abgeschlossen, weil ich auf die immergleichen Abwehrreaktionen vor allem linker Malthusianer:innen traf und die Qualität der internationalen, demografischen Daten immer weiter abnahm. Dein beharrliches und zugleich dialogisches Nachfragen hatte einen großen Anteil daran, dass ich dann z.B. die neuen Daten aus Thailand nicht einfach nur zur Kenntnis nahm, sondern aufgriff – und eine überraschende Entdeckung machte.

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religionen-wirken-demografisch-geburtenraten-aus-den-usa-turkiye-israel-thailand/

      Und nun stelle ich fest, dass doch mehr und mehr Menschen – gerade auch in den progressiven Milieus – durchaus bereit sind, malthusianische – und also sachlich falsche und im Ergebnis spaltende – Begriffe wie „Überalterung“, „Überfremdung“ und „Überbevölkerung“ zu hinterfragen und über neue, bessere Begriffe wie Unterjüngung wenigstens mal nachzudenken. Ich denke zwar, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die Wucht der Demografie für Psychologie, Wirtschaft, Religionen, Kultur und also Politik im öffentlichen Bewußtsein ankommt. Aber das muss uns ja nicht daran hindern, voraus zu denken und die Themen dialogisch zu erkunden.

      Dir daher ganz herzlichen Dank für Deine Drukos, Du bist eine Bereicherung nicht nur abstrakt für den Wissenschaftsblog, sondern auch für mich als Wissenschaftler. Danke dafür, sehr! 🙏

  6. Ich gratuliere sehr herzlich und spreche Ihnen meine große Hochachtung aus.

    Seit wenigen Jahren erst kenne und schätze ich Ihren Blog. Eine ganze Fülle an Neuem und Interessantem bereichert mein Leben. Dafür vielen lieben Dank.

    Es erfüllt mich mit Demut, als Nicht-Akademikerin mich trotzdem beteiligen zu dürfen.

    Darüber hinaus hoffe ich, dass es mir noch eine Zeitlang möglich ist, mit meinen Antworten meinen bescheidenen Beitrag leisten zu können.

    Ihnen wünsche ich viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Denn angesichts der Folgen, die mit der Nutzung von KI verbunden sind, werden Blogs wie Ihrer noch wichtiger und wertvoller.

    • Der Dank ist wirklich ganz meinerseits, @Marie H. – denn Sie beeindrucken mich sehr!

      Ich finde es bewundernswert, wie ernsthaft und zugleich aufklärend Sie zentrale Themen wie parteipolitischen Dualismus, Zeit und Sterblichkeit aufgreifen! Ihre Kommentare verknüpfen immer wieder historische und auch musikalische Bezüge mit der Gegenwart und der Sorge um die Zukunft Ihrer Kinder. Manchmal kommentieren Sie auch ältere Blogposts und ergänzen dort etwa aktuelle Informationen – was mich nicht nur freut, sondern auch erinnert.

      Dass Sie trotz gesundheitlicher Einschränkungen mit einer Tochter einmal sogar den Weg zu einer meiner Veranstaltung gefunden haben, hat mich sehr berührt und bewegt. Sie zeigen mir auch persönlich auf, dass persönliche und hoffnungsfrohe Religiosität gerade nicht bedeuten muss, die Anliegen der nächsten Generationen hintan zu stellen! Dafür danke ich Ihnen herzlich! Für „Natur des Glaubens“ ist Ihre Stimme wichtig und wirksam.

      Einen Philosophen und Politiker, den wir ggf. beide schätzen, ist der ehemalige Bundesminister Robert Habeck. Sein aktuelles SPIEGEL-Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen kann ich wirklich sehr empfehlen!

      https://www.youtube.com/watch?v=97Gfiilbx-k

      Genau auch zu unseren Dialogthemen äußerte er sich ab Minute 46:20 nach meiner Einschätzung sehr treffend:

      Ich denke auch nicht mehr viel über die Regierungszeit nach im Sinne von Anekdoten oder wie war das damals im Kanzleramt, was mich allerdings umtreibt und interessiert, sind wie in der Philosophie die Logiken dahinter.

      Da versuche ich zu verstehen, warum es so schwierig ist ähm nach vorne gerichtete Entscheidungen zu treffen, die Dinge beim Namen zu nennen, bevor sie geschehen.

      Wir, sehen Sie, jetzt fragen Sie mich nach dem parteiinternen Auseinandersetzung.

      Das Interessantere ist doch, dass wir im Wahlkampf 21 nicht darüber geredet haben, was passiert, wenn Russland die Ukraine überfällt.

      Drei Monate später hat Russland das getan und das war das.

      Ich meine, hier trifft Habeck einen zentralen Punkt: Unsere säkulare Politik- und Medienlandschaft verschließt vor Zukunftsthemen die Augen! Wir leben nur in der Gegenwart und empfinden es als störend, wenn jemand etwa auf die fossil finanzierten Gefahren durch Putin, auf die Klimakrise oder Demografie hinweist.

      So habe ich noch mit dem intellektuell brillanten CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff (1957 – 2014) sprechen können, der völlig zu Recht vor der eskalierenden, russischen Diktatur warnte. Ich hatte ja noch selbst die sowjetischen Truppen in der DDR gesehen und konnte seine Mahnungen dann auch auf Basis der politikwissenschaftlichen Rentierstaatstheorie nachvollziehen: Öl- und Gasregime werden keine liberalen und friedliebenden Demokratien!

      Doch die Wahrheit ist, dass Schockenhoff von der überparteilichen Putin-kann-doch-deutsch und Handel-durch-Wandel-Mehrheit als vermeintlicher Störenfried abgetan und kaltgestellt wurde. Ebenso wurde Habeck mitten im Wahlkampf auch aus der eigenen Partei abgestraft, als er völlig zu Recht darauf hinwies, dass die Ukraine durch Putin bedroht wird. Da denke ich mir dann schon, dass ich vielleicht ganz dankbar sein sollte, dass meine Warnungen in „Öl- und Glaubenskriege“ (2015) und in „Ölfluch und Antisemitismus“ (2019) vor den Fossilregimen Russland, Iran und Katar weitgehend ignoriert wurden!

      Ebenso werden ja (vor allem von Rechten) klimawissenschaftliche Fakten bestritten und (auch von Linken) demografische Themen bagatellisiert. Es betrübt mich, dass wir lautstarke Debatten über „Einsparungen“ in Pflege-, Gesundheits- und Sozialsystemen führen, ohne über den Mangel an jungen Menschen ernsthaft zu sprechen, durch den die Schieflage der Sozialversicherungs- und Rentensysteme doch erst entsteht! Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass hektische und oft einseitige „Einsparungen“ wirklich helfen sollen, wenn doch gerade der wirtschaftliche Einbruch durch den Nachfrage- und Investitionsmangel beschleunigt wird! Indem wir ältere Menschen weiter verängstigen, treiben wir doch nur die Sparquoten nach oben – und indem wir jüngeren Menschen nicht einmal erläutern können, „wofür“ sie denn eigentlich weitere Einschnitte hinnehmen sollen, verschärfen wir doch diese Krise.

      Mein lebenspraktisches und auch mediales Engagement für den Solarpunk hat also konkret damit zu tun, dass ich darauf bestehe, dass Demokratinnen und Demokraten einen zweifachen Mut benötigen: 1. die Hinweise und Warnungen aus den Wissenschaften ernst zu nehmen und 2. dennoch und deswegen glaubwürdige, hoffnungsvolle Zukunftsentwürfe zu entwickeln.

      Für die Zeitschrift des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) habe ich gerade einen Gastbeitrag geschrieben, der in der Printversion auch schon veröffentlich ist: „Vom Cyberpunk zum Solarpunk – warum Bildungsarbeit gegen Hass und Hetze hoffnungsvolle Sprachbilder braucht“.

      Ich hoffe, diesen bald auch bloggen zu können – auch, weil mich Ihre Meinung dazu sehr interessiert. Vielen Dank, @Marie H., dass Sie sich so dialogisch, konstruktiv und zeitbewusst auf „Natur des Glaubens“ einbringen! 🙏🙌

      • Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Antwort, die mich tief berührt und zunächst sprachlos gemacht hat.

        Ganz am Ende Ihrer Antwort berichten Sie über einen Gastbeitrag für die Zeitschrift des Verbandes Bildung und Erziehung. „…Bildungsarbeit gegen Hass und Hetze..“ ist mE eine der größten und dringlichsten Herausforderungen für alle, die in diesem Bereich tätig sind. Vor allem betrifft das Lehrerinnen und Erzieher; und das beginnt schon in den Kitas. Darüber hinaus muss Aufklärung über und Vermittlung dieses Themas beispielsweise Teil betrieblicher Fortbildung sein, ebenso wie die Volkshochschulen in jedem Semester entsprechende Vorträge anbieten sollten.

        Vielen Dank für den Hinweis auf das Gespräch zwischen Markus Feldenkirchen und Robert Habeck, das ich mir sicher anschauen werde. Niemand hört im Vorfeld einer Wahl von Entwicklungen, die den bisherigen Vorstellungen zuwider laufen. Putin und die Ukraine, unsere liebgewordenen Illusionen wie Wandel durch Handel, sind Belege dafür.

        Ein weiteres Thema, das mich derzeit beschäftigt, ist der Einsatz von KI. Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass viele Videos auf z.B. Youtube mittels KI erstellt wurden. Da dies auch die Beschreibung historischer Ereignisse oder Persönlichkeiten betrifft, suche ich noch nach konkreten Hinweisen auf die Verwendung von KI.

        Die Gefahr der Geschichts(ver)fälschung ist sehr gefährlich, mE auch für Frieden und Freiheit.

        Hinzu kommt mE, dass wir hier möglicherweise juristisches Neuland betreten. Ich bin davon überzeugt, dass man gegen die falschen Informationen, die über die Shoa in den Umlauf gebracht werden, auch durch Gerichtsverfahren vorgehen muss. Im Ansatz ist mir die Dimension klar, denn die Fülle an Falschinfos stündlich ins Internet gestellt wird, ist immens. Schon allein der Nachweis vorsätzlichen Handelns dürfte die Justiz besonders herausfordern.

        Danke, dass Sie auch Medienethik und KI immer wieder in Ihren Blogposts aufgreifen.

        Ich freue mich auf hoffentlich noch zahlreiche interessante und lehrreiche Diskussionen.

  7. Steter Tropfen höhlt den Stein heißt es und was 1500 💧bedeuten können, kommt in diesem Rückblick als Zusammenfassung ja gut heraus.

    Auf mich ist die Freude an der Begriffsarbeit und am dialogischen Miteinander immer wieder übergesprungen und wurde zu einer Motivation da mitzumachen. Vielen Dank für Ihre Ausdauer.

    Mir gefällt das Diagramm zu den Friedensenergien sehr. Und es lässt mich begrifflich weiter denken.

    Konkret frage ich mich dabei, ob Erzeugung als Begriff wirklich gut passt, oder ob es nicht eher so etwas wie Ernten sein müsste, um sichtbarer werden zu lassen, wo die Energie ,,eigentlich“ erzeugt wird und dass sie den Menschen angeboten / geschenkt wird. Diese Energie kommt zu uns über Wasser, Wind oder Sonne und Menschen lernen gerade stärker, wie sie dieses Geschenk für sich besser nutzbar machen.

    Wenn der Geschenkcharakter in dieser Weise, das Leben zu gestalten, deutlicher wird, könnte auch die alternative Lebensweise von Ausbeutung, Leben auf Kosten von… was ja das andere Diagramm in Kurzform beschreibt, besser herausgearbeitet werden.

    Es ist ja ein sehr besonderes Phänomen, das Leben anders möglich ist, als nur auf Kosten von anderen, sondern so, dass die Welt besser verlassen wird, als man sie vorgefunden hat (Gedanke von Baden-Powell).

    • Haben Sie herzlichen Dank für Ihre immer wieder klugen und tiefen Drukos hier, @HG Unckell 🙏🙌

      Ich freue mich schon jetzt, auch mit Ihnen meinen Vortrag zu Medien, Macht & Mimesis diskutieren zu können, den ich vor der Uni Tübingen gehalten und noch zu transkribieren habe. Denn es geht dabei zentral auch um die Bedeutung von Begriffsarbeit: Genau darum drehte sich der sog. Positivismusstreit am Eröffnungstag einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am 19. Oktober 1961 in Tübingen. Damals plädierte Karl Popper (1902 – 1994) in einem Referat „Die Logik der Sozialwissenschaften“ für eine streng empirische Arbeitsweise, während sich Theodor Adorno (1903 – 1969), ihm antwortend, für eine kritische Begriffsarbeit stark machte.

      Nachdem ich Jahrzehnte fast einstiger „Popperianer“ gewesen bin (und hier auf dem Blog sogar mal als „Solarpopper“ verspottet wurde, was ich gerne annahm), sehe ich inzwischen beide im Recht: Ja, die Forschungsmethode sollte empirisch und falsifikatorisch sein, doch ohne kritische aufgearbeitete Begriffe lässt sich weder Armut, noch Antisemitismus, Klima- bzw. Mitweltschutz noch Städteplanung oder Verschwörungsglauben sinnvoll erforschen. Insofern würde ich mich freuen, wenn wir zu Begriffen wie „erneuerbaren Friedensenergien“ auch weiterhin im Dialog bleiben könnten – weil ich wirklich denke, dass ich da konstruktive Hilfe brauchen werde.

      Die auch nach meiner Einschätzung sehr eindrucksvolle Schaugrafik dazu entstand übrigens, weil mir eines der Kinder erläuterte, dass derzeit an ihrer Hochschule die meisten Studierenden von ChatGPT zu Claude wechselten. Also promptete ich die KI zu einer These, die ich ja selbst erarbeitet hatte – und war dann doch baff erstaunt. Aus meiner Sicht unterstreicht dies auch, dass KI-Anwendungen bereits jetzt stark und mitunter auch hochwertig auf Wissenschaftsblogs und Reden zugreifen.

      Von Herzen Dank und dann also gerne bis bald!

  8. @Blume
    Dass Sie hier schon 18 Jahre und mit 1500 Blogposts aktiv sind, ist eine beachtliche Leistung – dazu meine Anerkennung und Glückwünsche!

    Leider muss ich etwas Salz in die Wunden streuen.

    Ich habe schon 2008 bei Ihnen bzw. bei Scilogs darauf aufmerksam gemacht (als KRichard bzw. KinseherRichard), dass in Rahmen der sogenannten ´Nahtod-Erfahrung´(NTE) Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftmonat lebenslang dem bewussten Erinnern zugänglich sind.
    Bisher gilt aber als wissenschaftliche Lehrmeinung – dass Erlebnisse der frühen Kindheit später dem bewussten Erinnern nicht mehr zugänglich sind.

    D.h. eine wissenschaftliche Lehrmeinung ist nachweisbar falsch!

    ABER – obwohl Wissenschaftler verpflichtet sind, konkreten Hinweisen auf wissenschaftlichen Fehlern nachzugehen – gab und gibt es hier bei Scilogs keine einzige Person, welche sich wissenschaftlichen Qualitätsstandards nicht nur verpflichtet fühlt, sondern auch danach handelt.

    Dies bedeutet, dass man seit 18 Jahren wichtige Chancen vertan hat, die Arbeitsweise unseres Gehirns besser zu verstehen und sich daraus ergebende Erkenntnisse zum Nutzen der Menschen zu verwenden.

    Außerdem muss ich leider auch darauf hinweisen, dass man seit dieser Zeit viele sinnlose Tierversuche durchgeführt hat – weil man meine Hinweise nicht beachtet hat: sinnlose Tierversuche betrachte ich als Tierquälerei. Dies ist zusätzlich auch noch eine Verschwendung von Geldmitteln, von Forschungszeit und -geräten.

    Kurz gesagt: wenn ich lese ´18 Jahre Wissenschaftsbloggen´ dann muss ich dies leider auch als ´18 Jahre vertane Chancen´ betrachten. Und ich würde mich sehr freuen, wenn man sich über meine Hinweise nicht bloß empört – sondern ihnen so nachgeht, wie es die wissenschaftlichen Qualitätsstandards einfordern.

    • Lieben Dank, @KinseherRichard – ja, ich erinnere mich gut an unsere Kommentarwechsel, die ich leider kaum als dialogisch erfahren habe. Während ich versuchte, aufmerksam, freundlich und konstruktiv zu sein, nutzten Sie verschiedenste Blogposts und später sogar EMails, um auf Ihren Spezialthesen zu beharren. Das hatte bei mir eher den Effekt, dass ich mich von Ihren Themen entfernte – zumal parallel zu Ihnen ja auch andere Accounts etwa scharfe Thesen zu UFOs, Religionen oder Parteien platzieren wollten.

      Mir ist schon klar, dass gerade auch wir Männer in höherem Alter Gefahr laufen, uns in bestimmte Sachverhalte hineinzusteigern und von anderen Aufmerksamkeit einzufordern. Aber so funktionieren Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsblogs eben nicht. Ich habe keine besondere Expertise zu Nahtodes-Erfahrungen („NTE“) und Tierversuchen – und sehe es also überhaupt nicht ein, dazu auf autoritäre Weise zu Stellungnahmen gedrängt zu werden. Wenn es Ihnen nicht gelingt, mit der wertvollen Zeit, Aufmerksamkeit und Dialogbereitschaft anderer Menschen sorgfältig umzugehen, dann werden Sie auch weiterhin kein Gehör finden und hier auf „Natur des Glaubens“ nicht glücklich werden.

      Diese Grundregeln des wissenschaftlichen Dialoges gelten im Übrigen auch für uns Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander. Sie sehen oben ein Schaubild meiner These der „erneuerbaren Friedensenergien“, die ich für sogar militärisch relevant halte. Nerve, trolle oder beschimpfe ich deswegen Kolleginnen oder Kollegen? Schreibe ich wirre Mails, in denen ich pauschale Vorwürfe gegen wissenschaftliche Institutionen erhebe?

      Nein, ich stelle die These in verschiedener Weise vor und zur Diskussion – und gut ist. In der Wissenschaft sollte es nicht um Vorwürfe, Macht und Druck gehen, sondern um die gemeinsame und also dialogische Suche nach Erkenntnis.

      Dass ich bereit bin, mich in meiner knappen Freizeit auf meinem Spektrum-Blog mit Accounts auf Augenhöhe auszutauschen, darf nicht bedeuten, dass ich mich von Spezialinteressierten autoritär herumkommandieren lasse. Auch das habe ich in all den Jahren des Wissenschaftsbloggens gerade auch im Bereich religionswissenschaftlicher Themen immer wieder gelernt und inzwischen verinnerlicht.

      Ihnen dennoch von Herzen alles Gute! 😊🖖

    • Sie schreiben, „Bisher gilt aber als wissenschaftliche Lehrmeinung – dass Erlebnisse der frühen Kindheit später dem bewussten Erinnern nicht mehr zugänglich sind.
      D.h. eine wissenschaftliche Lehrmeinung ist nachweisbar falsch!“
      Mich würde interessieren, wie Sie zu Ihren Erkenntnissen kommen. Führen Sie empirische Studien durch?

      • @Berg
        Es ist bekannt, in welcher Reihenfolge sich z.B. die menschlichen Sinne beim Fötus entwickeln.
        Bei Nahtod-Erfahrungen (NTEs) ist genau diese Reihenfolge in Form von Erinnerungen erkennbar. Wobei auch bei vielen NTEs immer die gleiche Struktur erkennbar ist.

        NTEs zeigen einheitliche Strukturen/Abläufe – wogegen Halluzinationen unstrukturiert sind. Deshalb sind NTEs der Erforschung (Datenanalyse) zugänglich.

        • Dann müssen Sie aber ganz konkret sagen, was Sie damit anfangen wollen. Ihre Aussagen sind viel zu allgemein. Damit kann niemand etwas anfangen.

          • Vielen Dank, @Stefan Berg

            Denn genau so ist es. Wissenschaftliche Aussagen setzen ein Verständnis wissenschaftlicher Methoden und also von Erkenntnistheorie voraus.

            Auch das versuche ich auf diesem Blog mit freundlicher und beharrlicher Geduld immer wieder zu erläutern. Jeder konstruktive Beitrag dazu ist willkommen. 🙏

        • @Berg
          Das Bemerken/Registrieren von gleichartigen Mustern ist oft der Anfang für neue Erkenntnisse – wenn man dann überlegt, was diese wohl bedeuten könnten.
          Erst danach kann man dann entscheiden, ob man daraus neue brauchbare Ideen entwickeln kann, oder nicht – und was man damit anfangen kann.

  9. Von mir auch alles Gute! Auf Grund Ihres blogs habe ich mir sogar ein religionsspezifisches Buch gekauft. ‚ Die Ordnung des Himmels‘ von Bernhard Meier.
    Ganz schön viel los bei den Religiösen.

  10. Viel Freude mit den nächsten 50 Jahren Wissenschaftskommunikation!
    Sie haben mich manchmal missverstanden, aber das kann gut an mir liegen (Ich habe wohl eine komische Art, mich auszudrücken).

    • Vielen Dank & alles gut, @wereatheist 😌

      Ich bin halt ein tiefer Fantasy-Fan und habe bei einem „Weratheist“ (Lycantrophie!) durchaus Vorstellungen, die Ihnen sicher nicht gerecht werden. 🐺😄

      Doch wenn Sie das wollen, kriegen wir schon gute Dialoge hin! Wäre (Were 😉 ) doch gelacht…

  11. Mich würde ein Artikel zu westlicher Transzendenz und östlicher Immanenz interessieren.
    Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Sowohl spirituell, als auch politisch

  12. Das mit der Lycantrophie ist richtig.
    Ich würde mich doch meist lieber als „Agnostiker“ bezeichnen. Aber manchmal, z.B. bei Vollmond, reicht das halt nicht.

  13. Ach, die Sagrada Familia ist jetzt fertig?
    In seinem Buch „Homage to Catalonia“ beschwerte sich ein gewisser Eric Blair (a.k.a George Orwell) darüber, dass die Anarchisten vergessen hatten, diese Kirche niederzubrennen.

    • Genau wie der Kölner Dom wird auch die Sagrada Familia in Barcelona niemals ganz fertig werden.

      Aber das Kreuz aus Bayern ist nun drauf und die Messe ist gelesen! 🙂

      „Auf der Spitze des 172,5 Meter hohen Turms befindet sich dabei auch ein Stück bayerischer Ingenieurskunst: ein 17 Meter hohes Glaskreuz des Fassadenbauers Gartner aus Gundelfingen an der Donau.

      Vor der eigentlichen Weihe hatte Leo XIV. eine Messe in der Basilika gefeiert, an der auch das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia sowie Ministerpräsident Pedro Sánchez teilnahmen. Zudem besuchte er die Krypta mit dem Grab Gaudís. Der Architekt hatte die Sagrada Familia geplant und über Jahrzehnte geprägt. Er starb 1926 nach einem Straßenbahnunfall in Barcelona – als er zum Beten in eine Kirche gehen wollte.

      In seiner Predigt sagte er [der Papst, M.B.], das Gotteshaus sei ein „sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, zu dessen Ehre ihre Türme emporragen“. Weiter sagte er: „Die Basilika Sagrada Família ist weit mehr als nur ein Denkmal; sie ist bis heute ein Bauwerk im Entstehen, das uns daran erinnert, dass das christliche Leben stets ein Weg ist, denn es handelt sich um ein Projekt, das Gott verwirklicht.“ Die Unvollkommenheit, der weiterhin im Bau befindlichen Kirche sei „kein Mangel, denn sie zeugt von einer Sehnsucht; sie bedeutet nicht ein Fehlen von etwas, sondern drückt ein Versprechen aus, das wir konsequent einhalten wollen“.“

      https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/papst-weiht-turm-der-sagrada-familia-ein-mit-kreuz-aus-bayern,VMADBtv

      Fantasien über das Niederbrennen von Gotteshäusern finde ich auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte grundsätzlich nicht lustig. Habe sehr bewusst am 9. November 2023 im Landtag Baden-Württemberg gesprochen – dem 100. Jahrestag des ersten Hitlerputsches in München und dem 85. Jahrestag der Reichspogromnacht, als zahlreiche Synagogen angezündet wurden…

      https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/im-landtag-bw-gegen-antisemitismus-meine-rede-zum-9-11-2023/

      Auch dazu hat die Geschichte entschieden.

      Orwell sah die katholische Kirche noch im Kontext des Faschismus, doch seit dem II. Vatikanum hat sie sich deutlich weiterentwickelt und der derzeitige Papst stellt sich klar auf die Seite der Menschenwürde.

  14. Lieber Herr Blume,
    heute Nachmittag empfahl ich in der S-Bahn nach Zwickau einer Studentin auf Lehramt Geschichte/Biologie in einem spannenden Gespräch Ihren Blog und rief ihn gleich mal auf.
    Sie hatte schon davon gehört.
    Ich habe schon viel Erhellendes hier gelesen.
    Danke!

    • Ganz herzlichen Dank für diese wundervolle Rückmeldung, lieber @Eckehard Erben 🙏🖖

      Wenn dieser Blog nicht nur Menschen individuell erreicht, sondern auch Personen über Generationen hinweg zum Dialog miteinander bringt – dann sind meine Erwartungen weit übertroffen, dann bin ich einfach glücklich! 🌞👍

      Und ich mache auch gerne weiter, versprochen! In der nächsten Folge von „Blume & Ince“ wollen wir gemeinsam eine Friedensforscherin besuchen. Parallel dazu arbeite ich auch am Transkript meiner Mimesis-Rede an der Universität Tübingen. Online steht sie hier bereits zur Verfügung:

      https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20260602_001_rvdigitmedioeko_0001

      Ihnen von Herzen Dank für Ihre wertvollen Beiträge und gerne bis bald!

      • Ich habe gerade die Freude, für ein Konzert unter dem Motto „Musikalische Legobausteine – zwischen Chaos und Ordnung“ auf einem Instrument von 1680 spielen zu dürfen.
        Das spannt ja beeindruckende Zeitspannen auf und beeinflusst auch mein Denken.
        Das dann folgende Konzert hat das Motto „Fugen und Spaltmaße im Salon“.
        Ich denke, das kann Ihre Fantasie anregen, zumal die musikalischen Eckpfeiler „Gold und Silber“ von Franz Lehar, „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana und „Im Wagen vor mir fährt ein schönes Mädchen“ von Hans Blum sind. Dazu einiges aus „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach.
        Das geht nur mit einem genialen Arrangeur. Den habe ich.
        Ich denke, Sie ahnen die Doppelbödigkeit.

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