Ein gewaltiger Erdrutsch

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Am 9. April 2000 ereignete sich ein gewaltiger Erdrutsch im östlichen Tibet bei 30°14′ N, 94°59′ E. Er war, zumindest laut einer Liste des USGS, der 11. größte Erdrutsch im Zeitraum 20. bis 21. Jahrhundert.

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Das Tal des Yigong River, wie es  der Enhanced Thematic Mapper Plus (ETM+) von Landsat 7 am 23. September 1999 sah.

Oben in einer Schlucht namens Zhamu Creek, in rund 5500 m Höhe (3300 m über dem Talboden) gab der Berg nach. rund 100 Millionen Kubikmeter Gestein benötigten für die Überwindung der gut 3000 Höhenmeter und 8 Kilometer Distanz benötigten die Geröllmassen nur rund 10 Minuten, bis sie das Niveau des unterhalb fließenden Flusses, des Yigong River erreichten. Dort bildeten die Massen einen in Spitzen bis zu 90 Meter hohen Damm, welcher den Yigong an seinem Lauf hinderte. Wohl nicht ganz geklärt, was den Erdrutsch letztlich ausgelöst haben kann. Weder außergewöhnliche Regenfälle noch Erdbeben wurden in der fraglichen Zeit für die Gegend registriert. Möglicherweise hat Schmelzwasser von Gletschern eine entscheidende Rolle gespielt. Zumindest dürften die Geröllmassen gut mit Wasser durchmischt gewesen sein. Eine derartige Mure hätte in dicht besiedelten Gegenden eine verheerende Wirkung.

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Und so bot sich das Tal am 4. mai 2000 dem Auge des Enhanced Thematic Mapper Plus (ETM+) von Landsat 7 dar. Der Stausee hatte zu dem Zeitpunkt bereits eine Ausdehnung von 34 Quadratkilometern.

Aber auch so kostete der Erdrutsch rund 109 Menschenleben. Und er brachte weit größere Probleme mit sich. Denn der blockierte Yigong begann rasch, das stromaufwärts gelegene Tal zu füllen und über die nächsten beiden Monate bildete sich ein ca. 52 Quadratkilometer großer Stausee. Um die entstehende Gefahr eines Dammbruchs zu bannen, wurden von den Behörden knapp 4000 Menschen umgesiedelt und versucht, den Damm durch einen Kanal zu entlasten. Bis zum 3. Juni wurde der Kanal fertiggestellt. Am 10 Juni begann das Wasser über diesen Kanal durch den Damm zu brechen und den Stausee innerhalb von 2 Tagen zu entleeren. Die Flutwelle ließ den Fluss stark anschwellen, 17 Kilometer unterhalb des Dammes wurden in der Spitze bis zu 120 000 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Mehrere Brücken, Straßen entlang des Flusses und Kommunikationsverbindungen wurden durch die Flutwelle zerstört, aber zumindest in Tibet konnten weitere Verluste an Menschenleben vermieden werden. Leider hatten es die chinesischen Behörden verschlafen, die weiter flussabwärts gelegenen indischen Behörden über die Ereignisse auf dem laufenden zu halten. Aus dem Grund wurden die Menschen in Arunachal Pradesh von der Flut überrascht, wodurch nicht nur 130 Menschen den Tod fanden, sondern auch rund 50 000 weitere obdachlos wurden.

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Das Tal des Yigong am 15. November 2001, ebenfalls durch den Enhanced Thematic Mapper Plus (ETM+) von Landsat 7 aufgenommen. Man kann die Ausmaße der Flut unterhalb des dammes gut erkennen.

Der Yigong und Zhamu Creek sind durchaus bekannt für große Erdrutsche und daraus resultierende Staudämme. Bereits 1900 hatte sich ein ähnliches Ereignis an dieser Stelle abgespielt.

 

NASA Earth Observatory image created by Jesse Allen and Robert Simmon, using Landsat data provided by the United States Geological Survey. Caption by Adam Voiland.

Evans, S. (2011). Characterization of the 2000 Yigong Zangbo River (Tibet) Landslide Dam and Impoundment by Remote Sensing. Natural and Artificial Rockslide Dams.

Petley, Dave. (2012). The Yigong Rock Avalanche, Tibet. The Landslide Blog. Accessed June 15, 2012.

Shang, Y. (2003). A Super-Large Landslide in Tibet in 2000: Background, Occurrence, Disaster, and Origin. Geomorphology.

Zhihua, W. (2002). Satellite Monitoring of the Yigong Landslide in Tibet, China. Proceedings of the SPIE.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare

  1. @ Lars

    Das vermute ich auch. Mit ziemlich großer Sicherheit ist auch das Ereignis von 1900 nicht das Erste seiner Art dort gewesen. Wenn man die Sedimente im Tal des Yigong oberhalb des Zhamu Creek untersuchen, würde, würde man sicher mehrere verschiedene Stauseephasen identifizieren können.

    Das wäre sicher schon alleine aus dem Grund interessant, weil man etwas über die Häufigkeit dieser gefahren erfahren würde.

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