Wie kann man Fake News erkennen? Carl Sagans Baloney Detection Kit

Fake News und alternative Fakten spielen in einer, wie es so schön heißt, postfaktischen Welt eine immer größere Rolle. Da kann einem manchmal ganz schön schwindelig werden, bei dem Mist, der sich da verbreitet. Besonders zu Zeiten, in denen Wahlen anstehen, scheint man besorgt, dass Fake News den Ausgang beeinflussen könnten. Aber wie kann man eigentlich Sinn und Unsinn, ob im im Netz oder sonst wo, unterscheiden? Wie finde ich heraus, ob eine These sinnvoll ist oder mehr in die Kategorie der Pseudowissenschaft gehört? Carl Sagan hat mit seinem Baloney Detection Kit einen recht umfassenden Werkzeugsatz bereit gelegt. Ich habe mich mal an einer mehr oder (wahrscheinlich) weniger eleganten Übertragung ins Deutsche versucht. Für Risiken und vor allem Nebenwirkungen dieses Werkzeugsatzes bei einer sachgemäßen Anwendung auf Thesen und einschlägige Werke und das eigene Weltbild wird allerdings keine Haftung übernommen.

1. Wenn möglich, Bestätigung der Fakten durch eine unabhängige Quelle suchen.

2. Es sollte eine Debatte möglich sein, bei der die Vertreter aller Richtungen ausgiebig zu Wort kommen.

3. Argumente mit Hilfe von “Autoritäten“ besitzen keinen Wert, denn in der Wissenschaft gibt es keine Autoritäten.

4. Entwickle mehrere Hypothesen und folge nicht der erstbesten Idee, um eine Sache zu erklären.

5. “Verliebe“ Dich nicht in eine Deiner Hypothesen.

6. Teste die Vorhersagen Deiner Hypothesen, wann immer das möglich ist. Quantifiziere die Vorhersagen wenn möglich.

7. In einer Argumentationskette muss jedes Glied der Kette in Ordnung sein. Denn jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

8. Occam´s Messer: Wenn zwei Hypothesen einen Sachverhalt gleich gut erklären, wähle die einfachere, bei der weniger Vorraussetzungen anzunehmen sind. Sie ist die Wahrscheinlichere.

a. Sind Kontrollexperimente durchgeführt worden? Besonders Doppelblindversuche, bei denen die durchführende Person nichts von dem Test oder der Hypothese wusste.

b. Schaue nach irritierenden Faktoren und trenne die Testvariablen.

9. Ist eine Hypothese überprüft worden? Ist sie durch irgendeinen Test widerlegbar? Jede Hypothese sollte zumindest prinzipiell widerlegbar sein. Wird sie durch Tests bestätigt; können unabhängige Tester die Ergebnisse bestätigen?

10. Lasse Dich nicht durch logische und rhetorische Tricks verwirren

a. Ad hominem – persönliche Angriffe gegen den Diskussionspartner, nicht gegen seine Argumente.

b. Argumente, bei denen sich auf eine Autorität berufen wird.

c. Überzeugung durch nachteilige Konsequenzen einer „falschen“ Entscheidung, durch die Druck auf Dich ausgeübt werden soll.

d. Die Abwesenheit von Belegen ist kein Beleg für ein Nichtvorhandensein.

e. Verweise auf etwas wie Gottes Wille oder dergleichen.

f. Rhetorische Fragen, die eine bestimmte Antwort beinhalten.

g. Selektive Beobachtung. Treffer zählen und Nieten vergessen.

h. Bei Statistiken: War die Probenmenge groß genug, um die Aussagen zu treffen?

i. Irrtümer über Statistik. Ist es wirklich alarmierend, wenn die Hälfte der Amerikaner einen IQ unter dem Durchschnitt hat, wie Präsident Eisenhower fand?

j. Widersprüche. Militärische Ausgaben gehen von worst case Szenarien aus, aber wissenschaftliche Warnungen vor Gefahren werden ignoriert, weil sie „nicht bewiesen“ sind.

k. Non sequitur – „daraus folgt nicht“. l. Post hoc, ergo propter hoc. „Es folgt, also ist es verursacht durch“. Verwechslung von Ursache und Wirkung.

m. Sinnlose Fragen: Was passiert, wenn eine unwiderstehliche Kraft auf ein unbewegliches Objekt wirkt?

n. Die vergessene Mitte: Werden aus einer Reihe von Möglichkeiten nur die Extrempositionen gesehen, um die Gegenseite älter aussehen zu lassen?

o. Kurzfristige gegen langfristige Wirkung: Warum Grundlagenforschung betreiben, wenn wir ein so großes Haushaltsdefizit haben?

p. Argument mit dem “Dammbruch“: „ wenn man ihnen einen Finger gibt, nehmen sie den ganzen Arm“.

q. Verwechslung von Korrelation mit Ursache. „Die Storchenpopulation in Deutschland nimmt parallel zur Geburtenrate ab.“

r. Das Strohmännchen. Karikaturen oder Stereotype über die Gegenseite, um sie leichter angreifbar zu machen.

s. Angebliche Unterdrückung der Wahrheit

t. Euphemismen. Benutzung neuer und positiver Worte, um etwas Negatives zu beschreiben. Von „Polizeiaktion“ reden, anstatt von Krieg.

ws

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Carl Sagans Balony Detection Kit scheint für die reale, chaotische Welt geschaffen zu sein, allerdings weniger um Fake News zu entlarven, sondern mehr um gute von schlechten Theorien unterscheiden zu können.

    Die Punkte 4 bis 8 können gar als Anleitung aufgefasst werden wie man selber zu eigenen guten Hypothesen und Theorien kommt.
    Doch für Einstein beispielsweise trifft kaum einer dieser Punkte zu. Einstein sagte von sich selbst, er habe in seinem gesamten wissenschaftlichen Leben nur 3 gute Ideen oder überhaupt nur 3 Ideen gehabt. Das widerspricht Punkt 4:

    Entwickle mehrere Hypothesen und folge nicht der erstbesten Idee, um eine Sache zu erklären.

    Auch Punkt 5 wurde von Einstein schwerstens verletzt:

    „Verliebe“ Dich nicht in eine Deiner Hypothesen.

    , denn Einstein “verliebte” sich schwerstens in seine Idee (oder auch Hypothese),

    dass ein Beobachter in einem geschlossenen Labor ohne Wechselwirkung mit der Umgebung durch überhaupt kein Experiment feststellen kann, ob er sich in der Schwerelosigkeit fernab von Massen befindet oder im freien Fall nahe einer Masse.

    Diese Beispiele erklären vielleicht den Einsteinschen Aphorismus:

    „Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint.“

  2. Was sind denn das für Bots hier?

    Egal. Interessant wäre doch jetzt, wenn man das Balony Kit auf unsere Parteien während des kommenden Wahlkampfes anwendet. Am besten Life und bunt und mit medialer Aufmerksamkeit.

  3. In den sozialen Netzwerken gibt es Tasten für “mag ich” und “mag ich nicht”.
    Man sollte in den sozialen Netzwerken auch Tasten für “glaub ich” und “glaub ich nicht” einführen.

  4. Punkt 9 von Sagans Shit-Detektor: “Wissenschaft befasst sich nicht mit Aussagen, die nicht falsifizierbar sind” wurde von Wolfgang Pauli auf folgende Formel für in seinen Augen besonders unbrauchbare Theorien gebracht: “Nicht einmal falsch”, was dann Peter Voit als Buchtitel diente für ein Buch, in dem er kein gutes Haar an der Stringtheorie liess.

    Wobei diese Einschätzung der Stringtheorie durch Voit wohl falsch ist. Die Stringtheorie ist eine prinzipiell empirische Theorie – sie kann nur nicht mit den heutigen Technologien überprüft werden, weil diese die für die Experimente nötigen Energien nicht aufbringen können.
    Laut Richard Dawid – einem mathematischen Philosophen – sind sämtliche fundamentalen pyhsikalischen Theorien der letzten 40 Jahre bis heute nicht empirisch bestätigt worden. Peter Voit geht auf Dawid in seinem Blog Not even wrong ein.

    • Falsch ist jedenfalls Voit — der gute Mann heisst Peter Woit.

      Die einer Theorie zugrundeliegenden Hypothese sind grundsätzlich nicht empirisch falsifizierbar. Die Sache mit der Falsifizierbarkeit bezieht sich stets nur auf Voraussagen, die aus theoriebasierten Modellen erhalten werden.

      Nach Duhem-Quine funktioniert Falsifizierung in der Praxis allerdings überhaupt nicht. Historisch-empirisch sind Theorien immer nur verschwunden, indem ihre Apologeten irgendwann ausgestorben sind.

        • Eben, von “Beobachtungssatz” ist in dem Zitat die Rede. Dazu wäre die Situation einer Beobachtung theoriebasiert zu modellieren, sodass das Modell eine Voraussage für ein zu erwartendes Resultat liefert, was dann mit dem tatsächlichen Resultat der Beobachtung verglichen werden kann. Passt es nicht zusammen, liegt das für die Proponenten einer Theorie typischerweise nicht an ihrer Theorie, sondern an irgendwelchen, im verwendeten Modell noch unzureichend berücksichtigten Nebengeräuschen.

          • Letztlich geht es beim “Falsifikationsargument” um die (evtl. fehlende) Verbindung einer Theorie zur Empirie. Wobei eine Falsifikation die Theorie erschüttern sollte. Wenn aber gar keine Falsifikation möglich ist, ist die Theorie empirisch “nicht geerdet”. Gerade für Peter Woit ist die von ihm behauptete fehlende Verbindung der String Theorie zur Empirie, das, was ihr das Label “Not Even Wrong” einbringt. Im Blog-Artikel String Theory and the Scientific Method jedenfalls lässt er das Plädoyer von Richard Dawid für nicht-empirisch abgesicherte, aber “plausible” Theorien wie die String Theorie nicht gelten und er schreibt zu Dawids Einschätzung, bei der String Theorie handle es um eine in Entstehung begriffene finale Theorie:

            What is the reason you should accept this final theory that no one can understand? Obviously the lack of any empirical support is a problem, so Dawid turns his attention to a detailed study of the subject of “non-empirical theory assessment”.

            Doch Peter Woit lässt sich nicht einlullen durch Dawids Argumente und stellt wiederum die fehlende empirische Evidenz für die String Theorie als Killer für die String Theorie dar:

            no SUSY at 8 TeV means almost surely no SUSY at 13 TeV, and thus no prospects for experimental evidence for SUSY during any of our lifetimes. To prop up the string theory unification program past SUSY null results from the 13 TeV LHC in 2016 is going to require relying on Dawid’s “non-empirical theory assessment” and convincing people that string theory and the multiverse represent a new paradigm for how to pursue fundamental science. This book will be welcomed by those pursuing such a goal.

            Fazit: Falsifikationen werden von Theorieerfindern zwar selten sofort als Killer akzeptiert (liegt am Modell/Experiment etc), aber die hinter dem Falsifikationsgedanken stehende Forderung nach empirischer Überprüfbarkeit der Theorie, die wird letztlich von allen erwartet – von denen, die überzeugt werden müssen, meist sofort oder bald, von denen, die überzeugen wollen, wird sie versprochen, wenn vielleicht auch ohne angeheftetes Datum.

      • Chrys schrieb (25. Januar 2017 @ 10:52):
        > Die einer Theorie zugrundeliegenden Hypothese sind grundsätzlich nicht empirisch falsifizierbar.

        Das, was jeweils einer bestimmten Theorie zugrundeliegt, wird systematischer “Axiom(e)” und “Definition(en)” genannt
        (die natürlich ganz ausdrücklich und grundsätzlich nicht empirisch falsifizierbar sind).

        > Die Sache mit der Falsifizierbarkeit bezieht sich stets nur auf Voraussagen,

        … systematischer/umfassender: auf Hypothesen …

        > die aus theoriebasierten Modellen erhalten werden.

        (Das kommt mir bekannt vor! ;)

        Zu beachten ist natürlich, dass auf der Basis einer einzigen Theorie i.A. sehr viele verschiedene Modelle aufgestellt werden können.
        Analogie (bzw. konkreteres Beispiel):
        Der Wertebereich einer einzigen bestimmten Messgröße umfasst i.A. mehr oder weniger zahlreiche verschiedene Einzelwerte.

        Jede einzelne relevante (empirisch falsifizierbare) Hypothese kann wiederum mehrere Modelle zusammen betreffen, die im Falsifizierungsfalle gemeinsam verworfen würden.

        > […] Historisch-empirisch sind Theorien immer nur verschwunden, indem ihre Apologeten irgendwann ausgestorben sind.

        (Wobei die besagten Apologeten sogar noch nicht einmal zwingend ausgestorben bleiben müssten, sondern sich eventuell rekonstituieren könnten; insbesondere falls noch nicht alle Modelle auf Basis der betreffenden Theorie schon falsifiziert wären.)

        Von “(nachvollziehbarer) epirischer Evidenz” (Messwerten)
        endgültig zu Fall gebracht werden können stattdessen natürlich:
        bestimmte (auf nachvollziehbarer Grundlage erstellte, deshalb so genannte “wissenschaftliche”) Modelle.

        Diese verschwinden eines ums andere in den “Annalen dessen, was wenigstens falsch war”…

    • @Martin Holzherr

      Eine Theorie als solche lässt sich nicht empirisch testen. Empirisch überpruft werden kann an einer Theorie lediglich das, was theoriebasierte Modelle an Prognosen über die Ergebnisse konkreter Experimente oder Observationen liefern. Falls eine Theorie — warum auch immer — keine solche überprüfbaren Prognosen gestattet, dann fehlt ihr die Anbindung an die Empirie.

      By the way, Peter Voits wäre not even wrong gewesen, wie Herr Wappler herausgefunden hat. Faszinierend.

      • Dem, Chrys, kann ich nun voll zustimmen – und wohl auch Herr Wrappler.
        Wobei für mich die Aussage “Eine Theorie empirisch prüfen” schon immer als Abkürzung für das Testen eines theoriebasierten Modells stand.

        • Martin Holzherr schrieb (25. Januar 2017 @ 16:54):
          > Wobei für mich die Aussage „Eine Theorie empirisch prüfen“ schon immer als Abkürzung für das Testen eines theoriebasierten Modells stand.

          Das weckt meine Neugier:
          Stand und steht die entsprechend naheliegende Formulierung „Eine Theorie wurde empirisch falsifiziert“ (für dich) nach wie vor als Abkürzung für das Beibehalten dieser Theorie und aller darauf basierenden Modelle, die (noch) mit den (in Anwendung dieser Theorie auf gegebene Beobachtugsdaten gewonnenen) vorhandenen Messwerten verträglich sind
          ?? …

          • Eine empirisch falsifizierte Theorie ist erledigt – ausser die Falsifikation kann ausgeräumt werden, weil 1) das Modell welches zur Falsifikation führte falsch aus der Theorie abgeleitet wurde; 2) die Theorie auf nicht-essenzielle Art angepasst werden kann, so dass der Widerspruch wegfällt.
            Wenn an anderer Stelle @Chrys schreibt, Theorien würden kaum je an einer Falsifikation scheitern, so meint er wohl Theorien, die bereits eine so grosse Erklärungsmacht besitzten, dass sie nicht so ohne weiteres aufgegeben werden. Doch ich behaupte: Sehr viele Theorien werden gar nicht allgemein bekannt, weil sie in einem frühen Stadium falsifiziert wurden. So scheint Mark Van Raamsdonk’s These, die Raumzeit entstehe durch Quantenverschränkung, bereits verschiedene Theorieversionen geboren zu haben von denen einige “widerlegt” wurden, weil sie Grundprinizipien widersprachen. Mit anderen Worten: Die Grundidee von Raamsdonk, die Raumzeit entstehe durch Quantenverschränkung von Partikeln, die den Rand der Raumzeit säumen , gebiert verschiedene Theorieversuchsballons, von denen die meisten widerlegt werden. Als Reaktion darauf werden neue solche Theorien entworfen.

      • Chrys schrieb (25. Januar 2017 @ 16:23):
        > Empirisch überprüft werden kann […] lediglich das, was theoriebasierte Modelle an Prognosen über die Ergebnisse konkreter Experimente oder Observationen liefern.

        Das hat meine volle Zustimmung.

        Gewissenhaft (pingelig?) wie ich bin, möchte ich aber nicht unterschlagen, dass ich mit der Phrase, die ich dabei aus dem Zitat herausgeschnitten habe, nämlich “[Empirisch überprüft werden kann] an einer Theorie […]“, an dieser Stelle nicht ganz einverstanden wäre.

        Gibt’s im Wortschatz was Passendes, um die Gesamtheit einer Theorie und aller (momentan noch in Frage kommender) darauf basierender Modelle zu benennen?
        Warum nicht: “Kenntnisstand (auf einem bestimmten Gebiet)”,
        oder sogar “(Stand eines bestimmten Zweiges der) Wissenschaft”
        ?

        Und falls jemand leichthin von “der String-Hypothese” spräche, würde ich

        – (mich) (eher rhetorisch) fragen, welche Theorie denn die Begriffe geliefert hätte, um diese vereintliche Hypothese zu formulieren, und die natürlich auch nachvollziehbar fortbestehen müsste(n), falls die betreffende Hypothese empirisch falsifiziert worden wäre, und

        – doch beim Begriff “String-Theorie” bleiben.

        > Falls eine Theorie — warum auch immer — keine solche überprüfbaren Prognosen gestattet, dann fehlt ihr die Anbindung an die Empirie.

        Auch dem kann ich voll zustimmen.
        Aber, um beim interessanten Beispiel zu bleiben:
        Ist die String-Theorie überhaupt von derartigem Mangel an empirischer Anbindung betroffen? …

        • @Frank Wappler / 25. Januar 2017 @ 22:40

          »Ist die String-Theorie überhaupt von derartigem Mangel an empirischer Anbindung betroffen?«

          In dieser Spektrum Sonderausgabe ist zu lesen, dass Gordon Kane behauptet, die Masse des sogenannten Higgs-Bosons vermöge der sogenannten M-Theorie korrekt vorhergesagt zu haben. Aber stimmt das tatsächlich oder blufft er nur? Abgedruckt ist da auch, wie Martinus Veltman von Lars Fischer interviewed wurde, und wo Veltman dann urteilt: “Die String-Theorie ist ziemlich tot.

          Was soll man als Tourist im String-Land also glauben? Und aus welchen Gründen? Hilft einem ein Baloney Detection Kit zu einer Entscheidung, und falls ja, wie?

        • »Ist die String-Theorie überhaupt von derartigem Mangel an empirischer Anbindung betroffen?« Ja, sie ist. Das sagen selbst String-Theorie Verfechter.
          Der Hauptschwachpunkt scheint hier der zu sein, dass String-Theorien eine ganze Landschaft von Lösungen (möglichen Universen) präsentieren und nur einige davon haben überhaupt etwas mit unserem Universum zu tun. Zitat Wikipedia (von mir übersetzt):

          String-Theorie wie man sie heute versteht, hat eine gigantische Anzahl von Vakuum-Zuständen, nämlich etwa 10^500 und die unterscheiden sich genügend stark voneinander um praktisch jedes Niederenergiephysikphänomen modellieren zu können.

        • @ Herr “Dr.” Holzherr :

          Eine empirisch falsifizierte Theorie ist erledigt (…)

          Negativ.

          Naturwissenschaftliche Theorien befinden sich einerseits ohnehin oft, durchaus: dankenswerterweise, am Rande ihrer empirischen Adäquatheit und andererseits kann oft nachgebessert werden, theoretisierend.

          MFG
          Dr. Webbaer

  5. Das ist vielleicht das größere Problem an der Sache: Nach ein paar Tagen hat sich der Fake schon verbreitet, der Schaden ist angerichtet, also was bleibt noch zu tun?
    Der Konter läuft ins Leere.

    Eigentlich ist es die Aufgabe der Politiker, mit Florettgeschwindigkeit und Florettpräzision einen Konter zu fahren, vielleicht ähnlich polemisch, aber wirksam… Doch leider ist es in der Realität so dass ein Politiker nun mal das Tagesgeschäft hat und sich nicht so sehr um Facebook kümmern kann wie ein arbeitsloser AFD Anhänger oder ein von Russland bezahlter RP Online “Journalist”.

    • Es ging mir weniger um Kontern, als um eine ganz persönliche Kurzprüfung. Fake News hätten es sicher deutlich schwerer, wenn sie nicht jeder ungeprüft viral weiterleitet. Jeder kann doch den eigenen Verstand einschalten und gebrauchen. das ist sicher nicht unfehlbar, legt aber die Stange für die Verfasser von Fake News ein klein wenig höher.

  6. Bei Carl Sagans “Baloney Detection Kit” geht es darum Pseudowissenschaft zu enttarnen, bzw. zu vermeiden. Dazu passt auch der heutige “Not Even Wrong”-Blog-Eintrag:Fake Physics wo Peter Woit schreibt, für ihn gebe es inzwischen auch Physik, für die die Definitionen zuträfen , die man für Fake News brauche (Multiversumsdiskussion etc) und zudem beobachte man die gleichen Verbreitungs- und Täuschungstaktiken wie bei Fake News. Wer einen Physik (String Theorie)-Artikel mit der Frage “Was geschah vor dem Big Bang” schreibe, wolle den schnellen Zugriff a la Click Bait und auch ein Titel wie “Wissen sie, dass ein Doppelgänger von ihnen sich jetzt gerade mit Scarlet Johansson irgendwo im Multiverse trifft?” will das gleiche erreichen. Peter Woit bringt dann noch ein wunderbares “Fake Physics”-Zitat von einem zum Philosophen mutierten ehemaligen Physiker namens Sean Carroll :

    David Chalmers does a wonderful job at making an important point: “A virtual world is just as real as a physical world.”… what’s real to one person might be virtual to someone else.

  7. Weiß ich nicht genug über die String-Hypothese um sie Fake-Physik zu nennen.
    Die entwickeln jetzt mathematische Werkzeuge. Vielleicht braucht man die ja irgendwann mal.

    Der Woit schreibt jedenfalls klar gegen die String-Hypothese gegenan: das ist natürlich auch nicht gerade die wissenschaftliche Offenheit.

    • Die String Theorie selbst kann man kaum als Fake Physics bezeichnen. Und ihre mathematischen Werkzeuge werden tatsächlich schon an vielen Stellen gebraucht. Peter Woit meint mit Fake-Physics eher ein paar Derivate aus der “String Theorie Landschaft”. Beispielsweise das Konzept des Multiversums. Dieses Konzept ist vom Wesen her äusserst spekulativ, denn niemand kann mehr als ein Universum besuchen oder einen Besucher aus einem anderen Universum empfangen oder überhaupt ein Ding aus einem anderen Universum in unser Universum bringen oder umgekehrt.

  8. Habt Ihr diesen Fake-News-Detektor mal auf die von Euch zitierte angebliche Aussage Eisenhowers angewendet oder kann es sein, dass Ihr hier nicht mit gutem Beispiel vorangeht 🙂

  9. @Martin Holzherr: Wie schon ausgeführt, kann eine Theorie niemals falsifiziert werden. Der wissenschaftliche Anspruch an eine Theorie ist, dass sie Aussagen liefert und diese Aussagen falsifizierbar formuliert sein müssen.

    Aber selbst wenn diese Aussage falsifiziert wurde, ist 1. die Theorie nicht falsifiziert (Theorien können nicht falsifiziert werden), 2. auch die Aussage selbst nicht. Popper formulierte eine Systemfalsifikation, keine Sofortfalsifikation.

    Bedeutet: Wir haben ein System aus Theorie, die Aussagen produziert, die wiederum Beobachtung erklären sollen. Die Beobachtung selbst beruht aber auf eine Theorie, nämlich wie, wann und was ich etwas wahrnehmen kann (eindrücklich zeigt sich das, anhand der Zahlenkolonnen, die Radiotelskope ausspucken und die erst interpretiert werden müssen. Das gleiche gilt aber auch für visuelle, etc. Beobachtunge. Das Wahrgenommene muss erst interpretiert werden und dafür haben wir eine Theorie über das Wahrnehmbare, die uns ebenfalls Aussagen liefert. Nämlich was wir von einer Beobachtung erwarten). Wir haben also eine Theorie, die Aussagen produziert, die wiederum Beobachtung erklären sollen und wir haben eine Theorie, wie und was wir etwas Beobachten können und diese liefert auch Aussagen.

    Wenn nun eine Theorie eine Aussage produziert, die im Widerspruch zu dem steht, was wir beobachten. Ist nicht diese Aussage damit falsifiziert, sondern es liegt eine Systemfalsifikation vor – irgendwo in dem oben beschriebenen System aus “Theorie-Aussage-Beobachtung-Aussage aus der Beobachtung” gibt es einen Widerspruch. Dieser muss aufgelöst werden. Aber nicht unbedingt in dem die Aussage oder gar die Theorie als falsch benannt werden.

    Und da liegt genau das Problem an der String-Theorie. Sie hat Aussagen zu liefern, die mit Beobachtungen geprüft werden müssen. Es ist billig sich darauf rauszureden, dass wir noch nicht die Instrumente haben, die eine Überprüfung erst in ferner Zukunft zu lassen. Und der Schmäh der String-Theoretiker 10^100 Welten zu erschaffen und wenn dann doch einmal eine Aussage sich im Widerspruch zum Beobachtbaren ist, zu sagen, “dann stimmt eben eine der anderen 10^100 – 1 Welten” ist nicht nur billig, sie ist fahrlässig. Eben so wie das bestreben aus dem Umfeld der String-Theorie, die Falsifizierbarkeit aufzugeben. Popper hat keine Methode erfunden, er hat beschrieben, wie Wissenschaft funktioniert und das hat sclußendlich auch Kuhn so gesehen.

    Und zu Recht wird nach Jahrzehnten der Ausreden immer mehr die String-Theorie hinterfragt, vor allem seit dem die SUSY immer mehr wackelt. Und zu Recht wird darauf hingewiesen, dass da mit viel geld eine nicht-falsifizierbare Theorie am leben erhalten wird.

    • Wer sagt eine Theorie sei falsifiziert meint damit doch genau, dass aus der Theorie Aussagen hervorgehen, die im Widerspruch zu etwas stehen, was als wahr gilt. Deshalb erscheint mir ihr Satz von oben

      Wie schon ausgeführt, kann eine Theorie niemals falsifiziert werden.

      als Sophisterei.

      Beispiel: Einstein prüfte (validierte) seine allgemeine Gravitationstheorie indem er mit ihr die zeitliche Entwicklung der Merkurbahn berechnete. Das Resultat stand in Übereinstimmung mit den Beobachtungen (Periheldrehung des Merkur um 42,98″ grösser als klassisch erwartbar, aber in Übeinstimmung mit der ART).

      Wenn wir hier von empirischer Bestätigung – oder eben fehlender Bestätigung – einer Theorie sprechen, so meinen wir im Falle einer Gravitationstheorie genau solche Berechnungen wie im Fall der Merkurbahn. Diese Berechnungen sollten mit den Beobachtungen übereinstimmen. Bei fehlender Übereinstimmung muss nach Ausschliessen aller anderen Fehlerquellen, die Theorie als Quelle des Fehlers angenommen werden womit sie falsifiziert wurde.

      Karl Popper scheint folgende Vorstellungen von der Rolle der empirischen Falsifikation von Theorien zu haben:

      In place of naïve falsification, Popper envisioned science as progressing by the successive rejection of falsified theories, rather than falsified statements. Falsified theories are to be replaced by theories that can account for the phenomena that falsified the prior theory, that is, with greater explanatory power. For example, Aristotelian mechanics explained observations of everyday situations, but were falsified by Galileo’s experiments,[6] and were replaced by Newtonian mechanics, which accounted for the phenomena noted by Galileo (and others). Newtonian mechanics’ reach included the observed motion of the planets and the mechanics of gases. The Youngian wave theory of light (i.e., waves carried by the luminiferous aether) replaced Newton’s (and many of the Classical Greeks’) particles of light but in turn was falsified by the Michelson-Morley experiment and was superseded by Maxwell’s electrodynamics and Einstein’s special relativity, which did account for the newly observed phenomena.

      • Martin Holzherr schrieb (27. Januar 2017 @ 12:13):
        > Wer sagt eine Theorie sei falsifiziert meint damit doch genau, dass aus der Theorie Aussagen hervorgehen, die im Widerspruch zu etwas stehen, was als wahr gilt.

        Die relevanten Aussagen, die als empirisch wahr (oder falsch) gelten, sind aber keine Theoreme der jeweiligen relevanten Theorien. Sie gehen nicht direkt, nicht an sich aus der Theorie hervor.

        Stattdessen:
        Die jeweilige Theorie liefert lediglich die Begriffe, um eine Aussage (als falsifizierbare Hypothese) zu formulieren;
        und das schließt ein, dass die Theorie die Bewertungsmethode (Messgrößendefinition, Definition des Wertebereichs) zur Verfügung stellt, durch deren Anwendung aus gegebenen relevanten Beobachtungsdaten (empirischem Input) gefolgert werden kann, ob die betreffende Aussage/Hypothese als wahr oder falsch gilt.

        Man beachte:
        Auch zur Formulierung und Bewertung einer Aussage/Hypothese, die sich als falsch herausgestellt hat, musste die betreffende Theorie/Messgrößendefinition eingesetzt werden.
        Und wenn sich die Begriffe/Messgrößen, die eine bestimmte Theorie definiert, dazu eignen, um eine bestimmte Aussage/Hypothese zu formulieren, die sich als falsch erwiesen hat, ist es typischer Weise sehr einfach, unter Verwendung der selben Begriffe und hinsichtlich der selben Messgrößen gegenteilige Aussagen zu formulieren, die (noch) nicht als falsch gelten.

        Wenn die Aussage/Hypothese „Heute nacht fällt die (meteorologische) Temperatur in meinem Heimatort unter -20°C.“ sich als falsch herausstellen sollte,
        dann ist erstens die Theorie der meteorologischen Temperaturmessung deswegen nicht falsch und zu verwerfen,
        und zweitens z.B. die Aussage/Hypothese „Heute nacht fällt die (meteorologische) Temperatur in meinem Heimatort nicht unter -100°C.“ trotzdem sicherlich wahr.

        > Beispiel: Einstein prüfte (validierte) seine allgemeine Gravitationstheorie indem er mit ihr die zeitliche Entwicklung der Merkurbahn berechnete. Das Resultat stand in Übereinstimmung mit den Beobachtungen (Periheldrehung des Merkur […] in Übeinstimmung mit der ART).

        Das stellt keine „Prüfung/Validierung der allgemeinen Gravitationstheorie (ART)“ dar, sondern eine Prüfung/Validierung eines Modells, dass mit den Begriffen/Messgrößen der ART erstellt wurde;
        nämlich eines bestimmten Modells des Sonnensystems hinsichtlich der geometrischen Beziehungen zwischen dessen wesentlichen identifizierbaren Bestandteilen, der Verteilung von „Masse“ hinsichtlich dieser Bestandteile, und hinsichtlich der (möglicher Weise erwarteten) Geschlossenheit bzw. „Ungestörtheit“ dieses Systems.

        Die ART an sich enthält keinerlei Vorurteile/Hypothesen darüber, ob ein Stern, den wir „Sonne“ nennen, überhaupt existiert; geschweige denn bestimmte Erwartungen hinsichtlich deren „Masse“, oder gar zur Verteilung beiläufiger Krümelchen. Die ART beschäftigt sich lediglich damit wie man das misst, falls man dazukommt.

        > um 42,98″ grösser als klassisch erwartbar

        Das unterstellt, dass es überhaupt nachvollziehbare „klassische“ Begriffe und Messgrößen gäbe, die noch dazu kommensurat mit denen der ART wären …

        • @Frank Wappler: Klar, der Weg: Theorie -> Modell -> Messung -> Vergleich mit “Erwartungswert” kann schwierig und selber fehlerträchtig sein. Doch eine empirische Theorie, die es nicht erlaubt, diesen Weg zu gehen, ist meist unbrauchbar. Was uns die Dinge leichter macht ist die Tatsache, dass alle physikalischen Theorien das gleiche Universum beschreiben und deshalb auch einen Fundus an gleichen “Grössen” besitzen. Beispiel: Mit der allgemeinen Relativitätstheorie kann man berechnen, welche Energie ein Binärsystem über die Abgabe von Gravitationswellen verliert. Der Energiebegriff aber wird durch die allgemeine Relativitätstheorie nicht irgendwie verfälscht, sondern dieser Energiebegriff ist derselbe egal welche physikalische Theorie ich gerade verwende. Weil das so ist, ist es überhaupt möglich, den Verlust an kinetischer Energie eines Binärsystems aus Beobachtungen zu erschliessen (und zu berechnen) und in einen Zusammenhang mit dem Energieverlust durch Abstrahlung von Gravitationswellen zu bringen.

          Alles was passiert, passiert in dieser einen, von uns allen geteilten Welt. Dieses Wissen hilft ungemein.

          • Martin Holzherr schrieb (27. Januar 2017 @ 17:51):
            > der Weg: Theorie -> Modell -> Messung -> Vergleich mit „Erwartungswert“

            Diese Skizze “des Weges” ist ja sehr klein und deutet nur das Allernötigste an; und im Wesentlichen/Groben kann ich zustimmen.

            Ohne entsprechend kleinlich sein zu wollen, möchte ich aber auf das Detail hinweisen, dass in meinem vorausgegangenen Kommentar ausdrücklich von mehreren, sich gegenseitig ausschließenden Hypothesen (bzw. Modellen) die Rede war, die auf Basis der selben Theorie formuliert werden können.

            Eine interessante und vermutlich kontroverse Frage ist in diesem Zusammenhang auch, ob und wie diese Skizze mit der verbreiteten Auffassung von Wissenschaft als Hamsterrad zusammenpasst.

            > Doch eine empirische Theorie, die es nicht erlaubt, diesen Weg zu gehen, ist meist unbrauchbar.

            Richtig.
            (Die Detailfrage wäre, ob und wie eine empirische Theorie sogar erlaubt, diesen Weg mehrfach zu gehen.)

            > dass alle physikalischen Theorien das gleiche Universum beschreiben und deshalb auch einen Fundus an gleichen „Grössen“ besitzen.

            Dieser Auffassung, in ihren beiden Teilen, möchte ich ganz entschieden widersprechen. (Und danke, dass das hier auffindbar und Barriere-frei möglich ist.)

            Nein!: Das Universum wird durch bestimmte Modelle beschrieben
            (von den sogenannten Standard-Modellen z.B. der Kosmologie, der Astrophysik, der Geologie, der Teilchenphysik), was natürlich die Sammlungen der tatsächlich ermittelten Messwerte einschließt.

            Theorien beschreiben/definieren dagegen lediglich die Begriffe, Messgrößen (einschl. deren Wertebereiche) aus denen Modelle formuliert werden;
            und zwar sowohl die genannten Modelle, die unser Universum entsprechend unserer vorhandenen Messwerte beschreiben,
            als auch jede Menge anderer Modelle.
            Was natürlich die Messoperatoren einschließt, durch deren Anwendung auf Beobachtungsdaten ggf. Messwerte zu gewinnen sind.

            Und Nein!: Messgrößen, die verschiedene Definitionen haben (welche Bewertung von Beobachtungsdaten zu ihren Messwerten führt), sind nicht die Selbe.

            Die gelegentlich beschworene “Einheitlichkeit der physikalischen Beschreibung des Universums” hängt mit Theorien und den darin nachvollziehbar definierten Messgrößen stattdessen in so fern zusammen, als Messwerte, die Versuch für Versuch erhalten wurden, kommensurabel sind (d.h. miteinander wie reelle Zahlen vergleichbar, so dass deren reell-wertige Verhältnisse ermittelt werden können),
            falls stets die selbe nachvollziehbare definitive Messoperation angewandt wurde;
            oder, falls die definite Messoperation nicht angewendet, und deshalb der wahre Wert der Messgröße im betreffenden Versuch nicht ermittelt, sondern nur abgeschätzt wurde, dann die definitive Messopertion zumindest berücksichtigt wurde, um die systematische Unsicherheit des Schätzwertes zu bestimmen.

            Beispiel: Im Rahmen der allgemeinen Relativitätstheorie lässt sich die Messgröße “Dauer” definieren (alias “Länge zeitartiger Kurvenabschnitte” …).

            Die gewissenhafte Anwendung dieser nachvollziebaren Definition zur Ermittlung von Messwerten erlaubt u.a., die Lebensdauer eines bestimmten Menschen mit der Lebensdauer eines bestimmten Kalium40-Atoms oder mit der Lebensdauer eines bestimmten Sigma0-Baryons zu vergleichen.

            (Und natürlich auch von Interesse: die Lebensdauer eines bestimmten Menschens mit der Lebensdauer seines Zwillings; oder die Lebesdauer eines bestimmten Sigma0-Baryons mit der Lebensdauer eines anderen bestimmten Sigma0-Baryons; oder die Dauer eines Umlaufs eines bestimmten Binärsystems mit der Dauer des nächsten Umlaufs des selben Binärsystems …)

            > Der Energiebegriff aber wird durch die allgemeine Relativitätstheorie nicht irgendwie verfälscht, sondern dieser Energiebegriff ist derselbe egal welche physikalische Theorie ich gerade verwende.

            Nochmal: Nein!
            Am eindringlichsten hat es wohl Einstein ausgedrückt:

            Der Begriff existiert für den Physiker erst dann, wenn die Möglichkeit gegeben ist, im konkreten Falle herauszufinden, ob der Begriff zutrifft oder nicht. Es bedarf also einer solchen Definition [der betreffenden Messgröße], dass diese Definition die Methode an die Hand gibt, nach welcher im vorliegenden Falle aus Experimenten entschieden werden kann, [welcher Messwert zutrifft, falls überhaupt einer]. Solange diese Forderung nicht erfüllt ist, gebe ich mich als Physiker (allerdings auch als Nichtphysiker!) einer Täuschung hin, wenn ich glaube, mit der [Angabe eines Wertes] einen Sinn verbinden zu können. (Bevor du mir dies mit Überzeugung zugegeben hast, lieber Leser, lies nicht weiter.)

            .

            Wenn nachvollziehbar ist, wie wir gemessen haben, dann können wir auch guten Gewissens vertreten, was wir gefunden haben. Und das macht Messwerte wertvoll.

    • Karl Popper scheidet empirische von metaphysischen Theorien über die Falsifizierbarkeit. Empirische Theorien müssen gemäss der scienceblogs-Darstellung Karl Popper und das Problem der Falsifikation “ an der Erfahrung scheitern können.”

      Der Autor dieses scienceblogs-Beitrag behauptet dann, Wissenschaftler hielten sich nicht an Poppers Forderung weil 1) selbst die ART in Widerspruch zu gewissen Experimenten stehe (? hat jemand ein Beispiel ?) 2) Theorien oft verbessert werden können um der scheinbaren Falsifikation zu entgehen.

      Doch hier widerspreche ich teilweise dem Autor Jörg Friedrich, weil
      1) Theorien, die Jörg Friedrich kennt bereits eine lange Karriere hinter sich haben und deshalb schon viele empirische Tests bestanden haben womit jede Falsifikation zu diesem Zeitpunkt mit grosser Wahrscheinlichkeit eine nur scheinbare Falsifikation ist
      2) Empirische Theorien gerade darum empirisch sind, weil sie Beobachtungen zu erklären behaupten (wobei der Weg von der Theorie zur Beobachtung sehr indirekt sein kann).

      Der erste Leserkommentar zu Friedrichs Artikel gibt genau das wieder, was auch ich für wesentlich halte:

      dass es bei seinem Fallibilismus darum geht, dass eine These falsifizierbar sein müsse, nicht dass sie von vornherein als bereits falsifiziert betrachtet werden soll, nur weil sie “empirischen Tatsachen” widerspräche. Dieses Axiom wäre auch gleich die Abgrenzung zur Metaphysik, wo es eben gang und gäbe ist, Behauptungen und Ideen völlig ohne Gelegenheit zur Widerlegung zu formulieren.

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