Das Leben ist kein Ponyhof #8 – und als Taube solltest du nicht baden!

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Da will man als harmlose Taube nur ein schnelles Bad nehmen oder ein paar Schlucke Wasser aus dem südfranzösischen Fluss Tarn nehmen, und erlebt einen waren Albtraum. Ein riesiges Monster wirft sich an Land und schnappt nach den ahnungslosen Badegästen. Ein Europäischer Wels, Silurus glanis, mit bis zu 2,7 m Länge und knapp 150 Kilogramm der größte europäische Süßwasserfisch (und die weltweite Nummer drei in dieser Kategorie) hatte unter der Wasseroberfläche auf den Moment gelauert. Ein Verhalten, das einen irgendwie an die Schwertwale vor der argentinischen Küste erinnert, die auf dem Strand nach jungen Seelöwen jagen.

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Während die Tauben noch nichts böses ahnend dem Badevergnügen frönen, sammeln sich schon die auch als “Süßwasser-Killerwale” bezeichneten Welse zum Mahl. Um die Vögel zu fassen, werfen sich die Fische manchmal sogar an Land. Cucherousset J et al. 2012.

Hier, im Tarn in Südfrankreich ist der Fisch eigentlich nicht zu Hause, er stammt ursprünglich aus weiter östlichen Regionen Europas, östlich des Rheins. Im Tarn wurde er erst 1983 vom Menschen als invasive Spezies eingeführt, und seit dem hat er gelernt, Tauben am Ufer zu jagen. In seiner ursprünglichen Heimat ist ein vergleichbares Verhalten (bisher) nicht bekannt. In einer neu veröffentlichten Studie von Forschern um Julien Cucherousset von der Universität Toulouse haben jetzt dieses ungewöhnliche Verhalten näher untersucht. Dazu haben sie von einer Brücke über kiesigen Stränden des Tarn im Zeitraum von Juni bis Oktober 2011 Welse und Tauben beobachtet. Innerhalb dieses Zeitraumes erfolgten 54 Angriffe der Fische auf badende oder trinkende Tauben, von denen 28% erfolgreich waren und der Fisch einen Vogel ins Wasser ziehen und fressen konnte. Manchmal werfen sich die Fische fast komplett an Land, um die Beute zu fassen.
In jedem Fall wurden sich aktiv bewegende Tauben angegriffen, niemals ruhig stehende. das legt nahe, dass die Angriffe durch Wasserbewegungen der Beute provoziert werden und vermutlich nicht durch optische Reize.

Bislang ist unbekannt, warum die Fische sich diese Beute ausgesucht und dieses für sie neue Jagdverhalten erlernt haben. Aber es zeigt, wie sich invasive Arten in neuen Ökosystemen an für sie bisher unbekannte Beutetiere anpassen können.

In diesem Video kann man das faszinierende Verhalten der Welse beobachten.

Cucherousset J, Boulêtreau S, Azémar F, Compin A, Guillaume M, et al. (2012) “Freshwater Killer Whales”: Beaching Behavior of an Alien Fish to Hunt Land Birds. PLoS ONE 7(12): e50840. doi:10.1371/journal.pone.0050840

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare

  1. Fische an Land

    Hallo Gunnar,

    bei Welsen wundert mich persönlich gar nichts. Ich konnte ähnliches, allerdings ohne Tauben, auch schon in meinem eigenen Aquarium beobachten: http://www.youtube.com/watch?v=5LMfozXCub0

    Das sind allerdings Schmerlen und keine Welse. Mein großer Fiederbartwels schwimmt aber auch gerne auf den Rücken gedreht an der Wasseroberfläche herum um an Futter zu kommen(obwohl er eindeutig zu den bodenlebenden Fischen gehört, unterständiges Maul usw.).

    🙂

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