Wattboden – Boden des Jahres 2020

Wattboden

Jedes Jahr am 5 Dezember findet der Weltbodentag statt. Und wie in jedem Jahr wird für das folgende Jahr der Boden des Jahres bekanntgegeben. Für das Jahr 2020 wird das der Wattboden sein.

Wattböden, wo kommen sie vor?

Wattböden sind in Deutschland an der Nordseeküste und dem Rückstaubereich der in sie mündenden Flüssen verbreitet. Als semisubhydrische Böden werden sie meist periodisch von im Ablauf der Gezeiten wieder vom Wasser überflutet. Entlang der Nordseeküste stellen die Wattböden rund 4 500 km² an Fläche dar. Dazu kommen noch einige Anteile Süßwasserwatt in den Flüssen und Ästuaren.

Wattboden – Eigenschaften

Wattböden liegen an der Grenze zwischen Meer und Land, sie werden regelmäßig im Rhythmus der Gezeiten überflutet und fallen trocken. Dadurch bedingen sich einige ihrer Besonderheiten, auch gegenüber anderen Bodenarten. Sie entwickeln sich auf zumeist sehr jung abgelagerten Sedimenten in Umwelt, die von täglich wechselnder Überflutung und hoher Dynamik geprägt ist. Bei diesen Sedimenten ist der Sauerstoffgehalt im Boden besonders kritisch. Er kann sich zudem auch zwischen den jeweiligen Bodenhorizonten stark unterscheiden. Der Gehalt an Sauerstoff ist jedoch ausschlaggebend für die Aktivität der Bodenlebewesen, sowohl der mikrobiellen als auch der größeren.

Dabei ist der obere Horizont ist je nach Körnung des Sediments meist wenige mm bis einige cm mächtig und relativ gut durchlüftet. Seine Farbe ist bräunlich bis gelblich-bräunlich bis rostfarben. Darunter kommt die unbelüftete Bodenzone, die durch Eisensulfide schwärzlich gefärbt ist. Sie ist frei von Sauerstoff und riecht sehr oft faulig nach Schwefelwasserstoff.

Aufgegrabener Wattboden mit Fo/Fr-Horizontierung; Mächtigkeit des Fo-Horizonts: 1–2 mm; rechts im Bild ein Wattwurmgang. BegoniaWattboden, als gemeinfrei gekennzeichnet .

Die Korngröße der Sedimente nimmt in den langsam ansteigenden Watten von der mittleren Tide-Niedrigwasserlinie zur mittleren Tide-Hochwasserlinie langsam von Sand hin zu Schluff und Ton ab. Dadurch kann man es grob in Sandwatt, Mischwatt und Schlickwatt unterteilen. Ganz besonders das Schlickwatt besteht neben den mineralischen Komponenten auch aus organischen Partikeln. Diese sind aber im Gegensatz zu den terrestrischen Böden nicht aus größeren Pflanzenteilen zusammengesetzt, sondern meist aus Algenresten, Plankton und zerschlagenen Zellen.

Da diese organische Substanz, auch als Detritus bezeichnet, sehr schnell zersetzbar ist, kommt es besonders bei Ebbe zu einem sprunghaften Anstieg des Abbaus und damit zu einem Sauerstoffmangel in den tieferen Bodenschichten.

Sandwatt

Das Sandwatt ist, zumindest bei Ebbe, meist recht gut begehbar. Es besteht aus Sand mit deiner Korngröße meist über 0,1 mm. Der Wassergehalt liegt bei rund 25% und sehr oft sind die charakteristischen Rippelmarken zu beobachten. Organische Substanz ist hier nur zu rund 1% beteiligt.

Mischwatt

Das Mischwatt findet man sehr oft in geschützten Lagen in Festlandnähe oder hinter schützenden Inseln. Die Korngrößen liegen hier im Bereich von 0,06 bis 0,1 mm. Es hat einen gegenüber dem Sandwatt deutlich erhöhten Gehalt an Wasser und organischer Substanz. Wattwürmer siedeln gerne im Mischwatt und ihre Kothäufchen können ein guter Hinweis auf vorhandenes Mischwatt sein.

Schlickwatt

Das Schlickwatt kennt eigentlich wohl fast jeder. Meist dunkel bis schwarz in der Farbe und mit einer Korngröße kleiner als 0,06 mm ist es sehr fein und sehr locker gelagert. Es hat einen Gehalt von rund 10% an organische Substanz und sein Wassergehalt liegt zwischen 50 und 70%. Typischerweise sinkt man beim Gehen im Schlickwatt tief ein. Oft wird er von einer nur wenige mm mächtigen oxidierten Schicht überlagert. Darunter zeigt sich das typische Schwarz der anaeroben Zone mit ihrem typischen Geruch nach faulen Eiern. Für die schwarze Färbung sind Eisensulfide verantwortlich.

Bodenaufbau

Die organische Substanz wird im Sediment unter anaeroben Bedingungen abgebaut. Dabei werden Sulfate des Meerwasser zu Sulfiden (die so genannte Desulfurikation) und Eisenoxide reduziert. Dies ist der Fr – Horizont, wobei das kleine „r“ für das reduktive Redoxpotential steht. Im Meerwatt wird dem Horizont aufgrund des Salzgehaltes noch ein „z“ vorangestellt.

Nur durch den Sauerstoffgehalt des Meeres und bei Ebbe durch den der Luft ist unterliegt die oberste Schicht des Wattbodens oxidierenden Bedingungen. Dieser Fo-Horizont ist meist nur wenige Millimeter dick und zeichnet sich durch seine helle, gelblich.braune Farbe aus.

Bodenleben

Die besonderen Bedingungen des Wattbodens – Gezeiten, Salzgehalt, Sedimentation – machen ihn zu einer der produktivsten Lebensräume der Erde.

Wattboden kann eine Vielzahl von Lebewesen enthalten. Darunter auch einige, die man normalerweise in einem Boden nicht erwarten würde, z.B. Muscheln. Aber auch Würmer, Schnecken und Krebstiere nutzen ihn als Lebensraum. Ihre Bau- und Lebenstätigkeit kann Sauerstoff auch in tiefere Schichten dringen lassen. Daher bilden sich um die Bauten kleinere Bereiche mit oxidierenden Bedingungen.

Doch der eigentlich produktivste Bereich ist direkt an der Oberfläche und wird durch Algen gewährleistet. Hier leben z.B. Kieselalgen, die den Wattboden oft mit einem bräunlichen Belag überziehen. Sie können rund 2 t. Kohlenstoff pro Hektar und Jahr binden. Daneben kommen auch oft Cyanobakterien vor, die ebenfalls Photosynthese betreiben.

Sie und der von den Gezeiten eingetragene Detritus dienen als Grundlage für die vielfältigen vom Watt lebenden Lebewesen.

Weitere Entwicklung

Watt ist ein dynamischer Lebensraum, und bei stetiger Sedimentation kann das Watt regelrecht über sich hinaus wachsen. Das hat dann auch Einfluss auf die weitere Bodenbildung. Hat sich die Wattoberfläche bist auf 40 cm unter die mittlere Tiede-Hochwasserlinie herangearbeitet, können sich auch erste Pionierpflanzen wie z.B. Queller und Schlickgras ansiedeln. Die Pflanzen sorgen meist dafür, dass die Sedimentationsrate noch zusätzlich steigt und das Watt immer weiter aus dem täglichen Überflutungsbereich hinauswächst. Dadurch verbessert sich auch die Belüftung und der Wattboden entwickelt sich langsam zur Rohmarsch.

Schutz und Gefährdung

Das Watt ist einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt, und bei den Meisten spielt der Mensch und seine Aktivitäten eine Zentrale Rolle. Dazu zählen nicht nur potentielle und tatsächliche Schiffsunglücke und die Gefahr durch Öl und andere Betriebsstoffe. Schon alleine die tägliche Fracht, welche unsere Flüsse in die Nordsee tragen, reicht aus.

Der hohe Eintrag an Nährstoffen, rund 800 000 t Stickstoff und 60 000 t Phosphor waren es z.B. 1991, sorgt für Algenblüten im Frühsommer und erhöht das Angebot an organischer Substanz. Was sich vielleicht zunächst noch nicht mal schlecht anhören mag, hat aber eine Kehrseite. Diese organische Substanz wird abgebaut und das verbraucht Sauerstoff. Der hierbei entstehende Sauerstoffmangel kann die sauerstoffhaltige Schicht im Wattboden vollständig verschwinden lassen. Mit allen Konsequenzen für höheres Leben im Watt.

Außerdem kann die Fischerei nach Muscheln die Oberfläche des Wattbodens beschädigen.

Tourismus und die Bebauung der Uferbereiche stellen eine Herausforderung für den Wattboden dar, die Nutzung der Küste als Sport- und Erholungsraum für den Menschen kollidiert vielfach mit den Bedürfnissen der Natur.

Auf der anderen Seite ist die Wattenküste von Esbjerg in Dänemark bis nach Den Helder in den Niederlanden zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt worden. Damit haben die beteiligten Staaten Niederlande, Deutschland und Dänemark weitgehende Verpflichtungen zum Schutz, zur Entwicklung und zur Naturbildung für diesen Bereich übernommen. Dabei spielen die Nationalparks eine wichtige Rolle. Es gilt, die berechtigten Interessen der Menschen sowie der Natur miteinander zu verzahnen, Besucherzahlen intelligent zu lenken und auf großflächige Eindeichungen zu verzichten.

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare

  1. Rechtschreibung.
    Danke für den Artikel. Ich möchte Sie aber bitten, die Rechtschreibung zu überprüfen und entsprechend zu korrigieren.

  2. @Rolf Schauder

    Rechtschreibkritik.

    Danke für den Kommentar. Ich möchte Sie aber bitten, die Rechtschreibung selbst zu überprüfen und entsprechend gedanklich zu korrigieren.

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