Waldbrände in Indonesien

In Südostasien spielt sich zur Zeit eine der größten Umweltkatastrophen ab. Gewaltige Rauchschwaden machen den Menschen dort das Atmen schwer. Die Bilder in den Nachrichten mit ihren in gelblichen Smog getauchten Stadtsilhouetten sprechen Bände, aber so richtig deutlich wird das Ausmaß der Sache erst aus einer höheren Perspektive.

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Die Situation in Indonesien am 24. September 2015. NASA image by Adam Voiland (NASA Earth Observatory) and Jeff Schmaltz (LANCE MODIS Rapid Response). Caption by Adam Voiland.

Bereits am 24. September wurde diese Aufnahme vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) des Terra-Satelliten gemacht. Die roten Gebiete markieren die Stellen, an denen durch die Waldbrände die Bodentemperaturen extrem hoch waren. Große Rauchwolken hüllen die Inseln Sumatra und Borneo ein und sorgen dort für extreme Luftwerte, die das Atmen zur Qual machen und für alle eine hohe gesundheitliche Gefahr bedeuten. Obwohl Indonesien durchaus große Anstrengungen unternimmt, diese meist durch Brandstiftung gelegten Brände zu löschen, ist bislang kein nennenswerter Erfolg zu verzeichnen. Das liegt unter anderem daran, dass die Bedingungen dort sehr speziell sind und die Arbeit der Brandbekämpfer zusätzlich erschweren. So können sich die Brände unter die Erdoberfläche zurückziehen und dort unbemerkt von den Löschkräften bis zu einigen Monaten schwelen, bevor die erneut an der Oberfläche für offenes Feuer sorgen. Dabei verursachen sie auch noch mehr Rauch als gewöhnliche Waldbrände. Der Grund sind die Bodenverhältnisse dort. Denn der Boden der Wälder besteht aus Torf.

Das macht die übliche Methode der Brandrodung für Ackerland, aber auch um Palmölplantagen zu errichten, zu einem problematischen Verhalten. Selbst wenn die Brände auf bereits gerodetem Gebiet beginnen, können sie sich unterirdisch durch den Torf in entfernte Areale durchbrennen und somit schnell außer Kontrolle geraten. Meist können sie erst mit Einsetzen der Regenzeit gelöscht werden. Und es könnte noch schlimmer werden, bevor die Feuer unter Kontrolle kommen, denn der starke El Niño in diesem Jahr führt zu einer Verlängerung der Trockenzeit. Ein vergleichbarer Fall trat 1997 ein, als ebenfalls große Feuer auf einen starken El Niño trafen.

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Der Ausschnitt vergrößert. NASA image by Adam Voiland (NASA Earth Observatory) and Jeff Schmaltz (LANCE MODIS Rapid Response). Caption by Adam Voiland.

 

Und ebenso wie damals liegen in Singapur die Sichtweiten aufgrund der Aerosolpartikel in der Luft unter 1000 m, manche Berichten nach gab es Sichtweiten von unter 50 m. MODIS zufolge liegt die Partikeldichte in der Atmosphäre in Bereichen, wie sie auch 2006 lagen, als ebenfalls ausgedehnte Brände in der Region wüteten. In diesem Jahr wurden sie jedoch sehr viel früher erreicht. Das mag auch an der hohen Anzahl der Brände in diesem Jahr liegen. Sie liegt höher als in jeden bisherigen Jahr zuvor seit im Jahr 2001 die Überwachung der Waldbrände mit MODIS begann. Die durch die Brände erzeugten Treibhausgase lagen der Global Fire Emissions Database (GFED) zufolge bereits am 27. Oktober 2015 bei rund 1600 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, was die jährliche Emission Deutschlands deutlich übertrifft ( geschätzte 912 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent für 2014). Seither sind die Emissionen durch die Feuer noch deutlich gestiegen.
Normalerweise kann man die Kohlendioxid Emissionen bei Waldbränden nicht unbedingt mit durch Verbrennung fossiler Energieträger vergleichen, da im Falle der Waldbrände ein großer Teil des emittierten Kohlendioxids durch die erneut sprießende Vegetation wieder fest gebunden wird. Dies gilt allerdings nicht für den Fall, dass ursprüngliche Waldvegetation durch Ackerland oder Plantagen ersetzt wird, und genau dies passiert hier in Indonesien.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Waldbränd in Indonesien gehören zur slash-and-burn-Kulttivierungsmethode, die auch in Afrika häufig eingesetzt wird. In Afrika machen das die Kleinbauern um fruchtbares Land zu erhalten, denn die Asche des Waldbrandes düngt das zukünftige Feld. Wenn dann der Boden nach mehreren Fruchfolgen ausgelaugt ist, kommt das nächste Waldstück an die Reihe. In Indonesien dagegen sollen die Waldbrände meist Wald dauerhaft durch Plantagen – meist Ölpalm – ersetzen.

    Solange solche Methoden in der Landwirtschaft angewandt werden wird auch die Waldfläche in den betroffenen Gebieten schrumpfen. In entwickelten Ländern und fortgeschrittenen Schwellenländern wie China und Brasilien sind solche Methoden inzwischen obsolet. In China wird sogar bewusst Wald angepflanzt.

  2. Während die einen Wälder abbrennen, versprechen andere wie Indien massiv aufzuforsten. Indiens Klimaversprechungen gegenüber der UNFCCC, seine INDC’s umfassen unter anderem:
    Create an additional carbon sink of 2.5 to 3 billion tonnes of carbon dioxide equivalent by 2030 through additional forest and tree cover.

  3. Interessant fand ich einen Hinweis in den deutschen Fernsehmedien, dass das in Indonesien in Folge der Waldbrände angepflanzte Palmöl dazu dient, den in Deutschland subventionierten Ökosprint E10 anzureichern. Ist vielleicht ideologisch-selektiv wahrgenommen, interessant fände ich die Gesamtenergiebilanz dieses Systems trotz allem.

  4. Ja, wahrlich eine Umweltkatastrophe, verursacht von irgendwelchen Dummköpfen. Ich habe kein Verständnis für die Aktionen der Menschen dort. Mal schauen, ob sich die Vegetation so schnell erholen wird…

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