Triceratops – die Jugendform des Torosaurus?

Mente et Malleo
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 Das ist eine fürchterliche Meldung, die durch die Presse und Blogosphäre rauscht. Einer der bekanntesten Dinosaurier, der Triceratops, soll das Schicksal des Brontosaurus teilen. Denn nach einem Paper der Paläontologen Scanella und Horner soll es sich bei Triceratops um junge Torosaurier handeln. Damit würde angeblich einer der bekanntesten Dinosaurier auf einmal keine eigenständige Art mehr darstellen. Bei genauerem Hinsehen ist der Triceratops allerdings nicht in Gefahr. Beide Arten, sowohl der Triceratops als auch der Torosaurus wurden vom selben Paläontologen beschrieben, von Othniel Charles Marsh. Der Triceratops bereits 1889 und der Torosaurus erst zwei Jahre später, nämlich 1891. Damit wäre dann, den Regeln der Nomenklatur folgend, der Triceratops der ältere Name und damit der gültige Artname. Verschwinden würde der Torosaurus.

 

Die ursprüngliche Unterteilung in die zwei Arten basiert hauptsächlich auf der Tatsache, dass beim Triceratops der Nackenschild kurz und weitgehend geschlossen ist und einen gesägten Rand aufweist. Beim Torosaurus hingegen, der ansonsten wohl wirklich wie ein großer Bruder des Triceratops ausgesehen hat, ist der langgestreckt und hat Öffnungen, daher auch sein Artname, der sich vom griechischen toreo = durchbohrt herleitet. Ansonsten ähneln sich beide Dinosaurier sehr, sie haben beide drei Hörner, die allerdings in einem etwas anderen Winkel zueinander stehen.
Scanella und Horner gehen nach dem Studium von 29 verschiedenen Triceratops-Schädeln und 9 Torosaurus-Schädeln davon aus, dass beim Triceratops mit dem älter werden auch der Nackenschild wächst, dünner und schließlich durchbrochen wird, während er seinen gesägten Rand verliert. Und dass sich mit der Morphologie des wachsenden Schädels eben auch der Winkel der charakteristischen Hörner zueinander verändert. Die Triceratops-Schädel in der Studie waren zwischen 50 cm und 2 m lang. Durch abzählen der Anwachslinien an den Knochen lässt sich das Alter des betreffenden Sauriers abschätzen. Die Schädel der Triceratops hätten demnach von juvenilen bis jungen erwachsenen Exemplaren gehört. Bei den 9 Torosaurus-Schädeln hingegen stammten alle von ausgewachsenen Exemplaren, mit einer Länge zwischen 2 und 3 m. Juvenile Exemplare sind von ihm soweit nicht bekannt. Augenfällig sei beim ältesten Triceratops in der Studie eine Verdünnung des Nackenschildes an ausgerechnet den Stellen, an denen der Torosaurus seine Löcher im Nackenschild aufweist.

 

Die Veränderungen in der äußeren Form sind möglich, weil das Knochengewebe im Nackenschild und in den Hörnern schwammartig aufgebaut und von vielen Blutgefäßen versorgt ist. Ein vergleichbares Modell in der heutigen Tierwelt wäre der Kasuar, bei dem sich auf dem Schädel der erwachsenen Vögel ein helmartiger Knochenaufwuchs bildet.
Das bedeutet auch, dass der Nackenschild wohl keine reine defensive Aufgabe hatte. So wie es in den B-Filmen gerne dargestellt wird, wenn der übliche Zweikampf zwischen einem T-rex und dem Triceratops darin gipfelt, dass der tödliche Nackenbiss des Raubsauriers am Nackenschild abprallt. Bei dem schwammartigen Knochenaufbau und der Versorgung mit Blutgefäßen dürfte das für den Horndinosaurier kaum besonders wünschenswert gewesen sein.
Scanella und Horner gehen treffender Weise dann auch davon aus, dass der Nackenschild mehr der artspezifischen Kommunikation gedient haben könnte.
Die Studie zeigt deutlich die Probleme, denen sich Paläontologen gegenübersehen, wenn sie Arten beschreiben. Meist bekommen sie ja noch nicht einmal das komplette Skelett auf den Tisch, sondern nur Teile. Unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Form, dann werden sie gerne auch unterschiedlichen Arten zugeschrieben. Heutige Zoologen haben es da in einem Punkt leichter. Sie können neben den meist kompletten Skeletten eben auch die Weichteile studieren und das Tier in seiner natürlichen Umgebung beobachten. Wie sieht es als Jungtier aus? Wie unterscheiden sich Männchen und Weibchen? Bei einem ausgeprägten Gechlechtsdimorphismus kann es in der Paläontologie durchaus schnell zu zwei unterschiedlich benannten Arten kommen, was normalerweise Männchen und Weibchen wären. Das gleiche gilt für Spezies, bei denen die Jungtiere und Jugendformen sich deutlich von den adulten Formen unterscheiden, eben nicht einfach nur Miniaturausgaben darstellen. Triceratops steht unter den Dinosauriern da auch nicht alleine. So steht der Nanotyrannus durchaus im begründeten Verdacht, ein junger Tyrannosaurus rex zu sein. Und jüngst machten zwei andere Dinosaurier, Dracorex und Stygimoloch schlagzeilen, als in einer Studie von Horner und Goodwin der Verdacht aufkam, dass es sich hier ebenfalls um jugendliche Pachycephalosaurier handeln könnte. Der Verdacht konnte sich nur erhärten, weil es sich bei diesen Dinosauriern um Arten handelt, von denen wir vergleichsweise viel fossiles Material von Exemplaren unterschiedlicher Lebensalter besitzen. Nur so lassen sich auch graduelle Änderungen während des Wachstums verfolgen. Es ist daher anzunehmen, dass sich auch in Zukunft noch herausstellen kann, dass zwei in unterschiedlich Arten geführte Formen zu ein und der selben Art gehörten.

John B. Scannella; John R. Horner (2010). Torosaurus Marsh, 1891, is Triceratops Marsh, 1889 (Ceratopsidae: Chasmosaurinae): synonymy through ontogeny Journal of Vertebrate Paleontology, 30 (4), 1157-1168 : DOI 10.1080/02724634.2010.483632

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

5 Kommentare

  1. Sauerei

    Macht nur so weiter, ihr Paläontologen. So vergrault man seine anhänglichsten Fans. 🙂

    Das Bild von dem Kampf zwischen T-Rex und Triceratops erinnert stark an das Bildmaterial aus dem Buch “The Dinosaur Heresies” von Robert T Bakker PhD:

    http://en.wikipedia.org/wiki/File:Heres.JPG

    Robert T Bakker PhD hat da ziemlich plakativ (penetrant wäre auch nicht übertrieben) Bildmaterial in seinem Buch verstreut, das die dynamische Warmblütigkeit diverser Dinosaurierarten uinterstreichen soll. Zum Zeitpunkt des Erscheinens war diese Theorie durchaus noch eine Häresie. Mittlerweile ist das anders.

    Ich habe das Buch bei mir zuhause, wie auch so ziemlich alles andere, was zu diesem Thema an reich Bebildertem erschienen ist. Ich habe es mehrfach gelesen, und obwohl ich die Argumentation von Robert T Bakker PhD weitgehend plausibel fand, ging er mir doch ehrlich gesagt auf die Nerven, wie eigentlich alle, die ihre akademischen Weihen vor sich hertragen wie ein Banner. Das liegt aber sicher nur an mir.

    Übertrieben war diese allzu dynamische Darstellung allein schon deswegen, weil sie der allgemeinen Erfahrung widerspricht, dass auch große Säugetiere (und die sind ganz zweifelsohne Säugetiere) nun einmal aufgrund der Masse, die sie mit sich herumschleppen, nun einmal nicht herumhüpfen koennen wie ein junger Hase.

  2. Jack Horner…

    …ist übrigens der Paläontologe, der als Vorbild für Alan Grant in Jurassic Park stand, und auch wissenschaftlicher Berater der Filme war.
    Wenn er gerade mal nicht die Anzahl der Dinoarten reduziert, denkt er sich auch so lustige Experimente aus, wie einen “Chickenosaurus” zu basteln. (urks, bei dem Begriff findet Google ja fast nur Kreationistenseiten…)

  3. Korrektur

    Übertrieben war diese allzu dynamische Darstellung allein schon deswegen, weil sie der allgemeinen Erfahrung widerspricht, dass auch große Säugetiere (und die sind ganz zweifelsohne Säugetiere) nun einmal aufgrund der Masse, die sie mit sich herumschleppen, nicht herumhüpfen koennen wie ein junger Hase.

    Da habe ich mich vertippt. Richtig muss es lauten:

    […] weil sie der allgemeinen Erfahrung widerspricht, dass auch große Säugetiere (und die sind ganz zweifelsohne Warmblüter) nun einmal aufgrund der Masse, die sie mit sich herumschleppen, […]

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