Spuren eines Tornados

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Neulich hatte ich anlässlich eines Videos über einen Tornado gemeint, dass mir wahrscheinlich der Mut fehlen würde, einen echten Tornado Live zu beobachten. Daran hat sich seither nicht viel geändert. Aber das hält mich nicht unbedingt davon ab, als Katastrophentourist durch die Lande zu ziehen. Asche auf mein Haupt.

Letztes Wochenende führte mich mein Weg durch die Gemeinde Affing bayerisch-schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg. Dieser Ort gehört zum südlichen Teil der deutschen “Tornado Alley”. Dort hatte am 14. Mai 2015 ein Tornado mehrere Häuser zum Teil schwer beschädigt. Auch rund 3 Wochen Aufräumen konnten die Spuren nicht beseitigen. Was auf den ersten Blick auffällt, wenn man in den Ort einfährt, sind die vielen Baukräne. Es handelt sich aber nicht um ein Neubaugebiet, sondern um die notwendigen Arbeiten an den beschädigten Häusern. Die Kräne stehen alle entlang eines schmalen Korridors, der sich vom benachbarten Ort herüberzieht und kennzeichnen zusammen mit den abgedeckten Dächern und zerstörten Bäumen die Zugbahn der Windhose.

Welche enormen Kräfte dieser Tornado hatte, kann man noch an vielen kleineren Details erkennen. Einige habe ich hier fotografiert. Die Wucht der umher fliegenden Gegenstände muss beachtlich gewesen sein. Rollläden und Fenster wurden meist mühelos durchschlagen und machen deutlich, wie groß die Gefahr für einen ungeschützten Menschen im Freien gewesen sein muss. Und auch in den Zimmern hinter den Fenstern war man wohl kaum sicher, denn die Geschosse werden vom Glas oder Rollladen kaum gebremst gewesen sein. Und die Glassplitter kamen noch hinzu. Daher ist es bei einem Tornado durchaus ratsam, einen fensterlosen Innenraum, am Besten im Keller, aufzusuchen.

Tornadoschäden
Häuserfronten in der Zugbahn des Tornados zeigen die Spuren des Ereignisses. Eigenes Foto, CC-Lizenz

 

Tornadoschäden
Lose Gegenstände werden zu gefährlichen Geschossen. Dachpfannen und ähnliches durchschlagen mühelos die Rollläden und die dahinter liegenden Fenster. Beachtlich auch der Balken, der sicher nicht zum ursprünglichen Wandschmuck gehörte. Eigenes Foto, CC-Lizenz

 

Tornadoschäden
Eine Dachpfanne, vom Tornado in den Putz einer benachbarten Wand geschleudert. Eigenes Foto, CC-Lizenz
Tornadoschäden
Von der Seite besser zu erkennen. Die Dachpfanne steckt tief im Putz. Eigenes Foto, CC-Lizenz
Tornadoschäden
Dachpfannen können bei einem Tornado zu ziemlich gefährlichen Geschossen werden. In Affing stecken sie nicht nur im Putz von Wänden. Man kann sich unschwer vorstellen, wie gefährlich es sein muss, bei so einem Ereignis ungeschützt draußen zu sein. Hier wurde ein Auto von einer Dachpfanne getroffen. Eigenes Foto, CC-Lizenz
Tornadoschäden
Auch hier ist die Wucht gut zu erahnen. Eigenes Foto, CC-Lizenz
Tornadoschäden
Beschädigte Solarpaneele in Affing. Eigenes Foto, CC-Lizenz

 

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare

  1. Erstaunlich, wie hoch das Blut gespritzt ist… sorry, aber als langjähriger CSI-&-Co-Schauer denkt man sofort an Blut und erwartet einen Hinweis auf das Spritzmuster. Aber was sind das denn für rote Flecken am Giebel? Ziegelstaub?

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