Rettet Siccar Point!

Es gibt Gebiete, an denen sich die Entwicklung der Erde quasi wie in einem Bilderbuch nachvollziehen lässt. Und oft haben diese erdgeschichtlichen Monumente auch den frühen Geologen zum ersten Mal regelrecht die Augen geöffnet.

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Die Diskordanz zwischen horizontalen devonischen Sandsteinen (oben) und silurischen Grauwacken (unten) von See aus gesehen. Eigenes Foto, Ich entschuldige mich für diesen etwas jämmerlichen Scan, aber mehr gibt der Scanner nicht her.

 

So ein Ort, an dem einst eine uns heute alltägliches Wissen zum ersten Mal erkannt wurde, befindet sich östlich von Edinburgh an der schottischen Ostküste; Siccar Point. Hier wurde quasi die geologische Zeit “erfunden”. Hier hatte nämlich 1788 der schottische Geologe James Hutton zum ersten Mal erkannt, dass sich im Gestein immense Zeiträume verbergen konnten. Und zwar weit größere, als die damals durchaus anerkannte These von der Erschaffung der Erde in vor rund 6000 Jahren zuließ. Hutton erkannte, dass hier, am Siccar Point fast senkrecht stehende Schichten von silurischer (425 Millionen Jahre alter) Grauwacke diskordant von nahezu horizontalen Sandsteinen des Devon (345 Millionen Jahre) überlagert wurden.

Grauwacke als Sediment müsste aber eigentlich ebenfalls horizontal abgelagert worden sein. Irgendwann nach ihrer Ablagerung muss die Grauwacke aus ihrer ursprünglichen Lage bewegt und über den Meeresspiegel gehoben worden sein. Hier wurde sie teilweise abgetragen . Erst später sank das Gesteinspaket wider unter den Meeresspiegel, wo sich dann diskordant die jüngeren Sandsteine auf den steil gestellten Grauwacken ablagerten. Zuguterletzt wurde das gesamte Gesteinspaket noch einmal über den Meeresspiegel gehoben, wo es schließlich von Geologen untersucht werden konnte.

Hutton war also einer der ersten Geologen, der die langen Zeiträume der Erdgeschichte zu erkennen begann, und dass sich der weitaus größte Teil der Zeit in den Schichtlücken der Diskordanzen befindet.

Dieser Ort, der damals Hutton inspirierte und ihm half, seine Theorien anderen Geologen plausibel zu machen, dürfte damit als Geotop ersten Ranges eigentlich für Geowissenschaftler so etwas wie “Heiliger Boden” sein. Und man sollte eigentlich annehmen, dass der Schutz eines Monuments, welches diese geschichtliche lehrreiche Bedeutung hat, selbstverständlich wäre.

Weit gefehlt. Heute wird dieser Ort durch eine geplante Pipeline bedroht, über die Abwasser aus der Landwirtschaft in der Nordsee verklappt werden soll.

Rettet Siccar Point!

via David Bressan

 

in einem vorherigen Blogpost hatte ich schon auf das Video mit Ian Stewart hingewiesen. Hier wird Siccar Point ebenfalls vorgestellt. Die atemberaubende Landschaft wirkt in bewegten Bildern einfach besser, daher hier noch einmal der erste Teil der “Men of Rock”.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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