Rhyolith – Gestein des Jahres 2026

Auch 2026 gibt es wieder ein „Gestein des Jahres” – und diesmal ist es ein recht explosives. Okay, vielleicht nicht das Gestein selbst, aber seine Entstehung kann durchaus mit Explosionen verbunden sein. Rhyolith ist nämlich ein vulkanisches Gestein, das bei Vulkanausbrüchen entsteht. Es entsteht, wenn saure Magmen an die Erdoberfläche gelangen.
Was ist Rhyolith?
Der Name „Rhyolith“ setzt sich aus den griechischen Wörtern rheĩn für „fließen“ und lithos für „Stein“ zusammen. Die Bezeichnung für das Gestein wurde bereits 1860 von Ferdinand von Richthofen eingeführt. Ältere Bezeichnungen für dieses Gestein sind Quarzporphyr und Liparit. Quarzporphyr bezieht sich dabei auf Gesteine, die sich vor dem Mesozoikum gebildet haben.
Rhyolithe sind felsische, also hauptsächlich aus Quarz und Feldspat bestehende, vulkanische Gesteine. Ihre Zusammensetzung entspricht der des Tiefengesteins Granit. Sie entstehen, wenn saure Magmen bis an die Erdoberfläche gelangen und dort abkühlen. Diese Magmen sind SiO₂-gesättigt und entsprechen in etwa einer Kombination aus Quarz und Kalifeldspat. Das ermöglicht die Bestimmung aller Rhyolithe mit erkennbaren Quarz- und Kalifeldspateinsprenglingen nur über die Einsprenglinge, auch wenn möglicherweise etwas Biotit vorkommen kann.
Die makroskopisch nicht weiter unterscheidbare Grundmasse kann dann nur aus Quarz und Kalifeldspat bestehen.
Wie ist Rhyolith zusammengesetzt?

Wie bereits gesagt, bestehen Rhyolithe hauptsächlich aus Quarz und Kalifeldspat, wobei der Quarzanteil zwischen 20 und 60 Massenprozent schwanken kann. Damit stellen Rhyolithe die bei niedrigstmöglichen Temperaturen auskristallisierte, SiO₂-gesättigte Zusammensetzung von Magma dar.
Es gibt fließende Übergänge zum Dacit. Die Bezeichnung „Rhyodacit” ist jedoch nicht von der IUGS anerkannt.
Rhyolithe zeigen meist ein porphyrisches Gefüge. Das heißt, dass sie aus einer feinkristallinen Grundmasse bestehen, in der man mit unbewaffnetem Auge keine einzelnen Minerale unterscheiden kann. In diese Grundmasse sind dann größere Einsprenglinge aus Feldspat oder Quarz eingebettet. Diese können von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern groß sein. Es gibt jedoch auch Rhyolithe ohne Einsprenglinge.
Aussehen
Manche Rhyolithe zeigen gut erkennbare Fließstrukturen, was ein klein wenig irreführend ist. Denn rhyolithische Laven fließen nicht aus Vulkanen, wie es bei basaltischen Laven der Fall ist. Sie sind in der Regel massig und zeigen nur sehr selten säulige Formen, wie sie bei Basalt zu beobachten sind. Häufiger sind bankige oder plattige Strukturen zu beobachten.
Ihre Farbe ist hell, oft auch rötlich. Die rötliche Farbe ist dabei immer ein Hinweis auf postmagmatische Alteration. Es gibt auch glasige (Obsidian) und schaumige (Bims oder Perlit) Formen.

Wie entstehen Rhyolithe?
Wie ich oben bereits sagte, kann man manchmal Fließstrukturen erkennen. Das ist jedoch in gewisser Hinsicht irreführend. Das liegt daran, dass rhyolitische Lava aufgrund ihres hohen SiO₂-Gehalts sehr zäh ist und sich nur langsam abkühlt. Sie fließt nicht die Hänge herab, wie es bei basaltischer Lava der Fall ist. Rhyolithe und ihre petrografisch verwandten Dacite sind in der Regel ignimbritisch oder zumindest pyroklastisch. Sie entstehen durch mehr oder weniger mächtige Glutwolkenablagerungen bei explosivem Vulkanismus.
Ignimbritische Rhyolithe können aufgrund ihrer hohen Verwitterungsresistenz extrem große und mächtige Ablagerungen darstellen. Diese Härte lässt sie oft wie schroffe, massive Felsen mit steilen Wänden erscheinen. So besteht beispielsweise die größte außeralpine Steilwand Deutschlands, der rund 200 Meter hohe und gut zwei Kilometer lange Rothenfels an der Nahe bei Bad Münster, aus dem Kreuznacher Porphyr, einem Rhyolith.
Wo kann man Rhyolithe finden?
Rhyolithe treten meist im Zusammenhang mit kontinentalem Vulkanismus auf. In Europa finden wir sie beispielsweise im Flechtinger Höhenzug, im Ilfelder Becken im Südharz, in der Saar-Nahe-Senke, wo sie unter anderem im Kreuznacher Porphyr vorkommen, sowie am Königsstuhl. Auch der Karlsruher Grat im Schwarzwald besteht aus Rhyolith. Weitere Fundorte sind das nördliche Sachsen, das südliche Sachsen-Anhalt, die östliche Hälfte des Thüringer Waldes und die Vogesen. Dies sind jedoch nur einige Beispiele.
An der Ostseeküste kann man im Geschiebe verschiedene Rhyolithe finden, zum Beispiel den Roten Ostseequarzporphyr.
Wozu kann man Rhyolithe verwenden?
Früher wurden Obsidianvorkommen oft zur Herstellung von Steinwerkzeugen genutzt. Heute wird Obsidian dagegen überwiegend nur zur Herstellung von Kunstgegenständen verwendet. Aufgrund ihrer Härte und Zähigkeit werden ignimbritische Rhyolithe gerne als Schotter, Split oder Pflastersteine verwendet. Auch als Naturwerkstein wird Rhyolith gerne genutzt. Wenn man durch unsere modernen Städte geht, kann man in den Shoppingcentern oft sehr gute „urbane Geologie” betreiben. So findet man am Neuen Wall in Hamburg beispielsweise Rochlitzer Porphyr. Dieser Rhyolith wurde 2022 von der International Union of Geological Sciences (IUGS) als erstes Gestein Deutschlands zum „Heritage Stone“, also zum „Naturstein-Welterbe“, ernannt.
In meiner Jugend wurde mir als Faustregel der Unterschied zwischen Obsidian, Porphyr , Granit und Gneis wie folgt erklärt:
Wenn flüssige Lava sehr schnell abkühlt, dann bilden sich kaum Kristalle und man erhält glasartigen Obsidian.
Wenn das Abkühlen von flüssiger Lava einige Zeit dauert, dann können sich kleine Kristalle bilden und man erhält kleinkristallinen Porphyr.
Wenn die Lava länger flüssig bleibt, bevor sie abkühlt, dann können sich größere kristalline Strukturen bilden und man erhält Granit mit großen Kristallen (lat. granus = Korn)
Wenn Granit wieder erhitzt und dabei seine angeschmolzenen Strukturen verformt werden – dann erhält man Gneis.