Pyroklastischer Strom am Batu Tara Vulkan, Indonesien

Mente et Malleo

 

Pyroklastische Ströme sind eine ziemlich zerstörerische vulkanische Aktivität. Auch wenn vielleicht die meisten Menschen mit einem Vulkan glühende Lavaströme als Hauptgefahr ansehen. Vor den meisten Lavaströmen kann man zu Fuß noch gut flüchten ) OK, es gibt einige basaltische Ströme, die bis über 60 km/h schaffen, da braucht man schon ein Auto). Pyroklastische Ströme sind aber schneller.

Viel schneller.

Diese pyroklastischen Ströme können ohne Probleme eine Geschwindigkeit von 400 km/h erreichen (es gibt sogar Hinweise auf deutlich höhere Geschwindigkeiten, der initiale pyroklastische Strom des Mt. St. Helens soll 1980 sogar 1080 km/h erreicht haben) und haben im Inneren eine Temperatur, die irgendwo zwischen 300 und 800°C liegt. Was immer sich diesen Wolken in den Weg stellt, ob Lebewesen oder Gebäude, wird dem Erdboden gleichgemacht.

Pyroklastische Ströme haben aber gegenüber Lavaströmen einen “Nachteil”. Sie sind sehr viel schwerer zu beobachten. Einmal ist da natürlich ihre Geschwindigkeit und außerdem verstecken sie sich gerne unter Staub- und Aschewolken. Und für einen Beobachter besteht immer die Gefahr, dass er von seinen Beobachtungen hinterher nicht mehr viel berichten kann.

Aber mit etwas Glück kann sie auch filmen. Dieses Glück hatte Martin Siering am 3. Juli 2015 am Batu Tara Vulkan in Indonesien. Dieser 748 m hohe Vulkan auf einer unbewohnten Insel gut 60 Kilometer vor der Insel Flores fördert, ungewöhnlich für subduktionsbezogenen Vulkanismus, basaltische Lava. Mir kommt da durchaus der Verdacht, dass da eventuell auch eine Mantelquelle mit dran beteiligt sein könnte, aber genaueres weiß ich hierzu nicht.

Was das Video so interessant macht und von anderen Videos abhebt, die ich zum Thema pyroklastische Ströme hier bereits gezeigt habe (vom Sinabung z.B.) ist neben guten Sicht auch die Tatsache, dass es eine komplette Abfolge zeigt.

Beginnend mit der Explosion, bei der Asche und Lava in die Luft geschleudert werden sowie den anschließenden Kollaps der Eruptionssäule, aus der sich heraus der eigentliche pyroklastische Strom entwickelt. Anscheinend hatte Martin Siering nicht mit den folgenden Ereignissen gerechnet, denn Anfangs ist die Kamera mehr auf die Aschewolke gerichtet, die wirklich spannenden Dinge spielen sich am unteren Rand ab. Als er herunter schwenkt, sieht man den pyroklastischen Strom die Flanke des Vulkans hinab laufen. Stellenweise sieht man glühende Lavabrocken aus dem Strom hinausfallen und vor dem Strom laufen.

Interessant ist auch das Ende des Films, als der Strom das Meer erreicht. Obwohl es nur ein sehr kleiner Strom ist, kann er sich sehr weit über das Wasser bewegen, bevor ihm die Energie ausgeht. Wenn ein pyroklastischer Strom auf Wasserflächen trifft, können heiße Gesteinspartikel ins Wasser gelangen und ihn auf einem Dampfkissen noch sehr weit laufen lassen. Dabei kann es sogar zu einem Tsunami kommen. Allerdings sind in diesem Fall keine Wellen zu beobachten, obwohl hier die zuvor beobachteten Lavabrocken sicher Dampf erzeugt haben.

https://www.youtube.com/watch?v=FLLZc1zKUt4&feature=youtu.be

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

Schreibe einen Kommentar