Pelosol – eine Diva als Boden des Jahres 2022

Seit 2005 wird jedes Jahr ein ausgewählter Boden als der „Boden des Jahres“ ausgewählt. Ich hatte in meinem Blog ja schon einige der Träger dieses Titels vorgestellt, letztes Jahr zum Beispiel den Lössboden.

Boden aus gutem Ton

In diesem Jahr ist es der Pelosol, ein Boden mit einem hohen Tongehalt. Dieser Bodentyp ist in Deutschland nicht so weit verbreitet. Er findet sich vornehmlich in Gebieten, in denen Tonsteine anstehen, deren Verwitterungsmaterial die Basis für diesen Boden bildet. Wenn man also in Gebieten sucht, in denen die Tone des Keuper, des Unteren oder auch Mittleren Jura anstehen, so hat man einige gute Chancen, einen Pelosol zu finden. Manchmal bildet er sich auch auf Auenlehmen oder auf tonigen Verwitterungsprodukten aus vulkanischem Material. Er stellt die Endstufe der Bodenentwicklung auf tonigen Ausgangsmaterialien dar. In Deutschland findet man Pelosole hauptsächlich m Allgäu, der Schwäbischen Alb, im Ostwestfälischen Bergland und im Thüringer Becken. Auf abgelagerten tonigen Sedimenten des ehemaligen Kratersees findet man ihn auch im Nördlinger Ries.

Entstehung

Schon sein Name deutet auf den guten Ton hin. Er leitet sich vom griechischen pelos für Ton und dem lateinischen solum für Boden her. Mindestens 45 % Ton muss im Unterboden zu finden sein, um einen Boden als Pelosol zu gelten.

Auf freiliegendem Tonstein kann oft relativ rasch eine Pflanzendecke entstehen, aus deren abgestorbenen Teilen sich ein dünner humoser Oberboden bildet. Diese initialen Bodentypen werden als Syrosem bezeichnet. Ihre weitere Entwicklung geht mit einem Anwachsen dieser humosen Schicht einher. Erreicht sie eine Mächtigkeit von mehr als 2 cm, werden die jungen Böden als Ranker (auf silikatischen Tonsteinen) oder auch, etwas seltener aus mergeligem Ton, als Pararendzinen.

Während die Humusschicht langsam an Mächtigkeit gewinnt, verwittert der unterlagernde Tonstein. Aus dieser Verwitterung entsteht ein eigener Bodenhorizont. Dieser Bodenhorizont ist typisch für Pelosole und hat einen Tongehalt von mindestens 45 %. Dabei überwiegen die quellfähigen 3-Schicht-Tonminerale. Sie sind für viele der Eigenschaften des Pelosols verantwortlich. Wenn sich dieser spezielle Bodenhorizont gebildet hat, spricht man von einem Pelosol und die Bodenentwicklung ist weitgehend beendet. Der Pelosol stellt einen Endpunkt der Bodenentwicklung dar., nur der tonreiche Horizont tendiert dazu, immer mächtiger zu werden, wenn die Verwitterung des Ausgangsgesteins voranschreitet.

Die klassische Horizontfolge eines Pelosols lautet Ah – P – C, wobei Ah für den humushaltigen Oberbodenhorizont steht.

Der P -Horizont ist der typische Pelosol Horizont und ist nur bei diesem Bodentyp zu finden. Er besteht aus dem verwitterten Ausgangsmaterial und ist entsprechen reich an Tonmineralen und muss mindestens eine Mächtigkeit von 30 cm aufweisen. Der C-Horizont stellt das unverwitterte Ausgangsmaterial dar. Dieser Bodenhorizont zeigt meist ein ausgeprägtes Gefüge mit polyederförmigen Bodenaggregaten. Oft kann man auch glänzende Scherflächen aufgrund der Bodenbewegung durch die quellfähigen Tonminerale beobachten.

Profil eines Pelosols bei Wurmlingen. Jens Franke HSE (https://de.wikipedia.org/wiki/File:Pelosol.jpg), „Pelosol“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Eigenschaften des Pelosol

Das tonige Ausgangsgestein legt einige der grundlegenden Eigenschaften unseres Pelosols fest. Der tonreiche P-Horizont ist hierfür der entscheidende Horizont. Er weist nicht nur mindestens 45 % Tonminerale auf, die meisten von ihnen gehören auch zu den quellfähigen 3-Schicht-Tonmineralen wie den Smectiten und den Vermiculiten.

Das bedeutet, diese Minerale können im durchfeuchteten Zustand Wasser aufnehmen und ihr Volumen entsprechend vergrößern. Dieses Wasser ist aber für Pflanzen nur begrenzt verfügbar. Zugleich neigen Pelosole im feuchten Zustand zu einer mangelhaften Durchlüftung. Die durchwurzelbare Tiefe für landwirtschaftliche Nutzpflanzen liegt meist bei 60, in seltenen Fällen bei 90 cm.

Im trockenen Zustand verlieren die Tonminerale ihr Wasser und schrumpfen wieder. Durch das verringerte Volumen entstehen im Boden tiefe Trockenrisse, die dann für eine gute Durchlüftung sorgen. Die Trockenrisse sowie die Scherbewegungen beim Quellen und Schrumpfen der Bodenaggregate sorgen für eine gute Durchmischung auch tieferer Bodenbereiche mit Humus. Diese Durchmischung und ständige Durchbewegung des Bodens führt dazu, dass diese Böden in der internationalen Nomenklatur der World Reference Base for Soil Resources die Bezeichnung Vertisol tragen.

Für Pflanzen ist dieser Boden mit einigen Stressfaktoren behaftet. Zum einen weisen diese Böden gute Nährstoffversorgung auf, zum anderen ist ihr Wasserhaushalt recht eigenwillig. Aufgrund der Trockenrissen kann Regenwasser rasch versickern ohne dabei den Boden voll zu durchfeuchten. Dazu kommt der Mangel an Bodenluft und eine Neigung zur Staunässe, weswegen Pelosole gerne auch mit Pseudogleyen vergesellschaftet sind. Das Wasser wird zwar von den Tonmineralen gebunden, ist aber nicht für Pflanzen verfügbar. Im Gegenteil, die Pflanzen auf diesen Böden können trotz deutlich sichtbarer Bodenfeuchte unter Trockenstress stehen.

Oberfläche eines Pelosols mit Trockenrissen. Nördlinger Ries. Trauriger Clown (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pelosol_Nördlinger_Ries.jpg), „Pelosol Nördlinger Ries“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Minutenboden

In Sachen Bearbeitung zeigt sich der Pelosol ein bisschen wie eine Diva. Aufgrund seines hohen Tongehaltes lässt er sich nicht ohne Probleme bearbeiten und pflügen.

Sind diese Böden zu feucht, so zeige sie sich schmierig. Die Maschinen, mit denen sie bearbeitet werden sollen, können verkleben, der Boden kann an ihnen kleben bleiben. Das kann man auch sehr gut beim Graben in extrem tonigen Böden beobachten. Ist der Boden sehr feucht, verklebt Boden an den Spaten und lässt sich nur unter großem Kraftaufwand wieder lösen.

Wenn man so einen Boden im nassen Zustand pflügt, so erhält man meist eine lange tonige Wurst statt der gewünschten krümeligen Schollen. Diese Wurst lässt sich hinterher auch nicht mit der Egge zerkleinern. Zudem besteht die Gefahr, dass schwere Maschinen im Boden einsinken und sich festfahren sowie die Gefahr der Bodenverdichtung.

Wenn man jetzt aber wartet, bis der Boden trocken ist, steht man wieder vor anderen Problemen. Jetzt zeigt sich der Pelosol recht widerspenstig und hart, der Pflug will nicht recht in den Boden eindringen und schert, wenn er es mit viel Kraftaufwand denn doch mal tut, immer wieder nach oben aus.

So richtig willig für eine Bearbeitung ist ein Pelosol nur, wenn der Feuchtegehalt genau stimmt und er nicht zu nass oder zu trocken ist. Das Problem dabei ist, dass dieses Zeitfenster sehr von der jeweiligen Witterung abhängt und entsprechend eng ist. Es kann sich auf das Jahr bezogen auch nur um wenige Tage handeln, wobei der genaue Zeitraum selbst an diesen Tagen oft nur wenige Stunden beträgt. Das hat dem Boden auch die Bezeichnung „Minutenboden“ eingehandelt.

Dass unter diesen Umständen Ackerbau nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist, kann man gut verstehen. Daher wird der Pelosol meist auch nicht für den Ackerbau genutzt. Größtenteils überwiegt eine Nutzung als Grünland oder durch die Forstwirtschaft.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare

  1. Pelosole wurden im Institut für Bodenkunde (und Standortslehre) in Stuttgart-Hohenheim seit 1945 (mir bekannt) wissenschaftlich i. R. von Dissertationen und einer (?) Habilitation bearbeitet.

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