Ol Doinyo Lengai – Kalte Lava

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Radarbild von Envisat. Aufgenommen vom Advanced Synthetic Aperture Radar während dreier Überflüge. Die Farben resultieren aus den Veränderungen der Bodenoberfläche zwischen den einzelnen Aufnahmen. Credit: ESA

Dieses Satellitenbild zeigt einige der Vulkane aus dem afrikanischen Rift Valley. Südlich vom 2942 m hohen Gelai zeigt sich der Kitumbeine mit seinen 1770 m. In der südwestlichen Ecke liegt der Ol Doinyo Lengai. Dieser 2886 m hohe Vulkan ist auf der ganzen Welt einzigartig. Wenn man ihn aus der ferne erblickt, möchte man meinen, einen schneebedeckten Gipfel vor sich zu haben. Der Eindruck täuscht aber, denn es ist die Lava, die die den Gipfel weißlich verziert. Diese Lava ist es auch, welche den Vulkan vor allen anderen derzeit aktiven Vulkanen auszeichnet, denn sie ist karbonatitisch. Als Karbonatite werden magmatische Gesteine bezeichnet, die mehr als 50% Karbonatminerale enthalten, jedoch liegt der Anteil im Allgemeinen bei 70 bis 90%. In diesem Fall handelt es sich um Natrokarbonatit, also einem Natriumkarbonatgestein. Die Lava ist, wenn sie austritt, sehr dunkel und dünnflüssig und mit rund 600 °C auch kalt. Nach der Erstarrung nimmt sie rasch eine weißlich beige Färbung an. Karbonatite kommen auch in Deutschland vor, der Kaiserstuhl ist ein Beispiel eines längst erloschenen Vulkans, der einst, vor 14 – 16 Millionen Jahren aktiv war. Sie gehören mit zu den seltensten Gesteinen der Erde und sind meist an kontinentale Riftsysteme wie das Ostafrikanische Riftsystem oder den Oberrheingraben gebunden. Man möchte vielleicht zuerst vermuten, dass diese seltsame Form der Lava aus Karbonaten in irgendeiner Weise durch die Aufschmelzung von sedimentären Kalkgesteinen zusammenhängt. Das ist aber nicht so. Untersuchungen an verschiedenen Isotopen deuten darauf hin, dass der Erdmantel die eigentliche Quelle dieser Magmen ist.

 

Ol Doinyo Lengai vom Lake Natron aus gesehen. Der weiße Gipfel ist nicht schneebedeckt, wie man vielleicht auf den ersten Blick meinen möchte. Wikipedia/User Clem23 CC-by-sa 3.0

Daher werden die Karbonatite von den Geowissenschaftlern als gute Informationsquelle über die Zusammensetzung des Erdmantels angesehen. Ihre sehr extreme und exotische Isotopenzusammensetzung und die sehr geringe Temperatur der Schmelzen (im Vergleich zur Schmelztemperatur kontinentaler Krustengesteine) macht sie gegenüber einer möglichen Kontamination durch Krustenmaterial weitgehend immun. Untersuchungen des CO2/He3 – Verhältnisses am Ol Doinyo Lengai und dem Mittelozeanischen Rücken zeigen, dass die eigentliche Magmenquelle vermutlich rund 300 ppm CO2 besaß, dem normalen Gehalt an Mittelozeanischen Rücken. Damit ist der Erdmantel unter den kontinentalen Riftstrukturen und dem Mittelozeanischen Rücken wohl recht ähnlich und für unsere Karbonatitmagmen wird kein besonders an Kohlendioxid angereicherter Erdmantel benötigt.
Im Gegensatz zum aktiven Ol Doinyo Lengai sind die anderen beiden Vulkane vermutlich erlosche.

 

 

Video eines Lavastromesam Ol Doinyo Lengai. Gut zu erkennen ist der Farbkontrast der frischen Lava mit den älteren gesteinen und die Fließfähigkeit. das gilt auch für das Video unten.

 

 

 

 

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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