Ölsandabbau in Athabasca

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Mit den steigenden Ölpreisen werden auch die aufwändigeren Ölvorkommen für den Abbau interessant. Hier sind in erster Linie, neben den Ölvorkommen in der Tiefsee, vielleicht die Ölsande zu nennen. Ein gutes Beispiel für diese Art der Ölvorkommen findet sich in den Athabasca Ölsandvorkommen in der kanadischen Provinz Alberta. Diese Vorkommen auszubeuten lohnt sich erst ab mindestens 70 $, laut Merryl Lynch sogar erst ab rund 80$.

Karte der Ölsandvorkommen in Alberta.  NormaEinstein, gemeinfrei

Die Ölsande des Vorkommens bestehen hauptsächlich aus Quarzsand mit einem Bitumenanteil von 1 bis 18 %. Sand ab einem Bitumenanteil von 6 % gilt als abbauwürdig. Um ein Barrel Erdöl herzustellen, werden im Durchschnitt rund 2 Tonnen Ölsand benötigt. Insgesamt haben die Ölsande in Alberta eine förderbare Reserve von rund 174.5 Milliarden Barrel Erdöl.

Dort, wo sich die Ölsande nahe der Erdöberfläche befinden, also von weniger als 75 m Sedimenten überdeckt werden, werden sie in großen Tagebauen abgebaut. Das hinterlässt naturgemäß unübersehbare Spuren in der Landschaft. Mit Hilfe der Landsat-Satelliten kann man den Landschaftsverbrauch der Ölsandförderung gut verfolgen (hier sogar mit einer Animation, welche die jährlichen Änderungen seit 1984 zeigt). Dabei ist es erschreckend, wie schnell gerade in den letzten Jahren der enorm gestiegene Ölpreis (über 140 $ pro Barrel in 2009, wir erinnern uns dumpf) den Ausbau der Mine beschleunigt hat.

Tagebau der Syncrude Canada Ltd. zur Verarbeitung der Athabasca-Ölsande in Alberta. TastyCakes / Jamitzky, Gemeinfrei. 

Die Ausbeutung der Ölsande begann bereits 1967, das obere Bild zeigt den Zustand im Jahr 1984. Die Mine befindet sich in direkter Nachbarschaft des Athabasca River und besteht aus einer offenen Grube, in welcher die Ölsande abgebaut werden sowie technische Anlagen und Absetzteiche, in denen Sande und Wasser gelagert werden, nachdem das Öl aus ihnen (weitgehend) entfernt wurde.

Athabasca Ölsandabbau, aufgenommen am 23. Juli 1984. Zum vergrößern anklicken. NASA/USGS.

Im Jahr 2011 (unteres Bild) zeigt sich die heutige Ausdehnung des Abbaus. Der Abbau hat weite Bereiche östlich und westlich des Athabasca River in eine Bergbaulandschaft verwandelt. Das Bild wird noch eindrucksvoller, wenn man sich die größeren Übersichtsaufnahmen nebeneinander anschaut. Alleine die Tagebaue haben im Jahr 2010 rund 356,99 Millionen Barrel Rohöl produziert.

Zustand der Mine am 15. Mai 2011. Zum vergrößern anklicken. NASA/USGS.

Wenn die Ölsande tiefer als rund 80 m liegen, dann werden sie nicht mehr im Tagebau abgebaut, sondern mit Hilfe von in situ Förderanlagen. Hier wird heißes Wasser in den Ölsand gepumpt, um das Öl aus dem Sand herauszulösen und an die Oberfläche zu befördern. Diese Art der Förderung produzierte 2010 rund 189.41 Millionen Barrel Rohöl.

Beide Arten der Ölförderung aus den Ölsanden haben weit reichende Folgen für die umgebende Natur. Alleine die Satellitenbilder machen deutlich, in welchem Umfang die Wälder für den Abbau weichen mussten. Die Zahl der aus den Ölsanden entweichenden Schadstoffe liegt bei beunruhigenden 1400. Unter den wenigen, welche überwacht werden, sind Schwefeloxide, Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe und Feinstaub. Aus den Absetzteichen können eine Reihe von Schadstoffen in den Athabasca River oder in das Grundwasser entweichen. Insgesamt werden bei dem Abbau der Ölsandvorkommen bzw. der Trennung des Öls vom Sand das wohl bei weitem mehr Treibhausgase frei als bei den meisten anderen Ölvorkommen.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

4 Kommentare

  1. Der Ölpreis zeigt wo’s langgeht

    Barrelpreise um 100 Dollar scheinen die neue Normalität zu sein und damit wird auch unkonventionelles Öl attraktiv: die oben beschriebenen Ölsande also und die Schwer-und Extremschweröle wie sie im Orinoco-Becken Venezuelas zu finden sind. Unkonventionelles Öl gibt es insgesamt viel mehr als konventionelles, aber natürlich ist es kein Zufall, dass solche Lagerstätten erst seit kurzem im grossen Stil abgebaut werden. Die OPEC zählt die kanadischen Ölsande erst seit ein paar Jahren zu den offiziellen Ölreserven und die venezolanischen Schweröle sind noch später dazugekommen.

    Und ja, es steht uns noch einiges bevor, wenn man bedenkt, dass sich der Ölverbrauch der Chinesen und Inder zusammen in den nächsten 10 Jahren durchaus um 10 Millionen Barrel pro Tag erhöhen kann und dass It is estimated by oil companies that the Athabasca and Orinoco sites (both of similar size) have as much as two-thirds of total global oil deposits. .

    Unkonventionelles Öl kann nicht mehr einfach hochgepumpt werden, es muss unter Einsatz von viel Arbeit und Energie und unter Einsatz von schwerem Gerät ans Tageslicht geholt und dann aufwendig raffiniert werden. Das hat seinen Preis in mehrfacher Hinsicht: Der Energy Return on Energy Invested ist tief, der Preis damit hoch und die Auswirkungen der Fördertätigkeiten auf die Umwelt sind oft fatal.

    Jede Preiserhöhung eines Barrels Rohöl um 50 Dollar erhöht den Anteil der Ausgaben für Rohöl am Weltbruttoinldandprodukt um 3%. Früher einmal hörten wir vom Klimaökonomen Nicholas Stern, die Ausgaben für die “Rettung des Klimas” seien 2% des Welt-BIP. Die Tatsache, dass der Ölkonsum trotz der starken Preiserhöhung im Bereich von 3% des Welt-BIP nicht zurückging scheint Nicholas Stern zu widerlegen.

  2. Interessanter Beitrag

    Finde solche Beiträge immer recht informativ. So kann man auch mal erfahren, wie es mit der Ölbeschaffung aussieht. Letztendlich sieht man ja als Verbraucher lediglich, was das Öl kostet und man sollte schon mehr wissen, damit vielleicht die Preisentwicklungen nachvollziehbar sind.

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