Nachlese vom 9. Geologentag und GEC expo & congress Offenburg #1

Letzte Woche, vom 29 bis 30. Oktober fand in Offenburg der 9. Geologentag des BDG zusammen mit der GEC expo und congress statt. So etwas ist immer eine gute Gelegenheit, sich im Südwesten der Republik sehen zu lassen. Ich muss aber auch hier wieder meine Kritik, wie auch bereits 2013, erneuern. Auch diesmal war das Programm mit seinen 2 Kongressen und der Mitgliederversammlung des BDG (bei der es ja auch um einige wichtige Personalien ging) recht eng gepackt. Man konnte nicht alles sehen. Und die weite Anreise macht es für Teilnehmer aus dem Norden und Nordosten auch nicht unbedingt leichter. Überhaupt gab es diesmal auch einiges mehr zu kritisieren als 2013, aber dazu weiter unten mehr.

9. Deutscher Geologentag

Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner begrüßt die Teilnehmer der Messe und des 9. Geologentages. Eigenes Foto, CC-Lizenz

Auch dieses mal wurden die Teilnehmer durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Offenburg, Frau Edith Schreiner und der Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler Frau Dr. Ulrike Mattig begrüßt. Schon bei der Eröffnung viel aber auf, dass der Umzug in die „große“ Oberrheinhalle der ganzen Sache nur bedingt gut tat. Denn obwohl eigentlich genug Platz vorhanden war, bestand bei den Sitzplätzen ein eklatanter Mangel. Wer sich nicht schon gleich einen Sitzplatz eroberte, sondern wie ich erst mit fotografieren und überlegen beschäftigt war, wo den der strategisch günstigste Platz wäre, der ging leer aus. Es dauerte, bis Nachschub an Sitzgelegenheiten erfolgte. Ich denke, hier hätte man durchaus vorbereitet sein können.

Zumindest für die ersten Tagesordnungspunkte wie der Key-Note Vortrag und die Verleihung des Ehrenpreises war der Andrang sicher keine so große Überraschung.   Den Key-Note Vortrag hielt Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover zum Thema Fracking – Risikotechnologie oder Routine. Das Thema bewegt ja auch ein wenig die Republik. Nicht zuletzt der Film Gasland, bei dem brennendes Wasser aus dem Wasserhahn kommend gezeigt wurde oder Bilder, in denen die Landschaft durch Bohrplätze regelrecht zerstückelt wurde haben zu einer Verschärfung der Debatte beigetragen. Vielfach wird auch gerne von einer lebensfeindlichen Technologie gesprochen. Abgesehen davon, dass der Film Gasland ausgesprochen polemisch und über weite Strecken nicht durch seine wissenschaftliche Korrektheit auffällt. Fracking wird in Deutschland schon seit geraumer Zeit bei der Gewinnung von Gas aus dichten Sandsteinen angewendet und die bestehenden Vorschriften haben zumindest meiner Kenntnis nach dazu geführt, dass keine Unfälle aufgetreten sind. Trotz (oder auch gerade wegen) der im Vergleich zu den weltweiten Fracks sehr geringen Anzahl von ernsthaften Zwischenfällen scheint für viele Menschen das „gefühlte Risiko“ sehr hoch. Ein Phänomen, das sich auch in anderen Bereichen von Technik und Medizin wiederfinden lässt. Laut Umfragen ist einer der Gründe eine verbreitete falsche Vorstellung vom Grundwasser. Viele Menschen scheinen der Auffassung zu sein, dass je tiefer die Herkunft des Wassers, desto reiner und unberührter (von menschlicher Aktivität) ist es. Diese Vorstellung ist in den meisten Fällen jedoch nicht richtig. Wässer, die aus mehreren hundert Metern Tiefe gefördert werden, sind fast immer sehr salzhaltig und enthalten meist noch sehr viele andere gelöste Stoffe und Gase, von denen manche nicht unbedingt zum menschlichen Konsum geeignet sind (einige sind sogar giftig). Wenn man jetzt die eingesetzten Fracfluide betrachtet, so bestehen die zu 98% aus Wasser. Grob gesagt können die dort unten vermutlich die Wasserqualität nicht sonderlich negativ beeinflussen. Und ihre hohe Dichte verhindert einen Aufstieg der Fracfluide in höhere Grundwasserstockwerke. Ebenso wie die hohe Dichte des Tiefenwassers dessen Aufstieg und damit die Kontamination höherer Grundwasserstockwerke verhindert.

 

9. Deutscher Geologentag

Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover zum Thema Fracking – Risikotechnologie oder Routine. Eigenes Foto, CC-Lizenz.

 

Andere oft mit dem Fracking in Zusammenhang gebrachte Risiken wie das Lagerstättenwasser, welches zusammen mit einem Teil der Fracfluide an die Oberfläche gepumpt wird oder die Gefahr von Erdbeben durch Fracks und Förderung sind nicht unbedingt Alleinstellungsmerkmale der Fracking-Technik, sondern finden sich auch bei anderen bergbaulichen Tätigkeiten. Der Bohrlochbergbau ist im Vergleich mit Stollenbergbau fast schon minimalinvasiv. Braunkohleförderung zum Beispiel ist, was die Grundwassergefährdung angeht, wesentlich risikoreicher als Fracking. Zumindest für einen längeren Zeitraum werden wir hier in Deutschland auf Gas als Energieträger nicht komplett verzichten können. Was wir aber durchaus können ist die Entscheidung, zumindest einen teil des benötigten Gases selber zu fördern, was auch aus der Sicht des Klimaschutzes überlegenswert wäre. Lange Pipelines bedeuten auch einen Verlust an Effizienz, da auch der Transport des Gases Energie verschlingt. Und Gas hat gegenüber anderen fossilen Energieträgern auch den Vorteil, dass bei seinem Verbrauch weniger Kohlendioxid frei wird. Es wäre in meinen Augen also durchaus nicht sinnlos, Gas aus einheimischen Quellen zu fördern. Solange eben dabei die Vorschriften wie z.B. eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Öffentlichkeitsbeteiligung eingehalten werden. Aber deren Überwachung sollten wir in unserem eigenen Land doch eigentlich schaffen (OK, ich weiß, ich spreche große Worte gelassen aus). Es wird Zeit, dass die einheimische Rohstoffförderung auch in den Medien mal ohne Panikmache begleitet wird.

9. Deutscher Geologentag

Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler Frau Dr. Ulrike Mattig und Prof. Klaus Feßmann, der diesjährige Preisträger es Steins im Brett. Eigenes Foto, CC-Lizenz

Einer der Höhepunkte eines Geologentages ist stets die Verleihung des Ehrenpreises des BDG an Menschen oder Institutionen, die sich um das Ansehen der Geowissenschaften in der Öffentlichkeit verdient gemacht haben. Und in diesem Jahr war der Preisträger wirklich einmal sehr außergewöhnlich. Auf den ersten Blick möchte man keine Verbindung zwischen einem Musiktheoretiker, Klangkünstler und Musiker wie Prof. Klaus Feßmann aus Salzburg und der Geowissenschaft vermuten. Dennoch gibt es sie. Prof. Feßmann, der am Mozarteum in Salzbur Komposition lehrt, erschließt einige außergewöhnliche Klangwelten mit Instrumenten, die die aus Steinen hergestellt werden. Eines seiner Gebiete ist die Erforschung von Klängen und Musik mit diesen Instrumenten. Inspiriert wurde er, so seine Erläuterung bei der Preisverleihung, durch die Oper „Don Giovanni und der steinerne Gast“, in der Don Giovanni die Statue des von ihm ermordeten Kompturs verhöhnt und zum Esse einlädt. Diese beginnt nach einer Berührung zu singen. Fasziniert von dem singenden Stein verfolgte Prof. Feßmann diesen Ansatz weiter.

Neben dem rein ästhetischen Wert haben die „singenden Steine“ auch noch einen sehr realen Nutzen, zum Beispiel bei der Klangtherapie, wie sie bei der beispielsweise bei der Behandlung von Demenzerkrankungen eingesetzt wird.

9. Deutscher Geologentag

Musikalische Vorführung der Klangsteine durch den Preisträger, Prof. Klaus Feßmann. Eigenes Foto, CC-Lizenz

Abschließend demonstrierte Prof. Feßmann die Wirkung seiner Klangsteine vor dem Publikum an zwei Exemplaren. Ich fand es ziemlich interessant, wie er alleine mit angefeuchteten Händen und  den zu Lamellen gesägten und geschliffenen Steinen komplexe Tonfolgen von bis zu 9 verschiedenen Tönen erzeugte. Dies war eine Eigenschaft, die ich auch als engagierter Geowissenschaftler in den Steinen so nicht vermutet hatte. Vermutlich ist dies durchaus ein interessanter Weg, auch nicht-Geologen mit der Welt der Gesteine in Berührung zu bringen. Immerhin haben Gesteine ebenso wie auch Mineralien neben ihrem wissenschaftlichen Wert auch oft einen sehr wichtigen ästhetischen Faktor. Das einzige Problem, das ich dabei sehe, ist auf der anderen Seite die Gefahr, allzu sehr in die Nähe der Esoterik zu geraten.

Von dem beeindruckenden Klang der Klangsteine ist auf dem Video leider nicht mehr viel übrig geblieben.

 

Diese und weitere Fotos des Geologentags sind hier zu finden. Der 2. Teil der Nachlese befindet sich hier.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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