Nachlese vom 10. Geologentag und GEC expo & congress Offenburg

Vom 25. bis 26. Oktober fand die mittlerweile 5 GEC expo & congress wieder parallel mit dem 10. Geologentag in Offenburg statt. Und natürlich machte man sich wieder auf die lange und beschwerliche Reise in Deutschlands Südwesten. Das Programm versprach ja wieder einiges an interessanten Beiträgen. Auch dieses mal wurden die Teilnehmer durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Offenburg, Frau Edith Schreiner und dem Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler Herrn Andreas Hagedorn begrüßt. Im Gegensatz zu der Füllung des Saales vor 2 Jahren war diesmal nicht von Überfüllung zu reden. Diesmal es war relativ leer.

Geotechnologien in Deutschland und der Welt
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Impressionen auf der GEC in Offenburg. Eigenes Foto.

Den Impulsvortrag hielt Prof. Dr. Ralph Watzel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zum Thema Geotechnologien in Deutschland und der Welt – heute, morgen und übermorgen. Für den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Erde und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen sind Geowissenschaften von großer Bedeutung. In der Zukunft werden der Bevölkerungswachstum und Urbanisierung zur Entstehung von Megacities führen. Diese sind hinsichtlich verschiedener geogener Risiken meist enorm verwundbar. Hierfür bieten Geotechniken, wie sie unter anderem auf der GEC gezeigt werden, eine Lösung drängender globaler Aufgaben.

Stein im Brett
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Martin Schneider (rechts), Vorstandsvorsitzender der WPK – Die Wissenschaftsjournalisten Wissenschafts-Pressekonferenz erhält den Preis “Stein im Brett” von Andreas Hagedorn (links), 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler. Eigenes Foto.

Der nächste Punkt hat mich ganz besonders gefreut. Der Preis des BDG „Stein im Brett“ ging diesmal an die WPK-Wissenschaftsjournalisten Wissenschafts-Pressekonferenz e.V. und wurde von deren Vorstandsvorsitzenden Martin Schneider in Empfang genommen. Dies scheint mir ganz besonders vor dem Hintergrund der zunehmenden Pressefeindlichkeit der um sich greifenden Ignoranz gegenüber den Wissenschaften ein richtiges Zeichen. Denn unsere gesamte Zivilisation beruht auf den Ergebnissen der Wissenschaften. Dies gilt nicht nur für das Medium, mit dem ich hier kommuniziere, sondern für nahezu alle Bereiche unseres Lebens. Dies gilt auch für die Geowissenschaften. Egal, ob es die Bedrohung durch den Klimawandel ist, oder der Einsatz von neuen Techniken zur Gewinnung von Rohstoffen wie etwa das Fracking und nicht zuletzt die Bewältigung der Probleme nach dem Bergbau.

Geotechnologien und Baugrundertüchtigung

Andreas Stallhofer von der Laumer CSV Bodenstabilisierung GmbH und Matthias Pamler von der GEOMATION Geotechnology & Automation GmbH zeigten, wie sich die Tragfähigkeit von Böden verbessern lässt. Bei der Bodenstabilisierung nach dem CSV-Verfahren werden Stabilisierungssäulen im Vollverdrängungsverfahren in Böden mit ungenügender Tragfähigkeit eingebracht. Diese Säulen aus Trockenmörtel binden unter der Einwirkung der Bodenfeuchtigkeit zu Betonsäulen ab.

Andreas Wollenberg von der GEOSEC Deutschland analysiert den Baugrund mittels elektrischer 3D Widerstandstomographie (ERT), um so Schwachpunkte im Baugrund gezielt mit Hilfe von Expansionsharzinjektionen zu stärken. So können Setzungen des Fundaments, die sich meist durch Risse und Spalten im Mauerwerk bemerkbar machen.

Ein interessantes Praxisbeispiel für die Baugrundverbesserung mit Hilfe von Expansionsharzen brachte José Caicedo von der URETEK Deutschland GmbH. Hier war die Stadtbibliothek Göttingen-Grone aufgrund mangelhafter Einschätzung der Tragfähigkeit des Baugrundes bereits nach 5 Monaten um einige Zentimeter abgesackt. 37 Geotextilelemente unter den Bestandsfundamenten, die mit Expansionsharzen befüllt wurden, um das noch vorhandene Setzungspotential in bauwerksverträglichen Grenzen zu halten.

Interessant war auch der Vortrag von Matthias Seip von der Ingenieursozietät Prof. Dr.-Ing Katzenbach GmbH, der über die Herausforderungen bei der Gründung des derzeit weltweit höchsten Wolkenkratzers, dem Kingdom Tower in Jeddah, Saudi Arabien, berichtete. Dessen 1007 m Höhe wollen gut gegründet sein, ganz besonders, wenn man die im Untergrund befindlichen Korallenkalke bedenkt, die durch Karstbildung viele Hohlräume aufweisen.

Geophysikalische Messungen und Prüftechnik

Dr. Myriam Stoewer von der Nickol & Partner GmbH und Alex Westermayr von der GEO4 Gesellschaft für Geotechnik und Geophysik mbH stellten die Entwicklung eines vollintegrierten Messsystems zur Probenahme von Bodenluft vor. Ihr Forschungsprojekt VBLS stellt sich zum Ziel, eine stark automatisierte Probenahme der Bodenluft mit gleichzeitiger kontinuierlicher Aufzeichnung aller relevanten Parameter wie z.B. Gaszusammensetzung in einem transportablen Koffer zu entwickeln.

Dr. Steffen Vogt von der svGeosolutions GmbH zeigte, wie unbemannte Luftfahrzeuge, kurz Drohnen, in schwierigem Gelände eine gute Ergänzung bei der Fels- und Mauersicherung darstellen. Ganz besonders natürlich in schwierigem Gelände können sie helfen, entsprechende visuelle Kontrollen photogrammetrische Vermessungen durchführen.

Torsten Gorka von der DMT GmbH & Co. KG zeigte an verschiedenen Beispielen, wie geophysikalische Bohrlochmessungen bei der Erkundung des Untergrundes eingesetzt werden können.

Beendigung des Steinkohlebergbaus

Mit der Schließung der beiden letzten Steinkohlebergwerken 2018 wird in Deutschland eine lange Tradition zu Ende gehen. Vermutlich wurde kein Bundesland mehr als Nordrhein Westfalen vom „Grubengold“ wirtschaftlich, aber auch kulturell geprägt. Mit der Stilllegung der Zechen enden aber nicht die Aufgaben des staatlichen geologischen Dienstes, aber sie wandeln sich. Dr. Ulrich Pahlke vom staatlichen Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen zeigt, wie sich der Dienst auf die veränderten Anforderungen reagiert einstellt, um als moderne Beratungsbehörde die Bewältigung der Ewigkeitslasten kompetent zu begleiten.

Mit dem Ende des Bergbaus wird sich auch die Aufgabenstellung für die Bergbaufirmen verändern. Dr. Michael Drobniewski von der RAG Grubenwasser sieht als große Zukunftsaufgabe die Grubenwasserhaltung. Dazu soll die Grubenwasserhaltung auch die ökologische Qualität der kleineren Gewässer nach deren naturnahem Umbau nicht negativ beeinflussen.

Für die Beendigung des Steinkohlebergbaus in Nordrhein-Westfalen gibt es ein Vorbild. Im Saarland wurde der Bergbau bereits im Jahr 2012 eingestellt. Dr. Friedwalt Weber vom ELS Erdbaulabor Saar Institut für Geotechnik und Umwelt GmbH zeigt die Chancen für Geobüros und Freiberufler in der Verknüpfung bergbauspezifischer Themen mit den Anforderungen der Geotechnik und des Umweltschutzes ergeben.

Die rund 200 Jahre, in denen der Untergrund auf der Suche nach Steinkohle umgegraben wurde, haben in Nordrhein-Westfalen auch einzigartige Aufschlüsse geschaffen. Alleine im Ruhrgebiet wurde ein Gebirgskörper von gut 110 Kilometern Länge und über 60 Kilometer Breite bis in 2 Kilometer Tiefe fast lückenlos dreidimensional aufgeschlossen und in Grubenbildern dokumentiert. Diese wurden bei den Bergbehörden archiviert und stellen einen echten „Wissensschatz“ dar, den es auf jeden Fall zu bewahren gilt. Dr. Volker Wrede vom Staatlichen Geologischen Dienst plädiert dafür, die Bestände in zentraler Form digital zu erfassen und für zukünftige Forschung zu erschließen.

Um wasserwirtschaftliche Beispiele im Nachbergbau ging es bei dem Vortrag von Dr. Patricia Schüll von der Lippe Wassertechnik GmbH. Die durch den Bergbau verursachten Bodensenkungen bedeuten eine große Herausforderung für den Hochwasserschutz, ganz besonders in einem so dicht besiedelten Ballungsraum wie dem Ruhrgebiet mit über 1100 Einwohnern pro km².

Baugrundpraxis

André Koletzko von der Baugrund Dresden Ingenieursgesellschaft mbH brachte den Fall einer Schadenssanierung eines Bahndammes nach einem Starkregenereignis. In den Zeiten zunehmender extremer Wetterereignisse können starke Regenfälle für die Infrastruktur zu einem großen Problem werden.

Die Sicherung von Böschungen und Hängen ist für unterhalb gelegene Bauten und Infrastruktur von großer Bedeutung. Oft kommt hierbei Stahldraht zum Einsatz. Über Langzeiterfahrungen mit diesem oft in der Geotechnik eingesetzten Mittel berichtet Eberhard Gröner von der Geobrugg AG.

Dr. Michael Kraml von der GeoThermal Engineering GmbH zeigte Ergebnisse zur automatisierten Grundwasserbeprobung und der softwarebasierten Auswertung der Analyseergebnisse.

Welchen Wert der Einsatz wissenschaftlicher Taucher zur Bauwerksprüfung hat, berichtete Richard Stranulla von der GeoWID GmbH.

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Diesmal musste man nicht um seinen Sitzplatz fürchten. Eigenes Foto.

Auch diesmal war sowohl der Geologentag als auch die GEC zumindest in meinen Augen wieder ein großer Erfolg mit vielen guten Themen und neuen und auch wieder vertieften Kontakten. Allerdings fiel auch auf, dass der Andrang im Gegensatz zum letzten Mal doch etwas geringer war. Ob hier die Entfernung besonders für Nord- und Nordostdeutsche Geologen eine Rolle gespielt hat, weiß ich nicht. Eventuell sollte man sich doch mal Gedanken darüber machen, ob nicht auch immer mehrere Tage Urlaub zu opfern sind, denn nicht jeder kann mal eben so 2 bis 3 Tage in der Woche frei machen, um sich nach Offenburg zu begeben.

 

Die einzelnen Abstracts kann man online unter http://www.gec-offenburg.de/de/geotechnik_abstracts finden.

 

Weitere Eindrücke und Fotos von der Messe:https://flic.kr/s/aHsm5paxe7

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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