Killerschwämme – Das Leben Ist kein Ponyhof #14

Mente et Malleo

Schwämme sind uns ja der Inbegriff eines primitiven und wohl harmlosen Lebewesens. Einfach am Meeresgrund festsitzen und vor sich hin filtrieren, das dürfte kaum bedrohlich wirken. Und manche Schwämme haben noch ein Nachleben als unsere Badegenossen.

Also nichts, vor dem man sich wirklich in Acht nehmen muss, oder? Abgesehen davon, dass so etwas immer auch ein klein wenig auf die Größe der beteiligten ankommt (Hauskatzen sind niedlich, aber Löwen…).

Aber Schwämme? Wenn man nicht gerade ein organischer Partikel ist. Denn von denen ernähren sich die meisten Schwämme. Ihre Zellen teilen sich die Arbeit, jedenfalls die wenige, die bei einem sesshaften Wesen so anfällt. Zellen mit einem Geißelanhang, so genannte Choanocyten, strudeln die Partikel und das Innere des Schwammes und nehmen sie dort auf. Amöbocyten verteilen sie dann unter dem Rest des Schwammes.

 

Nun gibt es aber in den Tiefen des Meeres nicht nur die harmlose Variante des Schwamm. Manche Schwämme haben sich nämlich auf etwas gehaltvolleres als zufällig vorbei treibende Partikel spezialisiert; Fleisch.

Vor rund 20 Jahren wurden diese räuberischen Schwämme erstmals entdeckt, und seit dem kommen immer wieder neue Arten hinzu.

Die meisten von ihnen leben in der Tiefsee, in Habitaten, in denen Nahrung ausgesprochen selten ist. Und tierische Nahrung enthalten deutlich mehr Energie als die zufällig mal vorbei treibenden Partikel, die zudem noch extrem selten sind.

Dazu mussten sich die Schwämme aber anpassen. Als Fleisch fressender Schwamm hat deutliche Vorteile, wenn man nicht kompakt wie ein Badeschwamm gebaut ist, sondern filigran wie ein Fächer ein möglichst großes Areal abkämmen kann. Und wenn zudem die Beute auch noch irgendwie festgehalten werden kann. Dazu sind die einzelnen Äste der Schwämme mit winzigen haken versehen, an denen sich kleine Krebse verfangen. Wehe dem Krebs, dem das passiert. Er kann sich nicht mehr befreien, und der Schwamm wird seine Beute langsam umschließen und verdauen.

Die jüngst gefundenen fleischfressenden Schwammarten wie Cladorhiza caillieti und Cladorhiza evae leben m in der Nähe von hydrothermalen Schloten, Asbestopluma monticola an einem erloschenen Vulkan und eine weitere Art an Methanaustritten, also Gebieten, die als Oasen mit reichhaltigem Leben bekannt sind.

Auch fossil sind Reste von wahrscheinlich räuberisch lebenden Schwämmen bekannt

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare

  1. Karnivorische Aggro-Schämme sozusagen, die in Rudeln und Horden auftreten, der Schreiber dieser Zeilen hätte hier eher auf Vegetarismus getippt, sehr beachtenswert.

    MFG
    Dr. W (der noch die Zeit kennt, als sich welche Naturschwämme für hygienische Maßnahme zulegten)

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