Gestein des Jahres 2017 – Diabas

Diabas ist das Gestein des Jahres 2017. Der Name ist nicht ganz unstrittig und gilt eigentlich als veraltet. Geowissenschaftler sind aber durchaus konservative Leute und so kommt man nur schwer von traditionellen Begriffen los. Das Gestein hinter dem Namen ist aber ein interessanter Werkstoff, der auch heute noch eine regelrecht tragende Rolle spielt.

Zugegeben, mit dem Gestein für 2017 habe ich so meine Probleme. Und vermutlich nicht nur ich. Denn diesmal wurde ein Gestein ausgewählt, welches in der Literatur vermutlich schon für einige Verwirrung gesorgt hat. Denn die unter dem Begriff “Diabas” wird nicht überall das selbe verstanden..

Was ist Diabas?

So versteht man in Amerika und Skandinavien unter dem Begriff Diabas subvulkanische Ganggesteine aus der Familie der Gabbros bzw. Basalte, mit leistenförmigen Feldspatkristallen. Diese Gesteine werden in Deutschland als Dolerite bezeichnet, wohingegen Diabas für sekundär umgewandelte, vergrünte basaltische Gesteine paläozoischen Alters. Diese babylonische Begriffsverwirrung ist nicht nur für Studenten schwer zu verstehen. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum die Internationale Vereinigung der Geologischen Wissenschaften (IUGS) von der Verwendung des Begriffes Diabas im deutschen Sinn ab rät und satt dessen empfiehlt, den Namen Dolerit zu verwenden. Auch in der deutschen Literatur ist die Verwendung des begriffs Diabas nicht ganz einheitlich. Ich kann mich noch gut erinnern, dass auch Wimmenauer [1985] Diabas als postmagmatisch umgewandeltes, subulkanisches Gestein aus der Familie der Gabbros definierte.

Diabas

Diabas in Form eines angeschnittenen Pillow-Basalts, Wäschegrund, St. Andreasberg, Scan von eigenen Negativ ca. Juni 1990

 

Aber bleiben wir dennoch bei der deutschen Verwendung des Begriffs und dem Gestein, das damit bezeichnet wird. Dies ist also nun das Gestein des Jahres 2017 geworden. Sicher nicht ganz zu unrecht, denn es handelt sich nicht nur um ein ästhetisches Gestein, es wird auch sehr häufig verwendet. Da hat es etwas Publicity eigentlich nur verdient.

Mineralbestand

Wie es sich für ein basaltisches Ergußgestein gehört, hat unser Diabas ein fein- bis mittelkörniges Gefüge und es können, in einigen Fällen, Feldspateinsprenglinge zu finden sein. Im Unterschied zu den jüngeren Basalten zeigt unser Diabas meist eine grünliche Färbung, die auf sekundäre Mineralumwandlungen zurückgeht. Augite wurden durch Chlorit oder Hornblende, Teile der Feldspäte durch Epidot ersetzt. Dieser auch als Anchimetamorphose bekannte Vorgang stellt eine Vorstufe der Metamorphose dar. Dabei wird die Farbe des Gesteins durch den steigenden Anteil an Chlorit und Epidot immer mehr ins grünliche spielen. Ein Grund, warum dieses Gestein auch als Grünstein bezeichnet wird. Der Grund sind möglicherweise postmagmatische Reaktionen der submarinen Basalte mit dem Meerwasser.

Vorkommen

Die ursprünglichen Basalte entstanden durch den Ausbruch untermeerischer Vulkane in paläozoischen Meeresbecken, die anschließend durch die variszische Gebirgsbildung gefaltet wurden. Folglich kann man sie meist auch dort finden, wo Gesteine entsprechenden Alters auftreten, wie die devonischen und karbonischen Schiefergebirge wie der L
ahn-Dill-Mulde, Im Sauerland oder Im Harz. Oft kann man noch an ihrer Form erkennen, dass die Laven unter Wasser ausgeflossen sind, zum Beispiel wenn sie als Kissenlaven (Pillow-Basalt) auftreten.

Verwendung

Als gut zu bearbeitendes Gestein mit gleichzeitig hoher Dichte (rund 3,0 g/cm3) ist der Diabas ein beliebter Werkstein für viele Anwendungen. Seine gute Verwitterungsbeständigkeit, hohe Druckfestigkeit und Frostbeständigkeit prädestinieren ihn dafür, als Edelschotter im Straßen- und Gleisbau eingesetzt zu werden. Da Diabas auch eine gute Polierresistenz aufweist, wird er gerne in Form von Splittern in die Deckschicht von Straßenasphalt eingebracht, wo er die Fahrgeräusche mindert und gleichzeitig für gute Haftung der Reifen sorgt. Sein Mineralbestand kann aber, in manchen Fällen, hier auch zu Problemen führen.

Bereits in der Steinzeit wurden die Eigenschaften des Diabas sehr geschätzt und daraus Beile und Klingen hergestellt. Gemahlen wird er auch als so genanntes „Urgesteinsmehl“ zur Bodenverbesserung im Gartenbau eingesetzt.

Am 21. April 2017, dem Tag der Erde, soll der Diabas im Hartsteinwerk Schicker OHG in Bad Berneck (Bayern) präsentiert werden.

Update: die Präsentation findet laut Webseite des BDG am 28. April statt.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

      • Diabas hat mein ganzes leben bestimmt.als 14 jähriger immer in den Steinbrüchen unserer Region unterwes habe ich mir viele vorkommen näher angesehen,doch konnte ich in der Literatur bisher wenig über dieses Gestein nachlesen.ich bin jetzt 68 Jahre. Auch dieser kurze Bericht über das Gestein des Jahres bringt mich eigentlich nicht weiter.

    • Wo ich euch zwei hier gerade auf einem Haufen sehe, fällt mir gerade wieder ein, dass wir auf einem der letzten Treffen doch mal über einen Ausflug zum Nördlinger Ries gesprochen hatten. Ich schicke da Anfang des Jahres mal was rum, falls noch Interesse besteht.

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