Geotop – das Heidemoor im Wald

Brunsberg

Wenn man den Heidschnucken-Wanderweg vom Büsenbachtal in Richtung Brunsberg in der Nordheide wandert, kommt man mitten im Wald an einem kleinen Moor vorbei.

Einem kleinen Heidemoor, was einen vielleicht etwas verwundern mag, denn dieses kleine Moor liegt mitten im Wald.

Da stellen sich doch gleich ein paar Fragen:

Wie kommt hier ein Moor hin, und warum ist es ein Heidemoor, hier im Wald?

Lüneburger Heide
Ein kleines Heidemoor, wie sie leider selten geworden sind, hier in der Lüneburger Heide. Eigenes Foto

Berge in Norddeutschland

Wir befinden uns hier in den Lohbergen, einem Teil der auch Schwarze Berge genannten Gegend. Der Name deutet schon darauf hin, dass hier eine ausgeprägte Morphologie vorliegt. Und das tut sie auch. Schon am Büsenbachtal kann man es unschwer erkennen. Berge, jedenfalls das, was hier landläufig als Berge bezeichnet wird, und Täler wechseln sich ab. In den Bereichen mit Heide hat man von den Bergen einen sehr schönen Überblick über die Landschaft. Der Pferdekopf im Büsenbachtal und der Brunsberg sind durchaus empfehlenswerte Ziele.

Zugegeben, diese Berge sind eigentlich nicht viel mehr als Sandhügel auf Steroiden, die maximale Höhe liegt bei 129 m (Brunsberg). Gebildet wurden diese “Berge” als Moränen während der vorletzten Eiszeit, der Saale-Eiszeit. Die Lohberge stellen einen Endmoränenzug dar, also die äußerste Grenze der damaligen Eismassen zur Zeit des Drenthe Vorstoßes vor rund 150 000 Jahren. Der Sand hier ist quasi der Abrieb des skandinavischen Grundgebirges. Auch die ab und an vereinzelt auftretenden Findlinge sind damals hierher gelangt.

OK, das gilt nicht immer. Die Findlinge im Lauf des Büsenbachtals z.B. sind hierher verbracht worden, um den Lauf des Baches wieder zu renaturieren. Aber prinzipiell ist dies hier ein natürlicher Lebensraum der skandinavischen Findlinge.

Aber zurück zu den Sandbergen, den ehemaligen Endmoränen. Zwischen den Ketten der Endmoränen lagen immer wieder auch kleinere Senken. Manche von ihnen hatten keinen Abfluss, sodass sich das Wasser in ihnen stauen konnte. Denn die Endmoränen bestehen nicht nur aus Sand, sondern auch aus Geschiebelehm, besonders im Untergrund. Und dieser ist vergleichsweise wasserundurchlässig.

Das Wasser konnte sich hier also sammeln und mit der Zeit bildete sich hier ein kleines Moor.

Lüneburger Heide
Blick vom Pferdekopf auf das Büsenbachtal. Was hier eben so als Berg durchgeht. Im Hintergrund eine feuchte Senke, die aber über den Büsenbach entwässert wird. Eigenes Foto.

Heidemoor im Wald

Aber warum Heidemoor? Es liegt doch ganz offensichtlich hier mitten im Wald? Ja, heute liegt das kleine Moor mitten im Wald. Aber der Wald ist relativ jung. Bis in das 19. Jahrhundert war dies hier eine offene Heidelandschaft.

Letztlich war auch die Heidelandschaft, von der wir noch heute einige Reste zum Beispiel im Büsenbachtal und am Brunsberg bewundern, eine Folge menschlicher Nutzung.

Das fing schon mit dem Beginn der Landwirtschaft an. Die Böden hier in der Geest sind sandig und arm an Nährstoffen. Sie sind für Ackerbau nicht sehr gut geeignet und verarmen sehr schnell. Pollenanalysen zufolge bildeten sich bereits kurz nach Einführung der Landwirtschaft vor 3000 Jahren die ersten Caluna-Heideflächen durch intensive Beweidung der Traubeneichenwälder aus.

Versauerung des Bodens

Lange Zeit konnten sich Wälder und Heideflächen aufgrund der relativ dünnen Besiedlung immer wieder abwechseln. Die große Ausdehnung der Heide fand erst statt, als die Menschen hier zu einer Dauerbesiedelung übergingen. Die nährstoffarmen Böden bedingten eine Konzentration der vorhandenen Nährstoffe auf relativ kleine Ackerflächen, was zu einer Verarmung großer Flächenbereiche führte. Der Vorgang des Plaggens, bei dem der Oberboden mit dem Heidekraut abgetragen und als Einstreu in die Schafställe gebracht wurde, entzog den Böden immer wieder Nährstoffe.

Auch das Heidekraut selber trug dazu bei. Wenn sich Heidekraut zersetzt, sinkt der pH-Wert drastisch ab. Das hat in den ohnehin schon sehr kalkarmen Böden der Geest dramatische Folgen. Das Eisen im Boden wird mobilisiert und in tiefere Bodenschichten ausgewaschen. Es bildet sich ein aschgrauer bis in leicht lilafarbene spielender Auswaschungshorizont. Dafür bildet sich in der Tiefe ein eisen- und Aluminium-reicher Illuvialhorizont. Bei sehr starker Podsolierung kann es auch zur Bildung von Ortstein kommen, einer sehr harten Ausfällung von Eisen, welche die Durchwurzelbarkeit stark einschränkt. Den Podsol kann man auch an der Oberfläche oft an seiner aschgrauen bis ins leichte lila spielenden Sandfarbe erkennen.

Erst mit der Erfindung und preiswerten Verfügbarkeit von Kunstdünger konnte die althergebrachte Heidebauernwirtschaft beendet werden. Die Heideflächen wurden teilweise sich selber überlassen, große Bereiche wurden gezielt wieder aufgeforstet. So auch dieses Areal mit dem ehemaligen Heidemoor.

Nach dem Ende der Heidebauernwirtschaft dauerte es einige Zeit, bis die Heidelandschaft als wertvoll und nicht als lebensfeindlich begriffen wurde. Heute werden teilweise große Anstrengungen unternommen, wenigstens einige Bereiche dieser Kulturlandschaft als Lebensraum zu erhalten.

Podsol
Klassischer Podsol mit deutlich erkennbarer Bleichung in den oberen Horizonten. Das Foto stammt zwar von einem anderen Ort, aber der Heideboden hier dürfte unter unseren Füßen recht ähnlich aussehen. Eigenes Foto

Moor als Klimaschützer

Moore werden durch Torfmoose aufgebaut. Während es an den Spitzen grün wächst, sterben die unteren Bereiche ab und speichern Wasser wie ein Schwamm. Dadurch werden der Atmosphäre große Mengen CO2 entzogen und gespeichert. Torfmoose können pro Jahr bis zu 30 cm wachsen und dabei gleichzeitig 0,5 bis 1 mm Torf neu bilden. Moore sind also regelrechte Klimaschützer. Auch dieses kleine Moor, wenngleich sein Beitrag im Vergleich sicher nicht so bedeutend ist. Dennoch wurde hier durch einen kleinen Damm der Abfluss unterbrochen und das Moor wieder vernässt. Der umstehende Wald wurde gelichtet, damit sich die typische Vegetation eines kleinen Heidemoors zumindest ansatzweise wieder ansiedelt.

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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