Geo Video: An den Schicksalsklüften

Unter Vulkanologen geht der Spruch um, dass nur hoffnungslose Optimisten unter ihnen  in eine Altersvorsorge einzahlen. Und das nur schlechte Vulkanologen in den Genuss einer Rente kommen. Wenn man sich den Vulkanologen im unteren Video ansieht, kann man das sicher ganz gut nachvollziehen. Denn trotz all unserer Technik ist es immer noch extrem gefährlich, den Feuerbergen ihre letzten Geheimnisse zu entreißen.

Vulkane sind nämlich nicht nur gefährlich, sie bringen auch viele Segnungen, daher siedelten und siedeln auch heute immer mehr Menschen in ihrer Nähe.

In diesem Fall handelt es sich um den Vulkan Nyiragongo, in der Demokratischen Republik Kongo nahe der Grenze zu Ruanda. Im Krater des Vulkans ein Lavasee gibt es einen Lavasee , an dem man auch sehr anschaulich plattentektonische Vorgänge im kleinen Maßstab beobachten kann.

Die Lava in dem See ist extrem dünnflüssig, wenn sie über den Kraterrand schwappt, kann sie mühelos mehrere Kilometer mit hoher Geschwindigkeit fließen. Vergangene Ausbrüche haben die nahe gelegene Stadt Goma erreicht. Mindestens 500 000 Menschen mussten Evakuiert werden und forderte mindestens 147 Todesopfer. Die Vulkane der Virunga Kette, zu denen auch der Nyamuragira gehört, haben alle eine sehr dünnflüssige, kieselsäurearme Lava.

Um mehr über den Vulkan und seine Aktivitäten herauszufinden, müssen Proben aus dem Lavasee genommen werden. Das ist bei der dünnflüssigen Lava und der Unberechenbarkeit des Vulkans kein ungefährliches Unterfangen. Denn auch wenn der Vulkanologe in dem Video einen feuersicheren Anzug trägt, wäre er bei einem direkten Kontakt mit der heißen Lava in tödlicher Gefahr. Der Anzug kann ihn zwar vor der Hitze schützen, die in der Nähe des Sees herrscht, aber eben nicht vor der Lava selber.

(Dank an Olaf Prause für den Hinweis auf das Video)

Was mich irgendwie an Gollum in den Schicksalsklüften Erinnert. Wer den “Herrn der Ringe” gesehen hat, kennt die Szene. Gollum stürzt in die Lava und versinkt, während der Eine Ring an der Oberfläche bleibt.

Gesetzt den Fall, dass Gollum sich (was seine physikalischen Eigenschaften angeht) nicht allzu sehr von einem Menschen unterscheidet, und die Lava von Mittelerde von der auf unserer Erde.

Auch wenn (dünnflüssige noch dazu) Lava in unseren Augen sehr Wasser ähnelt, es ist doch eine Flüssigkeit mit vollkommen anderen physikalischen Eigenschaften. Wasser, beispielsweise, hat eine Dichte von 1 g/cm3, Lava hingegen hat eine Dichte von 2,9 bis 3,1 g/cm3. Wasser hat eine Viskosität von knapp 0.001 Pa*s (bei 20°). Basaltische Magmen, wie wir sie hier am Nyiragongo (und wahrscheinlich, wenn ich die Dünnflüssigkeit bedenke, auch auf Mittelerde) haben, besitzen eine Viskosität von 10 bis 104 (bei granitischen Magmen liegt sie, genaue Daten sind nicht bekannt, wahrscheinlich bei 106 bis 108).

Der menschliche Körper (und vermutlich auch der von Gollum) hat eine Dichte, die sich kaum von der von Wasser unterscheidet. darum können wir schwimmen und untertauchen. Würden wir also in einen Lavasee springen, hätte das wohl (abgesehen von der Hitze, basaltische Magmen haben durchaus über 1100 bis 1200°C!), würden wir (zumindest für einen Augenblick) unsinkbar sein. Zumindest solange, bis die Hitze uns Feuer und Flamme werden lässt.

 

 

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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