Vom 8 Geologentag und der GEC Geotechnikmesse in Offenburg #2

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

Einer der Höhepunkte war die Verleihung des Ehrenpreises des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler, des “Stein im Brett” an den Leipziger Zoo. Der “Stein im Brett” wird an Personen oder Institutionen verliehen, die sich um das Ansehen der Geowissenschaften in der Bevölkerung verdient gemacht haben.
Nun kann man natürlich fragen, wie ein Zoo sich denn um das Ansehen ausgerechnet der Geowissenschaft verdient machen kann? Doch, das geht. Und das sogar ziemlich gut.

 

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Rasem Baban, technischer Direktor des Leipziger Zoos, nimmt den “Stein im Brett” von der Vorsitzenden des BDG, Frau Dr. Ulrike Mattig, entgegen. Eigenes Foto, CC-Lizenz.

Im Falle des Zoos Leipzig war es Europas derzeit größte Tropenhalle mit dem schönen Namen Gondwanaland. Das ist nicht nur der Name eines Superkontinents, der die heutigen Kontinente Afrika, Südamerika, Australien Indien und Antarctica zusammenfasste (letzterer ist aber in der Tropenhalle nicht repräsentiert) , sondern auch Programm. Denn die Evolution auf den genannten Kontinenten ist eng mit ihrer geologischen Geschichte verwoben. Und man kann sei nur erfassen, wenn man um diese geologische Vergangenheit weiß. Darum wird der Besucher auch auf eine “Zeitreise” mitgenommen, wenn er in die Halle einfährt. Das geschieht über einen Tunnel mit einem Boot. Dieser Tunnel ist der “Zeitkanal”, der die Erdgeschichte von der Trias (von ca. 250 bis 201 Mio Jahren) bis heute erlebbar machen soll. Dies macht, so der Berufsverband der Deutschen Geowissenschaftler, Erdgeschichte für jeden Besucher leicht verständlich und es verdeutlicht, dass belebte und unbelebte Natur untrennbar miteinander verbunden sind.

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Rasem Baban erläutert das Konzept von “Gondwanaland” und seine technische Umsetzung. Eigenes Foto, CC-Lizenz.

Aus dem Tunnel gelangt man mit dem Boot auf den Urwaldfluss und in die Halle, die mit über 500 Pflanzenarten und rund 90 Tierarten aus Afrika, Südamerika und Australien, darunter auch der Australische Lungenfisch und der Komodowaran.

Interessant ist auch das Energiekonzept, da derartige Anlagen normalerweise regelrechte Energiefresser sind. Hier wird beispielsweise die tagsüber gewonnene Wärme gespeichert, um dann nachts wieder zum Heizen der Halle verwendet werden zu können.

Den Preis für den Leipziger Zoo nahm Rasem Baban entgegen, technischer Direktor des Zoos und Planer der Tropenhalle.

Nach diesem Tagesordnungspunkt gab es erst einmal ein wenig Zeit, sich die Messe und die Aussteller ein wenig näher anzuschauen. Die Geotechnik ist allerdings nicht ganz mein Fachgebiet, aber so manche der Ingenieurgeologen in meiner Begleitung kamen schnell ins fachsimpeln über die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Bohrtechnik, Drucksondierung, Bohrlochmessungen, Grundwassermessungen, Baugrubenabsicherung, Drainagetechnik, Steinschlagsicherungstechnik und noch mehr. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, die Mitarbeiter der ausstellenden Firmen haben nur auf das Ende des Vortragsblocks gewartet, um sich die ein Rudel ausgehungerter Wölfe auf alles zu stürzen, das sich in Reichweite ihres Stands bewegte. Das war schon ziemlich spannend.

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Mit so einem Ausstellungsstück fällt man immer auf. Waschechter Truck mit selbstfahrender Drucksondierungseinheit auf dem Rücken. Eigenes Foto, CC-Lizenz.

Allerdings war die Messe, die zum ersten mal stattfand, noch ziemlich klein. So hatte man die interessanten Stände auch recht schnell abgegrast und zum Glück noch weit mehr auf dem Programm. Die BDG bietet ja auch die Mitarbeit in verschiedenen Arbeitskreise, und ich hatte schon seit geraumer Zeit mit dem Arbeitskreis Umweltgeologie Kontakt.

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Mit so einem Modell machen Fachgespräche noch einmal soviel Spaß. Wie man mit energieunabhängigen Drainagesystemen Hangrutsche vermeiden kann, wird hier sehr anschaulich demonstriert. Eigenes Foto, CC-Lizenz.

Und natürlich gab es noch verschiedene Fachvorträge, die eigentlich alle absolut hörenswert waren, man hätte sich aber zerteilen müssen. Und da ich da irgendwie doch etwas wehleidig bin, musste ich auf einige verzichten. Und man hätte ja als halber Mensch sicher auch nur die Hälfte mitbekommen…

Da war zum Beispiel Steffen Praetorius von der Herrenknecht AG, der uns über die Erfahrungen beim Bau des Gottgard-Basistunnels erzählte. Das hatte mich schon von daher interessiert, weil ich einst als hoffnungsvoller Student in der Piora-Mulde meine Kristallin-Kartierungserfahrungen sammeln durfte.

P1200578 Steffen Praetorius von der Herrenknecht AG auf dem 8. Geologentag in Offenburg. Eigenes Foto, CC-Lizenz.

Die Firma Herrenknecht ist wohl der Weltmarktführer in Sachen Tunnelbohrmaschinen, und fast überall, wo Straßen- oder Bahntunnel gebohrt werden, sind ihre Bohrmaschinen mit dabei. Ich hatte in den 1990´er Jahren das Vergnügen, in Hamburg TRUDE bei ihrer Arbeit unter der Elbe (4. Röhre Elbtunnel) zu besuchen. Und im Prinzip unterschieden sich die beiden Maschinen im Fels der 57 Kilometer langen Tunnelstrecke nicht übermäßig von der damals vorgefundenen Maschine.
Interessant auch, auf welche unerwarteten Hindernisse Tunnelbauer bei solchen Projekten stoßen, und wie sie damit umgehen. Denn die Piora Mulde mit ihren weichen und wenig standfesten Gesteinen hatte kaum Schwierigkeiten bereitet. Hingegen zeigten sich die Leventina Gneise mit unerwarteten Störzonen, druckhafte Gebirge im Lucamagno Gneiss oder hydrothermal zersetzte Gesteine als weit problematischer als vorher angenommen. Dazu kam die gegenseitige Beeinflussung der beiden parallelen Tunnel, die sich trotz des vorher berechneten Sicherheitsabstandes auf die Druckverhältnisse im Berg und damit auf die Röhrengeometrie auswirkten.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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