Fossil des Jahres 2026 – die Westfälischen Plesiosaurier

Das „Fossil des Jahres 2026” wird durch vier Plesiosaurier aus Westfalen repräsentiert. Diese lebten vor rund 135 Millionen Jahren in den Gewässern des Mesozoikums und starben am Ende der Kreidezeit aus.
Seit 2008 wählt die Paläontologische Gesellschaft jedes Jahr ein besonderes Fossil zum „Fossil des Jahres”. Diese Fossilien sind einzigartige Zeugen vergangenen Lebens und der damaligen Lebensbedingungen.
In und um Westfalen kommen vielfältige Gesteine des Mesozoikums, also der Zeitabschnitte Trias, Jura und Kreide, vor. Viele dieser Gesteine sind fossilführend. Neben vielen anderen Funden sind die vier Plesiosaurier-Holotypen besonders wertvoll. Diese vier Fossilien werden heute in drei westfälischen Museen präsentiert. Sie wurden durch die Beteiligung von Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern gefunden und erforscht. Sie ermöglichen einen einzigartigen Einblick in die Evolution und Lebensweise dieser einst sehr erfolgreichen Gruppe von Meeresreptilien.

Was sind Plesiosaurier?
Plesiosaurier sind eine Gruppe ausgestorbener Reptilien, die von der späten Obertrias bis zum Ende der Kreidezeit im Meer lebten. Sie starben gemeinsam mit den Nicht-Vogel-Dinosauriern am Ende der Kreidezeit aus.
Der Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie „Fast-Echsen“. Ihr Körper ähnelte einer kurzen, abgeflachten Spindel mit vier paddelförmigen Gliedmaßen. Ihr Hals war meist relativ lang mit einem kleinen Kopf und einem kurzen Schwanz, den manche Arten mit einer kleinen Schwanzflosse abschlossen.
Als ehemalige Landtiere hatten sie sich an das Leben im Wasser angepasst. Dabei zeigen sie einige Besonderheiten, die sich bei anderen, wieder zum Wasser zurückgekehrten Gruppen so nicht finden lassen. Ein Beispiel hierfür sind die vier an Größe und Bau nahezu gleichartigen Flossen an den vorderen und den hinteren Extremitäten. Auffällig ist auch der deutlich verlängerte Hals, der aus bis zu 72 Halswirbeln bestehen kann und damit deutlich länger ist als der Schwanz. Dieses Ungleichgewicht hatte bei der Entdeckung dieser Gruppe zu einiger Verwirrung beigetragen. So betrachtete Georges Cuvier die ersten Skelette als Fälschung und bei den ersten Rekonstruktionen durch Edward D. Cope wurde der Kopf irrtümlicherweise an den Schwanz montiert.

Wer sind die Westfälischen Plesiosaurier?
Der zumindest stratigrafisch älteste westfälische Plesiosaurier ist Rhaeticosaurus mertensi aus der späten Trias (Rhaetium). Das Fossil wurde erst 2013 entdeckt und 2017 erstmals beschrieben. Aus dieser frühen evolutionären Phase der Plesiosaurier sind nur sehr wenige vollständige Skelette bekannt. Voll ausgewachsen konnte dieser Plesiosaurier eine Länge von gut 2,4 Metern erreichen.
Etwas jünger, aus dem Pliensbachium im Unteren Jura, stammt Westphaliasaurus simonsensii. Das Fossil wurde 2007 von einem Amateurpaläontologen in einer Tongrube bei Höxter gefunden, 2011 beschrieben und nach der Fundregion in Westfalen sowie seinem Finder benannt. Ausgewachsene Exemplare dieser Art konnten eine Länge von rund 4,5 Metern erreichen.
Der dritte Fund, Arminisaurus schuberti, ist gut fünf Millionen Jahre jünger. Auch dieser Fund stammt noch aus dem Pliensbachium. Das Skelett ist nur bruchstückhaft erhalten, insgesamt sind nur rund 40 % davon übrig. Es wurde in den 1980er Jahren von einem Amateurpaläontologen in einer heute stillgelegten Tongrube in Bielefeld entdeckt.
Das Teilskelett wurde erst 2017 als eigene Art beschrieben. Die Namensgebung bezieht sich einerseits auf den Cheruskerfürsten Arminius als Anspielung auf die Fundregion und andererseits auf den Besitzer des Skeletts, der es im Jahr 2025 dem Naturkundemuseum Bielefeld übergab. Er hatte sich auch durch zahlreiche Publikationen zur regionalen Geologie verdient gemacht.
Diese Art weist einige anatomische Besonderheiten auf, darunter Kerben in der Gelenkpfanne des Unterkiefers, Dornfortsätze an den Halswirbeln sowie vergleichsweise dünne Schulterblätter mit einem Kiel an der Unterseite. Die Länge des Exemplars wird auf drei bis vier Meter geschätzt.
Als Viertes kommt Brancasaurus brancai aus der Unterkreide. Damit ist er der Jüngste unter den Vieren, obwohl er der älteste Fund ist. Er wurde bereits 1910 entdeckt und 1914 von Theodor Wegner beschrieben und nach dem Paläontologen Wilhelm von Branca benannt. Gefunden wurde das Fossil in einer Tongrube bei Gronau. Da die Tongrubenarbeiter damals mit Spitzhacken arbeiteten, wurde das Fossil bei der Bergung stark beschädigt und lag in 176 Einzelteilen vor. Weitere kleinere Bruchstücke konnten zu einem späteren Zeitpunkt geborgen werden.
Der 2013 als Gronausaurus wegneri beschriebene Plesiosaurus ist vermutlich ein Synonym, da die beiden nur sehr marginale Unterschiede aufweisen.
Brancasaurus war ein mittelgroßer Plesiosaurier. Er erreichte eine Länge von etwa 3,3 m, wobei der Holotyp nur ein subadultes Exemplar war. Sein 1,2 m langer Hals umfasste 37 Wirbel und sein 23 cm langer Schädel wies eine charakteristische Form auf. Möglicherweise lag hier auch eine gewisse Weichteilerhaltung vor: Die Knochen der Gliedmaßen und des Körpers waren von mehrlagigem Calcit umgeben. Leider wurde diese Schicht bei der Präparation entfernt.
Zum Zeitpunkt seines Lebens hatten vermutlich ausgedehnte Süßwasserseen vorherrschend, die zunehmend brackischer wurden. Die Tonablagerungen zeugen von sauerstoffarmen Ablagerungsbedingungen, wodurch die Fossilien gut erhalten überliefert wurden. Brancasaurus dürfte also im Brackwasser zu Hause gewesen sein.
Plesiosaurier waren im Mesozoikum eine weit verbreitete Gruppe. Entsprechende Funde sind auch aus anderen Gebieten Deutschlands bekannt, beispielsweise aus Schwaben, Franken oder dem Harzvorland. Fossilien oder Abgüsse dieser faszinierenden Tiere können in verschiedenen Museen besichtigt werden.Unsere vier „Fossilien des Jahres” werden im Geomuseum der Universität Münster, im LWL-Museum für Naturkunde in Münster, im Dobergmuseum in Bünde und im Naturkundemuseum in Bielefeld aufbewahrt. Dort finden auch viele verschiedene Veranstaltungen zu diesem Thema statt.
Die Jahreszahl im ersten Satz passt nicht zur Überschrift.
Ansonsten sind Plesiosaurier eine interessante Gruppe, weil sie so anders sind
Danke
Gunnar Ries schrieb (14. Apr. 2026):
> Das „Fossil des Jahres 2026” wird durch vier Plesiosaurier aus Westfalen repräsentiert. […] Diese vier Fossilien werden heute in drei westfälischen Museen präsentiert. […]
Davon (mindestens) eines der Fossilien („Westphaliasaurus simonsensii“) in zwei (verschiedenen) westfälischen Museen. …