Feuerstein der Schreibkreide – das Sedimentärgeschiebe des Jahres 2025

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Das Sedimentärgeschiebe des Jahrs 2025 kennt vermutlich jeder. Der schwarze Feuerstein ist eines der häufigsten und am weitesten verbreiteten Geschiebe. Er kommt überall dort vor, wo Schreibkreide ansteht, und diese kommt im Norden relativ weitflächig vor. Das Gestein ist ziemlich zäh und deutlich besser gerüstet, einen Transport durch Gletschereis zu überstehen, als die Schreibkreide. So kommt der schwarze Feuerstein auch überall dort vor, wo ihn die eiszeitlichen Gletscher wieder abgelagert haben. Bei dem Sedimentärgeschiebe des Jahres handelt es sich um die Feuersteine der Schreibkreide. Vieles, was für diese gilt, lässt sich jedoch auch auf andere Feuersteinvorkommen übertragen.

Feuerstein ist nicht nur ein sehr hartes, sondern auch ein hervorragend spaltbares Gestein. Dabei entstehen teilweise sehr scharfe Schlagkanten. Das hat der Mensch sehr schnell bemerkt und das Gestein als Rohmaterial genutzt, um daraus Werkzeuge und Waffen zu fertigen. Damit hat das Gestein wohl auch eine bedeutende Rolle in unserer Geschichte gespielt. Auch in der Erforschung der Eiszeiten spielt der Feuerstein eine Rolle. Als sogenannte Feuersteinlinie zeichnet er die maximale Ausdehnung der skandinavischen Gletscher nach.

Was ist Feuerstein?

Feuerstein besteht fast ausschließlich aus Siliciumdioxid in Form von sehr feinkörnigem, dichtem Quarz (Chalcedon) oder wasserhaltigem (Mogánit) bzw. amorphen (Opal) SiO₂-Variationen. Seine Farbe erhält der Feuerstein durch Beimengungen verschiedener anderer Bestandteile, wie etwa Hämatit bei rötlichen Variationen. Der hier als Geschiebe des Jahres behandelte Feuerstein der Schreibkreide ist meist schwarz, mit helleren, ins Graue spielenden Bereichen. Bänderungen sind selten zu beobachten.

Frisch aus dem Anstehenden oder bei vom Gletschertransport nicht zu stark beanspruchten Geschieben zeigt sich oft eine bis zu 3 mm dicke, weißliche Rinde. Diese auch als Cortex bezeichnete Schicht besteht nicht aus dem umgebenden Kalk der Schreibkreide, sondern aus Opal-CT [1]. Bei den Feuersteinen der Schreibkreide ist dieser Cortex in der Regel relativ glatt.


Wie ist der Feuerstein entstanden?

Die Entstehung von Feuerstein und ähnlichen Strukturen in anderen, älteren kalkigen Sedimenten (Hornstein) ist noch nicht abschließend geklärt. Der Grundtenor der verschiedenen Hypothesen ist jedoch, dass während der Diagenese kieselsäurehaltige Lösungen in den Sedimenten ausfallen und die Karbonatminerale verdrängen. Relikte von Organismen wie Kieselschwämme und Diatomeen in den Feuersteinen deuten auf einen organischen Ursprung der Lösungen hin [2][3][4][5].
Die Diagenese dieser kieselsäurehaltigen Lösungen zu Feuerstein verläuft über amorphen Opal-A und Opal-CT, der als wasserhaltige Vorstufe des Feuersteins betrachtet wird.

Mit zunehmender Dehydrierung wird aus dem Opal-CT (SiO₂·nH₂O) der heutige Feuerstein. Dieser Prozess läuft von innen nach außen ab und nimmt vermutlich einige Jahrmillionen in Anspruch.

Anschnitt einer Feuersteinknolle. Auffällig ist die hier sehr ausgeprägte weiße Rinde. No machine-readable author provided. Anton~commonswiki assumed (based on copyright claims). (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fintstonep.jpg), „Fintstonep“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Wo kommt Feuerstein vor?

Feuerstein findet sich in zahlreichen Ablagerungen des Jura und der Kreide. Ein bekanntes Beispiel für anstehenden Feuerstein in Deutschland sind die Kreidefelsen von Rügen. Aber auch an anderen Kreidevorkommen kann man Feuerstein finden, beispielsweise in Hemmoor, auf Helgoland (Düne) oder in Lägerdorf.

Da Feuerstein gegenüber Verwitterung und Transport durch Gletscher deutlich resistenter ist als sein Muttergestein, die Schreibkreide, kann er sehr weit transportiert werden. Berücksichtigt man zudem die recht weite Verbreitung der Kreide in Deutschland und Skandinavien, wird die weite Verbreitung und die Häufigkeit, mit der Feuerstein in den eiszeitlichen Ablagerungen zu finden ist, verständlich. Hinzu kommt sein charakteristisches Aussehen, das eine Wiedererkennung selbst für wenig geübte Menschen einfach macht.

Rügen - Kreideklippen
Feuersteinlagen in den Kreideklippen auf Rügen. Eigenes Foto

Aufgrund seiner Verwitterungsbeständigkeit und der Tatsache, dass Feuerstein in weiten Teilen Deutschlands nicht vorkommt, ist er auch ein idealer Indikator für die maximale Ausdehnung der eiszeitlichen Gletscher. Selbst wenn die ursprünglichen Moränen der Elster-Vereisung der Erosion zum Opfer gefallen sind, lässt sich mithilfe des Feuersteins die maximale Ausdehnung der Gletscher ermitteln. Diese Linie wird Feuersteinlinie genannt und verläuft grob über die Städte Wernigerode, Nordhausen, Zwickau, Chemnitz, Freital und Bad Schandau von der Nordsee über die nördlichen Ausläufer des Teutoburger Waldes und den Harz.

Feuerstein als Geschiebe

Feuerstein ist, wie bereits oben gesagt, als Geschiebe nicht selten. Als solcher ist er auch relativ gut und einfach erkennbar. Die einzelnen Feuersteintypen lassen sich jedoch nicht so einfach voneinander unterscheiden [6]. Neben dem hier behandelten Feuerstein aus der Schreibkreide kommen im Bereich der nordischen Geschiebe auch andere Feuersteine vor, zum Beispiel der Dan-Feuerstein aus dem Paläozän, der Kristianstad-Feuerstein, auch Hanaskog-Flint genannt, aus dem Campan/Maastricht in Schweden, der Kinnekulle-Flint aus dem Oberkambrium oder die ordovizische Flinte aus Südschweden.

Unser Feuerstein der Schreibkreide stammt aus dem Anstehenden der Schreibkreide, die größere Gebiete Nordjütlands, aber auch Südwestschweden, Mön, Ostseeland oder Rügen aufbaut.

Was Feuerstein für Sammler besonders interessant macht, ist neben seiner vergleichsweise leichten Erkennbarkeit sein Fossilgehalt. Diese können dabei sehr vielfältig sein.

Nicht unerwähnt bleiben sollen hier natürlich auch die sogenannten Hühnergötter. Dabei handelt es sich um Feuersteine mit natürlichen Löchern, die im Volksglauben bei der Gartengestaltung eine Rolle spielen. Ihre etwas größeren Gegenstücke sind die Sassnitzer Blumentöpfe. Diese großen Feuersteine mit ihrem zentralen Hohlraum werden vor allem auf Rügen dekorativ bepflanzt in der Gartengestaltung verwendet.

References

  • [1] Fröhlich, F. (2020). The opal-CT nanostructure, Journal of Non-Crystalline Solids 533 : 119938.
  • [2] Rutten, M. G. (1957). Remarks on the genesis of flints, American Journal of Science 255 : 432-439.
  • [3] Voigt, E. (1981). Über die Zeit der Bildung der Feuersteine in der oberen Kreide, Staringia 6 : 11-16.
  • [4] Zijlstra, H. (1995). Origin and growth of flint nodules, Lecture Notes in Earth Sciences, Berlin Springer Verlag 54 : 51-66.
  • [5] Lindgreen, H.; Drits, V.; Salyn, A.; Jakobsen, F. and Springer, N. (2011). Formation of flint horizons in North Sea chalk through marine sedimentation of nano-quartz, Clay Minerals 46 : 525-537.
  • [6] Högberg, A.; Olausson, D. and Hughes, R. (2012). Many different types of Scandinavian flint–visual classification and energy dispersive X-ray fluorescence, Fornvännen 107 : 225-240.
  • [7] KLAFACK, R. (). Über” Hühnergötter” und” Saßnitzer Blumentöpfe, Geschiebekunde aktuell 10 : 117.

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Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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