Drucksondier-LKW – Besuch bei FUGRO

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Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
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Neulich hatte ich das Glück, im Rahmen eines Treffens des Arbeitskreises Umweltgeologie die Fugro Consult GmbH in Lilienthal besuchen zu können. Die Fugro Consult GmbH bietet ingenieurtechnische Dienstleistungen im Bereich der geophysikalischen und geotechnischen Untergrunderkundung an. Der Standort Lilienthal ist dabei hauptsächlich auf die Baugrunduntersuchung mit Hilfe von Drucksondierungen spezialisiert.

Drucksondier-LKW
Klassischer Drucksondier-LKW. Die Raupeneinheit kann bei Bedarf vom LKW abgeladen werden und ist dann selbstfahrend. Eigenes Foto, CC BY-NC-ND 2.0

Die Drucksondierung, auch CPT (Cone Penetration Test) dient der Baugrunderkundung. Wenn man etwas bauen will, muss man ja schließlich vorher wissen, ob der Boden das Bauwerk überhaupt trägt. Und wie dieses Bauwerk in dem jeweiligen Boden am Besten gegründet werden muss. Dazu wird eine kegelförmige Spitze mit 2 cm pro Sekunde in den Boden gedrückt und alle 2 cm Messwerte aufgezeichnet. Im Normalfall sind dies der Spitzendruck und die Mantelreibung, aus deren Verhältnis sich die durchteufte Bodenart (ob bindiger oder nichtbindiger Boden) ablesen lässt. Bei Bedarf kann man die Drucksonde auch noch mit einer Reihe weiterer Sensoren ausstatten, die zum Beispiel den Porenwasserdruck oder gegebenenfalls magnetische Eigenschaften erfassen lassen.
Dabei hat die Drucksondierung einige Vorteile. Sie ist zum relativ schnell durchführbar, vergleichsweise kostengünstig, wenn man sie zum Beispiel mit Bohrungen vergleicht. Eine andere Möglichkeit der Sondierung ist zum Beispiel die Rammsondierung.

Drucksondierung
Drucksondier-Spitze. Eigenes Foto, CC BY-NC-ND 2.0.

Wenn man sich die Durchführung ansieht, stößt man aber auch schnell auf die Frage, wie man denn eine Stange mit einer konstanten Geschwindigkeit in den Boden treibt. Und wie tief man damit sondieren kann. Im Allgemeinen hängt das natürlich vom Gewicht der Sondieranlage ab und von der Bodenart. Klar, dass in lockeren Böden mehr geht als in festen oder sehr dicht gelagerten. Um bis zu einen Spitzedruck von 50 MPa messen zu können, braucht man rund 100 KN, ca. 10 Tonnen, Auflast. Das bedeutet, dass die Sondieranlage entweder sehr gut verankert sein muss, oder aber entsprechend schwer. Aus diesem Grund sind heute meist allradgetriebene LKW im Einsatz, die vor der Messung mittels Hydraulikstempel horizontal ausgerichtet werden.

Das mag auf gut zugänglichem Gelände ja noch gut funktionieren, aber sehr oft ist das zu sondierende Gebiet nicht so leicht zu befahren. Dann kann man entweder mobile hydraulische Sondiergeräte verwenden, oder man packt die Anlage auf eine selbstfahrende Raupe. Die muss dann aber immer noch vom LKW heruntergefahren und anschließend wieder verladen werden.

Drucksondierung
Ausgefahrene Drucksondier-Spitze unter dem LKW. Eigenes Foto, CC BY-NC-ND 2.0

 

Das kann man sich doch noch etwas einfacher machen. Dazu hat die Fugro  einen Spezial LKW, der sicher auch gestandenen Geländewagenfahrern die Tränen in die Augen treiben kann. Nicht nur, dass er über einen Allradantrieb verfügt, der dürfte ja selbstverständlich sein. Aber wenn die Bodenverhältnisse selbst dafür zu schlecht werden, verfügt dieses Fahrzeug immer noch einen Trumpf im Ärmel. Er kann hydraulisch einen Raupenantrieb absenken und damit auch wenig scherfeste Böden befahren. Durch diesen kleinen Trick kann das Fahrzeug auch auf dem Teller drehen, was seinen Einsatz auch in Engen Baustellen möglich macht. Ich glaube, mein nächstes Auto sollte das auch können…

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare

  1. Die Methodik Drucksondierung gibt es bereits seit vielen Jahren. Fugro ist sicherlich ein international agierender Konzern, der diese Technik aus den Niederlanden in Deutschland erst richtig bekannt gemacht hat.

    Aber warum muss an dieser Stelle hier, einem Wissenschafts-Blog, so unverhohlen Werbung für EINEN Anbieter dieser Untersuchungsmethode gemacht werden, der sich im Übrigen in seinen zahlreich eingekauften Niederlassungen in Deutschland aus Arbeitnehmersicht mit kritikwürdiger Lohnpolitik präsentiert?

    • Weil das die Firma ist, bei der ich zu Besuch war und weil ich die Technik des Fahrzeugs faszinierend fand. Was, wie und worüber ich hier schreibe, ist nach wie vor meine Sache.

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