Die Dauner Maare – Vulkane Deutschlands

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

Die Gegend um Daun mit ihren Maaren und anderen Vulkanen ist ein typisches Beispiel für die Vulkanlandschaft in der Eifel. Die Zone mit relativ vielen Ausbruchszentren zieht sich von den Schalkenmehrener Maaren bis nach Hillesheim und Gerolstein hin. Hier finden sich mit der Dauner Maargruppe beliebte Ausflugsziele, aber auch andere Vulkantypen kann man hier in größerer Zahl finden. Vom Mäuseberg und dem Aussichtsturm aus hat man einen herrlichen Überblick über die umgebende Vulkaneifel und die Maare.

Schalkenmehrener Maar
Das Schalkenmehrener Maar mit Blick auf Schalkenmehren. Eigenes Foto.
Das Schalkenmehrener Maar

Dies ist eigentlich kein einzelnes Maar, sondern vielmehr eine Gruppe von mindestens drei Maaren. Nur das Jüngste der Maare ist teilweise mit Wasser gefüllt. Der östliche Teil der Gruppe besteht aus zwei Trockenmaaren, von denen das nördliche vermutlich das älteste der Dauner Maare ist. Hier sind auch Reste eines Schlackenkegels und Basaltlava erhalten geblieben. Während der explosiven Phase der Maarbildung ist vermutlich die Wasserzufuhr nicht ausreichend gewesen, so dass flüssige Lava an die Oberfläche gelangen konnte. Der südliche Maarkessel entstand als nächstes und bildete einen Maarsee mit viel Vegetation. Dieses Maar wurde dann bei dem Ausbruch des westlichen Maars von dessen Tephra zugeschüttet und verlandete. Für das westliche Schalkenmehrener Maar wird gemeinhin ein Alter von gut 11 000 Jahren angenommen, aber auch hier gibt es größere Unsicherheiten. Subaquatische Terrassen im Maarsee könnten während der trockenen Phasen des Hochglazials der letzten Eiszeit gebildet worden sein. Damit müsste das Maar dann aber älter als 20 000 Jahre sein. Darauf könnten auch vegetationsfreie Solifluktionsschuttvorkommen unter den Tephren des Maars deuten, die sich ebenfalls nur während des Hochglazials gebildet haben können.

Schalkenmehrener Maar
Der östliche Teil der Schalkenmehrener Maargruppe. Im Vordergrund Im Vordergrund der südliche, verlandete Maarteil, im Hintergrund das nördliche und älteste der drei Maare. Eigenes Foto.

 

Der Maarsee ist bis zu 21 m tief und hat Richtung Süden einen Abfluss, der unterhalb der Mehrener Mühle in den Alfbach mündet.
Als im Jahre 1978 an einem Wasserleitungsgraben von Schalkenmehren zur Hohen List gearbeitet wurde, konnten dort große, mit zersetzter Basalttephra gefüllte Spalten gefunden werden. An diesen Spalten ließ sich eine Verkippung des Untergrundes feststellen. Während des Maarausbruches wurde der Untergrund vermutlich in größere Schollen zerbrochen und in das sich vertiefende Maar verkippt. Ähnliches, wenn auch vermutlich in größerem Maßstab, hat sich am Meerfelder Maar zugetragen.

Weinfelder Maar
Das Weinfelder oder Totenmaar mit seiner kleinen Kapelle ist ein relativ düsterer Ort. Die Kapelle ist der letzte Rest eines Dorfes, das während einer Pestepidemie aufgegeben wurde. Eigenes Foto.

 

Weinfelder Maar oder Totenmaar

Eines der vielleicht berühmtesten Eifelmaare ist das Weinfelder oder auch Totenmaar. Und seine jüngere Geschichte (ebenso wie sein Zweitname) wollen auch gut zu dem leicht düsteren Charakter dieses Maars passen. Die von Ginster und Heide umgebene Kapelle war ein beliebtes Motiv des Eifelmalers Fritz von Wille. Die Kirche und der sie umgebende Friedhof waren es wohl auch, die dem Maar den Zweitnamen Totenmaar verpasst haben. Die Kapelle ist der letzte Rest eines Dorfes, welches im 16. Jahrhundert während einer Pestepidemie aufgegeben wurde.
Das Maar ist das jüngste und höchstgelegene der Dauner Maare. In geringer Tiefe traf heißes Magma auf grundwasserführende Schichten. Die nachfolgende Wasserdampfexplosionen haben die typischen Maare als Sprengtrichter ausgehoben. Dies erklärt auch, warum die Tephra der Maare meist sehr wenig vulkanisches Material, dagegen meist aber sehr viel Fremdgestein enthält.
Das geringe Alter des Weinfelder Maars zeigen Tephrawürfe, die am Mäuseberg diejenigen des Gemündener Maars und am Maarkreuz diejenigen der Schalkenmehrener Maare überdecken. Im östlichen, vermoorten Schalkenmehrener Maar wurde eine Tephraschicht gefunden und auf rund 10 500 Jahre datiert. Sie soll vom Weinfelder Maar stammen.

Hoher List
Der Hohe List mit der Sternwarte der Universität Bonn. Eigenes Foto.

 

Hoher List

Der Hohe List stellt eine sehr schöne Verbindung der Geologie zur Astronomie dar. Es handelt sich hier um einen Schlackenkegel, auf dem die Sternwarte der Universität Bonn steht. Die Schlacken sind an seiner westlichen Seite entlang der Straße von Daun nach Brockscheid aufgeschlossen. In den Schlacken sind viele gefrittete Devonbruchstücke enthalten.

Die Anhöhe südwestlich der Hohen List ist die Altburg oder Alte Burg. Sie stellt ebenfalls einen Schlackenkegel dar.

Tuff Abbau
Die Tephra der Eifelvulkane stellt einen gesuchten Rohstoff dar. Einige kleinere Vorkommen sind daher schon komplett ausgebeutet. Bevor man aber über die Zerstörung geologischer Denkmäler lamentieren will, sollte man auch bedenken, dass ohne den aktiven Abbau auch viele gute Aufschlüsse niemals entstanden wären. Unser Wissen über die Eifel wäre ohne Abbau nicht das selbe. Eigenes Foto.

 

Tephragrube Mertens

Die Grube Mertens liegt rund 400 m nordwestlich des Weinfelder Maars. Hier kann man die unterschiedlichen Tephren der umgebenden Maare gut beobachten. Die unterste Tephraeinheit ist feinkörnig und zeigt Ringdünen, welche auf einen Transport von Südost deuten. Vermutlich war das Schalkenmehrener Maar die Quelle dieser Tephra. Über einer Erosionsdiskordanz und einem Verwitterungshorizont findet sich eine Tephra, deren Schichten in südwestlicher Richtung zunehmen. In die selbe Richtung deuten auch die Einschlagsmarken größerer Bomben. Diese Tephra wurde vermutlich aus dem Gemündener Mar geschleudert. Zuoberst liegt eine Tephraeinheit, die erneut mit einem Verwitterungshorizont beginnt und teilweise sehr grobe, fossilführende Devonfragmente enthält. Sie stammt vermutlich vom Weinfelder Maar.

Gemündener Maar
Das gemündener Maar vom Mäuseberg aus gesehen. Im Hintergrund sind noch weitere Vulkane zu erkennen, so der Nerother Kopf (halblinks). Eigenes Foto.

 

Gemündener Maar

Das Gemündener Maar liegt unterhalb des Weinfelder Maars am Ostabhang des Liesertals. Vom Liesertal wird es durch einen Grat aus unterdevonischen Gesteinen getrennt. Von dem Gemündener Maar gehen mehrere eng begrenzte Tephrafächer aus. Einer in Richtung Nordwest zwischen Maar und Gemünden und ein zweiter in Richtung Nordost. Am Mäuseberg wird die Tephra des Gemündener Maars von der des Weinfelder Maars überdeckt. Damit ist das Gemündener Maar das ältere von beiden.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

4 Kommentare

  1. Ich bin in den 70er Jahren in Daun aufs dem Internat angeschlossenen Gymnasium gegangen. Die Maare waren für mich immer ein reizvoller Forschungsgegenstand. Doch wurde man mit all’ den Rätseln, vor denen man stand, in der Schule relativ allein gelassen und musste sich vieles selbt erarbeiten (was vielleicht auch nicht soo schlecht war ;-)). Jetzt in den SciLogs über die Maare zu lesen, macht die vielen eigenen Exkursionen von damals wieder lebendig. Danke dafür!
    Eine Bitte hätte ich: Den Artikel vor Veröffentlichung lesen, denn es sind doch etliche arge Rechtschreibfehler darin, die das Lesevergnügen trüben.

    • Prinzipiell kann man die vorhandene Erdwärme der Vulkaneifel sicher für Erdwärme nutzen. Immerhin gibt es hier ja auch einige, wenn auch recht wenige warme Quellen wie die in Bad Bertrich. Allerdings liegt hier keine flach gelagerte Magmenkammer vor. Die Bohrungen müssten vermutlich sehr tief erfolgen und wären daher sehr teuer. Und die Ausbeute vermutlich auch nicht sehr groß.

  2. Gunnar Ries,
    Bohrlöcher sind wahrscheinlich der teuerste Weg, da haben Sie Recht. Wie wäre es mit riesigen Wärmepumpen in der Größe eines Maares?
    Aber dann kommen die Landschaftsschützer und verhindern das.
    Sie merken schon, ich bin nicht der große Eifelliebhaber. Mir ist es dort zu kalt.

Schreibe einen Kommentar