Der verblassende Ruhm des Morgens – Morning Glory Pool

Der Morning Glory Pool ist eine heiße Quelle im Upper Geyser Basin des Yellowstone Nationalparks. Die Quelle ist berühmt für ihre prächtigen, bläulichen und gelblich-rötlichen Farben. Der Ruhm kann für heiße Quellen aber auch zur ernsten Belastung werden. Unvernünftiges Verhalten von Besuchern droht immer wieder, die Quellen zu beschädigen.

Der Morning Glory Pool

Das Upper Geyser Basin im Yellowstone Nationalpark enthält nicht nur gut 20 % aller Geysire, sondern auch etliche berühmte heiße Quellen. Eine davon ist der Morning Glory Pool, benannt um 1883 von Mrs. E. N. McGowan, der Frau des damaligen Assistant Park Superintendenten Charles McGowan. Sie nannte die Quelle „Convolutus“, nach der Blüte der Windengewächse, deren Form die Quelle in etwa gleicht. Im Englischen heißen die Pflanzen „morning glory“, und so wurde die Quelle anfangs als Morning Glory Spring und später dann als Morning Glory Pool bezeichnet. So waren es möglicherweise nicht die bläulichen und gelblich bis rötlichen Farben, die entfernt an den frühen Morgen erinnern, als die Form der Quelle, die für die Namensgebung Pate standen.

Morning Glory Pool

Morning Glory Pool. Die grünen und bräunlichen Farben sind bereits gut erkennbar. Eigenes Foto

Farbenlehre

Wenn man sich der Quelle nähert, sind es aber die Farben, die einem sofort auffallen. Das bläuliche ist allerdings heute weniger deutlich und durch ein sattes Grün ersetzt. Die Farben hängen ziemlich direkt mit der Temperatur des Wassers zusammen, jeder Temperaturbereich hat seine eigene mikrobielle Zusammensetzung und damit seinen eigenen Farbton. Man kann regelrecht die Temperatur des Wassers anhand der Farben bestimmen.

Bläuliches Wasser ist extrem heiß, meist deutlich über 90°C. Wenn die Temperaturen sinken, können ab ca. 70°C auch Cyanobakterien im Wasser gedeihen und das Wasser färbt sich gelblich. Unter 60°C kommen Algen und Pilze hinzu, wodurch eine grünliche Farbe dominiert. Protozoen können erst unter eine Temperatur von 56°C im Wasser überleben, hier beginnen bräunliche Farben.

Die unterschiedlichen Farben sind an vielen heißen Quellen des Yellowstone Parks zu beobachten.

Morning Glory – eine Mimose?

Hydrothermale Systeme erscheinen uns wie ungebändigte Naturgewalten, die sich vom Menschen kaum beeinflussen lassen. Doch die Vorstellung ist falsch. In Wirklichkeit ähneln sie Mimosen. Sie reagieren ungemein empfindlich auf Störungen. Im Yellowstone haben selbst kleinere Beben schon aktive Geysire in den Ruhestand versetzt, oder sie plötzlich aktiv werden lassen. Manchmal waren es auch die Wellen weit entfernter Beben.

Es sind aber nicht nur natürliche Ereignisse, wodurch sich die Aktivitäten der heißen Quellen und Geysire ändern können. Immer wieder sind es auch die Besucher selber. Es ist anscheinend ein Zwang, der viele Menschen dazu veranlasst, Dinge in die heißen Quellen zu werfen. Von kleinen Steinen angefangen bis zu Münzen (das muss ein regelrechter, innerer Zwang sein, vermutlich Opfer für irgendwelche antiken Quellgottheiten) oder Flaschen ist eigentlich alles dabei. Ich hab ja keine Ahnung, was das soll. Aber es hat Auswirkungen. Die Gegenstände können die meist sehr engen Zufuhrkanäle verstopfen und dadurch die Temperatur des Wassers in der Quelle empfindlich absenken.

Es grünt so grün

Leider macht diese Form des Vandalismus auch vor dem Morning Glory Pool nicht halt. Die ursprünglich blauen und gelben Bereiche sind mittlerweile deutlich ins grüne und bräunliche verfärbt. In jedem Jahr wird die Quelle daher einmal generalüberholt und all der Müll, den die Besucher darin versenken, möglichst wieder geborgen. Dennoch ist die Zukunft dieser Quelle ungewiss. Hoffen wir, dass sie nicht das Schicksal einer anderen heißen Quelle teilt. Nicht weit entfernt, im Norris Geyser Basin befindet sich der Minute Geyser. Heute nur mehr eine „einfache“ heiße Quelle, war er früher ein recht munterer Geysir. Seine Ausbruchsrate lag bei 60 Minuten. Vom nahen Weg wurden immer wieder kleinere Steine in sein Becken geworfen. So lange, bis der Geysir weitgehend erlosch.

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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