Der Sommer 2010

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Hierzulande war der Sommer, abgesehen von einer kurzen und heißen Periode, eigentlich nicht besonders durch seine Wärme aufgefallen. Dagegen haben die ausgeprägten Hitzewellen im westlichen und östlichen Europa lange Zeit die Schlagzeilen beherrscht. Auf der anderen Seite des Atlantiks hat ein sehr warmer Juli in den östlichen Vereinigten Staaten die Stromnetze stark belastet. In wieweit stehen diese Hitzewellen mit dem Klimawandel im Zusammenhang? Und wie warm war der Sommer 2010 überhaupt?

Die beiden Weltkarten vom Goddard Institute for Space Studies (GISS) zeigen die Abweichungen der Temperaturen für den Zeitraum Juni bis August des Jahres 2010 bzw. 2009 von den Durchschnittstemperaturen der Jahre 1951 bis 1980. Dabei stehen die roten Farbtöne für wärmere Temperaturen und die blauen für kühlere.

Global betrachtet war das Jahr 2010 das viertwärmste Jahr in den Aufzeichnungen des GISS, während 2009 das zweitwärmste gewesen ist. Die geringere Temperatur des Jahres 2010 geht zu einem Teil darauf zurück, dass eine moderate La Niña einen moderaten El Niño ersetzte. Daher zeigen sich in der Temperaturverteilung für das Jahr 2010 an den deutlich kühleren Temperaturen an der Westküste des amerikanischen Doppelkontinents. Auch in der Antarktis waren große Teile deutlich kühler als im letzten Jahr. Dazu im deutlichen Kontrast stehen extrem hohe Temperaturanomalien auf der antarktischen Halbinsel. Dort war es ungewöhnlich warm in diesem Jahr.

Ebenso auffällig ist die hohe Temperatur im Bereich im westlichen Russland, wo im Sommer große Waldbrände große Gebiete verwüsteten und die Menschen bedrohten. Wie problematisch es beim Klima sein kann, sich einzelne Regionen und kurze Zeiträume herauszusuchen, zeigte sich auch in diesem Jahr. Ungewöhnlich hohe Temperaturen in Nordamerika und Eurasien im Sommer erschienen vielen, als wenn die globale Erwärmung jetzt richtig zuschlagen wolle. Im vorhergehenden, ungewöhnlich kühlen Winter traten naturgemäß die Klimaskeptiker auf den Plan. Es ist leider immer wieder zu beobachten, dass die Bevölkerung lokale Temperaturanomalien mit langzeitlichen globalen Trends gleichsetzt. Die Aussagefähigkeit dieser lokalen Anomalien über globale Trends ist aber recht begrenzt.

Nehmen wir die Hitzewelle in Russland, die alles übertraf, was seit 1880 beobachtet wurde. Kann die globale Erwärmung auch für diese Anomalie verantwortlich gemacht werden? Die Antwort ist schwer zu geben. Man kann die Frage aber auch ein klein wenig umstellen. Wäre so etwas wie die Moskauer Hitzewelle auch möglich in einer Welt, in der die Kohlendioxid-Level auf dem Stand von vor der Industrialisierung stehen geblieben wären? James Hansen vom NASA’s Goddard Institute for Space Studies (GISS) gibt die Antwort: „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.“ Denn mit zunehmender globaler Temperatur wird die Anzahl und die Frequenz der Temperaturanomalien stark zunehmen. Mit anderen Worten: Ohne die globale Erwärmung wäre eine so starke Hitzewelle wie dieses Jahr in der Region um Moskau zwar nicht unmöglich, aber sie wäre ein extrem unwahrscheinliches Ereignis.

Und wie warm war 2010 im Vergleich mit anderen Jahren. Der bisherige Rekordhalter, 2005, zeigte während der letzten vier Monate extrem hohe Temperaturen. Wie sich das Jahr 2010 weiter entwickelt, ist dagegen noch unklar. Die wärmste 12-Monats Periode wurde 2010 bereits in den Sommermonaten erreicht.

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare

  1. Die Welt hat sich doch in den letzten 100 Jahren durch Landwirtschaft und Städtebau auch ohne CO2 stark verändert. Weiß man, wie sich die Temperatur ohne CO2-Vermehrung entwickelt hätte?

  2. Danke für den Kurzüberblick.
    “sich einzelne Regionen und kurze Zeiträume herauszusuchen Erwärmung, zeigte sich auch in diesem Jahr.”
    Hier ist übrigens ein “Erwärmung” zu viel 😉

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