Der Eyjafjallajökull – kurze Nachlese, Bilder, Videos und als 3-D Modell

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simples 3-D Modell des Eyjafjallajökull
 Vereinfachtes Pappmodell des Eyjafjallajökull

Über den Eyjafjallajökull (oder schlicht „der Vulkan auf Island“, wie er in den Medien meist nur noch genannt wird), ist ja eigentlich schon fast alles gesagt. Seine Aschenwolke hat Europa einige flugfreie Tage beschert, welche den Airlines herbe Verluste einbrachten und manche Manager derselben arg unter Druck setze. Dafür hatten die Anwohner diverser Einflugschneisen einige Tage himmlische Ruhe. Vielfach wurde von den Vertretern der Fluggesellschaften und anderen schlicht bestritten, dass an den Aschewolken mehr als nur eine Computersimulation war. Dabei wurde die besagte Aschenwolke bereits am 19. April per LIDAR über Bad Kühlungsborn (unter anderen Standorten) nachgewiesen.  Auch der Messflug  eines Flugzeugs des DLR machte das deutliich, wenn auch für die Diskussion zu spät. Stefan Oldenburg erläutert in Clear Skies sogar, wie man die Wolke auch ohne derartige Hilfsmittel hätte beobachten können. Es wäre für alle diejenigen, die so lauthals und medienwirksam über angeblich nur simulierte Aschewolken lamentierten, also ein Einfaches gewesen, sich persönlich vom Gegenteil zu überzeugen. Die gesamte Geschichte des aktuellen Ausbruches des Eyjafjallajökull kann man beim British Geological Survey nachlesen.

Der British Geological Survey hat sich auch noch etwas Besonderes einfallen lassen, um die Funktionsweise eines Vulkans wie dem Eyjafjallajökull deutlich zu machen: Ein vereinfachtes 3-D Modell des Vulkans, mit Gipfel, Krater und der Aschenwolke, als Schnittmusterbogen zum herunterladen. Das Ganze soll den Bau und die Funktionsweise eines Vulkans verdeutlichen und zeigen, wie der Vulkan mit dem mittelatlantischen Rücken und der Plattentektonik beeinflusst wird. Auch der Weg des Schmelzwassers vom Gletscher zum Meer wird im Modell angedeutet. Die Höhe des Vulkans ist dabei stark übertrieben, damit die Einzelheiten besser erkennbar werden, die Details sind also nicht maßstäblich.

 
Viel Neues gibt es derweil vom Vulkan nicht zu berichten. Die Eruption bewegt sich auf demselben Level wie in den vergangenen Tagen. Die explosive Tätigkeit entspricht bei weitem nicht mehr der des Höhepunkts der Eruption am 14. – 17. April, aber es gibt wohl auch keine Hinweise, dass die Eruption schnell beendet würde. Da immer noch rund 20 bis
40 t Lava aus den aktiven Zentren in Richtung des Gletschers fließen, bleibt der Abfluss von Schmelzwasser erhöht.
 
Eine beeindruckende Aufnahme des Vulkans und der Aschenwolke hat das Advanced Spaceborne Thermal Emission and Reflection Radiometer (ASTER) des Satelliten Terra während des Höhepunktes der Eruption am 19. April gemacht. 
 
Eyjafjallajökull, mit den Eruptionszentren
Der Eyjafjallajökull, mit dem aktuellen Eruptionszentrum und dem älteren am Fimmvörduhals. Credit: NASA

Wer mehr beeindruckende Bilder der Eruption sehen will, der ist bei boston.com gut aufgehoben.

Zum Schluss noch einige Videos. Beim ersten ist gut zu erkennen, wie die Lava am 8. April 2010 aus einer Spalte gefördert wird.

Auch beim zweiten Video wird eine Spalteneruption gezeigt.

 

 

Das dritte zeigt einen Jökullhaup, der durch Schmelzwasser ausgelöst wird.

 

 

 

Große vulkanische Bomben. Die ganze Gewalt der Eruption zeigt sich erst aus der Luft!

 

 

 

Hier kann man die Schockwellen sehen, welche bei den Explosionen im vom Krater durch die Aschenwolke gehen.

 

 

 

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

4 Kommentare

  1. Wieviel Asche ist viel?

    Die Existenz der Aschewolke zu leugnen ist natürlich gaga, ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand ernsthaft getan hat. Aber der Schritt von: “wir messen Vulkanasche in der Luft” zu “daher werden die Flugzeuge abstürzen” ist schon ein großer. Hier gibt es für meinen Geschmack als Otto-Normal-Nachrichtenleser eine große Erklärungslücke und Unsicherheit.

  2. @ Stefan

    Es wurde aber (wenn ich mich recht erinnere) explizit geleugnet. Mehrfach wurde behauptet, dass die Wolke nur auf Computersimulationen und nicht auf Messungen beruhen würde. Und das war eindeutig und überprüfbar falsch. Was die Frage nach dem Zuviel angeht, da müssen die Ingenieure ran. Leider wurde da auch von einigen Airline-Sprechern viel Mist erzählt, so beispielsweise die ständigen Verweise auf Erfahrungen mit Staubstürmen in der Wüste. Staub besteht meist aus fein zermahlenem Sand, also meist Quarz. Der schleift zwar mechanisch die Verdichterschaufel ab und führt so zu einer verkürzten Lebensdauer derselben, aber er schmilzt nicht bei den im Triebwerk erreichten Temperaturen. Bei Vulkanasche sieht das schon anders aus. Die wirkt nicht nur abrasiv, sondern sie schmilzt im Triebwerk und bildet feine Glasüberzüge, welche das Triebwerk verstopfen. Es gab mindestens 2 Zwischenfälle, in denen Flugzeuge in Aschenwolken gerieten und mit extremen Triebwerksausfällen zu kämpfen hatten, diese Wolken waren aber deutlich dichter als die aktuelle. Leider kannte man die kritische Dichte aber nicht, ab der es gefährlich wird, man hat aber Warndienste eingerichtet. Und die haben jetzt eben das getan, wozu man sie einst gedacht hatte. Man hat sich aber erst nach den Ereignissen durch den Eyjafjallajökull Vulkan zu Grenzwerten einigen können.

  3. Aussagekräftiger Vulkanstaub-Grenzwert

    Man hat sich aber erst nach den Ereignissen durch den Eyjafjallajökull Vulkan zu Grenzwerten einigen können.

    Der Grenzwert der britischen Civil Aviation Authority – 2000mg Vulkanasche pro Kubikmeter genügt wahrscheinlich nicht – wichtig ist auch die Expositionszeit und die Partikelgrösse oder mit den Worten der NZZ Online (siehe http://www.nzz.ch/…tz_vulkanasche_1.5579035.html)
    Der Wert vernachlässige die Expositionszeit, sagt Thomas Peter von der ETH Zürich – also jene Zeitspanne, in der ein Flugzeug der Asche ausgesetzt ist. Das sei ein grosses Manko, meint auch Thomas Casadevall vom United States Geological Survey. Zudem sage der Wert nichts über die Partikelgrösse der Asche aus. Ein guter Grenzwert sollte all diese Aspekte widerspiegeln.

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