Das Schicksal von Geologen in Filmen …

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Als Geowissenschaftler ist man immer mit dem Bild konfrontiert, das die Öffentlichkeit von dem eigenen Beruf hat. Das betrifft insbesondere Filme, in denen geologische Ereignisse eine Rolle spielen oder in denen Geologen selbst auftreten. Ein Beispiel ist Dantes Peak aus dem Jahr 1997, in dem der Vulkanologe Dr. Harry Dalton, gespielt von Pierce Brosnan, versucht, die Bewohner eines Ortes vor den Folgen eines Vulkanausbruchs zu warnen.

Ich will hier weniger über die Genauigkeit reden, mit der die geologischen Ereignisse, angelehnt an den Ausbruch des Mt. St. Helens, hier dargestellt werden. Vielmehr ist Harry Dalton in einer Hinsicht anscheinend glücklich: Er überlebt die Ereignisse. Einer jüngst in der Zeitschrift Geology Today vorgestellten Studie ist das nämlich durchaus nicht das Übliche.

Von 202 Film-Geologen in 141 Filmen aus den Jahren zwischen 1919 und 2023 starben immerhin 69, also ein gutes Drittel. Das hat eine Studie ergeben, die eine Arbeitsgruppe aus filmeliebenden Geologen in Geology Today vorstellte.

Für die betreffenden Filme war das Genre egal, also ob es sich um Abenteuerfilme, Action oder Drama handelte, solange zumindest ein eindeutig als solcher identifizierbarer Geologe auf der Bildfläche mitspielte. Das konnten besonders unter den älteren Filmen oft Western sein, in denen Geologen nach Öl suchten, oder in jüngerer Zeit auch gerne Filme über Naturkatastrophen, Asteroideneinschläge oder Bedrohung durch mehr oder weniger menschengemachte Monster.

 

Wie sah das Schicksal unserer Filmgeologen im Einzelnen aus? Die Haupttodesursache unter den Geologen auf der Leinwand war Mord mit rund 30 Fällen. Geologische Gefahren wie Treibsand oder Vulkane sind dagegen nur für rund 12 Todesfälle verantwortlich. Ebenso gefährlich sind außerirdische Lebensformen, die ebenfalls für 12 Todesfälle verantwortlich sind.

Durch Unfälle, wie etwa herabfallende Kisten, kamen neun Geologen ums Leben, drei weitere starben an gesundheitlichen Problemen, wie beispielsweise Herzinfarkten. In dem australischen Film „Walkabout” aus dem Jahr 1971 brachte sich ein Geologe um, nachdem er ein geologisches Lehrbuch gelesen hatte. Dabei handelt es sich um das 1968 erschienene Buch „Structural Geology: An Introduction to Geometrical Techniques“ von Donal M. Ragan. Dieser Zwischenfall hat bislang jedoch zu keiner Warnung in den Lehrbüchern geführt.
Die Ursache von zwei Todesfällen bleibt ungeklärt.
Und wie werden Geologen in Filmen dargestellt? Nun, in der überwiegenden Mehrheit werden sie positiv dargestellt. Rund 85 % von ihnen handeln moralisch und werden gesellschaftlich geachtet. In 25 Filmen (19 %) haben sogar 38 Geologen heldenhaftes Verhalten an den Tag gelegt. Die allermeisten konnten dies überleben, aber zehn verstarben im Film.

30 Geologen waren böse oder gar kriminell. Von diesen starben 23, was einer Quote von 77 % entspricht. Dies ist die höchste Todesrate unter den dargestellten Geologen. Offensichtlich hat der Charakter hier einen maßgeblichen Einfluss auf die Sterberate. Kriminalität zahlt sich zumindest auf der Leinwand nicht aus.

Unter den bösen Geologen befanden sich auch etliche „falsche“ Geologen. Sie gaben nur vor, Geologen zu sein, um beispielsweise Zugang zu ansonsten eingeschränkten Gebieten zu erhalten oder um unauffällig auffällig seltsame Tätigkeiten durchzuführen. Bei immerhin 13 der kriminellen Geologen handelt es sich um solche falsche Geologen.

Es kommen auch sechs „gute“ falsche Geologen vor. Hierbei handelt es sich oft um Polizisten oder Bundesagenten, die diese Tarnung nutzen, um nicht aufzufallen.

Die deutliche Mehrheit der gezeigten Geologen ist weiß und männlich. Frauen sind mit insgesamt 18 Auftritten hier absolut unterrepräsentiert. Auch andere Ethnien sind nur mit sechs Fällen vertreten.

 

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Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare

  1. Und als Zugabe gibt es eine Excel-Tabelle mit den Daten zu allen 141 Filmen zum freien Download.

    Eine große Einschränkung ist natürlich, dass die Autoren nur britische und US-amerikanische Filme berücksichtigt haben. Über den typischen deutschsprachigen Filmgeologen erfährt man also nichts. Dabei hatten wir mit Arnold Fanck schon mal einen promovierten Geologen als prominenten Filmregisseur.

  2. Frei nach Freud würde ich mal sagen, wenn man einen Beruf hat, bei dem man unter die Erde will, kommen Drehbuchschreiber öfter auf die spontane und kreative Idee, einen unter die Erde zu bringen… Und wenn einer damit angefangen hat, lassen sich andere sowohl von seinem Film, wie auch von dem Beruf inspirieren.

    Allerdings – wenn man mit Mutter Erde assoziiert wird (die wiederum mit Mutter assoziiert wird, weil die der erste Planet ist, der einem Baby Bodenhaftung verleiht) – taugt man nur als Bösewicht, wenn der Drehbuchschreiber Aschenputtel oder Dornröschen oder Goldlöckchen heißt, Nachname Disney. Und dann ist man auch eher Stiefgeologe als biologischer.

    Freie Assoziationen und Herdentrieb sind sehr bescheuert und sehr mächtig. Wir kaufen uns in der Pandemie Klopapier, weil’s irgendwie aussieht wie die Konservendosen, die wir aus Prepper-Bunkern im Kino kennen, unsere Namen beeinflussen unser ganzes Leben umso mehr, je mehr wir darüber wissen, nachdenken und uns an Namensvettern orientieren, wir reagieren auf Geld wie Affen auf Bananen und haben seit Jahrtausenden nicht gemerkt, dass Geld physikalisch Hunger ist – die Kraft, die uns dazu treibt, zu arbeiten und Bananen zu beschaffen – und jagen lieber die ganze Welt beim Versuch hoch, von immer mehr Hunger satt zu werden, als mal kurz das Hirn einzuschalten und die Wirtschaft vom Streben nach mehr Hunger zum Streben nach dschungelschonender Bananenbeschaffung umzustellen.

    Ganz kleine, dumme Dinge. Winzige, zufällige Steinchen können Lawinen auslösen. Um’s mal geologisch auszudrücken.

    Herdentrieb hat wiederum sehr viel mit Geologie zu tun. Wenn Sie sich die Erde anschauen, sie wirkt wie eine Kerze, bei der das Wachs an drei Stellen von Nordpol nach Südpol gelaufen ist. Da das Ding schwerelos im Weltall schwebt, fällt die Idee flach, im Süden gäbe es ein „Unten“, es muss sich zufällig (?) mehr Masse im Norden angesammelt haben als im Süden, der Rest waren Druck und Zentrifuge. Und die Menschheit spielt das gerade nach, nicht zum ersten Mal – weil’s uns im Norden zu eng wird, wenden wir uns in den Süden. Nur ist unsere Weltkarte quasi ein Negativ – für uns sind die Ozeane Höhen, die wir nur mit Mühe überwinden können, während die Kontinente und Inseln Täler sind, die den Weg des geringsten Widerstandes markieren. Also fließt die Menschen-Lava dorthin. Solche Vexierbilder finden Sie überall in der Landschaft, vergleichen Sie zum Beispiel die Risse, die Salzwüsten durchziehen, mit den neuesten Fotos von der Oberfläche der Sonne: Druck ist etwas sehr Persönliches und Relatives.

    Geologische Untersuchungen aller Formen menschlichen Verhaltens wären bestimmt interessant. Wahrscheinlich muss aber erst jemand einen Film darüber machen, bevor sich ein Geologe, Ökonom und Historiker zusammensetzen, um dann erst mal durch Probieren herauszufinden, wer bei der Tafelrunde noch fehlt.

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