Das kristalline Geschiebe des Jahres 2021 – Larvikit

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Das Geschiebe des Jahres kommt auch in diesem Jahr wieder als Doppelpack, nämlich einmal als sedimentäres Geschiebe (baltischer Bernstein, ich hatte bereits darüber gebloggt) und als kristallines Geschiebe daher. Und auch das kristalline Geschiebe ist in diesem Jahr alles andere als langweilig, auch optisch nicht. Im Gegenteil, diesmal ist es ein echtes Schmuckstück – Der Larvikit.

Larvikit der Varietät “Blue Pearl”. Der Schiller der Feldspäte ist hier gut erkennbar. James St. John (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blue_Pearl_Granite_(larvikite)_(Larvik_Batholith,_292-298_Ma,_Early_Permian;_near_Larvik,_Norway)_1_(14620330099).jpg), „Blue Pearl Granite (larvikite) (Larvik Batholith, 292-298 Ma, Early Permian; near Larvik, Norway) 1 (14620330099)“, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Schillernde Pracht

Und das mit dem Schmuckstück meine ich durchaus ernst. Es sticht unter den gewöhnlichen kristallinen Geschieben durch seine schillernde Farbenpracht hervor. Diese ist nicht direkt auf farbige Minerale zurückzuführen, sondern auf einen optischen Effekt submikroskopischer Entmischungslamellen. Die normale Gesteinsfarbe ist eigentlich grau.

Der schillernde Effekt zeigt sich gut nach einer Politur, wodurch das Gestein als Schmuck für Fassadengestaltung, Verblendungen oder auch Tischplatten und so weiter recht beliebt ist. Man kann es immer mal wieder in den Städten in dieser Rolle finden. Ich hatte mal die Verwendung in einem Hotel genutzt, um darüber zu bloggen.

Doch auch, wenn das Gestein edel und distinguiert aussehen mag. Selten ist es deshalb nicht. Petrografisch gehört es in die Reihe der Monzonite und Syenite, also nicht unbedingt seltenen Gesteinen. Aber was macht es trotzdem so ungewöhnlich in der Erscheinung? Und was hat es mit dem schillernden Effekt auf sich?

Gestein aus Larvik

Larvikit als Gestein hat seinen Namen nach der Stadt Larvik in Norwegen, in deren Nähe im südwestlichen Oslograben größere Vorkommen dieses Gesteins zu finden sind. Es ist ein grobkörniger Plutonit, also ein Gestein, das in größerer Tiefe aus einem Magma auskristallisiert ist.

Das Alter dieses Plutons liegt zwischen 293 und 297 Mio. Jahren, wobei sich die Intrusion in mehreren Schüben ereignete, deren Alter von Ost nach West abnimmt.

Der Plutonit Larvikit hat übrigens noch einen Bruder, den man oftmals im Geschiebe zusammen mit ihm finden kann. Die einzelnen Intrusionen stellen die Magmakammer von alten Vulkanen dar. Und tatsächlich gibt es ein Ergussgestein, das aus demselben Magma stammt. Der Rhombenporphyr. Beide Gesteine haben dasselbe Herkunftsgebiet, und sie wurden auch von den Gletschern an denselben Stellen wieder abgelagert. Wenn man also eines der beiden Gesteine im Geschiebe findet, hat man relativ gute Chancen, auch das andere zu entdecken. Dabei kommen Geschiebe des Rhombenporphyrs deutlich häufiger vor als die des Larvikits.

Ternäre Feldspäte

Aber kommen wir wieder zurück zu unserem kristallinen Geschiebe des Jahres. Larvikit besteht zu 85 bis 90 % aus Feldspäten. Allerdings nicht aus Plagioklasen oder Alkalifeldspat, sondern aus ternären Feldspäten.

Dazu muss etwas weiter ausgeholt werden. Zum Glück habe ich das Thema ja schon einmal abgehandelt, daher hier nur eine Kurzfassung.

Das, was landläufig als „Feldspat“ bezeichnet wird, ist eigentlich eine Mischung aus drei verschiedenen Mineralen, die untereinander in mehr oder weniger lückenloser Reihe mischbar sind.

Die Endglieder sind auf der Kalium-Seite der Orthoklas, das Natrium-Endglied Albit und er Calcium-Feldspat Anorthit.

Das mit den „mehr oder weniger“ ist bei der Mischung durchaus wörtlich zu nehmen. Ganz besonders betrifft das die Endglieder Orthoklas und Albit. Sind sie bei hohen Temperaturen lückenlos mischbar, das heißt, ein Feldspat kann jede beliebige Mischung der beiden Endglieder darstellen, so tritt bei tieferen Temperaturen eine Mischungslücke auf. In diesem Fall würde eine Schmelze mit einer entsprechend der Mischungslücke betreffenden Zusammensetzung zu zwei unterschiedlichen Feldspäten kristallisieren.

Ternäre Feldspäte, die also eine Mischung aus allen drei Endgliedern darstellen, müssen aus einem entsprechend heißen Magma kristallisiert sein.

Beim Erstarren des Magmas, aus dem dieses Gestein entstand, war die Temperatur hoch genug, dass sich er Feldspat Anorthoklas bilden konnte. Später, als die Temperatur des Gesteins langsam sank, ging es den beiden Feldspäten wie so vielen Beziehungen, die in feuriger Leidenschaft geboren wurden. Man wollte nichts mehr voneinander wissen und sich am liebsten trennen. Das ist aber bei Mineralen im festen Zustand nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen und geht nur durch die Wanderung einzelner Atome innerhalb der Kristalle. Über lange Zeiträume haben sie sich also auseinandergelebt, die Kalifeldspäte in den hellen Lamellen und Flecken, die Plagioklase in den dunkleren Partien. Das Schillern der Minerale kommt dann dadurch zustande, dass sich das Licht in den feinen Lamellen der entmischten Feldspäte bricht.

Die Sache mit den Rhomben

Der Larvikit ist, das sagte ich ja schon, das Tiefengestein zum Rhombenporphyr. Das bedeutet, da ist auch etwas, dass die Larvikite mit den Rhombenporphyren gemeinsam haben. Die ternären Feldspäte kommen manchmal in mehr oder weniger deutlicher Rhombenform vor. Das kann man besonders bei den grobkörnigen Varietäten des Larvikits unter bestimmten Blickwinkeln ab und an gut erkennen. Dabei hängt die Erkennbarkeit der Rhomben von Anschnitt des Gesteinsgefüges ab.

Zum Beispiel tritt der oben beschriebene Schiller nicht in derselben Bruchfläche wie die Rhomben auf. Ist auf einer Fläche der Schiller zu sehen, kann man aber auf der um 90° versetzten Fläche des jeweiligen Bruchstückes Glück haben und rhombenförmige Feldspäte finden.

Grauer Larvikit kann besonders in seiner grobkörnigen Ausbildung schnell mit einem Anorthosit verwechselt werden. Letzterer enthält aber Plagioklas und zeigt keine rhombenförmigen ternären Feldspäte. Dafür zeigen die Plagioklase des Anorthosits gerne eine polysynthetische Verzwillingung.

Aufgrund der schillernden Eigenschaft mancher Larvikite wurde und wird das Gestein gerne als dekoratives Element für Tische und Fassadengestaltung verwendet. Mancherorts finden sich auch Grabmale aus Larvikit.

Da aber nicht alle Partien der Vorkommen in Norwegen den hohen Ansprüchen an diese polierfähigen Ziersteine genügen, fällt eine Menge an unbrauchbarem Abraum an. Dieser wird auch gerne im Küstenschutz verwendet. Daher können manche Larvikite, denen man an der Ostsee begegnet, auch durch anthropogenen Einfluss dorthin gelang sein.

Wer sich eingehender mit Larvikit, aber auch anderen kristallinen Geschieben beschäftigen möchte, dem sei die Seite von Matthias Bräunlich ans Herz gelegt.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

1 Kommentar

  1. Ein wunderbarer Artikel über etwas Gewöhnliches. Feldspat ist ja ein häufiges Gestein und für das Auge nichts Ungewöhnliches. Geschliffen und poliert zeigen die Steine ihren Reiz. So sieht ja ein Kiesel nass am Ufer interessant aus, trocken sind sie unansehnlich.
    Mich würde interessieren, ob man die Kristallbildung eines Larvikit künstlich herbeiführen kann. Den gefundenen Stein also bei hoher Temperatur schmelzen und ihn dann wieder durch Zugabe von festem Larvikit auskristallisieren lassen.

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