Das Holuhraun Lavafeld

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

In der Nacht vom 28. auf den 29. August 2014 begann eine Spalteneruption am nördlich des Vatnajökull gelegenen Holuhraun Lavafeld. Die Eruption fand am nördlichen Ende einer seit dem 16. August 2016 2014 vom Bárðarbunga aus in Richtung Norden verlaufenden Magma-Intrusion statt.
Bislang hatte man das Holuhraun Lavafeld immer mit dem Askja-Vulkansystem in Zusammenhang gebracht. Dieses Ereignis zeigte aber sehr deutlich, dass es stattdessen zum Bárðarbunga Vulkansystem gehört.

Die immer noch anhaltende Eruption (nicht alles, was aus den Medien verschwindet, ist auch vorbei) hat das Lavafeld kräftig anwachsen lassen. Die aktuelle Lava bedeckte bis zum 6. Januar eine Fläche von rund 84 km². Das entspricht ziemlich genau der Fläche der Insel Manhattan (87,5 km²). Damit stellt diese Spalteneruption die zweitgrößte historische Spalteneruption nach der Laki-Eruption von 1783 bis (mit Unterbrechungen) 1785. Diese immer noch um einige Größenordnungen stärkere Eruption hat damals knapp ¼ der damaligen Bevölkerung (von 50 000) auf Island das Leben gekostet und weltweit zu Missernten und Wetterturbulenzen geführt.

Holuhraun Lava Field
Das Holuhraun Lavafeld, wie es sich Landsat 8 am 6. September 2014 präsentierte. NASA Earth Observatory images by Jesse Allen and Josh Stevens, using Landsat data from the U.S. Geological Survey. Caption by Adam Voiland, with information and fact checking by Anja Schmidt (University of Leeds) and John Stevenson (The University of Edinburgh).

Aber zurück zur aktuellen Eruption im Holuhraun. Um die Entwicklung des aktuellen Ausbruchs zu veranschaulichen kann man sich zwei Aufnahmen des Landsat 8 Satelliten anschauen. Die eine (oben) wurde am 6. September 2014 gemacht. Die untere stammt vom 3. Januar 2015.
Neben der Ausdehnung der frischen basaltischen Lava ist vor allem auffällig, dass such im September die Lava zumeist in Form von Lavaflüssen talabwärts in Richtung des Flusses bewegte. In der Aufnahme vom Januar sind diese durchgehenden Flüsse so nicht mehr zu beobachten. Vielmehr fließt die Lava jetzt in nahezu abgeschlossenen Tunneln innerhalb der frischen Gesteine. Dafür hat sich ein Lavasee gebildet.
Nach Messungen isländischer Wissenschaftler ist die Lava in den westlichen Bereichen bis zu 14 m mächtig und nimmt über das Zentrum mit 12m in Richtung Osten ab auf 10 m. Insgesamt sind schätzungsweise rund 1,1 km3 basaltische Lava gefördert worden. Genug, um als Flutbasalt zu gelten. Zum Vergleich, die Laki-Eruption förderte 14,7 km3 Lava.

Holuhraun Lava Field
Das Holuhraun Lavafeld am 3. Januar. NASA Earth Observatory images by Jesse Allen and Josh Stevens, using Landsat data from the U.S. Geological Survey. Caption by Adam Voiland, with information and fact checking by Anja Schmidt (University of Leeds) and John Stevenson (The University of Edinburgh).

Auch wenn die Holurauhn-Eruption weitergeht, so gibt es langsam erste Anzeichen einer möglichen Beruhigung. Die Geschwindigkeit, mit der die Caldera absinkt, hat sich seit dem Beginn der Eruption von 80 cm/Tag auf 25 cm/Tag verlangsamt. Dies könnte ein gutes Zeichen dafür sein, dass weniger Magma aus dem Untergrund nach Oben strömt. Gleichzeitig hat sich die Erdbebentätigkeit in der Region von gut einem Magnitude-5 Beben pro Tag auf knapp eines pro Woche abgesenkt. Auch dies vermutlich ein Zeichen für eine abnehmende Magmentätigkeit im Untergrund des Lavafeldes. Gleichzeitig haben Satellitenmessungen gezeigt, dass der Wärmefluss von 20 Gigawatt Anfang September auf nun mehr 5 Gigawatt (Ende November) abgesunken ist. Dass muss aber noch lange nicht heißen, dass die Eruption morgen oder nächste Woche vorbei ist. Möglicherweise dauert es bis dahin auch noch Jahre.

Dass das Leben von Vulkanologen nicht ganz ungefährlich sein kann, hatte ich hier ja schon erwähnt. Das zeigt sich auch bei dem Versuch, aus der bis zu 800 °C heißen Lava des Lavafeldes Proben zu entnehmen. Wer sich fragt, warum die Schaufel bei dem Versuch nicht klein bei gibt; Sie bzw. Ihr Schaufelblatt besteht aus Stahl mit einem Schmelzpunkt von 1400 °C. Außerdem leitet der Stahl die Wärme recht schlecht Außerdem gibt der Stahl die Wärme schneller an die Umgebung ab, als er sie von der Lava geliefert bekommt  (danke an buur). Die Probe wird in einen Stahlbehälter getan und anschließend mit Wasser gekühlt. Die Analyse dieser und weiterer Proben haben bestätigt, dass das Magma für diesen Ausbruch aus dem Bárðarbunga Vulkansystem stammt und zuletzt in einer Magmenkammer in 9 bis 20 Kilometer Tiefe zwischengelagert wurde.

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

5 Kommentare

  1. Zum Probenehmen mit der Schaufel: Der Stahl leitet die Wärme ziemlich gut, aber die Lava sehr schlecht. Ums salopp zu sagen der Stahl bekommt die Wärme schneller an die Umgebungsluft abgegeben als das neue Wärmeenergie von der Lava nachkommt. Deswegen ist nur die oberste Schicht des Stahles in der Schaufel so warm das die Schaufel sich verbiegen würde, während der kühlere Teil der Schaufel genug Festigkeit behält.

  2. Der Satz: “Die Eruption fand am nördlichen Ende einer seit dem 16. August 2016 vom Bárðarbunga aus in Richtung Norden verlaufenden Magma-Intrusion statt.” verwirrt mich: Der 16. August 2016 liegt doch eindeutig noch in der Zukunft, trotzdem steht der Satz in der Mitvergangenheit. Bist du Zeitreisender und hast uns aus der Zukunft berichtet, was da bald stattgefunden haben wird? Oder stimmt das Datum 16. August 2016 nicht? (In diesem Fall: Wie lautet das korrekte Datum?

    • Hoppla, jetzt habe ich mich fast verraten. Ich glaube, ich sollte meinen DeLorean besser verstecken! Nein, es muss (nur zu meiner Tarnung!) natürlich 16. August 2014 heißen.

Schreibe einen Kommentar