Das Brohltal – Zeuge einer Katastrophe

Der Ausbruch des Laacher See Vulkans vor 12800 Jahren war mit Abstand der verheerendste Vulkanausbruch in Mitteleuropa in jüngerer Zeit. Welche Gewalt damals wirkte, kann man sehr gut bei einer Tour durch das Brohltal sehen. 20 bis vielleicht 60 m hoch füllen die hellen Trassablagerungen das Tal aus.

Das Brohltal

Während des Ausbruchs des Laacher Sees sind, wenn die kilometerhohe Eruptionssäule kollabierte, mehr oder weniger mächtige pyroklastische Ströme über das umliegende Land gefegt und haben dabei das heute im Rheinland als Trass bezeichnete Gestein abgelagert. Die Bezeichnung „Trass“ soll dabei vom holländischen Tyrass, Tiras oder Tras abstammen und Kit bzw. Mörtel bedeuten.

Brohltal

Trasshöhlen beim Jägerheim Brohltal. Eigenes Foto.

Das heute so idyllisch anmutende Brohltal war eine der Zugbahnen, über die pyroklastische Ströme den Rhein erreichten. Es ist über zwei Seitentäler, das Wassenacher und das Gleeser Tal, mit der Caldera des Laacher Sees verbunden.

Sobald die Eruptionssäule des Laacher See Vulkans zusammenbrach, rasten mächtige pyroklastische Ströme diese beiden Täler hinab in Richtung Rhein. An der Mündung des Wassenacher Tales waren die Ablagerungen bis zu 60 m hoch und füllten das Tal bei Brohl immer noch gut 20 m hoch aus.

Pyroklastische Ströme

Wie sind diese mächtigen vulkanischen Ablagerungen entstanden? Bereits 1906 hatten erste Bearbeiter unter dem Eindruck der Verwüstungen durch den Montagne Pelée auf Martinique den veracht, dass auch hier im Brohltal Glutwolken beteiligt gewesen sein könnten.

Auf den ersten Blick mag einem das weiße, massige Gestein einheitlich erscheinen. Aber wenn man genauer hinschaut, fallen Unterschiede auf. So sind die oberen Bereiche meist deutlich weniger verfestigt. Sie wurden als „Tauch“, „Bergtrass“ oder auch „wilder Trass“ bezeichnet und waren für die Zementherstellung ungeeignet.

Vulkanologische Untersuchungen ergaben, dass sich die mächtigen Trassablagerungen aus bis zu 30 unterscheidbaren Fließeinheiten bestehen, jede repräsentiert einen pyroklastischen Strom. Sie gehören zu 3 größeren Gruppen, die sich chemisch und mineralogisch voneinander trennen lassen.

Jede Fließeinheit beginnt an ihrer Basis mit einer dünnen, sehr feinkörnigen Basischicht. Die darüber befindliche Schicht ist normal gradiert reich an fragmentiertem Nebengestein. Der zentrale Bereich ist dann wieder ärmer an Gesteinsbruchstücken und wenig gegliedert.

In den oberen Bereichen, der Dachlage, sind die leichteren phonolithischen Bimssteine angereichert. Sie ist zudem invers gradiert. Die Bimssteine sind hier nicht miteinander verschweißt, da sie bei der Ablagerung schon erstarrt waren.

Die Mächtigkeit der einzelnen Fließeinheiten reicht von einigen Metern in Schlotnähe bis zu wenigen Zentimetern in größerer Entfernung. Zahlreiche Einschlüsse verkohlten Holzes in den Basispartien deuten auf Temperaturen deutlich oberhalb der Entzündungstemperatur von Holz hin. Demnach lag die Temperatur der Ströme vermutlich bei 300 bis 500 °C.

Ausbruch im Juli

Ein genauer Blick auf die Pflanzenrest im Trass zeigt auch, dass zum Zeitpunkt des Ausbruchs ein lichter Birken-Kieferwald vorherrschte, der mit Traubenkirschen und Zitterpappaln durchsetzt war. In der Krautschicht befanden sich hochwüchsige Stauden. Das Klima war kühler als das heute, Eichen ließen sich bislang keine nachweisen. Manche damals vorkommenden Arten sind heute hier nicht mehr heimisch, so das Nordische Labkraut (Galium boreale) oder die Kriechweide (Salix repens). Sogar die Jahreszeit des Ausbruchs lässt sich aus den Pflanzenresten herauslesen; Die Bäume und Sträucher hatten bereits ihr volles Laub, die Traubenkirschen bereits unreife Früchte. Das würde im heutigen Klima auf die erste Juni-Hälfte deuten. In der kälteren Alleröd-Zeit, als der Vulkan ausbrach, glich das Klima vermutlich mehr dem heutigen in Lappland. Daher wird es vermutlich die zweite Juli-Hälfte gewesen sein.

wirtschaftliche Nutzung

Die wirtschaftliche Nutzung des Trass durch den Menschen dauert schon seit der Römerzeit an. Auch wenn die Römer lieber Tuffziegel verwendeten, kannten sie auch schon die Möglichkeit, mit gemahlenem Tuff zu Zement zu verarbeiten. Besonders die Holländer interessierten sich schon früh für die Fähigkeit des aus Trass hergestellten Zements, auch unter Wasser abzubinden. Sie errichteten im 16. Jahrhundert die ersten Trassmühlen im Brohltal. Damit das Gestein vor dem Mahlen lufttrocken war, wurde es nach dem Abbau in langen Haufen, so genannten Arken aufgeschichtet. Das bearbeitete Produkt konnte schnell über den Rhein in Richtung Holland transportiert werden.

Der Trass wurde auch als Werkstein genutzt. Im Mittelalter wurde Trass auch oft als Gewölbestein für Kirchen genutzt.

Durch den Abbau sind von den ehemals eindrucksvollen Trassablagerungen im Brohltal nur noch vergleichsweise klägliche Reste übrig geblieben.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zitat:

    Der Ausbruch des Laacher See Vulkans vor 12800 Jahren war mit Abstand der verheerendste Vulkanausbruch in Mitteleuropa in jüngerer Zeit.

    Mit einem Vulkanitätsindex von 6 war dieser Ausbruch jedoch deutlich schwächer als der Ausbruch des Tambora im Jahre 1815 (Vulkanitätsindex 7). Der Tambora brach jedoch in einer sogar 1815 nur wenig besiedelten Umgebung aus. Wäre der im Vergleich zum Tambora viel schwächere Laacher See Vulkan 1815 ausgebrochen, hätte er wohl Deutschland in weiten Teilen zerstört und ganz Mitteleuropa zurück in die Steinzeit geworfen (vielleicht nicht ganz, denn es hätte Hilfe von aussen gegeben). Dies zeigt deutlich, dass die Auswirkungen eines so zerstörerischen Ereignisses wie der eines grossen Vulkanausbruchs stark von der Besiedelung des betroffenen Raumes abhängen. Ähnliches gilt wohl auch für den jetzt durch den Menschen ausgelösten Klimawandel. Sollten grosse Gebiete der Erde unbewohnbar werden, hat dies vor allem dann grosse Auswirkungen wenn diese Gebiete heute sehr stark bevölkert sind. Würde Indien oder Bangladesh sehr stark vom Klimawandel beeinträchtigt, wäre das für hunderte von Millionen Menschen eine Katastrophe und wohl auch für ganz Asien, träfe es dagegen vor allem Australien wäre das zwar für die Australier katastrophal, doch global wären die Auswirkungen verkraftbar.
    Vulkanausbrüche mit einem Vulkanitätsindex von 8 (dem höchsten) hätten jedoch mit Sicherheit weltweite Auswirkungen. Die menschliche Zivilisation würde vorübergehend enden, wenn dies heute passieren würde, denn die nachfolgende globale Abkühlung würde die weltweiten landwirtschaftlichen Erträge wohl für viele Jahre mehr als halbieren. Der Ausbruch des Toba-Vulkans vor 70’000 Jahren scheint dagegen die damalige Menschheit nicht stark reduziert zu haben – trotz einer durch ihn ausgelösten globalen Abkühlung (Zitat, übersetzt von DeepL):

    Es wird angenommen, dass der Ausbruch des Toba zu einem vulkanischen Winter mit einem weltweiten Temperaturrückgang zwischen 3 und 5 °C (5,4 bis 9,0 °F) und bis zu 15 °C (27 °F) in höheren Breiten führte. Zusätzliche Studien im Malawi-See in Ostafrika zeigen, dass selbst in dieser Entfernung signifikante Mengen Asche von den Toba-Ausbrüchen abgelagert werden, aber wenig Hinweise auf einen signifikanten Klimaeffekt in Ostafrika.

    Doch dazumal wurde noch kein Ackerbau betrieben. Und selbst wenn die damalige Menschheit durch die klimatischen Auswirkungen auf die Hälfte reduziert wurde, war das keine Katastrophe für die Menschheit, sondern allenfalls für die betroffenen Menschen in den am stärksten betroffenen Regionen. In der heutigen globalisierten Welt könnte sich aber keine einzige Region den Folgen eines Ausbruchs der Stärke 8 entziehen.

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

  2. Den Laacher See mit Tambora oder gar Toba zu vergleichen, ist gewagt. Besser wäre hier der Pinatubo von 1991, der in etwa ähnlich viel gefördert hat. Dies wäre, zumal in der dicht besiedelten Region im Rheinland, auch heute ein echtes Problem, wie sich recht schnell vorstellen lässt.

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