Boden des Jahres 2026 – Der Archivboden

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Inhaltsverzeichnis
Key Takeaways
- Im Jahr 2026 wurde der Archivboden als Boden des Jahres ausgewählt, um dessen Bedeutung als Archiv für Klima und menschliche Aktivitäten hervorzuheben.
- Archivböden sind keine eigenständige Bodenart, sondern eine Gruppe von Böden mit besonderen Eigenschaften, die uns viel über die Vergangenheit erzählen können.
- Zu den Archivböden gehören Paläoböden, Moorböden und Böden mit besonderen geologischen Formationen, die menschliche Einflüsse widerspiegeln.
- Die Vielfalt der Archivböden erschwert die Beurteilung ihres Wertes, weshalb es Empfehlungen zum Schutz gibt.
- Archivböden sind schützenswert, da sie unser kulturelles und natürliches Erbe bewahren und zukünftigen Generationen wertvolle Informationen liefern.
Natürlich gibt es auch im Jahr 2026 wieder einen Boden des Jahres. Das Kuratorium hat diesmal jedoch nicht einen einzelnen Boden, sondern eine ganze Gruppe ausgewählt: der Archivboden. Damit soll unter anderem auf die Bedeutung der Böden als Archiv hingewiesen werden. Denn Böden sind nicht nur wichtige Ressourcen für die Natur und uns Menschen, sondern sie „merken” sich auch vieles, das mit ihnen passiert oder was wir mit ihnen anstellen. Somit liefern sie uns wichtige Informationen über frühere Klimaentwicklungen und menschliche Aktivitäten.
Archivboden, was ist das?
Böden sind dynamische Systeme. Sie entwickeln sich je nach Ausgangsgestein, Klima oder menschlicher Nutzung. Jeder dieser Faktoren hinterlässt seine Spuren im Boden. Auch geologische Ereignisse wie Vulkanausbrüche oder Überflutungen merken sich die Böden in der Regel sehr gut. Damit stellen Böden ein wichtiges Archiv dar, aus dem wir unser Wissen über vergangene Ereignisse, menschliche Nutzungen oder besondere Vorkommnisse erweitern können. Wie gut der Boden sich alles merkt, hängt jedoch auch stark vom jeweiligen Bodentyp ab. Ähnlich wie bei uns Menschen haben einige ein besseres Gedächtnis als andere. Mit der Wahl der Archivböden zum „Boden des Jahres” sollen diese in den Fokus gerückt werden. Lassen wir die Böden ihre Geschichten erzählen! Denn auch diese Böden sind bedroht. Werden sie überbaut oder tiefgründig umgegraben, verlieren sie ihr Gedächtnis für immer. Hinzu kommt, dass das Bodenschutzrecht bislang zumindest für die Archivfunktion der Böden keine Schutzgebiete ausweist.
Schutzwürdig, oder nicht?
Die große Vielfalt der Archivböden kann es im Einzelfall erschweren, deren besonderen Wert als Archiv zu beurteilen. Bund und Länder haben daher als Hilfestellung die Arbeitshilfe „Empfehlungen zur Bewertung und zum Schutz von Böden mit besonderer Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte“ bereitgestellt. Ein entscheidendes Kriterium ist demnach die Frage, ob die Prozesse, die zur Entstehung des betreffenden Bodens in seiner heutigen Erscheinungsform geführt haben, besonders typisch sind. Schutzwürdig sind außerdem Spuren alter Bodenbildungen aus früheren Klimaperioden ebenso wie kulturhistorische Hinterlassenschaften.
Beispiele für Archivböden
Wie oben bereits gesagt, handelt es sich bei Archivböden nicht um eine eigene Bodenart, sondern um eine Gruppe von Böden beziehungsweise um eine Eigenschaft von Böden. Daher können unter diesem Begriff auch ganz unterschiedliche Böden zusammengefasst werden. Einige dieser Böden waren bereits selbst Böden des Jahres und wurden in früheren Blogbeiträgen vorgestellt. In diesem Fall verlinke ich einfach auf den entsprechenden Blogbeitrag.
Böden mit besonderen oder seltenen Bodenbildungen
Eine andere Kategorie sind die Paläoböden, also ältere Bodenbildungen aus vergangenen geologischen Perioden. Sie erzählen uns heute viel über die damaligen Umwelt- und Klimabedingungen. Hierbei sind die Roterden, Saprolithe, Ferralite und Fersialite von Bedeutung. Dies sind meist tropische oder subtropische Böden, die auf chemischer Verwitterung von Gesteinen beruhen. Sie sind mehrheitlich rötlich gefärbt und bestehen hauptsächlich aus den namensgebenden Elementen Eisen, Aluminium und Silizium. Daneben gibt es die Terra fusca, die im Deutschen etwas unromantisch als Kalksteinbraunlehm bezeichnet wird. Nicht zu vergessen sind auch die fossilen Bodenbildungen, die sich manchmal in mächtigen Lössablagerungen finden lassen.
Moorböden
Die Moorböden hatten wir ja auch schon als Boden des Jahres, zumindest den Niedermoorboden, nämlich als Boden des Jahres 2012. Hier ist besonders die Eigenschaft als Klima- und Vegetationsarchiv das Kriterium.
Geologische Bildungen und Ereignisse
Böden können auch besondere geologische Prozesse abbilden. So etwa als Eiskeilpseudomorphosen oder als Würge- und Brodelböden. Hierzu kommen noch Steinpflaster und Lössprofile. Weiterhin kann m an auch Felsenmeere, Seekreideablagerungen, die vulkanischen Aschen beispielsweise des Laacher See Ausbruches, Flugsanddünen oder mesozoische Verwitterungsdecken.
Menschliche Aktivitäten
Auch der Mensch hat den Böden, die er nutzt, oft seinen Stempel aufgedrückt. Ein Blick in den Boden kann daher manchmal viel über menschliche Aktivitäten und vergangene Bewirtschaftungsmethoden verraten. Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten Wölbäcker, die auf eine alte Methode des Pflügens zurückgehen, oder der Plaggenesch. Ähnlich sehen auch die Gartenböden aus, die 2017 zum Boden des Jahres gewählt wurden.
Meilerböden deuten dagegen auf die Tätigkeit der Köhler hin. In einer Zeit, in der Holz und Holzkohle wichtige Energieträger, vor allem für die Metallhütten, waren, kümmerten sich die Köhler um die Herstellung. Dazu wurde Holzkohle in sogenannten Meilern erzeugt. Die darunter liegenden Böden zeigen noch heute Spuren der Hitze, durch die Eisenoxide regelrecht frittiert wurden, sowie eine Schwarzfärbung durch Reste der Holzkohle. Vergleichbares gilt für Bergbaurelikte.
Manchmal hat der Mensch auch seine Spuren im Boden hinterlassen, etwa wenn er etwas gebaut oder seine Ahnen begraben hat. Zu den Archivböden zählen beispielsweise auch archäologische Bodendenkmäler wie der römische Limes, alte Grabstellen oder Hohlwege.

Schützenswert
Archivböden bewahren also unsere natürliches und kulturelles Erbe und verdienen daher auch unseren Schutz. Sie stellen wertvolle Geotope dar, die uns viel über uns und unsere Umwelt lernen lassen. Wir müssen ihnen nur zuhören. Und sie schützen, damit auch weitere Generationen an ihren Geschichten teilhaben können.
