Boden des Jahres 2015 – Stauwasserboden

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Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder einen Boden des Jahres. Wobei es sich auch hier, ebenso wie letztes Jahr, mehr um eine ganze Bodenfamilie handelt. Die Stauwasserböden, deren wichtigster und am weitesten verbreiteter Vertreter auf den wunderschönen Namen Pseudogley hört.

Böden dieses Typs zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie zeitweise durch Staunässe und durch Trockenheit geprägt werden. Meist geschieht das in Abhängigkeit von den Jahreszeiten. Dies unterscheidet sie z.B.von den echten Gleyen, die durch Grundwasser geprägt sind.

Pelosol-Pseudogley
Pelosol-Pseudogley auf Löss. Eine Pfahlwurzel einer Tanne reicht bis in die Stauschicht hinein. Foto: Vergelter at de.wikipedia [Public domain], via Wikimedia Commons
Der dazu notwendige Wasserstau wird meist durch einen mehr oder weniger stark wasserundurchlässigen Bodenhorizont im Boden hervorgerufen. Dieser kann auf verschiedenem Weg entstehen. Zum einen kann er durch eine entsprechende Sedimentschicht wie zum Beispiel eine entsprechende Grundmoräne verursacht werden. Oft aber sind andere Ursachen für die Entstehung dieser Horizonte verantwortlich. Es können beispielsweise Tonpartikel im Boden verlagert werden und sich in einem Horizont dadurch anreichern. Dieser aus als Lessivierung bezeichnete Prozess verringert das Porenvolumen im Anreicherungshorizont und macht ihn für Wasser weniger durchlässig. Typisch für den Pseudogley ist ein Bodenhorizont unter Stauwassereinfluss, meist mit dem Horizontsymbol S benannt, der sich in zwei Einheiten unterteilen lässt. Zum einen den stauenden, meist tonreichen und fahlgrau/rostbraum marmorierten Horizont Sd und den durch Stauwasser selbst beeinflussten, fahlgrauen und tonarmen Horizont Sw.

Wenn sich auf untererem dichten Horizont das Wasser staut, dann wird gleichzeitig die Bodenluft verdrängt. Wenn der Sauerstoff im Niederschlagswasser dann verbraucht ist (und das geschieht vergleichsweise schnell), entstehen reduzierende Bedingungen. Eisen(III) und Mangan(II,IV) werden zu Eisen(II) und Mangan(II) reduziert. Dabei wird gleichzeitig organische Substanz oxidiert. Fe2+ und Mn2+ sind jetzt in der Bodenlösung mobil und können durch Diffusion auch in das Innere von Bodenaggregaten gelangen. Der begriff “Bodenaggregat” bezeichnet die Bildung von separaten Körpern innerhalb der Bodenmatrix, die von ihrer Umgebung deutlich abgesetzt sind. Wenn in diesen Aggregaten noch Bodenluft eingeschlossen ist, können das Eisen und das Mangan wieder oxidiert und damit immobilisiert werden, wodurch das Konzentrationsgefälle erhalten bleibt. Durch diesen Prozess verarmen weite Bereiche des Pseudogleys an Eisen und Mangan und bleichen aus. Gleichzeitig bilden sich schwarze oder rostfarbene Konkretionen aus Eisen- und/oder Mangan(hydr)oxiden im Inneren der Bodenaggregate während die Aggregatoberfläche gebleicht wird.

Wenn die Vernässung sehr lange andauert, entstehen Stagnogleye.

Die zeitweilige starke Vernässung und die damit einhergehende Sauerstoffarmut macht Pseudogleye für die Landwirtschaft sehr problematisch. Zugleich können sie gerade im Oberbereich sehr stark austrocknen. Dies mag vielleicht auf den ersten Blick paradox erscheinen, ist aber die Folge einer gerade im Oberflächenbereich sehr starken Durchwurzelung. Die Pflanzen meiden mit ihren Wurzeln die sauerstoffarmen tieferen Regionen. Wenn dann das oberflächennahe Wasser im Boden versickert oder von den Pflanzen verbraucht wurde, können die Pflanzen mit ihren flachen Wurzeln oft nicht mehr genügend Wasser erreichen.
Noch eine weitere Eigenschaft macht den Pflanzen auf Pseudogleyen zu schaffen. Die Böden sind zwar oft sehr nährstoffreich. Aber die Pflanzen können nur sehr schwer an diese Nährstoffe (besonders Phosphor, Molybdän, Kupfer und Cobalt) gelangen, da sie im inneren der Konkretionen und Rostflecken eingeschlossen und daher für die Pflanzen nicht verfügbar sind.

Da die landwirtschaftliche Nutzung von Pseudogleyen nicht ohne Probleme ist, müssen diese Böden entsprechend bearbeitet werden. Eine Drainage mit Röhren oder Gräben zeigt allerdings oft nicht die gewünschten erfolge, weil das Wasser stark im Boden haftet. Andererseits würde das Wasser, wenn es durch eine Drainage abgeführt wird, den Pflanzen bei der sommerlichen Trockenperiode fehlen. Erfolgversprechender sind dagegen Tiefenbearbeitungen wie Pflügen oder Lockern. Hier werden luftführende Grobporen geschaffen, ohne das Wasser zu schnell aus dem Boden zu entfernen. Problematisch ist dabei allerdings, dass diese Poren schon innerhalb weniger Jahre durch Sackungen und erneute Verdichtung verloren gehen. Eine mögliche zusätzliche Maßnahme wäre der Anbau von Tiefwurzlern. Bei nährstoffarmen Pseudogleyen bietet sich auch eine Tiefendüngung und -kalkung an, um eine erneute Verdichtung zu verzögern. Sie eignen sich auch als Wiesen- oder Waldstandorte, wobei es mit Fichtenbestand zu häufigem Windwurf kommen kann.

Pseudogleye sind in humiden Klimaten recht weit verbreitete Böden. Sie treten sowohl in den kalt-gemäßigten als auch in den Tropen und Subtropen auf. In Deutschland sind sie vor allem in den Gebieten mit Löß oder Geschiebemergeln und mehr als 700 mm Niederschlag verbreitet. Sie finden sich hier hauptsächlich in den ebenen lagen, mit Parabraunerden an Hanglagen und Gleyen in Senken. In Gebirgen findet man sie in den tieferen Lagen, in höheren lagen treten meist Stagnogleye auf.

 

2015, das internationale Jahr des Bodens

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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