Glück auf in Barsinghausen – die Wealdenkohle

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Wenn in Deutschland von Kohle und Kohlebergbau die Rede ist, dann denken die allermeisten wohl erst einmal an das Ruhrgebiet und seine traditionsreichen Zechen. Und kaum einer würde am Rand der norddeutschen Tiefebene Kohlereviere vermuten. Im letzten Blogbeitrag über den Obernkirchener Sandstein hatte ich sie ja bereits erwähnt, die Kohlevorkommen der Unterkreide. Und am 13. Oktober hatte ich das Glück, anlässlich eines Treffens des Arbeitskreises Umweltgeologie in die Schachtanlage Klosterstollen bei Barsinghausen einzufahren.
Barsinghausen liegt direkt am Deister, unweit des Obernkirchener Steinbruches. Und wie der Bückeberg wird auch der Deister aus Unterkreidesandstein aufgebaut. Zwar befindet sich hier kein aktiver Steinbruch, aber der Deistersandstein wurde in vielen verschiedenen Gebäuden verwendet, ganz wie der Obernkirchener Sandstein. Als Beispiel seien das Neue Rathaus Hannover und das Berliner Reichstagsgebäude genannt.

 

Schacht Klosterstollen Barsinghausen

Steinkohleflöz im Liegenden des Deistersandsteins, Klosterstollen Barsinghausen. Eigenes Foto.

Im Liegenden des Sandsteins sind Kohleflöze eingeschaltet, die rund 70 Zentimeter etwa seit 1639 abgebaut, anfangs in kleineren Pingen, später dann mit dem Einfallen der Schichten in die Tiefe gehend auch unter Tage. Am Klosterstollen beispielsweise begann man am 01.09.1856 mit den Arbeiten. Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts teufte man mehrere Schächte ab, um auch die tieferen Kohlenvorkommen besser erreichen zu können.

Doch schon sehr bald konnte die Kohle aus Barsinghausen nicht mehr mit anderen Vorkommen konkurrieren. Zu klein waren die Vorkommen, zu gering die Förderung. Im Jahr 1957 wurde die Zeche Barsinghausen als erster Kohlebergbaustandort in der Bundesrepublik wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen.

das hätte das Ende der Geschichte sein können, aber der lange Dornröschenschlaf wurde irgendwann unterbrochen. Denn in den Anfang der 80´er Jahre fanden sich einige Bergbaubegeisterte, die den alten Schacht wieder aufwältigen wollten, um aus ihm ein Besucherbergwerk zu machen. Ab 1999 ist der Klosterstollen als Besucherbergwerk zugelassen.

Schacht Klosterstollen Barsinghausen - Mundloch

Besucherbahn vor dem Mundloch des Klosterstollens. Eigenes Foto.

Dabei musste nicht nur die Verfüllung auf den ersten rund 70 Metern des Stollens beseitigt werden, welche man nach der Schließung des Bergwerks in den Stollen eingebracht hatte. Im Liegenden der Kohle führenden Schichten befindet sich auch eine Tonlage, welche aufgrund ihres Auftriebs dazu neigt, in freie Spalten und eben auch Stollen aufzudringen. Solange aktiv Bergbau betrieben wurde, musste der aufdringende Ton immer wieder entfernt werden, weil er die Schienen anhob und Stollen verfüllte. Auf der anderen Seite hatte diese Situation aber auch unbestreitbare Vorteile. In ausgekohlten Bereichen verhinderte dies zusammen mit der Tragfähigkeit des Deckgebirges aus Sandstein Bergschäden an der Erdoberfläche.Bei der Aufwältigung allerdings machte es sicher einige Mühe, diesen Ton zu entfernen und den Schacht zu entwässern.

Schacht Klosterstollen Barsinghausen - Frosch

Ein “Frosch“. Typische ölbefeuerte Bergmannslampe, wie sie vor der Einführung von Druckluftleuchten und elektrischem Licht üblich war. Der winzige Ölvoprrat der Lampe reichte natürlich nicht die ganze Schicht über, daher hat der Bergmann aus einem Ölhorn “auf die Lampe gegossen”. Nicht das einzige Sprichwort, dass sich aus der Bergmannswelt herleitet. eigenes Foto.

Dieses Besucherbergwerk hebt sich durchaus von manchen anderen ab. So sind alle hier ausgestellten Maschinen und Einrichtungen voll funktionsfähig, und sie werden bei Führungen auch in Aktion vorgeführt. Man bekommt so einen wagen Eindruck, wie es den Bergleuten zu verschiedenen Zeiten unter Tage ergangen ist. Wie sehr Lärm und Dunkelheit ihren Alltag bestimmten, bevor die Mechanisierung auch in diesen Arbeitsbereichen vieles erleichterte. Denn da das Bergwerk bereits so früh geschlossen wurde, wurde hier noch weitgehend manuell gearbeitet. Und im Gegensatz zu den Vorkommen im Ruhrgebiet sind hier die Flöze mit 70 Zentimeter auch bedeutend weniger mächtig. Sehr häufig mussten die Bergleute im Liegen arbeiten, um an die begehrte Kohle zu kommen. Diese geringe Mächtigkeit zusammen mit der gegenüber der (deutlich älteren) Ruhrgebietskohle geringeren Qualität machten die Deisterkohle auf die Dauer auch zu teuer. Und doch hat Barsinghausen seine heutige Bedeutung der Wealdenkohle zu verdanken.

Schacht Klosterstollen Barsinghausen

Bei 70 Zentimeter und weniger mächtigen Flözen musste sehr häufig im Liegen gearbeitet werden. Bergleute durften nicht unter Klaustrophobie leiden. Eigenes Foto.

Zeche Klosterstollen Barsinghausen

Hunde im Klosterstollen Barsinghausen. Hunde (oder auch Hunte) sind lorenähnliche, kastenförmige  Förderwagen, in denen die Bergleute das geförderte Erz oder die Kohle befördern. einen vollen Hund zu schieben oder zu ziehen war eine schwere Arbeit, die entsprechend unbeliebt war. Oft auch als Strafe verhängt. Der Bergmann ging dann “vor die Hunde”. By KWa (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

 

Wetterlampe

Dieses Licht diente nicht der Erleuchtung. Eine benzingetriebene Wetterlampe zeigte dem Bergmann die Atembarkeit seiner Luft an. Eigenes Foto.

Seitschschrapper

Ein Seitenschrapper. Dieses Gerät stellte eine Erleichterung bei geringmächtigen Flözen dar, besonders wenn diese wie hier in Barsinghausen ein deutliches Einfallen zeigen. Denn bei schrägen Flözen sorgt das Gewicht des Schrappers  dafür, dass fahrt frische Kohle aus dem Flöz gekratzt wird. Eigenes Foto.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

1 Kommentar

  1. Ein netter Beitrag, danke.

    Der Wealden könnte übrigens für Energierohstoffe wieder interessant werden. Der hat nämlich nicht nur ein paar Kohleflöze, sondern auch Tonsteine, aus denen sich Schiefergas gewinnen ließe. Eine BGR-Studie schätzt, dass rund 2 Billionen Kubikmeter zu holen wären – nur ein kleiner Teil deutschlandweiten Schiefergasmengen:

    http://www.bgr.bund.de/…in_Deutschland_2012.html

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