Asbest in Spielsand

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Key Takeaways

  • Bunter Spielsand, der als sicher gilt, kann Asbest enthalten, was in verschiedenen Ländern bereits nachgewiesen wurde.
  • Asbest gelangt in den Spielsand durch geogene Quellen in den Rohstoffen und kann Krebs auslösen.
  • Verbraucher sollten ihren Spielsand auf Asbest testen lassen, insbesondere wenn sie unsicher sind, welches Produkt sie haben.
  • Bis zur Analyse sollte man den Sand als verdächtig einstufen und entsprechende Schutzmaßnahmen treffen, um Staub zu vermeiden.
  • Wenn Asbest gefunden wird, ist eine fachgerechte Entsorgung und möglicherweise eine professionelle Reinigung notwendig.

Er kommt in wunderbar bunten Farben daher und trägt Bezeichnungen wie kinetischer Sand, Dekosand, Magic Sand oder schlicht Spielsand und Bastelsand. Man kann ihn über diverse Onlinehändler kaufen und er erfreut sich großer Beliebtheit bei Bastlern und Kindern. Der bunte Sand hat aber, wenn man die aktuellen Meldungen verfolgt hat, seine dunkle Seite. In einigen der unter diesen Bezeichnungen vertriebenen Produkte wurde Asbest nachgewiesen. Genau der Asbest, der als ehemalige Wunderfaser hier in Deutschland seit 1993 und in der EU seit 2003 zu recht verboten wurde. Denn Asbest kann Krebs auslösen, wenn die Fasern eingeatmet werden.

Bunter Spielsand, auch als kinetischer Sand oder Magic Sand bekannt.
Der bunte sand sieht harmlos aus, kann aber Asbest enthalten.

Da stellen sich einige Fragen: Wie kommt Asbest in den Sand? Wie kann ich prüfen, ob mein Sand betroffen ist und was kann/muss ich beachten, wenn in meinem Sand auch Asbest gefunden wurde. Ich will mal versuchen, etwas Licht in die Angelegenheit zu bringen.

Wie ist das bekannt geworden?

Bereits Ende 2025 haben australische und neuseeländische Behörden vor buntem Sand aus China gewarnt. Mittlerweile, Stand Februar 2026, gibt es auch aus Belgien und den Niederlanden Asbestfunde in dem Sand, bestimmte Produkte wurden aus dem Handel genommen.

Wie kommt Asbest in den Sand?

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass niemand absichtlich Sand mit Asbest versehen hat, um eine bestimmte Materialeigenschaft zu verbessern oder gar um anderen zu schaden. Bei dem nachgewiesenen Asbest handelt es sich um sogenannten geogenen Asbest, wobei ich persönlich lieben den Begriff „akzessorischer Asbest“ verwendet sehen möchte. Denn dieser Asbest kommt in den Rohstoffen, die wir hier zum Beispiel für die Produktion des Spielsandes verwenden, als akzessorisches Mineral vor. Wenn man also diese Rohstoffe verarbeitet, gelangt der Asbest damit auch in die Produkte. Das deckt sich auch mit ersten Untersuchungen, die wir in dem Labor, in dem ich arbeite, durchgeführt haben.

Hier fand sich Asbest in Sanden mit einer karbonatischen Matrix, also Sand, der aus calcitischen oder auch dolomitischen Marmoren hergestellt wurde. Diese Marmore, metamorphe Gesteine, enthalten je nach ihrem Ausgangsgestein auch silikatische Anteile. Wenn sie während der Metamorphose zu Marmor werden, können auch verschiedene Minerale entstehen, die wir unter dem Begriff Asbest zusammenfassen, z.B. Tremolit, ein Mineral aus der großen Gruppe der Amphibole. In manchen Fällen kann auch Chrysotil enthalten sein, den wir unter dem Begriff Weißasbest kennen.

Beide Asbestformen konnten in karbonatischen Sanden auch bereits gefunden werden. Weitgehend unverdächtig sind zumindest vorläufig Sande aus Quarzsand oder gemahlenem Glas.

Wie weiß ich, ob mein Spielsand auch betroffen ist?

Man kann sich als Anfang auf den Seiten der Verbraucherzentrale oder der Stiftung Warentest informieren. Hier sind auch oft die aktuellen Rückruflisten zu finden. Wenn man nicht sicher ist, welches Produkt man besitzt oder die Originalverpackung nicht mehr hat, kann man auch eine Probe in einem akkreditierten Labor untersuchen lassen. Die Kosten liegen hier im Bereich zwischen 100 und 170,- € je nach Labor, Bearbeitungszeit und Nachweisgrenze. Das Probenmaterial sollte luftdicht verpackt und gekennzeichnet mit einem kurzen Anschreiben an das betreffende Labor geschickt werden. Im Anschreiben stehen sinnigerweise neben ihrem Analysewunsch und den Kontaktdaten auch eine E-Mail-Adresse und die Telefonnummer, falls es Rückfragen gibt.

Unverpackte Sande sollten unter Beachtung von persönlichen Schutzmaßnahmen wieder luftdicht verpackt werden. Dazu gehört eine dicht sitzende FFP-2 (wie während der Corona Zeit) oder besser noch eine FFP3-Maske sowie Putzhandschuhe und Schutzbrille. Den Sand eventuell mit einem nassen Tuch, gegebenenfalls auch vorsichtig(!) mithilfe einer Blumenspritze mit Wasser und etwas Spülmittel angefeuchtet werden. Dabei ist vor allem mit der Blumenspritze auf jeden Fall zu vermeiden, Staub aufzuwirbeln. Anschließend den Staub feucht mit nassem Lappen aufzuwischen.

Auf keinen Fall (!) sollte man den Haushaltsstaubsauger benutzen. Normale Haushaltsstaubsauger können Asbestfasern nicht zurückhalten. Sie verwirbeln sie und führen letztlich zu einer stärkeren Belastung der Luft. Asbesthaltige Materialien können nur mit speziellen Saugern der Klasse H aufgenommen werden.

Wenn mein Sand asbestbelastet ist, was muss ich tun?

Wenn sich herausstellt, dass ihr Produkt mit Asbest belastet ist, dann sollte es entsprechend entsorgt werden. Dazu sollten sie mit ihrem zuständigen Entsorgungsunternehmen Kontakt aufnehmen, Hier wird man ihnen schnell sagen, wo und wie asbesthaltige Abfälle abzugeben sind.

Wenn der asbesthaltige Sand in Innenräumen verwendet wurde, kann eventuell auch eine professionelle Reinigung notwendig werden. Das hängt aber sowohl von der Höhe der Asbestbelastung des Sandes als auch von der Dauer sowie der Stärke der Staubfreisetzung ab. Eventuell kann man auch mithilfe von Staubproben prüfen, ob und wie weit Asbest in der Wohnung verbreitet ist. Es besteht aber auch kein Grund zur Panik. Asbest stellt zwar ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar, dieses Risiko steigt aber mit der Dauer und der Höhe der Exposition. In den Überwiegenden Fällen müssen etliche Faserjahre zustande kommen, um ein deutliches Risiko zu haben, wobei ein Faserjahr bedeutet, dass man rund eine Million Fasern pro Kubikmeter für mindestens 240 Arbeitstage eingeatmet hat. Wie schnell sich das Risiko herunterbricht, wenn man nur Bruchteile davon erreicht, und welches Risiko zum Beispiel Handwerker haben, die nur kurzzeitig höheren Belastungen ausgesetzt waren, habe ich in einem anderen Blogbeitrag mal aufgeschlüsselt (Asbestrisiko beim Heimwerken).

Alles in allem also keine Entwarnung, aber auch kein Grund zur Panik. Man sollte aber die entsprechenden Seiten der Verbraucherzentralen und vielleicht auch der einschlägigen Labore im Auge behalten.

 

 

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Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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