Am Rand eines Lavasees

Vulkane sind beeindruckende Naturgewalten. Nur selten können sich Menschen ihnen so weit nähern, dass man sie und ihre Aktivität gut beobachten kann. Manchmal gibt es aber mutige Leute, die dabei auch noch filmen. Einer von ihnen ist Geoff Mackley, der uns diese Bilder vom Lavasee des Marum Vulkans auf der Insel Ambrym mitgebracht hat.

Die Insel Ambrym im Südpazifik gehört zu Vanuatu ist eigentlich ein einziger großer Vulkan. Bei einem Ausbruch der Stärke 6 des VEI vor rund 2000 Jahren bildete sich eine 12 x 8 km große Caldera, in der sich die beiden Vulkankegel Marum und Benbow erheben. Beide Vulkane sind seit 1996 aktiv und zumindest der Marum enthält einen Lavasee mit erstaunlich dünnflüssiger Lava.

Marum sept 2009

Der Lavasee im Krater des Marum, Aufgenommen am 24. September 2009. Geophile71 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marum_sept_2009.jpg), „Marum sept 2009“, https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/legalcode

Gefährlicher Vulkan

Trotz der geringen Viskosität der Lava ist der Ambrym ein gefährlicher Vulkan. Im 20. Jahrhundert wurden mehrfach Dörfer zerstört. Die Bevölkerung der Insel musste 1913 sogar vor einem extremen Ausbruch des Benbow auf die Nachbarinseln fliehen. Dieser war der schwerste Vulkanausbruch in der Region seit über 400 Jahren.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Ursache der heftigen Eruption vor 2000 Jahren gewesen sein kann. Es ist aber gut möglich, dass es sich um eine phreatomagmatische Explosion gehandelt hat. Denn normalerweise sind Vulkane mit dünnflüssiger Lava nicht übermäßig explosiv. Kommt jedoch Wasser in Kontakt mit der Lava, kann es zu verheerenden Explosionen kommen. Es gibt aber auch noch einige andere Möglichkeiten, die einen Vulkan explosiv machen können.

Phreatomagmatische Eruptionen haben in den wassergesättigten Sedimenten der Küste an der westlichen Spitze der Insel einige Tuffringe gebildet. Der größte unter ihnen hat einen Durchmesser von 1 Kilometer.

Der Lavasee

Sich so einem Lavasee zu nähern, ist kein ungefährliches Unterfangen. In dem Video (Min 5:40) haben  Geoff Mackley und  Bradley Ambrose dennoch den Versuch gewagt und sich dem See bis auf gut 30 Meter genähert. Im ersten, ungeschützten versuch, dauerte die Sache nur knappe 30 Sekunden.

Beim zweiten Mal, mit Hilfe eines Pressluftatemgerätes und Hitzeschutz, konnte die Zeit bis auf gut 40 Minuten ausgedehnt werden.  Gut zu erkennen ist die geringe Viskosität der Lava, die durch aufsteigende Gasblasen aufgewühlt wird. Das Gas war ursprünglich im Magma gelöst. Die Löslichkeit von Gasen in geschmolzenem Gestein ist vom Druck abhängig. Während des Aufstiegs nimmt der Druck ab und das Gas perlt aus. Das Ganze funktioniert ähnlich wie die Sektdusche bei Siegesfeiern. Die Gasblasen treiben dabei die Flüssigkeit noch zusätzlich nach oben.

 

 

 

 

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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