11. Deutscher Geologentag

Alle zwei Jahre findet der Deutsche Geologentag statt, am 23. – 24. Oktober, wieder parallel mit der GEC expo und congress in Offenburg. Das wird aber, zumindest soweit ich weiß, das letzte mal so sein, denn die GEC wird es vermutlich in dieser Form nicht mehr geben. Auch wenn mir die Beweggründe der Messe Offenburg nicht vertraut sind, hatte ich schon die letzten Jahre festgestellt, dass der Weg in den Süden der Republik zwar immer interessant, aber so unter der Woche auch immer zeitaufwändig ist. Nicht immer kann man zwei oder sogar mehr Urlaubstage dafür opfern, da half es auch wenig, wenn die Messetickets über den BDG frei zu bekommen waren. Vielleicht wird es Zeit, diese Veranstaltung auch mal in anderen Ecken der Republik stattfinden zu lassen.

Der Vorsitzende des BDG, Andreas Hagedorn hält die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger des “Stein im Brett”, die Kölner Dombauhütte. Eigenes Foto.

Stein im Brett 2019

Direkt nach der Eröffnung folgte die Verleihung des Preises „Stein im Brett“. Dieser Preis geht an Personen oder Institutionen, die sich um das Verständnis der Geowissenschaften verdient gemacht haben, ohne selber unbedingt auf einem geowissenschaftlichen Gebiet tätig zu sein. In den vergangenen Jahren ging der Preis unter anderem an den Autor Frank Schätzing, den Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar, die WPK-Wissenschaftsjournalisten Wissenschafts-Pressekonferenz e.V. oder etwa an den Leipziger Zoo.

In diesem Jahr wurde der Stein im Brett an die Kölner Dombauhütte verliehen. Der Kölner Dom zeigt auf herausragende Weise, was man mit Steinen alles anfangen kann. Denn ohne Geologie wäre eine so große Kathedrale wohl kaum vorstellbar. Im Laufe der langen Baugeschichte wurden rund 50 verschiedene Gesteine für den Bau des Kölner Doms verwendet. Das fängt an bei Säulenbasalt und Tuffgestein aus dem Westerwald und der Eifel für die mittelalterlichen Mauern und Schlaitdorfer Sandstein aus Württemberg für die Fassade des Langhauses sowie Obernkirchener Sandstein für die beiden Türme. Für die Erneuerungen im Laufe des 20. Jahrhunderts fanden hauptsächlich Londorfer Basalte und Krensheimer Muschelkalk Verwendung. Da der Dom als ewige Baustelle ständiger Erneuerung bedarf bemüht sich die Dombauhütte Gesteine zu verwenden, welche den ursprünglichen an Aussehen und Eigenschaften möglichst nahe kommen. Zur Zeit sind dies der schon erwähnte Obernkirchener Sandstein und Božanov Sandsteine aus Tschechien sowie Trachyte aus Monte Merlo. Für die Skulpturen wird Kalkstein aus Caen in Frankreich verwendet.

Zur Zeit arbeiten rund 100 Menschen in der Kölner Dombauhütte, davon 40 im Bereich Steine. Der Stein im Brett wurde Dombaumeister Dipl.-Ing. Peter Füssenich und Hüttenmeister Uwe Schäfer überreicht.

Der “Stein im Brett”. Eigenes Foto

Die Geowissenschaften und die Energiewende

Das eine Wende bei der Energieerzeugung dringend notwendig ist, sollte sich eigentlich langsam herumgesprochen haben. Nicht nur, dass die meist fossilen Energierohstoffe endlich sind, es ist auch nicht wirklich eine gute Idee, sie einfach durch den Schornstein oder Auspuff zu jagen. Um unser Klima wenigstens in Grenzen stabil zu halten, müssen wir dringend unseren Ausstoß an Kohlendioxid reduzieren. Der Klimawandel lässt grüßen.

Das Thema ist ja dankenswerter Weise in der letzten Zeit etwas in den Fokus gerückt. Das Problem ist aber nicht gerade trivial. Wollen wir unser Klima wirksam schützen, so muss in Sachen Ressourcenverbrauch und Kohlendioxidausstoß dringend etwas passieren, und zwar weltweit. Gleichzeitig wächst aber die Weltbevölkerung nach wie vor stark, und auch der Verbrauch natürlicher Ressourcen steigt weiter an.

Die Geowissenschaften können in diesem Zusammenhang einiges an anbieten. Das Problem dabei ist, dass fast alle Lösungsmöglichkeiten invasiv sind. Das heißt, dass fast immer ein größerer Eingriff in die Natur und den Untergrund notwendig ist. So sind beispielsweise gerade für die anstehende Energiewende eine Reihe von Rohstoffen essentiell, die zu fördern bedeutet aber Bergbau zu betreiben. Gerade derartige Eingriffe werden von der Gesellschaft im zunehmendem Maße kritisch gesehen. In vier Impulsvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde der Themenkomplex einmal ausgiebig beleuchtet.

Die Energiewende und ihr Rohstoffbedarf

Christoph Hilgers vom KIT und Rohstoffwisen e.V. Eigenes Foto.

Christoph Hilgers vom KIT in Karlsruhe zeigte deutlich, welche enormen Herausforderungen hinsichtlich der geplanten Energiewende auf uns lauern. Das könnte sich ganz besonders für uns hier uns Deutschland zum Problem auswachsen, da wir es recht erfolgreich geschafft haben, den Bergbau im eigenen Land abzuschaffen. Aber auch weltweit verschärfen sich die Probleme noch zusätzlich durch eine steigende Weltbevölkerung, die sicher auch ihren Zugang zu Energie, Mobilität und Wohlstand suchen wird.

Alle Prognosen deuten zumindest auf absehbare Zeit auf einen weltweit steigenden Energieverbrauch hin. In Deutschland sinkt der Energieverbrauch zumindest leicht. Waren es 1990 noch 14.905 Petajoule, so lagen wir 2017 bei 13.594 Petajoule. Für 2018 werden 12.900 Petajoule geschätzt. Dabei nimmt der Anteil der Erneuerbaren Energien zu, von 1990 gerade einmal 1,1 % zu 13 % 2017 (für 2018 werden 14% geschätzt).

Für die Zukunft lauern auch noch einige Herausforderungen, wenn bis 2022 die Kernenergie und bis 2038 die Kohleverstromung weg fällt. Kernenergie hat 2017 noch 6 %, Braunkohle 11 und Steinkohle ebenfalls 11% des Primärenergieverbrauches geliefert. Entsprechend müssen die erneuerbaren Energien ausgebaut werden.

Benötigte Rohstoffe

Das ist aber, zumindest von der Seite der benötigten Rohstoffe alles andere als trivial. Nehmen wir mal eine Windenergieanlage mit 3 MW und 150 m Höhe. Benötigt werden dafür rund 4,7 t Kupfer, 335 t Stahl, also Eisen plus diverse Stahlveredler wie z.B. Molybdän, Nickel und Chrom und 2 t Aluminium. Außerdem noch ca. 2 t Seltene Erden, knappe 200 kg/MW Neodym und 20 kg/MW Dysprosium. Wenn wir das Ganze auch noch in die Senkrechte bekommen wollen, kommen noch 1200 t Beton inklusive Zuschlagstoffe (Sand, Kies und Kalk) hinzu. Nun ist auch Beton nicht ganz klimaneutral, man sollte auch hier zusehen, ob man die Treibhausgasbilanz nicht verbessern kann.

Damit ist es ja eigentlich nicht genug, denn die riesigen Rotoren halten nicht unbegrenzt, sondern müssen irgendwann ausgetauscht werden. Die Lebensdauer einer Windenergieanlage wird, wenn ich mich nicht täusche, mit ca. 20 Jahren angegeben.

Bei der Photovoltaik sieht es nicht unbedingt besser aus. Auch hier werden größere Mengen Quarzsand, aber auch entsprechende andere Elemente benötigt. Unter anderem 4,2 t/MW Kupfer. Außerdem gehen rund 7 % der weltweiten Nachfrage nach Silber auf das Konto der Photovoltaik, aus diesem Grund wird hier auch nach Alternativen gesucht.

Das Auditorium war nicht wirklich üppig. Eigenes Foto.

Verkehrswende

Um unser Klima zu schützen, ist es mit einer Energiewende alleine ja nicht getan. Auch bei der Mobilität muss sich ein Weg weg vom Verbrennungsmotor und hin zu klimaneutralerer Mobilität finden lassen. Der Scherz an der Sache ist aber, dass dies deutlich leichter gesagt (oder geschrieben) ist, als getan. Nehmen wir mal ein typisches Auto mit klassischem Verbrennungsmotor. Dies enthält rund 17 kg Kupfer. Wenn wir das Fahrzeug nun als als Stromer mit Batterie antreiben wollen, hat es schon 70 kg Kupfer an Bord. Betreiben wir es mit einer Brennstoffzelle, sind es immer noch gute 55 kg Kupfer. Das ist, gemessen auf die weltweit betriebenen Automobile und der Annahme, dass rund ein Viertel davon batterielektrisch und ein weiteres Viertel mit Brennstoffzelle betrieben werden, eine enorme Menge an Kupfer.

Vermutlich wird wird der Verbrauch von Kupfer bis zum Jahr 2050 um 300 % zunehmen. Benötigt werden bis dann rund 550 Mio. t Kupfer. Zur Zeit sind Kupferreserven von 830 Mio. t bekannt, diese Zahl wird aber sicher steigen, wenn weitere Vorkommen bekannt und abbauwürdig werden.

Auch andere Elemente werden für elektrische Autos in bedeutenden Mengen benötigt. Bei den selben Annahmen (25% Batterie und 25% Brennstoffzelle) benötigen wir bis 2050 rund 50 % der heutigen Kobaltreserven sowie eine Steigerung der Produktion um das doppelte und 22 % der heutigen Platinreserven mit einer Steigerung der Produktion um das 1, 5 bis 3,5-fache. Ganz zu schweigen natürlich von Lithium, dessen Produktion um das 5,5 fache gegenüber heute steigen muss.

Woher nehmen?

Bei vielen spezifischen Rohstoffen wie z.B. den schweren Seltenen Erden, aber auch Indium, Gallium oder Tellur ist der Rohstoffmarkt recht begrenzt. Die erhöhte Nachfrage nach diesen Märkten kann (und wird wohl auch) zu deutlichen Lieferrisiken oder Verschiebungen in der Preisgestaltung führen.

Ich persönlich befürchte, dass diese Menge auch mit einer guten Recyclingquote nicht dauerhaft ohne Probleme haltbar sein wird. Europa im Allgemeinen und besonders Deutschland muss aufpassen, hier nicht an den Rand gedrängt zu werden. Andere Länder, allen voran China, stellen sich bereits gut auf und versuchen, sich für die Zukunft sicheren Zugang zu den benötigten Rohstoffen zu sichern, sofern sie diese nicht bereits innerhalb ihrer Grenzen haben.

In Deutschland haben wir uns in meinen Augen etwas zu einfach von fast jeglichem Bergbau verabschiedet. Ja, Bergbau stellt fast immer einen erheblichen Eingriff in die Natur dar, dessen Folgen auch spätere Generationen belasten. Das kann man sehr gut am Beispiel des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet beobachten. Natürlich kann man diese langfristigen Folgen in ein Verhältnis mit dem Gewinn durch die betreffenden Rohstoffe setzen.

Aber: Machen wir es uns nicht auch etwas zu einfach, wenn wie auf der einen Seite jegliche Rohstoffförderung in unserem Land stoppen, während wir problemlos fast jedes Jahr ein neues Smartphone ordern, weil die neuen Modelle ja so viel besser, smarter und so günstig sind? Ich vermute mal, die allermeisten machen das ohne auch nur einen Gedanken an die dafür verbrauchten Rohstoffe zu verschwenden.

Das selbe gilt auch für die Energie- und Verkehrswende. Vermutlich sind alle ganz begeistert, alles so schnell wie möglich auf Nachhaltigkeit umzustellen. Doch auch dafür ist ein Preis zu bezahlen. Nicht nur in klingender Münze.

Geothermie in Deutschland

Mit dem Stichwort Energiewende wird in den Diskussionen hierzulande ja meist auf die Stromerzeugung gezielt. Klar, Strom ist in unserer Zivilisation kaum mehr wegzudenken und ohne ihn, das bekommt man manchmal bei Stromausfällen schnell mit, sitzen wir buchstäblich im Dunkeln. Wir brauchen aber auch Energie zum Heizen oder Kühlen. Erwin Knapek vom Bundesverband Geothermie informierte uns über den Stand und die Zukunft der Geothermie in Deutschland.

Erwin Knapek, Bundesverband Geothermie e.V. Eigenes Foto.

Nicht nur Strom

Wir haben ja so ein kleines Bisschen das Problem, dass auch viele der erneuerbaren Energien entweder auf einen Rohstoff angewiesen sind, der vom bereits ablaufenden Klimawandel betroffen ist; Wasser. Wasserkraftwerke zum Beispiel über Talsperren benötigen nicht nur sehr viel Platz, im Sommer 2018 waren viele Talsperren auch regelrecht trockengefallen.

Auch der für die Produktion von Biogas benötigte Mais litt stark unter der anhaltenden Trockenheit. Abgesehen davon, dass hier jetzt eine Konkurrenzsituation Teller/Tank/Trog herrschte.

Entsprechend musste hier die Stromproduktion heruntergefahren werden.

Selbst die Windenergie ist in letzter Zeit immer mehr unter Druck geraten, nicht zuletzt durch die Abstandsregeln, nach denen mindestens 1000 m zwischen Windrad und Wohnsiedlung liegen müssen.

Aber elektrische Energie ist insgesamt gesehen nur ein Teil der Miete. Wir verbrauchen aber nicht nur Energie zur Erzeugung von Strom, sondern auch für eine Vielzahl anderer Energieformen. Da wäre zum Beispiel das Heizen und die Erzeugung von Warmwasser, das uns sicher auch in einer wärmeren Welt begleiten wird. Durch den Verbrauch fossiler Energieträger wie Öl, aber eben auch Gas trägt dies zu einem Teil der Kohlendioxid Emissionen bei. Im Jahr 2011 wurden knapp 31 % der Endenergie hierfür verwendet. Es wäre sicher ein Gewinn, wenn man hier entsprechend Kohlendioxid einsparen könnte.

Das Ende von Öl und Gas zum Heizen

Die Idee ist dabei nicht neu. Von der Politik wurde ja schon verschiedentlich angedacht, ob man nicht aus der Heizung durch Öl und auch aus Gas aussteigen und stattdessen andere Energien verwenden könnte. Der Aufschrei war durchaus hörbar. Dabei ist das kein rein deutsches Phänomen. Wenn ich richtig mitbekommen habe, ist in Dänemark die Neuinstallation von Gas- und Ölheizungen bereits verboten. Die Niederlande schließen bereits keine neuen Gebäude mehr kostenlos an das Erdgasnetz und überlegen einen Ausstieg aus der Gasheizung. Kalifornien plant dieses für das Jahr 2020.

Dabei ist eine Reduzierung des Verbrauches von Gas und Öl für die Heizung nicht nur aus Klimaschutzgründen sinnvoll. Sowohl Öl als auch Gas müssen wir zum größten Teil importieren. Das macht uns nicht nur von den entsprechenden Märkten abhängig, sondern auch verwundbar für jegliche Art der Erpressung, sollten die Lieferanten zu einer Art Monopolstellung kommen.

Mit dem Ausstieg aus den fossilen Heizenergien stellt sich aber die Frage, womit wir dann in Zukunft heizen und unser Warmwasser produzieren. In den Großstädten und in der Nähe von Industrieanlagen kann man sicher die Abwärme diverser Anlagen als Fernwärme nutzen, aber das dürfte für viele andere Regionen schwierig werden. Eine Alternative wäre hier mit Sicherheit die Wärme aus der Erde.

Geothermie als Alternative

Geothermie hat hier einen entscheidenden Vorteil: Sie ist für die Energieerzeugung unabhängig von Wind, Wetter, Tageszeit und damit auch vom Klimawandel. Mit ihrer Hilfe kann rund um die Uhr Energie zum Heizen, Kühlen und für die Stromproduktion gewonnen werden. Ortstnah noch dazu, was die Gefahr einer politischen Erpressung wohl ausschließt. Ihre Ortsnähe hilft zudem, lokale Wirtschaftskreisläufe zu erzeugen. Außerdem ist sie klimaneutral und kann somit helfen, unsere Energiegewinnung zu dekarbonisieren. Man möchte also meinen, Geothermie, sowohl die oberflächennahe als auch die tiefe, würden einen wichtigen Baustein unserer Energie- und Wärmewende darstellen. Leider sieht die Wirklichkeit noch etwas anders aus.

Strom aus der Erde

Die Stromerzeugung mittels Geothermie ist zumindest in Deutschland noch recht schwach entwickelt. In Niedersachsen arbeitet der Forschungsverbund gebo (Geothermie und Hochleistungsbohrtechnik) an der Entwicklung neuer Konzepte zur Energiegewinnung mittels Geothermie in tieferen geologischen Schichten. Ziel ist die Steigerung der Effizienz und eine Senkung der geologischen und technischen Risiken und damit letztlich, die Geothermie als regenerative Energiequelle wirtschaftlich zu machen. Insgesamt 10 geothermische Kraftwerke erzeugen in Deutschland Strom.

Wärme aus der Erde

Da hingegen ist die Nutzung der Geothermie, insbesondere der oberflächennahen Geothermie zur Beheizung oder zur Kühlung von Gebäuden bekannter. Wärmepumpen sind bereits recht weit verbreitet und werden zunehmend bei Neubauten verwendet. Im Jahr 2009 waren 330 000 Anlagen installiert, 2010 kamen 51 000 hinzu. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hier aber anscheinend noch etwas hinterher. Hierzulande hatte die Wärmepumpenheizung bei Neubauten 2010 einen Marktanteil von 23,4 %, verglichen mit 75 % bei Neubauten in der Schweiz oder gar 95 % in Schweden.

Auch die tiefe Geothermie kann man gut zur Gewinnung von Wärme zur Heizung verwenden. In Deutschland eignen sich dabei drei Regionen wohl besonders. Zum einen das Norddeutsche Becken mit seinem großen Potential in thermalwasserführenden Porenspeichern. Hier finden sich in Tiefen von 1000 bis 2500 Metern Temperaturen zwischen 50 und 100°C.

Im Süden Deutschlands ist das Molassebecken gut geeignet. In Südbayern werden mit dem aus dem Kluft- und Karstgrundwasserleiter des oberen Jura und hat Temperaturen von bis zu 140°C und mehr. In Südbayern werden somit rund 20 Fernwärmenetze betrieben.

Das dritte Gebiet ist der Oberrheingraben mit seinen sehr guten Voraussetzungen. Hier sind besonders hohe Temperaturen zu erwarten, allerdings sind die Wässer auch mit vielen gelösten Inhaltsstoffen beladen und stellen somit sehr hohe Anforderungen an die Anlagentechnik.

Vielfach werden mit diesen Wässern schon Fernwärmenetze betrieben oder zumindest gespeist. Weitere Projekte sind derzeit wohl in Planung.

Die Risiken

Nicht ganz verschwiegen werden sollten die möglichen Risiken, die mit der Nutzung geothermischer Energie einhergehen können. Während Risiken für die oberflächennahe Geothermie bei guter Planung und sachgemäßer Ausführung weitgehend vermieden werden können, gab es besonders im Bereich der tiefen Geothermie einige sehr unschöne Zwischenfälle.

Die Beispiele Kleinhüningen bei Basel und die Erschütterungen vom 15. August und 14. September 2009 in Landau/Pfalz, für die das Geothermiekraftwerk Landau verantwortlich gemacht wurde, zeigen, dass es auch hier gewisse Risiken gibt. Das gilt auch für andere Fälle, über die von Zeit zu Zeit berichtet wird. Allerdings ist eine verlässliche Aussage über die Risiken der tiefen Geothermie nur schwer zu machen. Das gilt ganz speziell für die ohnehin seismisch aktiven Gebiete wie den Oberrheingraben. Hohe Sorgfalt in Planung und Ausführung sind aber für eine sichere tiefe Geothermie unerlässlich. Nur so kann auch eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung erhalten bleiben.

Ein ganz besonderes Beispiel ist der Fall von Staufen, wo das Abteufen von Erdwärmesonden für das Rathaus auf 140 m für Wasserzutritt in Anhydritschichten sorgte. Die Umwandlung des wasserfreien Anhydrits in Gips führt zu einer Volumenzunahme, wodurch die betroffenen Schichten quellen. Es entstanden kleinräumige Hebungen von bis zu 20 cm und daraus resultierend starke Gebäudeschäden in der Staufener Innenstadt. Ursache waren eine mangelhafte geologische Erkundung und nicht sachgemäße Bohrungen und letztlich ein Sparen am falschen Ende. Anhydrit stellt ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Geothermieprojekte dar.

Weitere Risiken sind eventuell in den tiefen Fluiden gelöste Stoffe, aber da zumindest in Deutschland die Fluide wieder eingeleitet werden, sollte dieses Risiko kaum auftreten. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang, die eventuelle hydraulische Verbindung mit anderen Grundwasserstockwerken zu vermeiden. Auch dies ist beherrschbar, wenn man den Stand der Technik ordnungsgemäß anwendet.

Insgesamt halte ich es für wichtig, eventuelle Risiken nicht zu verschweigen, aber eben auch die Mittel und Wege aufzuzeigen, wie diese beherrscht werden können. Nur, wenn auch der jeweilige Stand der Wissenschaft und der Technik angewendet wird, kann diese in meinen Augen sehr wichtige Energieform in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Carbon Capture and Storage (CCS) und Carbon Capture and Utilization (CCU)

Wir müssen unsere Energiegewinnung dekarbonisieren. Dieser Wunsch wird gerne formuliert, wenn es um die Vermeidung oder zumindest um die Reduzierung des bereits ablaufenden Klimawandels geht. Das ganze ist aber in meinen Augen sehr viel einfacher gesagt als getan. Bis zu einer vollständigen Dekarbonsierung wird sicher noch einige Wasser die Elbe herunter fließen. Hans-Joachim Kümpel von der acatech und ehemaliger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sprach über das Potential von CCS und CCU.

Dabei will ich den Bereich des CCU gerne etwas ausklammern. Erstens, weil er eigentlich nicht viel mit den Geowissenschaften zu tun hat. Zweitens gibt es da ein klitzekleines Problem: Die Verwendung von Kohlendioxid als Kohlenstoffquelle für die Herstellung von Treibstoffen oder dergleichen ist sehr energieintensiv und die dafür erforderliche emissionsfrei erzeugte Energie steht momentan einfach (noch) nicht zur Verfügung.

Hans-Joachim Kümpel, acatch und ehemaliger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Eigenes Foto.

Interessante Brückentechnologie

Das CCS hingegen ist weltweit bereits mehrfach erprobt und auch in Deutschland hat es mit dem Pilotvorhaben Ketzin einen Testlauf gegeben. Man kann also schon sagen, dass die Technik anwendungsreif ist. Allerdings ist die Akzeptanz besonders in Deutschland, freundlich ausgedrückt, nicht besonders hoch. Wir scheinen hierzulande ein leichtes Problem mit Technikskepsis zu haben.

Denn eigentlich hat man durch die langjährigen Erfahrungen mit dieser Technik, unter anderem in der Nordsee, die Tauglichkeit der Methode gut erprobt. In sie könnte helfen, Branchen ihre Kohlendioxidemissionen schnell zu reduzieren, auch wenn sie so schnell nicht auf fossile Energieträger verzichten können. Als Brückentechnologie könnte sie uns helfen, unsere Klimaziele schneller zu erreichen. ( und bevor jetzt wieder eine Diskussion entbrennt, über das was wünschenswert und erstrebenswert wäre…)

Wir sehen doch, dass es mit der Einhaltung der Klimaziele ziemlich Essig ist. Wie wollen wir wirklich bis 2030 eine Reduzierung von 50% CO2-Emissionen gegenüber 1990 erreichen? Oder eine CO2-Neutralität bis 2050?

Vermutlich müssen wir das Problem von beiden Seiten angehen. Eine Reduktion, so schnell wir können und eine Speicherung des Kohlendioxids, solange wir es noch produzieren.

Dazu müsste allerdings jetzt eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut werden, denn die Nutzung dieser Technologie wird eine gewisse Vorlaufzeit haben. Ich persönlich gehe aber davon aus, dass daraus ebenso wenig etwas wird, wie aus der Einhaltung der selbstgesetzten Klimaziele, denn die Diskussion um die CCS-Technologie ist bereits gelaufen.

Neue Technologien und ihre gesellschaftliche Akzeptanz

Warum der CCS-Drops in meinen Augen bereits so gut wie gelutscht ist, erklärte uns Katja Witte vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Dabei geht es um die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologiepfade, also etwas, bei dem wir uns hier in Deutschland bekanntermaßen oft etwas schwer tun. Debatten um neue Technologien werden immer emotionaler geführt, während Fakten spätestens in der zweiten Runde nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Gute Beispiele sind hier auch die Gentechnik und eben das CCS.

Katja Witte vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Eigenes Foto.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Die Gesellschaftliche Akzeptanz einer Technologie wird hier definiert als passive oder gar aktive Zustimmung zur Entwicklung, der großindustriellen Erprobung und schließlich zum Einsatz einer neueren Technik. Dabei äußert sie sich in den Einstellungen der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure.

Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Da ist natürlich zum einen das Wissen um die neue Technik. Ich fürchte nur, da hapert es meist. Wir sind zwar eine Zivilisation (oder wir geben es zumindest vor), die hauptsächlich auf den Erkenntnissen der Naturwissenschaften aufbaut. Das allgemeine Wissen um diese ist aber in der Bevölkerung ungleich verteilt und allzu oft nur sehr spärlich. Das gilt ganz besonders für geowissenschaftliche Themen.

Risiken und Nutzen

Dazu kommen die bekannten oder auch vermuteten Risiken sowie den erhofften Nutzen. Leider ist hier anscheinend oft schon ein Knackpunkt erreicht. Denn wenn Menschen einen direkten oder gar persönlichen Nutzen in einer Sache erkennen, dann sind sie oft wesentlich leichter bereit, auch gewisse Risiken zu akzeptieren. Ich nehme da immer gerne das Ruhrgebiet als Beispiel. Solange eine sehr große Zahl von Menschen direkt oder indirekt vom Bergbau lebte, spielten die ab und an auftretenden Bergbauschäden keine allzu große Rolle. Das änderte sich aber, als immer mehr Menschen keinen direkten Nutzen mehr aus der Förderung der Kohle zogen.

Natürlich spielt auch die individuelle Einstellung zum Beispiel zur Umwelt und die jeweilige Risikobereitschaft eine Rolle. Was dem einen ein noch akzeptables Risiko erscheint, muss es ja nicht für einen anderen Menschen sein. Wie verknüpft ist das Thema mit anderen Bereichen. Im Falle des CCS zum Beispiel mit der Nutzung der Kohlekraft und dem Klimawandel.

Wie viel Vertrauen hat man in die einzelnen Akteure. Steht man der Industrie oder der Forschung etwa skeptisch gegenüber, so kann sich das unmittelbar auf die Akzeptanz auswirken. Vielen Menschen erscheinen die in der CCS Debatte beteiligten Verbände und Institutionen nur sehr bedingt vertrauenswürdig.

Die Rolle der Medien

Ein ganz wichtiger Punkt ist die mediale Aufbereitung, also die Berichterstattung über das Thema. Wir haben ja schon an mehreren Themen bemerkt, dass die gute journalistische Schule, immer zwei Seiten Gehör zu verschaffen zu manchen Schieflagen führen kann. Besonders auffällig ist das beim Thema Klimawandel, wo, um eine Ausgewogenheit zu simulieren, Aussenseitermeinungen der gleiche Stellenwert zugebilligt wird wie dem Stand der Forschung. Dabei geht dann schnell unter, dass sich die Wissenschaft zu über 99% einig ist. Bei der Bevölkerung sieht das dann nämlich so aus, als wenn es einen „Streit unter Experten“ gäbe, also noch lange nicht alles eindeutig geklärt sei.

Interessant stellte sich eine kurze Analyse der Berichterstattung über die jeweiligen CCS-Projekte dar. Dabei spielten verschiedene Aspekte eine Rolle. Natürlich wurde viel über die Proteste gegen die Projekte berichtet, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Während diese Berichte über die Projektregionen Nordfriesland und Ostbrandenburg gut 20% der Berichterstattung einnahmen, spielten sie für das Projekt Kezin nur eine sehr untergeordnete Rolle. Hier wurde tatsächlich in der Mehrzahl der Berichte eine Beschreibung des Vorhabens sowie für wissenschaftliche Aspekte gewählt. Die spielten in den anderen Regionen eine deutlich geringere Rolle. Leider.

Dabei war der Sprachstil in der Berichterstattung weitgehend (zu 88%) neutral gehalten, allerdings überwog der negative mit rund 11% den positiven, der sich nur in 1% der Berichte wieder fand.

Doch was vermutlich weit fataler war als die 11% negativ eingestellter Medienberichte, war der Sprachstil der Überschriften. Bei den verwendeten Titelzeilen lagen die negativen mit 57% deutlich über denen mit neutralem ( 37%) oder denen mit positivem Stil (6%).

Das zeigt ganz eindeutig, dass gerade Journalisten sehr aufpassen müssen, dass sie mit reißerischen Titelzeilen nicht die Intention ihres Artikels konterkarieren. Hier muss, ganz besonders in Hinblick auf zukünftige Probleme und Entwicklungen ein ganz besonderer Augenmerk verwendet werden. Klar ist eine kritische Berichterstattung nicht verkehrt, auch in Hinblick auf CCS. Aber vermutlich macht sich hier auch die mangelhafte Verbreitung naturwissenschaftlichen Wissens in vielen Redaktionen bemerkbar. Ein Problem, dem wir ja auch bei anderen Debatten schon begegnet sind.

Die Mitglieder der Podiumsdiskussion. Von Links: Christoph Hilgers, Katja Witte, Detlev Doherr, Erwin Knapek, Erikla Bellmann und rechts Hans-Joachim Kümpel. Eigenes Foto.

Zum Schluss gab es noch eine Podiumsdiskussion der Vortragenden zusammen mit Erika Bellmann vom World Wide Fund for Nature zum Thema „Energiewende erfolgreich gestalten.

Fazit

Alles in allem wieder ein erfolgreicher Geologentag, der 11. mittlerweile. Es war wohl auch der letzte, der im Zusammenhang mit der GEC expo und congress stattfand. Ich hatte ja die letzten Male immmer gerne kritisiert, dass Offenburg und die GEC eine sehr schöne Gelegenheit war, aber eben auch eine enorme Anreise für die Nordlichter bedeutete. Da die Messe unter der Woche stattfindet, bedeutet das für die Meisten von uns immer auch, entsprechend Urlaub zu nehmen. Da wundert es auch nicht, dass die Veranstaltung doch nur recht spärlich besucht war. Schade eigentlich, denn die Themen waren wichtig. Es sind ja nicht nur die Vorträge, sondern es gehören zum Geologentag auch Sitzungen diverser Fachgruppen, auch wenn man dadurch die Vorträge der GEC etwas stiefmütterlich liegen lassen musste.

Last but not least natürlich auch die Mitgliederversammlung und die Wahlen zum Vorstand. Ich möchte hiermit noch einmal allen gewählten herzlich gratulieren. Einen ganz besonderen Glückwunsch an den ehemaligen BDG-Geschäftsführer Hans-Jürgen Weyer, der aufgrund seiner großen Verdienste um den Verband zum Ehrenmitglied des BDG ernannt wurde.

Mir hat die Veranstaltung wieder sehr viel Spaß gemacht. Ich bin gespannt, wo der 12. Geologentag stattfinden wird.

Weitere Bilder vom Geologentag und der GEC expo und Congress sind unter https://flic.kr/s/aHsmJ1yZXM zu finden.

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für die Zusammenstellung der Vorträge. Alle super interessant.
    Ich frage mich allerdings warum werden solche Experten Vorträge nicht online zur Verfügung gestellt (z. B. youtube)? So könnten nicht-teilnehmende Kollegen aber vor allem auch die Nicht-Experten sich fachlich informieren und die Vortragenden ihren Ruf verbessern (Stichwort Reichweite). Das verstehe ich nicht, da eine Videoausrüstung sicherlich nicht die Welt kosten würde…

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