Zum 75. Befreiungstag: Erinnerungskultur in den Niederlanden

Erfahrungsbericht eines Europäers

Rot. Weiss. Blau. Ich schaue aus dem Fenster und sehe, wie erwartet, die niederländische Flagge meiner Nachbarn auf halbmast. Am heutigen 4. Mai ist ein nationaler Trauertag. Ursprünglich galt er den Opfern des Zweiten Weltkriegs. Seit 1961 wird aber aller gedacht, die unter Kriegsumständen oder in “Friedensmissionen” ums Leben kamen. Vom Balkon aus sehe ich, dass fünf der zwanzig Wohnungen unseres Blocks “Flagge zeigen”.

Viele Flaggen auf halbmast auf dem Weg zum Bahnhof. Amersfoorter gedenken der Toten (2019). Foto: S. Schleim

Vor genau zehn Jahren schlitterte ich unvorbereitet ins erste Totengedenken (niederländisch: Dodenherdenking). Als ich in der E-Mail der Tanzschule las, man würde die Schweigeminuten um 20 Uhr einhalten und eine Live-Übertragung aus Amsterdam zeigen, hatte ich keine Ahnung, worum es geht. Ich fürchtete, es habe ein Unglück gegeben. Heute weiß ich, dass man sich Jahr für Jahr auf dem Dam in der Hauptstadt trifft, dem großen Platz vor dem Stadtpalast. Außerdem gibt es hunderte andere Versammlungen, organisiert von ebensovielen ehrenamtlichen Komitees, quer durch das ganze Land.

Während manche deutsche Parlamentarier über die Erinnerungskultur klagen, mal das Dritte Reich als “Vogelschiss in der Geschichte” abtun oder über das Holocaustdenkmal in Berlin jammern, ist die Erinnerung bei Deutschlands Nachbarn noch quicklebendig. Mir ist immer wieder einmal aufgefallen, dass auch abseits des nationalen Gedenktags an Mahnmalen, etwa dem für deportierte Juden am Bahnhof Amsterdam Muiderpoort oder für Anne Frank in Utrecht, frische Blumen niedergelegt werden. Der 4. Mai ist ein kollektiver Ausdruck, doch bei Weitem nicht das einzige Beispiel für die Erinnerungskultur der Niederlande.

Ohne erkennbaren Anlass wurden Blumen an dieser Gedenktafel am Bahnhof Amsterdam Muiderport niedergelegt (2019). Auf der Tafel steht, dass von hier zwischen dem 3. Oktober 1942 und 26. Mai 1944 rund elftausend Juden deportiert wurden. Die meisten von ihnen seien ermordet worden. Foto: S. Schleim

Am 5. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Besetzer in dem Land, in das sie ziemlich genau fünf Jahre vorher eingefallen waren. Die Befreiungskämpfe, vor allem durch das amerikanische, englische, kanadische und polnische Heer, hatten seit dem Herbst 44 angedauert. An vereinzelten Ortschaften und Watteninseln im Norden hielt der Widerstand von deutschen Soldaten noch einige Tage länger an. Am 8. Mai unterzeichnete schließlich Generalfeldmarschall Keitel die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und ging der Krieg in Europa zu Ende.

Neben den direkten Kriegsereignissen und Deportationen von Juden, Widerständlern und denunzierten Pechvögeln, hatte der Winter 44/45 in den Niederlanden noch einmal über 20.000 Menschen das Leben gekostet und ist er als “Hungerwinter” in die Geschichte eingegangen. Es kommt noch heute vor, dass ältere Menschen einen korrigieren, wenn man sagt, man habe “honger” (Hunger). “Du weißt gar nicht, was Hunger ist!”, heißt es dann. Stattdessen solle man das Wort “trek” (für Appetit) verwenden. So tief hat sich die Hungersnot ins kulturelle Gedächtnis eingegraben.

Die große Zeremonie in Amsterdam folgt einem strikten Protokoll. Neben dem König und Würdenträgern des Militärs und öffentlichen Lebens nehmen daran (die letzten verbliebenen) Zeitzeugen mit ihren Angehörigen sowie ausgewählte Schülerinnen und Schüler teil. Es gibt Vorträge, Gedichte und Kranzniederlegungen. Kirchenglocken läuten.

Kurz vor 20 Uhr spielt ein Trompeter eine traurige Melodie. (Wegen Corona sind 2020 die Menschen dazu aufgerufen, zuhause selbst ihre Blasinstrumente zu spielen.) Um 20 Uhr läuten noch einmal die Glocken der Nieuwe Kerk. Dann ist es zwei Minuten lang still – im ganzen Land. Zwei Strophen der Nationalhymne (“Wilhelm von Nassau bin ich, von deutschem Blut, dem Vaterland treu bleibe ich bis in den Tod…”) brechen schließlich das Schweigen. Am Ende gibt es einen Trauermarsch, bei dem alle Anwesenden Blumen niederlegen können.

Auch am Bahnhof Utrecht gab es eine Zeremonie zum Totengedenken (2019). Der weiträumig abgesperrte Bereich an einem der lebendigsten Bahnhöfe der Niederlande wurde wahrscheinlich auch für einen Trompeter freigehalten, der die Schweigeminuten einläuten würde. In der Mitte des Fotos sieht man eine Gedenktafel für im Zweiten Weltkrieg gefallene Bahnarbeiter, die erst bei den jüngsten Renovierungen wieder einen prominenten Platz bekam. Foto: S. Schleim

Beim Totengedenken geht es um die Versöhnung mit der Vergangenheit. Der am nächsten Tag folgende Befreiungstag (Bevrijdingsdag) feiert das Leben und blickt in die Zukunft. Die vor allem bei den jüngeren Menschen beliebten Freiheitsfestivals mit viel Musik, Tanz und Alkohol mag man für ihre Kommerzialisierung kritisieren. Doch auch dort gibt es Vorträge und Informationsstände zum Thema Freiheit.

Die Erinnerungskultur findet sich nicht nur in den Köpfen, sondern auch in der Landschaft. So gibt es beispielsweise in der westlichen Provinz Zeeland noch rund achtzig Bunker des Atlantikwalls und zwei Kriegsmuseen, an denen entlang ein 67km langer Wanderweg führt. Der Rückbau der Betonbauten, die etwas von Särgen haben, wäre schlicht zu teuer gewesen. Heute sind es Denkmäler. Aber auch auf der Watteninsel Terschelling hat man in jüngeren Jahren wieder Bunker für Touristen zugänglich gemacht, um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Verglichen mit diesem lebendigen und vor allem die gesamte Gesellschaft durchziehenden Gedenken verwundert es schon, dass die deutschen Parlamentarier mit ihren Gedenkstunden lieber unter sich bleiben. Denn wie Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner mutigen Rede vom 8. Mai 1985 formulierte, mussten auch die Deutschen vom Nationalsozialismus befreit werden: Das Kriegsende sei für sie keine Niederlage, sondern ein “Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft” gewesen.

In einem Land, das sich in großen Schritten der 24/7-Gesellschaft nähert und an dem nur noch an einem Oster- sowie einem Weihnachtsfeiertag die Geschäfte geschlossen sind, keine Selbstverständlichkeit: Auch im Kultur- und Clubhaus “Tivoli Vredeburg” in Utrecht wird am 4. Mai um 20 Uhr die Arbeit niedergelegt und geschwiegen (2019). Bestellungen müssen dann warten. Foto: S. Schleim

Von Weizsäckers abschließende Bitte, sich nicht in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen treiben zu lassen, die Freiheit zu ehren und für den Frieden zu arbeiten, hat 35 Jahre später nichts von ihrer Aktualität und Dringlichkeit eingebüßt. Im Gegenteil! Die Ressentiments innerhalb Europas nehmen aufgrund der wirtschaftlichen Ungleichheit in Krisenzeiten wieder zu. Und in vielen Ländern wird Zuwanderung als immer größeres Problem wahrgenommen, selbst dort, wo Gastarbeiter zum Wohlstandswachstum beitrugen und -tragen.

Bevor Nazis Juden und Angehörige anderer Volksgruppen ermorden konnten, mussten erst Demokraten, Freidenker und Kritiker, schlicht jeder, der es wagte, eine andere Meinung zu äußern, eingeschüchtert oder gleich ins Konzentrationslager in “Schutzhaft” genommen werden (Zur Psychologie des KZ Dachau). Aus gutem Grund unterliegen die Grundrechte einer Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG) und können sie überhaupt nur aufgrund eines Gesetzes, das Verfassungsprinzipien wie das der Verhältnismäßigkeit berücksichtigen muss, eingeschränkt werden.

In einer Zeit, in der die Unterschiede zwischen den Menschen und den Volksgruppen wieder verstärkt hervorgehoben werden, gewinnt der Einheitsgedanke an Bedeutung. Das niederländische Totengedenken schaut versöhnend auf die Vergangenheit. Ohne Versöhnung und Reintegration nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hätte Deutschland kein so wohlhabendes Land werden können. Die Gemeinschaft der Europäer hat ihren problematischen Nachbarn nach und nach wieder aufgenommen. Und auch Exportweltmeister kann keine Nation werden, ohne andere Länder, die ihre Produkte kaufen.

Ohne erkennbaren Anlass wurden Blumen an diesem Denkmal in Utrecht für die in Frankfurt geborene und im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordete Anne Frank niedergelegt (2019). Sie war mit ihrer Familie vom 6. Juli 1942 bis zum 4. August 1944 in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckt worden. Bis heute ist unklar, wer die Familie schließlich verraten hat. Vor dem heute als Museum dienenden Anne Frank-Haus sieht man so gut wie immer lange Schlangen und muss man oft Wochen im Voraus eine Eintrittskarte kaufen. Foto: S. Schleim

Alle Europäer zusammen stellen heute nicht einmal mehr 10% der Weltbevölkerung. Das relativiert die Partikularinteressen einzelner Staaten. Letztlich sitzen wir alle zusammen in diesem einen Boot, genannt Planet Erde. Wie wir heute leben, denken und miteinander umgehen, bestimmt unsere Zukunft. Damit wir diese gemeinsam in Frieden und Einheit erleben werden, wünsche ich mir ein alljährliches Freiheitsfestival für alle Menschen.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur. Titelfoto: Nationaal Comité 4 en 5 mei, Ben Houdijk (2019, Pressefoto)

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

58 Kommentare

  1. Ja, nett, danke für diesen Bericht, Herr Dr. Schleim.
    Die Freiheit ist ein höchst schützenswertes Gut, was schnell vergessen wird, auch, dass vor gar nicht langer Zeit viele in Europa in Unfreiheit gelebt haben und wenn in den Osten Europas geschaut wird, immer noch so leben, zumindest eingegrenzt in ihrer Freiheit.
    Nicht ganz zustimmen kann der Schreiber dieser Zeilen Einschätzungen, die Richtung Internationalismus gehen, Europa ist ein wundervoll diverses Plätzchen und darf einen sinnhaften Mittelweg zwischen Nationalismus und Internationalismus finden, wobei nicht immer auf die Zeit des Nationalsozialismus geschaut werden muss, sondern auch andere Kollektivismen, aktuell viralere, virulentere einzuschätzen sind, als freiheitsfeindlich.
    Statt ‘das Deutsche Reich als “Vogelschiss in der Geschichte” abtun’ rät dieser Feedback-Geber zu einer Formulierung mit “NS-Regime” oder “3. Reich”, das Deutsche Reich hat Alexander Gauland wohl nicht gemeint.

    Kleine Randbemerkung noch zu Ihrem Bemühen um eine sinnhafte Einordnung der “Corona”-Krise : Sie scheinen da ganz gut zu liegen, wie hier befunden wird, vergleiche auch mit diesen wichtigen Datenlagen :

    -> https://www.euromomo.eu (wird fortlaufend aktualisiert, zurzeit ist man in Kalenderwoche 19, die aktuellen Daten werden dann dort ein wenig zeitversetzt berichtet)

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg!
    Dr. Webbaer

  2. Bonuskommentar hierzu :

    Aus gutem Grund unterliegen die Grundrechte einer Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG) und können [so] überhaupt nur aufgrund eines Gesetzes, das Verfassungsprinzipien wie das der Verhältnismäßigkeit berücksichtigen muss, eingeschränkt werden.

    Das deutsche Volk (Darf so heutzutage noch formuliert werden?) hätte sich nach der Wiedervereinigung durch Wahl eine neue Verfassung geben sollen, insofern bleibt das bundesdeutsche Grundgesetz ein Verfassungssubstitut, das nie in freier Wahl demokratisch direkt angenommen worden ist.
    Neue Verfassungen könnten diese “Ewigkeitsklausel” brechen, dies nur am Rande angemerkt, zudem könnten die Grundrechte sukzessive ausgehöhlt werden, was ebenfalls eine Gefahr darstellt.
    Womöglich hat Dr. Webbaer an dieser Stelle ein wenig politisch “rechts” argumentiert, wie einige finden könnten, dies ist abär nicht der Fall, es ist liberalistisch argumentiert worden; der Schreiber dieser Zeilen wollte nur korrekt berichten und einschätzen, auch um verfassungsgegnerischer Bewegung Nahrung sozusagen gleich vorzuenthalten, indem Richtiges nicht geleugnet, sondern angenommen wird.
    Aus liberaler Sicht sind die Menschenrechte der 48er-Deklaration gut, ja, da hat man es aus gutem Grund, wie einige finden, nicht mit der Dignitas, der Würde und so, die sozusagen eine bundesdeutsche Spezifität zu sein scheint.
    Was ist Würde? (Nein, Dr. Webbaer will hier nicht exkurrieren, hält sich diesbezüglich sicherlich zurück, wird nicht nachhaken.)

  3. Übrigens versteht Dr. Webbaer bis jetzt nicht, wie diese “Sache” mit dem Nationalsozialismus seinerzeit passieren konnte.
    Deutsche, das Volk der Dichter und Denker, ein Kulturvolk, wie der Begriff für es erfunden werden könnte, und bereits seit Längerem im Demokratischen geübt, es gibt deutsch ja diese demokratische Tradition :

    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstag

    …die in der Berichterstattung se-ehr kurz vorkommt, wie einige finden, womöglich ergab sich auch in diesem Zusammenhang eine Verwechselung des Deutschen Reichs mit dem “3. Reich”, was ja vorkommen kann, lol.

    Im Sinne der vergleichenden Geschichtsforschung ist das “3. Reich” insofern besonders verbrecherisch, weil es sich auf teils aufgeklärte Bevölkerung oder auf derart gebildetes Volk, der Volksbegriff passt wohl besser, stützen konnte.
    Mao hat China geeinigt und dem Volk Sozialsysteme gebracht, hat sicherlich im Vergleich zu zuvor, äh, Vorgekommenen gebessert – ähnlich gilt es auch für Lenin und Stalin, beides Verbrecher (“Roter Terror”, von dem einen erdacht und von dem anderen perfektioniert), aber nicht aus demokratischer Tradition kommend.
    Insofern ist die zentrale Frage, wie und warum liberale demokratische Systeme kippen können. Dr. W geht hier von einem “Unfall” aus, es ist nicht so, wie Lenin meinte, dass Liberale Demokratie irgendwann in Faschismus umkippt und dann erst der Kommunismus siegt.
    Für die Leninsche Theorie gibt es nur unzureichende Datenlage.
    Wobei das Web hier eine interessante Funktion hat, Dr. W mag es, er heißt ja auch so, als “Early Adaptor”, so um 1978 herum.
    Das Web müsste eigentlich, die Gesellschaftssysteme global meinend, entscheidend bessern, tut es dies?

    MFG – WB (der hoffentlich nicht zu arg vom Thema wegging, eigentlich blieb er beim Thema, aus seiner Sicht)

  4. @Web🐻

    Lenin hat, wenn er es denn so … wie Du geschrieben hast, einen Fehler in der Formulierung gemacht.

    Er hätte in seinem Positivismus konkreter schreiben müssen: “kippt wieder in Nationalsozialismus um und letztendlich siegt die Wahrheit”, denn wir leben/vegetieren, seit der “Vertreibung aus dem Paradies”, im Kreislauf des imperialistischen Faschismus, dessen Kulminationspunkt der systemischen Symptomatik “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” nun im “gesunden” Konkurrenzdenken des “freiheitlichen” Wettbewerb um KOMMUNIKATIONSMÜLL wieder in ein absehbares Ende mündet. 😏👊

  5. @ Kommentatorenfreund ‘hto’ :

    Kann schon sein, Dr. Webbaer ist ja kein Leninologe, Sie betrachten anscheinend feudalistische Verhältnisse als ‘nationalsozialistisch’, ansonsten könnten Sie nicht so ergänzen, wie getan, Dr. Webbaer sieht den Kollektivismus, auch am theozentrischen Kollektivismus ableitbar, der in die BRD sukzessive einreitet und wohl auch eingeladen ist, als eine Art Grundzustand des Menschen (vs. Bären) an, aus dem es sich per Aufklärung zu erheben gilt, im dann Anti-Kollektivistischen.

    Andere sehen’s anders,
    MFG – WB (der immer noch diese Eingabefunktion mag)

  6. @Web🐻

    Ich wage es aber zu bezweifeln, dass er solch positivistische Gedanken äußerte, denn er war kein religiöser Mensch, und seine Kapitulation: “Wenn Deutschland, Frankreich und England nicht mit machen ist die Revolution gescheitert”, zeugt doch wohl eher von pessimistischem Negativismus!?

  7. @Web🐻

    Feudalismus? Geldadel und Gewaltadel im “Kalten Krieg” – der unwahrheitliche Imperialismus hat viele Deckmantel!

  8. Die imperialistisch-kreislaufende Welt- und “Werteordnung” hat bisher alle Revolutionen assimiliert und zu zeitgeistlichen Stumpf-, Blöd- und wieder Wahnsinn REFORMIERT.

  9. Wieder eine einseitige Geschichtsverfälschung durch den Westen , Herr Schleim. Der “Tag der Befreiung” wurde in der Bundesrepublik jahrzehntelang nicht begangen bzw. als Tag der Kapitulation , seitens der CDU: Niederlagen feiert man nicht ” proklamiert. Die Bundesrepublik, die sich rechtstaatlich als Nachfolger des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 sah, sah sich somit also als Verlierer dieses Krieges bzw. wollte ja auch jahrzehntelang diese Grenzen von 1937 wieder herstellen. Als Ossi kann ich sagen, dass dieser 8. Mai von Beginn an als Tag der Befreiung begangen wurde, was auch gesetzlicher Feiertag war. Dieser Begriff BEFREIUNG war damals vielen Menschen schwer zu vermitteln, da viele noch den Terror der Sowjetarmee 1945 (Vertreibungen, Vergewaltigungen ,Hunger etc.) verinnerlicht hatten. Letztlich war dieses aber nur eine Folge dieses Volkes der Dichter und Denker (was für eine Phrase),die mit diesem Terror erst begannen und über 20 Millionen Russen umbrachten. Als Kinder haben wir an diesen Tag damals Blumen an den Kriegsgräbern abgelegt bzw. russische Soldaten wurden eingeladen bzw. man besuchte die Kasernen.

  10. Gack, gack, Kommentatorenfreund ‘hto’, die Aufklärung hat aufklärerische, liberale Gesellschaftssysteme bereit stellen können, die übrigens frickin komplex sind, so sein müssen, und einer Entartung der Wirtschaftlichkeit mit vielen Maßnahmen vorgebeugt bzw. abgewendet, denn sie setzt dieser Wirtschaftlichkeit mit demokratischem Mandat Rahmen.
    Sie, Kommentatorenfreund ‘hto’, setzen ja eher auf Räte und auf Eliten, zu denen sich Dr. Webbaer neben Ihnen, Dr. W mag Sie, schätzt Sie, Sie sind eher so eine Bauwagen-Kraft und Volksladen-Kraft, gelle?, die sicherlich in ihrer Intention Gutes meint.

    Blöde halt, dass diejenigen, die Sie als Rat ersetzen könnten, unsittlich sein könnten und hehres Bemühen durchkreuzen.
    Sie sind da zu festgelegt, machen Sie sich mal locker, Dr. W kennt einige, die erst im fortgesetzten Alter zum Liberalismus gefunden haben.

    Yoyoyo, Dr. Webbaer war ja auch mal jung, kannte diese linke bundesdeutsche Szene auf Grund zweifachen Besuchs, nicht schlecht, nicht recht, hat sie, vermutlich : korrekterweise, als dull einzuschätzen gelernt und aus diesem Sandkasten wollen wir ja mal irgendwann heraus, gelle=

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der das Intro mit dem anfänglichen “Gack, gack” der Webfolklore geschuldet angebracht hat, niemandem so auf den Schlips treten wollte)

    PS:
    “Opi” ist schon lange dabei, kennt eigentlich jede Sauerei, die im Politischen in Europa in den letzten 50 Jahren vorkam : persönlich.

  11. @ Kommentatorenfreund ‘Querdenker’

    Offensichtlich lag keine umfängliche Befreiung vor, wenn es vom Nationalsozialismus teils direkt in den Internationalsozialismus ging.
    Es wurden allerdings andere Personengruppen verfolgt.

    V. Weizsäcker, den der Schreiber dieser Zeilen mehrfach persönlich erlebt hat, hat halt seinerzeit agitiert, anders vermag Dr. Webbaer seine diesbezüglichen Aussagen nicht zu interpretieren.
    “Lightweight” fiele Dr. W diesbezüglich so ein, der Soz von Gnaden Helmut Kohls.

    MFG – WB (der allerdings, auch im Rahmen der Aufklärung und wie gemeint beim ‘Volk der Dichter und Denker’ bleiben wird)

  12. @Webbär: Internationalismus

    Mein Standpunkt ist nicht, die Nationalstaten aufzuheben, sondern mehr die internationale Identität als Menschen zu stärken.

    Ich denke, dass die allergrößte Mehrheit von Frieden und Freiheit profitiert.

  13. @Webbär: Würde

    Dazu gibt es natürlich endlose rechtsphilosophische Debatten…

    …aber übrigens nicht nur im deutschsprachigen Raum. So hatte ich selbst schon Diskussionen mit Fachkollegen aus dem Ausland (im Bereich der Ethik), dass sie den Begriff der “Würde” für zu unspezifisch fanden. (“Abstrus”, könnte man vielleicht auch sagen.)

    Der Begriff bedeutet für mich, dass Menschen einen Wesenskern haben, der impliziert, dass man mit ihnen nicht alles machen darf, was man will. Kants Instrumentalisierungsverbot wäre ein guter Anfang. Ob man dafür zwingend von “Würde” sprechen muss, ist eine andere Frage. Man hat sich damals halt darauf geeinigt.

    (Meiner Erinnerung nach steht das so übrigens auch in der japanischen Verfassung und gibt es da sowieso interessante Paralellen zu Deutschland, doch das wird mir jetzt zu viel.)

  14. @Querdenker: Feiertag

    Richard von Weizsäcker erklärt in seiner Rede, warum man den 8. Mai in Deutschland nicht feiern sollte. (Insbesondere wegen der schweren Schicksale, auch vieler aus ihrer Heimat Vertriebener.)

    Das war Anno 1985. Ob das 2020 immer noch so ist, ist vielleicht eine andere Frage.

    So oder so würde ich mir einen Tag der Freiheit und/oder Tag der Demokratie und/oder Tag des Rechtsstaats wünschen. Als gesetzlichen Feiertag, idealerweise für alle Menschen auf der Welt. Dass das der 5. oder 8. Mai sein müsste, das habe ich nicht gesagt.

  15. @Web🐻

    “Aufklärung” im Kreislauf des imperialistischen Faschismus = Konfusion 👈

    Aufklärung wäre, wenn die Interpretation der religiösen Schriften, die ja bis Heute legitimieren was Unwahrheit ist, nicht einfach zur wissenschaftlichen “Wahrheit” (Gottes Wege sind unergründlich) erklärt worden wären, denn: Gott/Gottes Wege ist/sind deutlich in Sozialismus und Fusion als ein Mensch “wie im Himmel all so auf Erden” ergründlich wahrscheinlich sogar als holographisches Universum 😏👊

  16. @Schleim

    Nicht feiern – Man hätte vor allem aber, so wie es bis Rau jeder Bundespräsident getan hat, keine ehemaligen NaziGrössen für wirtschaftliche “Leistungen” mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen dürfen!

  17. @ Dr. Webbaer 05.05.2020, 09:48 Uhr

    Wenn Sie sich fragen wie diese “Sache” mit dem Nationalsozialismus seinerzeit passieren konnte und auch noch andere weltweite politische Exzesse erklären wollen, so wäre ich der Meinung, dass Systeme einfach entarten können, wenn mit an sich „positiven Werten“ übertrieben wird.

    Das deutsche Volk bestand nicht nur aus Dichtern und Denkern. Die Nazis wollten das „Darwinsche Prinzip“ so wie sie es (nicht wirklich) verstanden haben, mit absoluter „Ordnung und Disziplin“ durchsetzen. Sie haben übertrieben, meinten sie müssten immer mehr und noch mehr „absolute Ordnung und Disziplin“ durchsetzen. Letztlich haben sie mit Krieg und massenweisen Tötungen (Morden) versucht ihre Sichtweisen durchzusetzen, dabei ein unermessliches Blutbad angerichtet. Das System ist entartet.

    Die Kommunisten wollten früher ihre eigene Sicht von „absoluter Gerechtigkeit“ mit Gewalt durchsetzen. Der Krieg wurde ihnen aufgezwungen. Aber auch sie haben sich wegen massenweiser Tötungen schuldig gemacht. Letztlich ist auch ihr System entartet, weil sie „übertrieben“ haben.

    Die Chinesen haben sich Teile der Ideologie bewahrt und versuchen es mit Hochtechnologie und bester Steuerung der Wirtschaft. Eigentlich waren sie bisher (nach Mao) sehr erfolgreich. Bin neugierig, ob sie es schaffen ihre „Meisterprüfung“, die Konjunkturzyklen perfekt steuernd „auszugleichen“, zumindest so, dass es kein „Arbeitslosenelend“ mehr gibt und gleichzeitig die Produktivität (wenn es ihnen zu gut geht, könnten Menschen nachlässig werden) immer so hoch ist, um einen „nützlichen Wohlstand für Alle“ zu schaffen und sinnvoll weiter zu entwickeln.

    Eine Ideologie kann selbst aber auch dann entarten, einen Staat scheitern lassen, wenn ein Volk etwas sehr positives wie „das absolute Recht“ anstrebt.
    Die Gesellschaft zerbricht an der „Rechthaberei“, es gibt keine Tötungen, einen Staat kann es trotzdem innerlich zerreißen, das Volk „verlässt“ den Staat und muss über die ganze Welt verstreut leben.

  18. @Schleim

    Tja, in meinem System des Zusammenlebens, gäbe es keine Ungerechtigkeiten, und jeder Tag wäre ein Tag zur Feier von Freiheit und Wahrheit – eine Wirklichkeit in der sogar Nazis zweifellos wieder Mensch werden können.

  19. Dr. Webbaer
    05.05.2020, 08:32 Uhr
    Das deutsche Volk (Darf so heutzutage noch formuliert werden?) hätte sich nach der Wiedervereinigung durch Wahl eine neue Verfassung geben sollen

    ________________________________________
    Aus welchem Grund hätte das Deutsche Volk das tun solllen?
    Ist das Deutsche Volk denn nicht zufrieden mit seiner Verfassung?

  20. @Elektroniker

    „Wenn Sie sich fragen wie diese “Sache” mit dem Nationalsozialismus seinerzeit passieren konnte und auch noch andere weltweite politische Exzesse erklären wollen, so wäre ich der Meinung, dass Systeme einfach entarten können, wenn mit an sich „positiven Werten“ übertrieben wird.“

    Der Nationalsozialismus war von vorneherein nicht auf „positive Werte“ angelegt. Hitler hatte in seinem Buch „Mein Kampf“ ja vieles bereits beschrieben, was dann traurige Realität wurde.

  21. wenn mit an sich “positiven Werten” übertrieben wird.

    Mich interessiert ja sehr wie das zu verstehen sein soll.

  22. @ Mona 06.05.2020, 11:17 Uhr

    Ich bin kein Historiker, mich interessieren im Zusammenhang mit der Nazi Ideologie eher psychologische Aspekte. Welche psychologischen Mechanismen grundlegend wirksam waren um Menschen derart zu manipulieren, dass sie zu Massenmördern wurden.

    Ich will keineswegs die Nazis verteidigen. Es gab nach dem 1. Weltkrieg großes Elend und Chaos im Land. Joseph Goebbels, der Reichspropagandaleiter verstand es, hauptsächlich über das relativ neue Medium „Radio (Volksempfänger)“, systematisch einen großen Teil des Volks „gleichzuschalten“ und zum „kollektiven Massenwahn“ zu verführen. Bei dieser Ideologie geht es hauptsächlich um Ordnung und Disziplin, teilweise bis zum Exzess getrieben.

    Die meisten Menschen haben „Mein Kampf“ kaum gelesen und verstanden nicht dass diese Ideologie Krieg, systematischen Massenmord, letztlich auch die eigene Vernichtung bedeuten kann.

    Es ist alles eskaliert, letztlich mit einer riesigen Zahl nicht nur an Kriegsopfern, sondern auch mit Todesurteilen und Massenmorden entartet, auch weil vielen Nazis das nahe Ende klar wurde, so dass sie rücksichtslos wurden, sie hatten nichts mehr zu verlieren. Im Kampf den Tod zu finden war für sie attraktiver als wehrlos aufgehängt zu werden. Da haben sie sich keine Illusionen gemacht.

    Am Anfang gab es Arbeit, hauptsächlich allerdings in der Kriegswirtschaft und es ist vielen Menschen nicht aufgefallen was das bedeutet. Danach kam der Krieg, die spektakulären Luftangriffe auf Coventry, London und Birmingham mit ungefähr 27 000 zivilen Opfern.

    Das war ein Fanal und der Auftakt für die Bombardierungen, letztlich der Vernichtung Deutschlands.

    Wegen der Zerstörungen und der Opfer schaukelte sich in der Bevölkerung ein Hass gegen alle Gegner der Naziideologie aber auch gegen die Nazis selbst auf, mit unglaublich vielen Tötungen.

    Interessant war, dass die Amerikaner und auch die Russen die Bevölkerung nach Kriegsende „durchgefüttert“ und wieder auf die „eigenen Beine“ verholfen haben.
    Nazis versuchten die Bevölkerung davon abzuhalten die Hilfe anzunehmen, weil sie vermuteten, man würde die übrig gebliebenen Menschen vergiften. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass es auch Humanität gibt. Wofür wir den Amerikanern, auch den Russen, dankbar sein sollten.

    Ich habe so um 1950 gehört, dass es ehemalige Nazis nachträglich nicht verstehen konnte, wie man sie derart „verrückt“, zu „gläubigen Nazis“ machen konnte.

  23. Oh Elektroniker, Du hast Dich offensichtlich zu sehr um die Elektronik und um die funktional-bewusstseinsbetäubte Teilnahme am “gesunden” Konkurrenzdenken für “Wirtschaftswunder” und “soziale Errungenschaften” gekümmert, also an der leichtfertigen Delegierung von Vernunft und Verantwortungsbewusstsein an die “Treuhänder”/Sündenböcke des imperialistisch-faschistischen Kreislaufes im nun “freiheitlich”-konfusionierten Wettbewerb, der unwahrheitlichen Symptomatik des geistigen Stillstandes seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (Mensch erster und bisher einzige geistige Evolutionssprung)!

  24. @ hto 07.05.2020, 15:54 Uhr

    Werter hto, Du wirst es nicht für möglich halten, auch mir war das “gesunde Konkurrenzdenken“ mein ganzes Leben zutiefst zuwider, habe soweit als möglich immer auf Kooperation gesetzt, sie musste nicht einmal immer fair sein.

    Manchmal gab es so etwas wie „Augenblicke“ großer Kooperation, auf vielen Gebieten des Lebens und zufällig. Das dabei ausgehende „Glücksgefühl“ haben fühlbar fast alle Menschen in meiner Umgebung genau so „wunderschön“ empfunden und genossen wie ich.

    Leider waren es mitunter nur kurze „Momente des Glücks“. Eine einzige plötzlich dazu kommende Person konnte mit wenigen Worten alles zerstören. Die wunderbaren Momente des „kleinen Glücks“ zerplatzten wie Seifenblasen, wie Träume.

    Es war immer wie eine „kleine Vertreibung aus dem Paradies“, man konnte nur einen kurzen Blick hineinwerfen, musste danach wieder in die Realität flüchten. Damit musste man zurechtkommen. Ich war zum Glück so flexibel, vielleicht weil ich die psychologischen Gegebenheiten ganz gut nachvollziehen konnte, dass ich damit keine Probleme hatte.

    Damit muss man leben können, ich glaube das kann man lernen.

    Ich sehe keinen anderen Weg….

  25. @Elektroniker #18:45

    Was Du geschrieben hast ist für mich rätselhaft.
    Zur Psychologie des Systems: Ausbeutung, Erpressung, Korruption/Korrumpierbarkeit, Intrigen, Kapitulation – Nur wenn es um die Vernunft zur Menschlichkeit geht, ist Kooperation und Kompromissbereitschaft angebracht, solange bis …!

  26. @Elektroniker

    Wenn nur eine Person, einen massenhaften Zustand der Glückseligkeit zerstören kann, dann muss etwas sehr faul/schief laufen!?

  27. @Elektroniker

    „Ich habe so um 1950 gehört, dass es ehemalige Nazis nachträglich nicht verstehen konnte, wie man sie derart „verrückt“, zu „gläubigen Nazis“ machen konnte.“

    Sieht man einmal davon ab, dass die Nationalsozialisten den Menschen nach dem verlorenen ersten Weltkrieg versprachen, sie wieder in Lohn und Brot zu bringen, dann erklärt das noch nicht die kollektive Begeisterung für das NS-Regime. Diese wurde erst mit einer umfassenden Propaganda, religionsähnlichen Ritualen und Prozessionen (Aufmärschen) sowie einer gigantischen Architektur, die an Tempel oder Kathedralen erinnert, erreicht. Und über all dem stand Hitler, den man wie einen Messias feierte.
    Den Kriegsverlierern erzählten die Nazis, dass sie ja eigentlich eine Herrenrasse seien und somit die Krone der Schöpfung. Kurzum, es wurde ein Mythos geschaffen, der das magische Denken der Menschen beflügelte und sie jede Vernunft vergessen ließ. Solche Tricks kennt man ja aus der Werbung, wenn beispielsweise jungen Männern versprochen wird, sobald sie den Duft der Marke XY kaufen gehören wir zu den Auserwählten, denen sämtliche Frauen hinterherlaufen. Der Mythos zielt auf das Gefühlsleben der Menschen ab und lässt sich nicht mit Logik erklären.

    Buchempfehlung: „Vom Mythos des Staates“ von Ernst Cassirer.

  28. @ Mona 07.05.2020, 21:16 Uhr

    Lohn und Brot waren (neben Zusammenhalt, Fürsorge, Freizeitbeschäftigung (KdF), ….) hauptsächlich die rationalen Begründungen dafür, dass sich viele Menschen den Nazis zugewandt haben.

    Heutzutage wissen, wegen der höheren Bildung, vergleichsweise viele Menschen dass es neben den rationalen Gründen auch psychologische Gründe für bestimmte Einstellungen und Entscheidungen gibt, eigentlich genau so so wie Sie es angeführt haben.

  29. @ hto

    Kooperation und Kompromissbereitschaft wäre möglichst immer angebracht, nur so „gut und edel“ ist der Mensch meistens nun einmal nicht. Realistisch sind höchstens „Glücksmomente“ und die gibt es auch.

    Ausbeutung, Erpressung, Korruption/Korrumpierbarkeit, Intrigen, Kapitulation – sollten eben möglichst minimiert werden.

    Ich habe als Beispiel an eine kleine Episode aus dem täglichen Leben gedacht, die sich allerdings vor längerer Zeit „abgespielt“ hat. In einer wenig besetzten Straßenbahn ist jemand eingestiegen, hatte falsche Fahrscheine und konnte sich nicht zurechtfinden.

    Die anderen Passagiere haben ihm die Fahrtroute geduldig erklärt, einer hat ihm sogar einen Fahrschein geschenkt. Für einige Minuten schien die Welt eine bessere Welt zu sein.

    Bis eine ältere Person eingestiegen ist und in der halb leeren Straßenbahn einen Jungen anbrüllte, sofort seinen Platz (der für Ältere und Behinderte freigehalten werden sollte) freizugeben. Danach hat er sich wütend über die „heutige Jugend“ ausgelassen.

    Die Mitfahrer haben sich Blicke zugeworfen, vermutlich alle und auch ich haben sie so interpretiert: Wie schön könnte die Welt sein, wenn nicht ….

    Irgend jemand „fällt immer aus der Rolle“, ist ein Ekel, für Ausbeutung, Erpressung, Korruption/Korrumpierbarkeit, Intrigen, Kapitulation ….

    Ich fürchte, es war immer so und wird immer so sein. Höchstens „Besserungen“ scheinen möglich.

  30. @Elektroniker

    Ja, wie schön und wirklich-wahrhaftig könnte diese Welt OHNE Wettbewerb und ohne die daraus resultierende Symptomatik sein – wenn da nicht VOR ALLEM diese durch “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” MANIPULIERTE ANGST vor Sozialismus/Kommunismus/Gemeinschaftseigentum wäre!?

  31. @Elektroniker

    Übrigens, es gibt da dieses Genossenschaftsmodell, dass auf die Kooperation im Gemeinschaftseigentum hin deutet, aber eben nur sehr exklusiv, denn als arbeitsloser/mittelloser Anhänger dieser Richtung, bleibt man davon (nicht nur systembedingt!) auch ausgeschlossen!

  32. @Elektroniker “Ich habe so um 1950 gehört, …”

    Dabei ist es so einfach: Die Angst vor Sozialismus/Kommunismus/vor eindeutiger Wahrheit/Wertigkeiten, steckte schon tief manipuliert/gebildet im Bewusstsein der Menschen. Was dann noch bleibt, ist die totale Kapitulation, vor dem System in Gewinner und Verlierer und vor dem totalen Krieg, doch dieser drohende Krieg/die Abrechnung des “Zusammenlebens”, ist im Rausch des Gewinnens weit entfernt.

    Heute, im nun “freiheitlichen” Wettbewerb, ist es nicht viel anders!

  33. Ich persönlich kann mit dem oben erwähnten Begriff “Volk” nichts mehr anfangen. 1989 war man so naiv und ist deswegen in der DDR auf die Straße gegangen,(Wir sind ein Volk), aber im Prinzip geht’s doch wohl nur um Machtinteressen, Lobbyismus, Bereicherung, die Verwirklichung des eigenen Egos, Dax-Werte etc. in einer Turbo- Gesellschaft. Der deutsche Imperialismus, der diese zwei Weltkriege zu verantworten hat, benutzte das Volk als Kanonenfutter um die Profite zu maximieren bzw. weltweit zu expandieren. Diese kriegerische Variante, die damals scheiterte, ist heute nicht mehr notwendig und man benötigt auch kein VOLK mehr dafür sondern Völker die für Hungerlöhne Profitmaximierung und den Bankenwahnsinn ermöglichen.Entsprechende national- sozialistische Ideologien, die das “Volk ” instrumentalisieren sollten, werden durch globale Sichtweisen ersetzt.Das internationale Finanzkapital benötigt keine Völker mehr sondern hat sich neue und moderne Strukturen von Ausbeutung und Profitmaximierung geschaffen. Völker scheinen also in dem Sinne ein Auslaufmodell aus der Mottenkiste der Heimatfilme zu sein. Eigentlich hatte es ja dieses Deutsche Volk auch nie so richtig gegeben, sondern immer nur lobbyistische Machtinteressen die diese “Nation” benutzten um sich zu bereichern.

  34. @Elektroniker

    Ich will keineswegs die Nazis verteidigen.

    Wenn man Ihren Beitrag mit großem Wohlwollen nicht als Verteidigung der Nazis werten will, dann zumindest als grobe Verharmlosung.

    Es gab nach dem 1. Weltkrieg großes Elend und Chaos im Land. Joseph Goebbels, der Reichspropagandaleiter verstand es, hauptsächlich über das relativ neue Medium „Radio (Volksempfänger)“, systematisch einen großen Teil des Volks „gleichzuschalten“ und zum „kollektiven Massenwahn“ zu verführen.

    Die Nazis sind nicht irgendwie in ihre Ämter geflogen, sondern sie wurden hineingewählt. Und zwar nicht unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg, sondern 15 Jahre danach.

    Bei dieser Ideologie geht es hauptsächlich um Ordnung und Disziplin, teilweise bis zum Exzess getrieben.

    Nationalsozialismus ist also – laut Ihren Worten – hauptsächlich Ordnung und Disziplin, bloß eben ein bißchen exzessiv? Auweia.

    Die meisten Menschen haben „Mein Kampf“ kaum gelesen und verstanden nicht dass diese Ideologie Krieg, systematischen Massenmord, letztlich auch die eigene Vernichtung bedeuten kann.

    Man brauchte nicht “Mein Kampf” zu lesen, um wissen zu können, was die Nazis wollten. Das hatten sie in zahllosen Wahlkampf- und Parteitagsreden offen zum Ausdruck gebracht. Und Ihre Formulierung “bedeuten kann” ist in diesem Zusammenhang eine maßlose Untertreibung.

    Es ist alles eskaliert, letztlich mit einer riesigen Zahl nicht nur an Kriegsopfern, sondern auch mit Todesurteilen und Massenmorden entartet, auch weil vielen Nazis das nahe Ende klar wurde, so dass sie rücksichtslos wurden, sie hatten nichts mehr zu verlieren.

    Und noch mehr Verharmlosung. Es ist nicht einfach nur “eskaliert”. Der Krieg war von Hitler von vornherein geplant, genauso wie die Verfolgung der Juden. Und die Todesurteile sind nicht einfach nur eine “Entartung”, sondern typisches Merkmal eines Unrechtssystems.

    Sie brauchen dringend mal ein paar Nachhilfestunden in Geschichte.

  35. @ Querdenker 08.05.2020, 12:01 Uhr

    Ich weiß nicht ob es angemessen ist, als immer im Westen ungefähr “durchschnittlich lebender” meine Sicht darzustellen.

    Ich kann mir vorstellen, dass viele „Ostbürger“ schwer darunter gelitten haben, dass ihre Biographie (wegen der Firmenzusammenbrüche) in einem „Trümmerhaufen“ geendet hat. Noch dazu hat die DDR den Werktätigen besonders viel Sicherheit geboten und genau dann, als man sie brauchte war es aus damit. Ich kann zumindest nachvollziehen was das bedeutet.

    Aber andererseits: Verglichen mit der Eltern und Großelterngeneration leben wir alle in sehr hohem Wohlstand und auch noch in Frieden. Die medizinische Versorgung ist gut.

    Zitat:
    1.)…aber im Prinzip geht’s doch wohl nur um Machtinteressen, Lobbyismus, Bereicherung, die Verwirklichung des eigenen Egos, Dax-Werte etc. in einer Turbo- Gesellschaft.

    Auch in der DDR ging es um politische Macht, das Ego (besonders der Schwerarbeiter) wurde von den Politikern durchaus „gestreichelt“, Planerfüllung war auch in er DDR wichtig.

    2.)Der deutsche Imperialismus, der diese zwei Weltkriege zu verantworten hat, benutzte das Volk als Kanonenfutter um die Profite zu maximieren bzw. weltweit zu expandieren.

    Auch in der DDR wollte man Devisen erwirtschaften um Wohlstandgüter erwerben zu können.

    3.)Diese kriegerische Variante, die damals scheiterte, ist heute nicht mehr notwendig und man benötigt auch kein VOLK mehr dafür sondern Völker die für Hungerlöhne Profitmaximierung und den Bankenwahnsinn ermöglichen.

    „Profitmaximierung“ bedeutet, um möglichst „zielgerichtet“ zu produzieren wird jegliche „unnötige“ Arbeit vermieden. So können die Güter günstig verkauft werden und auch von Kleinverdienern erworben werden. Die Unternehmer erwirtschaften Kapital dass sie zum großen Teil in neuen Arbeitsplätzen investieren.

    4.)Entsprechende national- sozialistische Ideologien, die das “Volk ” instrumentalisieren sollten, werden durch globale Sichtweisen ersetzt.Das internationale Finanzkapital benötigt keine Völker mehr sondern hat sich neue und moderne Strukturen von Ausbeutung und Profitmaximierung geschaffen.

    Globale Sichtweisen , erzwingen eine kostengünstige Produktion, die Güter können sich auch Kleinverdiener leisten. Das internationale Finanzkapital benötigt keine „Völker“ mehr, es beutet zunehmend Maschinen und Roboter aus, die „Menschen“ benötigt das Kapital hauptsächlich nur noch als Kunden.

    5.)Völker scheinen also in dem Sinne ein Auslaufmodell aus der Mottenkiste der Heimatfilme zu sein. Eigentlich hatte es ja dieses Deutsche Volk auch nie so richtig gegeben, sondern immer nur lobbyistische Machtinteressen die diese “Nation” benutzten um sich zu bereichern.

    Lobbyisten vertreten eine gesamte Branche z.B. die Autowirtschaft. Die ist nicht nur wegen der Arbeitsplätze wichtig, sie erwirtschaftet wichtige Devisen für unseren Wohlstand.

    „Bereicherung“ bedeutete früher hauptsächlich, dass man die Not und mangelnde Konkurrenz für „Wucherpreise“ ausnutzen konnte. Durch die Globalisierung wurde die Konkurrenz extrem gefördert und irgendwo kann immer billiger produziert werden. So gibt es kaum noch Wucher und Bereicherung.

    Ich vermute, dass die vielen kleinen Vermögen immer mehr verschwinden werden, weil keine Preise mehr am Markt zu erzielen sind die eine Vermögensbildung/Vermehrung ermöglichen. Es wird immer weniger und größere Vermögensverwaltungsfirmen geben, die sich mit immer kleineren Gewinnmargen zufrieden geben müssen.

  36. @Frankfurter 05.05.2020, 20:21 Uhr

    Soweit ich weiss, war dieser Weg in der Präambel des Grundgesetzes genannt. Stattdessen traten die “neuen Bundesländer” der BRD bei.

  37. @Elektroniker

    Aha, alles wird sich automatisch in Wohlgefallen auflösen, das ist also die Psychologie dieser Welt- und “Werteordnung”???

  38. @ Spritkopf 08.05.2020, 13:52 Uhr

    Zitat: „Wenn man Ihren Beitrag mit großem Wohlwollen nicht als Verteidigung der Nazis werten will, dann zumindest als grobe Verharmlosung.“

    Verstehe nicht was Sie mir als Verharmlosung vorwerfen wollen. Ich habe die nachstehenden, nicht gerade „schmeichelhaften“ Begriffe im Zusammenhang mit den Nazis verwendet. (Auszug aus meinem Text)

    Menschen derart zu manipulieren, dass sie zu Massenmördern wurden.
    Teil des Volks „gleichzuschalten“ und zum „kollektiven Massenwahn“ zu verführen.
    Ordnung und Disziplin, teilweise bis zum Exzess getrieben.
    systematischen Massenmord, letztlich auch die eigene Vernichtung
    Todesurteilen und Massenmorden entartet
    27 000 zivilen Opfern.
    unglaublich vielen Tötungen.
    verrückt“, zu „gläubigen Nazis

    Zitat: „Die Nazis sind nicht irgendwie in ihre Ämter geflogen, sondern sie wurden hineingewählt. Und zwar nicht unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg, sondern 15 Jahre danach.“

    Das Volk wurde vorher massiv manipuliert. Das ist ein Vorwurf an die regierenden Nazis. Hatte jemand Bedenken, wurde er von gut meinenden Freunden, Nachbarn aufgefordert, lieber nichts zu sagen, sonst kommt er an die Front bzw. ins KZ.

    Zitat: „Nationalsozialismus ist also – laut Ihren Worten – hauptsächlich Ordnung und Disziplin, bloß eben ein bißchen exzessiv? Auweia.“

    Nicht nur ein bisschen Ordnung und Disziplin, sondern eben exzessive Ordnung und Disziplin bis zur perversen Entartung.

    Die Nazis haben die Begriffe „Mord“ im Zusammenhang mit ihrer „Endlösung“ aus naheliegenden Gründen nicht verwendet, daher haben die naiven Zuhörer
    der Nazi Propaganda auch nicht an Mord gedacht. Die meisten Zuschauer haben nicht einmal verstanden, dass das Gelaber der Nazis, letztlich „in den Krieg einrücken“ mit allen Implikationen bedeutet. Das wurde vielen erst klar, als sie in einem Erdloch in Stalingrad saßen.

    Dass der Krieg von Hitler geplant war ist doch klar. Außergewöhnlich waren die systematischen Massentötungen der Juden, Andersdenkenden….
    Das hat es z.B. im 1. Weltkrieg nicht gegeben. Dass waren ganz besondere „Exzesse“, der „normale Krieg“ ist zu zusätzlichen Massenmorden entartet.
    Letztlich ist auch das Rechtssystem entartet, weil man z.B. wegen eines Witzes umgebracht werden konnte.

    Todesurteile gibt es auch in Amerika, deswegen sind sie allein kein Merkmal eines Unrechtssystem.

  39. Steinmeier heute: “Wenn Europa scheitert, dann scheitert auch das NIE WIEDER” – Das klingt doch schon wie die Vorhersage von einem der seine Hände in Unschuld waschen möchte, besonders wenn man bedenkt, dass Kramp-Karrenbauer auch F-18 Bomber von den Amis kaufen will, weil diese auch Atomwaffen tragen können!?

    Europa???
    Wer angesichts der Globalisierung des “freiheitlichen” Wettbewerbs an das NIE WIEDER glauben will, der kann doch nicht sauber ticken im Hirn!?

  40. @Elektroniker

    „Das Volk wurde vorher massiv manipuliert.“

    Besonders fatal finde ich es, dass man sogar die Mütter dazu brachte keine Bindung zu ihren Kindern aufzubauen. „Um sie zu guten Soldaten und Mitläufern zu machen, forderte das NS-Regime Mütter dazu auf, die Bedürfnisse ihrer Babys gezielt zu ignorieren. Sie sollten emotions- und bindungsarm werden.“
    In der Schule bestand der gesamte Unterricht aus massiver ideologischer Beeinflussung und der Stärkung des Nationalgefühls, um sie dann in eine der Massenorganisationen einzugliedern, die das Nazi-Regime flächendeckend aufbaute. Dort fanden überzeugte Anhänger dann oft auch eine Art Ersatzfamilie.

    Von den damals geborenen Menschen hört man häufig, dass sie von ihren Eltern nie in den Arm genommen wurden. Relikte dieser schädlichen Erziehung haben sich teilweise bis heute erhalten und dürften der Grund für so manche Depression sein.
    Näheres hier: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2018-07/ns-geschichte-mutter-kind-beziehung-kindererziehung-nazizeit-adolf-hitler

  41. @ Mona 08.05.2020, 20:38 Uhr

    Nach dem Krieg hatten die Psychiater jahrelang zu tun um die von den Nazis mit ihrer „Erziehung“ ausgelösten psychischen Defekte zu behandeln.

    Man hat z.B. die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum „Hospitalismus“ geradezu „umgedreht“. Angefangen damit, dass die Säuglinge nur zu bestimmten Zeiten gewickelt wurden, oder wie Sie sagen emotions- und bindungsarm aber auch mittels absurder Strafen erzogen wurden.

    Der Heldenmutter Kult hatte mitunter absurde Folgen. Söhne wurden vorwurfsvoll (von der eigenen Mutter) gefragt ob sie auch tapfer genug gewesen seien, weil sie überlebt hatten während alle anderen Brüder gefallen sind.

  42. Rudi Knoth
    08.05.2020, 17:23 Uhr
    Stattdessen traten die “neuen Bundesländer” der BRD bei.

    ____________________________
    Ja, sie traten der BRD bei.
    Verstehe aber immer noch nicht, warum wir uns eine neue Verfassung hätten geben sollen.

  43. @Frankfurter

    Genau, verstehe ich auch nicht, dadurch wird auch nichts besser.

    Die Verfassung der BRD und dieser imperialistisch-faschistischen Welt- und “Werteordnung” ist KONFUSION im nun “freiheitlichen” Wettbewerb, also kann eine (rückversichernde) Niederschrift auch nur KOMMUNIKATIONSMÜLL sein, für ein Rechtssystem wie “Stolz auf KINDERKACKE”, wenn bedenkt das die Verfasser es ernst meinten.

    Eine wirklich-wahrhaftig Welt- und Werteordnung, die BEFREIT ist von Unwahrheit und ihrer kreislaufenden Symptomatik, braucht keine niedergeschriebene Verfassung.

  44. hto
    10.05.2020, 08:53 Uhr

    Genau, verstehe ich auch nicht, dadurch wird auch nichts besser.

    _______________________________
    Wenn iunsere jetzige Verfassung schlecht wäre, und wir würden uns eine neue und bssere zulegen, dann würde natürlich “etwas beser”.
    Nur sehe ich da keinen Handlungsbedarf und das “Deutsche Vok” offensichtlich auch nicht.
    Von Ihren weiteren Ausführungen über “faschistisch imperalistische Weltordnung”, “Stolz auf Kinderkacke”, “befreit von Unwahrheit”,…verstehe ich kein einziges Wort. Ich vermute stark, nichtmal Sie selber wissen was konkret Sie mit diesen Phrasen sagen wollen.

  45. Mona
    10.05.2020, 09:28 Uhr

    @Frankfurter

    Ich denke Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass Deutschlands Verfassung Grundgesetz heißt.

    ____________________________
    Sie denken richtig.
    Mir ist bekannt, dass unsere Verfassung “Grundgesetz” genannt wird, und ich habe es auch nie bezweifelt.
    Sie brauchen es also nicht über irgendeinen Link zu belegen.

  46. @Frankfurter

    “… uns eine neue und bessere zulegen, …”

    Genau, denn Papier ist ja auch geduldig wie …!?

  47. Das deutsche Volk (Darf so heutzutage noch formuliert werden?) hätte sich nach der Wiedervereinigung durch Wahl eine neue Verfassung geben sollen. [Dr. Webbaer]
    Aus welchem Grund hätte das Deutsche Volk das tun solllen?
    Ist das Deutsche Volk denn nicht zufrieden mit seiner Verfassung? [Kommentatorenfreund ‘Frankfurter’]

    Erst einmal aus “formalen” Gründen, wegen des Verfassungssubstituts, vergleiche :
    -> https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/grundgesetz-und-parlamentarischer-rat/39014/warum-keine-verfassung
    -> https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_146.html

    Zudem sind Verfassungen so-o wichtig, dass sie in liberalen Demokratien per Mehrheitsbeschluss des Volkes, des Wahl- oder Staatsvolkes anzunehmen sind, so meinen einige bis viele. (Dr. W will die BRD nicht als vermurkste Demokratie bezeichnen, sie hat ihre Schwächen, die “Ostdeutschen” hätten aus seiner Sicht nach 1989 besser mitgenommen werden können, wie auch die “Westdeutschen” wohl nichts gegen erneute Legitimation gehabt hätten.)

    Das Volk (s.o.) ist der Souverän, der Gewählte “nur” Mandatsträger auf Zeit und nicht als Elite so auserkoren, sondern sozusagen populistisch verantwortlich, wobei Dr. W hier einmal “populistisch”‘ positiv konnotiert und “eli(ar)istisch” negativ, was vereinfachend ist, korrekt ist, dass Mandatsträger in einer liberalen Demokratie einen sinnhaften Mittelweg zwischen “Populismus” und “Elit(ar)ismus” anstreben und die Extrema meiden.

    Es kann gut sein, dass ein Mandatsträger auch mal unpopuläre Entscheidung trifft, dies zum Wohle der Wähler (nie aber zu seinem eigenen Wohle), denn er ist ja auch als Person (!) gewählt worden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der dem werten hiesigen Inhaltegeber auf seine dankenswerterweise im Kommentariat erfolgten Reaktionen nicht antworten wird, auch weil sie ihm zustimmungsfähig erscheinen, btw : gute Arbeit!)

  48. @ Kommentatorenfreund ‘Elektroniker’ und hierzu kurz :

    Wenn Sie sich fragen wie diese “Sache” mit dem Nationalsozialismus seinerzeit passieren konnte und auch noch andere weltweite politische Exzesse erklären wollen, so wäre ich der Meinung, dass Systeme einfach entarten können, wenn mit an sich „positiven Werten“ übertrieben wird.

    Vielen Dank für Ihr Re-Feedback, tja, Dr. Webbaer schätzt Ihre kleinen Nachrichten, also es geht um die Frage, wie liberale Demokratien ins Verbrecherische kippen können.

    Dr. W hat abweichend von Ihnen (“dass Systeme einfach entarten können”) die Meinung, dass liberale Demokratien nur dann ‘entarten’ können, wenn die Menge der Demokraten nicht ausreicht gemeinte ‘Entartung’ zu stoppen.

    Dr. W hält sich hier am Böckenförde-Diktum fest :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Böckenförde-Diktum

    Soll heißen : Es gab zahlenmäßig seinerzeit im Deutschen Reich und nach dem wenig seligen Versailler-Vertrag zu wenige Demokraten.
    I.p. Deutschland war halt blöde, dass die Deutschen womöglich als Kulturvolk nicht nur als fähig galten, sondern es auch waren (bis sind), als “Organisationsweltmeister”, und viele Leutz es satt hatten, wenn auf den Straßen mal diese und mal jene marschierten (mit Stiefeln und so, klack, klack, klack, Dr. Webbaer konnte noch viele Zeitzeugen interviewen), auch die SPD ist seinerzeit marschiert ( >:-> ) und sich dann irgendwie politisch desorientieren ließen, zumal eben auch nicht so-o viele (liberale) Demokraten damals vorhanden waren.

    Die Schumacher-SPD war bspw. auch sozialistisch, die SPD konnte erst im sog. Godesberger-Programm demokratisch grundiert werden, und auch die politische Rechte seinerzeit war von Monarchisten, zum Autoritarismus generell neigenden Kräften und von extremen Nationalisten durchsetzt.

    Soll heißen, so die diesseitige Einschätzung, dass das hoch zivilisatorisch leistende Gesellschaftssystem “Liberale Demokratie” [1] nur dann abgelöst werden kann, wenn die individuelle Zuneigung zur Freiheit bei der Menge für den Erhalt nicht mehr ausreicht, “Unfälle” dagegen kann es aus diesseitiger Sicht nicht geben, die zur Ablösung des mehrfach genannten Gesellschaftssystems führen, das Deutsche Reich seinerzeit war also von Anfang an, seit 1918 schlicht demokratisch instabil.

    Die historische Datenlage ist ja auch recht klar, Liberale Demokratien vergehen nie endgültig und der sog. demokratische Frieden ist ein sinnhaft gebildetes Konstrukt, vergleiche :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Frieden

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    [1]
    Liberale Demokratien leisten aus verschieden Gründen zivilisatorisch hoch, ein Grund besteht darin, dass nur sie die “Schwarmintelligenz” lösen können, ein weiterer besteht im reglementierten friedlichen Machtwechsel und ein wichtiger dritter Grund besteht darin, dass die verfassungsgegnerische Opposition sich austoben kann, idR nicht belästigt, wenn sie nicht “kämpft”, was dem Gesamtsystem ebenfalls zu besserer Resilienz verhilft, denn in anderen Gesellschaftsystemen müssen Gegner bereits wegen “falscher Meinung” eingesperrt oder zumindest kujoniert werden, was beträchtliche Ressourcen der Staatsleistung abzieht.

  49. Dass die NS-Zeit geschehen hat können liegt wohl hauptsächlich an der damaligen großen Unzufridenheit der Bevölkerung.
    Da wo das Land in Schutt und Asche gelegt wurde ohne dass das militärisch notwendig gewesen wäre, wo das Land unter (manchen) Besatzen auch sehr zu leiden hatte und das Land nachher über Jahrzehnte geteilt wurde, da ist der Begriff der Befreiung dann doch übertrieben.

  50. @Markweger: Weltwirtschaftskriese, Arbeitslosigkeit, Unzufriedenheit, das ist bekannt…

    …doch auch in anderen Ländern gab es solche Probleme. Ich denke, dass in Deutschland noch einige politische Faktoren, jahrelange militaristische Propaganda, die nicht überwundenen Traumata des Ersten Weltkriegs und schließlich das geschickte machpolitische Taktieren der Nazis im Zusammenhang mit Problemen im Staatsapparat/der Verfassung dazu kam.

    In der ARD-Mediathek finden sich übrigens viele interessante Dokumentationen zum Thema: 75 Jahre Kriegsende.

  51. Na ja, jedenfalls eine Reihe von Faktoren die ein Fanatiker auszunützen wußte.
    Es hat auch in einer Reihe anderer Länder Radikale und Fanatiker gegeben, nur nicht mit der gleichen Auswirkung. Die sind deshalb praktisch in Vergessenheit geraten.
    Ein großer Staat mit großer Wirtschaftskraft mit einem Fanatiker an der Spitze das war dann eben fatal.
    Die Entwicklung als solche war nach dem 1. Weltkrieg durchaus nicht einzigartig, nur dass die Fanatiker kleinerer Staaten nicht eine weltweite Katastrophe auslösten.

  52. Dr. Webbaer
    11.05.2020, 15:01 Uhr

    “… so meinen einige bis viele.”

    _______________________________________________
    …und noch mehr Andere wiederum meinen, es besteht kein Anlass eine Verfassung zu ersetzen, wenn die Mehrheit des Volkes daran überhaupt kein Interesse hat.

  53. @Schleim #09:54 Uhr

    Wenn wir den Kaiser noch fragen könnten, wer ihn aus welchen wirtschaftlichen Interessen zum 1. Weltkrieg getrieben hat, dann hätten wir ziemlich sicher auch die Kriegstreiber des 2. WK – Vielleicht gibt es ja Nachfahren des Kaisers die Bescheid wissen und Klartext reden wollen? Vielleicht gibt es sogar schriftliches Beweismaterial, was diese “blaublütige” Bande heute als Druckmittel nutzt??

    Jedenfalls wird das Grund- und Menschenrechte verletzende “Zusammenleben” immernoch von Wirtschaft und Lobbyismus im multischizophrenen Parlamentarismus bestimmt.

  54. Vermutlich hat Hitler und seine politische Umgebung, hauptsächlich Göring, abgesehen davon dass sie einen verrückten Angriffskrieg praktisch gegen die ganze Welt vom Zaun brachen, 2 schwere politische „Denkfehler“ gemacht.

    Sie meinten den Gegensatz zwischen Amerika und Russland (Kapitalismus – Kommunismus) ausnutzen zu können um die „Weltherrschaft“ anzustreben, weil die niemals kooperieren würden. Den gleichen Fehler hat der Islamische Staat kürzlich gemacht, der genau so die „Weltherrschaft“ anstrebte wie ehemals Hitler. Wenn es ums “Eingemachte“ geht, ist Amerika und Russland ein „Herz und eine Seele“.

    Der 2. grundlegende Fehler war die Vermutung, mit einem die Bevölkerung demoralisierenden Bombenkrieg, Coventry, London und Birmingham zunächst einmal England zu besiegen. Deutschland könne wegen der überlegenen Luftwaffe nicht verlieren. Vor dem Krieg soll Göring damit angegeben haben, er wolle „Meier heißen, wenn auch nur ein einziges feindliches Flugzeug die deutsche Grenze „überfliegen“ werde.

    Angeblich konnte England wegen seiner erstklassigen Radartechnik und der von A. Turing entwickelten Entschlüsselungstechnik (die frühzeitig die per Funk übermittelten Angriffsziele der Deutschen entschlüsseln konnten) die damals fast lächerliche englische Luftwaffe so gut koordinieren, dass sie den mit einer Überzahl an Flugzeugen angreifenden Deutschen starken unerwarteten Widerstand entgegensetzen konnten.

    Die Deutschen hatten ursprünglich als Strategie gegen England einen die Bevölkerung demoralisierenden Bombenkrieg gewählt, die Engländer leiteten daraus die Berechtigung ab, genau so zu „Antworten“. Wozu es auch kam.

    Ab ca. 1942 als es kritisch (für Deutschland) wurde, begannen hauptsächlich die Gräueltaten (Wannseekonferenz). Anders als im 1. Weltkrieg kam es zu zusätzlichen systematischen Massenmorden an zwangsweise internierten Personen.

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