Zehn Jahre MENSCHEN-BILDER

Mein Dankeschön an Sie und euch für zehn Jahre Meinungspluralismus im Interesse von Erkenntnis und Demokratie hier bei den SciLogs. Inklusive Gewinnspiel.

Heute vor zehn Jahren erschien der erste Beitrag von MENSCHEN-BILDER bei den BrainLogs, wie das Blogportal damals in kleinerer Form noch hieß. Es ging um Die Macht der Gene, also ein Thema, das in den zehn Jahren danach immer auf die Tagesordnung kommen würde.

Ich habe übrigens die Angewohnheit, alte Texte von mir nicht mehr zu lesen. Also tun Sie es bitte auch nicht. (Zu erklären, dass das mit meinem für viele wohl kontraintuitiven Verständnis von personaler Identität in der Zeit zu tun hat, würde jetzt zu einem ganz anderen Beitrag führen. Vielleicht ein kurzer Anriss: Das Ich von damals ist vergangen; wieso sollte es mich heute interessieren, was der Stephan Schleim damals geschrieben hat? In diesem Sinne war also auch das “mir” im ersten Satz dieses Absatzes falsch.)

Tradition

Die Geschichte der MENSCHEN-BILDER begann mit einer E-Mail Carsten Könneckers, der damals schon Chefredakteur des Spektrum-Magazins Gehirn&Geist war und heute noch viel mehr ist. Wir kannten uns über die Zusammenarbeit mit dem Magazin für Psychologie und Hirnforschung – damals hieß es noch: und Philosophie, heute: und Medizin –, für das unter meinem Namen schon 2005 der Artikel “Dragee zum Glück?” erschienen war, also ein Text über Cognitive Enhancement.

Wenn Sie schon bis hierhin gelesen haben, dann interessiert Sie vielleicht ein Stückchen Geschichte der SciLogs. Daher also ein Zitat aus Könneckers E-Mail vom 27. Juni 2007, mit der die Geschichte dieses Blogs beginnen sollte:

Ich habe noch eine Frage, die ich schon seit längerem mit mir herumtrage, aber bislang aus Zeitgründen nicht gestellt habe: Wären Sie interessiert, auf den Webseiten von G&G einen eigenen Blog zu haben?

Ich denke seit längerem darüber nach, ob es unsere monatliche gedruckte Berichterstattung im Heft nicht klasse ergänzen würde, wenn wir 3 oder 4 hochkarätige, fachlich fundierte Blogs auf unseren Webseiten bringen würden. So etwas wie einen Psychologie-Blog (hier habe ich auch schon konkret eine mögliche Autorin vor Augen), einen Neuro-Blog, einen Philosophie-Blog und vielleicht noch ein weiterer. Natürlich müssten diese Blogs nicht derart in “Schubladen” funktionieren. Gerade die Interdisziplinarität versuchen wir ja bei G&G hoch zu halten. Will sagen, ich suche keinen “Neuroblogger” im engen Sinne, sondern eben 3 oder 4 Persönlichkeiten, die über den Tellerrand hinausschauen und mit einer persönlichen, individuellen Note

– über Forschungen schreiben
– diese kommentieren
– Bücher oder Webseiten vorstellen, die ihnen positiv oder negativ auffallen
– vielleicht mal was Persönliches loswerden (“Mein Alltag im Labor”)

Letztlich müsste jeder der Autoren seine eigene Perspektive und seinen eigenen Stil und seine eigenen Themen definieren.

Neben der Doktorarbeit in der bildgebenden Hirnforschung und dem ersten Buch (Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung) noch einen eigenen Blog anfangen? Zu dieser Art Angebot sagte der damalige Stephan Schleim innerlich natürlich sofort ja; um zu testen, was man dabei vielleicht noch herausholen könnte, schrieb er dann aber einen Tag später um 15:13 Uhr:

Lieber Herr Könneker,

das ist ein ambivalentes Angebot, das Sie mir da machen.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Keiner der inzwischen 205 Beiträge wurde jemals für auch nur einen Euro Bezahlung geschrieben, sondern aus purer Freude zum Thema; dabei kann ich aber nicht für die acht Gastbeiträge sprechen, mit denen sich unter anderem einige Professoren und auch ein MPI-Direktor bisher an den MENSCHEN-BILDERN beteiligten. Die haben es natürlich für den unsterblichen Ruhm getan, einmal auf den SciLogs dabei sein zu können. Spaß beiseite.

Hier ein Screenshot des Blogportals von damals. Mein dort zu sehender Beitrag war der Dritte dieses Blogs. Meines Wissens haben alle anderen von damals inzwischen aufgehört, wohl mit Ausnahme von Arvid Leyhs Braincast, der schon vor den BrainLogs an den Start gegangen war.

Diskussionsfreiheit

Wichtiger als diese 205 Beiträge ist mir aber eine andere Zahl: Nämlich die der 8.312 Kommentare (zzgl. 11.030-mal Spam), die Sie, ich, wir zusammen hier bisher versammelt haben, im Schnitt also etwas mehr als vierzig pro Beitrag. Und dann noch einmal eine wichtigere Zahl ist eine sehr kleine, nämlich eine harmlose Zwei. Diese Zwei ist die Zahl der Beiträge, die ich in diesen zehn Jahren gelöscht habe, weil sie allem Anschein nach strafrechtswidrig waren.

Auch wenn ich in den vierundzwanzig Jahren meiner Online-Aktivität mit zahllosen Diskussionen mehr und mehr daran gezweifelt habe, dass in unserer sogenannten Wissensgesellschaft die Ideale der Aufklärung viel bedeuten, so zeigt diese Zahl doch, diese Zwei: Man kann Meinungspluralismus zulassen, man kann auf der Suche nach Erkenntnis auch mal härter diskutieren, ohne dass man beleidigend wird, man kann vom demokratischen Meinungsaustausch gebrauch machen, ohne dafür Autorität einzusetzen. Das schreibe ich auch mit Blick auf so manche bekannte Nachrichtenseite, die in den letzten Jahren die Diskussionsmöglichkeiten immer weiter eingeschränkt oder gleich ganz abgeschafft hat.

Meiner Erinnerung nach habe ich sonst in diesen zehn Jahren nur einmal von meinem Moderationsrecht Gebrauch gemacht, als sich nämlich der Kommentarzähler des Beitrags über Neuro-Determinismus (Warum der Neurodeterminist irrt) der 500er-Marke näherte, sich die Argumente in der Diskussion aber nur mehr wiederholten.

Doch selbst dieser Eingriff in die Diskussionsfreiheit sah so aus, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit bekamen, zu einem Stichtag ein Abschlussstatement mit vorgegebener Maximallänge einzureichen. Bezeichnenderweise machte davon neben mir aber nur der uns bis heute die Treue haltende Joker Gebrauch und kein einziger der sonst nicht gerade wortkargen Neurodeterministen. “Was soll’s?”, werden sie vielleicht erwidern. “Mein Gehirn hat das so entschieden.”

Dankbarkeit

Anstatt hier weiter alte Beiträge herauszukramen, möchte ich Ihnen allen dafür danken, dass wir zusammen dieses Zeichen gesetzt haben: Dass ein freier Meinungsaustausch über Themen von Wissenschaft, Philosophie und Gesellschaft über zehn Jahre möglich war und ist, und zwar ohne dass finanzielle Interessen im Vordergrund stünden, ohne dass es eine Meinungspolizei gäbe und ohne dass man mit technischen Mitteln Menschen an der Teilnahme hindern müsste.

Damit will ich nicht bestreiten, dass es hin und wieder Konflikte gab und dass ich mich im Umgang damit auch nicht immer maximal korrekt verhalten habe. Wir sind alle Menschen, also abhängige, verletzliche und unvollkommene Wesen; vergessen wir das nicht, sicher nicht hier bei MENSCHEN-BILDER.

Nebenbei: Der Name rührte übrigens daher, dass ich damals für die Doktorarbeit mit der funktionellen Magnetresonanztomographie bestimmte Bilder vom Menschen erzeugte, nämlich Gehirnaktivitätsbilder. Am Ende war dies weniger Thema, als ich zuerst dachte, doch dann hätte sich hier in den letzten zehn Jahren auch Vieles wiederholt. Aber man kann und sollte kritisch reflektieren, was solche Bilder bedeuten, und das haben wir hier ja auch getan (etwa in Wissenschaftskritik oder Krankheits-Bilder). Es hatte ursprünglich auch einmal einen Sinn, alles großzuschreiben, doch diesen habe ich längst vergessen.

Mein ganz persönlicher Dank gilt denjenigen, die hier seit einigen Jahren auf hohem inhaltlichen Niveau mitdiskutieren und so manchem Unsinn widersprechen, dass ich das nicht alles alleine machen muss. Ich hoffe, diejenigen wissen, dass sie angesprochen sind. An dieser Stellungnahme, vor allem an dem Wörtchen “Unsinn”, sehen Sie übrigens, dass man trotz großer Diskussionsfreiheit nicht alle Aussagen als gleichwertig anerkennen muss, auch wenn diejenigen, die sie tätigen, also Personen, alle gleichwertig sind. Ansonsten könnten wir Wissenschaft und Philosophie wahrscheinlich auch gleich sein lassen.

Ein Gruß aus einem Café in der schönen Altstadt von Utrecht, in der Nähe des Doms. Ich hätte diesen Beitrag lieber zuhause geschrieben und nicht im Anzug, doch hatte heute Morgen eine so lange – zwei Stunden und zwanzig Minuten! – wie anstrengende Verhandlung vorm hiesigen Verwaltungsgericht, der ein Amsterdamer Jura-Professor vorsaß. Auch das ist für mich gelebte Demokratie, die Regierung, die jetzt schon mit vier Top-Anwälten und Juristen auftritt, für ihre Fehler verantwortlich zu machen. Wer am Gewinnspiel teilnehmen will, möge herausfinden, von welchem Künstler das Motiv auf der Krawatte stammt. Tipp: Es ist ein Niederländer des 20. Jahrhunderts. Der Preis für die erste richtige Antwort hier im Forum ist eine persönliche Überraschung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Im Moment des Fotos lief übrigens gerade “On the Nature of Daylight” von Max Richter auf meinen Ohrstöpseln.

Mein Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Spektrum-Verlags, die diese Plattform seit mehr als zehn Jahren möglich machen; und das in Zeiten, in denen Journalismus immer mehr unter finanziellen Druck geraten ist! Wenn ich mir zum zehnjährigen Jubiläum der MENSCHEN-BILDER vielleicht zwei Dinge wünschen darf, dann bitte erstens, dass endlich diese Antworten-Funktion bei den Kommentaren deaktiviert wird, die seit dem Technologie-Umstieg 2013 die Reihenfolge der Diskussionsbeiträge durcheinanderwürfelt; und dass man zweitens die Blockquote-Zitate im Layout sauber vom Rest des Textes trennt. Das war bis 2016, vor dem letzten Technologie-Umstieg, viel schöner.

Gemeinschaft

Schade finde ich, dass die SciLogs von dem ursprünglichen Gemeinschaftsprojekt mehr zu einer Plattform wurden, auf der jeder gegen jede um die ersten Plätze kämpft. Das war früher besser gelöst: Da hatten alle Bloggerinnen und Blogger auf der Startseite genau einen Platz, der sich bei einem neuen Beitrag wieder an die erste Stelle schob. So konnten Vielschreiber also nicht die Wenigschreiber von der Startseite verdrängen. Auch dies fiel dem Technologie-Umstieg zum Opfer und konnte mein Protest nicht verhindern. Vielleicht ist das eine Idee für unser Jubiläumstreffen im Oktober, wie wir aus dem Blogportal wieder mehr ein Gemeinschaftsprojekt machen können.

Ich möchte mit einem Wunsch für die Zukunft schließen und das Pathos zur Pathetik überziehen, indem ich aus der (immer noch sehr lesenswerten!) Rede eines Präsidenten meiner Kindheit zitiere, nämlich Richard von Weizsäckers:

Die Bitte an die jungen Menschen lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder Türken,
gegen Alternative oder Konservative,
gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Gerade mit Blick auf jüngere politische Entwicklungen in und um Europa möchte ich die Notwendigkeit inklusiven Denkens und der Gemeinschaftsidee noch einmal betonen. Diese beschränken sich nicht nur auf diejenigen, die von einer herrschenden Meinung als schützenswerte Minderheit anerkannt werden, sondern schlicht auf alle Menschen, ganz gleich, wie alt sie sind, wo sie herkommen, wie sie aussehen, welche Sprache sie sprechen oder welcher Gruppe sie angehören.

Grund-, Bürger- und Menschenrechte und vor allem die gelebte wie erlebte Menschenwürde sind kein Luxus, den wir uns nur in ökonomisch guten Zeiten erlauben können, sondern schlicht die notwendige Voraussetzung für ein Zusammenleben in Frieden und Freiheit. Feindschaft und Hass wachsen vielleicht nur in kleinen, unmerklichen Schritten, führen letztlich aber die ganze Gesellschaft ins Verderben. Hiervon zeugt vor allem auch die deutsche Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Doch darüber ein andermal mehr.

Vielen Dank, dass Sie bis hierhin gelesen haben.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Frage, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promoviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Der Forscher und Autor ist auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschsprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert." Ausgewählte Beiträge erscheinen auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur, für das Stephan Schleim seit vielen Jahren schreibt.

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Stephan,

    schön, dass Du so lange durchgehalten hast und uns Leser immer wieder mit interessanten Themen zum Debattieren animierst.

    Und: Nix zu danken, ich widerspreche gerne so manchem Unsinn, den gewisse Kommentatoren hier immer wieder von sich geben.

    Über Dein Verständnis von „personaler Identität in der Zeit“ würde ich übrigens gerne mehr erfahren, gerade im Hinblick auf die zehn Jahre…

    Ach ja, die Krawatte: Das Muster erinnert schon stark an einen bestimmten niederländischen Künstler, aber Falter…? Wie bist Du zu diesem kunstvollen Stück gekommen?

  2. Gratulation zum Jubiläum, natürlich auch an scilogs (brainlogs) insgesamt.
    Volle Unterstützung für die gelebten Sichtweisen zur Diskussionsfreiheit, die auch bei “schlechtem Wetter” durchgehalten werden.

  3. Den Gratulationen zum Jubiläum schliesse ich mich an — und besten Dank für die vielen auffallend erfrischenden Beiträge! In der Hoffnung. dass es so weitergehen möge.

    N.B. Die länglichen Debatten haben möglicherweise dazu geführt, dass ich inzwischen schon die Gedanken von Balanus lesen kann. Denn ich bin mir ziemlich sicher zu wissen. an welchen niederländischen Künstler er bei der Krawatte denkt…

  4. P.S. Zum Gewinnspiel:

    Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Bei der “persönlichen Überraschung” dachte ich an einen Themenwunsch oder, falls das jemand lieber will, ein signiertes Exemplar eines meiner Bücher oder Ähnliches…

    Der Schriftsteller Arnon Grunberg hatte kürzlich eine Aktion, in der sich in einer ersten Runde Fans für einen Tag (und eine Nacht) mit ihm in einer Turnhalle bewerben durften. Dort gab es dann ein Quiz: Der Gewinner oder die Gewinnerin durfte (oder musste?) dann mit ihm in einem Bett schlafen.

    Wie dem auch sei: Ich habe zwar ein Buch über Gedankenlesen geschrieben, doch wer den Preis gewinnen will, sollte den Namen des Künstlers nicht nur denken, sondern auch hier aufschreiben.

  5. Zum Gewinnspiel.
    Das ist wie ich finde keine unmögliche Krawatte, doch schwierig zu erkennen,
    also aufs Geratewohl,
    “unmögliche Figuren” von M.C. Escher.

  6. Gewinnspiel

    Lieber Arne K.,

    Escher hat nicht nur Unmögliches gezeichnet, sondern auch Schmetterlinge (Beispiel, das sich auf meinem Tagebuch befindet). Die Krawatte stammt tatsächlich aus dem Escher-Museum in Den Haag, das eine Reise wert ist. Glückwunsch!

    Einen Themenwunsch können Sie gerne hier äußern; wenn Sie ein Buch von mir wollen, bitte per E-Mail bei mir melden. Oder doch lieber eine Freikarte ins Escher-Museum? Die Reise dorthin müssten Sie aber selbst bezahlen.

  7. @Stephan / Gewinnspiel

    Alea iacta est — da hat Balanus seine grosse Chance verpasst. Einen Themenwunsch hatte er trotzdem. Und vielleicht hat er ja einen kleinen Trostpreis verdient? Immerhin hat er Falter erkannt.

  8. @Chrys: Belohnung

    Wer sich hier so selbst lobt und Schmetterlinge als “Falter” verunglimpft, den soll ich auch noch belohnen? Pah!

    Wenn er Sie “Lepidoptera” genannt hätte oder “Seelen” oder “fliegende Blumen” (Alt- bzw. Neugriechisch), dann hätte ich vielleicht eine Ausnahme gemacht.

  9. @Stephan // Lepidoptera

    Tja, so kann’s gehen…

    Vorgestern erst habe ich im Garten zwei Edelfalter (Nymphalidae) bewundern dürfen (Vanessa atalanta und Inachis io).

    „Falter“ hat übrigens nichts mit „falten“ zu tun, sondern mit „flattern“. Siehe auch das französische „papillon“ (lat. papilio), im Gegensatz zu „butterfly“, dem Molkendieb (Schmetten = Milchrahm).

  10. Schmetterling oder Falter?

    Für Schuppenflügler (Lepidoptera) finde ich die ältere Bezeichnung “Falter” schöner. Zudem geht der deutsche Name “Schmetterling” ja von einem Aberglauben aus, der besagt, dass Schmetterlinge eine Verkörperung von Hexen wären und sie den Schmand (Rahm) von der Milch stehlen würden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlinge#Herkunft_des_Namens

    Hermann Hesse nannte eines seiner Gedichte zwar “Blauer Schmetterling”, im Text spricht er jedoch von einem blauen Falter:

    Flügelt ein kleiner blauer
    Falter vom Wind geweht,
    Ein perlmutterner Schauer,
    Glitzert, flimmert, vergeht.
    So mit Augenblicksblinken,
    So im Vorüberwehn
    Sah ich das Glück mir winken,
    Glitzern, flimmern, vergehn.

    Erinnert einem doch irgendwie an das Foto von Stephan Schleim, wie er da so mit blauem Anzug und blauer Krawatte im Café sitzt und lächelt. Ein “Augenblicksblinken” für seine Leserschaft, die ihn nicht persönlich kennt, sich aber hoffentlich noch lange an seinen Texten erfreuen darf.

  11. Von Faltern und Lingen

    Anders als Sie/ihr hier und der Duden (Falter = “verdoppelnde Bildung zu flattern”) leitet das Deutsche Wörterbuch den Falter tatsächlich vom Falten ab:

    m. papilio, weil er ruhig sitzend die flügel faltet, wie man ein zelt (it. padiglione, sp. pabellon, fr. pavillon) entfaltet

    Da Schmetterlinge nun wirklich keine fliegenden Zelte sind, bleibe ich dabei; der Butterdieb passt doch zumindest bildlich hervorragend zum Raupenleben und auch zum Stehlen des Blütennektars, sofern es sich um kein Exemplar handelt, das im Falterlleben nicht mehr isst.

    Ein Lese- oder Geschenktipp für Schmetterlingsfreunde ist übrigens das Naturkunden-Buch “Schmetterlinge: Ein Portrait” von der österreichischen Biologin Andrea Grill, die 2003 an der Universität Amsterdam über die Schmetterlinge Sardiniens promovierte.

  12. Noch zum “Schmetterling” im Deutschen Wörterbuch:

    Dort wird das Wort übrigens auch vom Schmettern (also u.a. Schlagen) hergeleitet; dann wäre der Schmetterling ein kleiner (Flügel-)Schläger; oder einer, der seine Eier auf die Pflanzen schmeißt. Für die Freunde der Butterherleitung gibt es den Buttervogel oder die Butterfliege. Als gebürtiger Hesse schäme ich mich allerdings etwas für den dort mundartlich beheimateten “Raupenscheißer”.

    Der “Molkendieb” war übrigens anfänglich ein “Molkenzauberer” – wenn das kein bezaubernder Name für Schmetterlinge wäre?

    später wurde der zweite bestandtheil des wortes [also “Zauberer”] umgedeutet und ein ‘molkendieb’ daraus. eine alte vorstellung des volksglaubens liegt hier zu grunde, dasz hexen die gestalt von schmetterlingen annehmen und in dieser verhüllung einem ihrer hauptgeschäfte, dem verderben der milch- und buttervorräte nachgehen.

    Schön auch:

    schmetterling scherzhaft für orden; es ist ihm ein schmetterling angeflogen, er hat einen orden erhalten

  13. @Stephan

    »Butterdieb passt doch […] auch zum Stehlen des Blütennektars.«

    Das ist jetzt allerdings eine arge Verunglimpfung von Faltern.

    Wie es ausschaut, hat der Themenwunsch von Balanus hier inzwischen schon mehr als einen “Follower” gefunden…

  14. @Chrys: Inwiefern Verunglimpfung? Meines Wissens bedienen sich die S.Linge am Nektar, tragen jedoch wenig zur Befruchtung der Pflanzen bei. Auch ansonsten sind sie eher recht treulose wie egoistische Wesen: Sie bleiben bei einer schönen Blume, wie es ihnen gefällt, und fliegen dann schon wieder zur nächsten. Vgl. das niederländische Verb “vlinderen” von “vlinder” = Schmetterling.

    vlinderen: 1. sich wie ein Schmetterling bewegen (vgl. flattern); 2. onbeständig oder luftig von einem zum nächsten übergehen, vor allem beim Anknüpfen von Liebesbeziehungen; 3. wirbeln; 4. mit dem Schmetterlingsschlag schwimmen; 5. (irgendetwas mit Betonböden); 6. aus Leidenschaft Schmetterlinge beobachten und studieren (frei aus dem Grote Van Dale)

    Aber schön anzuschauen, das sind viele von ihnen.

  15. @Stephan

    »Inwiefern Verunglimpfung? Meines Wissens bedienen sich die S.Linge am Nektar, tragen jedoch wenig zur Befruchtung der Pflanzen bei.«

    Die lepidopterophil geneigten Pflanzen dürften da anderer Meinung sein, könnte ich mir vorstellen. Und die mit der pauschalen Bezichtigung des Diebstahls einhergehende Kriminalisierung gleich einer ganzen Insektenordnung ist naturgesetzlich absolut inakzeptabel.

    Nicht zu vergessen, diese Tiere sind sogar vorbildlich, etwa für den Sport:

    Float like a butterfly, sting like a bee.

    —Muhammad Ali

  16. “Verständnis von personaler Identität in der Zeit”

    Über Identität in der Zeit könnte es sich tatsächlich lohnen, mal länger nachzudenken, nicht nur über personale Identität. Ist das z.B. überhaupt der Blog, der vor 10 Jahren gestartet ist? Kurz, wem könnte man zu was gratulieren?

    “In diesem Sinne war also auch das “mir” im ersten Satz dieses Absatzes falsch.”

    … und das Joker in “Joker” wäre auch falsch. Was bleibt, wenn Identität unmöglich ist?

    “Vieh” (Im Screenshot)

    Den Herrn Wicht vermisse ich hier. (Manchmal lese ich noch einige Aphorismen von ihm auf Twitter, kurz und lustig).

    “eine harmlose Zwei”

    Tatsächlich muss ich mich über diese äußerst niedrige Zahl auch etwas wundern. Andernorts scheint mir alles viel schneller auszuufern, zumindest bei einigen der Themen, die hier so diskutiert werden.

    “Das Ich von damals ist vergangen”

    Die Raupe ist jetzt ein Schmetterling.

    Wenn das vor 10 Jahren ein ganz anderer war, kann ich mich wenigsten bei Dir für die – sagen wir mal, die letzten 10 Beiträge bedanken? Dann: Danke, Stephan.

  17. @Joker: Dankbarkeit

    Vielleicht ist Dankbarkeit schlicht ein guter Bewusstseinszustand, selbst wenn dessen konkreter Gegenstand ein soziales Konstrukt ist?

    (Und wohlgemerkt: Ich halte personale Identität in der Zeit für kein Ding der Unmöglichkeit, sondern ein soziales Konstrukt, das eine bestimmte Funktion erfüllt, etwa die der Zurechenbarkeit und Verantwortlichkeit.)

  18. Feedback zum zehnjährigen ‘MENSCHEN-BILDER”-Geburtstag :

    Meiner Erinnerung nach habe ich sonst in diesen zehn Jahren nur einmal von meinem Moderationsrecht Gebrauch gemacht (…)

    Bei Dr. Webbaer alleine zumindest zweimal, so die (belegbare) Erinnerung. – Sie schonten sich einmal sogar nicht in das Feedback etwas hineinzuschreiben, dieses zu editieren, werter Herr Dr. Schleim.


    Zudem sind Personen natürlich nicht ‘gleichwertig’, sie genießen definitorisch und aufklärerische Gesellschaftssysteme meinend gleiche Rechte, Menschenrechte, mehr ist nicht los.
    (Immerhin konnte, nach all den Jahren, hervorgehoben werden, dass nicht alle Aussagen / Meinungen ‘gleichwertig’ sind, Chapeau!)

    Bonuskommentar hierzu :

    Feindschaft und Hass wachsen vielleicht nur in kleinen, unmerklichen Schritten, führen letztlich aber die ganze Gesellschaft ins Verderben.

    ‘Feindschaft’, der ‘Feind’ ist der zu hassende, der ‘Freund’ der zu liebende, die Etymologie ist hier recht klar, und ‘Hass’ sind Emotionen, funktionieren nicht derart, sie genügen wie behauptet nicht.

    Emotionen sind dem hier gemeinten Primaten eigen, es lohnt sich regelmäßig Emotion zu Hause zu lassen und nicht öffentlich zu verbreiten, denn sie ist ihrem Wesen nach privatim und die Menge meinend irrelevant.

    Es soll also nicht derart püschologisiert werden, als ob die Emotion selbst ‘die ganze Gesellschaft ins Verderben führen’ könnte.
    Die Verhetzung ja, aber nicht die Emotion.
    Kleine, abär wichtige Unterschiede, finden’S net, Herr Dr. Schleim?

    Ideologie, Ideologie ist per se erst einmal gut, auch weil alternativlos, kann ungünstigerweise ‘ins Verderben führen’, wenn sie in concreto schlecht ist.

    MFG + schönen Oktober und schönen Rest-Sonntag noch,
    Dr. Webbaer (der also anrät die Püschologie zu Hause zu lassen, in etwa so, wie die Emotion auch zu Hause bleiben darf)

  19. @ Herr Dr. Schleim :

    Vielleicht ist Dankbarkeit schlicht ein guter Bewusstseinszustand, selbst wenn dessen konkreter Gegenstand ein soziales Konstrukt ist?

    Ganz genau.
    Dankbarkeit bzw. deren Kommunikation dient dem hier gemeinten Primaten sozial zuverlässiger zu agieren, zu interagieren und deutet auf Seiten des Dankenden an entweder kompensiert zu haben, zuvor stattgefunden habende Kooperationsverhältnisse meinend, oder zur späteren Kompensation, zukünftige Kooperationsverhältnisse meinend, bereit zu stehen.

    Auch die Entschuldigung funktioniert derart ähnlich, also deren Verlautbarung, Person A gesteht Person B zu ihr geschädigt zu haben und deutet spätere Kompensation zumindest an.


    Ansonsten ist natürlich alles ‘soziales Konstrukt’, also, was vom hier gemeinten Primaten erkannt, verlautbart oder gar herbei phantasiert wird;
    die hier gemeinte Veranstaltung meinend, die auch wissenschaftlicher Natur sein darf,
    HTH (“Hope to Help”)
    Dr. Webbaer

  20. @Webbär: Diskussionskultur

    Dann lassen Sie es zwei- oder dreimal oder auch einige wenige Male mehr gewesen sein; es waren in jedem Fall die großen Ausnahmen.

    Ich kann nichts dafür, dass manche DiskussionsteilnehmerInnen sich auch auf wiederholtes Bitten nicht verständlich ausdrücken oder ans Thema halten (können und/oder wollen).

    Trotzdem wurde hier so gut wie nie etwas gesperrt bzw. gelöscht.

  21. Dr. W stochert hier natürlich nur ein wenig herum, weiß Ihre Nachrichten zu schätzen, werter Herr Dr. Schleim.
    Hat sich auch schon, nur wenig verschlüsselt, als Dr. Schleim-Fan ausgegeben.
    Ansonsten, es ist schon so, dass Sie sich, trotz nachweislich vorhandener Toleranz und im womöglich besten Sinne Diversität bewerbend, Dr. W versucht sich ähnlich, zentriert allerdings im Kompetitiven, die Verständigkeit ist sowieso bemerkt worden, i.p. Benachteiligung verausgaben.
    Auch an anderen Stellen.
    Dies muss so nicht sein, eine möglichst “trockene” Analyse / Bestandsaufnahme der Verhältnisse in der BRD, die Wissenschaftlichkeit meinend, wäre einigen lieber.
    Vor allem muss keine Solidarität angeschrieben werden.

    Zudem darf auch gescheitert werden, es ist möglich bis teilweise auch gut so zu scheitern, Dr. W will hier sich hier nicht ausschließen.

    MFG
    Dr. Webbaer

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