Neuro-Enhancement: Wovon sprechen wir, wenn wir von pharmakologischem Enhancement reden?

Pillengehirn Der Wissenschaftsjournalist und Psychonaut Jörg Auf dem Hövel holt die Debatte auf den Boden der Tatsachen zurück: Wir wirken die Medikamente? Welche Erfahrungen können wir aus der Drogenpolitik ziehen? Bestimmen Moden die Pharma-Forschung?



Es wohnt eine feine Ironie in der Aufforderung, anhand der psychoaktiven Substanzen die Fragen des gelingenden Lebens wieder neu zu diskutieren. Die Diskussion um die sogenannten "kognitiven Enhancer" und das "Neuro-Enhancement" erinnert ein wenig an die 60er Jahre, als mit den Psychedelika wie LSD und Psilocybin plötzlich Wirkstoffe zur Verfügung standen, die tief in die Psyche eingreifen und mittels derer, so hofften manche, ein neues Zeitalter, wenn doch nicht eingeläutet, so doch zumindest unterfüttert werden konnte. Heute sind die Ziele bescheidener, es geht um die Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit und die positive Modifikation der Stimmung. Gleichwohl lässt sich aus der frühen Vergangenheit lernen, welche Mechanismen greifen, wenn es um die pharmakologischen Beeinflussung des menschlichen Geistes geht.

Den Verfassern des Memorandums (Gehirn & Geist 11/2009) ist zu gratulieren, nicht nur, weil zum ersten Mal im deutschsprachigen, vielleicht sogar im internationalen Kontext, die pharmakologischen und soziologischen Entwicklungen rund um das Neuro-Enhancement (NE) zusammenfassend eingeordnet und zugleich die zentralen Fragen gestellt wurden. Wichtig war auch festzustellen, dass trotz aller Medienberichte keine belastbaren Daten zur Verbreitung von Enhancement existieren. Was die individuellen und sozialen Rahmenbedingungen und spezifisch pharmakologischen Effekte der vermeintlichen neuen Substanzen angeht, sind einige Ergänzungen zu leisten, um die Diskussion weiterhin fruchtbar zu halten.

Wirkungen und Nebenwirkungen

Zentral für die Beurteilung von psychoaktiven Wirkstoffen, seien es legale Medikamente oder illegale Drogen, ist zweierlei: Zum einen der Grundsatz "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung". Noch fehlen Langzeitstudien zu den Enhancern, es fehlen auch praktische Erfahrungen mit Hardcore-Usern, die meinen, erst mit hohen Dosierungen gut funktionieren zu können. Es wäre eine positive Überraschung, wenn hier tatsächlich neue Wirkstoffe existieren würden, die, dem Koffein ähnlich, bei vernünftiger Dosierung wenig Nachteile mit sich bringen. Methylphenidat (Ritalin) beispielsweise ist sicher nicht so ein Wirkstoff, der Kleinwuchs der Konsumenten ist bewiesen. Zum anderen sind psychoaktive Substanzen immer auch ein Produkt, eine simple Ware, die den Gesetzen des Marktes gehorcht. Die ökonomischen Dimension des NE wird an Bedeutung gewinnen, wenn sich die Medikamente zukünftig tatsächlich auf dem Markt durchsetzen.

Das nun ausgerechnet Ritalin und Modafinil und die anderen primär leistungssteigernden Medikamente dazu beitragen sollen, einen kreativen Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen zu fördern, wie das die Autoren wünschen, verwundert. Wer die Mittel schon einmal probiert hat, wird bestätigen, dass einem da nicht das Herz aufgeht, sondern man eher die Pobacken zusammen kneift, um es mal lapidar zu formulieren. Funktion und Wille stehen im Vordergrund, genau deshalb wurde beispielsweise Modafinil bei den britischen Truppen in Afghanistan und Irak eingesetzt. Methylphenidat ist ein enger Verwandter von Amphetamin („Speed“) und steht ebenfalls nicht in dem Ruf, emotional wertvolle Prozesse anzuschieben.

Mittel zur Anpassung?

Von was reden wir also, wenn wir von kognitiven Enhancern sprechen? Doch in erster Linie von Substanzen, die Menschen stromlinienförmig im Arbeitsalltag agieren lassen. Und geht es nicht um Arbeit, so geht es um die Eliminierung unerwünschter Persönlichkeitseigenschaften; ein seltsames Phänomen unserer Zeit, die droht, aus jeder kleinen Macke ein behandlungswürdiges Syndrom zu machen. Hier spielen Psychologen, Wissenschaftler, Ärzte und Pharma-Unternehmen eine Rolle, sie alle tragen dazu bei, dass der Katalog der psychischen Krankheiten immer länger wird. Christopher Lane hat in seinem Buch „Shyness: How Normal Behavior Became a Sickness“ gut beschrieben, welche Kräfte bei der Transformierung der Schüchternheit in die behandlungswürdige Sozialphobie am Werk waren.

Noch etwas muss bedacht werden. Der Begriff der „Kognition“ wird im Zusammenhang mit NE so unscharf verwendet, dass viel gemeint sein kann, praktisch aber nur wenig erreicht wird. Durchhaltevermögen und Konzentrationsfähigkeit mögen mit diesen Mitteln zeitweise verbessert werden, die Hoffnung aber, dass damit das Kurzzeit- oder gar Langzeitgedächtnis gefördert werden können, haben sich nicht bestätigt.

Vereinfacht gesagt war die Annahme: Weil bestimmte Medikamente Demenzkranken helfen, müssen sie auch bei Gesunden wirken. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man ein chemisch aus der Balance geratenes Gehirn wieder zu Normalform zurückleiten will oder aber ein korrekt funktionierendes Gehirn optimieren möchte. Der Körper scheint evolutionär bedingt eine recht effektive Balance zu halten, deren Modifikation von uns als Verbesserung, vom Körper selbst aber als Störung interpretiert werden kann. Es kann darüber spekuliert werden, ob die von den Autoren erwähnten Methoden wie Meditation aufgrund ihrer langer Tradition nicht viel behutsamer und auf lange Sicht effektiver wirken. Der Körper und sein Gehirn, so lässt sich weiter vermuten, kann sich an die neuen Prozesse besser gewöhnen und nimmt sie nicht als Gleichgewichtsstörung wahr, die er auszugleichen sucht.

Enhancement und Gesellschaft

Wie soll nun die Gesellschaft mit NE und seinen pharmakologischen Substraten umgehen? Die Autoren des Beitrags sehen zunächst den Einzelnen am Zug. Er soll sich fragen, weshalb er einen Neuro-Enhancer im Einzelfall einnimmt. Auf die individuelle Redlichkeit zu setzen ist zwar im liberalen Gemeinschaftsgefüge richtig, aber natürlich ist der Einzelne in seinen Entscheidungen stark beeinflusst: Nämlich durch die Rahmenbedingungen der Gesellschaft, in der er lebt. Grenzziehungen der individuellen Redlichkeit zu überlassen ist eine Methode, sie funktioniert nur bedingt in einer Gesellschaft, die im Schneller, Höher, Weiter ihr Seelenheil sieht. Es ist kein Zufall, dass die im Beitrag diskutierten Substanzen wie Modafinil und Ritalin eben keine kreativen oder gar spirituellen Enhancer sind, sondern pure Antriebsdrogen. Ihr transformierendes Potential ist gering, Kritiker vermuten daher nicht zu unrecht, dass sie auch deshalb noch nicht in die Schusslinie der drogenpolitischen Wächter geraten sind. Aber das Geschrei wird groß sein, wenn die erste bayerische Klassenreise statt auf Wodka-Red Bull auf Modafinil gesetzt hat. Und dann, so viel lässt sich vorhersagen, greifen nicht die wissenschaftliche Diskurse, sondern die klassischen Mechanismen von Schuldzuweisung, Sündenbocksuche und Verteufelung. Spätestens dann wird auch das Stichwort der „Einstiegsdroge“ fallen.

Die Frage ist also, wie man die Fehler und Verbotsreflexe der herkömmlichen Drogenpolitik verhindert. Noch umwebt die Neuro-Enhancer ein klinisch reiner Schein, ein Phänomen, das sich nach dem Abgleiten in den Schwarzmarkt mit seinen hinlänglichen bekannten Begleitphänomenen sofort verändern würde. Es wären nicht die ersten Substanzen, die den Weg vom Medikament über den Geheimtipp bis hin in die Schmuddelecke genommen hätten. Es sind eben primär die Konsummuster, die jede Substanz, jedes Medikament, ja, jedes Objekt zum Suchtmittel werden lassen können. Max Goldt wollte nicht nur herumalbern, als er eine Fiktion von einer alljährlichen Injektion von reinem Heroin in einer gepflegten Schweizer Bergklinik entwarf, in der ihm nach mehrtägigen Aufenthalt die Krankenschwestern zum Abschied winken.

Sicher steht es im Rechtsstaat jedem grundsätzlich frei, „über sein persönliches Wohlergehen, seinen Körper und seine Psyche selbst zu bestimmen“, wie die Autoren schreiben. Nur hat diese Freiheit halt ihre Schranken, nämlich dort, wo die Freiheiten und Rechte anderer betroffen sind. Es ist diese rechtliche Konstruktion, die spezifische psychoaktive Substanzen auf der Verbotsliste landen lässt, weil ihr potentieller Nutzen im Vergleich zu ihrem potentiellen gesamtgesellschaftlichen Schaden als gering beurteilt wird. Um es mal provokativ zu drehen: Der von manchen Intellektuellen als Neuro-Enhancer genutzte Wirkstoff Kokain steht deshalb im Betäubungsmittelgesetz, weil eine Ausbreitung seines Konsums als sozial zersetzend gilt. Was damit gesagt werden soll? Dass sich an der Reglementierung und vernünftigen Einbettung des Konsums psychoaktiver Substanzen die akzeptierende wie konservative Drogenpolitik seit Jahrzehnten die Zähne ausbeißt. So entstehen zwar viele Probleme erst durch die Kriminalisierung der Konsumenten, auf der anderen Seite hören die Verelendungsprozesse von Heroin-Konsumenten durch die freie Zugänglichkeit zur Reinsubstanz nicht auf.

Die Moden der Pharmakologie

Grundlage für die Verschreibungsfähigkeit von Wirkstoffen sollte das wissenschaftliche erforschte Wirkung- und Nebenwirkungsspektrum dieser Substanzen sein. Dass dies nur die halbe Wahrheit ist, zeigt die Pharmaziegeschichte, denn das Urteil unterliegt Schwankungen, despektierlich gesagt: Moden, deren maßgebliche Initiatoren und Beeinflusser die Hersteller dieser Substanzen und die aktuell herrschende gesellschaftliche Moral sind. Ein genauerer Blick in die Historie der Pharmako-Therapie psychischer Krankheiten zeigt deutlich die oft willkürliche Hinwendung zu neuen Medikamenten, deren einziger Vorteil eine Verschiebung im Nebenwirkungsspektrum ist. Unlängst beklagte der ehemalige Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller-Oerlinghausen, die stetig ansteigenden Verschreibungszahlen von Neuroleptika wie Seroquel, die nicht mehr nur bei Schizophrenie, sondern zur Beruhigung alter Menschen, verhaltensauffälligen Jugendlichen und Angststörungen verschrieben werden. Verantwortlich dafür sei eine „gigantische Marketing-Maschinerie der Pharmaindustrie, die eine wahre Gehirnwäsche bei der Ärzteschaft bewirkt hat“.

Aus dieser Sicht ist der Wunsch der G&G Autoren nach einer Stärkung der Rolle der Ärzte zweischneidig. Deren Unabhängigkeit wird von den pharmazeutischen Unternehmen hart bedrängt, ihre Fortbildung ist noch immer primär industriegesponsort, ihre Praxen sind Ziel von gut geschulten Pharma-Referenten. Auf lange Sicht dürfte es daher klüger sein, weiterhin auf die klassischen und natürlich nachwachsenden Rohstoff-Enhancer zu setzen: Fair gehandelter Kaffee oder Tee, im morgendlichen Ritual aufgebrüht, zusammen mit dem Partner am Tisch genossen.


Jörg auf dem HövelJörg Auf dem Hövel, Jahrgang 1965, lebt in Hamburg und schreibt als freier Journalist unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online und die Telepolis. Zuletzt erschien von ihm im Heise-Verlag das Buch "Pillen für den besseren Menschen. Wie Psychopharmaka, Drogen und Biotechnologie den Menschen der Zukunft formen".

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www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Frage, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promoviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Der Forscher und Autor ist auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschsprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert." Ausgewählte Beiträge erscheinen auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur, für das Stephan Schleim seit vielen Jahren schreibt.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hier stehen viele gute Sachen drin. Ein schüchterner Mensch wird zu einem gestörten gemacht.

    Das erinnert mich an diese hochglanz Karrierebroschüren, wie denn die Absolventen zu sein haben. Ingenieure sollen sich nicht immer ins Büro verkriechen und tüfteln, sondern kommunikativer sein. Aber ob so ein kommunikativer extrovertierter Mensch überhaupt in der Lage dazu ist sich in ein Problem festzubeißen und zu tüfteln, bis es gelöst ist?

    Es gibt Gabel, Löffel und Messer, jedes hat seinen Zweck. Aber heute sind wohl nur noch löffelförmige Gabeln gefragt. Messer braucht es überhaupt nicht und dann wird versucht mit der löffelförmigen Gabel das Fleisch zu zerteilen und wenn es nicht mehr klappt, dann hat man die Lösung schon parat. Man sollte nur noch Fleisch in Würfel konsumieren.

  2. Wenn es da wirklich Stoffe gäbe, die die Leistungsfähigkeit von gesunden Menschen ohne schädliche Nebenwirkungen erhöhen könnte, hätte die Evolution die schon selbst produziert. Ich tippe hier eher auf lukrative Geschäftsmodelle der betreffenden Industrie.

  3. vielleicht doch

    adenosine: “Wenn es da wirklich Stoffe gäbe, die die [geistige] Leistungsfähigkeit von gesunden Menschen ohne schädliche Nebenwirkungen erhöhen könnte, hätte die Evolution die schon selbst produziert.”

    Aber der Mensch kann z.B. mit Hilfe eines Fahrrads seine Fortbewegungsmöglichkeit erhöhen, ohne dass das Fahrrad von der Evolution erfunden worden wäre. Zur Zeit sind die NE-Subtanzen noch mit Krücken vergleichbar, die zwar manchen Kranken eine bessere Fortbewegung ermöglichen, aber einen Gesunden eher behindern. Aber wer will ausschließen, dass die Neurowissenschaften eines Tages ein “Fahrrad” für die geistige Leistungsfähigkeit entwickeln?

    mfg
    Luchs

  4. @ adenosine

    Die Evolution hätte solche Leistungssteigernden Mittel nur selbst “erfunden”, wenn sie für das Leben der Frühmenschen einen Vorteil gehabt hätten. Vieles was der Mensch heute tut, hätte ihm zu damaligen Zeiten aber überhaupt keinen Überlebensvorteil genracht, weil es damals noch nicht wichtig war sich sehr viel Theoretische Information zu merken, komplizierte Berechnungen auszuführen usw.

    Menschen mit Inselbegabungen können auf Grund von Fehlbildungen im Gehirn Dinge extrem gut, die in der heutigen Welt oft sehr nützlich wären. Beispielsweise können sie Pi bis zur 7000. Stelle berechnen, sich extrem viel Text auswendig merken, eine Sprache innerhalb weniger Wochen lernen oder ähnliches. Wissenschaftler, die sich damit beschäftigen nehmen an, dass jeder Mensch grundsätzlich solche extrem Fähigkeiten hat. Er kann sie nur nicht nutzen, weil diese Fähigkeiten wärend der evolutionären Entwicklung des Menschen gar nicht vorteilhaft waren.

    Übrigens gab es bereits erfolgreiche Versuche, kognitive Leistungen durch kleine Elektroschocks zu verbessern, kein Witz. Bis sowas (oder eben Medikamente) halbwegs ausgereift sind und sie nur noch wenige Nebenwirkungen haben, wird aber sicher noch viel Zeit vergehen.

  5. @ Schlederer: Evolutionäre Kurzschlüsse

    Man kann nicht davon ausgehen, dass etwas, weil es evolutionär von Vorteil gewesen wäre, auch evolutionär “ausprobiert” worden ist. Ohne die dafür nötigen Mutationen, die wahrscheinlich zufällig geschehen, kann auch nichts selektiert werden.

    Umgekehrt wird gerne dafür argumentiert, die heutigen kognitiven Fähigkeiten des Menschen hätten auch schon in der Vergangenheit zu einem Selektionsvorteil geführt — sonst wären sie ja auch nicht selektiert worden.

    Ganz persönlich schmecken mir diese evolutionären (Trug-?)Schlüsse jedoch nicht. Wie will man das wissenschaftlich überprüfen, wie man sich die Vergangenheit zurechterklärt?

  6. P.S. @ adenosine

    Ich folge Adenosine aber insofern, als ich der Meinung bin, wenn es einen einfachen Weg für eine kognitive Leistungssteigerung gäbe, dann wäre dieser durch zufällige Mutationen und anschließende Selektion schon “gefunden” worden; und ich bezweifle, dass unsere heutigen pharmakologischen Mittel darüber hinausgehen, was durch biotische Evolution einfach hätte bewerkstelligt werden können.

  7. kognitive Leistungen und Selektion

    Wie gesagt gibt es diesen “einfachen” Weg durchaus, wie Inselbegabte zeigen. Ihr Gehirn ist nur geringfügig mutiert, was aber für extreme kognitive Leistungssteigerungen reicht. Laut Wissenschaftlern die sich mit diesen Fällen beschäftigen, hat prinzipiell jeder Mensch diese Fähigkeiten (z.B. weil sie sich als “Nebenprodukt” für andere kognitive Fähigkeiten entwickelt haben) und geringfügige Veränderungen im Gehirn – etwa durch ein mutiertes Gen – lassen diese Fähigkeiten zutage treten.

    Dass dieser Weg “einfach” ist, sieht man an den existierenden Savants. Sie stellen keine eigene menschliche Entwicklungslinie dar (sie haben sich also nicht erst langsam aus den “normalen” Menschen entwickelt), sondern sie treten zufällig in der Population auf. Und das bestimmt nicht erst seit heute, sondern auch in der Vergangenheit.

    Dass diese Mutationen schon während der Entwicklung des Homo Sapiens auftreten konnten, heißt aber noch lange nicht dass sie auch von der Evolution ausselektiert wurden. Das passiert nämlich nur, wenn sie einen Vorteil dartstellten, z.B. für die Überlebensfähigkeit oder die Zahl der Nachkommen. Ohne sich weit aus dem Fenster zu lehnen, kann man davon ausgehen dass solche Fähigkeiten damals bestimmt keinen Vorteil darstellten. Was nützt es einem Menschen der Steinzeit, wenn er hochkomplizierte Berechnungen im Kopf durchführen kann, sich Texte mit einer Million Wörter merken kann oder er ein im Wortsinn fotografisches Gedächtnis besitzt? In seinem Alltag sind solche Fähigkeiten nicht von Vorteil, also werden sie auch nicht von der Selektion begünstigt.

    Selbst weniger exotische kognitive Fähigkeiten sind erst in unerer heutigen Zivilisation besonders wichtig geworden. Das lange Büffeln von theoretischem Wissen in Schule und Studium ist nichts, worauf wir von der biologischen Evolution gesondert angepasst worden wären. Denn unsere heutige Gesellschaft haben wir der soziokulturellen Evolution zu verdanken, die nicht den Organismus verändert. Den Homo Sapiens gibt es in seiner heutigen Form schon seit mehr als 100.000 Jahren. Die biologische Evolution hatte gar keine Zeit, auf die jüngere soziokulturelle Entwicklung der letzten paar tausend Jahre zu reagieren.

  8. Artikel auf joergs website

    Hab echt noch nie so eine sch****** über Ayahuasca gelesen wie auf der Website von diesem Menschen.. Genauso die vorurteilsbelasteten Artikel über Kiffer.. was es doch für kiffertypen gibt und wie dort abgelästert wird zb den esoterischen kiffer oder den faulen kiffer.. Unglaublich unsachlich, klischeehaft und subjektiv meinungsgefärbt (wahrscheinlich gar keine ahnung wovon er denn dort spricht).. kein wahrer journalismus sondern pure meinungsmache und abwertung..
    Fakten übersehen und dinge nicht erklärt.. keine wirklich wissenschaftliche auseinandersetzung mit den themen.. und sowas schimpft sich journalist!
    Schade, denn das ist kein!!! guter Journalismus.

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