Weg mit den Doktoren!

Zurzeit folgt ein akademischer Skandal auf den anderen. Untersuchungen von Dissertationen bringen fragwürdige Zustände in der wissenschaftlichen Ausbildung ans Tageslicht. Für mich heißt die Antwort: Weg mit dem archaischen Promotionssystem!

Viele sehen in der Promotion einen notwendigen Schritt der akademischen Ausbildung, einen Nachweis der Fähigkeit zum eigenen wissenschaftlichen Arbeiten. Hat man die in vielen Fällen mehrere Jahre dauernde Durststrecke dann hinter sich, fühlen sich manche fälschlicherweise mit dem Erwerb eines „Doktortitels“ belohnt. Titel werden in Deutschland jedoch – mit ein paar obskuren Ausnahmen – vom Bundespräsidenten verliehen. Was man mit dem Abschluss des Promotionsverfahrens erwirbt, ist korrekt ausgedrückt ein akademischer Grad, also im Prinzip nichts anderes als ein Magister, Master oder Diplom.

Die Verwirrung wird dadurch unterstützt, dass man den Doktorgrad in Deutschland per Gesetz in den Ausweis eintragen lassen darf (vgl. § 5 (2) 3. sowie § 9 (3) ) – ein Gesetz, dessen Abschaffung übrigens schon im Bundestag diskutiert wurde. Fortan glauben manche, sie hießen nun tatsächlich „Herr“ oder „Frau Doktor Sowieso“. Dabei verwechseln sie, dass ein Doktorgrad ein Namenszusatz und kein Namensbestandteil ist. Wäre er Teil des Namens, bedürfte es auch keines Gesetzes, um ihn in den Ausweis aufzunehmen, denn der Name steht darin ohnehin.

Die in bestimmten Kreisen verbreitete Umgangsform, andere mit einem Doktorgrad anzureden, ist reine Höflichkeit. Ein gesetzlicher Anspruch besteht darauf – mit einigen wenigen mir bekannten arbeitsrechtlichen Ausnahmen, beispielsweise beim Ausstellen eines Arbeitszeugnisses – im Umgang miteinander nicht. Prinzipiell gibt es keinen Grund, jemanden als „Doktor“ anzusprechen, jemand anderen aber nicht als „Magister“ oder „Bäckermeister“. Tatsächlich war das in der Vergangenheit noch üblich, Menschen mit ihrer Funktion („Herr Studienrat“) oder Ausbildungsgrad („Frau Magister“) anzureden. In Österreich ist Letzteres übrigens noch verbreitet. Ich bin für Höflichkeit im Umgang miteinander, dann aber bitte für alle Menschen gleichermaßen und nicht nur für Doktoren.

Die Verwirrung geht in manchen Fällen sogar soweit, dass sich manche AkademikerInnen ihren eigenen Doktorgrad erfinden. Ich beziehe mich hierbei auf den sogenannten „Dr. des.“: International unüblich, in Deutschland jedoch strenge Pflicht, ist die Veröffentlichung der Doktorarbeit zum Abschluss des Promotionsverfahrens. Das heißt, dass man nicht mit dem Bestehen der Prüfung, sondern erst mit dem Nachweis der Veröffentlichung – was in manchen Fällen Jahre dauern kann – die Urkunde ausgehändigt bekommt und damit den Doktorgrad führen darf. Dieser speziell deutsche Zwischenzustand ist für manche unbefriedigend, hat man die Arbeit doch schon hinter sich und bestanden, sogar eine Note, jedoch noch keine Urkunde. Daher haben sich manche Akademiker hierfür einen eigenen Doktorgrad ausgedacht, den Doktor designatus (abgekürzt als „Dr. des.“), um etwa bei Bewerbungen schon als Doktor aufzutreten. Über diese Erfindung machen sich Experten lustig, die selbsternannten Doktoren sogar strafbar (§ 132a (1) 1. StGB), sofern ihnen die Promotionsordnung das Führen dieses Grades nicht ausdrücklich erlaubt.

Weg mit dem Abhängigkeitssystem!

In der Berichterstattung über die jüngsten Betrugsfälle werden nicht nur bestehende Missverständnisse – wie die Sache mit den Titeln – zementiert, sondern auch grundlegende Probleme des Promotionssystems in Deutschland ignoriert. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Promovend/die Promovendin von Anfang bis Ende nämlich von den Betreuern abhängig. Das heißt, dass derjenige, der über Jahre hinweg die Arbeit begleitet, am Ende auch über sie urteilt – also gewissermaßen nicht nur über das fertige wissenschaftliche Werk, sondern auch über das Ergebnis seiner eigenen Betreuung; und wer will sich selbst schon eine schlechte Note attestieren?

Natürlich soll Willkür auch in Deutschland durch das Hinzuziehen weiterer Gutachten vermieden werden. Wer jedoch etwas Erfahrung mit Gremienarbeit hat, der weiß, dass man durch die Auswahl von Gutachtern das Ergebnis bereits zu einem gewissen Grad vorherbestimmen kann. Idealerweise werden diejenigen Menschen gewählt, von denen man weiß, dass sie die eigene Meinung unterstützen. Wie mir ein Kollege aus Großbritannien oder eine Freundin aus Australien berichtete, werden dort Betreuung und Beurteilung getrennt: Diejenigen, die am Ende die Noten verteilen, waren also vorher nicht in den Prozess involviert. Soll in den Niederlanden eine Doktorarbeit mit Auszeichnung verliehen werden (hier schlicht „cum laude“, was in Deutschland gerade „gut“ ist), muss zusätzlich zum ersten Beurteilungsgremium ein Weiteres diese Meinung bestätigen.

Das vielleicht persönlichere Betreuungsverhältnis in Deutschland muss nicht immer schlecht sein. Ich bestreite gar nicht, dass es Betreuung gibt, die diesen Namen auch verdient und für manche Menschen die Promotionszeit die schönste ihres Lebens ist. Ich kenne jedoch zahlreiche Beispiele von Menschen, die in dieser Zeit schlechte Erfahrungen gemacht haben. In repräsentativen Umfragen, beispielsweise der HIS GmbH, ist schlechte Betreuung tatsächlich der am häufigsten genannte Grund für den Abbruch. Skandalfälle wie der zu Guttenbergs machen deutlich, dass die abgeschottete Promotionsbetreuung in Deutschland auch mit dem Risiko einhergeht, eine größtenteils abgeschriebene Arbeit nicht nur durchzukriegen, sondern am Ende sogar noch mit Auszeichnung benotet zu bekommen.

Die Abhängigkeit ist im Fall einer Anstellung als Wissenschaftlicher Mitarbeiter sogar noch verdoppelt. Hier sitzt man nicht nur einem Chef gegenüber, der einem sagt, was man zu tun hat, sondern auch demjenigen, der das Promotionsverfahren am Ende maßgeblich trägt. Wer über etwas Sachkenntnis über die menschliche Psyche verfügt, beispielsweise durch historisches Studium erworben, der weiß, dass Abhängigkeit und Macht oft ausgenutzt werden. Da es mit der Karriere im heutigen akademischen System ohne den Doktorgrad nicht weitergeht, haben Professoren hier einen großen Spielraum – denn im Notfall bleibt dem Doktoranden allein ein Wechsel des Betreuers und damit ein karriereschädigender Zeitverlust (für ein anschauliches Beispiel auf höherer Ebene, siehe auch den Bericht Von Plagiat-Professoren und anderen "Einzelfällen" meiner Kobloggerin Trota).

Wozu das alles? Zum Nachweis der Fähigkeit selbstständigen wissenschaftlichen Arbeitens, würden wahrscheinlich viele erwidern. Meiner Erfahrung nach spielt der Doktorgrad aber nur noch eine formale Rolle – etwas, das man auf dem Weg eben haben muss. Um die akademische Befähigung zu überprüfen, wird stattdessen in den Lebenslauf geschaut: Was hat jemand schon publiziert, organisiert, wo hat er oder sie sich engagiert und so weiter. Ich denke, die akademische Welt täte sich damit einen Gefallen, sich vom archaischen und zudem für Missbrauch und Täuschung anfälligen Promotionssystem zu verabschieden. Den Ausschlag gäbe dann nicht, wie sich jemand nennt, sondern was jemand geleistet hat.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Frage, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promoviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Der Forscher und Autor ist auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschsprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert." Ausgewählte Beiträge erscheinen auch auf Telepolis – Magazin für Netzkultur, für das Stephan Schleim seit vielen Jahren schreibt.

45 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessanter Gedanke

    Ein interessanter Gedanke. Vielleicht würde sowas auch endlich dazu führen, dass fertig diplomierte (bzw. M. Sc.) Naturwissenschaftler nicht mehr für “Appel und Ei” mehrere Jahre Vollzeit+ arbeiten müssen, um ihren Dr. zu bekommen.

    (die Situation in den geisteswissenschaften kenne ich nicht, kann mir aber nicht vorstellen, das sie besser ist)

  2. link 2. absatz von unten geht nicht.

    ansonsten sauber!! studiere im 2. semester und sehe das ganze genauso 🙂

    MfG

  3. Frankreich

    In Frankreich müssen die beiden Gutachter von einer anderen Universität sein als Doktorand und Betreuer. (Insbesondere ist der Betreuer nicht der Gutachter.) Neben dem Betreuer und den beiden auswärtigen Gutachtern gibt es noch 4 weitere Mitglieder in der Promotionskomission, meist sind auch diese von auswärtigen Universitäten.

  4. Kind mit dem Bade..

    Hallo Stefan,

    auch wenn die Missstände, die du bei der Vergabe von Doktortiteln siehst, nicht alle von der Hand zu weisen sind, sehe ich den Zusammenhang zu den Plagiatsaffären nicht.

    Natürlich gäbe es die Plagiatoren Guttenberg, Koch-Mehrin und andere nicht, wenn es keine Doktortitel gäbe oder wenn diese keine gesellschaftliche Anerkennung hätten. Aber das taugt nicht als Rechtfertigung. Ebenso gut könnte man eine hohe Quote von Autodiebstählen als Anlass nehmen, über die Abschaffung von Autos zu debattieren.

    Dass nur der Bundespräsident Titel verleiht, wäre mir neu. Weltmeistertitel werden zum Beispiel von Sportverbänden verliehen. Handwerksmeister und -gesellentitel werden von Handwerkskammern verliehen und akademische Titel eben von den Universitäten. Adelstitel werden sogar vererbt.

  5. @ Joachim: Vorteile und Titel?

    Wenn ich tatsächlich das Kind mit dem Bade ausschütten würde, dann müsstest du in der Lage sein, Vorteile des bestehenden Promotionssystems aufzuzeigen und beispielsweise einen Verbesserungsvorschlag zu machen, um Vorteile zu behalten und Nachteile zu beseitigen. Ansonsten gibt es keine sinnvolle Unterscheidung zwischen Kind und Bad und ist der Vorwurf gegenstandslos.

    Dass nur der Bundespräsident Titel verleiht, wäre mir neu.

    Und darum ist es falsch? Vielleicht bist du bloß nicht informiert. 😉

    Weltmeistertitel werden zum Beispiel von Sportverbänden verliehen.

    Na ja, ob das Titel im selben Sinn sind, da diese ja an Mannschaften und nicht an Individuen vergeben werden, wage ich zu bezweifeln. Niemand würde “Herr Weltmeister Deutschland” sagen usw.; oder vielleicht niemand außer der Bildzeitung (“Wir sind Papst”). Davon abgesehen, ob es diesen Sprachgebrauch gibt, bezweifle ich, dass er formal korrekt ist. Würde man nicht einfach sagen, jemand ist Weltmeister und nicht, jemand hat den Weltmeistertitel erhalten?

    Handwerksmeister und -gesellentitel…

    Sind vielleicht eine Ausnahme, über die ich noch nicht nachgedacht habe. Habe jetzt keine Zeit, das genau nachzulesen, aber zumindest sei hier Wikipedia zitiert, unterm Abschnitt “Heutige Titel” von “Titel” steht:

    Schließlich sei noch der Meistertitel erwähnt. Dies ist ein echter Titel im Gegensatz zu den oft erwähnten akademischen Graden.

    …akademische Titel eben von den Universitäten.

    Nee, eben nicht (petitio principi). Nicht nur sprechen die Gesetzes- und Amtstexte korrekt vom “akademischen Grad”, sondern das steht so auch auf den Urkunden.

    Adelstitel werden sogar vererbt.

    Die wurden nach dem ersten Weltkrieg per Gesetz und ersatzlos abgeschafft, zusammen mit dem letzten deutschen Kaiser.

    Der Einfachheit halber eben Wikipedia dazu: “Adelstitel gehören seit Ende des Ersten Weltkriegs 1918 in Deutschland und Österreich der Vergangenheit an.”

    So viel zum Thema, “das wäre mir neu.” Immerhin beinahe hundert Jahre auf dem Buckel. 🙂

  6. “Und darum ist es falsch? Vielleicht bist du bloß nicht informiert. ;-)”

    Oder du bis nicht informiert. Siehe den “Meister”.

    “und beispielsweise einen Verbesserungsvorschlag zu machen, um Vorteile zu behalten und Nachteile zu beseitigen.”

    Nun, man könnte, wie du selbst vorschlägst, die Sonderbehandlung des Doktortitels im Personalausweis abschaffen. Dazu muss man ihn nicht gleich ganz abschaffen. Und ja, ich benutze das Wort “Titel” auch umgangssprachlich. Namenszusätze wie “Baron von und zu” und akademische Grade wie “Diplomingenieur” werden duchaus auch in Deutschland noch als Titel wahrgenommen.

    Da du aber gleich persönlich reagierst, möchte ich es nicht weiter vertiefen.

    Entschuldige meine Einmischung. Kommt nicht wieder vor.

  7. Persönlich?

    Hmm, ich habe versucht, mich über das Thema zu informieren und dabei einen Fall übersehen, der für den Hauptpunkt des Posts übrigens nebensächlich ist. Ich will es bei Gelegenheit nachholen; aber was ist hier persönlich?!

  8. Meister

    “Handwerksmeister und -gesellentitel werden von Handwerkskammern verliehen und akademische Titel eben von den Universitäten.”

    Stimmt nicht ganz. Einen Gesellentitel gibt es nicht. Mit dem Bestehen der Gehilfenprüfung (Gesellenprüfung) endet die meist dreijährige Berufsausbildung in einem Handwerksberuf, der Lehrling ist nun Geselle. Nach weiteren drei Jahren kann er die Meisterprüfung ablegen und darf dann den Titel “Meister” führen, der ihn befähigt Lehrlinge auszubilden und einen Betrieb selbstständig zu führen.

    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Meister

    Einen akademischen Titel gibt es auch nicht, sondern nur einen akademischen Grad, wie Stephan Schleim ja bereits schrieb.

    Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Akademischer_Grad

    Meister im Mittelalter:
    “Meister (mhd. meister, ahd. meistar; von lat. magister = Leiter, Lehrer). Im MA. wurde der Titel für höchste Leistung auf einem bestimmten Gebiet (Meisterschaft) auf folgende Personen angewandt: 1) Lehrer an Dom- und Klosterschulen (Magister); 2) Inhaber des höchsten akademischen Grades der Artistenfakultät (Magister artium); 3) Handwerker mit dem qualifizierenden Abschluss der Meisterprüfung und eigenem Betrieb(Handwerksmeister); 4) sma. bürgerliche Dichter (Meistersinger) ; 5) geistlicher Lehrer, der Schüler (Jünger) um sich schart; 6) höfische oder militärische Würdenträger: Meister Hildebrand war Waffenmeister des Dietrich von Bern; 7) hervorragende, schulbildende Geistliche, Gelehrte oder Künstler (beispielsweise seien genannt der Mystiker, “Lebemeister”, Eckart; der Naturwissenschaftler, “maister von der natur”, Konrad von Megenberg; der Maler Meister Bertram von Minden).”

    Quelle: http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Meister

  9. Titulaturen

    Abusus non tollit usum.

    Und – diese Einschätzung beruht zugegebenermassen auch bei der Introspektion meiner eigenen Psyche – man sollte die Eitelkeit nicht unterschätzen. Sie ist eine wichtige Triebfeder. Eben nicht nur des Betruges, sondern auch des rechtschaffenden Fleisses.

    Ausserdem wär’ ich dann arbeitslos, denn einer meiner Jobs ist es, Laudationes auf Ehrendoktoren zu schreiben.

    Würdest Du auch die “h.c.”-Doktoren abschaffen wollen?

  10. @ Helmut: usus

    Du hast Recht, Helmut, aber was ist dann “usus”? Kannst du das ausformulieren, wofür wir akademische Grade der Doktoren brauchen, welchen primären Nutzen sie in der heutigen akademischen Landschaft haben? Sicher nicht allein, um die Eitelkeit mancher Menschen zu befriedigen.

    Das Argument von der Eitelkeit ist nun konsequentialistisch gedacht: Wenn dabei etwas Gutes herauskommt, dann ist die Eitelkeit als Motivation gut. Dabei müsste man (als konsequenter Konsequentialist) aber berücksichtigen, ob unterm Strich mehr gute oder schlechte Folgen aus der Eitelkeit entstehen, sonst wird man Opfer einer selektiven Verzerrung.

    Über Ehrenauszeichnungen habe ich noch nicht nachgedacht. Warum nicht? Aber sicher nicht als Doktor”titel”.

  11. P.S. Zu viele DoktorInnen

    In Nature gab es übrigens kürzlich eine Artikelserie darüber, dass weltweit zu viele DoktorInnen “produziert” würden, was zudem die Standards verringere:

    Nature 472, 276–279; 2011
    Nature 472, 280–282; 2011

    In der aktuellen Ausgabe verweisen zwei Leser aus China darauf, dass China im Jahr 2010 117.000 Doktoren “produziert” habe, eine Verzehnfachung seit 1999.

    Nature 474, 450; 2011

  12. Usus

    Nein, einen primären Nutzen vermag ich auch nicht zu erkennen. Natürlich könnte man die Person jeweils “nach Leistung” (Publikationen, Drittmittel, Lehrleistung)bewerten, und das tut man ja auch – Doktor hin oder her. Zudem setzt sich ja in den Nat.Wiss. auch mehr und mehr die kumulative Dissertation/Habilitation durch – der Titel wird also mehr und mehr zum “Fleissmärkchen”.

    Dennoch möchte ich die Titulaturen nicht missen. Eitelkeit, ich sagte es schon ist eine Triebfeder, positiver gesprochen: auch ein gewisser Stolz, es geschafft zu haben.

    Und – du magst mich einen rückwärtsgewandten Romantiker schelten – ich mag die akademische Tradition, in die man mit den Titeln (die es ja in allen möglichen Abstufungen gibt) eintritt. Der “stud.med.”, der sich ab dem ersten Staatsexamen “cand.med.” nennen darf, die feindifferenzierte Unterscheidung zwischen “apl” und “o”Profs., der Unterschied zwischen einen PD und einem Dr.habil. — was für eine herrliche Spielwiese (ja, auch der Eitelkeiten).

    Aber auch der Subtilitäten! Am Hoef von Louis XIV kann’s nicht subtiler zugegangen sein. Wusstest Du, dass die Anrede “Spectabilis” (für den Deacanus) nur DER im Munde führen darf, der selber mal Dekan oder Präsi gewesen ist? “Normal-sterbliche Akademiker” haben den Dekan mit “Spektabilität” anzureden, dürfen das Latein nicht im Munde führen…

    Ich find’ das alles herrlich – auch herrlich albern. Nein, ich möcht’ die Spielwiese der Titulaturen nicht missen.

    Letzter Witz (damit eröffne ich alle Jaher meine Vorlesung im ersten Semester):

    “Guten Tag meine Damen und Herren studiosi et studiosae medicinae! Mein Name ist Privatdozent Doctor rerum naturalium Diplom-Biologe Helmut Wicht. Entnehem Sie dem bitte, dass die Akademiker – anders als die echten Ratten – ihre Schwänze vorne tragen…”

    Dann lachen wir alle, die Studenten sagen “Herr Wicht” zu mir, es sei denn, sie wollten mich veräppeln oder haben eine ganz ernste, mitunter auch konfliktgeladene Frage, dann sagen sie “Herr Doktor”. So wie ich zu einem Professor genau dann “Herr/Frau Professor” sage, wenn ich ihn/sie in seiner/ihrer Funktion udn Expertise, weniger als Person ansprechen will.

    Und da find ich es dann auch wieder gut, dass in diesen Titulaturen Sub- und Supraordinationsverhältnisse, aber auch Verantwortlichkeiten ihren Ausdruck finden.

  13. @ China

    Wenn China 117000 Doktoranden pro Jahr hat, ist das gemessen an der Gesamtbevölkerung doch nicht viel. (Deutschland hat relativ gesehen sicher mehr.) Und wenn das 10mal so viele wie vor 12 Jahren sind, dann sagt das eher etwas über den Zustand der chinesischen Universitäten in den 90er Jahren aus, die damals chronisch unterfinanziert waren und entsprechend wenige Doktoranden bezahlen konnten, weshalb damals Tausende chinesischer Doktoranden in die USA gingen.

    Eine andere Frage ist natürlich, wie es mit der Qualität der Promotionen in China aussieht. Aber das müßte man dann genauer untersuchen.

  14. @ Helmut: Dein Name?

    Dein Witz in allen Ehren, dein Name ist das sicher nicht alles; dein Name ist “Helmut Wicht”; ist das nicht genug? 🙂 Vielleicht besser: “Ich bin Privatdozent etc. etc.”

    Weißt du, ich finde gewisse Traditionen der Tradition halber auch schön und Selbstzweck genug. Das passt aber nicht zu den Bildungsfabriken, in denen es keine Zeit mehr dafür gibt. Mir hat man beispielsweise gesagt, ich sei durch die Anmeldung zur Abschlussprüfung vom stud. phil. zum cand. phil. “aufgestiegen”. Ob das so stimmt und ein anderer nicht wieder eine andere Meinung hat? Dann wünsche ich mir ein Pflichtfach “akademische Tradition” für alle. Übrigens würdest du an einer niederländischen Verteidigung deine Freude haben.

    Wenn die Universitäten weltweit ohnehin zu viele DoktorInnen “produzieren” (siehe andere Kommentare), dann wäre es vielleicht gar nicht mal schlecht, durch die Abschaffung der falschen Titel schon einmal diejenigen abzuschrecken, die ihn nur oder vor allem aus Eitelkeit erwerben wollen.

  15. @ Thilo: Wie viel ist genug?

    Ja, in Relation wäre das nicht viel aber eine der Fragen ist ja, wie viele DoktorInnen absolut gesehen “genug” sind.

    Einer der zitierten Nature-Artikel listet unter der Überschrift “Patters of PhD production” übrigens fürs Jahr 2008 ca. 50.000 für China, ca. 16.000 für Japan, ebensoviel für UK und sage und schreibe ca. 26.000 für Deutschland (472, S. 277).

    Die im Leserbrief angegebene Zahl von >100.000 sollte man daher mit Vorsicht genießen — unwahrscheinlich, dass sich die Zahl binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt.

    Danke übrigens für den interessanten Verweis auf Frankreich.

  16. Einen Virus kann man nicht abschaffen…

    Prinzipiell stimm ich der Analyse/Beitrag und vielen Kommentaren zu. Nur die “Lösung” sieht mir wie ein Holzhammer fürs Steine zertrümmern aus. Der Dr. Titel teilt bei Vergleich viele Eigenschaften eines Virus. Er reproduziert sich bis der Wirt(scientific community) zusehends leidet(zuviel Promotíonen für zuwenig Prof. Stellen und publish or perish Credo statt Qualität). Er lässt sich auch schwer in seiner Evolution kontrollieren, was für ein Evaluations- und Qualifikationssystem natürlich Sinn und Zweck ist um zeitlose Kriterien zu schaffen. Er lässt sich nicht abschaffen, nur wenn man alle Wirte tötet oder Medizin mit Nebenwirkungen verabreicht. Oder er wird durch einen erfolgreicheren Virus verdrängt. Das wäre meine Frage in die Runde, welcher Virus/System wär besser, Abschaffen halt ich wg. der systemischen Natur der Promotion für ausgeschlossen. Promovierte, die letztendlich eine Abschaffung in Gang setzen und final abschaffen müssten, nivellieren dann ja ihren eigenen Titel und Pfründe…

    Wiss. Arbeiten lernt man imo grösstenteils in der Praxis durch Gruppenarbeit, Anleitung von Experten.(Promoviert bei so & so macht oft mehr her als der Titel selbst) Das seh ich mit Bachelor und Master nicht mehr gegeben in den Naturwissenschaften. Es hat Gründe, warum bei Physik Diplom die Abschlussarbeit 12 statt üblichen 6 Monate in vielen Nachbarwissenschaften dauerte. Zudem würd ich persönlich manchen Wiss.blog nicht lesen, wenn der Autor z.B. über Evolutionsbiologie/Kosmologie schreibt aber nicht darin promoviert/publiziert hat. Aber da liegt die eigene Messlatte natürlich unterschiedlich. In einer Zeit in der Wissen immer komplexer, interdisziplinärer und vielschichtiger wird, dann einzelne von mehreren Qualitätsebenen komplett abzuschaffen halte ich für einen Irrweg. Da würde ich mir mehr echte Experten als selbsternanntes Expertentum wünschen, dass in den Medien sich wichtig tut.

    Warum z.B. die Promotion nicht auf 2 Jahre verkürzen (Post-Diplom/Master Zeit an wiss. Forschungseinrichtung ohne irgendeinen Titel. Man sollte dann auch nicht mehr publizieren müssen, sondern nur, wenn man neue Daten/Theorien in dieser Zeit erarbeitet hat. Bei den jetztigen Promotionen herrscht ja momentan ein Zwang “irgendetwas” als finales Resultat zu veröffentlichen. Ob jemand aber letztendlich Prof.Laufbahn/Verbleib in der Wissenschafts-Karriereleiter anstrebt, entscheidet sich aber nicht an Note und Verleihung des Doktortitels, sondern an Qualität seiner Publikationen. Warum also nicht gleich die externen Leser den Post-Master bewerten lassen und weiterfördern/-abwerben zur eigenen Arbeitsgruppe statt aufwändig externes Prüfssystem zu etablieren (künstliche nutzlose Redundanz) 2 Jahre PHD sollten genug sein, um zu zeigen ob jemand talentiert, willig und produktiv ist.

    Natürlich stimme ich dir insofern zu, dass ein radikaler systemischer Umbruch vollzogen werden muss. Man sollte es bei Master und Prof als Qualifikationmerkmale belassen, da hier Vergleichbarkeit herrscht, die bei einer Promotion über Messreihen an neuen Materialien vs. theo. Quantenphysik oft innerhalb einer Disziplin nicht gegeben ist.

    Die Junior-Professur wurde wohl eingeführt und das Promotionsverfahren belassen damit man weiter Laborsklaven & Seminarleiter zum Niedrigtarif hat auf Dauer – Stichwort Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Wenn der Titel aber wie jetzt seinen Wert verliert wird dass zu einer Rückkopplung führen und viele sich fragen warum bei Erfolgsaussichten auf eine Professur und sinkenden Renten jahrelang an der Uni Roulette spielen. Ich denke nicht, dass es Studium, Promotion und Post-doc Zeit braucht, um herauszufinden ob jemand für eine Professur fähig ist bei Ministern und Grossunternehmenschefs anfangs der 30er. Auch muss man mal die Professur auf Lebenszeit in Frage stellen, wenn die Lebenszeit immer weiter steigen wird in Zukunft und von jedem Mobilität und Flexibiltät erwartet wird. Die Debatte Beamte nach Leistung zu bezahlen, wird ja auch von Zeit zu Zeit durchs Dorf getrieben, in Griechenland bis zum Bankrott. Die Wissenschaftler/Master sitzen im System, sie sollten anfangen mehr Forderungen zu stellen als tragende Mittelsäule, Junior-Professur scheint mir eine Sackgasse zu sein.

  17. Entschuldigung

    Stephan,

    ich muss mich bei dir entschuldigen, ich sollte aufhören, impulsiv zu antworten. Was mich an deiner Antwort gestört hatte, war, dass du mir die Worte verdrehtest. Ich habe doch gar nicht behauptet, dass deine Aussage falsch sei, weil sie mir neu ist. Ich drückte nur meinen Zweifel aus, dass die Aussage, Titel könne nur der Bundespräsident verleihen, richtig ist.
    Ich halte sie immer noch für falsch.

    Deinen spöttischen Satz am Ende deiner Antwort, fand ich unsachlich. -> persönlich.

    Die Wikipedia-Beiträge zum Thema “Titel” halte ich für unvollständig, weil sie nur auf Gesetze abzielen. Sie erklären also den Begriff “Titel” in juristischen Texten. In meinem Lexikon steht zunächst:
    Titel 1)allg.: Beruf, Stand, Würde angebende Bezeichnung.

    In diesem Wörterbuchsinn sind eben auch akademische Grade, Sportmeister (es gibt auch Einzelsportarten) und Adelsbezeichnungen Titel, selbst wenn sie keine gesetzliche Bedeutung haben oder im Gesetz nicht “Titel” genannt werden. Sie haben ihre Bedeutung eben aufgrund gesellschaftlicher Anerkennung. Nicht durch Gesetz.

    Aber das war es doch gar nicht, was ich an deinem Blog kritisiert hatte. Es war nur ein Nebensatz. Der Kern ist, dass die Plagiatsfälle doch nicht der Anlass sein können, Doktorgrade abzuschaffen. Es mag dafür Grunde geben und man kann drüber diskutieren. Aber dass sich jemand einen (ich nenne es immer noch so) Doktortitel erschlichen hat, ist kein Grund für die Abschaffung.

  18. @ Joachim

    Ich fand deine Reaktion keinesfalls dumm. Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne mal provoziere, um Leute aus der Reserve zu locken. Ich hoffe, du kannst es mir verzeihen.

    Ich glaube dir, dass das so in deinem Lexikon steht. Ich finde interessant, dass du Recht und Gesellschaft trennst, denn die ureigene Rolle des Rechts ist doch, den gesellschaftlichen Umgang zu ordnen und zu schützen, wo dies nötig ist.

    So findet sich beispielsweise auch der Strafrechtsparagraph, den ich zitiere, im 7. Abschnitt “Straftaten gegen die öffentliche Ordnung”. Die Universitäten, die die akademischen Grade verleihen, sind üblicherweise Anstalten des öffentlichen Rechts. Dass sich nur derjenige Doktor (Diplom-Physiker usw.) nennen darf, der eine Urkunde hat, ist auch rechtlich geregelt.

    Ich kann dich nicht davon abhalten, weiter von “Doktortiteln” zu sprechen; ich werde dann eben verstehen, dass du es im umgangssprachlichen Sinn meinst, auch wenn ich es streng genommen für falsch halte; so wie ich es beispielsweise auch für Falsch halte, von einem “Wirtschaftsnobelpreis” zu sprechen, wenn es in Wirklichkeit der “Preis der Schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel” ist etc.

  19. @Markus

    Der Artikel ist gut. Auch ich finde den heutigen Umgang mit Adelsbezeichnungen und Doktorgraden antiquiert.

    Ich habe aber in der experimentellen Atomphysik meine Promotionszeit als sehr positiv empfunden und bin sicher, dass mein Doktorvater und der Zeitgutachter die Dissertation aufmerksam gelesen haben. Ich finde diese noch heute nicht langweilig und würde sie jedem empfehlen, der sich zufällig für atomaren Dichroismus interessiert (also sehr wenigen).

    Was will ich damit sagen?
    1) Wir können nicht alle Fachbereiche und alle Formen von Dissertationen in einen Topf werfen. Dissertationen, die nur zum Zweck des Titelerwerbs angefertigt werden und nicht mal vom Promovierenden selbst ernst genommen werden, sind im besten Fall nutzlos. Vielleicht schädlich. Dissertationen, die echte wissenschaftliche Erkenntnis bringen, können wissenschaftlich wertvoll sein. Oft bieten sie eine viel bessere Grundlage, sich in ein Thema einzuarbeiten, als eine Fachpublikation.

    2) Man kann einen akademischen Grad dort lassen, wo er hingehört. Ich habe mich in meinem Leben noch nicht mit “Doktor Schulz” vorgestellt, auch nicht mit “Herr Schulz”. Wenn man mich fragt, bin ich “Joachim Schulz”, oft auch nur “Joachim”, in den USA “Joe”. In e-mails, die ich entweder geschäftlich führe (also als wissenschaftlicher Mitarbeiter) oder die mit meinem Hobby als Wissenschaftsautor zu tun haben, tauchen die Buchstaben D und r dagegen regelmäßig im Foot auf. Nie in der Unterschrift. Es gibt Leute, die sich dafür interessierten.

    3) Das “Dr” sollte natürlich keinen Stand anzeigen. Höchstens einem im akademischen Bereich, aber keinen gesellschaftlichen. Leider tut es das aber in den Augen vieler Menschen doch. Ganz ähnlich, wie die Adelstitel. Das ist der Grund, warum ich Doktorgrade de facto als Titel sehe. Gutheißen muss ich es deshalb nicht, aber man nimmt es zur Kenntnis.

    Ich könnte mich also gut damit anfreunden, den Doktortitel aus dem öffentlichen Leben zu verbannen und ihn dort zu behalten, wo er hingehört. In dem jeweiligen wissenschaftlichen Zusammenhang. Ihn aber auch in der experimentellen Atomphysik abzuschaffen, unterstütze ich nicht. Dort ist er ganz sinnvoll.

  20. Titel, Thesen, Temperamente

    “Ich finde interessant, dass du Recht und Gesellschaft trennst, denn die ureigene Rolle des Rechts ist doch, den gesellschaftlichen Umgang zu ordnen und zu schützen, wo dies nötig ist.”

    Richtig, aber nur dort. Insbesondere regeln Gesetze keinen Sprachgebrauch. Das Wort “Ampel” kommt auch in keinem Gesetz vor. Dennoch bringe ich meinen Nichten und Neffen nicht das Wort “Lichtzeichenanlage” bei. Ich möchte ja, dass sie verstanden werden 😉

    Dass es gesetzlich geschützte Titel gibt, und andere, die im Gesetz nicht vorkommen, ist eine Tatsache. Dass die Wikipedia das Vorhandensein außergesetzlicher Titel ignoriert, verwundert mich aber. Der “Baron” wird nun mal in Deutschland vom Gesetz als Namenszusatz und vom Volk als Titel verstanden. In Österreich ist er verboten. Der Weltmeistertitel im Bogenschützen ist gesetzlich nicht geschützt. Wer ihn unrechtmäßig trägt, macht sich lächerlich, nicht strafbar. Es wäre mir auch recht, wenn das selbe für die Doktorwürde gelte.

    Was hältst du eigentlich von dem Begriff “Doktorwürde”, ich glaube, der kommt in den Urkunden vor und betont meines Erachtens die Titelfunktion.

    Nun debattieren wir leider doch unter dem Vorzeichen Koch-Mehrin etwas, was die Dame (auch ein Titel) so nicht verdient hat 🙂

  21. Aus meiner Sicht sollte der Doktor wirklich nur noch dann vergeben werden, wenn abzusehen ist, dass der Doktorand später auch wirklich aktive Beiträge zur Wissenschaft verfasst. Für mehr als die Hälfte ist das aber nicht mehr als ein Karriere-Boost. Auch für Ärzte sollte der Doktor restlos abgeschafft werden. Viele Ärzte erhalten ohne Dissertation ja kaum Patienten, weil die Menschen denken, nur Doktoren wären besonders hilfreiche und wissende Ärzte. Dabei haben sie dann zu Themen wie Katzenaugen promoviert. Können Sie deshalb Migräne besser behandeln?

  22. …was jemand geleistet hat

    @ Abschaffung des Doktortitels – ein guter Vorschlag. – Die Qualität in Forschung und Lehre (!) allerdings zu sichern, bleibt als Aufgabe bestehen. Dies sollte nicht der Job einzelner “akademischer Hygienebeauftragter” sein, sondern in den Universitätsbetrieb integriert. Das wiederum würde auch dem Nachwuchs eine andere Idee auf den Weg geben, wozu Studium und akademische Qualifikation verpflichten.- P.S. Schade, dass sich hier scheinbar niemand für die erwähnten, offenbar weit objektiver angelegten Promotionsverfahren im Ausland interessiert.

  23. Zusammenfassung

    Mein Beitrag war durchaus zur Provokation geschrieben; mich wundert nun doch, dass sich hier niemand eingefunden hat, den akademischen Doktorgrad wirklich zu verteidigen — von Helmut Wichts Plädoyer für die Bewahrung von Traditionen einmal abgesehen.

  24. Wie soll das gehen?

    Die Uni braucht vielleicht die Doktoren außerhalb der Uni nicht. Und angesichts der Scherereien mit pseudopromovierten Politikern in letzter Zeit kann ich verstehen, dass man solche Leute am liebsten auf einen Schlag los wäre. Aber so einfach ist das nicht.

    Die Wissenschaftlichen Mitarbeiter sind eine wichtige Quelle billiger Arbeitskraft für die Universitäten, und diese Leute sind nur mit der Gelegenheit zur Promotion (und das heißt: Mit einem Titel, den sie anschließend außerhalb der Uni tragen können) zu motivieren. In vielen Fällen gar nicht mal aus Eitelkeit, sondern weil man ja anschließend einem Arbeitgeber erklären muss, was man vier Jahre lang gemacht hat. Die Tätigkeit in Forschung und Lehre wird dabei meiner Erfahrung nach von Privatwirtschaftlern nicht anerkannt.

    Kein Mensch korrigiert jahrelang für kleine Münze Seminararbeiten, wenn er anschließend außer einem Loch im Lebenslauf nichts davon hat. Das schließt mich selbst mit ein: Ich habe als wissenschaftliche Mitarbeiterin promoviert, und ich hätte weder das eine noch das andere getan, wenn ein anschließender Wechsel in die Wirtschaft nicht möglich gewesen wäre.

    Wenn man den Doktor abschaffen will, dann ist das auf Dauer auch das Ende der befristeten Stellen. Unbefristete (und tendenziell auch besser bezahlte) Stellen kosten natürlich mehr als die jetzige Lösung; es gibt die Einstellung des Promotionen nicht umsonst. Mehr Geld? Gibt es normalerweise für mehr Verantwortung. Aber Ihr Vorschlag zielt ja gerade darauf ab, dass die Unis einen Teil gesellschaftliche Verantwortung abgeben sollen.

  25. Präkariat

    Damit hätten wir nun also eine wunderbare ökonomische Rechtfertigung für das wissenschaftliche Präkariat: Leute, lasst euch ausbeuten, denn es ist einfach nicht mehr Geld da!

    Die Wissenschaftlichen Mitarbeiter sind eine wichtige Quelle billiger Arbeitskraft für die Universitäten, und diese Leute sind nur mit der Gelegenheit zur Promotion (und das heißt: Mit einem Titel, den sie anschließend außerhalb der Uni tragen können) zu motivieren.

    Danke, mit welcher Offenheit Sie dieses auf Ausbeutung gerichtete System hier charakterisieren.

    In vielen Fällen gar nicht mal aus Eitelkeit, sondern weil man ja anschließend einem Arbeitgeber erklären muss, was man vier Jahre lang gemacht hat. Die Tätigkeit in Forschung und Lehre wird dabei meiner Erfahrung nach von Privatwirtschaftlern nicht anerkannt.

    Da gib es Unterschiede. In traditionsreichen deutschen Konzernen wird man durchaus auch von Kollegen mit “Herr Dr./Frau Dr.” angesprochen und das “Argument” zahlt sich auch bei Gehaltsverhandlungen aus. Ich denke da an Bereiche wie Recht, biochemische Industrie, Wirtschaft usw.

    Ich hatte eine halbe Stelle mit ca. EUR 1.000 (netto) Einstiegsgehalt und ca. 1.100 Ausstiegsgehalt. Daneben gab es kaum etwas, sondern nur Kürzungen und viele wurden obendrein noch über den Tisch gezogen (z.B. “Wir bezahlen hier nur 90%, denn die Lebenserhaltungskosten sind ja niedrig”; oder “Sie hätten ja innerhalb der ersten Wochen aus der Firmenrente austreten können, wenn sie das nicht wollen — Warum hat mir das denn niemand gesagt?”). Schon um die Prämie meiner Lebensversicherung zu bezahlen, musste ich nebenbei Jobben.

    Zum Vergleich: Mein Doktorand hier in Groningen hat einen Vierjahresvertrag für eine volle Stelle, von € 2,042 im ersten bis € 2,612 (brutto p. Monat) zzgl. großzügiger Willkommenspauschale, Urlaubs- und Weihnachtsgelds (faktisch ein 13. und 14. Monatsgehalt).

    Bitte denken Sie noch einmal über Ihr Argument nach. Um Kriege zu führen, Milliarden in einer Mautanlage zu versenken und Banker zu retten haben wir plötzlich Milliarden zur Verfügung — aber um begabte junge Menschen auch nur annähernd angemessen zu bezahlen, dafür fehlt das Geld.

  26. Sie haben mich missverstanden

    Es ging mir nicht darum, die Praxis an den deutschen Unis zu rechtfertigen. Ich denke nur, das System bricht (m. E. verdientermaßen) zusammen, wenn mit der Möglichkeit zur Promotion die Perspektive fehlt.

    Wenn Sie jemanden für mehr als ein paar Monate einstellen, dann sollte dieses Stellenangebot eine Perspektive bieten. Das ist nicht nur eine Frage der Moral; Sie kriegen dann auch mehr und bessere Bewerber.

    Diese Perspektive kann außerhalb der Uni liegen. Dass Leute mit “Doktor” in manchen Firmen besser bezahlt und behandelt werden, ist so eine Perspektive. Die wollen Sie aber gerade abschaffen.

    Bewerber mit vier Jahren Unitätigkeit aber ohne Doktor werden jetzt von der Privatwirtschaft nicht besser behandelt als Leute, die frisch von der Uni kommen, und ich sehe nicht, dass sich das ändert. Eine befristete Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter ohne Promotionsmöglichkeit wird deshalb mit einer Festanstellung in der Wirtschaft nicht konkurrieren können. Die Höhe des Gehalts ist dabei zweitrangig. Fragen Sie mal Ihren Groninger Doktoranden, ob er den Job noch machen würde, wenn er nach vier Jahren mit Sicherheit ohne Doktor und ohne Stelle dastünde.

    Die Alternative ist die Schaffung unbefristeter Stellen im Mittelbau der Universitäten. Das ist wirklich keine schlechte Idee; sie kostet aber Geld. Geld, das Sie beschaffen müssen, denn Sie wollen diese Reform.

    Davon abgesehen: Die Befristung von Mittelbaustellen ist so gewollt, und durchaus in den Universitäten selbst. Vor ungefähr zehn Jahren, als die Juniorprofessur neu war, sagte mir ein Professor: Das beste daran sei die harte Befristung, und ganz besonders wichtig sei, dass auch in Zukunft immer mal wieder einige Leute daran scheiterten und zu Sozialfällen würden, denn nur so ließen sich akademischer Standard und hohe Motivation herstellen… Das ist zwar sachlich falsch und moralisch ein Skandal. Aber gegen diese Mentalität müssen Sie erst mal ankommen.

    Alternativ könnte man natürlich auch: Dissertationen gründlich prüfen, ganz besonders wenn sie von Leuten mit vielfältigem Engagement außerhalb der Uni kommen. Und dann das Rückgrat haben, notfalls die Promotion auch zu verweigern. Also das, was in den meisten Promotions- und Prüfungsordnungen vorgesehen ist und wofür die Uni (unter anderem) finanziert wird. Das ist auf Dauer nicht schwieriger, als die Promotion abzuschaffen.

  27. Wissenschaftspolitik

    Die Alternative ist die Schaffung unbefristeter Stellen im Mittelbau der Universitäten. Das ist wirklich keine schlechte Idee; sie kostet aber Geld. Geld, das Sie beschaffen müssen, denn Sie wollen diese Reform.

    Ein strukturelles Problem ist, dass das Wissenschaftsministerium (BMBF) in Deutschland verglichen anderen Ministerien wenig zu sagen hat, es gilt als B-Ministerium, das heißt zweitrangig. Wenn die Innenminister der Länder sich quer stellen und sagen, sie sehen nicht ein, wieso sie junge WissenschaftlerInnen anders bezahlen sollen als Verwaltungsangestellte im öffentlichen Dienst, dann ist die Debatte für die Politiker beendet. Die Wirtschaft hat daran auch kein Interesse, denn je schlechter die akademischen Bedingungen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass gute Leute zu ihnen kommen und nicht an den Unis bleiben.

    Ich habe mich lange genug damit herum geschlagen und für mich war nach der Promotion klar: Ich gehe ins Ausland. Dass es dann die Niederlande wurden und obendrein mit so einer guten Anstellung, das war für mich unvorhersehbar. Idealerweise hätte ich mich schon vor der Promotion international informiert. Damals hatte ich aber noch Vertrauen, dass man im öffentlichen Sektor in Deutschland nicht übers Ohr gehauen wird.

    Der Vorteil ist, dass ich nun nicht so weit weg bin, um nicht auch ab und zu die guten Seiten von Deutschland genießen zu können. 😉

    Davon abgesehen: Die Befristung von Mittelbaustellen ist so gewollt, und durchaus in den Universitäten selbst. Vor ungefähr zehn Jahren, als die Juniorprofessur neu war, sagte mir ein Professor: Das beste daran sei die harte Befristung, und ganz besonders wichtig sei, dass auch in Zukunft immer mal wieder einige Leute daran scheiterten und zu Sozialfällen würden, denn nur so ließen sich akademischer Standard und hohe Motivation herstellen…

    Sagt wahrscheinlich ein Prof., der sich selbst nie in diesem System beweisen musste, das er jetzt unterstützt; ebenso wie beispielsweise Langzeitstudiengebühren von einer politischen Elite der Langzeitstudierenden eingeführt wurden. Das nennt man dann wahrscheinlich Generationengerechtigkeit?! Und wir bezahlen dann obendrein später die Rente derjenigen, die uns heute schon das Geld kappen.

    Die Juniorprofessur als Alternative zur Habilitation ist durchaus attraktiv. Diese Deutsche eigenart der Habil., die darauf hinausläuft, dass man erfahrene Akademiker weiter im Abhängigkeitsverhältnis der Professoren belässt, ist schon etwas sehr Besonderes.

    Das Problem bei der Juniorprofessur ist, dass sie nicht darauf ausgerichtet ist, gute Leute zu halten, wie etwa der tenure track (befristete Stelle mit Option auf Festanstellung unter bestimmten, jedoch klar formulierten Voraussetzungen). Man hat drei, maximal sechs Jahre, um sich zu beweisen, und muss dann wieder woanders hingehen. Damit schneiden sich die Unis doch ins eigene Fleisch!

    Allerding gibt es auch Ausnahmen, dass bsp. jemand als Juniorprof einen Ruf an eine andere Uni bekommt und dann an seiner eigenen Uni aus der Juniorstelle eine volle Professor verhandeln kann. Herzlichen Glückwunsch! Das hängt aber immer von äußeren Kontingenzen ab, dass es beispielsweise gerade freie Professuren in diesem Bereich gibt.

    Kurzum, selbst für gute Leute bietet das deutsche System in der heutigen Form keine Planungssicherheit; und das halte ich für eine Schande, zumal in einer der wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt.

  28. Wenn man dabei bedenkt, dass der Doktor-Titel nicht einmal besondere Auswirkungen auf die Verdienststeigerungsrate hat, dann ist das schon ein trauriges Bild. Doktortitel sollten auch nur Doktoren gehören, sprich denjenigen, die dann auch aktiv in ihren entsprechenden Bereichen agieren.
    Bald wird es sowieso einen Ersatztitel geben, so ähnlich wie es jetzt schon bei Bachelor und Master der Fall ist…

  29. heutzutage veraltet

    Finde den Doktortitel völlig veraltet und nicht mehr zeitgemäß. Im Zeitalter des Internets kann man sich sowieso alles zusammenschreiben ohne das es jemand merkt. Er hat meiner Meinung auch keine Vorteile. Die ehrlichen arbeiten hart und lange für den Titel und haben später dann kaum bis gar keine Vorteile im Berufsleben.

  30. Fähigkeit zum Selbstständigen Arbeiten

    Ein sehr interessanter Beitrag, dem ich ihn vielen Teilen zustimme. Als Doktorand ist man tatsächlich auf Geideih und Verderb vom Betreuer abhängig. Was Naturwissenschaften betrifft, darf man nichts tun, ohne seine Erlaubnis, da man keinen Zugang zu finanziellen Mitteln hat. Hat man mal eine andere Meinung oder will mal was ausprobieren, so hängt es an der Gnade des Betreuers dies zu gestatten. Der gibt es dann hinterher als seine eigene Denkleistung aus, wenn vielleicht doch was rauskommt. Eigenständiges Denken wird je länger man da ist immer mehr zum Problem. Wenn man erstmal gewisse Missstände erkannt hat wird man immer häufiger zur Gefahr, es könnten andere Wind davon bekommen oder der Betreuer sieht mal hat Angst er könnte an Autotität verlieren gegenüber dem Doktoranden. Das versucht er durch noch stärkere Autorität zu unterbinden, was soviel heißt, dass man immer wieder bei jeder Gelegenheit gezeigt bekommt, dass man ja ohne die Gnade des Betreuers den Titel niemals erreichen wird. Am Ende hält man den Mund und sitzt das Ganze aus. Mit eigenständiger Arbeit hat das nichts mehr zu tun. Man lernt eigentlich nur, sich so zu Verhalten, dass man am wenigsten Ärger bekommt. Auch als Postdoc ist man nicht viel besser dran (da befristet und häufig kein Geldzugang), aber man braucht die Betreuer wenigstens nicht mehr als Gutachter.
    Was die Plagiatsaffairen angeht zeigt sich doch hier besonders die Tücke des Systems. Lügen und Betrügen ist an der Tagesordnung. Ein Betreuer, der Plagiate nicht erkennt, hat entweder selbst nur abgeschrieben, kennt sich im Fachgebiet nicht aus oder hat die Arbeit nicht gelesen. Alle drei Dinge bezeugen eigentlich nur die Unfähigkeit des Betreuers. Die Ausrede, arglistig getäuscht worden zu sein, soll nur von der eigenen Unfähigkeit ablenken. Aus meiner Sicht hat der Gutachter / Betreuer die Pflicht sich Sachen gewissenhaft durchzulesen und zu hinterfragen. Die Idee, dass die Gutachter aus einer anderen Universität sind, finde ich an sich gut, allerdings gibt es soviele verschiedene Arbeitsideologien, dass es auch zum Nachteil des Doktoranden sein kann, wenn nun der eine das alles ganz anders sieht, als der Andere. So lange keine klaren Vorgaben bestehen, wie wissenschaftlich sauber gearbeitet wird, an die sich alle halbwegs halten, sehe ich nicht, dass das funktionieren wird. Heutzutage will jeder der beste sein, jeder hat die “beste Methode”, jeder weiß genau, “das man das so macht” und “nicht so”. So lange eitle, realitätsferne sozial unfähige Menschen die Chefsessel besetzen, die sich als Krone der Schöpfung sehen, wird sich an dem System nichts ändern. Die Abschaffung des Doktotitels würde einen Zusammenbruch des Wissenschaftssystems in Deutschland bedeuten. Wer würde denn dann Tag und Nacht arbeiten, Daten auswerten, neue Ideen bringen, publizieren? Die Betreuer, die sich Jahre lang in ihrer Eitelkeit sonnen und davon träumen wie toll sie sind?
    Ic wünsche jedem Doktoranden einen offenen, ehrlichen und kompetenten Betreuer und denen, die nicht das Glück haben, starke nerven und die Kraft durchzuhalten!!

  31. Teile Ihre Meinung!

    Ich selbst bin promovierter Rechtanwalt. Meine Promotion habe ich in Ungarn gemacht (bin gebürtiger Ungar). Dort ist der Doktorwahn noch ausgeprägter. Als Jurist erhält nach Studiumende automatisch einen Doktortitel, analog für Chemiker und Pharmazeuten. Die wissenschaftlichen Standards (wenn man davon überhaupt sprechen kann) sind auf dem Niveau von normalen Diplomarbeiten. Ich selbst gebrauche meinen Doktortitel nicht, auch nicht im geschäftlichen Kontext. Für mich ist und bleibt der Doktortitel ein wissenschaftlicher Grad: nicht mehr aber auch nicht weniger.

  32. Also in Serbien kann man einen Doktortitel schon ab 199,90 EUR kaufen 🙂 Dieser ist dann auch im Westen gültig, nach dem man einigen sinnlosen Test’s unterzogen wurde.. So viel zum Doktortitel!!

  33. Dr Titel

    Es gibt immer noch sehr viele Menschen die glauben das jemand der einen Dr Titel hat auch gleichzeitig Arzt ist,bestimmt gibt es auch viele Menschen mit dem Dr Titel die diese Leute in dem glauben lassen sie währen Ärzte.

  34. Wozu das alles?

    Ja, ich stimme dem Beitrag weitgehend zu.
    Der Dr. gilt nicht lebenslang, weil die Halbwertzeit des Wissens kurz und der Wissenszuwachs schnell ist. Einmal Dr. immer Dr.? Mqn kann nicht mehr auf Vorrat lernen.

  35. Notwendigkeit

    Meiner Meinung nach ist ein Promotionssystem eine Spiegelung des Hierachiesystems, dass schon in unseren Genen verankert ist. Der Mensch neigt ohnehin dazu alles und jeden in zahlreichen Stufen zu bewerten. Selbst eine Abschaffung des Promotionssystem wäre nur eine oberflächliche Gleichsetzung.

  36. Interessanter Ansatz … in Südtirol geht das mit den zwei Buchstaben vor dem Namen noch einfacher. Man studiere in Österreich, “warte” auf den Magister und schwups, wandelt man diesen in Südtirol in ein Dr. um. Ohne Promotion ohne nix ;-). Selbst der Landeshauptmann (=Ministerpräsident) Durnwalder, hat es so zu den zwei Buchstaben vor dem Namen geschafft. LG, Julia

  37. land

    ich bin froh, dass ich eher im ländlichen bereich wohne. ich habe hier noch nie was von irgendwelche streikst oder so mitbekommen. und hier spricht sich natürlich schnell rum welcher arzt gut ist und welcher nicht.

  38. danke

    Richtig, aber nur dort. Insbesondere regeln Gesetze keinen Sprachgebrauch. Das Wort “Ampel” kommt auch in keinem Gesetz vor. Dennoch bringe ich meinen Nichten und Neffen nicht das Wort “Lichtzeichenanlage” bei. Ich möchte ja, dass sie verstanden werden 😉

  39. Mein Verfahren

    …in meinem Promotionsverfahren (März 2013) konnte ich nur vorschlagen, wer Zweitgutachter und Prüfer wird. Erstgutachter war natürlich mein Doktorvater (darüber kann man diskutieren),
    aber die Kommission hat entschieden, welchen Zweitgutachter und Prüfer etc. ich bekomme. Meine Vorschläge wurden bei mir abgelehnt und ich habe fremde Professoren in meiner Prüfung vorgesetzt bekommen. Es ist also nicht überall so, dass man sein Ergebnis “beeinflussen” kann.

  40. “Ich studiere im 2. Semetser und sehe es genauso”. Das sagt ja bereits alles. Wie stehen Sie denn zu der Aussage: “Ich beginne im Oktober mein Medizinstudium, lassen Sie mich Ihren Tumor operieren.”?
    Man kann über vieles diskutieren, aber Menschen, die die akademische Welt nur vom Hörensagen kennen, sollten sich mit Urteilen zurück halten.
    Viele Anschuldigungen des Autors halten der Realität nicht stand. So ist die Unterstellung, wonach lediglich der Betreuer die Bewertung einer Arbeit vornimmt, eine Falschaussager. Die Verteidigungen der Arbeiten sind für alle Universitätsmitglieder zugänglich, die Veröffentlichungen garantieren Transparenz und es gibt immer mindestens zwei bis drei Gutachter der Arbeit. Darüberhinaus ist es in vielen Fächern üblich, seine Promotion durch Puplikationen in Fachjournalen zu verwirklichen, deren Referees nicht beeinflussbar sind.
    Die Guttenberg-Fälle stammen allesamt aus einer Zeit blinden Vertrauens, weichen Promotionsordnungen und mangelnder Möglichkeiten der Plagiatskontrolle. Heutige Promotionsleistungen deswegen infrage zu stellen erscheint eher wie die neidbehaftete Antwort auf höhere Leistungen anderer.
    In Zeiten modularisierten Studierens ist die Promotion der einzige verbriefte Nachweis akademische anspruchsvoller Leistungen, was für zahlreiche Arbeitgeber relevant ist.
    Nicht Anfängerstudenten und gescheiterte Promovierende sind für die Entscheidung über die Zukunft von Doktortiteln qualifiziert, sondern einzig die Arbeitswelt entscheidet über die Notwendigkeit und Akzeptanz der Abschlüsse. Wer höhere Gehälter für Promvierte mit dem Unwissen von Arbeitgebern als nicht akzeptabel zurück weist, zeigt nur seine Überheblichkeit in Form von Besserwisserei.

  41. Wenn man Ihre Argumentation konsequent durchsetzt, müsste man auch verlangen, dass der “Meister-Titel” und alle anderen abgeschafft werden sollen, denn es zählen ja nur die Taten. Die Promotion gehört nunmal zur Qualifikation von Akademikern – mehr nicht, aber auch nicht weniger. Ich geben Ihnen aber Recht, dass der Titel in der öfffentlichen Anwendung reichlich überbewertet ist. Auch ist die Qualität eines Promovierten tatsächlich stark von der Fachrichtung und dem Institut abhängig, wo dieser erworben wird. Ich würde nur gerne davon Abstand nehmen, einzelne Skandale (z.B. unter den Politikern) zur pauschalisierten Verdammnis zu nutzen. Schwarze und Weiße Schafe gibt es in allen Bereichen (gute Bäcker, schlechte Bäcker etc.). Grundsätzlich kann man jedem Menschen mit Respekt und Höflichkeit entgegentreten.

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